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Donnerstag, 30. Dezember 2010

Startschuss in das Jahr der Frauen-WM


Die Stadt Frankfurt blickt auf eine große Tradition im Frauenfußball zurück. 1930 wurde am Main der erste Deutsche Frauenfußballclub gegründet. Auch in den 1960er Jahren kickten die Frauen in Frankfurt bei den „Franken66“, bei „Oberst Schiel“ und anderen Clubs, trotz offiziellen Verbots durch die Verbände. Und heute beheimatet die Stadt mit dem 1. FFC Frankfurt einen der erfolgreichsten Frauenfußballvereine der Welt.

Zur Einstimmung auf die bevorstehende Weltmeisterschaft ist im Eintracht Frankfurt Museum noch bis Ende Januar die Ausstellung „20 Köpfe 11 Geschichten – Zur Historie des Frauenfußballs in Frankfurt am Main“ zu sehen. Im Rahmen dieser Ausstellung findet am Mittwoch, den 5. Januar 2011 im Museum um 19.30 Uhr ein Abend unter dem Titel „Startschuss in das Jahr der Frauen-WM“ statt.

Im Museum berichten zahlreiche Zeitzeuginnen über die Anfänge des Frauenfußballs in Frankfurt. Neben der „ersten Schiedsrichterin Hessens“ Helga Altvater, der langjährigen Spielerin und Funktionärin Regina Senkler, der erfolgreichen FSV-Trainerin Monika Koch-Emsermann und weiteren Fußballerinnen der ersten Stunde ist auch ein männlichen Frauenfußballpionier zu Gast: Ferdi Stang trainierte in den 1970er Jahren die Mannschaft von Oberst Schiel und erreichte mit dem Team das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Über den Nachwuchs berichtet Heidi Löhr, bei der Eintracht Koordinatorin für Frauen- und Mädchenfußball.

Und einen ganz besonderen Leckerbissen gibt es am Mittwoch auch zu bestaunen: 1976 produzierte der Filmemacher Wolfgang Avenarius ein Kurzportrait über die Damenmannschaft des „Schützenvereins Oberst Schiel“. Der fünfminütige Film wird im Museum natürlich gezeigt.


Termin: Mittwoch, 5. Januar 2011

Start: 19.30 Uhr

Eintritt: 5,00 Euro, erm. 3,50 Euro



Foto: Eintracht Frankfurt Museum

Sonntag, 26. Dezember 2010

Heimspiel in Bad Aachen


Es kam wie es kommen musste und schuld daran hat ein Bus. Genauer gesagt ein Eintracht-Bus.

Schon seit geraumer Zeit stand fest, dass wir vom Eintracht-Museum unsere Weihnachtsfeier in Aachen abhalten würden. Der Clou bestand darin, mit einem Bus von der Eintracht zu fahren, mit großem Aufkleber und allem drum und dran.

Wir versammelten uns brav und rechtzeitig vor dem Museum; Matze kam mitsamt Bus angerauscht und wollte seine Schäfchen einladen als ein Blick auf die Windschutzscheibe einen fetten Riss im Glas offenbarte. Nu war guter Rat teuer, die einen wollten ins Risiko gehen, die anderen waren sich unsicher und so standen wir in der Kälte bis sich die Situation klärte. Wir fahren. Mit einem Mietauto. Ohne Eintrachtaufkleber. Dafür mit Hamburger Kennzeichen.

Und so kam es dann auch, acht Gesellen und Gesellinnen rollten erst nach Neu Isenburg, um den Mietwagen in Empfang zu nehmen und dann hinter dem Stadion auf die A3. Zuhause blieb der Eintrachtbus - mit Riss in der Scheibe. Die zweiten langen Gesichter gab es als durchsickerte, dass die versprochenen Frikadellen nicht mit an Bord waren; natürlich gab es auch keinen Glühwein und es war eine traurige Fahrt durch grauen Winternebel, auf den Feldern Schnee. Naja, abgesehen davon, dass die Damen schon früh einen Sekt klar machten und von Zeit zu Zeit munter mitsangen: Mein Herz ist rot, mein Herz ist schwarz und das auch noch gestreift ... Hinter Montabaur ging's auf die A48 und dann weiter auf die A61 um dem Kölner Berufsverkehr aus dem Weg zu fahren - was auch ganz gut gelang. Ohne Frikadellen rollten wir nun durch die Eifel, die heute recht ungemütlich daher kam, grau und verregnet - es sah so aus als würde uns nach all dem Schnee der vergangenen Wochen zu Weihnachten das seit Jahrzehnten bekannte graunieselige Bild präsentiert.

Immerhin gab es in Brohltal Ost einen Kaffee, der manch einem ein Lächeln auf das Gesicht zauberte. Mir nicht; seit nunmehr sechs Wochen verzichte ich auf Cigaretten, Alkohol und Kaffee. Werde dennoch älter. Weiß jetzt nur nicht mehr so genau weshalb.

Aus den Boxen perlte eine muntere Mischung aus den Jacob Sisters und Gogol Bordello, oder den Weihnachtspogues, wir freuten uns der vielbefahrenen A3 ein Schnippchen geschlagen zu haben, passierten Kerpen (Heimat von Schumacher. Michael.) und Düren (Heimat von Schumacher. Harald), es dunkelte mittlerweile und wir fuhren in Aachen ein. Aachen ist in sprachlicher Hinsicht ein Phänomen. Nicht nur, dass der Name schlicht Wasser bedeutet - nein: Aachen ist die einzige deutsche Stadt, die auf den lukrativen Zusatz Bad verzichtet. Richtig, eigentlich heißt die Kaiserstadt Bad Aachen. Da der vollständige Namen aber dazu führen würde, dass Aachen in Städtelisten nicht mehr auf Platz eins stehen würde, legt man hier keinen gesteigerten Wert auf das Bad.

Wir hingegen verzichteten nicht auf den obligatorischen Weihnachtsmarkt. Bei Kinderpunsch (Steffen und ich) bzw. Glühwein (alle anderen) stimmten wir uns auf den bevorstehenden Pokalfight ein. Jede Menge Frankfurter tummelten sich bereits in der Nähe des Doms und die wenigsten versorgten sich mit geklöppelten Spitzen, die hier angeboten wurden, Printen hingegen gingen schon besser.

Anschließend marschierten wir über verschneeregnete Aachener Straßen in Richtung Neuer Tivoli, über den Wikipedia weiß: Um den alten traditionellen Namen für das neue Stadion zu erhalten und durch den Verzicht auf einen Verkauf der Namensrechte entgangene Einnahmen zu kompensieren, wird auf die Eintrittspreise (bereits eingerechnet und nicht gesondert aufgeführt) ein Aufschlag von einem Euro erhoben, der sogenannte Tivoligroschen.

Eine Idee, die man Dresden durchaus empfehlen könnte.

Nach einem recht unsicheren Weg über eine vereiste Brücke schlitterten wir über wegegworfene Reklameplastiktüten bis sich der neue Tivoli vor uns erhob. Leuchtend gelb ragte das Stadion in die grauschwarze Nebelnacht, Kartoffelkäfer näherten sich aus allen Ecken und Enden, während wir auf dem Weg zum Gästeeingang das Stadion umrundeten. Ging bislang alles ziemlich lässig von statten, so zeigte sich nun erneut, weshalb der Gästebereich bei Fußballspielen eigentlich zu meiden ist und mit Gast so gar nichts zu tun hat. Wir marschierten am eigentlichen Eingang vorbei - ein Zaun verhinderte den direkten Weg - und an jenem Zaun mussten wir ca 100m entlang bis wir auf der Innenseite den gleichen Weg zurücklaufen mussten. Ein paar Wellenbrecher, Tunnels und Kontrollen später erklommen wir die Stufen und blickten uns um. Der neue Tivoli beeindruckte durch seine konsequente schwarz-gelbe Farbgebung, sogar das Toilettenpapier und die Boxen waren gelb. Trotz des relativ geringen Fassungsvermögens von 32.500 Zuschauern wirkten die Tribünen recht steil.

Anpfiff, Achtelpokalfinale: Alemannia Aachen (Neongelb) - Eintracht Frankfurt (Schwarz-Rot). Das Stadion getaucht in Flutlichtnebel

Während aus dem Stehplatzbereich Rauch und Licht aufstieg, donnerten zwei Böller aus den Sitzpätzen in den Abendhimmel. Eine zeitlang konnten wir ob des Nebels das Tor auf der gegenüberliegenden Seite nicht sehen. Dafür sahen wir umso besser, wie Schwegler nach knapp einer viertel Stunde Gueye am Strafraum umholperte. Rot leuchtete die Karte in das Nebelflutlicht; den fälligen Elfmeter konnte Fährmann allerdings parieren - so blieb es wenigstens beim 0:0.

Von nun an plagten sich zehn Frankfurter unterstützt von annähernd 4.000 mitgereisten Schlachtenbummler gegen elf Aachener, die unermüdlich das von Fährmann sicher gehütete Tor belagerten, ohne sich allerdings nennenswerte Chancen zu erspielen. Die Eintracht hatte nach dem Platzverweis Clark in die Innenverteidigung gezogen und erarbeitete sich selbst gute Möglichkeiten, vor allem Gekas vergab einige schöne Chancen. In der zweiten Halbzeit ein ähnliches Bild, nur dass Chancen auch auf Frankfurter Seite Mangelware blieben; vielleicht ist es doch zu einfallslos, nur mit "vornehilftballaufgekas" zu operieren. Ein Wiedersehen gab es mit dem ehemaligen Eintrachtler Juhvel Tsoumou, der auf Aachener Seite eingewechselt wurde. Dass Kollege Altintop erneut durchspielen durfte, versteht sich von selbst. Ob der Trainer ihm damit einen Gefallen beschert, dürfte langsam bezweifelt werden. Der später eingewechselte Fenin erzeugte in wenigen Minuten mehr Spannung, als Altintop während der gesamten Saison. Langsam kroch die Kälte in uns und so manch Stoßseufzer ging ob des einsetzenden Schnees und des bevorstehenden Heimweges in Richtung: Hoffentlich gibt's keine Verlängerung. Doch es blieb vergeblich bangen, hoffen: der sonst so inkonsequente Schiedsrichter Weiner pfiff nach 90 Minuten ab, und weitere 30 Minuten sollten folgen.

Zunächst versemmelte Altintop ein Abspiel aus der eigenen Hälfte; da die Eintracht den Ball nicht aus der Gefahrenzone bekam, nutzte die Alemannia die Gelegenheit zur Führung. Sechs Minuten später passte Meier zu Fenin und der erzielte zu unserer Freude noch den Ausgleich. Sekunden vor Schluss hätte Gekas alles klar machen können, doch er scheiterte an Aachens Schlussmann Hohs. Somit sah dieses Spiel neben Nebel, Schnee und Verlängerung auch noch ein Elfmeterschießen. Das letzte dieser Art konnte die Eintracht zwar siegreich bestreiten - ebenfalls im Achtelfinale gegen Nürnberg im Dezember 2005; mir fiel jedoch spontan das Rückspiel im Uefa-Cup gegen Salzburg ein. Und das hatten wir damals vergeigt.

Geschossen wurde natürlich auf die gegenüberliegende Seite - und ich kann's ja jetzt vorweg nehmen: gejubelt auch. Während die Alemannen alle Elfmeter verwandeln konnten, scheiterte Meier an der Größe des Tores, der Ball flog über den Kasten ins traurige Nichts. Getroffen hatten für die Eintracht Fenin, Amanatidis (der viel zu spät und nur für diesen Schuss überhaupt eingewechslt wurde) sowie Caio.
Damit wars amtlich, die Eintracht hatte die große Chance auf das Weiterkommen vergeigt. Sicher, das Team zeigte eine feine kämpferische Leistung trotz 105 Minuten in Unterzahl - doch bei aller Liebe: der Gegner war eine mittelmäßige Zweitliga-Truppe; zwar engagiert und leidenschaftlich - aber schlagbar auch zu Zehnt.

Während der Aachener Stadionsprecher das Publikum aufforderte, ein Weihnachtslied zu singen - und ich mir dachte: schieb dir deine klingenden Glöckchen in den Hintern verschwand Meier schnurstracks in der Kabine: vielleicht dämmerte es ihm, dass der Elfer zu salopp geschossen war. Doch hätte Gekas das Ding kurz vor Schluss rein gemacht, wäre es gar nicht so weit gekommen; hätte Altintop das Abspiel nicht vergeigt ebenso - und hätte Schwegler keine Rote gesehen so wir ein anderes Spiel. Fenin und Amanatidis - da kommen wir der Sache schon näher. Pia hatte nämlich vor dem Spiel zwei einzelne Cent-Stücke gefunden und und diese als Glückscents definiert: Ein Tor Fenin und eines Amanatidis. Sieg. Da der Trainer Amanatidis jedoch nicht früher eingewechselt hatte, konnte dieser nicht treffen und somit wurde leichtfertig der Sieg verschenkt. Tore im Elfmeterschießen zählen nämlich nicht.

Wir wanderten recht geknickt durch den Winterschnee, zunächst durch den Tunnel und am Zaun entlang, auf der äußeren Seite dann sinnfrei wieder zurück. Schlittrig die Wege, die Autos glitten leise an uns vorbei während wir durch die Flocken zurück zum Mitwagen schlingerten. Unterwegs erfuhren wir noch, dass der nächste Gegner der Aachener tatsächlich die Bayern geworden sind. Gibt auf jeden Fall Frischgeld.

Beim Einsteigen rutschte mir noch jede Menge Schnee aus der Kapuze zwischen Shirt und Rücken, der umgehend entfernt werden musste, dann gings zurück Richtung Heimat. Schneller als Fünfzig konnten wir zunächst kaum fahren, Steffen lenkte den Wagen aber souverän durch die Nacht, bis der Schnee in Regen überging, die Fahrbahn zu sehen und nicht mehr so rutschig war und somit immerhin eine vernünftige Geschwindigkeit in die Nacht gelegt werden konnte. LKWs wie auch der Eintrachtbus schossen an uns vorbei, wir aber rollten müde aber unglücklich durch die Nacht, trafen an einer Raststätte den Bus der Frankfurter Jungs und landeten nach 3:00 wohlbehalten am Stadion. Matze drückte uns noch Weihnachtsgeschenke in die Hand, und dann ternnten sich die Wege. Gisela und Bernd fuhren mit Billy und Karin Richtung Bornheim, Steffen zurück Richtung Flughafen, Matze und Frauke brachten in Isenburg den Mitwagen zurück während Pia und ich den silbernen Golf anwarfen und Richtung Norden tuckerten.

Tja, wenn schon durch den kleinen Eintrachtbus ein Riss geht, dann ist es also kein Wunder, wenn dieser sich bis Aachen fortsetzt. So überwintert die Eintracht leider nicht im Pokal, es ist dennoch Winterpause. Weiße Weihnacht. Freut euch also.





Einen ausführlichen Spielbericht findet ihr wie immer beim Kid, atmosphärische Fotos beim Stefan.

Donnerstag, 25. November 2010

Auf den Spuren großer Eintrachtler


Erstmals lädt das Eintracht-Museum zu einem historischen Rundgang über den wunderschönen Frankfurter Hauptfriedhof. Auf den Spuren großer Eintrachtler besuchen wir die Gräber von verstorbenen Spielern, Funktionären und Anhängern und erinnern an Persönlichkeiten, die den Verein in den vergangenen 111 Jahren geprägt haben.

Start: Sonntag, 28.11.2010 um 11.00 Uhr im Hauptfriedhof. Treffpunkt am Alten Portal, Eintritt frei

Hinweis: Bei der Anreise mit der U-Bahn bitte an der Haltestelle Deutsche Nationalbibliothek aussteigen.


Mittwoch, 10. November 2010

Eintracht sein - das Museum unterstützen!



Forumsmoderatur gereizt hatte eine tolle Idee und er hat einen Text zur Umsetzung formuliert, den ich hier gerne weiter leite. Macht mit!



Denn es geht um unsere Tradition, die hier ist und nicht irgendwo in der Zukunft liegt. Ein gutes Museum braucht Unterstützung, wir haben sogar ein sehr gutes Museum mit Aktionen für Kinder, Führungen in der Nacht und immer wieder tollen Veranstaltungen.
Das soll so bleiben!

Nicht jeder kann hin. Aber jeder kann etwas tun. Für das Museum, das unsere Unterstützung nötig hat. Und mit diesem Thread bekommen soll. Mit eurer Hilfe!
Das Ziel ist ein:

Bestimmt hat jeder von euch liebgewonnene Fanartikel, die er nicht mehr nutzt, die verstauben oder die es einfach wert sind, unter die Fans gebracht zu werden.

Wir werden an jedem Tag im Dezember ein Türchen öffnen, hinter dem verschiedene schöne Sachen enthalten sind (z.B. alte Trikots, Spielplakate, Programmhefte, Bälle mit Unterschriften, Eintracht-CDs).

Jeden Tag. An euch. Zugunsten des Eintracht-Museums. Für unsere Tradition. Für uns!

Wir haben bereits einige – auch seltene Sachen – bekommen, tolle Zusagen und Unterstützung für diese Aktion, die uns stolz machen. Auf Eintracht. Bitte helft mit, damit hinter jedem Türchen tolle Sachen zu finden sind, über die andere sich freuen.
Das Museum ist es wert!

Wir bitten euch: schreibt an gereizt im Eintracht Forum eine PN, schickt uns Bilder von den Sachen, von denen ihr euch trennen könnt. Schreibt in diesen Beitrag. Schreibt den Moderatoren.
Erzählt es weiter.
Jedem.
Denn:



Wer es nicht abwarten kann: Das Museum freut sich über jede Spende, auch eine Fördermitgliedschaft für nur 40 EUR pro Jahr (ermäßigt: 25 EUR) ist mehr als herzlich willkommen. Fördern hilft und man hat freien Eintritt zur Tradition unseres Vereins. Für die Steuersparer: Spenden und die Fördermitgliedschaft sind steuerlich absetzbar.

Informationen gibt es hier!

Das Spendenkonto ist:
Förderverein Eintracht Frankfurt Museum,
Konto Nr. 5859509,
Bankleitzahl 50040000 (Commerzbank Frankfurt)


Dienstag, 19. Oktober 2010

Donnerstag, 21. Oktober, 19.30 Uhr: Tradition zum Anfassen: Die Mauer umspielt


Vor zwei Jahrzehnten, im Oktober 1990 feierte Deutschland seine Wiedervereinigung. Mehr als vierzig Jahre hatten zwei deutsche Staaten existiert, die als Folge des Ost-West-Konflikts durch eine hochgesicherte Grenze voneinander getrennt waren. „Westkontakte“ waren in der DDR nicht gern gesehen, und eine Reise ins „kapitalistische Ausland“ war in der Regel nur Spitzenfunktionären und Rentnern erlaubt – oder eben den Leistungssportlern, die bei internationalen Wettbewerben den Ruf der DDR als Sportnation mehren sollten.

Bis zum Mauerfall 1989 sorgte es immer wieder für Aufsehen, wenn DDR-Fußballer sich bei internationalen Spielen von ihren Mannschaften absetzten und – oftmals über die jeweilige Botschaft der Bundesrepublik – ihr Glück im vermeintlich „goldenen Westen“ suchten.

Jürgen Pahl und Norbert Nachtweih nutzten im November 1976 ein U21-Länderspiel in der Türkei zur Flucht und landeten bei der Eintracht. Nach Ablauf der damals noch üblichen Sperre, die die FIFA mangels Freigabe durch den „abgebenden“ Verein für geflüchtete Spieler des Ostblocks verhängte, machten Pahl und Nachtweih am Riederwald Karriere. Beide feierten den DFB-Pokalsieg 1981 und beide gehörten zu den UEFA-Cup-Siegern 1980.
Jürgen Sparwasser wurde 1974 weltbekannt. Der vielfache DDR-Meister und Pokalsieger vom FC Magdeburg erzielte bei der WM 1974 im einzigen Länderspiel zwischen der DDR und der BRD den 1:0-Siegtreffer für die DDR.
1988 nutzte Sparwasser ein „Altherrenspiel“ des 1. FC Magdeburg in Saarbrücken zur Flucht in den Westen. Und auch Jürgen Sparwasser kam zur Eintracht, ab 1988 war er Co-Trainer am Riederwald. Im 14. Teil der Veranstaltungsreihe „Tradition zum Anfassen“ beschäftigen wir uns zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung mit Fußballern, die die Mauer umspielten und bei der Eintracht landeten.
Wir freuen uns auf spannende Berichte, die diesmal weit über den Fußball hinaus gehen;– Lebensgeschichten, in denen unsere Eintracht aber doch eine bedeutende Rolle spielt.

» DONNERSTAG, 21. OKTOBER 2010
» 19.30 UHR» EINTRACHT FRANKFURT MUSEUM
» EINTRITT FREI

Freitag, 15. Oktober 2010

Chris war im Museum


Es war schwer was los im Museum; die Junior Adler waren ebenso zu Gast wie eine Kindertagesstätte aus Nied und dazu jede Menge Kids, die mit ihren Eltern gekommen waren, um dem Kapitän der Eintracht im Rahmen der Kinderpressekonferenz Löcher in den Bauch zu fragen - und das taten sie dann auch, sogar auf portugiesisch, der Muttersprache unserer Nummer 29.

Wo bist du geboren wollten sie wissen (in Blumenau/Brasilien) und auch nach der Anzahl der Tore, Spiele, Karten, Kinder, Haustiere wurde gefragt. Die Kids wollten wissen, was Chris gelernt hätte, so er nicht Profi geworden wäre (Ingenieur) und mit wem er sich am besten versteht - mit Caio; immerhin sprechen sie die gleiche Sprache. Mit Oka Nikolov spielt er am längsten zusammen, das schönste Spiel war das 6:0 gegen Schalke und ein Besucher zitierte gar seine Oma: Meine Oma hat gesagt, Fußballer seien alle doof, stimmt das?

Nein, das stimmt nicht; Chris ist zum Beispiel gar nicht doof, er hat Abitur und zudem eine freundliche Ausstrahlung, die nicht nur die Nachwuchsjournalisten in den Bann gezogen hatte. Zum Abschluss gab es sogar Geschenke für den Spielführer der Eintracht und es könnte gut sein, dass er noch immer im Museum ist und Autogramme schreibt.

Steffen Ewald hat tolle Fotos gemacht, ein paar zeige ich euch hier:






Mittwoch, 13. Oktober 2010

Heute im Museum: Kinderpressekonferenz mit Chris


Mittlerweile haben wir schon eine gewisse Routine, die Kinderpressekonferenz läuft ab wie immer: Akkreditierung der Nachwuchsjournalisten, Fragen ausarbeiten. Diesmal befragen wir unseren Mannschaftskapitän Chris. Die Erfahrungen haben gezeigt: Nicht nur die Nachwuchsjournalisten haben Spaß, auch die Spieler gehen nach der abschließenden Autogrammstunde stets mit einem breiten Grinsen aus dem Museum.
13. Oktober, 12.30 Uhr.
Eintritt: 3,50 Euro, Erwachsene 5,00 Euro.

Anmeldung unter info@eintracht-frankfurt-museum.de oder direkt im Museum unter der Telefonnummer 069-95503275.

Mittwoch, 29. September 2010

Herbstferienprogramm im Eintracht Frankfurt Museum

Zwischen dem 12. und 22. Oktober bietet das Eintracht Frankfurt Museum für Kinder wieder ein abwechslungsreiches Ferienprogramm.


12. Oktober und 19. Oktober: "Ein Tag bei der Eintracht"

Gemeinsam erkunden wir, wie vor einhundert Jahren Fußball gespielt wurde. Natürlich kriegt ihr alte Bälle und Schuhe in die Hand, die gerne ausprobiert werden können. Die Führung endet bei den großen Pokalen. Danach schauen wir uns nach Möglichkeit ein Mannschaftstraining an, bevor wir gemeinsam essen. Und dann werden wir selbst aktiv. Erst basteln wir Buttons, dann kicken wir und zum Abschluss schauen wir uns das Stadion ganz genau an. Eltern können an dem Tag shoppen und werden im Museum erst ab 15.30 Uhr erwartet.

12. Oktober, 19. Oktober, 10.30 Uhr bis 15.30 Uhr
Eintritt: 19,50 Euro (Halbpension). Anmeldung unter info@eintracht-frankfurt-museum.de oder direkt im Museum unter der Telefonnummer 069-95503275.



13. Oktober: Kinderpressekonferenz
Mittlerweile haben wir schon eine gewisse Routine, die Kinderpressekonferenz läuft ab wie immer: Akkreditierung der Nachwuchsjournalisten, Fragen ausarbeiten. Diesmal befragen wir unseren Mannschaftskapitän Chris. Die Erfahrungen haben gezeigt: Nicht nur die Nachwuchsjournalisten haben Spaß, auch die Spieler gehen nach der abschließenden Autogrammstunde stets mit einem breiten Grinsen aus dem Museum.
13. Oktober, 12.30 Uhr.
Eintritt: 3,50 Euro, Erwachsene 5,00 Euro.

Anmeldung unter info@eintracht-frankfurt-museum.de oder direkt im Museum unter der Telefonnummer 069-95503275.



15. Oktober: Attila im Museum
Attila, das Maskottchen der Eintracht, ist ein gewaltiger Steinadler. Gemeinsam mit seinem Falkner Norbert Lawitschka besucht uns Attila im Museum. Und Herr Lawitschka weiß ganz viel über die Eintracht und alles über Adler.

15. Oktober, 11.00 Uhr
Eintritt: Kinder 3,50 Euro, Erwachsene 5,00 Euro



20. Oktober: Eine Nacht im Museum
Traditionell gibt es bei uns in den Ferien auch "Eine Nacht im Museum". Dazu bringen alle Gäste Schlafsäcke mit. Nach einem gemeinsamen Fußballspiel gibt es Abendbrot, danach schauen wir einen Film. Und dann starten wir zur nächtlichen Tour. Der schlimmste Job des Museumswärters ist es nämlich, alle Tore im und um das Stadion zu verschließen. Das ist ganz schön gruselig, aber vor Gespenst Alfons hat mittlerweile kaum noch einer Angst. Allerdings: Halloween steht vor der Tür und am End kommt auch noch der "Lahme Lothar"...

20. Oktober, 19.00 Uhr
Eintritt: 20,00 Euro (Übernachtung & Halbpension)
Anmeldung unter info@eintracht-frankfurt-museum.de oder direkt im Museum unter der Telefonnummer 069-95503275.



Museums- und Stadiontour
In Zusammenarbeit mit dem Stadionbetreiber SFM bieten wir wieder Stadionführungen mit anschließendem Museumsbesuch an. Die Führungen starten fast täglich um 16.00 Uhr. Treffpunkt ist am Museum.

12. - 17. Oktober, 19. - 21. Oktober, 16.00 Uhr
Eintritt: Kinder 7,00 Euro, Erwachsene 9,00 Euro

Anmeldung unter info@eintracht-frankfurt-museum.de oder direkt im Museum unter der Telefonnummer 069-95503275.



Kontakt:

Eintracht Frankfurt Museum im Stadion

Mörfelder Landstr. 362

60528 Frankfurt

Tel: 069-95503275

Samstag, 18. September 2010

Tradition zum Anfassen: Der Abend mit Markus Pröll, Alex Schur und Andree Wiedener


Es sollte ein langer Tag für mich werden, schon morgens um halb sieben radelte ich am Main entlang, um eine in den letzten Monaten vom Museum konzipierte und produzierte Ausstellung zur kommenden Weltmeisterschaft 2011 im Frauenfußball im Frankfurter Römer aufzubauen; sie ist toll geworden und wird im Laufe des Jahres an verschiedenen Orten gezeigt - aber darüber wird es bei Gelegenheit einen eigenen Blogbeitrag geben. Gegen 15:30 radelte ich zurück nach Hause, warf mich unter die Dusche und fuhr ins Museum. Dort installierte ich die Technik, trank einen Kaffee und freute mich auf den bevorstehenden Abend. Anlässlich des bislang letzten Aufstiegs der Eintracht im Sommer 2005 hatten wir gemeinsam mit der Fan_ und Förderabteilung Markus Pröll, Alex Schur und Andree Wiedener zur Tradition zum Anfassen eingeladen, zudem noch Daniyel Cimen - der jedoch leider nicht kommen konnte.

Zahlreiche Fans trudelten peu a peu ein - insgesamt jedoch nicht ganz so viele wie erhofft; was etwas verblüffend ob der Tatsache war, dass die Ereignisse noch gar nicht allzu lange zurück liegen und von vielen hautnah miterlebt wurden. Dennoch war der hintere Raum gut gefüllt - und die Gekommenen bereuten ihre Anwesenheit keineswegs, ganz im Gegenteil.

Markus Pröll und Andree Wiedener trafen pünktlich ein, während Alex bekanntermaßen der Mann der letzten Minuten ist, daran sollte auch der heutige Abend nichts ändern. Matze Thoma eröffnete die Veranstaltung mit einleitenden Worten, erinnerte an fliegende Schuhe nach einem nahezu skandalösen Elfmeterpfiff beim Spiel gegen 1860 München und Stefan Minden von der FuFa verwies in seiner kurzen Ansprache auf das unglückliche Ende der Aufstiegsfeierlichkeiten, die seitens der Polizei in Alt-Sachsenhausen rustikal gesprengt wurden und noch wochenlang für Aufregung sorgen sollten.

Im Sommer 2004 war die Eintracht zum dritten Mal in ihrer Geschichte abgestiegen, Spieler wie Ioannis Amanatidis, Christoph Preuß oder Ingo Hertzsch verließen das Team und auch Trainer Willi Reimann, der auf Grund einer Sperre fünf Spiele im Container in der Baustelle Waldstadion verbringen wollte, wurde von seinen Aufgaben entbunden. Auch der Vertrag von Legende Uwe Bindewald wurde zu dessen Leidwesen nicht verlängert - er wechselte gezwungener Maßen zum Oberligisten Eschborn.

So ging die Eintracht mit einer neuformierten Truppe in eine ungewisse Zweitliga-Saison. Während der noch gültige Vertrag mit Andree Wiedener gegen dessen Willen aufgelöst werden sollte - und nach Rücksprache mit dem neuen Trainer doch weiterlief, so rang Alex Schur mit Heribert Bruchhagen um einen neuen Kontrakt. Knackpunkt für beide war die Laufzeit; während Schur ob seiner Verdienste und des fortgeschrittenen Alters sich noch für zwei Jahre an die Eintracht binden wollte, beharrte Bruchhagen auf einem Jahr. Wenn man aus dem Büro von Bruchhagen nach Vertragsverhandlungen heraus kommt hat man das Gefühl, man hätte als Landesligaspieler gerade mit Real Madrid verhandelt schilderte Alex die Situation. Letztlich einigte man sich nach langem Hin und her auf einen Einjahresvertrag mit automatischer Verlängerung nach 20 Einsätzen.

Als Trainer sollte nach Willen des Vorstandes Ralf Rangnick die Eintracht betreuen, was dieser jedoch mangels Perspektive dankend ablehnte. Schließlich übernahm der Aufstiegsspezialist Friedhelm Funkel die Mannschaft, die um Nachwuchsspieler Patrick Ochs, der von den Amateuren der Bayern zurück geholt wurde und dem alten Haudegen Arie van Lent neu formiert wurde. Neu im Team waren auch Alexander Meier, Benny Köhler, Torben Hoffmann, Markus Weissenberger, Christian Lenze, Markus Husterer, sowie die vielversprechenden Nachwuchsspieler Christopher Reinhard und Marco Russ. Für einen war die Saison zu Ende, bevor sie begonnen hatte. Als bekannt wurde, dass Funkel neuer Trainer wird, zeigten sich die ehemaligen Kölner Kreuz, Keller und Pröll wenig begeistert; (was der Vorstand der Eintracht nicht gerne sah) doch während sich Keller und Pröll dazu durch rangen, es weiterhin bei der Eintracht zu probieren, verabschiedete sich Markus Kreuz in Richtung Erfurt und zahlte sogar einen Teil der Ablösesumme aus eigener Tasche. Hickhack gab es auch um den Brasilianer Chris, dessen ungeklärte Vertragssituation (neben der Eintracht meldete auch ein brasilianischer Verein Ansprüche an) für einigen Wirbel sorgte und ihm eine viermonatige Sperre einbringen sollte - was den Rest des Teams nicht sonderlich beeindruckte; so isser halt, der Brasilianer meinte Schur; der eine macht länger Urlaub und der andere sorgt sich nicht um die Kleinigkeiten von Vertragsdetails.

Zu Beginn der Saison war klar, Markus Pröll war als Nummer Eins gesetzt - und er sollte sich im Verlauf des Fußballjahres als großer Rückhalt erweisen, in 33 Spielen spielte er 14 Mal zu Null, kassierte in der Rückrunde im heimischen Stadion gar nur einen einzigen Treffer - beim 0:1 gegen Duisburg am 32. Spieltag, der den Aufstieg der Zebras bedeuten sollte. Machtlos war er auch an den beiden Treffern beim 0:2 in Köln am dritten Spieltag, als er zum ersten Mal gegen seinen alten Club antreten durfte; für den kölschen Jung ein ganz besonderes Spiel - obgleich Poldi ihm einen eingeschenkt hatte.

Startete die Eintracht, die sich natürlich als Saisonziel den Wiederaufstieg gesetzt hatte, wie Wiedener betonte, durch ein Unentschieden in Aachen und einem hauchdünnen Sieg gegen den KSC noch ganz ordentlich in die Saison, so setzte es beim Titelfavoriten Köln die erste Niederlage. Knapp wurde Dresden besiegt und deutlich in Saarbrücken verloren; ein Triumph für den ehemaligen Eintracht-Coach und damaligen Trainer der Saarländer, Horst Ehrmantraut, eine Schlappe für den Kapitän Alex Schur, der eine gelb-rote Karte kassierte.

Hatte bis dato der erste Niederländer bei der Eintracht, Arie van Lent, noch keinen Treffer erzielen können, so sorgte das Frankfurter Publikum bei folgenden Heimspiel gegen Oberhausen dafür, dass der Knoten platzte; trotz mehrfacher Chancen, wollte van Lent kein Tor gelingen, doch die unbändigen Arie, Arie Anfeuerungen schrieen den Ball förmlich ins Tor - und in der 68. Minute war es soweit, van Lent hatte den ersten Treffer für die Eintracht erzielt, es war das 5:1 beim 6:2 Endstand, 15 weitere sollten im Verlauf der Saison noch folgen. Spektakulär auch das folgende 4:4 in Essen, zu dem Markus Pröll erklärte, dass das abgesprochenen Abseitskonzept tadellos funktionierte - bis auf Weissenberger, der sich nicht ganz daran gehalten hatte und Pröll sich mehrmals einer ganzen Armada Essener gegenüber sah. Thommy vom EFC Bockenheim erinnerte sich auch an das Szenario nach Spielende, als Fans der Eintracht und der Essener die dritte Halbzeit im Stadion fortsetzten - Waschbecken und Klohäuschen flogen durch die Gegend. Essen ist immer eine Reise wert.

Der Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft wurde in jener Zeit groß geschrieben, auch bei schwachen Leistungen wurde das Team unterstützt, nicht nur Arie van Lent konnte davon profitieren; auch Du-Ri Cha wurde angefeuert - und erzielte beim Rückspiel in Oberhausen zwei Treffer (nebenbei entwickelte sich auch ein bis heute unvergessener Gesang Du Du Du Du - Ri Ri Ri Ri - Du-Ri, Du-Ri Cha) und auch Andree Wiedener, der nicht immer geliebte, schwärmte von der großartigen Unterstützung in Cottbus, die ihm nachhaltig in Erinnerung geblieben ist.

Doch zuvor verlor die Eintracht in der Hinserie vier Spiele am Stück und lag nach der Niederlage in Haching nur auf Grund der besseren Tordifferenz nicht auf einem Abstiegsplatz. Negativer Höhepunkt war sicherlich die 2:3 Heimniederlage gegen den Abstiegskandidaten LR Ahlen. Angeführt von den Leitwölfen Schur und Wiedener traf sich das Team um ohne Trainer bei einem Schoppen Tacheles zu reden - und es fruchtete. Bis zur Winterpause verlor die Eintracht kein Spiel mehr und setzte sich durch ein 3:0 in Burghausen am 17. Spieltag in der oberen Tabellenhälfte fest - doch der Abstand zum Dritten, der Spvgg Fürth, betrug immer noch acht Punkte.

Während in der Winterpause Stürmer Nico Frommer nach Oberhausen wechselte, verpflichtete die Eintracht neben Rückkehrer Jermaine Jones für relativ kleines Geld den hierzulande völlig unbekannten Mazedonier Aleks Vasoski - der in der Rückrunde den Defensivverband kompromisslos zusammen hielt. Spätestens nach der klasse Leistung gegen Podolski beim 1:0 gegen Köln, als der Kölner Jungstar nach 66 Minuten entnervt ausgewechselt wurde, hatte sich Vasoski in die Herzen der Fans gespielt. Doch so richtig kam das Team nicht vom Fleck; knappen Heimsiegen folgten Auswärtsniederlagen und nach der Niederlage in Dresden betrug der Rückstand auf einen Aufstiegsplatz immer noch neun Punkte. Glücklich die Umstände, dass die zuvor besser platzierten Teams der Spvgg Greuther Fürth aber auch Alemannia Aachen kaum noch punkten konnten, während sich die schwach gestarteten Löwen aus München ähnlich wie die Eintracht stabilisierten und zum großen Konkurrenten um den Aufstieg entwickeln sollten. Die Eintracht robbte sich Punkt um Punkt an die Aufstiegsplätze heran, die Niederlage bei 1860 war dabei kein Beinbruch - nach der Niederlage in Ahlen jedoch erhielten die Aufstiegsträume einen merklichen Dämpfer, zumal noch drei Auswärtspartien im Osten der Republik anstanden.

Andree Wiedener konnte sich im Laufe der Saison gegen seinen Konkurrenten auf der linken Verteidigerseite, den jungen Reinhard durchsetzen und entwickelte sich zur großen Stütze - dies sei vor allem extremen Trainingseinsatz zu verdanken; so manches mal hatte sich Andree im Training dermaßen reingehängt, dass er für das Spiel eigentlich zu kaputt war.

Markus Pröll hingegen hatte sich in dieser Saison endgültig gegen Nikolov durchgesetzt und spielte eine nahezu fehlerfreie Runde. Zum vor entscheidenden Spieltag sollte sich der 29. entwickeln; die Eintracht musste in Aue antreten, während 1860 gegen Saarbrücken schon drei Punkte eingeplant hatte. Nach zwei Minuten lag die Eintracht durch Köhler in Führung, um mit dem Pausenpfiff das zweite Tor zu erzielen - doch da stand Alex Schur schon nicht mehr auf dem Platz; ohne Einwirkung des Gegners hatte er sich das Kreuzband gerissen - und so war wieder einmal ein Kapitän der Eintracht außer Gefecht gesetzt; wie zuvor schon Jürgen Grabowski oder Ralf Weber brachte die Binde auch ihm kein Glück. Die Eintracht aber ließ sich nicht aus dem Konzept bringen und besiegte Aue mit 5:0. Da Fürth gegen Duisburg nicht über ein 0:0 hinaus kam und auch 1860 in letzter Sekunde durch den ehemaligen Frankfurter Örtülü den Ausgleich hinnehmen musste, sprang die Eintracht erstmalig auf einen Aufstiegsplatz - den sie bis zum Saisonfinale nicht mehr abgeben sollte. Hätte Aue die Partie gewonnen, hätten sie um den Aufstieg selbst mitgespielt. Auch Fürth verabschiedete sich vorzeitig aus dem Rennen und kam es am letzten Spieltag zum Fernduell zwischen der Eintracht, die im fast fertig gestellten neuen Stadion gegen Burghausen antreten musste und 1860 München, die im eigenen Stadion auf Ahlen trafen, die noch um den Klassenerhalt kämpften. Da die Eintracht mit einem Punkt Vorsprung ins Finale ging, war ein Sieg gleichbedeutend mit dem Aufstieg. Nach zwölf Minuten lagen die Sechzger zwar gegen Ahlen in Front, doch nur vier Minuten später erzielte Köhler die Führung für die Eintracht, die während des gesamten Spiels nicht in die Gefahr einer Niederlage geriet und am Ende mit einem ungefährdeten 3:0 den Aufstieg perfekt machte. Augenzeuge war übrigens Marko Marin, der bei diesem Spiel Balljunge war. Da zudem Ahlen in München mit 4:3 gesiegt hatte und den Klassenerhalt feiern konnte, hätte in Frankfurt alles so schön sein können, wenn - ja wenn die Polizei nicht den Fan-Block gestürmt hätte. Alex Schur und auch Stefan Lexa versuchten zwar am Zaun, das Schlimmste zu verhindern, doch die Stimmung war angekratzt. Auch ein wenig bei Torben Hoffmann, hatte er zuvor doch einen neuen Vertrag bei 1860 München unterschrieben - und blieb somit in der zweiten Liga.

Waren die Feierlichkeiten der Fans nach Spielende am Römer trotz einsetzendem Regen noch recht ausgelassen (Ein von Frank Wagner eingespielter Film zeigte im Museum neben Spielszenen und den Feierlichkeiten auf dem Rasen auch Szenen vom Römerbalkon, in denen Alex Schur als auch Du-Ri Cha ihr Gesangstalent zum Besten gaben) so eskalierte die Situation in Alt-Sachsenhausen dann vollends. Obgleich kaum Gästefans anwesend waren und die wenigen mit den Eintrachtlern feiern wollten, sperrte die Polizei das ganze Viertel ab und prügelte auf feiernde Fans ein. Es war ein trauriger Abschluss eines tollen Tages.

Zu diesem Zeitpunkt war der Vetrag mit Andree Wiedener noch nicht verlängert; er blieb als Stand-By-Profi noch für ein Jahr bei der Eintracht; sein Nachfolger wurde Christoph Spycher, der in den kommenden fünf Jahren die linke Seite bespielte. Heute besitzt der ehemalige Bremer Wiedener ein Sportgeschäft in Darmstadt Griesheim und schnürt für die Traditionsmannschaft der Eintracht noch von Zeit zu Zeit die Kickschuhe.

Für Alex Schur bedeutete der Kreuzbandriss aus dem Aue-Spiel quasi das Karriereende. Da er zuvor die notwendigen 20 Spiele absolviert hatte, verlängerte sich sein Kontrakt um ein Jahr und er konnte sich auf die Zeit nach dem Profifußball vorbereiten. Alex absolvierte im folgenden Bundesligajahr nach ausgeheilter Verletzung noch einige Einsätze bei der U23 in der Oberliga und wurde von Trainer Funkel in den letzten beiden Spielen der Saison 2005/06 für einige Minuten in der Bundesliga eingewechselt, um sich von den Fans zu verabschieden. Heute trainiert er erfolgreich die U17 der Eintracht und wurde im Sommer mit seiner Mannschaft sogar Deutscher Meister.

Markus Pröll kämpfte bis zur Saison 2009/10 mit Oka Nikolov um den Stammplatz im Tor der Eintracht. Mehrere Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück und er erhielt nach Ablauf der Saison 2009/10 keinen neuen Vertrag mehr in Frankfurt; obgleich er vielleicht der beste der drei Torhüter war. Die Verletzungsanfälligkeit aber auch die Gehaltswünsche und die ein oder andere unglückliche Aussage führten dazu, dass er die Eintracht verlassen musste. Heute trainiert er bei Bayer Leverkusen II und hofft auf ein vernünftiges Angebot; Offerten aus der Türkei, Griechenland und auch aus Osteuropa hatte er abgelehnt, um nicht aus dem Fokus zu geraten. Markus ist mit 31 Jahren noch ein verhältnismäßig junger Torhüter und er brennt noch; für ihn ist es keine Option bspw. wie Lutz Pfannenstiel als Weltenbummler unterwegs zu sein. Das Geschäft ist schnelllebig, die Konkurrenz groß, so teilt er sein Schicksal derzeit mit Michael Rensing oder seinem ehemaligen Kollegen Stefan Wessels, die gleichfalls derzeit vereinslos sind - und auf den einen Anruf hoffen, der alles verändern kann. Zu wünschen wäre es ihm.

Und so endete der Abend mit Autogrammen und Fotos und der Gewissheit, dass es immer etwas Besonderes ist, einen Abend im Rahmen der Tradition zum Anfassen im Museum der Eintracht zu erleben. Für die Spieler, für die Zuschauer - aber auch für mich, der sich ganz herzlich bei allen Anwesenden bedankt.




Fotos: Steffen Ewald, Pia Geiger

Mittwoch, 15. September 2010

Tradition zum Anfassen „Fünf Jahre Liga Eins“

Am 22. Mai 2005 war es vollbracht: Mit einem vielumjubelten 3:0 über Wacker Burghausen verabschiedete sich Eintracht Frankfurt aus der Zweiten Fußball-Bundesliga. Ein bewegtes Jahrzehnt lag hinter dem Verein, der seit seiner Gründung 97 Jahre lang ununterbrochen erstklassig Fußball gespielt hatte. Doch mit dem ersten Abstieg 1996 begann ein Jahrzehnt im Fahrstuhl; sechs Mal wechselte man die Spielklasse.

Heute hat es den Anschein, als habe die Diva an jenem 22. Mai 2005 endgültig den Fahrstuhl verlassen. Die Eintracht gilt als etablierter Erstligist, dessen Klassenerhalt allenfalls in einem richtigen Seuchenjahr noch einmal in Gefahr geraten könnte.
Dabei hat es zu Beginn der letzten Aufstiegssaison gar nicht so großartig ausgesehen. Nachdem die Eintracht im Sommer 2004 zum dritten Mal den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten musste, war die Unsicherheit im Umfeld groß. Auf die Entlassung von Willi Reimann folgten Vertragsverhandlungen mit Ralf Rangnick, der nach dem Scheitern behauptete, der Kader sei nicht stark genug für den direkten Wiederaufstieg. So verpflichtete die Eintracht mit Friedhelm Funkel einen Aufstiegsexperten, der für den zurückkehrenden Erfolg sorgen sollte.

Bis zum Frühjahr 2005 sah es lange Zeit nicht nach einem direkten Wiederaufstieg aus. Zur Winterpause hatte man acht Punkte Rückstand auf Platz 3, und nach der 2:3-Niederlage beim Tabellensiebzehnten LR Ahlen am 27. Spieltag belegte die Eintracht Anfang April gerade mal Platz Sieben. Doch dann gab es vier Siege in Folge, unter anderem das unvergessene 5:0 in Aue. Und am 22. Mai bebte die Baustelle des Waldstadions, als 42.500 Fans mit dem 3:0 gegen Wacker Burghausen dann doch die erhoffte Rückkehr ins Oberhaus feierten.

Im Teil 13 der Veranstaltungsreihe „Tradition zum Anfassen“ blicken wir zurück auf ein Jahr in den Niederungen des Zweitligafußballs und erinnern uns an Auswärtsfahrten nach Essen, Oberhausen, Saarbrücken und Greuther Fürth. Wir blicken auf die Entwicklung, die die Eintracht in den letzten fünf Jahren genommen hat. Auf den Tag genau 1943 Tage nach dem Aufstieg freuen wir uns im Museum mit Andree Wiedener, Markus Pröll, Alexander Schur und Daniyel Cimen vier Aufstiegshelden begrüßen zu dürfen. Und die haben sicher einiges zu berichten.

DONNERSTAG, 16. SEPTEMBER 2010
19.30 UHR
EINTRACHT FRANKFURT MUSEUM
EINTRITT FREI

Donnerstag, 26. August 2010

Adler auf der Brust


Dieser Tage erscheint ein neues Buch auf dem Markt, betitelt Adler auf der Brust. Jörg Heinisch, umtriebiger Autor und Mitherausgeber der Fan geht vor hat sich zusammen mit Doc Othmar Hermann, dem Mann der die wohl größte Sammlung von Eintracht-Material besitzt und gemeinsam mit Frank Gotta das wunderbare Buch Im Herzen von Europa realisiert hat, hingesetzt und sich auf die Suche nach den größten Eintrachtlern der letzten 111 Jahre gemacht. Natürlich sind Grabi und Holz dabei, selbstverständlich auch Alfred Pfaff - aber auch die Jahre, in denen der Fußball scheinbar schwarz-weiß war, werden beleuchtet - so ist Karl Ehmer bis heute der erfolgreichste Torschütze in Pflichtspielen - aktiv war die Erdbeer in den Dreißiger Jahren.

Die Buchvorstellung findet am 01.09.2010 um 19:00 Uhr im Museum der Frankfurter Eintracht statt; zu Gast werden neben den Autoren auch etliche ehemalige Fußballer der Frankfurter Eintracht sein - und auch der derzeitige Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen hat sein Kommen angekündigt. Es wartet also ein bunter Abend auf uns, der für die Autogrammjäger und Leseratten manch Überraschung parat hält, der Eintritt ist frei.


Montag, 26. Juli 2010

Kinderpressekonferenz mit Ralf Fährmann

Am Mittwoch, den 28.07.2010 findet im Museum der Eintracht eine weitere Kinderpressekonferenz statt; diesmal mit unserem Torhüter Ralf Fährmann.

Es beginnt um 13:00; die Nachwuchsjournalisten können sich akkreditieren (am besten vorher telefonsich anmelden) und dann Ralf Löcher in den Bauch fragen - wie es in den vergangenen Jahren schon Christoph Preuß, Mehdi Mahdavikia, Alex Meier, Oka Nikolov, Markus Pröll, Maik Franz und Ioannis Amanatidis erlebt haben. Anschließend gibt es natürlich Autogramme für die aufgeweckten Kleinen. Der Eintritt kostet für Kinder 3,50 und für Erwachsene 5 Euro.

Weitere Infos erhaltet ihr unter der Nummer 069 - 95503275 oder info@eintracht-frankfurt-museum.de

Dienstag, 22. Juni 2010

Endspiel, Panini, Backstage - Termine!


Wie sagte ein Bekannter neulich? Wird Zeit, dass Sommer wird und die WeeEmm endlich anfängt. Das wird dann so ca. in vier Jahren sein, wenn in Brasilien alles anders ist. Somit begnügen wir uns mit dem scheinbar immergleichen Spiel, dessen Ausgang vorhersehbar ist - zumindest wenn es nach meinen Tippspiel-Ergebnissen geht. Exakt das Gegenteil dessen, was ich getippt habe, tritt ein. Und selbst wenn alles nach Plan läuft und der Spanier gegen Honduras mit 2:0 führt und somit ein läppisches Törchen zum prophezeiten 3:0 fehlt, dann vergeigt Villa einen Elfer, bloß um mir einen rein zu würgen. Dabei war ich ja sogar noch angetan vom verschossenen Elfmeter; dann geht's nämlich nicht zu hoch aus. Oh heilige Einfalt.

Irgendwie ist zur WeeEmm alles gesagt; Fifa, Vuvuzela, Schiedsrichter, Frankreich, England, Event - es ist alles beleuchtet, hinterfragt, belächelt oder beschimpft - einzig Heinzes Flugkopfball zum Treffer Argentiniens gegen Nigeria geht mir ein bisschen unter. Ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal einen Flugkopfball aus elf Metern gesehen habe - aber dieser Treffer gehört für mich zu den schönsten dieser WeeEmm. Wenn nicht gar der tollste.

Zurück zum Sport:

Die U17 der Frankfurter Eintracht hat es tatsächlich geschafft; den Einzug ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft der B-Junioren. Nach einem 2:1 gegen die Hertha in Langenselbold triumphierten die Buben von Trainer Alex Schur auch in Berlin; 3:1 lautete das Ergebnis im Rückspiel und somit trifft die U17 auf Bayer Leverkusen, das sich im Halbfinale gegen den VfB Stuttgart durchgesetzt hat. Die Eintracht gegen Bayer, der Meister des Südens gegen den Meister des Westens; beide Teams haben sich in der jeweiligen Bundesliga souverän durchgesetzt und stehen zu Recht im Finale, das am kommenden Samstag um 14:00 Uhr in Frankfurt am Bornheimer Hang angepfiffen wird. Eine große Chance also für die Eintracht, eine nahezu perfekte Saison zu krönen.

Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass dieses Spiel nicht mehr von der Eintracht, sondern vom DFB ausgerichtet wird, und bestehende Stadionverbote leider auch für diese Partie gelten. Dennoch wäre eine tolle Kulisse wünschenswert, um zum ersten Mal seit 1991 den Titel eines Deutschen Meisters an den Riederwald zu holen.


Ein weiteres Highlight gibt es am Sonntag, den 27.06 ab 15:30 im Backstage zu bestaunen. Dort werden zwar alle WeeEmm Spiele gezeigt, im Garten sogar hübsch garniert mit den Flaggen von Trinidad & Tobago oder Kroatien; an den Wochenenden aber gibt es zusätzlich noch das sensationelle Backstage WeeEmm Studio - live und in Farbe. Am Sonntag werden euer Beve und der geschätzte Ergänzungsspieler zu Gast sein und mit brillianten Analysen sowie unfassbarer Witzigkeit glänzen. Eine Oase inmitten all der Allgemeinplätze des deutschen TV-Landschaft.

Doch bevor es ins Backstage geht, trifft sich die versammelte Welt im Eintracht-Museum zum inzwischen schon legendären Bildertausch. Wer sein Panini-Album noch nicht voll hat, hier wird Abhilfe geschaffen; viele glückliche Gesichter gab es schon zu bestaunen, weitere kommen hinzu. Sonntag ab 11:00 geht's los. Mir selbst fehlen noch die 25, die 170 und die 570 - meldet euch, wenn ihr sie habt - und tauschen wollt.

Also, WeeEmm ist, wenn die Eintracht spielt; holt sich euch zurück - und das Spiel gleich mit. Wir sehen uns.





Samstag, 19. Juni 2010

Und noch einmal: WM-Bildchen-Tauschbörse im Museum

Mensch, da haben wir gedacht, zum WM-Start hat eh jeder Fan sein Panini-Album voll und die Leute wollen nur noch Fernsehen, von wegen…

Aufgrund zahlreicher Anfragen und wütender Proteste gibt es am Sonntag, den 20. Juni im Eintracht Frankfurt Museum zwischen 11.00 Uhr und 14.00 Uhr eine weitere Fußballbildchentauschbörse.


Der Eintritt zur Tauschbörse beträgt 3,00 Euro für Erwachsene (incl. 3 Tütchen Bilder), Kinder zahlen nur 1,00 Euro (incl. 1 Tütchen Bilder). Und wir bitten zu beachten: Im Museum herrscht ein striktes und absolutes Vuvuzela-Verbot. Wenn also einer der Besucher sein Album nach langer, schweißtreibender Tauscharbeit endlich voll hat, darf er bei uns gerne lauthals jubeln. Aber bitte ohne Plastiktröte…

Im Anschluss an die Tauschbörse starten wir um 14.00 Uhr eine Stadion- und Museumsführung, an der die glücklichen Sammler mit vollen Alben gerne teilnehmen können.



Sonntag, 20. Juni 2010

11.00 Uhr bis 14.00 Uhr

Eintritt: Tauschbörse: 3,00 Euro, Kinder 1,00 Euro

Stadion- &, Museumsführung + Tauschbörse: 9,00 Euro, Kinder 7,00 Euro

Donnerstag, 10. Juni 2010

Eine Woche im Juni - Teil I: Herr Dr. Lottermann


Manchmal passiert gar nichts. Dieser Satz ist eigentlich grundfalsch, denn irgendwas passiert ja schließlich immer - aber manchmal passiert nichts, was in nachhaltiger Erinnerung bleibt und zudem Blogrelevanz besitzt; zumindest nach meinem bescheidenen Dafürhalten. Dann aber folgen Erlebnisse Schlag auf Schlag und ein Erlebtes ist eben noch Gegenwart und wird durch ein darauf folgendes Erlebnis in den Hintergrund gedrängt, welches sich ebenso bald im gleichen Hintergrund befinden wird. Um genau zu sein befindet sich alsbald alles im Hintergrund - und vorne lauert der Tod. Dann ist man selbst im Hintergrund, irgendjemand liest die Todesanzeige im Netz und klickt anschließend auf den Button: Gefällt mir. Aber das sind Überlegungen die trübsinnig machen und von daher widmen wir uns der justament vergangenen Gegenwart.

Und die beginnt letzten Mittwoch, so unglaublich das angesichts des Zeitenlaufs klingen mag. Zehn, fünfzehn Besucher tummelten sich im Museum der Frankfurter Eintracht, um an der von der Kirche im Stadion und dem Museum organisierten Veranstaltungreihe Anstoß teilzunehmen; zu Gast war der ehemalige Eintrachtspieler Dr. Stefan Lottermann, der 97 Liga-Spiele für die Eintracht absolvierte, zudem studierte und ein streitbarer Geselle war und ist. Das ist auch gut so, denn schließlich stand die Veranstaltung unter dem Motto: Sich einmischen.

Im Stadion selbst wurde das für den nächsten Tag geplante Länderspiel vorbereitet, statt Eintrachtfahnen wehten jene eines bekannten Automobilherstellers, während Lottermann im Gespräch mit Matze Thoma und Eugen Eckert äußerst unterhaltsam aus seiner aktiven Zeit berichtete. Über Burgsolms kam Lottermann nach Offenbach und kickte dort an der Seite von Rudi Völler, den damals noch niemand Tante Käthe nannte und als die Kickers mal wieder klamm waren, verließen Lottermann und Völler gezwungener Maßen den Verein; der eine landete ablösefrei bei 1860; der andere bei der Eintracht. Für Westgeld. Das war im Jahr 1979; am Ende der Saison hielt Lottermann den Uefa-Cup in den Händen, ein Jahr später den DFB-Pokal. Seine bekannteste Szene auf dem Platz war sicherlich sein Treffer zum 3:0 gegen Rotterdam im Uefa-Cup, das Spiel endete 4:1 und die Eintracht spielte in ... Grün.

Zwischen Training und Spiel pendelte er in Richtung Universität; dort studierend trug er auch im Team den Spitznamen "Der Student" - und so bei Auslandreisen ein Interviewpartner mit Englischkenntissen gesucht wurde, ward der Student der Mann bei der Eintracht für solche Fälle. Begehrt bei seinen Kommilitonen war er nicht zuletzt deshalb, da er in der Tiefgarage der Uni parken konnte und so für kurze Wege sorgte.

Es war eine wilde Zeit, die Proteste gegen die Startbahn West befanden sich auf dem Höhepunkt und auch Lottermann war von der Notwendigkeit des Baus nicht überzeugt. Von daher zögerte er nicht lange, als der Asta der Universität anfragte, ob er einen Beitrag und ein Foto für die Unizeitung beisteuern könne. Als Foto wurde eine Autogrammkarte verwendet - mit Unterschrift - und so erschien jene Zeitung; in überschaubarer Auflage. Als wenig später die Organisatoren des Widerstands eine Broschüre in weitaus höherer Auflage unters Volk brachten, hatten diese kurzerhand Foto und Beitrag aus der Unizeitung übernommen - und so wurde Lottermann über die universitären Grenzen hinaus prominente Symbolfigur für den Widerstand gegen die Startbahn West. Die Höchst AG, Sponsor der Eintracht, aber auch die Eintracht selbst zeigten sich wenig begeistert; er wurde zum Rapport bestellt, wobei sich die Höchst AG durchaus auch darüber freute, dass der Name Infotec (damals eine Tochter der Höchst AG) nun auch außerhalb der üblichen Reichweite von Trikotwerbung zur Kenntnis genommen wurde. Alles in allem wurde aber auch einem Fußballprofi eine eigenständige politische Meinung zugestanden; die Konsequenzen waren also zu vernachlässigen. Falls jemand, der diesen Text liest besagte Broschüre besitzt, so meldet euch - wir suchen sie.

1983/84 wechselte Lottermann nach Nürnberg zum Club - und stieg unter Trainer Heinz Höher sang und klanglos ab. Zum Entsetzen der Spieler wurde der Vertrag mit dem ungeliebten Trainer jedoch verlängert; Höhepunkte seines Wirkens war die Abseitsfalle auf Zuruf; genauer gesagt auf Zuruf des Trainers. Als dies im Spiel gegen Oberhausen gründlich in die Hose ging und da die Oberhausener (mit Wolfgang Kleff im Tor und Manni Burgsmüller im Sturm) die skurrile Variante durchschaute und Allig nach missratener Abseitsfalle in der letzten Minute zum Ausgleich traf, kochte das Fass über. Trotz mehrfacher Aufforderung seitens der Spieler sich mit der Vereinsführung zu einem Gespräch zu treffen, lehnten dies die Vereinsoberen ab. Somit wählten die Spieler (darunter Udo Horsmann, Rudi Kargus und Stefan Lottermann) den Weg über die Presse. Dieses Ansinnen machte schnell die Runde; Drohungen seitens des Vereins wurden ausgesprochen und diese gipfelten trotz bestreiktem Training und vermeintlicher Geschlossenheit der Mannschaft in der Kündigung der sechs vermeintlichen Rädelsführer. Da der Pressetext auf Lottermanns Schreibmaschine verfasst wurde, gehörte dieser ebenso wie Horsmann und Kargus dazu. Der Club aber stieg anschließend souverän auf.

Meinungsfreiheit und Recht; zwei Schuhe, die nicht immer zusammenpassen. Nicht zuletzt nach den Vorkommnissen beim Club leierten engagierte Spieler wie Stefan Lottermann oder Benno Möhlmann eine Art Gewerkschaft an; sie trafen sich mit den Spielführern der Mannschaften und aus anfänglicher Skepsis entstand ein großes Interesse bis 1987 die VDV gegründet wurde, deren Vorsitz zunächst Möhlmann und später Lottermann übernahm.

Lottermann, der seine Profikarriere nach einer Verletzung bei Darmstadt98 1987 beenden musste, unterstützte und beriet Spieler auch gegen den DFB, was ihm naturgemäß nicht nur Freunde einbrachte - so sorgte die VDV dafür, dass Nationalspieler auch an Werbeeinnahmen des DFB profitieren, heute eine Selbstverständlichkeit. Nur einer erwies sich als beratungsresistent; Dieter Eckstein, Raucher. Dieser wohnte zu Nürnberger Zeiten in einem schönen Haus - ohne Brandschutzversicherung. Einen Rat diesbezüglich schlug er in den Wind; selbst als ein Feuerchen den Teppich versengte, wollte er sich nicht versichern. Kurz darauf lebte er in einem Wohnwagen vor dem Haus; ein Feuer hatte dieses tatsächlich nun völlig zerstört.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Das große Finale: Panini-Tauschbörse am Sonntag, 6. Juni 2010

Liebe Panini-Bild-Freundinnen und Freunde,

am Sonntag, den 6. Juni, findet das große Finale unserer Tauschwochen für Panini-Bildchen statt. Ab 11.00 Uhr können Sie im Museum die letzten fehlenden Bildchen tauschen und Ihr Album endlich komplett machen. Da ja immer das ein oder andere Bild absolut nicht auftauchen will, versteigern wir während der Veranstaltung die begehrtesten Bilder zu kinder- und erwachsenenfreundlichen Preisen.

Damit der schöne Sonntag auch wandertechnisch abgerundet wird, bitten wir Sie, auf den öffentlichen Parkplätzen Waldparkplatz, P 9 (Zufahrt über Tor 3) oder Gleisdreieck zu parken und den Tag mit einem hübschen Spaziergang in unser Museum zu starten. Am Sonntag findet auf dem Gelände des Stadions nämlich auch eine Laufveranstaltung statt, so dass der übliche P4 und die Tiefgarage nicht nutzbar sind. Aber sicher würden Sie für die letzten fehlenden Bilder sogar von der Isenburger Schneise zu uns laufen, oder?


Sonntag, 06. Juni 2010
Eintracht Frankfurt Museum
11.00 bis 14.00 Uhr

Mittwoch, 2. Juni 2010

02. Juni 2010: Dr. Stefan Lottermann beim „Anstoß“ im Eintracht Frankfurt Museum


Mit dem Gesprächsabend am Mittwoch, 02. Juni 2010, wird die Anstoßreihe 2010 in der Haupttribüne der Commerzbank-Arena fortgeführt. Diesmal begrüßen wir im Museum Dr. Stefan Lottermann, der zum Thema „sich einmischen“ spricht. Die ursprünglich für 18.30 Uhr vom Stadionbetreiber SFM angekündigte Stadionführung muss wegen einer internen Veranstaltung leider entfallen. Um 19.30 Uhr findet in der Kirche in der Arena eine kleine Andacht statt, um 20.00 Uhr spricht Dr. Stefan Lottermann dann im Museum.

Stefan Lottermann engagierte sich schon zu seiner aktiven Zeit als Fußballer stets sozial. Geboren 1959 in Weilburg, kickte er zunächst beim heimischen FV Weilburg, FC Burgsolms und den Offenbacher Kickers. 1979 wechselte Lottermann über den Main zur Frankfurter Eintracht, wo er bis 1983 97 Bundesligaspiele absolvierte und 14 Treffer erzielte. Mit der Eintracht wurde er 1980 Uefa-Cup-Sieger und 1981 DFB-Pokalgewinner. 1983 wechselte er zum 1. FC Nürnberg, weitere Stationen seiner Spielerlaufbahn waren Darmstadt 98 und der FC Burgsolms.
Schon während seiner Zeit als aktiver Fußballer mischte sich Stefan Lottermann ein. Er selbst bezeichnet sich als politisch, aber überparteiisch. 1984 musste als Vorsitzender des Mannschaftsrats den 1. FC Nürnberg nach internen Auseinandersetzungen zwischen Team und Vorstand verlassen. Auch bei der Frankfurter Eintracht brachte er es in die Schlagzeilen des Boulevards, nachdem Zitate von Lottermann Anfang der 1980er Jahre in einer Broschüre gegen die Startbahn West veröffentlicht wurden.
Die Erfahrungen der sog. „Spielerrevolte“ in Nürnberg waren mit ein Grund dafür, dass Stefan Lottermann 1987 Mitbegründer der Vereinigung der Vertragsfußballer wurde, deren Geschäftsführer er bis 1994 war.
1983 beendete Lottermann sein Studium, 1989 promovierte er im Fach Sportwissenschaften. An der Deutschen Sporthochschule in Köln war er von 2002 bis 2008 als Dozent, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Verantwortlicher für die Talentförderung tätig. Seit 1994 ist er in der Managementberatung tätig. Coaching und Training von Managern sind Themenschwerpunkte, für die er das nötige Know-How aus seinem Soziologie- und Pädagogikstudium mitbringt, aber auch aus seiner Karriere als Fußballspieler. Außerdem arbeitet er seit 2004 für die Fifa als internationaler Trainerausbilder in Australien und Asien.

Mittwoch, 2. Juni 2010
Andacht: 19.30 Uhr, Gespräch: 20.00 Uhr, Eintritt: 5,00 €, erm. 3,50 €

Kontakt:
Eintracht Frankfurt Museum
Commerzbank-Arena/Haupttribüne
Mörfelder Landstr. 362
60528 Frankfurt
Tel: 069-95503275
www.eintracht-frankfurt-museum.de

Dienstag, 25. Mai 2010

Tradition zum Anfassen - Der Uefa-Cup-Abend im Museum der Eintracht


Vier Tage vor dem Rückspiel im Finale des Uefa-Cups der Saison 1979/1980 liegt die Frankfurter Eintracht gegen Werder Bremen nach 53 Minuten mit 0:2 zurück. Norbert Nachtweih gelingt in der 56. Minute der Anschlusstreffer, Michael Künast trifft in der 77.Minute zum 2:2. Noch ist eine Minute zu spielen, als Trainer Rausch den Torschützen Nachtweih auswechselt. Für ihn kommt ein weitgehend unbekannter Nachwuchsspieler auf den Platz, der 20-jährige Christian Peukert. Mit seiner ersten Ballberührung erzielt er den Siegtreffer für die Eintracht; Werder Torwart Dieter Burdenski ist zum dritten Mal geschlagen; das Spiel ist aus - die Eintracht hat gewonnen.

Es sollte das einzige Bundesligaspiel von Peukert für die Eintracht bleiben - und ein Rekord für die Ewigkeit; welcher andere Fußballer kann für sich in Anspruch nehmen, in jeder gespielten Minute ein Tor für seinen Verein erzielt zu haben? Später wird Peukert nach Offenbach wechseln - und an der Seite von Uwe Bein noch 14 Spiele für die Kickers in der ersten Liga absolvieren - darunter auch 46 Minuten gegen die Eintracht, ausgerechnet (!) in jenem denkwürdigen Spiel, in dem die Eintracht nach 88 Minuten den Ausgleich erzielte - um im Anschluss durch Kutzops Tor doch noch mit 1:2 zu verlieren.

Dieses Spiel allerdings kam im Museum nicht zur Sprache.

Neben Christian Peukert waren Harry Karger, Norbert Nachtweih und Jürgen Pahl zu Gast im Museum der Eintracht - als Vertreter jener Mannen, die in der Uefa-Pokal-Runde 79/80 kein einziges Auswärtsspiel gewinnen konnten - und nach zwölf Partien dennoch den Pokal in den Frankfurter Abendhimmel reckten. Und mit dabei waren neben etlichen Zeitzeugen und Spätgeborenen (einige waren noch am Morgen mit dem Flieger aus Vietnam in Frankfurt gelandet) auch ein Mann, der 41 Jahre für die Eintracht tätig war - und der wohl die brisantesten Geschichten unserer Diva zu erzählen hat (und der dennoch das meiste für sich behält: Was in der Kabine passierte, dringt nicht heraus): Zeugwart und Seele der Eintracht Anton Toni Hübler.

Karger, Nachtweih, Pahl und Peukert - die vier Mann, deren Lebensgeschichte nicht unterschiedlicher hätte ausfallen können, waren Bestandteil einer Mannschaft, die den bislang einzigen internationalen Titel der Eintracht geholt hat.

Ist Peukert ein Frankfurter Bub, der schon in der A-Jugend das Trikot mit dem Adler trug, so war Karger der Junge vom Land, der aus Burgsolms zur Eintracht gestoßen war - nachdem der Eintrachtfan noch als Bezirksligaspieler für Burgsolms unter der Woche mit der Eintracht A-Jugend trainiert hatte. Trainer Friedel Rausch sprach sich für eine Verpflichtung Kargers aus, der daraufhin zur Vertragsunterzeichnung ins Präsidium zu Manager Klug marschierte. Ohne unterzeichneten Vertrag kam er wieder herunter - und wurde von Rausch auf ein Neues nach oben geschickt. Dieses Mal erfolgreicher.

Norbert Nachtweih und Jürgen Pahl verbindet eine ganz spezielle Geschichte. Beide sind in der ehemaligen DDR aufgewachsen, beide spielten für Chemie Halle und avancierten zu Jugend-Nationalspielern der DDR. 1976 reiste das U-21 Team nach Istanbul zu einem Länderspiel gegen die Türkei - und beide setzten sich in den Westen ab. Obgleich sie sich noch in Istanbul bedeckt halten sollten, erkundeten sie die Stadt - und marschierten dort schnurstracks ins Kino.

In der Bundesrepublik angekommen, landeten die beiden wie so viele Flüchtlinge zunächst im Aufnahmelager Gießen. Als Fußballer privilegiert dauerte der Aufenthalt dort jedoch nur drei Tage; durch die Vermittlung des FDP-Spitzenpolitikers und Mitglied des Eintracht-Verwaltungsrates Wolfgang Mischnick, der Ende der Vierziger Jahre ebenfalls die DDR verlassen hatte, landete das Duo bei der Frankfurter Eintracht - und wurde bis 1978 für Pflichtspiele gesperrt.

Die Uefa-Cup-Saison 79/80 war geprägt durch Reisen, neben den Pflichtspielen stand in der Winterpause ein Turnier an der Elfenbeinküste auf dem Programm, die Spieler fluchten ob der Luftfeuchtigkeit, die Eintracht verdiente ein bisschen Geld - und landete in der Rückrundentabelle der Bundesliga auf dem 16. Platz; für die Vorrunde sprang noch der fünfte Platz heraus; im Endergebnis bedeute dies Platz neun; kein überragendes Ergebnis für ein Team in dem unter anderen Grabowski, Hölzenbein, Nickel, Cha, Pezzey, Neuberger, Borchers, Lorant oder Charly Körbel aufliefen.

Auswärts war die Eintracht auch im Uefa-Cup keine Macht; dem Unentschieden in Aberdeen folgten Niederlagen in Bukarest, Rotterdam, Brünn, München und Mönchengladbach - im Waldstadion aber gab es für Gäste nichts zu holen, dort wurde der Grundstein für den Triumph gelegt - 30 Jahre nach der Final-Niederlage im Europapokal der Landesmeister gegen Real Madrid in Glasgow gewann die Eintracht ihren ersten internationalen Titel - durch Fred Schaubs Treffer in der 81. Minute im Rückspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Doch der Reihe nach.

Hart umkämpft war der Punktgewinn in Aberdeen, ein Team, das von Alex Ferguson trainiert wurde. Chas Treffer sorgte für eine gute Ausgangsbasis, die Hölzenbein durch sein Tor im Rückspiel vor 17.000 Zuschauern vollendete - die Eintracht stand in der nächsten Runde, die Dinamo Bukarest als Gegner brachte. Blieb Karger in Bukarest vor allem die Dunkelheit der Stadt in Erinnerung so standen Norbert Nachtweih und Jürgen Pahl vor dem Problem, dass Reisen in den Ostblock für DDR-Flüchtlinge mit erheblichen Risiken verbunden waren - Wolfgang Mischnick sorgte auf politischer Ebene dafür, dass beide gefahrlos in Rumänien einreisen konnten. Am Ende stand ein 0:2 und das Weiterkommen auf hölzernen Beinen, das kaum ein Eintrachtler erlebte; zu teuer und zu abenteuerlich schien die Reise nach Rumänien.

Das Rückspiel in Frankfurt brachte eines der denkwürdigsten Tore in der Geschichte der Eintracht; erst in der 73. Minute gelang Cha die 1:0 Führung - noch war dies zu wenig, der Torhüter der Bukarester, Stefan, ein Teufelskerl, hielt alles, was zu halten war - und wischte sich im strömenden Regen seine Torwarthandschuhe nach jedem gehaltenen Ball an einem Handtuch halbwegs trocken. Nach 90 Minuten hatte Schiedsrichter Fredriksson die Pfeife schon im Mund; Neuberger schlug einen langen Ball nach vorne, Körbel verlängerte und Stefan hatte den Ball sicher. So dachten alle, bis auf drei. Fredriksson, der sah, wie Hölzenbein auf dem Boden ausgerutscht war und nicht sofort abpfiff; Hölzenbein, der auf dem Boden sitzend die Wachsamkeit behielt und Stefan, dem der Ball tatsächlich aus den Händen glitt, so dass Holz sich nach der Kugel reckte und ihn Richtung Tor köpfelte. Es sollte so sein; der Mann, der die Rumänen durch seine Paraden im Wettbewerb gehalten hatte, machte in der letzten Sekunde den entscheidenden Fehler - der Ball war drin - und die Eintracht in der Verlängerung, in der Nickel den 3:0 Siegtreffer gegen 10 Bukarester erzielte; Multescu war in der 89. Minute vom Platz geflogen.

Das Achtelfinale bescherte der Eintracht eine Reise in die Niederlande, Feyenoord Rotterdam hieß der Gegner doch das Hinspiel wurde im Waldstadion ausgetragen; Rund 40.000 Zuschauer erlebten eines der besten Spiele der Eintracht, die in grünen Trikots auflief und Feyenoord an die Wand spielte. Grün die Hoffnung, grün der Rasen, grün die Eintracht - Toni Hübler hatte die Ausweichtrikots parat gelegt; jener Toni Hübler, der 40 Mark gewann als er sich aufgrund einer Wette bei einer Auslandsreise zu den Koffern setzte - und auf dem Gepäckband des Flughafens eine Runde drehte, doch dies ist eine andere Geschichte. Eine andere Geschichte ist auch die des "Ästhetikbeauftragten" Hüblers. Als nämlich Nachtweih und Pahl zur Eintracht gestoßen waren, sorgte Toni für ein vernünftiges Erscheinungsbild der ehemaligen Hallenser. Reisen zu Adidas nach Herzogenaurach und zum Ammerschläger auf die Zeil brachten den Fußballern ordentliche Klamotten - denn: Kleider machen Leute.

Cha, Nickel, Helmut Müller und Lottermann mit einem tollen Treffer legten bis zur 58.Minute eine 4:0 Führung vor; vier Minuten vor dem Ende erzielte André Stafleu das 1:4 und ließ Feyenoord einen Funken Hoffnung für das Rückspiel.

Über 60.000 hofften auf das Wunder von Rotterdam, doch die Eintracht hielt dagegen; Torhüter Funk, bei dem Licht und Schatten im Laufe der Saison in stetem Wechsel leuchteten, machte das Spiel seines Lebens für die Eintracht und hielt 89 Minuten seinen Kasten sauber - und auch den Strafraum. Deutschland und die Niederlande - durch die deutsche Besatzung bis 1945 und das verlorene WM-Endspiel 1974 sahen viele Niederländer den großen Nachbarn als ihr own private Offenbach - Frank schreibt dazu im Eintracht-Archiv: Kurz nach Wiederanpfiff tritt das Geschehen auf dem Spielfeld zunächst einmal in den Hintergrund, denn dem Spiel droht der Abbruch, als der Hagel aus Flaschen, Steinen, Böllern, Feuerzeugen und anderen Gegenständen, der aus der Feyenoord-Fankurve in Funks Strafraum niedergeht, dem Schiedsrichter zu dicht wird und er das Spiel unterbricht.

Uli Matheja, Autor des Standard-Werkes über die Eintracht Schlappekicker und Himmelsstürmer berichtete im Museum die Ereignisse aus Sicht der Fans. Die Eintrachtler hatten Karten in unmittelbarer Nähe der Feyenoord Fans bekommen, eine Meisterleistung der Kartenvergabe. Als er sich ein Bier holen wollte, erkannte er, wie die Rotterdamer die Ordner beiseite drängten und den Frankfurter Block stürmen wollten, er schaffte es (auch dank seiner Cowboystiefel), vor diesen im Block zu sein; sie kommen, sie kommen rief er und sie kamen - relativ ungehindert durch die Polizei in den Block. Die Lage schien zu eskalieren, doch einige beherzte Niederländer unterstützten die Frankfurter, bis sich die Lage zunächst wieder beruhigte. Als die Frankfurter nach Spielende ihren Bus erreichten, hatten es zwar alle aus Ulis Reisegruppe geschafft, doch ging mit einem Knall die Rückscheibe des Busses kaputt, ein Stein war hinein geflogen. Der Busfahrer drehte die Heizung auf, die Eintrachtler wärmten sich in ihren Jacken sowie mit Bier und Apfelwein und feierten das Weiterkommen ins Viertelfinale; der Treffer von Jan Peters in der 90. Minute brachte Feyenoord den Sieg - und das Aus. Eintrachtfans berichteten von wütenden Attacken seitens der Rotterdamfans, von Waffen, Hiebe, Prügel, brennenden PKWs. Letztlich waren alle froh, wieder zuhause zu sein. Dort brachte das Los Zbrojovka Brünn als Gegner im Viertelfinale; eine weitere Reise in den Osten Europas stand an; in die Tschechoslowakei.

Mit einem 4:1 Hinspielsieg im Gepäck machte sich der Eintrachttross auf die Reise nach Brünn; nicht mit dabei war Torhüter Jürgen Pahl. Er, der mit Norbert Nachtweih der erste DDR-Fußballer gewesen gewesen war, der aus der DDR geflohen ist, hatte ein Jahr zuvor das Freundschaftsspiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem BFC Dynamo Berlin besucht, in dessen Rahmen sich der Ostberliner Lutz Eigendorf in den Westen abgesetzt hatte. Pahl wurde seitens der Stasi als Fluchthelfer verdächtigt, eine Reise in den Osten Europas schien zu gefährlich (Ein Blick in die Stasi-Akten bestätigte Jürgen Pahl, dass er in Abwesenheit zu drei Jahren Haft verurteilt wurde). Wie weit der Arm der Stasi in den Westen hinein reichte zeigt die Geschichte Lutz Eigendorfs, der bis 1983 auch im Westen auf Schritt und Tritt überwacht und aller Wahrscheinlichkeit nach bei einem Verkehrsunfall quasi ermordet wurde. Norbert Nachtweih, der bei der Partie zwischen Lauten und Berlin nicht zugegen war, trat die Reise nach Brünn an - und konnte das erst Mal nach seiner Flucht seiner Familie und Freunden begegnen. Toni Hübler hatte für die vielen ostdeutschen Fans, welche das Spiel der Eintracht zu einem Ausflug in die Tschechei genutzt hatten, einen Koffer voll Souvenirs dabei, der ihm nahezu aus den Händen gerissen wurde.

Ebenfalls nicht mit dabei war Jürgen Grabowski, der langjährige Kapitän der Eintracht. Vier Tage zuvor hatte ihn Lothar Matthäus beim 5:2 der Eintracht rüde gefoult - die Geschichte zeigte, dass Grabi nie wieder für die Eintracht spielen sollte und Matthäus sich niemals dafür entschuldigt hat, im Gegenteil: Der gelernte Herzogenauracher Raumausstatter mutmaßte noch vor zwei Jahren, dass Grabi sicherlich eine gute Versicherung gehabt und seine Karriere sowieso nach der Saison beendet hätte. Grabi aber hat den Sportunfall niemals der Berufsgenossenschaft gemeldet.

Ein anderer Stern aber schien am Himmel aufzugehen, der des Harry Karger, der sowohl im Hin- als auch im Rückspiel gegen Brünn einen Treffer erzielt hatte - und der von Stefan Lottermann den Spitznamen Schädel-Harry erhielt. Über einen Freund, Arda Yural, der sowohl in Burgsolms als auch später bei der Eintracht die A-Jugend trainierte, kam der gebürtige Weilburger zur Eintracht - obgleich auch die Offenbacher Kickers in Form von Niko Semlitsch Interesse an Karger zeigten. Karger war beeindruckt, noch vor wenigen Jahren hatte sich der Eintrachtfan Autogramme von Grabi, Holz und Körbel geholt - nun stand er mit ihnen in einer Mannschaft. Er trainierte eifrig und machte schnell große Fortschritte - nicht zuletzt durch den Einfluss Bernd Nickels, der ihm - vor allem wenn Gastspieler bei der Eintracht mit trainierten - zu raunte: Heute musst du Gas geben. Harry gab Gas und erkämpfte sich seinen Platz im Team - trotz Konkurrenten wie Christian Peukert oder Fred Schaub. Noch heute leuchten seine Augen, wenn er von der damaligen Zeit spricht; eben noch in der Bezirksliga, jetzt bei der Eintracht. Leider war Schädel Harry keine große Karriere vergönnt; den beiden Treffern gegen Brünn folgten zwei weitere gegen die Bayern und einer gegen Gladbach im Hinspiel der letzten Runde. Im gleichen Spiel ereilte ihn eine Verletzung, die einen Einsatz im Rückspiel unmöglich machte und gleichbedeutend mit dem Karriereende sein sollte. In den folgenden Jahren kam Karger bis 1983 nur noch auf fünf Bundesliga- und einen Uefa-Pokaleinsatz.
Und noch für einen weiteren Eintrachtler sollte diese Saison verletzungsbedingt die letzte bleiben; Helmut Müller verletzte sich in der Bundesligapartie gegen Duisburg am 12.04. und wurde neun Tage später im Rückspiel gegen die Bayern in der 83. Minute für Willi Neuberger eingewechselt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Müller alle Uefa-Cup-Spiele der Saison 79/80 absolviert und stand auch bei den meisten Bundesligapartien von Beginn an auf dem Platz. Die letzten 37 Minuten gegen die Bayern waren seine letzten Pflichtspielminuten für die Eintracht - immerhin in einem der grandiosesten Spiele der Vereinsgeschichte.

Doch zuvor ging auch das Spiel in Brünn verloren; bis zur 88.Minute hatte die Eintracht noch mit 2:1 geführt; im Bewusstsein des sicheren Weiterkommens führten Nachlässigkeiten noch zu zwei Gegentreffern - und zum Halbfinale. Dort hieß der Gegner Bayern München wo die Eintracht in der Liga drei Tage nach dem Rückspiel in Brünn vor über 30.000 Zuschauern mit 0:2 verloren hatte. Immerhin hatten es die Riederwälder geschafft, das Hinspiel mit 3:2 für sich zu entscheiden - und das obgleich die Eintracht im Oktober 1979 schon mit 0:2 hinten gelegen hatte; Körbel, Nickel und Karger schafften binnen 11 Minuten die Wende. Im anderen Halbfinale standen sich Borussia Mönchengladbach und der VfB Stuttgart gegenüber.

Bayern im Halbfinale - dies war ein gutes Zeichen; denn Finalspiele gegen Münchner Mannschaften pflegt die Eintracht zu verlieren; so war es 1932 im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen die Bayern und so war es 1964 im DFB-Pokalfinale gegen 1860. Im Halbfinale des DFB-Pokals siegte die Eintracht jedoch 1974 gegen Bayern München - um im Finale dann den HSV zu schlagen. 1977/78 konnte die Eintracht den FC Bayern im Uefa-Cup gleich zwei Mal bezwingen. 4:0 und 2:1 lauteten damals die Ergebnisse, allerdings im Achtelfinale.

Ein Thema welches die Eintracht während der gesamten Saison beschäftige waren die Torhüter. Nach dem Abgang von Jupp Koitka konnte sich bislang keiner der beiden Torhüter Funk und Pahl unter Trainer Friedel Rausch dauerhaft behaupten, stete Wechsel hatten beide verunsichert, keiner konnte sich des Rückhalts des Trainers gewiss sein. Bis auf das Hinspiel gegen Brünn hatte stets Funk im Tor gestanden - so auch im ersten Spiel in München. Gerade Mal 14.000 Zuschauer wollten sich im Olympiastadion das Halbfinale im Uefa-Cup ansehen, das nach einem Fehler von Funk und einem Elfmeter von Breitner mit 2:0 für die Bayern endete. Im Rückspiel stand wieder Pahl im Kasten. Norbert Nachtweih stand ebenfalls von Beginn an auf dem Platz, während Karger zunächst auf der Bank Platz nehmen musste, Cha und Holz sollten für die notwendigen Tore sorgen. Christian Peukert war einer von 50.000 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Waldstadion und auf Seiten der Bayern kehrte ein alter Bekannter ins Waldstadion zurück: Wolfgang "Scheppe" Kraus, der von 1971 bis Sommer 1979 174 Bundesligaspiele für die Eintracht absolviert hatte; 15 weitere sollten 85/86 noch dazu kommen.

Die ersten 90 Minuten standen im Zeichen des großen Bruno Pezzey der 1994 vor der Zeit verstorben ist, sein Bildnis stand ebenso wie das des Fred Schaub, der 2003 tödlich verunglückt war, im Museum auf einem Tisch und wahrscheinlich haben die beiden uns von oben beobachtet. Und dann haben sie alle Tore der Eintracht gesehen, die Frank Wagner zu einem Film verarbeitet hatte, der nun gezeigt wurde - und bei vielen Besuchern des Museums Gänsehaut verursachte.

Darunter natürlich Pezzeys 1:0 gegen die Bayern in der 31.Minute, welches die Hoffnung der Eintracht auf ein Weiterkommen nährte; verzweifelt versuchten die Adler Junghans im Tor der Bayern zu überlisten, während Jürgen Pahl (der des Öfteren Pezzey in Österreich besuchte und sich bei einem gemeinsamen Fahrradausflug waghalsig einen Abhang hinunter stürzte - im wahrsten Sinne des Wortes; eine Gruppe Ausflügler hatte Glück, dass der Torwart der Frankfurter Eintracht nicht in sie hinein gerauscht war) seinen Kasten 90 Minuten lang sauber hielt.

Pezzey sorgte auch in der 87. Minute für das erlösende 2:0; die Frankfurter hatten sich in die Verlängerung geschossen, das Stadion tobte - ein selten gekanntes Gefühl im weiten Rund der damaligen Zeit.

Nun folgte der große Auftritt des Harry Kargers; eingewechselt in der 83. Minute traf er in der 103. Minute zum 3:0 - damit hätte die Eintracht das Finale erreicht, doch Jürgen Pahl ließ zwei Minuten später einen Schuss Dremmlers unter seinem Körper hindurch gleiten, nun standen die Bayern im Finale. Doch wiederum zwei Minuten später wuchtete Karger den Ball zum 4:1 ins Netz - endgültige Klarheit verschaffte dann Werner Lorant, der zwei Minuten vor dem Ende per Foulelfmeter zum 5:1 traf - und die Eintracht endgültig ins Endspiel resp. in die beiden Endspiele schießt. Sicherlich freute sich Jürgen Pahl am meisten - sein Fehlgriff beim 1:3 hatte keine gravierenden Folgen.

Als Endspielgegner kristallisierte sich Borussia Mönchengladbach heraus; mit 2:0 und 1:2 hatten sie den VfB Stuttgart aus dem Rennen geworfen und waren nun Gastgeber des ersten Finalspiels.

Alle Hoffnungen auf einen Einsatz Grabowskis hatten sich zerschlagen, die Eintracht reiste ohne ihren Kapitän zum Bökelberg. Pahl stand wieder zwischen den Pfosten, Karger von Beginn an auf dem Feld - diesmal musste Norbert Nachtweih auf der Bank Platz nehmen - und sah das 0:1 durch - Harry Karger. Mit dem Pausenpfiff egalisierte Kulik die Eintrachtführung, doch Hölzenbein konnte nach Flanke von Borchers die Eintracht nach 71 Minuten mit 2:1 in Führung bringen. Sechs Minuten später fiel der erneute Ausgleich. Karger musste überdies in der 81. Minute verletzt vom Feld, der Anfang vom Ende seiner Karriere und zu allem Überfluss sichert Kuliks zweiter Treffer in der 88. Minute Borussia Mönchengladbach den Sieg. Wieder einmal hatte die Eintracht ein Spiel verloren, dass nicht verloren werden durfte. Doch ruhte die Hoffnung der Frankfurter auf der bekannten Heimstärke; fünf Mal trat die Eintracht im Waldstadion an, fünf Mal hatte sie dieses als Sieger verlassen.

Mit knapp 60.000 Zuschauern war das Rückspiel am 21. Mai 1980 ausverkauft - unter ihnen ein pickliger Teenager, der dreißig Jahre später das Glück hatte, die Veranstaltung im Museum zu moderieren. Es war nicht mein erstes Eintracht-Spiel - und auch nicht mein letztes; aber es sollte bislang das einzige bleiben, bei dem mir beim Siegtreffer von hinten vor Freude an die Schuhe gekotzt wurde.

Im Stadion hing ein riesiges Transparent: Eintracht Frankfurt - Uefa-Cup Sieger 80 stand darauf geschrieben - Ralf Holl, der uns vor Jahresfrist den Film über die Diva bescherte, hatte mit Kumpels, Taschengeld und einem großzügigen Stofflieferanten dafür gesorgt, dass das erste Großtransparent pünktlich zum Finale im Waldstadion hing; hilfsbereite Ordner halfen ihm seinerzeit, das Kunstwerk an den Zäunen zu befestigen.

Zuviel stand für beide Teams auf dem Spiel, als dass wir ein Feuerwerk wie gegen Rotterdam oder Brünn gesehen hätten, gefühlt lässt sich die Partie mit 81 Minuten warten und neun Minuten zittern am besten beschreiben. Trainer Rausch will nach einer dreiviertel Stunde eigentlich Hölzenbein auswechseln - überlegt es sich aber anders und bringt in der 77. Minute den jungen Fred Schaub für Norbert Nachtweih. Jener Schaub, über den Harry Karger später sagen sollte: Der war frech, der versuchte sogar einem Grabi im Training den Ball zwischen den Beinen hindurch zu spielen. Keine vier Minuten später kommt das Leder über Holz und Körbel zu Schaub, der im Strafraum abzieht und Torhüter Kneib überlistet; jetzt steht es 1:0 für die Eintracht - und mit diesem Ergebnis wäre der Uefa-Cup unser. Einer hat ganz andere Probleme: Toni Hübler; der muss nämlich dafür sorgen, dass die Spieler unmittelbar nach Spielende ihre Trikots wechseln; die Statuten untersagten es, dass die Mannschaften in internationalen Wettbewerben mit Reklame auf der Brust antreten durften; die Eintracht spielte in roten Adidas-Trikots mit weißen Streifen, während Hübler einen gleichen Satz Trikots parat legte, auf denen der Schriftzug Minolta prangte, der Trikotsponsor der Eintracht hatte es so gewollt. Und mit dem Schusspfiff brandete der Jubel auf - die Eintracht hatte es tatsächlich geschafft; sie war der gefeierte Uefa-Cup-Sieger 1980. Toni Hübler verteilte die Leibchen an alle. Nun ja, an fast alle: Bruno Pezzey fragte ihn nämlich in seiner unnachahmlichen Art: Wos gibts den do für uns für a Marie und rieb Daumen und Zeigefinger aneinander - Hübler schüttelte mit dem Kopf - und so kam es, dass auf dem Mannschaftsbild mit dem Cup alle Spieler die zum Schlusspfiff auf dem Platz gestanden haben ein Trikot mit dem Aufdruck des Sponsors tragen. Alle - bis auf einen.

Bernd Hölzenbein nahm den Pokal in Empfang und überreichte ihm dem scheidenden Kapitän - Jürgen Grabowski, dessen Namen das gesamte Stadion skandierte; unvergessen die Bilder, als Grabi in seiner braunen Lederjacke den Cup in den Frankfurter Abendhimmel stemmte.

Und so endete die Saison 79/80 mit einem der größten Triumphe in der Geschichte der Frankfurter Eintracht - und auch ein weiterer denkwürdiger Abend im Museum. Vielen Dank an Harry Karger, Norbert Nachtweih, Jürgen Pahl und Christian Peukert, die nicht nur 79/80 dabei waren - sondern auch 30 Jahre danach noch einmal gefeiert wurden - von euch.

Jürgen Pahl wurde gemeinsam mit Norbert Nachtweih 1981 im Trikot der Eintracht DFB-Pokalsieger, Nachtweih avancierte zum national erfolgreichsten Spieler der jemals das Trikot der Adler getragen hatte; er wechselte 1982 (Zitat: nachdem ich mich im Westen eingewöhnt und die Sprache gelernt hatte) zu Bayern München - dort holte er noch weitere zwei Mal den DFB-Pokal und wurde sogar vier Mal Deutscher Meister.

Einen großartigen Bericht über den Saisonverlauf findet ihr im Eintracht-Archiv, geschrieben - wie so vieles - von Frank Gotta.


Toni Hübler


Die Fotos von der Veranstaltung (Peukert, Pahl, Nachtweih, Karger und Toni Hübler) sind von Stefan Krieger, das Bild des Banners von Fabian Böker und die Archiv-Bilder aus dem Eintracht-Archiv. Vielen Dank.