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Mittwoch, 3. November 2010

Vo Mello bis ge Schoppornou


Vor Jahren, als die Eintracht dank des überragenden Oka Nikolov bei den Bayern ein 0:0 erreichte, folgte ich in der legendären Hütte im Wald bei Rosbach dem Spiel mit zwei Handvoll Eintrachtlern mittels eines Transistorradios - ein wahrhaft erinnerungswürdiges Erlebnis, zumal ich ja meist bei Auswärtsspielen der Eintracht vor Ort bin. Nun spielte beim 3:1 der Eintracht bei St.Pauli erneut ein Transistorradio eine wesentliche Rolle - fernab der Heimat und fernab von Hamburg.

Chris und Petra fahren seit Jahren nach Österreich auf eine Hütte in den Bergen und beim Apfelwein auf dem Erzeugermarkt wurde die Idee geboren, dass ich doch einmal mitkommen möge. Gestählt durch die Tage auf der Rosbacher Hütte sagte ich freudig zu - und so kam es, dass ich letzten Donnerstag mit vier Gleichgesinnten von Hofheim über Würzburg, Rothenburg und Heidenheim Richtung Bodensee rollte, jedoch ohne den silbernen Golf und ohne Pia - und da dämmerte es mir: So wir aussteigen, wird kein Stadion in der Nähe sein; ungewöhnlich für einen Aufenthalt auf deutschen Autobahnen kurz vor einem Eintrachtspiel.

Bei Bregenz gedachten wir Bruno Pezzey und während sich die Dunkelheit über Voralberg legte, rollte der allradgetriebene RAV durch Tunnels und kletterte in die Höhe, bis wir unser Ziel erreichten. Naja fast; die allerletzten Meter mussten wir laufen; 200 Meter - in die Höhe und alles, was oben benötigt wird, zudem in den Händen tragen. Das hört sich simpel an, bedingt aber einen steilen Marsch durch in diesem Falle verschneites Gelände; auf dem Buckel das Gepäck, in der einen Hand einen Kanister Apfelwein in der anderen eine Taschenlampe und schon nach wenigen Schritten fängst du an zu keuchen. Die Wanderschuhe finden keinen Halt, es ist dunkel und rutschig und verdammt steil. Schritt für Schritt quälst du dich den Berg hinauf, der Atem geht kurz und du schaust nur auf den Weg, dann vezweifelt in die Höhe und du sehnst dich nach einem Ankommen, an das du selbst nicht mehr glaubst. Selbst als mir Chris nach gefühlten Stunden den Apfelweinkanister abnimmt geht es kaum merklich voran; eine Ahnung steigt in mir hoch, wie es ist, wenn du das Ziel greifen kannst und doch davor liegen bliebst, weil alle Kraft am Ende ist. Doch irgendwann war es geschafft, ich war oben, warf mich auf eine Bank und japste wie Caio nach dem Laktattest.

Drei wilde Gesellen aus Hofheim hatten sich schon am Vormittag aufgemacht und die Stube geheizt, so dass der Empfang ein warmer war. Auf dem Ofen im Vorraum kochte Wasser für Nudeln; Wasser, das aus einer Quelle ständig in einen hölzernen Trog lief und die Getränke kühlte. Im Sommer sind die Kühe des Landwirtes hier oben im angrenzenden Stall, nun ist's dafür zu kalt; wir waren alleine. Über knarzende Stufen führt der Weg nach oben in die Schlafräume, einfache Matratzen liegen auf einem Lattenrost, dazu eine Decke und einen Schlafsack, fertig ist das Lager für die Nacht: Wichtig ist eine Taschenlampe, denn es kann dunkel werden. Sehr dunkel.

Nach Errichten des Schlaflagers, nach einer warmen Mahlzeit und einem Schluck Abbelwein kehrten die Lebensgeister zurück und durch einen Blick durch das Fenster wurde mir bewusst, wo ich gelandet war: Der Mond beschien die umliegenden Berge, die verschneit und steinig den Blick begrenzten; mächtig ragten die Kolosse in den Sternenhimmel und zeigten, wie klein und schwach der Mensch angesichts der mächtigen Natur sein kann. In der Stube hing ein Eintrachtfähnchen sowie ein Foto des Endpiels von 1960, dazu Bilder des Heiland am Kreuze, drunten im Tal glimmten die Lämpchen der Häuser. Stille.

Der nächste Morgen sollte das Panorama in aller Klarheit zeigen, die Höhensonne gleißte auf den schneebedeckten Hang, die Berge ragten in die Höhe und wir genossen den Tag; später ging es zu Fuß hinab ins Tal zum Auto, Einkäufe wollten getätigt werden - es wartete also später ein erneuter Aufstieg auf uns. Durch die Sonne schmolz der Schnee recht schnell, Wildbäche rauschten die Felsen hinab, während wir durch Orte wie Au fuhren und Lebensmittel besorgten. Der Rückweg mit Rucksack schien zwar etwas leichter als am Vorabend, aber einfach geht anders - immerhin: wir hatten, was wir brauchten und die Belohnung ist stets ein herrliches Panorama. Und ein Abbelwein dazu.

Matchday. Wir nutzten den Sonnenschein für einen Rundweg, der über die ein oder andere Alm über Schnee und Gras, über Abhänge und Stein durch den Berg führte. Rinnen zeugten von Lawinenabgängen, Spuren von Gemsen, die ich jedoch nicht zu Gesicht bekam. Dafür aber alle paar Meter ein neues Bild von Schnee, Bergen, Licht und Schatten. Als wir zurückkehrten machten die Spieler der Eintracht sich am Millerntor warm, wir aber tauschten den alten, vermoderten Trog gegen einen neuen aus, den der Bauer aus einem Baumstamm herausgearbeitet hatte. Alsbald rauschte das Wasser durch den neuen Trog, während draußen auf einem Tisch das Transistorradio das 1:0 für St. Pauli verkündete. Michi aber war überzeugt, dass die Eintracht mit 3:1 gewinnt. Delta, der während der letzten Tage obgleich Eintrachtler eine St. Pauli Mütze getragen hatte, legte diese während des Spiels ab, es sollte eine weise Entscheidung gewesen sein. Kurz vor der Halbzeit gab es in den Bergen Elfmeter für die Eintracht - und Gekas - wer sonst - verwandelte zum Ausgleich. High Five im Schnee, in dem wenig später ein Grill stand, worin Holzscheite verbrannten.

Erst flog Asamoah vom Platz, dann folgte eine SMS von Roland, der uns mitteilte, das die kleine Eintracht in Darmstadt in den letzten Minuten noch mit 1:2 verloren hatte und dann traf Gekas zum 2:1 für die große Eintracht. Während wir mit dem Ergebnis hochzufrieden waren, wartete Michi in Seelenruhe auf den dritten Treffer und tatsächlich: Sekunden vor Schluss traf Caio - selten habe dann ich einen Mann gesehen, dessen ganzer Körper mehr ich habs doch gewusst ausstrahlte, als der Geselle mit der Kappe und dem Eintrachtshirt neben mir. Wahnsinn, die Eintracht war auf den dritten Tabellenplatz gehüpft und wir grillten Steaks in einer Höhe von 1500 Metern.

Wir feierten ausgiebig bei Kartenspiel und Abbelwein, schwatzten lustigen Unfug und von Zeit zu Zeit marschierte ich aus der Hütte, um in die Nacht, den Schnee und die mächtigen Berge zu blicken, während in der Stube der Ofen bollerte und im Vorraum Wasser in den neuen Trog lief. Die Sterne standen gut.

Am Sonntag war der Schnee fast vollständig geschmolzen, gräserne Abhänge umgaben uns nun, die im Sommer vom Bauern per Hand gemäht wurden. Nach Kaffee und Aufräumen packten wir unsere Sachen zusammen und wanderten zurück zum Auto. beim Bauern gab es noch einen Kaffee, dazu ein Stück Käsekuchen und einen Eintrag ins Gästebuch. Nebenan rumorten die Kühe, die während des Winters ihr Dasein im Stall fristen müssen; erst im Frühling geht es wieder hinaus in die Höhe.

Wir erfuhren, dass ein paar Jungs aus der Gegend gerade einen Riesenhit in den österreichischen Charts hatten, verabschiedeten uns und rollten die Berge hinunter. Chris und Petra, Michi, Andrea und ich im Allrad, während Holger, Delta und Maxi im Fünfundachtziger Peugeot 306 saßen. Ein letzter Halt an einer Tanke und schon verließen wir die Berge, tuckerten auf die Autobahn und hörten, wie Mainz 05 gegen Dortmund verlor. Aus dem Autoradio erklangen Klassiker von Bruce Springsteen oder Fleetwood Mac und gegen Acht erreichten wir Frankfurt in der hessischen Dunkelheit. Ich verabschiedete mich von meinen Mitfahrern, bei denen ich mich ganz artig für das großartige Wochenende bedankte und marschierte noch ein paar Meter auf ebenen Straßen, bis ich mich wohlbehalten bei Pia zurück meldete. Solltet ihr irgendwann in diesem Leben mit roten Wurfteufeln konfrontiert werden, dann denkt an Beves Wochenende in den Bergen. Und an die Jungs im 40er, die den Text von Im Herzen von Europa nicht kennen geht der dezente Hinweis: Lernt singen. Wie die Buben aus dem Bregenzer Wald:



Sonntag, 28. März 2010

Heimspiel in Bochum


Auf vielfachen Wunsch und mit einem seufzenden Nagut:

Eben noch tappste der Frühling sonnig in den Tag - und jetzt regnete es. Die Badeente, die noch vor wenigen Tagen im Roten Meer gebadet hatte, hockte nun auf dem Armaturenbrett und lugte neugierig aus der Windschutzscheibe auf die Autobahn. Die Scheibenwischer schoben die Tropfen und den Schmutz beiseite und aus der Anlage perlten zunächst leise die chilligen Klänge eines alten Buddha Bar Samplers. Der silberne Golf war wieder auf Tour, Pia dabei und auch Christian und Stefan, den wir zuletzt noch in Kalbach aufgegabelt hatten. Die Nähe Ikeas ließ Pia unruhig werden, doch sie blieb standhaft.

Kaum rollten wir von der A661 auf die A5, steckten wir im ersten Stau, beginnender Berufsverkehr sowie der Ferienbeginn lockte die Autos auf die grauen Handtücher und bis Friedberg sollte es nicht besser werden, erst danach floss der Verkehr nach Plan.

Ungewohnt das grau nach all den Fahrten durch das verschneite Deutschland; weniger ungewohnt die Strecke - zuletzt schnurrten wir ja vor wenigen Wochen auf dem Weg nach Dortmund durch das Siegerland - und kehrten bekanntermaßen als Sieger zurück; da fährt es sich heutzutage doch mit ganz anderem Selbstbewusstsein.

Aus den grünen Hügel dampfte der Nebel, der Soundtrack gab uns die Melodie der Straßen von San Francisco bis kurz vor Hagen ein Stau Stillstand bedeutete - und ihr wisst: Stillstand ist Rückschritt. Vergeudete Zeit. Was will man machen, außer das beste daraus? Genau: Fluchen.

Hinter dem Westhofener Kreuz lief es dann wieder flüssig, auch der Verkehr ließ nach und in der großen Serie der tollsten Parkplatznamen findet heute der Parkplatz Johannes Erbstollen seinen Eingang in die Annalen. Der St.-Johannes-Erbstollen ist auch heute noch in Betrieb; er entwässert nach wie vor das Bergbaurevier um die Burgruine Hardenstein. Das Mundloch des Stollens befindet sich direkt unterhalb der Ruine und entwässert in die nahe gelegene Ruhr. so steht es in Wikipedia und nun auch einem Blog über die Frankfurter Eintracht, was sich der Johannes Erbstollen so sicherlich nicht gedacht hätte.

Wir aber folgten der Abfahrt Bochum und verließen die A45, um nach wenigen Kilometern über die A40 mittenmang hinein nach Bochum zu fahren. Opel grüßte freudig rechter Hand, auf einer Brücke skandierten ein paar mäßig frisierte Jugendliche ihren Berufswunsch Hooligans - was uns aber kalt ließ. Wie von Zauberhand geleitet landeten wir ohne Navi und Karte vor dem Bochumer Knast und parkten ohne Angst vor Autodiebstahl genau davor. Ein Begrüßungsschoppen als Belohnung und nach wenigen Metern ein Imbiss, der diesen Namen auch verdient. Bratwurst vom Grill, als Curry 2,10 - und fürwahr, es war eine gute Bochumer Currywurst - vielleicht sogar der Ausgangspunkt für Grönemeyers Song. Als ich zum Würstchen noch ein Bier holen wollte, steckte in meinem Geldbeutel nur ein Fünfzig Euro Schein, zuviel für die Bierbude, die nicht wechseln konnte; ich kratzte meine letzten Münzen zusammen, sortierte die Piaster aus - und tatsächlich bekam ich das Bierchen für 1,65 statt für zwei Euro; es war wie immer: wer wenig hat, verzichtet gerne mal - hart bleibt der, der im Überfluss lebt - ich war gerührt.

Einige Schritte dahinter das Ruhrstadion, dessen Flutlichtmasten in den Abendhimmel ragten. Die Häuser hinter dem Gästeeingang waren blau-weiß gestrichen, die Bratwurstbude nicht viel größer als der Verkäufer und da wir noch jede Menge Zeit hatten, umrundeten wir das Stadion einmal - in Zeiten des modernen Fußballs nahezu eine Sensation für Gästefans. Wir trafen auf Christus, der die Rollifahrer betreute während sich langsam die Dunkelheit über die Blume des Reviers senkte. Gerre und Ralf zogen ihrer Wege, und ich traf auf Ina, die noch eine Karte für mich hatte - somit stand dem Weg ins Stadion außer einem Weg nichts mehr im Weg.

Sorgfältig wurde ich abgetastet, es schienen die Nachwehen der Partie gegen Nürnberg zu wirken und schnurstracks marschierten wir unter das Dach - in Bochum immer ein guter Platz, wenn es im Block zu voll wird. Bochum ist immer eine Reise wert, vielleicht nicht, was das Ergebnis angeht, für die Eintracht gab es in den letzten Jahren wenig zu holen, aber hier handelt es sich zweifelsfrei um Fußball. Man sollte das Stadion unter Denkmalschutz stellen, um zu gewährleisten, dass bauliche Veränderung nur mit Gesetzesänderungen möglich sind; die Nähe zum Spielfeld, die Flutlichtmasten und die Soundkulisse sind einfach klasse.

Die Eintracht, ganz in Rot (zum wiederholten Male passten die Hosen farblich nicht ganz zu den Trikots) Bochum in dreckig blau-weiß. Im Vergleich zum Triumph über die Bayern nahm Ochs Hellers Platz auf Rechts ein, während Korkmaz von Beginn an spielte; Köhler war auf Spychers Position gerutscht. Dieser verhuschte prompt gemeinsam mit Russ das Leder an Hashemian, dessen flache Hereingabe von Leihgabe Holtby humorlos zur VfL-Führung versenkt wurde. Doch die Eintracht ließ sich nicht verunsichern, übernahm sogleich das Kommando und kombinierte gekonnt aus der Abwehr heraus - folgerichtig erfolgte nach einigen Chancen auch der Ausgleich. Köhler platzierte einen Freistoß gekonnt in den Fünfer - dort stieg Kollege Russ in die Luft und hinterköpfelte die Kugel zu unserer großen Freude ins Netz.

Die Kurve nutzte die Akustik des Stadion aufs Trefflichste und sang wie in guten Tagen schon vor dem Spiel bis in die Halbzeit hinein und auch darüber hinaus. Die Belohnung erfolgte nach 64 Minuten durch Caio, der bislang ein hervorragendes Spiel gemacht hatte und nun einige Meter vor dem Strafraum eine Lücke erspähte, wodurch das Bällchen stramm ins Tor sauste. Hochverdient die Führung, die bis zum Schlusspfiff anhalten sollte. Auswärtssieg. 41 Punkte. Stoff für Träume.

Was nun folgte war unbeschreiblich; kaum einer der Eintrachtfans wollte das Stadion verlassen, allezallezallezooo, allezallezallezooo, Eintracht Frankfurt allez, nur die SGE tönte es durchs enge Rund und noch als die Bochumer zum Auslaufen aufs Spielfeld zurückkehrten sangen und trommelten die Eintrachtler zum Erstaunen der unterlegenen Spieler - eine dreiviertel lang ununterbrochen, bis - ja bis tatsächlich die Mannschaft der Eintracht noch einmal frisch geduscht und geföhnt auf das Spielfeld zurückkehrte, um uns zu winken. Damit nicht genug ertönte Im Herzen von Europa durchs Stadion, gesungen aus Tausend heiseren Eintrachtkehlen - es war großartig.

Beglückt verließen wir das Ruhrstadion, tranken noch eine Cola - wiederum überforderte ich die Bedienung mit meinem Fuffi und alsbald rollte der Golf wieder auf die Autobahn. Vorbei am Parkplatz Johannes Erbstollen, vorbei an Lüdenscheid und erhobenen Hauptes ließen wir das Siegerland hinter uns und erreichten wohlbehalten Hessen und später Frankfurt. Jetzt fehlt nur noch, dass wir auch nach einem Spiel in Gelsenkirchen als Sieger durchs Siegerland fahren. Aber dies wird eine andere Geschichte.


Allezallez-allezooo

Montag, 15. Februar 2010

Maskottchenwochen


Wolfsburg, Bremen, Köln und nun Freiburg - Das vierte Heimspiel in Folge bei eisiger Kälte, dazu der Narrenumzug in Frankfurt und schon schrumpft die Zahl der Zuschauer auf 34.900 - Saisonminusrekord. Da sag mal einer, die Anzahl der Zuschauer steht und fällt mit dem sportlichen Erfolg oder gar der attraktiven Spielweise. Würde es danach gehen, wäre die Hütte nach dem grandiosen Triumph in Dortmund gegen Freiburg ausverkauft gewesen, doch: Pustekuchen. Was auch immer das ist. Ein Pustekuchen.

Doch der Reihe nach. Gegen 16:30 stampften drei warmbejackte Wanderer durch den Winterwald und achteten streng auf die Schrittfolge, der Untergrund war vereist, der Weg holprig. Einem heißen Apfelwein beim Bratwurst-Walter folgte ein flotter Einlass, bei Niels der Erwerb zweier Fan geht vor und der Gang am seit Wochen eingeschneiten Trainingsplatz entlang bis sich unsere Wege kurz trennten. Während Daddy und ich noch im Museum vorbei schneiten, wo Billy außen tapfer die Stellung hielt und Devotionalien, vorwiegend Mützen verkaufte, marschierte Pia zu einem Treffpunkt vor Block 35. Bernd und Gisela achteten am Einlass des Museums darauf, dass alles seine Richtigkeit hat während Steffen wie immer am Tresen sich den Fragen der Gäste widmete. Apropos Museum: Noch am Samstag verbrachte ich höchstselbst den Tag dort und bekam hohen Besuch im Rahmen meiner Maskottchenwochen.
Hatte ich in Dortmund noch unfreiwillig die Bekanntschaft mit Emma geschlossen, so wackelte nun Paule zu mir herein. Paule ist das DFB-Maskottchen und war im Stadion mit einem Filmdreh beschäftigt. Auf meine Frage, weshalb sich der DFB denn einen Raben als Maskottchen hielt wenn doch ein Adler das Wappentier ist, antwortete Paule - oder vielmehr der freundliche junge Mann, der darunter steckte - dass Paule sehr wohl ein Adler sei, dies aber wahrlich nicht zu erkennen ist. Ich drückte Paule eine Apfelschorle in die Hand, half ihm, sich wieder in sein Kostüm zu wickeln und fragte mich, was denn kommende Woche in Hamburg auf mich wartet. Das war am Samstag.

Am Sonntag verließen wir das Museum nach unserer kurzen Runde und marschierten auf unsere Plätze. Schwegler war entgegen der Ankündigung nicht im Kader, die Eintracht begann mit der gleichen Elf wie in Dortmund; das heißt auch mit Sebastian Jung als rechter Verteidiger. Doch bevor es los ging, wurde Mehdi Mahdavikia verabschiedet, der ja in der Winterpause die Eintracht verlassen hatte und extra zum Abschied für dieses Spiel eingeflogen war.

Völlig in die Hose ging zu meinem Entsetzen im Herzen von Europa. Irgendein Held hatte sich das Mikro der Kurve geschnappt und sinnfrei vor sich hinein gebrabbelt, der Unterrang schwenkte zwar hübsch schwarze, rote und weiße Fähnchen schien aber gesanglich mit etwas anderem beschäftigt. Dazu passte es, dass die Aufstellungsverkündung alles andere als synchron mit den Bildern auf dem Videowürfel ablief. Gibt Schlimmeres, war aber nicht schön.

Nicht schön war auch die erste Hälfte, zerfahren das Spiel. Immerhin durften wir Du-Ri Cha auf Seiten der Freiburger begrüßen, der als Rechtsaußen auftrat und einige gute Szenen hatte. Einen Freistoß des SC konnte Nikolov noch aus dem Winkel fischen, ein Schlenzer von Köhler flog knapp über das Freiburger Tor und nur wenig später segelte eine Flanke von Cha zu Nikolov, einen Ball, den dieser souverän fallen ließ, auch im Nachfassen nicht erhaschen konnte und so lautete der Spielstand nach 25 Minuten 0:1; Cissé hatte eingeschoben. Schon zuvor hatte Ralf Fährmann begonnen, sich hinter dem Tor warm zu machen; Towarttrainer Andy Menger schob ihm die Bälle zu.

Auffällig bei der Eintracht war bislang vor allem Benny Köhler, der seine klasse Leistung in der 43. Minute mit einem tollen Freistoß krönte, der zum Ausgleich an Mauer und Torwart vorbei ins Netz segelte. Sekunden später erspähte Altintop einen Rückpassversuch und donnerte das Leder frei stehend an den Außenpfosten, das wäre es gewesen. Halbzeit: 1:1.

In der Pause sahen wir: Einen Hydranten, eine Biene Maya, ein Schwein, einen Seemann mit Papagei auf der Schulter: Helau.

Nach dem Wechsel wollte so recht auch kein erwärmendes Spiel aufkommen, Höhepunkte waren die Einwechslung von Caio, der Sekunden danach von einem Freiburger 20 Meter vor dem Tor den Ball bekam, nicht lange fackelte und Pouplin zu einer Glanztat zwang. Danach befreite sich Freiburg ein wenig, ohne nennenswerte Chancen heraus zu spielen. Korkmaz kam (mit Maske) für Köhler und Caio donnerte einen Ball mit Schmackes an den Pfosten; einen Ball, den ich schon weit im Toraus gesehen hatte und der sich dann doch noch senkte, so dass ich nach dem klatschende Geräusch mit offenem Mund da stand.

Der Freiburger Keeper ließ sich nun bei Abschlägen lange Zeit, ich wünschte ihm die Pest an den Hals und die Kugel ins Netz - doch es schien (wie so oft) vergeblich. Zwei Minuten wurden als offizielle Nachspielzeit angezeigt. Der Ball landete gefährlich nah am Frankfurter Tor; Chris trat darüber. Nicht über das Tor, über den Ball, doch Franz drosch die Kugel nach vorne. Meier verlängerte per Kopf zu Altintop, der auf Pouplin zu flitzte und das Bällchen clever über diesen ins Freiburger Tor lupfte. Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa. Da war er, der Siegtreffer. 2:1 in der Nachspielzeit. Sollte die Tage die Meldung durchsickern, dass der Freiburger Keeper die Pest am Hals haben sollte, weise ich jede Schuld von mir. Das klägliche Häuflein mitgereister Freiburger Fans sackte nun vollends in sich zusammen, die Frankfurter feierten und so endete ein eiskalter Spieltag mit einem versöhnlichem Ergebnis und einem tappsigen Heimweg durch den Frankfurter Stadtwald. Blöd nur, dass ich vor lauter Aufregung vergessen habe, den Endstand auf dem Videowürfel zu fotografieren.

Zwei Punkte steht die Eintracht nun hinter den Europapokalplätzen, wer hätte dies vor der Saison gedacht? Die nächsten Spiele in Hamburg, Stuttgart und gegen Schalke werden den Weg weisen. Holt die Eintracht nichts, wäre dies kein Beinbruch - in den vergangenen Jahren normal gewesen. Punkten die Adler aber, so kann alles möglich sein, warten wir's ab. Immerhin hat die Eintracht jetzt schon mehr Punkte erspielt, als in der vergangenen Saison nach 34 Spielen, das ist doch was.

Montag, 2. November 2009

Eintracht Franzfurt - VfL Bochum 2:1


Augenhöhe.

Um mit dem PKW in ein Fußballstadion, namentlich hier in Frankfurt zu kommen, brauchst du:

Einen PKW
Einen Führerschein
Einen Fahrzeugschein
Eine TÜV-Plakette
Einen Anwohnerausweis (Home)
Eine ASU-Plakette
Eine Umweltzonenplakette
Und für den Nah-am-Stadion-Parker: Einen Parkschein.

Eine Eintrittskarte
Einen Mitgliedsausweis/Fanclubkarte
Einen Lichtbildausweis
Für den Durst eine Geldkarte "Just Pay"

sowie jede Menge Menschen, die all die Karten und Plaketten organisieren, kontrollieren und verwalten. Das heißt Fortschritt und ist gut. Oder?

Die Geldkarte für das Stadion spare ich mir; dennoch reichlich viel Bürokratie für einfache Tätigkeiten wie Autofahren oder Fußballgucken. Dazu kommt die Warterei am Eingang sowie das mal mehr oder mal weniger höfliche Abgetastet-werden. Dafür nehmen wir gerne alljährliche Preiserhöhungen in Kauf; es dient ja unserer Sicherheit. Dass es beim Spiel gegen den VfB Stuttgart vor einigen Wochen dennoch rauchte und böllerte darf dabei nicht verwundern; wer will kann jederzeit Material aller Art ins Stadion bringen - die Einlasskontrollen, die auch vor Kindern nicht halt machen, können gar nicht perfekt sein; zumal das Stadion unter der Woche geöffnet hat und jeder im weiten Rund zwischen den Bäumen was auch immer verstecken kann.

Zum Sport:


Die Eintracht begann gegen den VfL Bochum, dessen Trainer Heiko Herrlich erstmals auf der Bank saß, mit Caio, Teber und Liberopoulos an Stelle von Bajramovic, Steinhöfer und Fenin. Also wieder nichts mit Sebastian Jung. 37.500 Zuschauer sahen eine bemühte Eintracht, die sich Chancen herausspielte, die Liberopoulos knapp vergab. Schwache Bochumer versuchten zwar den ein oder anderen Nadelstich zu setzen, kamen aber nicht zwingend vor das von Nikolov gehütete Tor der Eintracht. In der 14. Minute erzielte Caio per Freistoß das 1:0, der Ball setzte kurz im Strafraum auf und zappelte im Netz. Schön.

Trotz aller optischer Überlegenheit schaffte es die Eintracht nicht, Bochum unter Druck zu setzen, zu bewegungsarm das Spiel - dennoch fiel höchst überraschend der Ausgleich; Epalle hatte viel Zeit zum Flanken, ein Bochumer verpasste und Maik Franz lenkte den Ball über Nikolov ins eigene Netz. Wenig später flimmerte über den Videowürfel eine Statistik: Torschüsse Frankfurt: 5, Torschüsse Bochum: 0. Spielstand: 1:1. Das muss erst mal einer nachmachen.

Franz konnte kaum glauben, was das Schicksal in dieser Woche mit ihm vor hatte; nach den drei Klöpsen gegen die Bayern nun der nächste; obgleich die Situation weniger dämlich als unglücklich war.

Im Verlauf der ersten Hälfte agierten Ochs und Schwegler engagiert; Spycher, Meier und Teber unglücklich und Caio - Caio hatte die nächste Chance, als er einen Ball schön annahm, aber über das Tor schluppte. Halbzeit.

In der zweiten Hälfte versuchte die Eintracht zu kombinieren; Ochs und Franz hatten über Außen viel Raum aber erst eine Ecke, von Ochs getreten, von Chris verlängert und von Franz, ausgerechnet Franz, per Kopf ins Tor befördert, brachte die verdiente Führung. Unsere Jungs freuten sich - bis Franz den davon eilenden Sestak kurz checkte und der herauslaufende Nikolov am Sechzehner dabei unsanft zu Boden ging. Fährmann machte sich bereit, aber Nikolov konnte unter dem Beifall der Fans weitermachen. Viel zu tun hatte er nicht; Bochum zeigte das graueste Grau - doch konnte die Eintracht von Glück reden, als Klimowicz aus wenigen Metern völlig frei am Tor vorbei köpfte. Meier hatte auf Seiten der Frankfurter noch eine schöne Chance, schob aber knapp am Kasten vorbei.

Ab der 80. Minute kickte der VfL zu Zehnt weiter, Ono sah binnen einer Minute zweimal die gelbe Karte und ersparte sich den Auftritt vor der Kurve nach Spielende. Relativ ungefährdet brachte die Eintracht das 2:1 über die Runden; es war kein glanzvoller aber eminent wichtiger Sieg, der durchaus hätte höher ausfallen müssen. Insgesamt vermisste ich Bewegung bei eigenem Ballbesitz; Druck und unbedingter Wille konnte man bei Ochs und Schwegler, auch bei Franz wahrnehmen; weshalb Spycher Kapitän dieser Mannschaft ist, erschließt sich mir nicht so ganz und hinzugefügt sei noch, dass unsere U23 am Tag zuvor gegen die Spvgg Weiden am Bornheimer Hang mit 5:0 gesiegt hatte. Vier Treffer erzielte Martin Hess, einer ging auf das Konto von Marcel Heller - und somit schob sich das Team von Trainer Frank Leicht nach vier Siegen aus den letzten vier Spielen und dabei erzielten 16:2 Treffern auf den vierten Platz der Regionalliga Süd. Die große Eintracht bleibt mit 16 Punkten auf Rang neun - drei Punkte hinter den ganz großen Bayern.

Ausgerechnet.

Sonntag, 30. August 2009

Gut so!?

Zunächst das Wesentliche vorab:

Tolle Bilder vom Spiel der Eintracht könnt ihr euch bei Stefan anschauen während bei Kid stets ein kühler Kopf und ein leidenschaftliches Herz für die passenden Worte sorgt. Es prickelt wieder, da hat er Recht.

Ganz und gar nicht prickelnd allerdings ist ein Torwart-Dress in den Farben des Hauptsponsors, schon gar nicht wenn es sich im Falle der sonst eher gelben Dortmunder um violett handelt und gar überhaupt nicht, wenn es Roman Weidenfeller trägt. Dies gehört bestraft.

Alleine schon deshalb hätte der erste Treffer von Ioannis Amanatidis zählen müssen. Tat er aber nicht; Schiedsrichter Florian Meyer entschied fälschlicherweise auf Abseits während Alex Meier mit der letzten Chance nur die Latte traf - was ist das nur für ein Gott, der so etwas zulässt könnte man fragen.


Was macht mein Caio wurde ja zu Beginn des Jahres gefragt. Leider nicht viel, wenn es sich um das Spiel der Eintracht handelt. Beruhigend ist nur, dass die Caio Caio Gesänge im Stadion mehr und mehr verstummen, einen augenscheinlichen Grund, gefeiert zu werden liefert unsere Nummer 30 ja nicht wirklich. Schade. Dennoch gilt: Und schon wieder ungeschlagen SGE. Und das ist gut so

Montag, 13. April 2009

Foul? Zange? Caio?



Ausschnitt aus der Bilderserie der FR vom 13.04.2009

Sonntag, 22. Februar 2009

Heimspiel in Karlsruhe - 21. Februar 2008


Gegen halb elf rollte der silberne Golf auf die Autobahn, die Scheibenwischer klackten über die Windschutzscheibe und rundum versank der Tag in einem verwaschenem Grau. Auswärtsspiel beim KSC, Orange Kaos lautete das Motto der Ultras und während Pia noch am frühen Morgen eine orangene Jacke aus dem Schrank gezaubert hatte, haderte ich mit meinen Gedanken. Auf der einen Seite ist es zwar lustig, einen Block ganz in Orange zu bestaunen, auf der anderen Seite sind unsere Vereinsfarben nun mal Rot-Schwarz-Weiß und so entschied ich mich für die Tradition und hockte ganz in Schwarz am Steuer, einen Alfred Pfaff Button am Jackenkragen. Eine ältere CD nudelte im Hintergrund ein paar oft gehörte Hits, wir schwatzten über vergangene Zeiten und schon erreichten wir die Abfahrt Karlsruhe Durlach und verließen die Autobahn rechtzeitig vor einem sich anbahnenden Stau. Unser Ziel war eine Bierwirtschaft in Laufweite zum Stadion, die wir auch prompt fanden, ebenso wie einen Parkplatz, der diesmal definitiv legal war.

Wir erwischten einen Platz im Raucherbereich inmitten freundlicher Karlsruher, bestellten zwei Krüge hauseigenen Bieres und eine warme Mahlzeit und harrten trockenen Fußes der Dinge, die da kommen würden, Mittagessen, Bier, Auswärtssieg.

Als erstes kamen jedoch Flo und Patrick und setzten sich für ein Weilchen zu uns. Flo drückte mir eine Postkarte zum zehnjährigen Jubiläum der Initiaive Stadionübernachtung in die Hand, manch einer von euch mag davon schon gehört haben, von dem Erlebnis, um das ich die Jungs stark beneide. Nach eigener Aussage die beste Nacht ihres Lebens.

Noch am Abend zuvor hatte ich das Glück mit Matze, Frauke und Pia bei uns im Stadion in der Spielerkabine sein zu dürfen, um dann durch den Spielertunnel auf den Platz zu laufen; über dir thront der haushohe Videowürfel und ganz kurz sah ich die vollbesetzte Arena, die Leute in der Kurve und auf den Tribünen, dass Stimmendurcheinander, den roar. Allerdings hatten wir uns nicht dorthin geschlichen; wir werden demnächst im Rahmen des Eintracht-Museums kleine Führungen in das Stadioninnere anbieten und schauten uns die Laufwege an. - Apropos Laufwege, das wäre dochmal eine Idee fürs Training. - Ich hatte sogar ganz kurz die Dusche angedreht; wenn ihr wollt kann ich euch demnächst kleine Fläschchen abfüllen und als Eintracht-Wasser verkaufen á la das Wasser, mit dem Amanatidis duscht. Dies wird bestimmt ein Renner. Aber wieviel geiler muss es sein, sich klammheimlich ins Stadion zu schleichen und ganz subversiv den 100. Geburtstag der Eintracht zu feiern, um am nächsten Morgen nach dem Aufwachen auf die Kurve zu schauen. Großartig.

Matze und Öri schneiten auch noch vorbei, die Bedienung übersah großzügig die Dose Becks und unser Herr Traditionalist hatte sich zwar dem orange verweigert - unsere Farben sind rot-schwarz-weiß, scheute sich aber nicht, stolz seinen schwarz-weißen Balkenschal eines Sponsoren zu präsentieren. Statt Adler prangte das Herstellerlogo, na super.

Über uns baumelten ein paar karnevaleske Luftballons, der Laden war mittlerweile rammelvoll und begann sich gegen halbdrei zügig zu leeren. Auch wir beglichen die Rechnung und marschierten an Polizei und blau-weißen Karlsruhern vorbei Richtung Wildpark. Vollgepfropfte Busse schoben sich an uns vorbei, orangegewandtete Fans patschten wie immer an die Scheiben und ich traf auf Alex, der mir erzählte, dass in Frankfurt eine leere Bierbüchse aus dem Zug auf den Bahnsteig gepurzelt sei und der Übeltäter zunächst zu 25 Euro Strafe verdonnert wurde, so weit so gut. Als dann kurze Zeit später der arme Kerl aus dem Zug geholt wurde, drohte ihm Ärgeres - und einige Leute fuhren schon leicht geladen los. Wie so häufig fehlte es auch hier scheinbar am rechten Maß.

Wir passierten die kleine Polizeisperre, welche Karlsruher davon abhalten sollte, dem Gästeeingang einen Besuch abzustatten und marschierten Richtung Eingang. Schwarz-orangene Menschentrauben klebten vor den eisernen Gittern, dahinter eine Reihe Ordner, dahinter eine weitere Reihe Ordner und am Blockaufgang die nächste Reihe Ordner. Es dauerte ein Weilchen, bis mir der erste Ordner meine Karte entwertete und mich zu einem nächstem schob, der mich von Kopf bis Fuß abtastete und mich an einen weiterem Ordner verwies, der mich ebenso durchsuchte. Als ich Pia suchte, endeckte ich sie inmitten einer Debatte mit einer weiteren Ordnerin, die ihr den Einlass mit ihrer orangenen Tasche verweigerte. Dabei wurde in den vorab veröffentlichen Faninfos explizit erwähnt, dass Taschen und Rucksäcke (ohne gefährliche Wurfgegenstände) ins Stadion mitgenommen werden dürfen. Mit diesem Wissen rüsteten sich die Fans entsprechend aus und verließen sich auf die Informationen. Die Ordnerin zickte ein Weilchen rum und schickte Pia zur Taschenabgabe, was diese sich völlig zu Recht nicht gefallen lassen wollte, das gleiche Schicksal sollte nur wenig später Kine ereilen, woraufhin ich versuchte, unsere Fanbetreuung zu erreichen, was leider nicht gelang. Sicherlich sind zwei Leute für ein Spiel beim KSC auch ein bisserl wenig. Pia schluppte derweil an der Abagbe mit Tasche vorbei, während ich auf der Suche nach jemanden war, der uns in der Angelegenheit weiterhelfen konnte. In der Zwischenzeit kam die Ordnerin wieder auf Pia zugeflitzt und begann zu drohen, während sie ihre Ohren in puncto Faninfo auf Durchzug stellte. Sie grapschte Pia an und wollte sie zu irgendeiner Einsatzleitung schicken, was für uns schon gar in Frage kam; wenn sich in dem Falle jemand bewegt, dann sicherlich nicht wir. Inzwischen kamen Jasmin und Stefan von der Eintracht vorbei und damit Bewegung in die Sache. Stefan hatte ein Kopie der Info dabei und hielt sie dem irritiertem Einsatzleiter unter die Nase, der schlicht meinte, die Info sei falsch. Die Ordnerin quakte dazwischen und hetzte ein bisschen gegen mich, der ihr bloß klar machen wollte, dass hier die Dinge so zu laufen haben, wie wir uns das vorstellen und nicht wie Leute, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Der Einsatzleiter wühlte in Pias Tasche rum und fischte triumphierend ein Deo-Röllerchen hervor, das zuvor schon in Frankfurt, Berlin, Gladbach oder Dortmund Fußball gucken durfte aber nicht in Karlsruhe und wollte uns grad mit einem debilem Siegesgrinsen zur Taschenabgabe schicken, als der Roller kurzerhand in den Müll flog und sich somit keine weiteren gefährlichen Gegenstände in Pias Tasche befanden und wir dann endlich Richtung Block latschen durften. Die Ordnerin war derweil schon längst von ihrem Chef fortgeschickt worden. Bevor es in den Block ging, wühlte wieder jemand in der Tasche rum, während wir erneut abgetastet wurden und uns nach einer gefühlten Ewigkeit endlich einen Platz im gut gefüllten Block suchen durften.

Die Eintracht, überraschenderweise nicht in orange, sondern klassisch in rot-schwarz, begann mit Inamoto an Stelle Meiers und Mahdavikia für Steinhöfer, der KSC versemmelte Chance auf Chance und mir offenbarte sich, dass wir dieses Spiel mit 1:0 gewinnen werden. Es ist gibt solche Momente; manchmal weiß ich was passiert; ich wusste, dass wir in Cottbus nach einem 0:2 das Spiel noch gewinnen werden und ich wusste, dass wir hier mit 1:0 gewinnen würden. Leider sind solche Momente recht selten, meistens glaube oder hoffe ich und dann kommt es doch anders.


Unsere Jungs würgten auf dem Platz in gewohnter Manier rum, die Kurve hüpfte und sang vor sich hin und in mir breitete sich beim Stande von 0:0 eine selten gekannte innere Ruhe aus. Vor dem Kinderblock der Karlsruher wackelte eines jener dämlichen Plüschtiermaskottchen auf und ab, die kaum jemand haben will und die dennoch auf Grund der Weltverschwörung von Plüschtiermaskottchen in vielen Stadien zuhause sind, während die Supporter auf der anderen Seite ein bisschen Remmidemmi machten. Flutlicht gleißte aus stählernen Masten auf uns herab, die Anzeigentafel verkündete Bundesligatore und so blubberte die erste Hälfte grau wie das Wetter vor sich hin. Ein aufblasbarer Riesenpenis, der im Block herum schwebte, war neben Prölls Glanzparade in der siebten Minute der Hingucker der Partie.

Zur Halbzeit wanderten wir zu Christian und Stefan, quatschten über den Tag und hofften, dass es in der zweiten Hälfte besser wird, dass wir gewinnen, wusste ich ja. Vor uns standen ein paar der Sossenheimer und sahen wie wir den Anpfiff zur zweiten Hälfte. Besser gesagt dachten wir dies. Denn bevor es losging, ging etwas ganz anderes los. Schwerer Rauch stieg aus unserem Block auf und dann pfiffen Raketen in die Luft und trudelten glühend aufs Spielfeld, eine davon sauste in unmittelbarer Nähe eines Karlsruher Spielers hernieder, es dampfte und blitzte, dass Schiedsrichter Weiner gar nichts anderes übrig blieb, als den Anpfiff ein paar Minuten zu verzögern. Unser derzeitiger Kapitän, Markus Pröll, wurde in die Kurve geschickt, um den Mob zu beruhigen, Fotografen eilten herbei, wollten auf die Auslöser drücken und einer von ihnen verlor dabei die Nerven. Er zeigte der Kurve den Mittelfinger, wurde bespuckt und spuckte sogar zurück. Und das geht nun mal gar nicht. Zum einen lebt ein Fotograf von seinen Bildern und wenn er meint, er müsste Fans fotografieren, die das so nicht wollen, dann hat er sich schlicht und ergreifend zurückzuhalten. Fans aber zu provozieren, um dann im Zweifel genau die Bilder zu bekommen, die vermeintlich Bände sprechen, ist unwürdig, nahezu skandalös.

Zurück zum Feuerwerk, das zum einen eine Trotzreaktion auf die verschärften Bedingungen in KA war und zum anderen die Eintracht eine schöne Stange Geld kosten wird, Geld, das im Zweifel für andere Zwecke besser eingesetzt wäre; für Choreos beispielsweise. Wer Raketen aufs Spielfeld schießt, nimmt Verletzungen billigend in Kauf - dies ist weder neu noch überraschend und ich finde es schade, dass die Kurve nicht in der Lage war, dies zu unterbinden. Rauch gehört in KA wohl dazu, und wie im letzten Jahr, hätte ich dies nicht sonderlich dramatisch gefunden, obgleich auch dadurch die Eintracht bestraft wird.

Wer jedoch glaubt, dass weitere Restriktionen dem Einhalt gebieten könnten, ist aus meiner Sicht der Dinge schief gewickelt. Weitere Verbote führen zu weiteren Trotzreaktionen und ebnen den Weg zur Eskalation. Wer weiß, dass er dreimal kontrolliert wird, für den ist doch das Schmuggeln von Pyro eine sportliche Herausforderung - wer aber freundlich und respektvoll empfangen wird, der wird sich meist ebenso verhalten. Generell aber ist das Unkontrollierbare eben unkontrollierbar - und damit müssen wir uns abfinden; durch massive Verbote, Kontrollen und Einschränkungen jedoch werden die Leute in die Unkontrollierbarkeit getrieben, die eigentlich die Regeln akzeptieren. Nur müssen diese Regeln eben auch zum Teil dem Lebensgefühl der meist Jugendlichen entsprechen.

Die Karlsruher fanden uns doof, wir wussten, dass die Eltern der Karlsruher zum VFB gehen und vor allem, dass Caio ab der 45.Minute für Petkovic ins Spiel kam und Benny Köhler fortan als linker Verteidiger fungierte. In der 53. Minute war es dann soweit. Liberopoulos leitete mit einem No-look-Pass den Ball zu Ochs, dessen Hereingabe Caio mit einem Kunstschuss zum 1:0 für die Eintracht verwandelte. Es lief also alles nach Plan; wir lagen uns in den Armen, grinsten breit, brüllten Eintracht und mussten fortan abwarten, bis der Schiedsrichter abpfeift. Zumindest sah ich dies so, die Damen und Herren um mich herum zeigten sich sichtlich nervöser und nagten an den Fingernägeln. Ochs mit seiner Handmanschette rackerte sich ab und der KSC war nicht in der Lage, den durchaus verdienten Ausgleich zu erzielen.

Hochgradig trübsinnig war es dann, dass bei der Einwechslung von Alex Meier Minuten vor Schluss bei einer 1:0 Führung einzelne Fans Meier, du Wichser riefen. Meier, der sich nichts anderes zu Schulden hat kommen lassen, als nach langer Verletzungspause noch nicht in der Verfassung zu sein, die er im Trikot der Eintracht schon gezeigt hat. Manchmal kotzt mich die asoziale Schlichtheit der Leute einfach nur an. Das tat ich dann auch kund um nur wenig später bei Abpfiff souverän die Hände zu erheben und die Mannschaft mit Beifall zu verabschieden. Dreckig war er, der Sieg. Eigentlich unverdient. Aber uns. Auswärtssieg. Geilgeilgeil.

Wir verabschiedeten uns von Christian und Stefan und verabredeten uns mit Mustafa und Susanne in der Kneipe, in der wir auch vor dem Spiel schon waren. Mustafa ist ein lustiger Geselle, den ich vor Jahren bei einem Dreh in Stuttgart kennen gelernt hatte; er wohnt in Karlsruhe und sympathisiert eher mit den Freiburgern, was ihn jedoch nicht davon abhält, von Zeit zu Zeit in den Wildpark zu pilgern. Beide trafen wir dann unter der Fußgängerbrücke und wir marschierten gemeinsam in Richtung City. Wir stießen wieder auf Matze, der uns verklickerte, dass er die Einlasskontrollen im Stadion überwunden hatte, um dann tatsächlich zurück in die Kneipe zu wandern, um in aller Ruhe ein Bier zu trinken und Mittag zu essen. Pünktlich zum Abpfiff war er dann wieder am Stadion. Sachen gibt's.

Mustafa erzählte uns, wie er vor einger Zeit in Istanbul bei Fenerbahce im Block stand, als Istanbul gegen Ankara kickte. Als Trapzonspor-Anhänger ein mutiges Unterfangen. Ein leises Ksst des Capos reichte aus, um den nichtsupportenden Gast daran zu erinnern, dass im Block ausschließlich der Support mit Herz zählt. Man stelle sich vor, ein Ksst im vollbesetzten Stadion dringt aus einiger Entfernung wie ein Pfeil an das Ohr, das es treffen soll; alle wissen, wer gemeint ist - da geht noch was in unserer Kurve.

Als wir in der Kneipe ankamen waren die Ulis inklusive Peter schon am Bechern. Im Fernsehen lief die Sportschau, die Kellnerin bahnte sich rau aber herzlich mit zig Bierkrügen in den Händen den Weg durch jede Menge Fußballfans beider Teams. Ab und an erklangen ein paar Sprechchöre durch den Raum, wobei die meisten Karlsruher eher bedröppelt dreinschauten und wir hockten und schwatzten, bis die Deckel voll waren. Es folgte der Abschied von Mustafa und Susanne, ein kleiner Zwischenstopp an der Tanke und schon ging's wieder zurück in Richtung Heimat. Ein letzter Abstecher ins Backstage, kleiner Schwatz mit Charly und Rainer und nach einem finalen Äbbelwoi eierten Pia und ich nach Hause. Irgendwas murmelte ich noch vor dem Einschlafen, es hörte sich an, wie Hoffenheim sind doch die Silikonbrüste des deutschen Fußballs und schon war ich nicht mehr in dieser Welt.

Ein Wermutstropfen ergab sich am nächsten Morgen, als wir feststellten, dass die Windschutzscheibe des Golfs ein Loch aufwies; irgendjemand musste entweder in KA oder aber über Nacht im Nordend mit einem harten Gegenstand darauf geschlagen haben. Ärgerlich fürwahr; wir werden wohl nie erfahren, wie es zustande kam. Was soll's, oins geht noch ...





Sämtliche Fotos sind von Pia und mir.