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Sonntag, 28. März 2010

Heimspiel in Bochum


Auf vielfachen Wunsch und mit einem seufzenden Nagut:

Eben noch tappste der Frühling sonnig in den Tag - und jetzt regnete es. Die Badeente, die noch vor wenigen Tagen im Roten Meer gebadet hatte, hockte nun auf dem Armaturenbrett und lugte neugierig aus der Windschutzscheibe auf die Autobahn. Die Scheibenwischer schoben die Tropfen und den Schmutz beiseite und aus der Anlage perlten zunächst leise die chilligen Klänge eines alten Buddha Bar Samplers. Der silberne Golf war wieder auf Tour, Pia dabei und auch Christian und Stefan, den wir zuletzt noch in Kalbach aufgegabelt hatten. Die Nähe Ikeas ließ Pia unruhig werden, doch sie blieb standhaft.

Kaum rollten wir von der A661 auf die A5, steckten wir im ersten Stau, beginnender Berufsverkehr sowie der Ferienbeginn lockte die Autos auf die grauen Handtücher und bis Friedberg sollte es nicht besser werden, erst danach floss der Verkehr nach Plan.

Ungewohnt das grau nach all den Fahrten durch das verschneite Deutschland; weniger ungewohnt die Strecke - zuletzt schnurrten wir ja vor wenigen Wochen auf dem Weg nach Dortmund durch das Siegerland - und kehrten bekanntermaßen als Sieger zurück; da fährt es sich heutzutage doch mit ganz anderem Selbstbewusstsein.

Aus den grünen Hügel dampfte der Nebel, der Soundtrack gab uns die Melodie der Straßen von San Francisco bis kurz vor Hagen ein Stau Stillstand bedeutete - und ihr wisst: Stillstand ist Rückschritt. Vergeudete Zeit. Was will man machen, außer das beste daraus? Genau: Fluchen.

Hinter dem Westhofener Kreuz lief es dann wieder flüssig, auch der Verkehr ließ nach und in der großen Serie der tollsten Parkplatznamen findet heute der Parkplatz Johannes Erbstollen seinen Eingang in die Annalen. Der St.-Johannes-Erbstollen ist auch heute noch in Betrieb; er entwässert nach wie vor das Bergbaurevier um die Burgruine Hardenstein. Das Mundloch des Stollens befindet sich direkt unterhalb der Ruine und entwässert in die nahe gelegene Ruhr. so steht es in Wikipedia und nun auch einem Blog über die Frankfurter Eintracht, was sich der Johannes Erbstollen so sicherlich nicht gedacht hätte.

Wir aber folgten der Abfahrt Bochum und verließen die A45, um nach wenigen Kilometern über die A40 mittenmang hinein nach Bochum zu fahren. Opel grüßte freudig rechter Hand, auf einer Brücke skandierten ein paar mäßig frisierte Jugendliche ihren Berufswunsch Hooligans - was uns aber kalt ließ. Wie von Zauberhand geleitet landeten wir ohne Navi und Karte vor dem Bochumer Knast und parkten ohne Angst vor Autodiebstahl genau davor. Ein Begrüßungsschoppen als Belohnung und nach wenigen Metern ein Imbiss, der diesen Namen auch verdient. Bratwurst vom Grill, als Curry 2,10 - und fürwahr, es war eine gute Bochumer Currywurst - vielleicht sogar der Ausgangspunkt für Grönemeyers Song. Als ich zum Würstchen noch ein Bier holen wollte, steckte in meinem Geldbeutel nur ein Fünfzig Euro Schein, zuviel für die Bierbude, die nicht wechseln konnte; ich kratzte meine letzten Münzen zusammen, sortierte die Piaster aus - und tatsächlich bekam ich das Bierchen für 1,65 statt für zwei Euro; es war wie immer: wer wenig hat, verzichtet gerne mal - hart bleibt der, der im Überfluss lebt - ich war gerührt.

Einige Schritte dahinter das Ruhrstadion, dessen Flutlichtmasten in den Abendhimmel ragten. Die Häuser hinter dem Gästeeingang waren blau-weiß gestrichen, die Bratwurstbude nicht viel größer als der Verkäufer und da wir noch jede Menge Zeit hatten, umrundeten wir das Stadion einmal - in Zeiten des modernen Fußballs nahezu eine Sensation für Gästefans. Wir trafen auf Christus, der die Rollifahrer betreute während sich langsam die Dunkelheit über die Blume des Reviers senkte. Gerre und Ralf zogen ihrer Wege, und ich traf auf Ina, die noch eine Karte für mich hatte - somit stand dem Weg ins Stadion außer einem Weg nichts mehr im Weg.

Sorgfältig wurde ich abgetastet, es schienen die Nachwehen der Partie gegen Nürnberg zu wirken und schnurstracks marschierten wir unter das Dach - in Bochum immer ein guter Platz, wenn es im Block zu voll wird. Bochum ist immer eine Reise wert, vielleicht nicht, was das Ergebnis angeht, für die Eintracht gab es in den letzten Jahren wenig zu holen, aber hier handelt es sich zweifelsfrei um Fußball. Man sollte das Stadion unter Denkmalschutz stellen, um zu gewährleisten, dass bauliche Veränderung nur mit Gesetzesänderungen möglich sind; die Nähe zum Spielfeld, die Flutlichtmasten und die Soundkulisse sind einfach klasse.

Die Eintracht, ganz in Rot (zum wiederholten Male passten die Hosen farblich nicht ganz zu den Trikots) Bochum in dreckig blau-weiß. Im Vergleich zum Triumph über die Bayern nahm Ochs Hellers Platz auf Rechts ein, während Korkmaz von Beginn an spielte; Köhler war auf Spychers Position gerutscht. Dieser verhuschte prompt gemeinsam mit Russ das Leder an Hashemian, dessen flache Hereingabe von Leihgabe Holtby humorlos zur VfL-Führung versenkt wurde. Doch die Eintracht ließ sich nicht verunsichern, übernahm sogleich das Kommando und kombinierte gekonnt aus der Abwehr heraus - folgerichtig erfolgte nach einigen Chancen auch der Ausgleich. Köhler platzierte einen Freistoß gekonnt in den Fünfer - dort stieg Kollege Russ in die Luft und hinterköpfelte die Kugel zu unserer großen Freude ins Netz.

Die Kurve nutzte die Akustik des Stadion aufs Trefflichste und sang wie in guten Tagen schon vor dem Spiel bis in die Halbzeit hinein und auch darüber hinaus. Die Belohnung erfolgte nach 64 Minuten durch Caio, der bislang ein hervorragendes Spiel gemacht hatte und nun einige Meter vor dem Strafraum eine Lücke erspähte, wodurch das Bällchen stramm ins Tor sauste. Hochverdient die Führung, die bis zum Schlusspfiff anhalten sollte. Auswärtssieg. 41 Punkte. Stoff für Träume.

Was nun folgte war unbeschreiblich; kaum einer der Eintrachtfans wollte das Stadion verlassen, allezallezallezooo, allezallezallezooo, Eintracht Frankfurt allez, nur die SGE tönte es durchs enge Rund und noch als die Bochumer zum Auslaufen aufs Spielfeld zurückkehrten sangen und trommelten die Eintrachtler zum Erstaunen der unterlegenen Spieler - eine dreiviertel lang ununterbrochen, bis - ja bis tatsächlich die Mannschaft der Eintracht noch einmal frisch geduscht und geföhnt auf das Spielfeld zurückkehrte, um uns zu winken. Damit nicht genug ertönte Im Herzen von Europa durchs Stadion, gesungen aus Tausend heiseren Eintrachtkehlen - es war großartig.

Beglückt verließen wir das Ruhrstadion, tranken noch eine Cola - wiederum überforderte ich die Bedienung mit meinem Fuffi und alsbald rollte der Golf wieder auf die Autobahn. Vorbei am Parkplatz Johannes Erbstollen, vorbei an Lüdenscheid und erhobenen Hauptes ließen wir das Siegerland hinter uns und erreichten wohlbehalten Hessen und später Frankfurt. Jetzt fehlt nur noch, dass wir auch nach einem Spiel in Gelsenkirchen als Sieger durchs Siegerland fahren. Aber dies wird eine andere Geschichte.


Allezallez-allezooo

Sonntag, 31. Januar 2010

Sick of it all


Als nachts in eisiger Kälte die Seitenscheibe der Fahrerseite des silbernen Golfs mit einem knackenden Geräusch aus der Halterung sauste und in die Tür fiel; wir also bei offenem Fenster über das Glatteis schlingerten und ich wenige Minuten später hinter dem Haus das offene Fenster verklebte, da entfuhren mir zum gefühlt fünfzigsten Mal die Worte: Ach Scheiße.

Dabei fing alles eigentlich ganz gut an; schon gegen 13:00 parkten wir an der Louisa, wanderten durch den verschneiten Stadtwald, gegen 13:30 öffnete das Museum seine Pforten und wir hatten ein bisschen was zu tun. Der Weg durch den Winterwald bot poetische Bilder, prosaisch wurde es erst, als wir in die Zivilisation zurück kehrten und über kaum geräumte Wege parallel zur Straßenbahn zum Haupteingang marschierten. Einige Wenige standen schon beim Bratwurst-Walter, andere hielten Tickets zum Verkauf in die Höhe - der Einlass aber war kurz und schmerzlos.

Neulich hatte ich ja ein kleines Rätsel veröffentlicht; ihr solltet anhand gemalter Beine und Schuhe Eintracht-Spieler erraten. Im Verlauf des Postings wünschte sich Schnellinger die obere Hälfte des Bildes; dies hole ich hiermit nach, obgleich - um der Wahrheit die Hand zu reichen - es in Wirklichkeit zwei Bilder sind.

Who is who?

Zu schwer, ich weiß.

Ich nestelte mir noch ein Christoph-Preuß-Button an meine Winterjacke, als mich mein Vater im Museum abholte und wir in Richtung unserer Plätze dackelten. Wir wussten schon, dass unser Neuzugang Halil Altıntop von Beginn an spielte; was dies aber insgesamt zu bedeuten hatte, wurde uns erst im Verlauf der Partie klar. Kurz darauf kam auch Pia, die noch einige Museums-Flyer verteilt hatte. Laune: gut.

Mitgedacht hatte die Eintracht; Christoph Preuß, der unter der Woche seinen bewegenden Abschied vom Profi-Fußball verkündet hatte, bedankte sich unter prasselndem Applaus für all die Jahre und Unterstützung und verkündete die Manschaftsaufstellung per Mikrofon; Wir sind alle Frankfurter Jungs schallte es von den Rängen, die mit insgesamt 45.100 Zuschauer wiederum relativ schwach besetzt waren.

Los gings, die Eintracht gegen den 1.FC Köln, ein Klassiker mit unvorhersehbarem Ausgang. Nicht dabei waren verletzungsbedingt: Amanatidis, Bajramovic, Fenin, Schwegler, Vasoski und natürlich auch Preuß, während auf Kölner Seite Podolski fehlte. Vasoski gegen Podolski, das war ein Duell, erinnert ihr euch? Hier zum Beispiel oder auch hier. Sebastian Jung war wieder auf die Bank gerutscht; Franz nahm dessen Position in der rechten Verteidigung ein, Chris rückte nach Gelbsperre wieder nach innen und Teber versuchte sich auf Schweglers Position.

Von Zeit zu Zeit segelten sich lösende Schneeschichten vom Dach aufs Spielfeld; der Videowürfel verkündete ein Gladbacher Tor nach dem anderen gegen Bremen und urplötzlich zeigte die eingeblendete Tabelle eine Eintracht auf dem sechsten Platz. Europapokal hallte es kurz darauf durch Stadion; nicht sonderlich ernst gemeint; von uns - aber auch von den Akteuren, die nichts dafür taten, uns zu erwärmen. Eine Chance von Ochs, ein Kopfball von Russ - das war's in einer lahmen ersten Halbzeit. Meier, Liberopoulos und Altıntop teilten sich eine Position und wussten nicht so recht wohin mit sich und der Welt.

Halbzeit. Seitenwechsel.

Nikolov zeichnete sich während des gesamten Spiels durch mindestens drei beherzte Sprints außerhalb des Strafraumes aus - und klärte vor den heraneilenden Kölnern in ungewohnter Manier. Machtlos aber war er in der 59. Minute, als Maniche von Freis schön freigespielt die Kugel im Eintrachtherz versenkte. Skibbe reagierte, brachte Korkmaz für Köhler - und nur wenig später wälzte sich Korkmaz auf dem Boden; Neu-Kölner Tosic hatte ihm eine mitgegeben und es sah zunächst schwer danach aus, dass der Einsatz von Üüüüüüüümit nach wenigen Minuten schon wieder ein Ende gefunden hatte. Korkmaz aber biss sich durch. Das bittere Ende kam nach Abpfiff: Jochbeinbruch - eine erneute längere Pause wird folgen. Hatte schon letzte Woche der Nürnberger Andreas Wolf Pirmin Schwegler schwer verletzt, so war nun der nächste Ausfall zu beklagen. Sowohl Wolf als auch Tosic waren mit Gelb mehr als gut bedient.

Schwer flockte nun der Schnee durchs Flutlicht ins Stadion, endlich kam Farbe ins Spiel: Ein orangener Flutlichtball. Dann kam Caio für Liberopoulos und Bewegung in die Partie; die Eintracht erinnerte sich an Fußball, Meier und Teber scheiterten aus der Distanz an Mondragon, und holte sich dann doch den Ausgleich; im dritten Anlauf drosch Chris die Kugel resolut ins Netz, zuvor hatten Mondragon und ein Kölner noch die Versuche der Frankfurter abwehren können. Jawoll. Verdient. Endlich. High Five. Jawoll.

Altıntop hatte kurz darauf die Führung auf dem Schlappen, rutschte weg und sie war dahin; die Gelegenheit.

84. Spielminute; Stadiondurchsage. Zwei zu Eins für den 1. FC Köln durch ein Eigentor. Dass es Russ gewesen ist, zeigten uns erst die Bilder der Sportschau; dass es aber ein Treffer war, dem selbst einem Stürmer aus dieser Position aufs gegnerische Tor höchst selten gelingt, war schon im Stadion sichtbar. Flugkopfball, schräg, aus geschätzten zwölf Metern.

Scheißescheißescheißescheiße.

Die letzten Minuten, sie gingen sinnlos dahin, auch der erste Bundesligaeinsatz von Marcos Alvarez brachte nicht viel; Schlusspfiff; Abmarsch. Ausgerechnet gegen die Scheiß-Kölner murmelte ich vor mich hin; unterbrochen von einem seufzenden ach Scheiße.

Die Läuferin am Stadioneingang betrachtete leichtbekleidet und verschneit unseren Abgang, wir rutschten übers Eis durch den Wald zurück zu den Autos, die letzten Weihnachtsplätzchen wurden ausgetauscht; die Scheiben gekratzt und so schlingerte ein Golf Richtung Nordend und ein Mitsubishi nach Dietzenbach.

Nach einem Tee und der Sportschau ging's rüber nach Offenbach, die Dropkick Murphys gaben sich die Ehre, zuvor performten Sick of it all. Jede Menge Eintrachtler waren anwesend, ob sie die nachmittäglichen 90 Minuten vergessen konnten ist nur zum Teil überliefert; das Konzert jedoch war um Längen besser als der Kick.

Naja, dann sauste die Scheibe runter; das war's. Sick of it all.




Dank Stefan habe ich im Header einen neuen Adler. Legal. Danke.

Sonntag, 17. Januar 2010

Gut so!


Spiele gegen Werder Bremen sind immer eine Art Wundertüte; man weiß nie, was dabei herauskommt. Schon in der ersten Bundesligasaison 1963/64 fing sich die Eintracht in Bremen ein 1:4, um im heimischen Waldstadion mit einem 7:0 zurück zu schlagen. 1976/77 erzielte die Eintracht erneut sieben Treffer, 7:1 lautete damals der Endstand. Noch torreicher ging es 1981 zu; mit 9:2 fegte die Eintracht Werder vom Platz - und dies, obgleich die Bremer mit 1:0 in Führung gingen. Otto Rehagel muss getobt haben.

Aber selbst in jüngerer Vergangenheit ging es hoch her; 2006/07 ging die Eintracht im Waldstadion mit 2:6 unter, um durch ein überraschendes 2:1 in Bremen sowohl den vorzeitigen Klassenerhalt zu sichern, als auch Bremen die Meisterschaft zu verderben. In der Saison danach lieferten sich Kyrgiakos und Diego ein heißes Duell. Stand up and fuck you. Diego sah rot, die Eintracht gewann 1:0.

Letzte Saison lief aus Frankfurter Sicht besonders bitter, gleich zwei Mal verlor die Eintracht mit 0:5. Dafür verdarben die Hessen den Saisonaufakt Bremens in diesem Jahr gründlich, gleich im ersten Saisonspiel besiegte die Eintracht den haushohen Favoriten im Weserstadion mit 3:2; für die Treffer sorgten Amanatidis und Fenin. Dies sollte bis zum 16. Spieltag Werders einzige Niederlage bleiben.

Und nun das: Zum ersten Mal seit der Saison 1989/90 besiegte die Eintracht Werder sowohl im Hin- als auch im Rückspiel. Ein Treffer von Marco Russ in der 57. Minute reichte aus, um die Eintracht als Sieger vom Platz gehen zu lassen. Ein bemerkenswerter Sieg. Nicht nur weil unsere Bremer Freunde Ingo und Enno zu Gast waren.

Zum einen war das Stadion bei Weitem nicht ausverkauft, 45.600 Zuschauer zum Rückrundenauftakt - das sind zwar eine Menge, dennoch blieben 5.000 Plätze unbesetzt. Zum anderen bot das Spiel zwar keine überragenden spielerischen Leistungen, die Eintracht aber kämpfte und ließ in der ersten Hälfte nur eine einzige nennenswerte Bremer Torgelegenheit zu, die Nikolov gegen Hunt glänzend vereitelte. Marin versuchte sich anschließend nach Franz' Grätsche im Strafraum im Einfädeln - und Schiri Weiner ließ weiter spielen. Recht so. Zuvor war Ochs nach feinem Zusammenspiel mit Köhler an Bremens Torhüter Wiese gescheitert.

Werder spielte druckvoller, stand näher am Mann, die Eintracht agierte im Rahmen ihrer Möglichkeiten und hatte das Glück des Tüchtigen. Kälte auf den Rängen, wenig Feuer im Spiel.

Die zweite Hälfte brachte Fußball, mehr und mehr rackerte und kombinierte sich die Eintracht ins Spiel und wurde in der 57. Minute belohnt. Ein Missverständnis in der Bremer Abwehr nutzte ein Frankfurter und sprintete dazwischen, der Ball kam über Ochs zu Schwegler, dessen Hereingabe verlängerte Chris zu Russ, der ala Meier aus kurzer Distanz einschob. Wir lagen uns in den Armen, während Werder-Trainer Schaaf nun alles auf die Offensive setzte, Pizarro und Almeida kamen ins Spiel - und Pizarro sorgte kurz nach seiner Einwechslung für eine Schrecksekunde. Chris hatte versucht, den Ball mit der Brust zu Nikolov zu schnippen, Pizarro ging dazwischen und traf Nikolov unglücklich am Knie. Nach kurzer Behandlung konnte dieser jedoch weiter spielen. Bremen drückte und die Eintracht lauerte auf Konter. Bemerkenswert eine Szene, als Meier über das halbe Feld in die gegenerische Hälfte sprintete und sich einen schon verloren geglaubten Ball eroberte; bemerkenswert ein Solo von Benny Köhler, der ebenfalls mit Ball über den halben Platz marschierte und ihn partout nicht hergeben wollte, zumindest solange nicht, bis er einen Freistoß und die Eintracht wertvolle Sekunden erhielt, bemerkenswert ein Schuss von Teber aus annähernd 30 Metern, der, abgefälscht, knapp über die Latte strich, und bemerkenswert das fahrlässige Vertändeln einiger guter Möglichkeiten auf Bremer Seite. Schon in der Nachspielzeit kam Caio für Köhler und in der letzten Minute Preuß für Liberopoulos; es war das erste Mal seit Oktober 2007, dass Christoph den heiligen Rasen des Waldstadions im Rahmen eines Bundesligaspiels betrat; die Kurve feierte ihn mit Sprechchören, das Spiel war aus. Sieg!

Es war aus drei Gründen ein eminent wichtiger Sieg. Punkt eins: Jeder Eintracht Sieg ist wichtig.

Punkt zwei: Der Möglichkeit eines drohenden Absturzes im Falle dreier Auftaktniederlagen wurde schon im ersten Spiel ein Riegel vorgeschoben; der Klassenerhalt ist zwar noch nicht sicher - aber die Eintracht wird stark genug sein, die dafür notwendigen Punkte zu holen. Alles Weitere wird sich zeigen.

Punkt drei: Der Sieg sorgt zunächst für Ruhe im Umfeld - und schützt vor allem Heribert Bruchhagen; bei einem Fehlstart in die Rückrunde hätte sich anhand der Vorzeichen aller Wahrscheinlichkeit nach der Unmut etlicher Fans auf ihn fokussiert. Erneut zeigten die Ultras ein Banner zugunsten des Trainers in die Höhe: Ultras pro Skibbe. Unverdächtig gesprochen ist ein Bekenntnis zum Trainer nicht verkehrt, alleine die Debatten der letzten Wochen zeigen, dass die gedachte Ergänzung: Contra Bruchhagen lautet; eine Haltung, mit der sie nicht alleine da stehen; schon nach den Rücktritts-Äußerungen Skibbes während des Trainingslagers in Belek offenbarten sich etliche Fans, die den Mann, der die Eintracht an führender Position in den letzten Jahren konsolidiert hat und der wie kein zweiter Vorstand der Liga sich gegen die Errungenschaften des modernen Fußballs stellt und auch vehement für die Beibehaltung der 50+1 Regel argumentiert, am liebsten in die Wüste gejagt hätten. Weil er vermeintlich die Eintracht zu Tode spart. Ungeachtet aller tatsächlichen Kritikpunkte an Bruchhagen wäre es töricht, auch nur im Ansatz ein Szenario zu zulassen, welches die Kurve während der letzten Halbserie zum Thema Funkel abgeliefert hat.

Und nun die Tabelle; genießt sie.




Foto der Kurve: Stefan Krieger