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Dienstag, 28. September 2010

Zeit


Es ist schon irre, wieviel passiert und wieviele Menschen in Sekundenschnelle darauf reagieren - und mit einer Meinung dienen können. Ich bin da eher langsam, und kaum habe ich eine Meinung, ist das Thema schon durch. Manchmal wünscht man sich, die Zeit anhalten zu können, um sich in aller Ruhe neu zu sortieren.

Und das mache ich grad; vorher verweise ich in die Klappergass; neben tollen Spielberichten vergangener Jahre und Analysen der Jetztzeit könnt ihr dort seit Saisonbeginn den Spieler der Stunde wählen. Im Moment ist es Benni Köhler; völlig zu Recht wie ich finde.

Im Eintrachtforum gibt es einen langen Thread zu der Situation nach dem Spiel gegen Freiburg, als die Spieler nach einem kurzen Gruß in die Kurve in den Kabinen verschwanden. Auch dafür habe ich Verständnis, weniger hingegen für die allgemein gegenwärtige Sündenbockstrategie, die sich je nach Gusto einen Prügelknaben sucht. Das ist nichts neues, kann aber mal gesagt werden. Wie auch immer, heute Abend spielt in der Regionalliga Süd die U23 der Eintracht gegen die Reserve des FSV am Bornheimer Hang; Heimspiel in Bornheim sozusagen. War die Eintracht schon einmal Gastgeber am Hang gegen den FSV? Ich wüsste nicht. Wie auch immer, wir hören uns nach dem Spiel beim VfB.


Sonntag, 28. März 2010

Was war ist längst vergangen

Typisch Eintracht, kaum habe ich mich entschieden, die Internet-Situation eine zeitlang nicht mehr mit Worten zu füttern, legt die Diva vor meinen Augen eine Performance hin, die so nicht zu erwarten war. Noch als ich in Ägypten Bakschisch verteilte, vergeigten die Jungs die Partie in Hannover und zudem hatten sich Franz und Teber vorzeitig verabschiedet, während Ochs nach der fünften gelben Karte gleichfalls für ein Spiel ausfiel. Die alles geschah, während ich auf den Spuren der Pharaonen weilte und noch am gleichen Tag nur wenig später mit Daddy und Pia den Nil überquerte - also genau das Team, welches eine Woche danach Augenzeuge des jetzt schon legendären Sieges gegen die Bayern wurde.

Hah, ich hab's doch gewusst werden einige von euch jetzt sagen - erst kommt die vollmundige Ankündigung, den Blog Blog sein zu lassen - und nur einen Wimpernschlag später kann er die Griffel nicht von der Tastatur lassen. Inkonsequent mein Lieber, höchst inkonsequent.

Jaja, ihr habt Recht - und auch doch nicht.

Wie kam es eigentlich zu diesem Blog? Lange Zeit schrieb ich regelmäßig im Forum der Frankfurter Eintracht - in einer Zeit, als wir mit anderthalb Beinen in der Regionalliga standen und kaum jemand einen Pfifferling auf die Eintracht gab. Jedes Wort kostete damals bares Geld; DSL und Flatrate waren noch nicht erfunden, wir loggten uns via Modem ins Netz ein und wussten: Zeit ist Geld.

Dies erscheint nun wie ein Rückblick in eine Zeit des schwarz-weiß Fernsehens, obgleich das alles noch gar nicht so wahnsinnig lange her ist. Etwas später wurden Poldi und Schweini ebenso wie die Flatrate erfunden; die WM brach über den Fußball herein wie ein Ikea-Katalog mit Happy Family Angeboten in ein Sechziger Jahre Arbeitszimmer - Fußball sollte zu einem Event für Groß und Klein werden - das nackte sportliche schien nicht mehr so wichtig, solange bunte Farben im Gesicht für nette Fernsehbilder sorgten und die Beteiligten ihren Spaß hatten. Es war ja auch eine nette Zeit; aus Sorge um unschöne Fernsehbilder hielt sich Polizei und Sicherheitspersonal merklich zurück, Engländer hüpften in den Main und die Deutschen entdeckten die mediterane Lebensform für sich - und alles was nicht in die dolle Stimmung passte, wurde einfach nicht gesendet und gab es somit auch nicht.

Sollten heute Fußballfans von Brücken in den Main springen oder im Gerechtigkeitsbrunnen baden, haben wir es nicht mehr mit unbeschwerter Lebensfreude resp. Sommermärchen zu tun, sondern mit unbelehrbaren Chaoten. Sogenannten.

Wie dem auch sei, die Eintracht setzte schon im Jahr 2006 zu einem Höhenflug an, erreichte das Pokalendspiel und damit verbunden sogar den Einzug in den Europapokal - der in Istanbul unglücklich aber nicht enttäuschend endete. Das war die Belohnung für die mageren Jahre, die mit dem ersten Abstieg 1996 begonnen hatten und mit dem beinahe Lizenzentzug 2002 ihren Höhepunkt fanden.

Fanclubs schossen wie Pilze aus dem Boden, die Fanabteilung verdoppelte ihre Mitgliederanzahl und sogar der Dauerkartenverkauf wurde begrenzt; die Eintracht war hip und die Zahl der angemeldeten User im Eintrachtforum stieg exorbitant - nicht immer ein Indiz für eine Qualitätssteigerung.

Kurz und gut, ich fühlte mich mit der Zeit im Forum immer weniger heimisch. Zeitgleich entdeckte ich die Möglichkeit der Blogs. Kid Klappergass hatte begonnen, seine Inhalte in seinem eigenen Blog aufzuarbeiten; kurz zuvor hatte der Blog-G der Frankfurter Rundschau seine Pforten geöffnet - zunächst weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Mittlerweile hatte ich meinen eigenen Blog installiert und wollte zunächst nur alte Forumsbeiträge, wie Heimspiel in ... sortieren und aufbewahren - ohne dies öffentlich frei zu schalten. Als Kid dann aus privaten Gründen seinen Blog schloss, gab es wenig außerhalb der Medien zu lesen - und so entschied ich mich, Beves Welt öffentlich zu machen. Wenig später ging Kid wieder online - und auch der Blog-G gewann an Zulauf, nicht zuletzt durch User, die früher vorwiegend im Eintracht-Forum gewortet hatten. Und so kam es, dass urplötzlich neben dem Forum gleich drei doch recht häufig frequentierte Blogs am Start waren - was der Übersicht wegen kein Einfaches war. Wer sich informieren wollte, hatte nun die Qual der Wahl.

Mittlerweile ist aber auch die Bloggerei Mainstream geworden - es gibt jede Menge davon und man kann Tage mit nichts anderem im Netz verbringen, als Fußballblogs zu lesen. Blogs verlinken sich gegenseitig; interviewen sich gegenseitig, finden sich gegenseitig wahnsinnig toll und wichtig und es soll sogar eine eigene Blogger-Szene geben.

Jetzt ist es so, dass der Betrieb eines Blogs sehr zeitaufwendig sein kann. Recherche, tippen, Bilder machen, bearbeiten, einfügen - da gehen Stunden bei drauf. Wer einigermaßen Wert auf Qualität legt, der sollte von Zeit zu Zeit auch mal bei den Kollegen vorbei schauen, sich informieren etcetera pp. Und das ist ein Fulltimejob. Und wie es so ist - wenn aus etwas Besonderem ein Allgemeines wird, dann bringt die Beschäftigung damit mit sich, dass nicht nur nützliche oder schöne Informationen ins Hirn dringen, sondern jede Menge Unfug. Über den kann man sich aufregen. Oder einen Blogeintrag machen. Ich will mich aber eigentlich gar nicht mit Unfug beschäftigen; schon gar nicht deshalb, damit die Zeit rum geht. Denn davon habe ich eindeutig zu wenig. Und deshalb habe ich beschlossen, kaum noch im Netz zu lesen - und wenn, dann gezielt. Wenn irgendwo zu einem Thema Hunderte von Kommentare zu lesen sind, dann lege ich die Hand dafür ins Feuer, dass nahezu fast alle schon Sekunden nach dem Verfassen oder Lesen keine Sau mehr interessieren. Weshalb also vorher lesen?

Was bleibt?

Vielleicht die Erinnerung an Tage, an denen man das Gefühl hatte, gelebt zu haben. Dies ist in Ausnahmefällen sogar im Internet möglich. Und deshalb wird es sicherlich auch von mir den ein oder anderen Beitrag geben - auch auf vielfältige Bitten von eurer Seite hin, insbesondere was die Heimspielserie oder Museumsberichte angeht.

Aber seht es mir nach, wenn meine Präsenz oder mein Verlinken von anderen Seiten rapide nachlässt. Jeder dürfte ja mittlerweile wissen, wo es was zu lesen gibt. Ihr müsst mich ja auch nicht verlinken; ihr müsst auch nicht kommentieren. Ihr könnt aber. Vielleicht ist es ja auch nicht verkehrt, zu angeln.


Sonntag, 17. Januar 2010

Ein Abend mit Christoph Preuß im Museum - Teil Zwei


Wurde Christoph Preuß in den ersten Partien der Saison 2006/07 jeweils eingewechselt, so setzten ihn schon im September 2007 Schmerzen im Knie außer Gefecht; der Meniskus wurde geglättet und während sich die Eintracht in den beiden Spielen gegen Brödby IF im Uefa-Cup durchsetzte, um in der Zwischenrunde gegen Newcastle, in Vigo, gegen Palermo und bei Fenerbahce Istanbul denkbar knapp auszuscheiden (sieben Minuten fehlten letztlich zum Weiterkommen) bereitete sich Preuß nach der Operation auf die Rückrunde vor.

Bereits am 19. Spieltag, am 30.01 2007 stand er wieder auf dem Platz, wenn auch nur für eine Minute; Trainer Friedhelm Funkel wechselte ihn in der 90. Minute für Takahara ein, kurz danach hatte sich die Eintracht den ersten Bundesligapunkt in Wolfsburg gesichert.

Den unvergessenen Höhepunkt des Jahres - und wohl eines der Highlights seiner Karriere - erlebten 51.500 Zuschauer am 17. März 2007 im ausverkauften Frankfurter Stadion eine Situation, die Rüdiger Schulz aka Kid Klappergass am Tag danach wie folgt beschreiben sollte: Zwei Frankfurter Buben und ein magischer Moment.

Bis zur 77. Minute hielt die Eintracht ein 0:0 gegen die Bayern als Patrick Ochs eine Flanke stramm in den Strafraum zog, wo Christoph Seit an Seit mit Lucio auf den Ball wartete. Wie aus dem Nichts sprang er aus dem Stand mit dem Rücken zum Tor dem Ball entgegen, und wuchtete ihn per Fallrückzieher unhaltbar für Oliver Kahn ins Netz; ein Treffer, der nicht nur den 1:0 Endstand bedeutete, sondern in der Sportschau zum auch Tor des Monats im März 2007 gewälht wurde - und zudem den zweiten Platz bei der Wahl zum Tor des Jahres 2007 belegte.

Noch am Morgen vor dem Spiel lagen Ochs und Preuß gemeinsam im Hotel auf dem Zimmer und sahen sich im TV die schönsten Tore Europas an. Wir waren beide der Meinung: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Ich hab's damals probiert - und es hat geklappt.

Schon beim 2:5 in München hatte Preuß per Seitfallzieher zum zwischenzeitlichen Ausgleich getroffen - und sogar neulich im Training, als wir zufällig kibitzten, gelang ihm erneut ein Treffer per Fallrückzieher.

Zwei Wochen nach dem Sieg gegen die Bayern stand Christoph erneut im Blickpunkt; diesmal jedoch unter äußerst schmerzhaften Bedingungen: Bei einem Zusammenprall mit Torhüter Oka Nikolov im Spiel gegen Cottbus blieb Preuß im eigenen Strafraum liegen; sein erster Gedanke: Pferdekuss wurde schnell durch die traurige Gewissheit ersetzt, dass der Stollen Okas den Oberschenkel von Christoph Preuß zentimetertief aufgeschlitzt hatte. Beim Entknäulen der beiden platzte noch die letzte Schicht vor dem Muskel und das Blut spritzte nur so heraus.

Man konnte die Stille im Museum förmlich hören, als Christoph von den nun folgenden Momenten erzählte. Empfand er zunächst keine Schmerzen, so wurde er nach ärztlichen Sofortmaßnahmen durch Dr. Seeger umgehend in die Unfallklinik nach Seckbach gefahren. Schon auf dem Weg dorthin wurden die Schmerzen im Oberschenkel unerträglich, auch der Rücken meldete sich wieder. Im Krankenhaus wurde zunächst sogar ein offener Bruch befürchtet, erst die Röntgenbilder zeigten, dass es sich nur um einen aufgerissenen Oberschenkel handelte, der mit 50 Stichen genäht wurde. Drei Tage später wurde Christoph aus dem Krankenhaus entlassen, einige Wochen später stand er wieder auf dem Platz; eingewechselt in der 75. Minute in Bremen, als die Eintracht durch einen unerwarteten Auswärtssieg vorzeitig den Klassenerhalt sichern konnte - und Werder den Meistertitel verdarb. Im Nachhinein sagt Christoph, dass er - nach allem was danach geschehen ist - lieber noch eine Narbe am anderen Oberschenkel hätte, als die Erinnerung an die nun folgenden Erlebnisse.

In der Saison 2007/08, am neunten Spieltag in der Partie gegen Leverkusen, erlitt Preuß bei einem Zweikampf mit Sergej Barbarez einen Nasenbeinbruch; Barbarez selbst forderte am nächsten Tag die Handynummer von Christoph ein und erkundigte sich nach dessen Wohlergehen; ein nicht selbstverständliches Vorgehen unter Profis.

Wenig später, die Nase war noch nicht ganz ausgeheilt, erhielt Preuß bei einem Trainingsspiel einen Tritt ans Knie, dessen Folge zunächst als Prellung vermutet wurde, die alsbald nachließ. Medizinische Bilder zeigten keine größere Schädigung im Knie.

Kurz danach, nach dem Spiel gegen Dortmund, zwickte zunächst die Wade und ein Muskelfaserriss wurde in Betracht gezogen. Wenige Tage später zog der Schmerz ins Knie und eine erneute Untersuchung brachte die traurige Diagnose: Knorpelschaden. Ob der Tritt im Freundschaftsspiel dafür ursächlich war, ist bis heute unklar.

Der Versuch, das Knie konventionell zu behandeln wurde nach kurzer Zeit abgebrochen; eine Operation war unumgänglich, zumal Dr. Bönisch in Augsburg die Diagnose bestätigte. Letztlich entschieden sich die Ärzte für die Mikrofakturierung, eine Methode, welche zuletzt bei Vasoski und Amanatidis angewandt wurde, welche ebenfalls mit Knorpelschäden zu kämpfen hatten und haben. Am 4. Dezember 2007 kam Christoph Preuß unters Messer; der Plan sah vor, dass er bei optimalem Heilungsverlauf Ende April, Anfang Mai 2008 wieder auf dem Platz stehen könne, allein - es kam alles ganz anders.

Obgleich die Reha zunächst nach Plan verlief, merkte Preuß, als er wieder mit leichtem Training begonnen hatte, dass etwas nicht stimmt. Obwohl sich der Knorpel auf Röntgenbilder in guter Verfassung gezeigt hatte, wurde dass Knie bei Belastung wieder dick. Zu diesem Zeitpunkt konnte sich Preuß im Alltag normal bewegen; den Anforderungen des Leistungssports aber war er zu diesem Zeitpunkt nicht gewachsen.

Die Schale, die den Knorpel umfasst, bekam so einen großen Druck, dass der neugebildete Knorpel diese Belastung nicht aushalten konnte.

Schon bei der ersten Diagnose im Winter war klar, dass es sich um eine schwerwiegende Verletzung handelte, der erneute Rückschlag aber verdunkelte Christophs Welt: Dann ist alles für mich zusammen gebrochen. Gedanken an ein Karriereende überwogen phasenweise.

Nach dem ersten Rückschlag setzte sich Christoph noch intensiver mit der Verletzung auseinander - und kam unter Anderem zu der Erkenntnis, dass er zu früh mit der Belastung angefangen hatte - obgleich dies nach dem Heilungsverlauf damals nicht abzusehen war.

Christoph fuhr zunächst in Urlaub, um die neue Situation zu verarbeiten und den Kopf klar zu bekommen. Die Bilder des geschädigten Knies aber wurden nach Amerika zu Dr. Steadman geschickt; eine Koryphäe auf dem Gebiet und auch dieser kam zu dem Entschluss, dass die deutschen Ärzte bislang eigentlich richtig ge- und behandelt hatten.

Zu diesem Zeitpunkt packte Christoph das eigene Schicksal am Schopf und entschied sich, nach Amerika zu reisen, um sich von Dr. Steadman behandeln zu lassen. Als Teil des Mannschaft fühlte er sich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich.

Relativ kurzentschlossen setzte Christoph, den Gedanken, alleine nach Amerika zu fliegen in die tat um; unsicher ob er überhaupt operiert werden würde, suchte er das Gespräch mit dem Arzt. Nachdem er einen Tag im Büro verbracht hatte, bekam er abends um halb sieben das ok; schon am nächsten Morgen erfolgte die Operation - eine zweimonatige Reha schloss sich an; eine Zeit, die Preuß ohne Familie und Bekannte durchstehen musste. Dienstags war das Gespräch, Mittwochs die Operation und Donnerstags begann die Reha. Auf Krücken bewegte er sich die folgenden Tage und Wochen und kam im Laufe der Zeit immer besser zu Recht, auch verbesserte sich sein Englisch Tag für Tag. Dies führte dazu, dass er bei Telefonaten teilweise nach deutschen Worten suchen musste. Auch setzte sich Christoph intensiver mit dem Internet auseinander; heute hat er seine eigene Homepage und nutzt Dienste wie Twitter oder Facebook ganz selbstverständlich.

Anfang Oktober 2008 kehrte Christoph Preuß nach Deutschland zurück.

Es ist, wie es ist - aus den Augen, aus dem Sinn - könnte man meinen. Obgleich Christoph Preuß bei vielen Eintrachtfans nicht vergessen war, so erinnerten uns die Blogeinträge von Kid Klappergass an die Leidensgeschichte von Christoph. Auch für Christoph selbst waren die Beiträge von Kid von außerordentlicher Bedeutung; die Hoffnung und das Erinnern daran, dass man den Glauben nie aufgeben solle, motivierten unsere jetzige Nummer 20 auch weiterhin alles für das Comeback zu geben. Christoph bedankte sich nicht nur im Internet, sondern auch im Museum unter prasselndem Applaus bei Kid, der eigentlich gar nicht so gerne im Focus steht - sich diesen Dank aber redlich verdient hat.

Christoph wusste, dass er mindestens ein Jahr Pause einkalkulieren musste - und er dennoch keine Garantien besitzt, jemals wieder Bundesligafußball zu spielen. Entsprechend weiträumig wurde der Zeitplan terminiert. Der wesentlich Unterschied im Umgang mit dem Heilungsprozess bestand darin, dass Christoph nun mit amerikanischer Gelassenheit an die Sache heran ging und sich selbst nicht unter Druck setzte. Wichtig war nicht, wann ich zurück komme, wichtig ist dass ich es überhaupt noch einmal packe. So schaute ich von Tag zu Tag - wie ich es auch heute noch mache.

Derweil wurde bei Ioannis Amanatidis ebenfalls ein Knorpelschaden diagnostiziert; auch Ama wandt sich nach Gesprächen mit Preuß an Dr. Bönisch.

Bislang kam es bei Christoph zu keinerlei Rückschläge, einzig die Anpassung der Einlagen gestaltete sich über ein paar Tage etwas schwierig. Schritt für Schritt entwickelte Christoph ein Trainings- und Rehaprogramm und schaute von Tag zu Tag, wie sich die Dinge entwickeln - und dokumentierte die Entwicklung auch auf seiner Homepage. Über die ersten Gehversuche, das leichte Jogging, die Vertragsverlängerung bis zum Jahr 2010, die Freude auf den ersten Laktattest, das erste (noch geschützte) Mannschaftstraining, der erste Einsatz in einem Freundschaftsspiel in Eschersheim, der erste Auftritt bei der U23 in Ulm, das erste Heimspiel für die U23 am Bornheimer Hang - bis hin zur Einwechslung in Hoffenheim unter großem Applaus der mitgereisten Eintrachtfans. Über zwei Jahre nach der ersten Verletzung und nach einer unvorstellbaren Leidenszeit stand Christoph Preuß wieder in einem Bundesligaspiel auf dem Platz; Als die Hölle zufror schrieb Kid anlässlich dieses Anlasses.

Im Winter 2010 nahm Christoph zum ersten Mal seit Sommer 2007 an einem Trainingslager der Eintracht teil, diesmal in Belek, Türkei - ein weiterer Meilenstein, da die Belastung im Trainingslager die intensivste für einen Fußballer ist - und auch dieser Belastung hielt das Knie stand. Wohlwissend, dass ihn auch fürderhin das Knie beschäftigen und er auch weiterhin sehr sorgsam für die Gesundheit arbeiten wird, und spezielle Übungen absolviert, steht in der Rückrunde ein Neuangriff auf dem Plan - und wir können uns auf einen Neuzugang freuen, der ein alter Bekannter ist: Christoph Preuß.

Christoph stellte sich noch den freundlichen Fragen aus dem Publikum - und blieb noch lange nach Ende der Veranstaltung im Museum, um im kleinen Kreise noch aus seiner bewegten Geschichte zu erzählen.

Großartig war es, vielen Dank dafür.




Fotos: Stefan Krieger


Foto Fußballschuh: Pia Geiger

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Drei sind keiner zuviel


Pünktlich zum Jahreswechsel erreichte uns ein Brief von Tom. Vorneweg, es ist ein toller Brief, für den ich mich ganz herzlich bedanke. Und weil er so großartig ist, wird er nun (nicht nur) hier zu lesen sein. Vielen vielen Dank lieber Tom und euch allen ein guten Rutsch.

Pünktlich zum Weihnachtsfest pflegt Frau Tom mit viel Liebe und Herzblut einen Rundbrief zu verfassen, mit dem nahe und weniger nah wohnende Verwandte und Freunde über das ins Bild gesetzt oder an das erinnert werden, was sich im vergangenen Jahr bei Toms so alles zugetragen hat. Das Umfeld von Herrn Tom erwartet die Ankunft dieses Briefs durchaus gespannt, Herr Tom selbst und seine Kids die unvermeidlichen Reaktionen hin und wieder auch mit leicht gemischten Gefühlen. Vor dem Unterschreiben des Werkes durch die ansonsten unbeteiligten Mitglieder der Sippe erfolgt daher akribisches Gegenlesen und Ergänzen, der ein oder andere kleine Seitenhieb wird pflichtschuldig hingenommen, da man es selbstverständlich nicht besser verdient hat. Das ein oder andere kleine Malheur wird behoben, wenn etwa der 50. Geburtstag der besten Freundin – natürlich ist hier nicht die des Ehemannes gemeint!! - aus unerfindlichem Grund vergessen worden ist. Einschübe in epischer Breite sind dabei allerdings unerwünscht. So stieß etwa der berechtigte Wunsch des Filius auf angemessene Würdigung des Saisonverlaufs der A-Jugend von Concordia Eschersheim unverständlicherweise nur auf wenig bis gar keine Gegenliebe.

Wie überhaupt die Behandlung der wichtigsten Nebensache der Welt einen durchaus heiklen Punkt darstellt. Bei der Erwähnung des Besten aller Ehemänner hieß es nämlich an einer Stelle nur weitgehend nebulös, er sei in diesem Jahr an den Wochenenden unverständlicherweise immer häufiger Richtung Waldstadion entschwunden und zudem aus unerfindlichen Gründen auch irgendwelchen Internet-Blogs der Frankfurter Eintracht vollständig verfallen. Gut, es hätte Schlimmer kommen können: Etwa in Gestalt der natürlich absurden Behauptung, Herr Tom käme an diversen Donnerstagen nur noch zu mitternächtlicher Stunde stark alkoholisiert und eine Eintracht-Fahne schwenkend aus Richtung Konstablerwache nach Hause gewankt. Doch auch ohne dieses worst-case-Szenario könnte fälschlicherweise der Eindruck entstehen, es bestehe ernsthaft Grund zur Sorge: Fußball, immer nur Fußball, allenfalls noch unterbrochen von virtuellen Stammtischparolen auf niederem Niveau und einem lauten: „Hopp, hopp, hopp. Schoppe in de Kopp!!!“.

War das so? Ja, da war wirklich was. Wie meistens im Leben ist aber auch hier die Wahrheit komplexer und genaueres Hinschauen lohnenswert. Ausführliche Erläuterungen und Richtigstellungen im Weihnachtsbrief bei der Chefredaktion sind in derart brisanten Fällen allerdings schwierig. Dazu kann Herr Tom nun mal nicht kurz. Schon gar nicht, wenn es um Eintracht Frankfurt geht. Zumindest da ist er nicht ganz allein. Aber jedenfalls: so einfach stehen bleiben kann das nicht. Hier gibt es Erläuterungsbedarf und einiges zu berichten. Und das nicht zu kurz. Wem das Herz voll ist, dem geht eben der Mund über. Und wenn es dabei zu Huldigungen der beteiligten Personen kommt, so sind diese zum Jahreswechsel nicht nur beabsichtigt, sondern teuer verdient und berechtigt. Leben, um davon zu erzählen, heißt ein Buch von Gabriel Marcia Marquez. Es gibt viel zu erzählen. Ich beginne. Aber wo? Vielleicht einfach mit einer Vorstellung der eigentlich Verantwortlichen. Es sind im Grunde drei.

Da ist erst mal Stefan. Stefan ist der Spiritus Rector von Blog_G, dem Blog der Frankfurter Rundschau zu Eintracht Frankfurt. Im Gegensatz zum Forum, dem offiziellen Eintracht-Blog auf der Webside des Vereins, gibt es hier nicht eine Fülle von Themen zum Verein des Herzens, die Tag für Tag in epischer Breite abgehandelt werden. Nein: hier kocht der Chef selbst. Stefan leitet jeden Morgen – und zwar meist am sehr frühen Morgen – mit einem fachkundigen Beitrag ein, dessen Thema zu seinem Leidwesen zwar nicht immer, aber doch sehr oft, begierig aufgegriffen und den Tag über in – ich übertreibe nicht – oft hunderten von Beiträgen diskutiert wird. Untermalt wird das Ganze regelmäßig durch brilliante Fotografien, die auch ohne Worte immer wieder Geschichten erzählen. Denn Stefan hat eine Akkreditierung für den Innenraum des Frankfurter Fußballtempels und entzückt die Gemeinde regelmäßig zu den Spielen mit Aufnahmen vom Spielfeldrand.

Die vielen Schreiber, die regelmäßig ihr oft jahrzehntelang mühsam erworbenes und am Samstag regelmäßig aufgefrischtes Wissen zum Besten geben, an dieser Stelle vorzustellen, würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen, vielleicht auch in ein kleines „Who is Who“ der Frankfurter Anwaltschaft einmünden, worauf wir aus Gründen der Diskretion gerne verzichten. Das Mysterium der ehemaligen Diva vom Main, die seit etlichen Jahren im grauen Mittelfeld der Bundesliga einzementiert ist, hat allerdings noch keiner dieser selbst ernannten Experten ergründe(l)t, was sich nicht selten in grotesken Fehleinschätzungen über Verlauf und Ergebnis des nächsten Spiels niederschlägt. Und Herr Tom ist da natürlich ganz vorne mit dabei.

Zwei weitere Namen dürfen an dieser Stelle allerdings nicht fehlen: Beve und Kid. Diese beiden sind wie viele andere auch regelmäßig durch ihre Beiträge in Blog-G präsent. Aber nicht nur das: Sie haben auch ihre eigenen Blogs. Es ist ähnlich wie bei einer erfolgreichen Fernsehserie, von der es ja oft auch sogenannte spinn-offs gibt. Ein neue Serie, die wegen des großen Erfolges aus der alten heraus kreiert wird. Hier Nebendarsteller, dort schillernde Hauptfigur. Ob Beve und Kid ihre Blogs schon vor Blog-G entwickelten, weiß ich allerdings gar nicht. Es ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist vielmehr, dass sich hier drei ganz eigenständige Kunstwerke gegenüberstehen, die sich gegenseitig ergänzen und befruchten. Drei sind hier keinesfalls einer zuviel.

Bei Stefan, Typ knurriger Mahner und Warner mit dem goldenen Herzen, hat die virtuelle Kneipe den ganzen Tag geöffnet. Bei der Arbeit wird kurz reingeschaut (wenn auch nicht von Herrn Tom, der vorwiegend nacht- und wochenendaktiv ist, damit im Reich von Blog-G die Sonne nicht untergeht), jeder kann und darf so reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, einfach mal so zu allem Möglichen und Unmöglichen seine Meinung beisteuern kann, am besten kurz und knapp („Tach“), aber pointiert und voller Witz, wobei zumindest tagsüber fast nie ein gewisses intellektuelles Niveau unterschritten wird. Fast nebenbei fungiert der Blog, insbesondere durch diverse Links, als Nachrichtenbörse par excellence. Wer hier mitliest, dem entlockt der Sportteil am nächsten Tag oft nur noch ein müdes Lächeln.

Beve, seines Zeichens Schriftsteller, Taxifahrer, Museumsmitarbeiter, -moderator, und Stadionsprecher der Eintracht-Amateure ist auch und vor allem der Erzähler, herausragend seine ehrlichen, auch mal rauhen Berichte von den Auswärtsfahrten zu den Stadien der Republik, Texte eines Fans für die Fans, nie banal, nie mittelmäßig, immer wortgewaltig, emotional, auch mal zornig, traurig, enttäuscht, ein Traditionalist des Fußballs, der immer ein gutes, angemessenes Wort parat hat.

Ein Analytiker und „Faktenhuber“ vor dem Herrn ist Blogger Nr. 3: Kid aus der Klappergass. Messerscharf und brilliant kommt er daher, ein Virtuose des Wortspiels und der Feder. Ein Meister der Exegese des Frankfurter Blätterwalds zu Eintracht Frankfurt, vor dem kein Widerspruch verborgen bleibt, den vor allem die Zeitung mit den vier großen Buchstaben im Übermaß produziert. Mit einer schier unerschöpflichen Arbeitskraft ausgestattet, bedeutet eine Ankündigung von ihm, er trete nun mal kürzer, meist lediglich, dass jetzt gleich drei Beiträge auf einmal eingestellt werden. So ganz klar wird es zwar nie gesagt, aber: Mit ihm sitzt ein vielbeschäftigter Manager vor dem PC und da wird dann auch schon mal kritisch die Frage aufgeworfen, in welchem Verhältnis denn Aufwand und Ertrag zueinander stehen, wenn die Zahl der Kommentare sich in überschaubaren Größen hält. An Herzblut und Emotionalität steht er Beve in nichts nach und persönlich öffnet er sich vielleicht von allen drei am meisten.

Zwischen diesen drei Blogs gibt es vielfältige Vernetzungen, gemeinsame Projekte, Anliegen, gleiche Leser wie Herrn Tom. Man kennt sich, man verlinkt sich, man arbeitet zusammen. So begleiten Stefan und Beve in dieser Saison gemeinsam den Frankfurter Jungprofi Marcel Titsch-Rivero im Nachwuchs-Projekt „18mal18“. Kid engagiert sich in verdienstvoller Weise gemeinsam mit vielen anderen in einem Hilfsprojekt für die kleine Lea. Wo Kid ist, sind Stefan und Axel nicht weit, und umgekehrt. Gute Freunde kann eben niemand trennen.
Um es zusammenzufassen: Ja, ich bin begeistert, wenn schon nicht immer über das Spiel unserer Kicker, so doch über Engagement und Schreibe der drei wackeren Musketiere.

Und dies um so mehr, weil es nicht beim virtuellen Austausch von anonymen Individuen bleibt, sondern durch das Netzwerk der großen Drei ganz real Menschen zusammengeführt und Kontakte geknüpft worden sind und werden, Bekanntschaften, Freundschaften entstanden sind. Für viele sind diese Treffen wichtig geworden. Man kennt sich, man versteht sich, teilt dieselbe Leidenschaft. Und natürlich – zur Freude der stets anwesenden Anwälte - streitet man sich ab und an auch. Wäre ja auch noch schöner ...

Donnerstags an der Konstabler beim Schoppen kommt man – wenn es denn die Zeit erlaubt - zusammen und babbelt über Gott und die Welt. Bei Heimspielen trifft man sich am Parkplatz Gleisdreieck, vom – und wo gibt es das schon noch – „Banker bis zum Hartz IV-Empfänger“ und spricht eine gemeinsame Sprache. Im Eintracht Frankfurt Museum, einem ganz besonderen Kleinod, trifft man sich, tauscht Erinnerungen aus und erlebt Veranstaltungen, von denen noch lange danach geschwärmt wird. Und schön im wahrsten Sinne, dass sich bei all diesen Treffen nicht nur eine reine Männergesellschaft zusammenfindet, ganz im Gegenteil. Ohne Geist und Charme der versammelten Frauenpower wäre das alles nur die Hälfte wert. Wenn überhaupt.

Ja, darüber lässt sich schreiben, ja darüber lassen sich Geschichten erzählen. Von diesem Bazillus kann man sich anstecken lassen, und kriegt dabei doch nur einen Bruchteil von dem mit, was so alles abgeht. Nein, das sind auch nicht immer schöne Geschichten, denn die Frankfurter Eintracht hat auch ein schwieriges Jahr hinter sich, das auch manche Wunde geschlagen hat. Ja, auch Frust, Müdigkeit, sogar Hass waberte teilweise durch die Reihen der Arena, nichts Menschliches und manchmal auch Unmenschliches ist dem Fußball fremd und der ein oder andere fragte sich schon einmal, was denn das eigentlich alles solle. Und ja: immer geht es auch um Zeit, wertvolle Zeit, die nur einmal verschenkt werden kann. Und um viele andere Dinge, die anstehen und warten, getan zu werden.

Die ewige Frage, gerade bei der Eintracht immer wieder mit Inbrunst gestellt: Ist das Glas jetzt halb leer oder halb voll? Für „Seiteneinsteiger“ Tom keine Frage, denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: ja, es hat sich gelohnt. Schon weil es eben nicht nur Fußball war. Ja, es hat Spaß gemacht, darüber zu schreiben: Über freundliche Menschen, die einfach da waren, mit denen man klönen konnte, Menschen mit Humor, die Fußball mögen und noch einiges mehr in der Birne haben: Danke Euch allen. Danke Euch für die Karten (ihr hättet auch andere mitnehmen können). Danke für die tollen Veranstaltungen im Museum, etwa mit Thomas Rohrbach und vor allem: Bernd Hölzenbein (das war einfach „großartig“). Danke für den Vortrag im Jüdischen Museum zum Museumsuferfest. Schade um die vielen tollen Sachen, die ich noch verpasst habe und Danke für die Bilder, die ich mir davon ansehen durfte. Danke für 18mal18. Danke fürs gemeinsame Jubeln, für viele gute Gedanken, Berichte, Erzählungen, Analysen und für allen Nonsense, fürs (zwischenzeitliche) gemeinsame Leiden, für viele Bembel Stöffche, gute Suppen und überhaupt: War schön mit Euch.

Und ganz großes Danke vor allem eben auch an die „Drei von der Tankstelle“ Stefan, Axel und Kid. Ja, Ihr habt hat ein wenig Zeit gekostet, vor allem auch Zeit, um davon zu erzählen. Aber es hat sich gelohnt.Leben, um davon zu erzählen. Nicht das Schlechteste, findet Herr Tom. Und wird diese Zeilen dezent streuen. Vielleicht auch an den ein oder anderen Leser unseres Weihnachtsbriefs. Von denen Herr Tom auch mal gerne den einen oder anderen mitbringt, wenn sie es denn mögen und wenn es die Zeit erlaubt. Im nächsten Jahr.

Auf ein Neues in 2010.

Montag, 28. Dezember 2009

Gestern im Museum


Nachdem am zweiten Weihnachtsfeiertag das Endspiel im Europapokal der Landesmeister von 1960 gezeigt wurde, die Eintracht unterlag bekanntlich Real Madrid mit 3zu7, und leider nur eine Handvoll Interessierte anwesend war; so fischte ich spät in der Nacht eine Mail von Kid aus meinem Postfach, mit dem Hinweis, dass er es zum Spiel gegen West Ham United, welches am Sonntag gezeigt wurde, packen würde.

Da es immer schön ist, Kid zu treffen, machte ich mich also auch am Sonntag Richtung Stadion auf - und sollte es nicht bereuen. Denn nicht nur Kid und Frank waren anwesend; Matze hielt schon hinter dem Tresen die Stellung und ein älterer Herr betrachtete aufmerksam mit seinem Sohn das bereits laufende Spiel. Dazu kam ein Vater aus Kiel, der mit seinem kleinen Bub Weihnachten in der alten Heimat verbrachte sowie zwei weitere Eintrachtfans. Einer davon reiste als Student im Jahr 1976 zum Rückspiel der Eintracht bei West Ham nach London, ein anderer verbrachte sein halbes Leben am Riederwald.

Der ältere Herr, ihr habt es wohl schon erraten, war kein Geringerer als der damalige Eintracht Trainer Dietrich Weise und wir ließen uns natürlich nicht die Gelegenheit entgehen, uns über die vergangenen Zeiten zu unterhalten und erfuhren dabei aus berufenem Munde so manch Neuigkeit. Gemeinsam machten wir uns anschließend zu einem kleinem Rundgang in Richtung Katakomben auf und schauten uns vom Presseraum über die Trainer- und Spielerkabine auch den Spielertunnel an und marschierten durch ihn auf das Spielfeld. Ein tolles Erlebnis, Kid hat seinen Mittag im Eintracht-Museum etwas ausführlicher beschrieben; ihr seht: Das Museum hält immer Überraschungen parat, lasst euch also die kommenden Ereignisse nicht entgehen: wer weiß, was so alles passiert.

Samstag, 21. November 2009

Dietrich Weise zum 75. Geburtstag


Wie für andere, z.Bsp. Kid aus der Klappergass, ist Dietrich Weise mein Lieblingstrainer der Eintracht. Das mag daran liegen, dass er Trainer war, als ich den Verein für mich entdeckte; das mag aber auch daran liegen, dass er durch seine Ruhe und Klugheit dem jungen wie dem alten Beve Respekt abnötigt.

In den letzten Jahren, als ich Stadionsprecher der Amateure am Riederwald war, entdeckte ich Dietrich Weise häufig als Zuschauer und Beobachter der Nachwuchsmannschaft der Eintracht. Unvergessen sein Auftritt im Museum, als er zusammen mit Ralf Falkenmayer und Armin Kraaz die erste Veranstaltung aus der Reihe Tradition zum Anfassen prägte. Der ruhende Ball.

Als Matthias Thoma kurz vor Abriss des alten Riederwaldes einen letzten Rundgang über das Gelände anbot, stieß Dietrich Weise unverhofft dazu und erzählte aus seiner Zeit, als Dr. Kunter in der Sandgrube trainierte und Armin Kraaz am Kopfballpendel.

Heute hat er Geburtstag - und wird 75 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute wünsche ich. Und danke für alles.

Beve

Montag, 12. Oktober 2009

Im Herzen von Europa


Im Herzen von Europa
, so lautet der Titel des grandiosen Bildbandes von Frank Gotta und Doc Hermann über die Geschichte der Frankfurter Eintracht. Lange schon ist es ausverkauft - doch nun gibt es eine wunderbare Gelegenheit, doch noch in den Besitz des Buches zu gelangen. Kid Klappergass erzählt euch, was dazu nötig ist und gibt alles, damit einem kleinen Mädchen geholfen wird; Lea, ihr habt sicherlich davon gehört, muss operiert werden. Dazu braucht es Geld. Wie ihr den Erwerb des Buches mit der Hilfe verbinden könnt, wird euch in der Klappergass erklärt. Geht mal rüber. Danke.

Samstag, 10. Oktober 2009

Kurze Hinweise

Ganz kurz; zur Zeit sitze ich an einem Beitrag über den Besuch von Bernd Hölzenbein im Museum; es war großartig, der Bericht aber braucht noch eine Weile. Unterdessen verweise ich auf einen Beitrag von Kid über die kleine Lea, die weiterhin dringend Hilfe benötigt. Ein Licht in der Dunkelheit.

Das wars schon, danke für das Interesse.



Foto: Steffen Ewald

Donnerstag, 14. Mai 2009

Schockstarre

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Es beginnt mit dem Ende. Pia und ich sitzen fassungslos auf dem Sofa und Pia meint zu mir: Schreib doch mal was über Fenin. Recht hat sie.

Martin Fenin, unsere Nummer 17 ist ein junger Mann aus Tschechien, der für annähernd vier Millionen Euro im Winter 2008 zur Eintracht kam und einige Schlagzeilen lieferte, von denen viele das Papier nicht wert waren, auf welches sie gedruckt wurden. Fenin und der Grillunfall, Fenin und der Autounfall, Fenin und die Schwalben und zuletzt das unsägliche Fenin und die Frauen.
Weitgehend unerwähnt bleibt, dass Martin Fenin nicht nur unser bester Scorer ist, sondern auch nach jedem Spiel in die Kurve kommt. Und meist sein Trikot in die Kurve wirft. Und sich auch nach dem 0:5 gegen Werder Bremen nicht gedrückt hat. Drei Spieler marschierten nach dem Spiel zu uns: Fenin, Spycher und Mahdavikia, Fenins Trikot landete erneut bei den Fans. [edit: das Trikot landete in Hannover bei den Fans, diesmal nicht - ändert aber nichts]

Danke.

Vielleicht liegt es daran, dass in Tschechien die Verbundenheit der Spieler mit den Fans größer ist als hierzulande; vielleicht ist Fenin aber auch ein Typ, der den Arsch in der Hose hat und sich im Moment der großen Blamage nicht davor drückt, zu denen zu gehen, die den Spielern ein Leben ermöglichen, das sie selbst nie haben werden. Und obgleich dies selbstverständlch scheint, gibt es nur wenige, die sich stets daran erinnern. Martin Fenin gehört dazu. Und deshalb mag ich ihn.

Rückblende:

Mittwoch-Abend, 18:00 Uhr. Ein silberner Golf verlässt den Hinterhof in Oberrad und rollt an der Gerbermühle vorbei auf die Autobahn Richtung Offenbacher Kreuz, Abfahrt A3: Richtung Sportverbände. Wir fahren am Waldparkplatz vorbei, ein altes rotes Feuerwehrauto parkt am Rande, Fans trinken Bier, sind guten Mutes und wir biegen nach kurzer Kontrolle in die Otto-Fleck-Schneise ein. 18:12 Uhr. Da Pia nach dem Grillunfall noch immer starke Schmerzen am Bein hat, konnten wir einen Parkschein für das DFB-Parkhaus organisieren: Wenige Meter davor kommt es zu einem Stau. Gerd, der mit seinem Sohn vorbeikommt erklärt uns, dass das Parkhaus voll ist und nur bei Verlassen eines Fahrzeuges ein anderes Einfahren darf. Nach dreißig Minuten ist es endlich soweit, der Golf parkt und wir wandern noch einmal am Gleisdreieck vorbei, Alex und Sabrina hatten heute nachmittag geheiratet und waren doch beim Fußball; die Autos von Richi und Arndt parkten einträchtlich nebeneinander, Menschen, Gespräche, Apfelwein. Arndt meinte irgendwann zu mir: Ich habe es noch nie erlebt, dass mich so wenige Menschen vor einem Spiel der Eintracht gefragt haben, wie das Spiel ausgeht. Ich antwortete: Ist doch klar, wir verlieren - wie wir stets gegen vermeintlich Große nicht gewonnen haben und gegen vermeintlich Kleine nicht verloren - so war es ein ganzes Jahr - weshalb sollte es heute anders sein?

Wir treffen Kid, er ist guter Dinge, sein Captain ist wieder zurück und er plant, ihn frenetisch bei dessen Einwechslung zu feiern, nur deshalb sei er hier; ich kann ihn verstehen, bin allerdings zurückhaltender: Was haben wir Jones gefeiert nach dessen Verletzungen damals beim Pokalspiel gegen Köln. Wie hat er uns das gedankt? Damals: ein ganzes Stadion steht auf, Ovationen. Wenige Tage zuvor waren wir in Berlin, auswärts bei Hertha, wenige Tage davor in Istanbul - Schlag auf Schlag, rauschhafte Tage, Erinnerungen, Emotionen, Eintracht.

Nichts als die Wahrheit.

Sicher, Amanatidis ist nicht Jones; Amanatidis ist unser Captain, er hat sich mit dem Drecksblatt BILD angelegt, hat einen Treffer angekündigt gegen den KSC, hat den Ball selbst reingewürgt, weil er dies wollte und hat seinen Vertrag ohne wenn und aber verlängert. Dennoch: Niemals werde ich bspw. ein Trikot mit dem Namen eines aktuellen Spielers beflocken lassen und niemals werde ich die Emotionen während des Köln-Spiels vergessen und die jetzigen Gedanken daran mit dem Wissen um die Entwicklung des damals gefeierten Spielers.

Kid sagte: Heute wird Amanatidis gefeiert. Wenn es irgendwann eine andere Situation gibt, dann ist dies irgendwann. Heute ist heute.

Wir laufen über den Parkplatz zum Eingang an der Wintersporthalle; Menschentrauben kleben davor, Schritt für Schritt geht es weiter, mein Kreislauf sackt ab, ich gehe zurück, es wird gleich besser werden, kniee am Zaun, betrachtete die Menschen, das Wir, diejenigen die sich vielleicht im Internet einen Namen haben und die Dinge von sich geben, die mich kopfschütteln lassen.

Als die Masse kleiner wird, gehe ich hinein, der Ordner lässt mich gehen und ich schiebe meine Karte in das elektronischer Lesegerät, das Lämpchen leuchtet grün - wie die Hoffnung. Ich habe heute keine Hoffnung auf einen Sieg - aber ich bin unaufgeregt. Andere Teams werden Punkte liegen lassen, wir werden nicht absteigen. Ich fühle mich wie ein Schüler zehn Tage vor den Sommerferien, die Zeit bis dahin wird auch vergehen, wie noch alle Zeit vergangen ist.

Sommerpause. Heilige Sommerpause.

Ich haste die Treppen zum Block 41G hinauf, dort wo wir immer sitzen, erkenne meinen Daddy und Pia, winke, unten gehts grade los, drücke mich an den Menschen in der Reihe vorbei auf meinen Platz. Hannover hatte mich geflasht, auf gehts Eintracht schieß ein Tor ich supporte nach Wochen wieder einmal zu Hause. So gut wie alleine bei uns oben, Pia ist dabei.

Die Eintracht nimmt das Spiel an, erarbeitet sich Chancen, auch Werder spielt gepflegt, Halbzeit: 0:0 - ordentlich bislang, die Stimmung ist adäquat, wenig Gemotze, viel Support.
In der Halbzeit treffen wir Stefan und Ursula, auch Wolfgang - und alle sind sich einig: Die Eintracht hält gut mit, da geht noch was, mit einem bisschen Glück ist sogar ein Sieg drin.


Beide Teams gehen unverändert in Halbzeit zwei - und dann passiert es: Zunächst vergibt Liberopoulos eine Chance, dann wird Özil von Ochs im Sechzehner gelegt, zumindest sah es aus meiner Sicht so aus. Elfmeter. Und dann leuchtet der rote Karton in die Frankfurter Nacht. Platzverweis. Es dauert einen Moment, bis wir realisieren, dass es Ochs erwischt hat. Er trottet in die Kabine, alleine. Noch gestern kam es in der Partie zwischen Dortmund und Wolfsburg zum Platzverweis für Boateng. In Kung-Fu-Manier trat er einen Wolfsburger blutig, unabsichtlich zwar, aber ungeschickt und zu Recht mit Rot bestraft. Beim Abgang nahm ihn Trainer Klopp in den Arm, tröstete ihn. Ochs ging alleine.

Was dann folgte, ist mit Worten nicht mehr zu erklären; Eintracht Frankfurt stellte das Spielen ein und nur Torhüter Markus Pröll verhinderte Schlimmeres.

51. Minute 0:1 Frings

56. Minute 0:2 Frings

60. Minute 0:3 Tsiolis

63. Minute 0:4 Pizarro

77. Minute 0:5 Almeida

Eine knappe viertel Stunde hatte ausgereicht, um Eintracht Frankfurt in einen Trümmerhaufen zu verwandeln. Am Nachmittag noch bin ich im Netz auf ein anderes Spiel gestoßen, 1982 spielte Dortmund gegen Bielefeld. Zur Halbzeit stand es 1:1, Bielefeld hatte mit 1:0 geführt. In der zweiten Hälfte schossen die Dortmunder dann zehn (10) Tore, Endstand: 11:1 für Dortmund.

Ich hatte Angst.

Von den Rängen erscholl nach dem 0:2 das kollektive Funkel raus - obgleich der Trainer am heutigen Spiel zunächst keine Fehler gemacht hatte; bis zum Elfmeter sahen wir eine gute Eintracht. Sicher, er hätte Sebastian Jung direkt nach dem Platzverweis bringen können - er kam dann beim Stand von 0:4 in der 74. Minute - aber auch der Gedanke mit einer Dreierkette sich noch die Chance auf den Ausgleich zu wahren ist nicht verkehrt. Zumal Bremen ohne Diego, Mertesacker und Naldo spielte. Im Nachhinein sind wir alle schlauer.

Die Eintracht Fans verließen in Scharen das Stadion, andere hatten die Schnauze voll, immer wieder: Funkel raus. Aber es war nicht dröhnend; in die Wut mengte sich eine große Portion Hilflosigkeit, in die Hilflosigkeit die Starre. Schockstarre.

[edit: Kurz vor Schluss durchzuckt mich ein Gedanke: Jetzt müsste man Steht auf, wenn ihr Adler seid anstimmen, ich stimme es zaghaft an, allein, es fehlt die Power, Pia und ich, wir sind zuwenige. Doch nur wenig später, die Uhr steht bei 89 Minuten ertönt es von irgendwo: Steht auf, enn ihr Adler seid - und wir stehen auf; was bleibt auch sonst zu tun.]

Abpfiff. Fenin, Spycher und Mahdavikia marschierten in die Kurve, Funkel verschwand schnurstracks in die Kabine, kein Wort des Trostes für sein Team, kein: da müssen wir gemeinsam durch. Jeder für sich und Gott gegen alle.

Daddy, Pia und ich warteten noch die anderen Ergebnisse ab, Bielefeld und Bochum hatten wie Cottbus gegen Gladbach ebenfalls verloren, der Klassenerhalt sollte geschafft sein, zumal ich keine Angst vor dem Auswärtsspiel in Bochum habe. Wir werden dort punkten, wir werden in der Liga bleiben. Aber darum geht es nicht.

Vor der Haupttribüne an der Ausfahrt des Busses bildete sich ein Grüppchen derer, die die Schnauze voll hatten, Funkel raus und so. ZoLo, unser Fanbetreuer stand daneben und beobachtete die Situation, was kann Funkel heute dafür? Die Mannschaft hat versagt. Außer Pröll. Und Fenin.

Aber die Situation ist verfahren, es gibt kein Entrinnen. Die einen wollen die Argumente für den Trainer nicht sehen und der Trainer nicht die Argumente gegen ihn. Fußball ist in vielen Aspekten irrational - und Eintracht Frankfurt hat für meinen Geschmack keine andere Wahl: Wir müssen mit einem neuen Trainer in die nächste Saison gehen, wollen wir uns halbwegs berappeln. Dies hat nichts mit dem Einknicken vor dem Mob mehr zu tun; die Leute die seit geraumer Zeit wenig anderes tun, als den Trainer zu diskreditieren haben dann zwar ihr Ziel erreicht, aber sie haben nichts gewonnen. Sie haben das zermürbt, was ihnen eigentlich am Herzen liegen sollte, nämlich Eintracht Frankfurt. Und dem Trainer wird man vorwerfen müssen, dass es ihm nicht gelungen ist, sich adäquat mit den vorhandenen Strömungen auseinanderzusetzen. Indem man berechtigte Kritik einfach ignoriert, diese abbügelt, dokumentiert man das Desinteresse an der Haltung vieler Fans - und wiegelt andere gegen sich auf. Aus stoischer Gelassenheit wurde Starre. Schockstarre. Und die Mannschaft gibt das Ihrige dazu.

Eintracht Frankfurt kann so nicht in die neue Saison gehen, es wäre auf Dauer selbstzerstörerisch und würde noch weit mehr beschädigen, als eh schon kaputt ist. Verloren haben alle. Und an dem Desaster mitgearbeitet auch. Und wer nach einem optionalen Trainerwechsel triumphiert, der hat nichts verstanden.

Wir schlichen ans Gleisdreieck, die Currywurst schmeckte nicht und das Bier war alle. Mit Kid, den wir trafen, hockten wir uns auf die Treppenstufen, unterhielten uns, es gab wenig Schönes zu berichten. Martin kam vorbei, er, der sonst vorne steht, der uns mitreisst durch seinen Support schimpfte verzweifelt, bemängelte fehlende Visionen. Vielleicht meinte er einfach nur: fehlende Euphorie. Lust oder Freude, bei der Eintracht zu sein. Die fehlt, die Freude am Spiel, der Spaß an der Arbeit. Der nicht nur an Karneval an den Tag gelegt werden sollte.

Wir fuhren heim, den Kopf voller Gedanken Voller Nichtbegreifen. Eintracht Frankfurt- Werder Bremen 0:5. Wie im Hinspiel.


Pia und ich sitzen fassungslos auf dem Sofa und Pia meint zu mir: Schreib doch mal was über Fenin. Recht hat sie. Und Amanatidis hat dann doch nicht gespielt, es war auch besser so. Er wird kommen - und wir werden ihn brauchen. Und dann wird auch Kid wieder da sein und sagen: Captain, mein Captain.


Hinweis: Es werden im Laufe der Tage noch einige Links folgen. Derzeit leide ich an einer: Schockstarre.

Das Bild von der Maus hat Stefan Krieger gemacht. Danke!

Montag, 27. April 2009

Matchdayfeeling: Endlich wieder Fußball


Es sollte ein sonniger Tag werden, der Duft von frischem Kaffee zog durch die Wohnung, die Wahl fiel auf kurze Hosen und die Erinnerung an den gestrigen Tag purzelte ins Hirn:

War die erste Halbzeit der Eintracht beim VfB noch ganz ansehnlich, so war nach dem zweiten Treffer der Stuttgarter kurz nach Wiederbeginn die Luft raus. Ich nutzte die Gelegenheit für ein kleines Nickerchen und wachte pünktlich zum Schlusspfiff auf, manchmal ist der liebe Gott gnädig und schenkt dir Träume, wenn die Gegenwart jegliche Illusion verbietet.

Halbwegs ausgeruht machte ich mich auf den Weg ins Eintracht Museum und installierte die Technik für die lange Nacht der Museen - an der sich die Eintracht wie im letzten Jahr beteiligten sollte. Peu a peu rollten die Besucher in den Shuttle Bussen an, viele nutzten die Gelegenheit und nahmen an den verkürzten Stadionführungen teil, andere kauften Buttons bei uns und warteten auf unsere Gäste.

Zunächst kam Christoph Preuß, unsere schon lange verletzte Nummer 4, mit dem ich vor den versammelten Museumsbesuchern kurz plauderte. Christoph wird in den nächsten Tagen mit dem Joggen beginnen, dies ist die gute Nachricht - aber es wird natürlich noch eine ganze Weile dauern, bis er wieder richtig Fußball spielen kann - dies ist die schlechte. Er blieb noch eine ganze Weile bei uns, unterhielt sich mit Kid Klappergass, schrieb Autogramme und ließ sich mit vielen Fans fotografieren, während die Spieler der Meistermannschaft ins Museum marschierten. Dieter Lindner, Egon Loy, Istvan Sztani, und Dieter Stinka waren erschienen, zu denen sich noch der zweimalige Torschütze im Europapokalfinale 1960, Erwin Stein gesellte, auch der fliegende Zahnarzt Dr. Peter Kunter stieß dazu; unser Keeper, der 1974 den DFB-Pokal gewonnen hatte und alle gemeinsam lauschten wir dem Polizeichor, der traditionell vor dem Museum Im Herzen von Europa anstimmte.

Es folgte Im Wald da spielt die Eintracht und die Frau Rauscher aus de Klappergass, später erschien ein gutgelaunter Alexander Schur und erzählte uns von Quälix, dem Trainer, der seinerzeit nicht gerade für Begeisterung im Team sorgte, ähnlich wie Jahre zuvor Trainer Ribbeck bei den Mannen um Dr. Peter Kunter nicht gerade geliebt war. Spät in der Nacht zogen wir Bilanz: Die Buttons mit dem Konterfei von Trainer Friedhelm Funkel waren ausverkauft.

Sonntag morgen. Sonne. Kaffee. Kurze Hosen.

Seit Wochen wurde in Bornheim für das große Spiel geworben 84 Jahre später - Die Revanche war auf dem Ankündigungsplakat zu lesen, welches in vielen Schaufenstern und Litfaßsäulen pappte. Abgebildet war die Mannschaft des FSV Frankfurt, die 1925 im Endspiel gegen den 1.FC Nürnberch im Waldstadion um die deutsche Meisterschaft spielte - und in der Verlängerung unglücklich mit 0:1 verloren hatte. André, der für die Spieltagsorgansiation verantwortlich ist, hatte es mir im Rahmen eines Regionalligaspiels unserer U23 geschenkt; mein zweites schwarz-blaues Souvenir neben dem schon in einem anderen Blogbeitrag erwähnten Feuerzeug mit der Aufschrift Wir bringen Feuer ins Spiel.

Fußball im Waldstadion, Traditionsmannschaften, Sonnentag - das erinnert an einen Begriff, an ein Gefühl, welches ältere Eintrachtler noch kennen und das ein Bekannter von mir neulich treffend mit Matchdayfeeling beschrieben hatte. Matchdayfeeling; diese Stille in den Straßen, das von einem Kribbeln durchzogen wird; dieses Es liegt was in der Luft. Gar nicht lange her, dieses Gefühl - heutzutage hört man eher: Ich bin froh, wenn Sommerpause ist. Eintracht Frankfurt im Frühling 2009.

Ich wuchtete unsere Räder aus dem Keller und stellte fest, dass Pias Radel leicht platt war. In der Hoffnung, dass die Pumpe eine Lösung wäre, pumpte ich das Rad auf und frohgemut rollten wir durch den Anlagenring an sprudelnden Brunnen vorbei, über die Kaiserstraße Richtung Moselstraße, am Moseleck vorbei in Richtung Holbeinsteg.

Pias Rad war mittlerweile völlig platt, ein erneutes Pumpen brachte uns über den Steg am Main entlang zur Uniklinik und von dort schoben wir die Räder zur Straßenbahnhaltestelle Bruchfeldstraße, ketteten sie am einem Metallbügel fest und warteten auf die Straßenbahn. Die Luft ist raus. Ich werde Buttons basteln müssen.

Obgleich der Anpfiff nicht allzufern lag, war das ankommende Bähnchen relativ leer. Neeko saß mit ein paar Kumpels im Wagen, wir rollten am Oberforsthaus vorbei, stiegen an der Endstation "Stadion" aus und wanderten zum Haupteingang; der Bratwurst Walter, der sonst die Eintrachtfans verköstigt, hatte heute frei.

Am Kassenhäuschen erwarben wir nach dreiminütigem Anstehen eine Stehplatzkarte für Block 40 - genau so bin ich über all die ganzen Jahre ins Stadion gepilgert, damals, als es noch Waldstadion hieß und nicht nach einem staatlich gesponserten Unternehmen, dass angeblich nahezu pleite ist. Aber weshalb soll es denen anders gehen als mir. Mit dem Unterschied, dass ich mir von keinem Geld den Stadionnamen nicht kaufen kann, da kann ich bei Papa Staat bitteln und betteln, wie ich will.

Am Haupteingang war es ruhig, viele Nürnberger und einige Bornheimer warteten geduldig in langer Schlange am einzig offenen Eingang; an den anderen Eingängen, wo sonst die Menschenmassen der Eintracht klebten parkten Fahrräder - und dennoch schlüpften wir zügig durch die peniblen Kontrollen hindurch und wanderten wie so oft durch das Areal des Waldstadions, an den Bäumen vorbei in Richtung Nordwestkurve. Diesmal allerdings ging es nicht nach oben in den Einunvierziger, wo mein Daddy, Pia und ich seit Jahren dem Geckicke der Eintracht zusehen; diesmal ging es hinein in das vermeintliche Herz unserer Kurve, in den Block 40, wo sonst dicht gedrängt die Ultras der Eintracht ihr Revier sehen.

Niemals zuvor haben wir so viele Gästefans bei uns im Stadion gesehen. Der komplette Unterrang der Ostkurve war geschlossen voll mit Nürbergern, sogar Teile des Oberranges im Osten (der sonst wie der gesamte Oberrang während der Heimspiele der Bornheimer geschlossen ist) war mit Clubberern belegt, ebenso die Hälfte der Gegentribüne - Aufstiegseuphorie im Frankenland, schätzungsweise 13.000 Nürnberger hatten das Stadion geentert, dagegen verlor sich ein Häuflein Bornheimer im 38er, einge saßen auf den Tribünen - insgesamt waren knapp über 16.000 Zuschauer anwesend, Saisonrekord für Bornheim.

Matchdayfeeling. Wie anders noch zu Beginn der Saison, als Pia und ich den 2:0 Pokalerfolg des FSV gegen den VfL Osnabrück vor knapp 3.500 Zuschauern erlebten. Viele davon waren Eintrachtler - und auch heute entdeckten wir etliche Adler im weiten Rund.

Pünktlich zum Anpfiff lehnten wir entspannt an einem Wellenbrecher und sahen nicht nur ehemalige Eintrachtler im Schwarz-blauen Trikot wie Lars Weißenfeldt oder den klasse haltenden Torhüter Patric Klandt, sondern auch einen hervorragend aufspielenden Youssef Mokhtari, der sich später schwer verletzen sollte.

Die Nürnberger Fans waren laut - einzig die Musik und die Ansagen über die Lautsprecher überboten die Lautstärke noch - der FSV-Block bemühte sich, dagegen zu halten (ein Vorsänger mit Megaphon hockte auf dem Zaun und gab sein bestes), Kinder sausten durch die Stehplätze und Stefan hockte am Spielfeldrand und schoss Fotos für die FR.

Der erste Nürnberger Konter brachte nach einem beherzten Sprint von Eigler das 0:1, doch nur wenig später erzielte Barletta, der Kaptän der Bornheimer, der für den verletzten Ex-Eintrachtler Markus Husterer von Beginn an spielte, nach einer Ecke den Ausgleich. 1:1. Über Lautsprecher brach ein Inferno über uns herein, Oh wie ist das schön dröhnte es aus den Boxen, dass jegliche Freude aus Angst vor Spontanertaubung erstickte.

Interessant waren die Spielstände auf den anderen Plätzen, insbesondere das Spiel Ingolstadt gegen Mainz hatte besondere Bedeutung. Während die Ingolstädter mit den Bornheimern um den Klassenerhalt konkurrieren, zählt Mainz wie der Club zu den Aufstiegsaspiranten - und so bejubelten die Frankfurter die Mainzer Tore, während Nürnberg den Ingolstädtern die Daumen drückte - eine Konstellation, die eher selten ist.

Die Halbzeitpause brachte ein Bobbycar-Rennen und ein Chillen auf den Rängen, die Sonne quetschte sich durchs Stadiondach und weiter gings mit den zweiten fünfundvierzig Minuten.

Wer gedacht hätte, dass der Club aufdrehen würde, sah sich getäuscht; Bornheim hielt dagegen und erarbeitete sich etliche gute Chancen. Mokhtaris Ausfall brachte die Einwechslung von Markus Kreuz und nur wenig später wurde der Spieler Junior Ross eingewechselt, der für mächtig Dampf auf Linksaußen sorgte. Cenci, die Frisur des Tages, scheiterte an Schäfer, dem starken Nürnberger Schlussmann, der wiederum gegen den strammen Schuß von C. Mikolajczak aus spitzen Winkel machtlos war. 81.Minute - 2:1 für den FSV.

Der Nürnberger Pinola (zweiter in der Frisurenwertung) zürnte, der Club versuchte alles, Bornheim hielt clever und leidenschaftlich dagegen, Mintal moserte und flog in der 93. Minute vom Platz und so hieß es am Ende 2:1 für den FSV Frankfurt gegen den 1.FC Nürnberg; die Revanche war gelungen.

Die Bornheimer tanzten ausgelassen und feierten mit den Fans, die überglücklich am Zaun hingen, Humba hier, Humba dort, während der (gegen Spielende immer leiser werdende Nürnberger Anhang) doch recht flott das Stadion verließ. Die Bornheimer Fans aber riefen: Auswärtssieg.

Wir hockten uns noch ein wenig auf die Treppenstufen vor der West in die Sonne, beobachteten das entspannte Treiben selbst höchst entspannt und wanderten dann durch die vom damaligen Gartenbaudirektor Max Bromme erbaute Anlage Waldstadion am Denkmal der unbekannten Läuferin vorbei in Richtung Straßenbahn, die uns zurück zu den Rädern brachte. In der Bahn trafen wir das Eintracht-Urgestein Roland Gerlach, der es sich ebenfalls nicht hatte nehmen lassen, das geschichtsträchtige Spiel zu sehen, an der Bruchfeldstraße verabschiedeten wir uns, sprangen aus der Bahn und flickten nur wenig später Pias Rad an der Tankstelle am Oberforsthaus und radelten dann an den Sandhöfer Wiesen vorbei.

Dieser unscheinbare Sportplatz nahe des Geländes der Uniklinik war 1920 Austragungsort des Endspiels um die deusche Meisterschaft. Damals sahen hier 35.000 Zuschauer ein 2:0 des 1. FC Nürnberg gegen die Spielvereinigung Fürth - die wiederum 1926 im Waldstadion durch ein 4:1 gegen die Hertha selbst deutscher Meister wurde.

Über einen Thai in Sachsenhausen, bei welchem wir vom 2:0 der Cottbusser gegen den VfL Magath erfuhren, ging es bei Sonnenschein zurück in die Hochhausschluchten, zurück ins Nordend - der Reifen hielt. Ein Blick ins Internet zeigte später, dass das Forum Unsere Eintracht geschlossen war - vielleicht das beste, was diesem Verein in diesen Tagen passieren konnte.

Selten habe ich in den letzten Jahren dermaßen entspannt ein Heimspiel gesehen, keine Lautsprecheranlage im Block, keine sinnfreie anlasslose Beschimpfungen des Gegners oder der eigenen Mannschaft, kein sich-selbstfeiern und auch kein seelenloses Rumgekicke, sowie kein Monate-vorher-Ticket-kaufen. Fußball. Einfach nur Fußball. Schön war's.

Freitag, 3. April 2009

Was ist neu?


Schön ist die Welt - wenn man in Oberrad sitzt, weder Netz- noch Telefonanschluss hat und dazu die Sonne scheint. Kaum bin ich im Nordend und bei Pia nutze ich die digitalen Welten und stelle fest, dass Kid seinen Blog neu designed hat; die Verwechslungsgefahr ist gebannt, Kid ist Kid und ich bin ich.

Neu ist auch der Blog von Andy Klünder, der seinerzeit auch eintrachtfans.tv ins Leben gerufen hat. Es soll eine Einstimmung auf kommende Sendungen sein - hier gibt es Videoschnipsel und mehr.

Nicht mehr ganz so neu ist die Übereinkunft zwischen der Eintracht Frankfurt Fußball AG und den Ultras, es ab dem Cottbus-Spiel am 04.04 gemeinsam zu versuchen. Die AG hat die Restriktionen (personalisierte Eintrittskarten) für alle zurückgenommen und die Ultras wollen den Support bis auf weiteres ohne Pyro angehen.

Passend dazu habe ich während des letzten Heimspiels der U23 gegen Aschaffenburg, (auch Jörn Andersen war zu Gast), ein Feuerzeug unseres Gastgebers geschenkt bekommen. Es trägt die schöne Aufschrift: FSV Frankfurt - Wir bringen Feuer ins Spiel.

Ein Belegfoto gibt es demnächst, derzeit leben Feuerzeug und Kamera getrennt.



Donnerstag, 19. März 2009

Sachen gibt's


Dass ich derzeit so ich an Eintracht Frankfurt denke eher missmutig werde, ist ein offenes Geheimnis. Die Fans sind zerstritten, die Mannschaft spielt oft erfolglos und lethargisch und so weiter und so fort.

Dennoch geschehen Dinge, die mich verwundert zurück lassen.

Vielleicht beginnt diese Geschichte am Abend des zwanzigjährigen Jubiläums des vorerst letzten Pokalsieges 1988. Im Museum der Eintracht stand eine Veranstaltung auf dem Programm, die ich moderieren sollte; eingeladen waren unter anderem Manni Binz; Libero der Siegermannschaft als auch Frank Demant, ehemaliger Taxifahrer, der seit einigen Jahren recht erfolgreich den Röschen-Verlag betreibt und zum damaligen Zeitpunkt fünf Frankfurt-Krimis veröffentlicht hatte. Der Grund seiner Anwesenheit war allerdings die Tatsache, dass er vor nunmehr einundzwanzig Jahren mit einem Fan-Bus nach Berlin gefahren war, um die Eintracht zu unterstützen; Frank ist nämlich nicht nur Schriftsteller, sondern auch Eintracht-Fan.

Da die Veranstaltung ausnahmsweise nicht sonderlich gut besucht war, hockten wir in kleinem Kreis beisammen und unterhielten uns über die damaligen Zeiten. Dies war höchst angenehm, da sich nicht nur Manni Binz locker und aufgeschlossen zeigte, sondern auch Frank sich als lustiger Zeitgenosse präsentierte; Gemeinsamkeiten waren nicht nur die Liebe zur Eintracht, sondern auch die Tatsache, dass sowohl Frank als auch ich etliche Jahre nachts Taxi in Frankfurt gefahren und beide auch als Schriftsteller tätig sind.

Und so kam es, dass ich Frank zu meiner neulichen Lesung im Museum eingeladen hatte, wobei er mangels Zeit leider absagen musste. Der Zufall wollte, dass er seinerseits gerade ein neues Buch veröffentlicht hatte, den sechsten Simon-Schweitzer-Krimi mit dem Titel Verschollen im Taunus - und er selbst für den 18.März sprich gestern eine Lesung in Fechenheim plante, zu der ich meinerseits beschloss, hinzugehen.

Derweil kam ich über das Forum der Eintracht mit Aigle Genevois ins Gespräch, der mich ebenfalls zu dieser Lesung eingeladen hatte - und mein eigenes Büchlein mit dem Titel Der Andermacher sogar in zwei Buchhandlungen in Frankfurt dem geneigten Leser zum Verkauf anbot. Ein weiterer Grund, die Lesung zu besuchen.

Am gestrigen Nachmittag schlenderte ich nachdenklich über die Berger Straße in Frankfurt, die anlässlich des sensationellen Spieles gegen Kaiserslautern anno 1999 in Erinnerung an den famosen Trainer kurzzeitig in Jörg Berger Straße umbenannt wurde und traf zufällig uff de Gass wie wir Frankfurter sagen auf Frank.

Wir unterhielten uns ein Weilchen über die Literatur und die Frankfurter Eintracht und verabschiedeten uns mit einem herzlichen Bis später.

Gegen halbacht schwang ich mich in den sattsam bekanten silbernen Golf, der uns auch am kommenden Samstag nach Düsseldorf bringen wird und rollte durch den Frankfurter Abend von Bornheim nach Fechenheim, was sich auf Frankfurterisch wie Fashionheim anhört.

Verbotenerweise parkte ich den Wagen in der kleinen Fußgängerzone direkt vor dem Kulturladen Ankergasse, dem gestrigen Veranstaltungsort. Brav bezahlte ich meinen Obulus und wurde sogleich von einem netten Mann angesprochen, der mich zuvor schon fotografiert hatte. Bist du der Beve? Jawoll, der bin ich und es stellte sich heraus, dass jener Fotograf Jason war, der sowohl in meinem Blog als auch bei Kid und vor allem bei Stefan im Blog-G aktiv - und wie wir alle großer Eintracht-Fan ist.

Alsbald begann die Lesung; Frank erzählte einige Anekdoten, sowohl aus älteren Werken als auch aus dem aktuellen Buch, welches neben Sachsenhäuser Lokalkolorit auch so einiges über die Frankfurter Eintracht beinhaltete. Wenn ihr also wissen wollt, wer Pierre Angler oder Herbert Buch ist, oder was ein Russischer Milliardär im Umfeld des Riederwaldes so treibt, dann werft mal einen Blick hinein.

Der Aigle Genevois betrieb während der Veranstaltung einen kleinen Büchertisch, Eintracht Schals und Fahnen hingen derweil an den Wänden und wir erlebten einen kurzweiligen Abend und erfuhren, was es mit der ünneren Ongelöchenheit dör BÄ Är Dää anoo 1988 so auf sich hatte und weshalb der Name des Röschen-Verlag ganz direkt mit einem Fußballverein in Sachsenhausen zu tun hat.

Frank schenkte mir zum Abschied sein Werk, Jason schoss noch ein Foto und ein wenig später nahm ich Frank mit nach Bornheim. Wir schwatzten über Oberst Schiel und auch über die Blogs, und ich wies ihn auf den Blog von Kid hin, den er bis dato nicht kannte. Abends hockte ich dann neben Pia auf dem Sofa und hatte meinen Abstecher nach Fashionheim ganz und gar nicht bereut.

Heute las ich in Franks Buch und warf wie jeden Tag einen Blick in Kids Blog - und musste schmunzeln. Völlig unabhängig von meinen Erlebnissen entdeckte ich den Eintrag: Die Welt ist ein Dorf - Ein Beitrag, der von einem anderen Frank handelt und von Frank Demant dazu - und wie es dazu kam, dass die Welt ein Dorf ist.

Aber das müsst ihr nun selbst nachlesen; ich finde es seltsam, wie so manche Dinge zusammenkommen, ohne dass irgendjemand dieses Zusammenkommen forciert hätte.

Sachen gibt's.


Beve - Frank Demant




Das Foto ist von Elmar Jason Lütge. Danke dafür.

Freitag, 13. März 2009

Der Kopf stinkt vom Fisch her


Warum hab ich bloß den Bullen erschossen
er hat mir doch gar nichts getan
ich war weder stoned, noch war ich besoffen
das Grün brachte mich so in Wahn
...

... sang Marius Müller Westernhagen im Jahr 1982 im Song Ich hab keine Lust mehr im Regen zu steh'n; am 13. März 2009 tönten die Worte aus dem offenen Fenster des silbernen Golfs, der durch die ersten zaghaften Frühlingssonnenstrahlen durch Frankfurt tuckerte. Die Mädchen auf den Straßen trugen Sonnenbrillen und die ersten Krokusse schoben sich aus der Erde, als Pia und ich in Niederrad nahe unseres Lieblingsimbiss parkten. Die Besitzerin grüßte freundlich wie immer und wir orderten vier Burger inclusive Getränke und futterten bald zufrieden auf Bierbänken sitzend gut gelaunt unsere Frühlingsburger. Ein kleiner Lieferwagen bog um die Ecke und hupte kurz auf, wir erkannten am Steuer Tristan, im wahren Leben Eintrachtfan und - Schornsteinfeger, wir winkten zurück und freuten uns zum einen über die kleine Begegnung und zum anderen über das kleine Symbol des Glücks, welches uns der liebe Gott mirnichtsdirnichts vorbei geschickt hatte.

Pappsatt marschierten wir zum Golf und rollten durch Niederrad in Richtung Stadion, vorbei am Union-Sportplatz und schon fuhren wir durch Tor 3 und parkten vor dem Museum. Auf dem Trainingsplatz erkannten wir unseren Kapitän Ioannis Amanatidis, der zusammen mit Reha-Trainer Farbacher und vor allem mit einem Ball trainierte, vorbei die Zeit, als er mit Krücken an der Seite stand. Im Museum packte die Praktikantin Geburtstagspäckchen für anstehende Kindergeburtstage; wir sagten Hallo, tranken einen Kaffee, begrüßten Stefan, der mit seinem uralten Golf samt nagelneuer TÜV-Plakette und funktionierender Fahrertür angerollt kam und während Pia und Stefan bei einer Zigarette unserem Captain bei der Arbeit zusahen, fidelte ich kurzerhand Matze im Tischfußball mit 10:6 ab. All zu oft darf ich dies nicht machen, ich müsste mir sonst einen anderen Job suchen. Aber Matze nahm's sportlich.

Wir verließen vorerst das Museum, denn die Jungs unserer Eintracht trudelten peu a peu auf dem Trainingsplatz ein. Auch Peter war schon anwesend - und hatte vorgehört. Es scheint hoffnungslos, ein Teil der Kibitze war sich sicher, dass die Eintracht morgen mit 0:5 untergeht und überhaupt, der Fisch stinke vom Kopf her, spätestens zum Jahresende müssen alle weg und so weiter und so fort; manchmal stellt sich ja durchaus die Frage, wie es so mancher Zeitgenosse über die Runden schafft, so ohne einen Funken Selbstironie, ohne Spaß an der Sache; aber just diesen wollten wir uns nicht nehmen lassen. Auch wenn das Leben manchmal kompliziert ist, die deutsche Sprache ist es sowieso. Die Mehrzahl von Globus lautet bekanntlich Globen. Und die Mehrzahl von Krokus? Mitnichten Kroken, nein, es sind die Krokusse. Ähnlich wie bei Bus; auch dort heißt es nicht Ben sondern Busse. Oder aber Kuh - Kühe. Wer jetzt denkt die Mehrzahl von Schuh würde Schühe lauten ist ebenso schief gewickelt wie derjenige, der denkt Mühe wäre der Plural von Muh. Nunja, zurück zum Sport.

Während sich Pia ob der Waden von Kweuke gar nicht mehr einkriegen sollte, gesellten sich die beiden Ulis zu uns und gemeinsam stellten wir fest, was nur emsigen Trainingsbeobachtern auffällt. Pröll hatte sich die Haare gefärbt und Spycher neue Strähnchen, sah für Fußballer recht flott aus - ein wenig unpassend finden wir generell nur die Stutzen, durch welche die Waden leicht durchschimmern, das hat sowas von Nylonsocken für Männer - eher uncool.

Andi Menger wummste den Torhütern Pröll und Nikolov ein paar Bälle um die Ohren, dass man glauben konnte, unser Torwarttrainer sei der beste Standard-Schütze der Eintracht - vielleicht sollte er mal mit den Buben Ecken üben. Weiter hinten stand ein Mann mit verschränkten Armen und bewegte sich nicht; nein es war nicht Bellaid sondern unser erster Übungsleiter, der beiläufig den ganz in schwarz gekleideten jungen Männer beim Spiel zuschaute. Nein, nicht unseren Ultras, unserer ersten Mannschaft, die heute ohne Liberopoulos und Ochs trainierte. Auch die Herren Toski, Preuß und Vasoski fehlten schriftlich entschuldigt, während Krük und Zimmermann wohl bei der U23 weilten. Der Herr Caio trug Handschuhe bei frühlingsmilden Temperaturen und der Herr Kweuke ganz kurze Socken zu roten Kickschuhen. Ümit Korkmaz bevorzugte laubfroschgrünes Schuhwerk und Zlatan Bajramović eine schwarze Mütze. Überhaupt Bajramović , er lachte während des gesamten Trainings ein ums andere Mal, ob dies allerdings an den Handschuhen von Caio lag, ist nicht übermittelt.

Es folgte eine Trainingseinheit, die wir Spielzug nannten. Einzelheiten verrate ich hier nicht, nicht dass es morgen gegen 17:20 heißt, ich hätte unserem Gegner intimste Geheimnisse ausgeplaudert - und sei fortan Schuld für Geheimtraining ohne Zuschauer. Am Rand des Platzes standen einige Vertreter der schreibenden Zunft, die wir mit einem herzlichen deutsche Presse halt die Fresse begrüßten.

Nein, machten wir natürlich nicht, wir beobachteten eine wunderschöne Choreografie unserer Mannen, diesmal aus der Disziplin Synchrontorschleppen. Jeweils vier Spieler an einer Seite trugen im Gleichschritt ein Tor zu einer Linie, drehten sich formvollendet und setzten das Tor punktgenau auf die Linie, das macht uns so schnell keiner nach; die Bewegungen gingen derart geschmeidig ineinander über, da merkt man erst die Handschrift des langjährigen Trainers, der sich später tatsächlich bewegte.


Es folgte ein munteres Trainingsspielchen, wo zunächst ich selbst durch ein butterweiches Ballzurückspiel auffiel, nur wenig später schaffte Stefan ein gleiches noch eleganter, was ihm spontanen Szenenapplaus einbrachte, den er huldsam wie eine Königin entgegen nahm.

Fink schoss einen wunderbaren Treffer, der uns zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss, Kweuke guckte doof, wenn Pröll "Leo" rief und Sebastian Jung schleppte später die gelben Männchen übers Grün, während sich Chris einen Ball unter sein Leibchen steckte derweil er noch ein paar Flanken schlug; sage einer, die Buben hätten den Ernst der Lage nicht begriffen.

Unser Trainer hatte sich im Laufe des Tages nicht nur bewegt, nein: er hatte sogar gesprochen. Nah bei nah stand er mit Nikolov beisammen und plauderte mit ihm, wir können nur raten, was er gesagt hat, vielleicht sowas wie: Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass du morgen spielst. Wenig später legte er jovial den Arm auf die Schulter unserer Nummer 11 und zeigte Menschlichkeit, wie sonst nur im Kölner Karneval. Was er zu Korkmaz sprach ist ebensowenig überliefert, wie die Worte zu Oka. Könnte es gewesen sein, dass er zu unserem Außenflitzer gesagt hat: Österreicher von Beginn an? Nicht solange ich Trainer bei Eintracht Frankfurt bin. Und könnte Ümit geantwortet haben: Naja, die zwei, drei Wochen kann ich es verschmerzen.

Nein, das ist bloß erfunden, lasst euch nicht veräppeln.

Später wollte der freundliche Zlatan Bajramović unbedingt noch ein Bild mit uns machen; selbst wenn wir geschlaucht vom Training sind, müde vom sich zum Abend neigenden Tag finden wir immer noch ein Minütchen, um auf die Wünsche der Spieler einzugehen; Pia knipste und ist also gedanklich dort zu finden, wo im Moment eure Augen sind.


Kurz danach kam sogar noch Kid vorbei, er hatte dem Museum einen kurzen Besuch abgestattet und wir unterhielten uns ein bisschen über die wenig erfreuliche Situation des Internetforums der Frankfurter Eintracht und über den Ausblick für das morgige Spiel. Sehr erbaulich war dabei die Information, dass Trainer Rangnick seinerzeit wegen der Trennung AG-e.V. nicht zur Eintracht wollte, da er keinerlei Verfügungsgewalt über den Nachwuchs haben sollte. Also, am Geld hat es damals nicht gelegen. Niemals.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.

Kid will morgen unbedingt gewinnen - und da ich der gleichen Ansicht bin, kann ja nun nichts mehr schief gehen. Während Uli telefonisch noch eine Karte erstehen konnte, machte sich der andere Uli vom Acker, auch Stefan verließ uns und so marschierten Pia, Kid und ich zurück ins Museum, wo Matze und Billy gerade dabei waren diverse Exponate an der Wand zu verdübeln, jener Matze der unlängst von Henni Nachtsheim zum Trainer der Eintracht geadelt wurde.

Matze legte eine DVD ein, welche Filmaufnahmen unserer Kurve während des Pokalendspiels in Berlin 2006 zeigte, jener Höhepunkt der letzten Jahre, der heute in dieser Art undenkbar ist; zuviel ist geschehen, zuviele tummeln sich im vierten Jahr der Erstklassigkeit der Eintracht im Umfeld, deren Ansprüche weit über das bestehende hinausgehen; der Zusammenhalt, der uns über Jahre hinweg mehr oder weniger auszeichnete, ist passé.

Für Kid hatten die Szenen natürlich eine besondere Bedeutung, sah er dieses Spiel doch mit seinem Neffen Marcus, der tragischerweise im letzten Jahr gestorben ist; ihm gingen die Bilder sichtlich nahe und er verabschiedete sich traurig von uns.

Als der Auftritt Tankards gezeigt wurde, durchliefen mich nicht nur Schauer der Erinnerung sondern mir flossen tatsächlich einige Tränen die Wangen hinab. Die Erinnerung an die Tage in Berlin, die Traurigkeit Kids und der erlebte Tag forderten ihren Tribut.

Nebenbei gewannen wir dann doch noch den DFB Pokal und verabschiedeten uns von Matze, der morgen wie wir alle im Stadion sein wird, wenn die Eintracht souverän und in dieser Höhe auch verdient die Emporkömmlinge der TSG Hoffenheim mit 4:1 nach Hause schickt.

Auf dem Rückweg konnten wir aus den Augenwinkeln den Mannschaftsbus der Mannschaft entdecken, die in meinen Augen sozusagen die Silikonbrüste des deutschen Fußballs sind.

Im CD-Player lief ein Lied des leider auch schon verstorbenen Georg Danzer mit dem Titel Weiße Pferde; es begleitet mich schon etliche Jahre und es ist ein wunderbarer Song, der mich immer wieder zu Tränen rührt. Irgendwie passte er zur Heimfahrt, Berufsverkehr auf der A3, Pendler, Handwerker, das wirkliche Leben. Kühl ist es geworden. Aber morgen scheint die Sonne, da bin ich sicher.