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Mittwoch, 18. August 2010

Diva vom Main


Die zweite Ausgabe der neuen Zeitung der Fan und Förder- bzw Fußballabteilung des Eintracht Frankfurt e.V. ist dieser Tage erschienen; es ist ein Magazin, das nicht im Handel erhältlich ist, sondern den Abteilungsmitgliedern quasi exclusiv zugeschickt wird; ein Bonbon sozusagen.

Nachdem lange Jahre den Vereinsmitgliedern das Stadionmagazin zugesandt wurde - und in den letzten Jahren Verein und AG sich nicht auf eine gemeinsame Finanzierung einigen konnten, enstand unter der Leitung von Roland Stipp ein neues Magazin, das sich wahrlich sehen lassen kann. Während das Stadionmagazin den Spagat zwischen Hardcorefans, Kids und Businesskunden bewältigen muss, wendet sich die Diva vom Main ausschießlich an Mitglieder der Eintracht und wird über deren Beiträge finanziert. Von daher hält sich der Anteil an von außen kommender Werbung erfreulicher Weise in Grenzen, von 52 Seiten beinhalten gerade Mal vier keine redaktionellen Beiträge, eine davon wirbt für unser Museum und eine Drittel für die beteiligte Grafikagentur, damit können wir prima leben.

Im Mittelpunkt des Heftes steht der Triumph unserer U17, die im Sommer bekanntermaßen Deutscher Meister wurde; neben dem Spielbericht liefern ein Interview mit Meistertrainer Alex Schur sowie ein kleiner Beitrag des Stadionsprechers aus dessen Sicht einen guten Überblick über den Titelgewinn der B-Jugend, den ersten seit 1991.

Ins Herz der Eintracht blickt Matze Thoma, der mit einem Bericht über die Riederwaldrentner, die sich seit Jahr und Tag täglich am Riederwald treffen, um über die Eintracht zu klönen, die schon lange nicht mehr dort trainiert; es ist ein Beitrag aus dem Innenleben eines Vereins, wie ihn das Vorbild vieler Fußballkultureller Magazine, die 11Freunde, nicht schöner präsentieren könnte.

Auch die Historie kommt nicht zu kurz; Eintracht-Online-Archiv-Meister Frank Gotta präsentiert eine Geschichte voller Leidenschaft; eine Geschichte über die Derbies zwischen der Eintracht und dem FSV, der bis 1962 eine ganz große Nummer war. Die Duelle gingen nicht immer geräuschlos über die Bühne - schon gar nicht in den Kindertagen des Fußballs. Auch beleuchtet Frank die Zeit, in der der Bundesjogi noch für die Eintracht die Stiefel schnürte - er trug die gleiche Frisur wie heute, jedoch zierte ein Schnäuzer das Konterfei. Ich selbst hatte mich mit Charly Körbel zusammen gesetzt und mich mit ihm über sein erstes Bundesligaspiel unterhalten - mit 17 Jahren durfte er gegen den Welttorjäger Gerd Müller ran; es war der Beginn einer großartigen Karriere.

Stefan Minden, Abteilungsleiter der FuFa und ebenso leidenschaftlicher Fan der Eintracht wie aktiver Gegner rechtlicher Willkür berichtet aus der mitunter seltsamen Welt der Stadionverbote und hat sich zudem mit Präsident Fischer über den Verkauf von 3,5% der Aktien des e.V.s an der AG an den Frankfurter Wertpapierhändler Wolfgang Steubing unterhalten.

Für die kleinen Eintrachtler stellen sich die Junior-Adler vor; auch die Frauenfußballabteilung der Eintracht, die seit 2004 äußerst erfolgreich die Ligen aufmischt wird beleuchtet. Natürlich kommt auch die Diva nicht an der Profiabteilung vorbei, Neuzugang Sebastian Rode stand Rede und Antwort. Zudem gibt es einen kleinen Ausblick auf die kommende Saison.

Toll ist die Erinnerung an den jüngst verstorbenen Ex-Trainer Jörg Berger, einen würdevolleren Abschluss hätte man nicht finden können.

Insgesamt kommt die Diva graphisch und inhaltlich äußerst gelungen daher; die Beiträge treffen die Seele der Eintracht und verweben gleichermaßen Historie, Gegenwart und Zukunft. Natürlich kann da ein anderes Heft nicht ganz mithalten; die seit Jahren von Fans in Hingabe produzierte Fan geht vor - schon vor dem Hintergrund der finanziellen Ausstattung. Dennoch ist ein Fanzine aus Reihen der Eintrachtfans notwendig, schließlich müssen die Fans keinerlei Rücksicht auf Befindlichkeiten jeglicher Couleur nehmen - sie können alle Dinge beim Namen nennen. Und von daher lege ich euch auch ein Abonnement der Fan geht vor eindringlich ans Herz, so bleibt ihr stets auf dem Laufenden, zumal das Heft monatlich erscheint. Mitglied der Eintracht seid ihr ja sowieso. Oder?

Freitag, 7. August 2009

Grundstein

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Große Baukräne ragen in den blauen Sonnenhimmel und jede Menge Eintrachtler tummelten sich anlässlich der Grundsteinlegung des neuen Riederwaldes am historischen Sportgelände der Eintracht. Präsident Peter Fischer klopfte mit den Bauherren weißbehelmt den Grundstein ins Gemäuer, Presse und TV fotografierten und filmten das denkwürdige Ereignis, Brötchen und Apfelwein gab's dazu. Trainer Skibbe ließ sich die Grundsteinlegung ebenso wenig entgehen wie der AG-Vorstand und das E.V. Präsidium, Museumsgeschäftsführer Matze Thoma staubte einen der Bauhelme ab, unterschrieben von den Architekten. Ich war auch da. Nachfolgend ein paar Fotos vom 07.08.2009 am Riederwald.

Kran

Grundsteinlegung

Baustelle

Grundstein

Plan

Christoph S. + Matthias T. stellen gekonnt die Grundsteinlegung nach

Mittwoch, 17. Juni 2009

Victoria

Victoria - lat. Sieg.

In der römischen Mythologie verkörpert die Victoria die göttliche Personifikation des Sieges, das griechische Pendant ist die Nike - und die hat mitnichten moderne Turnschlappen erfunden, sondern Flügel.

Nach den Olympischen Spielen 1900 in Paris bekam der Deutsche Fußballbund zum Andenken eine Victoria auf Sockel überreicht - und die Deutschen Fußballmeister erhielten von 1903 bis 1944 eben jene Victoria als Wanderpokal vom DFB verliehen - bis Deutschland in Schutt und Asche versank und die Victoria nach 1945 als verschollen galt. Der letzte Meister, der die Victoria überreicht bekommen hatte, war der Dresdner SC - nach einem 4:0 gegen den Luftwaffen-Sportverein Hamburg. Der erste Titelträger war 1903 der VfB Leipzig.

Zwischen 1945 und 1990 lagerte die Victoria in einem Kohlekeller eines Ost-Berliner Fußballfans, zunächst einmal um sie vor den Kriegswirren zu retten. Erst mit der Wende 1990 wurde sie wieder dem DFB zugänglich gemacht. Entsprechend sind die Meister von 1903-1944 und ab 1990 eingraviert.

Da ab der Saison 1948/49 wieder regelmäßig in den Oberligen Fußball gespielt wurde (zwischen 1945 und 1948 kickten die Vereine in den Besatzungszonen) mussten die Herren Funktionäre einen neuen Wanderpokal erfinden; die Meisterschale, bzw Salatschüssel, wie sie der Volksmund respektlos nennt, erblickte 1949 das Licht der Nachkriegswelt und der erste damit gekürte Meister war der VfR Mannheim.

Schalke 04, der Serienmeister der Kriegsjahre, ließ anlässlich der bislang letzten errungenen Meisterschaft 1958 ein mehr als doppelt so großes Replikat der Victoria anfertigen, welches der Eintracht 1959 ausgeliehen wurde. Auf einem Foto anlässlich der Feierlichkeiten der Eintracht zur Meisterschaft im Zoogesellschaftshaus ist diese Victoria schön zu erkennen. Unser Museums-Leiter Matze Thoma begab sich auf Grund dessen auf Recherche und förderte oben genannte Informationen zu Tage. Die Eintracht hat wohl die Victoria nach Gelsenkirchen zurück gegeben; alte Schalker berichten davon, dass diese Victoria bis in die sechziger Jahre noch an der Glückaufkampfbahn zu sehen war - dann verliert sich die Spur.

links: Victoria - rechts: Spielausschussvorsitzender Ernst Berger

Heute lagert das Original von 1900 in der Zentrale des Deutschen Fußball Bundes; der amtierende Deutsche Meister kann sich ein Replikat für die Dauer der Meisterschaft ausleihen - Bayern München zum Beispiel machte jedoch von diesem Recht keinen Gebrauch, ganz anders der VfL Wolfsburg, der die Victoria als aktueller Meister gerne für ein Jahr bei sich haben möchte. Da allerdings anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Meisterschaft der Eintracht auch das Eintracht Frankfurt Museum Interesse beim DFB angemeldet hat, akzeptierten die Wolfsburger zähneknirschend den Deal, dass die Victoria bis zum August in der am Freitag, den 19.06.2009 beginnenden Sonderausstellung im Eintracht Museum zu bestaunen sein wird. Erst dann wird der VfL die Trophäe seinen Fans präsentieren können. Ihr aber habt die Möglichkeit, schon ab Freitag das bronzene Prachtstück zu bewundern. Und nicht nur dies; es gibt im Museum 59 Meister zu bestaunen oder aber die Gelegenheit, sich im Original Fünfziger-Jahre-Ambiente Filme über das Endspiel anzuschauen. Ihr könnt euch informieren, was ein Kaffeeservice mit der Meisterschaft zu tun hat oder aber in einer Kopie der mit einer Schreibmaschine getippten Aufzeichnungen von Hermann "Stift" Höfer schmökern.


Eröffnung: Freitag, 19.06.2009 - 19:30 - Eintritt frei. Am 25.06 werden dann die Meister höchstselbst im Museum anwesend sein und noch viel mehr Gäste, die sicherlich tolle Geschichten zu erzählen haben. Dazu demnächst mehr.


Achja, eine Frage habe ich noch:

Für einen Eintrachtler, der gerne mal eine Zigarre schmauchte war der Riederwald quasi das Zuhause. Er war für vieles zuständig, putzte Schuhe, schleppte Koffer und ließ einmal verlautbaren: Wenn ich mal uffem Sportplatz umfall, des wär mein scheensde Dod. Der liebe Gott tat ihm diesen Gefallen, die gesuchte Person verstarb tatsächlich am Riederwald - in den Armen einer anderen Legende, nach der sich sogar ein Fanclub der Eintracht benannt hat. Wie hieß denn der gesuchte Zigarrenraucher - und in wessen Armen tat er seinen letzten Atemzug?

Viel Spaß beim Rätseln wünsche ich. Und im Museum natürlich auch.





Dank an Matze Thoma für viele Informationen, sowie an den DFB und den VfL Wolfsburg für das Überlassen der Victoria. Bei der nächsten Meisterschaft der Eintracht werden auch wir uns generös zeigen.

Samstag, 30. Mai 2009

Helden leben lange. Legenden sterben nie.

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Was für eine Saison 1998/1999. Nach dem umjubelten Aufstieg startete die Eintracht nach zweijähriger Abwesenheit in eine neue Bundesliga-Saison. Lange mussten die Anhänger auf den ersten Sieg warten, erst am 6.Spieltag konnte der 1.FC Nürnberg mit 3:2 niedergerungen werden. Trotz einem 1:0 gegen die Bayern und einem 1:0 in Hamburg musste Trainer Ehrmantraut nach einem 1:2 gegen Schalke seinen Platz räumen; der im Oktober verpflichtete Sportdirektor Gernot Rohr installierte mit Reinhold Fanz einen Coach, der zwar dem Anforderungsprofil (jung, dynamisch, Bundesligakenner) überhaupt nicht entsprach - dafür aber in der Zusammenarbeit keine Probleme machte. Rohr und Fanz kannten sich schon lange.

Das erste Ligaspiel unter Trainer Fanz ging mit 1:4 nach 0:4 Pausenrückstand bei 1860 völlig in die Hose, es folgten deprimierende Spiele gegen Gladbach (0:0), den VfB (1:2) oder Leverkusen (1:2). Gegen Leverkusen trat die Eintracht ohne Stürmer an. Am 27. Spieltag unterlag die Eintracht in München mit 1:3 und Präsident Rolf Heller zog die Reißleine. Reinhold Fanz wurde durch Jörg Berger ersetzt - und sollte das Wunder möglich machen: Den Klassenerhalt. Auch Gernot Rohr durfte seine Koffer packen. Viel zu spät wurde gemutmaßt.

Im ersten Spiel unter Berger schaffte die Eintracht in letzter Sekunde den Ausgleich gegen Rostock (2:2 durch Westerthaler) und im zweiten Spiel gab es ein 0:2 beim Mitkonkurrenten SC Freiburg. Als Hoogma ebenfalls in letzter Sekunde den Ausgleich für den HSV erzielte (die Eintracht hatte 2:0 geführt) schien das Unternehmen Klassenerhalt gescheitert: Bei vier noch ausstehenden Spielen betrug der Rückstand auf das rettende Ufer sechs Punkte.

Es folgte ein 2:1 Auswärtssieg beim ebenfalls gefährdeten SV Werder Bremen, das letzte Spiel von Trainer Magath in Bremen. Dessen Nachfolger wurde Thomas Schaaf.

Die Freude über den folgenden 2:0 Sieg gegen Dortmund währte nur kurz. Als die Ergebnisse der Mitkonkurrenten bekannt gegeben wurden, herrschte Entsetzen. So hatte der bereits feststehende Deutsche Meister Bayern München sang und klanglos gegen den Club mit 0:2 verloren; der Sieg gegen den BVB schien wertlos.

Im vorletzten Spiel auf Schalke lag die Eintracht mit 0:2 hinten - und konnte dennoch die Partie durch Treffer von Fjörtoft, Sobotzik und Janßen mit 3:2 gewinnen. Da die Konkurrenten diesmal für die Eintracht spielten, sollte es am letzten Spieltag der Saison zu einem Krimi kommen.

12. 1. FC Nürnberg - Torverhältnis -9 - Punkte 37
13. VfB Stuttgart - Torverhältnis -8 - Punkte 36
14. SC Freiburg - Torverhältnis -9 - Punkte 36
15. Hansa Rostock - Torverhältnis -10 - Punkte 35
16. Eintracht Frankfurt - Torverhältnis -14 - Punkte 34
17. VfL Bochum - Torverhältnis -24 - Punkte 29
18. Borussia M'gladbach - Torverhältnis -36 - Punkte 21


Bochum und Gladbach waren abgestiegen. Folgende Paarungen sollten also entscheidend werden:

VfB Stuttgart - Werder Bremen
1.FC Nürnberg - SC Freiburg
VfL Bochum - Hansa Rostock
Eintracht Frankfurt - 1.FC Kaiserslautern

In Bochum hieß der Trainer Klaus Toppmöller, ebenso wie Torhüter Ernst ein alter Bekannter in Frankfurt; in Nürnberg war sich Trainer Rausch sicher, dass nichts mehr passieren könne, eine große Feier war geplant, der Dauerkartenverkauf für eine weitere Bundesligasaison hatte begonnen.

Mein Kumpel Andi, mit dem ich (nicht nur) damals im Waldstadion war, hat einen wunderbaren Bericht über den legendären 29.Mai 1999 geschrieben - von daher spare ich mir eine Schilderung des Tages; nur soviel sei gesagt: der 1.FC Nürnberg musste umdisponieren, die Eintracht aber besiegte Kaiserslautern durch Treffer von Chen Yang, Thomas Sobotzik, Marco Gebhardt, Bernd Schneider und Jan Aage Fjörtoft bei einem Gegentor durch Michael Schjönberg mit 5:1 - und blieb der Liga erhalten.


Zehn Jahre nach dem sensationellen Klassenerhalt kam es im Stadion auf Einladung der Fan- und Förder-Abteilung und des Eintracht Frankfurt Museums zu einem Wiedersehen mit vielen Beteiligten von damals - Tradition zum Anfassen, so lautete das Motto schon vieler Veranstaltungen - und auch am 28-05-2009 wurde dieses Moto Wirklichkeit.

Knapp 700 Fans hatten die Gelegenheit genutzt und tummelten sich nun im Businessbereich des neuen Waldstadions. Die Firma Aramark bot dankenswerterweise Getränke und Würstchen zu fanfreundlichen Preisen an, eine kleine Musikanlage war aufgebaut, die Mikros getestet - und der Videowürfel ein wenig abgesenkt: Auf ihm nämlich sollte das Spiel in voller Länge übertragen werden. Frank Wagner hatte dazu den Radiokommentar der zweiten Halbzeit über das Spiel gelegt, so dass die Spannung durch die vielen Tore auf den anderen Plätzen noch einmal vermittelt werden konnte.

Ich selbst hatte die große Ehre, als Moderator durch den Abend zu führen - von daher bitte ich um Verständnis, dass ich nicht alle Details behalten konnte, zu groß war die Konzentration auf den Abend - und es ist in etwa so, wenn du selbst ein Fest feierst - Am Ende sind alle glücklich, du selbst aber weißt gar nicht so genau, was eigentlich geschehen ist, da du permanent beschäftigt bist.

Petra Bärmann und Matthias Thoma hatten wochenlang die Veranstaltung vorbereitet, es gab Treffen mit dem Stadionbetreiber, der Technik und vielen anderen, die uns insgesamt sehr bei der Arbeit unterstützt haben. Flyer mussten gedruckt werden, der Ablauf geplant und natürlich die Spieler und Verantwortlichen von damals eingeladen werden - und am Mittag des Veranstaltungstages blieb nur noch das Bangen, ob alles klappt.

Leider erreichte uns noch die Absage von Marco Gebhardt und auch Thomas Epp litt unter starken Zahnschmerzen und konnte nicht dabei sein. Aber um 18:00 hieß es dann: Wir öffnen. Und dann strömten die Fans (unter ihnen mein Daddy) in den Bereich, den die meisten nur vom sehen kennen - strömten auf die Terrasse und die schwarz-ledernen Business-Sitze. Merchandising-Stände waren aufgebaut, nagelneu im Sortiment waren T-Shirts mit der Aufschrift Ü|ber|stei|ger - 29-05-1999, und bald herrschte ein emsiger Trubel.

Die Museumsmitarbeiter Frauke, Pia, Billy und Steffen umsorgten unsere Gäste, viele Helfer der FuFA sorgten für einen reibungslosen Ablauf - und so marschierten die anwesenden Spieler und Verantwortlichen über einen geheimen Gang in die Mixed-Zone - sie wussten ja nicht, was sie erwartete. Ich stand bei ihnen und wartete auf meinen Einsatz.

Matze Thoma legte einen Ball auf den Anstoßpunkt und alsbald begrüßte er zusammen mit Abteilungsleiter Stefan Minden die Zuschauer, verwiesen auf das Tippspiel, und erinnerten an den 100. Geburtstag der Eintracht am 8.März 1999 - und als mein Name fiel, musste ich raus.

Da stand ich nun unten vor euch, das Mikro in der Hand und auf mich alleine gestellt. Ich erinnerte kurz an Einzelheiten des Jahres (Nummer 1 in den Charts, Lou Bega - Mambo #5, Vogel des Jahres: die Goldammer und warf einen Rückblick auf das Champions-League-Finale vor drei Tagen (26.05.1999), das Bayern München lange Zeit dominierte, Sekunden vor Schluss mit 1:0 führte, um dann doch noch gegen Manchester United mit 1:2 zu verlieren) ich verkündete die Lottozahlen des Abends vor zehn Jahren und zählte zunächst diejenigen auf, die heute Abend nicht dabei sein konnten: Oka Nikolov, Bernd Schneider, Olaf Janßen, Alexander Kutschera, Chen Yang, Trainer Berger, Co-Trainer Lippert sowie die bereits erwähnten Thomas Epp und Marco Gebhardt.

Und dann folgte unter frenetischem Beifall der Einmarsch der Helden von damals:

mit der Nummer sechs: Thomas Zampach
mit der Nummer acht, unser Kapitän: Ralf Weber
mit der Nummer neun: Jan Aage Fjörtoft
mit der Nummer zehn: Thomas Sobotzik
mit der Nummer zwanzig: Uwe "Zico" Bindewald
mit der Nummer vierundzwanzig: Alexander Schur
mit der Nummer dreißig: Christoph Westerthaler
mit der Nummer zweiunddreißig: Ansgar Brinkmann

unsere Physios: Gunther Ronconi und Lutz Meinl
unser Arzt: Dr. Günter Goll
unser Stadionsprecher: André Rothe
unser Leiter der Lizenzspielerabteilung: Rainer Falkenhain
unser Ehrenmitglied und die gute Seele: Kurt Schmidt
unser Präsident: Rolf Heller.


Nacheinander marschierten die Helden aus dem Tunnel vor die Tribüne und sie alle freuten sich, dass ihr so zahlreich erschienen ward. High Five, Arme hoch, Freude.
Wir wanderten auf unsere Plätze, Blitzlichtgewitter zeugte von großem Interesse - und schon startete auf dem Videowürfel die Partie.

Alex Schur drosch den Ball nach einer Minute weit über das Tor - und fortan nutzte ich die Gelegenheit und sprach mit den Jungs über die vergangene Zeit; über die Sperre von Ralf Weber, der nach dem Hinspiel in Lautern schimpfte, dass es typisch DFB, typisch Betzenberg sei, solch einen Blindfisch als Schiri zu schicken. (Die Eintracht hatte das Spiel in der Nachspielzeit mit 1:2 verloren) Ralf bekannte sich zu dem Spruch, obgleich er zunächst meinte, dass er es nicht gewesen sein könne; so etwas Harmloses sage er nicht. Auch Alexander Schur hatte seinen Auftritt: als die Bayern gegen Nürnberg unterlagen; alles Mafia schimpfte er damals - und möglicherweise hatte er recht. Thomas Sobotzik war der Mann für die entscheidenden Tore, das 1:0 gegen die Bayern und auch das 1:0 gegen den HSV hatte er seinerzeit erzielt, während Uwe Bindewald sich immer noch wundert, dass er sich so großer Beliebtheit erfreut: Bei seinem Auftritt schallten Uwe Bindewald-Sprechchöre durchs weite Rund. Uwe muss man immer ein bisschen nach vorne schieben - er selbst bleibt eigentlich lieber im Hintergrund - aber da musste er durch. André Rothe gab zu, dass es ihm noch zwei Tage nach dem Spiel speiübel gewesen sei - und er vor allem mit der finalen Durchsage damals gewartet hatte, bis der Videotext die definitiven Endergebnisse weiß einblendete - während Rolf Heller zugab, dass die Entlassung von Horst Ehrmantraut im Nachhinein ein Fehler gewesen sei.

Stefan Minden, heute Abteilungsleiter der damals noch nicht existenten FuFA, erzählte die Anekdote, dass die Rundschau seinerzeit geschrieben hatte, dass die Eintracht den Klassenerhalt nicht mehr aus eigener Kraft hätte schaffen können. Stefan wusste es besser: Bei einem 5:0 der Eintracht gegen den FCK wäre die Eintracht definitiv gerettet. Er schickte ein Fax an die Redaktion und verlangte eine Gegendarstellung: Man stelle sich vor, Fjörtoft trifft zum 3:0 und die Eintracht spielt auf Ergebnishalten - weil niemand ob des Sachverhaltes weiß. Die FR druckte die Gegendarstellung ab - aber wer glaubte schon daran, dass die Eintracht gegen den Championsleague-Aspiranten Lautern fünf Tore machen würde.

Roberto Cappelutti, der seinerzeit das Spiel in einer Kneipe verfolgt hatte, sollte in der kommenden Woche in seiner damals ganz frischen HR-Sendung Late-Lounge an jedem Tag die Bilder des Spiels zeigen - leichter fiel die Wahl der Themen für die Late-Lounge nie wieder. Und Kurt Schmidt erzählte, dass sich Lauterns Trainer Rehagel zunächst geweigert hatte, an der Pressekonferenz teilzunehmen. Kurti sprach mit Rehhagels Frau Beate - Sekunden später stapfte Rehhagel doch noch zu dem Pflichttermin. Noch vor Spielbeginn kochte Ansgar Brinkmann, der auf die Ersatzbank musste; für einen wie ihn sicherlich kein Vergnügen.

Ruckzuck ging die erste Halbzeit vorbei - und nun folgte ein Drama, wie es der Fußball nur selten zu bieten hat - und an dessen Ende die Eintracht das glückliche Ende für sich hatte. Der Hammer von Chen Yang, das unglückliche Handspiel von Alex Schur, welches den Elfmeter für den 1.FCK und den Ausgleich zur Folge hatte, der Kopfball von Thomas "Hrubesch" Sobotzik, der geniale Hackentrick von Marco Gebhardt, der kluge Treffer von Bernd Schneider und dann: unvergessen die Worte des Reporters Günther Koch: Hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund, während Dirk Schmitt, der damals nicht nur für den HR moderierte, sondern gleichfalls den Ex-Tainer der Eintracht, Reinhold Fanz rechtsanwaltlich beraten hatte, legendär wurde:

... Wo die Frankfurter Eintracht natürlich nach wie vor Druck macht, sie weiß, ein Tor könnte wieder den 1. FC Nürnberg in den Abgrund stoßen, überhaupt keine Frage. Und sie kommen jetzt wieder mit Christoph Westerthaler in der zentralen Position, nur Sforza hat er noch vor sich dann ist es Fjörtoft, der ist im Strafraum, und er trifft, Tooor, Tooooor für die Frankfurter Eintracht - fünfzueins - Herrje, welche Leistung ...

Großer Jubel brandete auf, selbst die Spieler von damals starrten gebannt auf den Videowürfel, viele von ihnen sahen die Szenen zum ersten Mal und sie waren hin und weg. Alsbald marschierten wir auf den Rasen, der Ball lag noch immer im Mittelkreis und Stefan Minden verlas eine Mail von Bernd Schneider, dass Fjörtoft bitteschön den Übersteiger nicht wiederholen möge, er könne sich nun dabei verletzen.

Zampach flitzte ins Tor und gab den Reinke, während Westerthaler mit dem Ball ein paar Schritte lief - und zu Fjörtoft passte, der erneut den Ball am herauslaufenden Zampach per Übersteiger im Netz unterbrachte - sensationell und große Freude auf den Rängen dazu. Jan Aage schnappte sich das Mikro, erinnerte an den Walzer, den mit der Oberbürgermeisterin Petra Roth auf der Tribüne hingelegt hatte und erinnerte ebenfalls daran, dass der Verein auch stets der Verein der Fans sei - eine Weisheit, die nicht immer zu allen durchdringt.

Nun wurden die Verlosung der Gewinne über die Bühne gebracht, eine Sonnenbrille in Erinnerung an Thomas Epp, der die seinige damals vor Erregung (die Eintracht brauchte noch einen Treffer) auf den Rasen pfefferte, ein Spielankündigungsplakat sowie der Ball, der vor wenigen Minuten erneut im Netz gezappelt hatte, wechselten die Besitzer. Ein Junge hatte den Ball gewonnen, den er aus der Hand von Fjörtoft entgegennahm - eine Kopfball-Stafette inclusive. Unter großem Jubel entledigte sich Fußballgott Zampach in Erinnerung an den Aufstieg im Jahr zuvor seiner Oberbekleidung, weiter wollte er nicht gehen - immerhin waren ja auch Kinder anwesend.


Weiter ging es auf der Terrasse auf einer kleinen Bühne, nacheinander bat ich Zweier- oder Dreiergruppen zu mir, wir unterhielten uns kurz über den Tag und die zurückliegenden Jahre, fröhlich und ausgelassen schnappten sich Alex Schur und Thomas Zampach das Mikro, zogen sich gegenseitig auf und foppten auch Westerthaler ob dessen österreichischen Dialektes, während Ansgar Brinkmann, nahezu staatsmännisch agierte; keinerlei Einzelheiten drangen aus seinem Munde über die Feierlichkeiten in der folgenden Woche in Ibiza, wohin das Team nach Saisonabschluss geflogen war: auch Ralf Weber gab sich bedeckt.

Fjörtoft erinnerte an ein Spiel unter Fanz, als die Eintracht gegen den VfL Bochum mit 1:0 den einzigen Sieg einfuhr. Als sich Chen Yang nach neun Minuten verletzte, bereitete sich Fjörtoft auf seine Einwechslung vor - Trainer Fanz guckte ganz erstaunt - und brachte den völlig überforderten Amateur Stefan Zinnow ins Spiel. Erst nach 58 Minuten wurde dieser erlöst - und Fjörtoft erzielte prompt den Siegtreffer. Die Taktik gegen Leverkusen zuvor bezeichnete er als: 4 - 6 - 0.
Auf Ehrmantrauts Frage, was für ein Stürmertyp Fjörtoft (der von Rohr verpflichtet wurde) sei antwortete dieser: Ein Weltklassestürmer.

In der Stunde des größten Erfolges werden die größten Fehler gemacht hatte Jörg Berger gesagt - ob er wohl meinte, dass das Team seinerzeit in Oxxenbach gefeiert hatte?

So endete der Abend mit der Jagd der Fans nach Autogrammen und Fotos und unsere Helden blieben noch eine ganze Weile, umringt von euch: denn immerhin war das Motto der Veranstaltung ja: Tradition zum Anfassen. Ich denke, dies ist uns gelungen.

Helden leben lange. Legenden sterben nie.



Tolle Fotos und Kommentare zum Abend könnt ihr hier nachsehen.

Ebenso hier.

Ich bedanke mich bei allen, die diesen Abend möglich gemacht haben und bei euch, die ihr anwesend gewesen seid und viele Informationen, Bilder und kleine Videos des Abends für die Nachwelt erhalten habt.


Das Foto der Jungs stammt von Stefan Krieger. Die anderen beiden incl. Maus von Pia. Danke.


Die Abschlusstabelle

1. (1.) FC Bayern München 34 24 6 4 76:28 +48 78
2. (2.) Bayer Leverkusen 34 17 12 5 61:30 +31 63
3. (3.) Hertha BSC Berlin 34 18 8 8 59:32 +27 62
4. (6.) Borussia Dortmund 34 16 9 9 48:34 +14 57
5. (4.) 1. FC K'lautern 34 17 6 11 51:47 +4 57
6. (5.) VfL Wolfsburg 34 15 10 9 54:49 +5 55
7. (7.) Hamburger SV 34 13 11 10 47:46 +1 50
8. (8.) MSV Duisburg 34 13 10 11 48:45 +3 49
9. (9.) TSV 1860 München 34 11 8 15 49:56 -7 41
10. (11.) FC Schalke 04 34 10 11 13 41:54 -13 41
11. (13.) VfB Stuttgart 34 9 12 13 41:48 -7 39
12. (14.) SC Freiburg 34 10 9 15 36:44 -8 39
13. (10.) SV Werder Bremen 34 10 8 16 41:47 -6 38
14. (15.) Hansa Rostock 34 9 11 14 49:58 -9 38
15. (16.) Eintracht Frankfurt 34 9 10 15 44:54 -10 37
16. (12.) 1. FC Nürnberg 34 7 16 11 40:50 -10 37
17. (17.) VfL Bochum 34 7 8 19 40:65 -25 29
18. (18.) Borussia M'gladbach 34 4 9 21 41:79 -38 21

Freitag, 13. März 2009

Der Kopf stinkt vom Fisch her


Warum hab ich bloß den Bullen erschossen
er hat mir doch gar nichts getan
ich war weder stoned, noch war ich besoffen
das Grün brachte mich so in Wahn
...

... sang Marius Müller Westernhagen im Jahr 1982 im Song Ich hab keine Lust mehr im Regen zu steh'n; am 13. März 2009 tönten die Worte aus dem offenen Fenster des silbernen Golfs, der durch die ersten zaghaften Frühlingssonnenstrahlen durch Frankfurt tuckerte. Die Mädchen auf den Straßen trugen Sonnenbrillen und die ersten Krokusse schoben sich aus der Erde, als Pia und ich in Niederrad nahe unseres Lieblingsimbiss parkten. Die Besitzerin grüßte freundlich wie immer und wir orderten vier Burger inclusive Getränke und futterten bald zufrieden auf Bierbänken sitzend gut gelaunt unsere Frühlingsburger. Ein kleiner Lieferwagen bog um die Ecke und hupte kurz auf, wir erkannten am Steuer Tristan, im wahren Leben Eintrachtfan und - Schornsteinfeger, wir winkten zurück und freuten uns zum einen über die kleine Begegnung und zum anderen über das kleine Symbol des Glücks, welches uns der liebe Gott mirnichtsdirnichts vorbei geschickt hatte.

Pappsatt marschierten wir zum Golf und rollten durch Niederrad in Richtung Stadion, vorbei am Union-Sportplatz und schon fuhren wir durch Tor 3 und parkten vor dem Museum. Auf dem Trainingsplatz erkannten wir unseren Kapitän Ioannis Amanatidis, der zusammen mit Reha-Trainer Farbacher und vor allem mit einem Ball trainierte, vorbei die Zeit, als er mit Krücken an der Seite stand. Im Museum packte die Praktikantin Geburtstagspäckchen für anstehende Kindergeburtstage; wir sagten Hallo, tranken einen Kaffee, begrüßten Stefan, der mit seinem uralten Golf samt nagelneuer TÜV-Plakette und funktionierender Fahrertür angerollt kam und während Pia und Stefan bei einer Zigarette unserem Captain bei der Arbeit zusahen, fidelte ich kurzerhand Matze im Tischfußball mit 10:6 ab. All zu oft darf ich dies nicht machen, ich müsste mir sonst einen anderen Job suchen. Aber Matze nahm's sportlich.

Wir verließen vorerst das Museum, denn die Jungs unserer Eintracht trudelten peu a peu auf dem Trainingsplatz ein. Auch Peter war schon anwesend - und hatte vorgehört. Es scheint hoffnungslos, ein Teil der Kibitze war sich sicher, dass die Eintracht morgen mit 0:5 untergeht und überhaupt, der Fisch stinke vom Kopf her, spätestens zum Jahresende müssen alle weg und so weiter und so fort; manchmal stellt sich ja durchaus die Frage, wie es so mancher Zeitgenosse über die Runden schafft, so ohne einen Funken Selbstironie, ohne Spaß an der Sache; aber just diesen wollten wir uns nicht nehmen lassen. Auch wenn das Leben manchmal kompliziert ist, die deutsche Sprache ist es sowieso. Die Mehrzahl von Globus lautet bekanntlich Globen. Und die Mehrzahl von Krokus? Mitnichten Kroken, nein, es sind die Krokusse. Ähnlich wie bei Bus; auch dort heißt es nicht Ben sondern Busse. Oder aber Kuh - Kühe. Wer jetzt denkt die Mehrzahl von Schuh würde Schühe lauten ist ebenso schief gewickelt wie derjenige, der denkt Mühe wäre der Plural von Muh. Nunja, zurück zum Sport.

Während sich Pia ob der Waden von Kweuke gar nicht mehr einkriegen sollte, gesellten sich die beiden Ulis zu uns und gemeinsam stellten wir fest, was nur emsigen Trainingsbeobachtern auffällt. Pröll hatte sich die Haare gefärbt und Spycher neue Strähnchen, sah für Fußballer recht flott aus - ein wenig unpassend finden wir generell nur die Stutzen, durch welche die Waden leicht durchschimmern, das hat sowas von Nylonsocken für Männer - eher uncool.

Andi Menger wummste den Torhütern Pröll und Nikolov ein paar Bälle um die Ohren, dass man glauben konnte, unser Torwarttrainer sei der beste Standard-Schütze der Eintracht - vielleicht sollte er mal mit den Buben Ecken üben. Weiter hinten stand ein Mann mit verschränkten Armen und bewegte sich nicht; nein es war nicht Bellaid sondern unser erster Übungsleiter, der beiläufig den ganz in schwarz gekleideten jungen Männer beim Spiel zuschaute. Nein, nicht unseren Ultras, unserer ersten Mannschaft, die heute ohne Liberopoulos und Ochs trainierte. Auch die Herren Toski, Preuß und Vasoski fehlten schriftlich entschuldigt, während Krük und Zimmermann wohl bei der U23 weilten. Der Herr Caio trug Handschuhe bei frühlingsmilden Temperaturen und der Herr Kweuke ganz kurze Socken zu roten Kickschuhen. Ümit Korkmaz bevorzugte laubfroschgrünes Schuhwerk und Zlatan Bajramović eine schwarze Mütze. Überhaupt Bajramović , er lachte während des gesamten Trainings ein ums andere Mal, ob dies allerdings an den Handschuhen von Caio lag, ist nicht übermittelt.

Es folgte eine Trainingseinheit, die wir Spielzug nannten. Einzelheiten verrate ich hier nicht, nicht dass es morgen gegen 17:20 heißt, ich hätte unserem Gegner intimste Geheimnisse ausgeplaudert - und sei fortan Schuld für Geheimtraining ohne Zuschauer. Am Rand des Platzes standen einige Vertreter der schreibenden Zunft, die wir mit einem herzlichen deutsche Presse halt die Fresse begrüßten.

Nein, machten wir natürlich nicht, wir beobachteten eine wunderschöne Choreografie unserer Mannen, diesmal aus der Disziplin Synchrontorschleppen. Jeweils vier Spieler an einer Seite trugen im Gleichschritt ein Tor zu einer Linie, drehten sich formvollendet und setzten das Tor punktgenau auf die Linie, das macht uns so schnell keiner nach; die Bewegungen gingen derart geschmeidig ineinander über, da merkt man erst die Handschrift des langjährigen Trainers, der sich später tatsächlich bewegte.


Es folgte ein munteres Trainingsspielchen, wo zunächst ich selbst durch ein butterweiches Ballzurückspiel auffiel, nur wenig später schaffte Stefan ein gleiches noch eleganter, was ihm spontanen Szenenapplaus einbrachte, den er huldsam wie eine Königin entgegen nahm.

Fink schoss einen wunderbaren Treffer, der uns zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss, Kweuke guckte doof, wenn Pröll "Leo" rief und Sebastian Jung schleppte später die gelben Männchen übers Grün, während sich Chris einen Ball unter sein Leibchen steckte derweil er noch ein paar Flanken schlug; sage einer, die Buben hätten den Ernst der Lage nicht begriffen.

Unser Trainer hatte sich im Laufe des Tages nicht nur bewegt, nein: er hatte sogar gesprochen. Nah bei nah stand er mit Nikolov beisammen und plauderte mit ihm, wir können nur raten, was er gesagt hat, vielleicht sowas wie: Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass du morgen spielst. Wenig später legte er jovial den Arm auf die Schulter unserer Nummer 11 und zeigte Menschlichkeit, wie sonst nur im Kölner Karneval. Was er zu Korkmaz sprach ist ebensowenig überliefert, wie die Worte zu Oka. Könnte es gewesen sein, dass er zu unserem Außenflitzer gesagt hat: Österreicher von Beginn an? Nicht solange ich Trainer bei Eintracht Frankfurt bin. Und könnte Ümit geantwortet haben: Naja, die zwei, drei Wochen kann ich es verschmerzen.

Nein, das ist bloß erfunden, lasst euch nicht veräppeln.

Später wollte der freundliche Zlatan Bajramović unbedingt noch ein Bild mit uns machen; selbst wenn wir geschlaucht vom Training sind, müde vom sich zum Abend neigenden Tag finden wir immer noch ein Minütchen, um auf die Wünsche der Spieler einzugehen; Pia knipste und ist also gedanklich dort zu finden, wo im Moment eure Augen sind.


Kurz danach kam sogar noch Kid vorbei, er hatte dem Museum einen kurzen Besuch abgestattet und wir unterhielten uns ein bisschen über die wenig erfreuliche Situation des Internetforums der Frankfurter Eintracht und über den Ausblick für das morgige Spiel. Sehr erbaulich war dabei die Information, dass Trainer Rangnick seinerzeit wegen der Trennung AG-e.V. nicht zur Eintracht wollte, da er keinerlei Verfügungsgewalt über den Nachwuchs haben sollte. Also, am Geld hat es damals nicht gelegen. Niemals.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.

Kid will morgen unbedingt gewinnen - und da ich der gleichen Ansicht bin, kann ja nun nichts mehr schief gehen. Während Uli telefonisch noch eine Karte erstehen konnte, machte sich der andere Uli vom Acker, auch Stefan verließ uns und so marschierten Pia, Kid und ich zurück ins Museum, wo Matze und Billy gerade dabei waren diverse Exponate an der Wand zu verdübeln, jener Matze der unlängst von Henni Nachtsheim zum Trainer der Eintracht geadelt wurde.

Matze legte eine DVD ein, welche Filmaufnahmen unserer Kurve während des Pokalendspiels in Berlin 2006 zeigte, jener Höhepunkt der letzten Jahre, der heute in dieser Art undenkbar ist; zuviel ist geschehen, zuviele tummeln sich im vierten Jahr der Erstklassigkeit der Eintracht im Umfeld, deren Ansprüche weit über das bestehende hinausgehen; der Zusammenhalt, der uns über Jahre hinweg mehr oder weniger auszeichnete, ist passé.

Für Kid hatten die Szenen natürlich eine besondere Bedeutung, sah er dieses Spiel doch mit seinem Neffen Marcus, der tragischerweise im letzten Jahr gestorben ist; ihm gingen die Bilder sichtlich nahe und er verabschiedete sich traurig von uns.

Als der Auftritt Tankards gezeigt wurde, durchliefen mich nicht nur Schauer der Erinnerung sondern mir flossen tatsächlich einige Tränen die Wangen hinab. Die Erinnerung an die Tage in Berlin, die Traurigkeit Kids und der erlebte Tag forderten ihren Tribut.

Nebenbei gewannen wir dann doch noch den DFB Pokal und verabschiedeten uns von Matze, der morgen wie wir alle im Stadion sein wird, wenn die Eintracht souverän und in dieser Höhe auch verdient die Emporkömmlinge der TSG Hoffenheim mit 4:1 nach Hause schickt.

Auf dem Rückweg konnten wir aus den Augenwinkeln den Mannschaftsbus der Mannschaft entdecken, die in meinen Augen sozusagen die Silikonbrüste des deutschen Fußballs sind.

Im CD-Player lief ein Lied des leider auch schon verstorbenen Georg Danzer mit dem Titel Weiße Pferde; es begleitet mich schon etliche Jahre und es ist ein wunderbarer Song, der mich immer wieder zu Tränen rührt. Irgendwie passte er zur Heimfahrt, Berufsverkehr auf der A3, Pendler, Handwerker, das wirkliche Leben. Kühl ist es geworden. Aber morgen scheint die Sonne, da bin ich sicher.


Sonntag, 22. Februar 2009

Heimspiel in Karlsruhe - 21. Februar 2008


Gegen halb elf rollte der silberne Golf auf die Autobahn, die Scheibenwischer klackten über die Windschutzscheibe und rundum versank der Tag in einem verwaschenem Grau. Auswärtsspiel beim KSC, Orange Kaos lautete das Motto der Ultras und während Pia noch am frühen Morgen eine orangene Jacke aus dem Schrank gezaubert hatte, haderte ich mit meinen Gedanken. Auf der einen Seite ist es zwar lustig, einen Block ganz in Orange zu bestaunen, auf der anderen Seite sind unsere Vereinsfarben nun mal Rot-Schwarz-Weiß und so entschied ich mich für die Tradition und hockte ganz in Schwarz am Steuer, einen Alfred Pfaff Button am Jackenkragen. Eine ältere CD nudelte im Hintergrund ein paar oft gehörte Hits, wir schwatzten über vergangene Zeiten und schon erreichten wir die Abfahrt Karlsruhe Durlach und verließen die Autobahn rechtzeitig vor einem sich anbahnenden Stau. Unser Ziel war eine Bierwirtschaft in Laufweite zum Stadion, die wir auch prompt fanden, ebenso wie einen Parkplatz, der diesmal definitiv legal war.

Wir erwischten einen Platz im Raucherbereich inmitten freundlicher Karlsruher, bestellten zwei Krüge hauseigenen Bieres und eine warme Mahlzeit und harrten trockenen Fußes der Dinge, die da kommen würden, Mittagessen, Bier, Auswärtssieg.

Als erstes kamen jedoch Flo und Patrick und setzten sich für ein Weilchen zu uns. Flo drückte mir eine Postkarte zum zehnjährigen Jubiläum der Initiaive Stadionübernachtung in die Hand, manch einer von euch mag davon schon gehört haben, von dem Erlebnis, um das ich die Jungs stark beneide. Nach eigener Aussage die beste Nacht ihres Lebens.

Noch am Abend zuvor hatte ich das Glück mit Matze, Frauke und Pia bei uns im Stadion in der Spielerkabine sein zu dürfen, um dann durch den Spielertunnel auf den Platz zu laufen; über dir thront der haushohe Videowürfel und ganz kurz sah ich die vollbesetzte Arena, die Leute in der Kurve und auf den Tribünen, dass Stimmendurcheinander, den roar. Allerdings hatten wir uns nicht dorthin geschlichen; wir werden demnächst im Rahmen des Eintracht-Museums kleine Führungen in das Stadioninnere anbieten und schauten uns die Laufwege an. - Apropos Laufwege, das wäre dochmal eine Idee fürs Training. - Ich hatte sogar ganz kurz die Dusche angedreht; wenn ihr wollt kann ich euch demnächst kleine Fläschchen abfüllen und als Eintracht-Wasser verkaufen á la das Wasser, mit dem Amanatidis duscht. Dies wird bestimmt ein Renner. Aber wieviel geiler muss es sein, sich klammheimlich ins Stadion zu schleichen und ganz subversiv den 100. Geburtstag der Eintracht zu feiern, um am nächsten Morgen nach dem Aufwachen auf die Kurve zu schauen. Großartig.

Matze und Öri schneiten auch noch vorbei, die Bedienung übersah großzügig die Dose Becks und unser Herr Traditionalist hatte sich zwar dem orange verweigert - unsere Farben sind rot-schwarz-weiß, scheute sich aber nicht, stolz seinen schwarz-weißen Balkenschal eines Sponsoren zu präsentieren. Statt Adler prangte das Herstellerlogo, na super.

Über uns baumelten ein paar karnevaleske Luftballons, der Laden war mittlerweile rammelvoll und begann sich gegen halbdrei zügig zu leeren. Auch wir beglichen die Rechnung und marschierten an Polizei und blau-weißen Karlsruhern vorbei Richtung Wildpark. Vollgepfropfte Busse schoben sich an uns vorbei, orangegewandtete Fans patschten wie immer an die Scheiben und ich traf auf Alex, der mir erzählte, dass in Frankfurt eine leere Bierbüchse aus dem Zug auf den Bahnsteig gepurzelt sei und der Übeltäter zunächst zu 25 Euro Strafe verdonnert wurde, so weit so gut. Als dann kurze Zeit später der arme Kerl aus dem Zug geholt wurde, drohte ihm Ärgeres - und einige Leute fuhren schon leicht geladen los. Wie so häufig fehlte es auch hier scheinbar am rechten Maß.

Wir passierten die kleine Polizeisperre, welche Karlsruher davon abhalten sollte, dem Gästeeingang einen Besuch abzustatten und marschierten Richtung Eingang. Schwarz-orangene Menschentrauben klebten vor den eisernen Gittern, dahinter eine Reihe Ordner, dahinter eine weitere Reihe Ordner und am Blockaufgang die nächste Reihe Ordner. Es dauerte ein Weilchen, bis mir der erste Ordner meine Karte entwertete und mich zu einem nächstem schob, der mich von Kopf bis Fuß abtastete und mich an einen weiterem Ordner verwies, der mich ebenso durchsuchte. Als ich Pia suchte, endeckte ich sie inmitten einer Debatte mit einer weiteren Ordnerin, die ihr den Einlass mit ihrer orangenen Tasche verweigerte. Dabei wurde in den vorab veröffentlichen Faninfos explizit erwähnt, dass Taschen und Rucksäcke (ohne gefährliche Wurfgegenstände) ins Stadion mitgenommen werden dürfen. Mit diesem Wissen rüsteten sich die Fans entsprechend aus und verließen sich auf die Informationen. Die Ordnerin zickte ein Weilchen rum und schickte Pia zur Taschenabgabe, was diese sich völlig zu Recht nicht gefallen lassen wollte, das gleiche Schicksal sollte nur wenig später Kine ereilen, woraufhin ich versuchte, unsere Fanbetreuung zu erreichen, was leider nicht gelang. Sicherlich sind zwei Leute für ein Spiel beim KSC auch ein bisserl wenig. Pia schluppte derweil an der Abagbe mit Tasche vorbei, während ich auf der Suche nach jemanden war, der uns in der Angelegenheit weiterhelfen konnte. In der Zwischenzeit kam die Ordnerin wieder auf Pia zugeflitzt und begann zu drohen, während sie ihre Ohren in puncto Faninfo auf Durchzug stellte. Sie grapschte Pia an und wollte sie zu irgendeiner Einsatzleitung schicken, was für uns schon gar in Frage kam; wenn sich in dem Falle jemand bewegt, dann sicherlich nicht wir. Inzwischen kamen Jasmin und Stefan von der Eintracht vorbei und damit Bewegung in die Sache. Stefan hatte ein Kopie der Info dabei und hielt sie dem irritiertem Einsatzleiter unter die Nase, der schlicht meinte, die Info sei falsch. Die Ordnerin quakte dazwischen und hetzte ein bisschen gegen mich, der ihr bloß klar machen wollte, dass hier die Dinge so zu laufen haben, wie wir uns das vorstellen und nicht wie Leute, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Der Einsatzleiter wühlte in Pias Tasche rum und fischte triumphierend ein Deo-Röllerchen hervor, das zuvor schon in Frankfurt, Berlin, Gladbach oder Dortmund Fußball gucken durfte aber nicht in Karlsruhe und wollte uns grad mit einem debilem Siegesgrinsen zur Taschenabgabe schicken, als der Roller kurzerhand in den Müll flog und sich somit keine weiteren gefährlichen Gegenstände in Pias Tasche befanden und wir dann endlich Richtung Block latschen durften. Die Ordnerin war derweil schon längst von ihrem Chef fortgeschickt worden. Bevor es in den Block ging, wühlte wieder jemand in der Tasche rum, während wir erneut abgetastet wurden und uns nach einer gefühlten Ewigkeit endlich einen Platz im gut gefüllten Block suchen durften.

Die Eintracht, überraschenderweise nicht in orange, sondern klassisch in rot-schwarz, begann mit Inamoto an Stelle Meiers und Mahdavikia für Steinhöfer, der KSC versemmelte Chance auf Chance und mir offenbarte sich, dass wir dieses Spiel mit 1:0 gewinnen werden. Es ist gibt solche Momente; manchmal weiß ich was passiert; ich wusste, dass wir in Cottbus nach einem 0:2 das Spiel noch gewinnen werden und ich wusste, dass wir hier mit 1:0 gewinnen würden. Leider sind solche Momente recht selten, meistens glaube oder hoffe ich und dann kommt es doch anders.


Unsere Jungs würgten auf dem Platz in gewohnter Manier rum, die Kurve hüpfte und sang vor sich hin und in mir breitete sich beim Stande von 0:0 eine selten gekannte innere Ruhe aus. Vor dem Kinderblock der Karlsruher wackelte eines jener dämlichen Plüschtiermaskottchen auf und ab, die kaum jemand haben will und die dennoch auf Grund der Weltverschwörung von Plüschtiermaskottchen in vielen Stadien zuhause sind, während die Supporter auf der anderen Seite ein bisschen Remmidemmi machten. Flutlicht gleißte aus stählernen Masten auf uns herab, die Anzeigentafel verkündete Bundesligatore und so blubberte die erste Hälfte grau wie das Wetter vor sich hin. Ein aufblasbarer Riesenpenis, der im Block herum schwebte, war neben Prölls Glanzparade in der siebten Minute der Hingucker der Partie.

Zur Halbzeit wanderten wir zu Christian und Stefan, quatschten über den Tag und hofften, dass es in der zweiten Hälfte besser wird, dass wir gewinnen, wusste ich ja. Vor uns standen ein paar der Sossenheimer und sahen wie wir den Anpfiff zur zweiten Hälfte. Besser gesagt dachten wir dies. Denn bevor es losging, ging etwas ganz anderes los. Schwerer Rauch stieg aus unserem Block auf und dann pfiffen Raketen in die Luft und trudelten glühend aufs Spielfeld, eine davon sauste in unmittelbarer Nähe eines Karlsruher Spielers hernieder, es dampfte und blitzte, dass Schiedsrichter Weiner gar nichts anderes übrig blieb, als den Anpfiff ein paar Minuten zu verzögern. Unser derzeitiger Kapitän, Markus Pröll, wurde in die Kurve geschickt, um den Mob zu beruhigen, Fotografen eilten herbei, wollten auf die Auslöser drücken und einer von ihnen verlor dabei die Nerven. Er zeigte der Kurve den Mittelfinger, wurde bespuckt und spuckte sogar zurück. Und das geht nun mal gar nicht. Zum einen lebt ein Fotograf von seinen Bildern und wenn er meint, er müsste Fans fotografieren, die das so nicht wollen, dann hat er sich schlicht und ergreifend zurückzuhalten. Fans aber zu provozieren, um dann im Zweifel genau die Bilder zu bekommen, die vermeintlich Bände sprechen, ist unwürdig, nahezu skandalös.

Zurück zum Feuerwerk, das zum einen eine Trotzreaktion auf die verschärften Bedingungen in KA war und zum anderen die Eintracht eine schöne Stange Geld kosten wird, Geld, das im Zweifel für andere Zwecke besser eingesetzt wäre; für Choreos beispielsweise. Wer Raketen aufs Spielfeld schießt, nimmt Verletzungen billigend in Kauf - dies ist weder neu noch überraschend und ich finde es schade, dass die Kurve nicht in der Lage war, dies zu unterbinden. Rauch gehört in KA wohl dazu, und wie im letzten Jahr, hätte ich dies nicht sonderlich dramatisch gefunden, obgleich auch dadurch die Eintracht bestraft wird.

Wer jedoch glaubt, dass weitere Restriktionen dem Einhalt gebieten könnten, ist aus meiner Sicht der Dinge schief gewickelt. Weitere Verbote führen zu weiteren Trotzreaktionen und ebnen den Weg zur Eskalation. Wer weiß, dass er dreimal kontrolliert wird, für den ist doch das Schmuggeln von Pyro eine sportliche Herausforderung - wer aber freundlich und respektvoll empfangen wird, der wird sich meist ebenso verhalten. Generell aber ist das Unkontrollierbare eben unkontrollierbar - und damit müssen wir uns abfinden; durch massive Verbote, Kontrollen und Einschränkungen jedoch werden die Leute in die Unkontrollierbarkeit getrieben, die eigentlich die Regeln akzeptieren. Nur müssen diese Regeln eben auch zum Teil dem Lebensgefühl der meist Jugendlichen entsprechen.

Die Karlsruher fanden uns doof, wir wussten, dass die Eltern der Karlsruher zum VFB gehen und vor allem, dass Caio ab der 45.Minute für Petkovic ins Spiel kam und Benny Köhler fortan als linker Verteidiger fungierte. In der 53. Minute war es dann soweit. Liberopoulos leitete mit einem No-look-Pass den Ball zu Ochs, dessen Hereingabe Caio mit einem Kunstschuss zum 1:0 für die Eintracht verwandelte. Es lief also alles nach Plan; wir lagen uns in den Armen, grinsten breit, brüllten Eintracht und mussten fortan abwarten, bis der Schiedsrichter abpfeift. Zumindest sah ich dies so, die Damen und Herren um mich herum zeigten sich sichtlich nervöser und nagten an den Fingernägeln. Ochs mit seiner Handmanschette rackerte sich ab und der KSC war nicht in der Lage, den durchaus verdienten Ausgleich zu erzielen.

Hochgradig trübsinnig war es dann, dass bei der Einwechslung von Alex Meier Minuten vor Schluss bei einer 1:0 Führung einzelne Fans Meier, du Wichser riefen. Meier, der sich nichts anderes zu Schulden hat kommen lassen, als nach langer Verletzungspause noch nicht in der Verfassung zu sein, die er im Trikot der Eintracht schon gezeigt hat. Manchmal kotzt mich die asoziale Schlichtheit der Leute einfach nur an. Das tat ich dann auch kund um nur wenig später bei Abpfiff souverän die Hände zu erheben und die Mannschaft mit Beifall zu verabschieden. Dreckig war er, der Sieg. Eigentlich unverdient. Aber uns. Auswärtssieg. Geilgeilgeil.

Wir verabschiedeten uns von Christian und Stefan und verabredeten uns mit Mustafa und Susanne in der Kneipe, in der wir auch vor dem Spiel schon waren. Mustafa ist ein lustiger Geselle, den ich vor Jahren bei einem Dreh in Stuttgart kennen gelernt hatte; er wohnt in Karlsruhe und sympathisiert eher mit den Freiburgern, was ihn jedoch nicht davon abhält, von Zeit zu Zeit in den Wildpark zu pilgern. Beide trafen wir dann unter der Fußgängerbrücke und wir marschierten gemeinsam in Richtung City. Wir stießen wieder auf Matze, der uns verklickerte, dass er die Einlasskontrollen im Stadion überwunden hatte, um dann tatsächlich zurück in die Kneipe zu wandern, um in aller Ruhe ein Bier zu trinken und Mittag zu essen. Pünktlich zum Abpfiff war er dann wieder am Stadion. Sachen gibt's.

Mustafa erzählte uns, wie er vor einger Zeit in Istanbul bei Fenerbahce im Block stand, als Istanbul gegen Ankara kickte. Als Trapzonspor-Anhänger ein mutiges Unterfangen. Ein leises Ksst des Capos reichte aus, um den nichtsupportenden Gast daran zu erinnern, dass im Block ausschließlich der Support mit Herz zählt. Man stelle sich vor, ein Ksst im vollbesetzten Stadion dringt aus einiger Entfernung wie ein Pfeil an das Ohr, das es treffen soll; alle wissen, wer gemeint ist - da geht noch was in unserer Kurve.

Als wir in der Kneipe ankamen waren die Ulis inklusive Peter schon am Bechern. Im Fernsehen lief die Sportschau, die Kellnerin bahnte sich rau aber herzlich mit zig Bierkrügen in den Händen den Weg durch jede Menge Fußballfans beider Teams. Ab und an erklangen ein paar Sprechchöre durch den Raum, wobei die meisten Karlsruher eher bedröppelt dreinschauten und wir hockten und schwatzten, bis die Deckel voll waren. Es folgte der Abschied von Mustafa und Susanne, ein kleiner Zwischenstopp an der Tanke und schon ging's wieder zurück in Richtung Heimat. Ein letzter Abstecher ins Backstage, kleiner Schwatz mit Charly und Rainer und nach einem finalen Äbbelwoi eierten Pia und ich nach Hause. Irgendwas murmelte ich noch vor dem Einschlafen, es hörte sich an, wie Hoffenheim sind doch die Silikonbrüste des deutschen Fußballs und schon war ich nicht mehr in dieser Welt.

Ein Wermutstropfen ergab sich am nächsten Morgen, als wir feststellten, dass die Windschutzscheibe des Golfs ein Loch aufwies; irgendjemand musste entweder in KA oder aber über Nacht im Nordend mit einem harten Gegenstand darauf geschlagen haben. Ärgerlich fürwahr; wir werden wohl nie erfahren, wie es zustande kam. Was soll's, oins geht noch ...





Sämtliche Fotos sind von Pia und mir.