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Dienstag, 25. Januar 2011

Bitte meiden.

So lieber Leser, derweil die Analysen über Patrick Ochs nahezu wissenschaftliche Züge annehmen, die letzten Tränen über die Niederlage beim HSV getrocknet sind und mit Marcos Alvarez zum ersten mal seit Norbert Nachtweih ein Spieler aus dem Profikader zu den Bayern gewechselt ist, beschäftige ich mich mal mit den Drumherum. Für die wichtigen Dinge gibts die Presse. Für die Klarstellung dessen den Kid.

Beim Trainer Baade bin ich dieser Tage über einen recht interessanten Film gestolpert; schwedisch mit englischen Untertiteln - was aber so gar nichts macht. Es ist eine Doku über Martin Hansson, einem Schiedsrichter aus Schweden. Kenn isch net dürfte die sofortige Reaktion lauten - wenn ich euch aber sage Thierry Henry und Hand zuraune, dann sollte es klick machen. Genau, es ist der Mann, der Frankreich zur vergangenen WM gepfiffen hat, quasi der Alfons Berg Irlands. The Referee. Begonnen wurde die Doku bereits ein Jahr vor der dramatischen Nacht in Paris - und sehr vorausblickend die lakonischen Aufnahmen von Hansson inmitten kickender Kids mit Henry-Trikots.

Recht lustig geht es traditionell zu, wenn Henni Nachtsheim im Museum aufschlägt. Diesmal war der Grund die Präsentation seines neuen Buches Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht. Ein schöner Titel - deshalb hatte ich ihn auch schon im Juni 2007 für meine Kolummne in der Fan geht vor genutzt. Nun also Henni. Zu Gast waren neben anderen Heribert Bruchhagen und Dr. Thomas Pröckl vom Vorstand der Eintracht - und beide haben sich im Gegensatz zu den letzten Spielen prächtig amüsiert. Henni hält ja traditionell keine Lesungen - man frage die Kids seiner Bekannten - sondern babbelt sich durch den Abend. Szenen aus seinem Soloprogramm, wer also wissen möchte, wie sich der Bratwurstverzehr beim Spiel gegen den VfB Stuttgart anno 1973 entwickelt hat, sollte sich dies nicht entgehen lassen. Im Buch selbst findet sich sowohl ein Vorwort als auch ein (schon etwas älteres) Interview mit Bruchhagen - und das ist recht aufschlussreich. Bruchhagen: Ich betreibe ein Rollenspiel. Ich habe von der Pike auf gelernt, wie man sich zu geben hat. In Schalke habe ich mich lange gegen Medienauftritte gewehrt. Ich dachte, wenn du Gutes tust, wirst du Anerkennung bekommen. Falsch. Total falsch. Bruchhagen wehrt sich auch gegen dämliche Fragen, vor allem, wenn er den Verdacht hat, dass die Antwort nicht interessiert; aber: Die beste Frage ist: Wie sehen sie das Spiel. Dann kann ich sagen, was ich denke. Das werde ich mir merken. Das Buch selbst ist eine Sammlung von Hennis Kolummnen in der Gießener Allgemeinen, nichts neues also - aber durchaus unterhaltsam, das ist doch schon mal was in diesen Tagen.

Es folgt zum Abschluss eine Liste mit Sätzen, die wirklich jede(r) so in der Art schon mindestens einmal gedacht hat. Sie sind gebloggt, gepostet, getwittert und an Stammtischen gesagt worden. Von daher: bitte meiden. Dies gilt auch für drei Klassiker des Internets, die mich mittlerweile bei Lektüre aggressiv werden lassen. So irrsinnig gewollt originell daherkommen und dann doch nur traurige Wiederholungen präsentieren - das klingt wie der Hessische Rundfunk.


Fußball:

Meister wird die Eintracht erst, wenn ich tot bin.

Mittlerweile habe ich mich fast an den Namen Commerzbank-Arena gewöhnt.

Das Waldstadion gibt es doch gar nicht mehr.

Unter Skibbe spielt die Eintracht endlich wieder Fußball.

Köhler würde die Bank mal gut tun.

Auf der Linie ist er Weltklasse. Beim Rauslaufen Kreisklasse.

Früher war die Stimmung bei Heimspielen besser.

Schalke und Stuttgart sind zu gut für da unten.

St. Pauli ist ja auch nur noch Kommerz.

Warum Freiburg, Mainz, Hannover. Warum nicht wir?


Allgemein:

Hinten kackt die Ente.

Ganz großes Kino.

Ein großes Wort gelassen ausgesprochen.


Gerne könnt ihr mir via Kommentar noch weitere Perlen zukommnen lassen; vielleicht ergibt sich ja dadurch eine neue Umfrage: Die Plattitüde der Woche oder so.

Originell ist das hier, oder aber dies:


Dienstag, 7. Dezember 2010

Willkommen in der Heimat ...


... mit diesen Worten eröffnete der ewige Versammlungsleiter Helmut Weintraut die Mitgliederversammlung der Frankfurter Eintracht am 6.12.2010. Es ist nahezu ein historisches Datum, öffnete doch das neue Leistungszentrum, der neue Riederwald, seine Tore für die Öffentlichkeit - etwas mehr als zwei Jahre nach dem Abriss des alten Riederwaldes.

Security weist den Weg zum Parkplatz in Richtung Pestalozzischule. Ich stelle den Golf zu den ehemaligen Containerbüros und erklimme die Stufen der alten Gegengerade - oben angekommen erspähe ich den Neubau, angestrahlt von weißen und roten Leuchten glänzt er stolz in die Riederwälder Nacht. Vereist der Sportplatz davor. Wolfgang Steubing Halle steht in schwarzen Lettern an der Halle, daneben leuchtet der Adler. Jede Menge Autos des Hessischen Rundfunks parken auf der Rückseite des über 14 Millionen Euro teuren Gebäudes, immerhin soll heute die Sendung "Heimspiel" in der neuen Gaststätte "Diva" aufgezeichnet werden, während zeitgleich in der Dreifelderhalle die Mitgliederversammlung über die Bühne gehen wird.

Ich marschiere um den Sportplatz herum, denke zurück an die Zeit, als ich mit Billig CD-Player und einem uralt Mikro mit meterlangem Kabel jahrelang die Ansagen bei Spielen der U23 und der U19 gemacht hatte - um mich herum saßen die Zuschauer auf den alten Bänken und aus dem Durchgang kommend waren die Spieler froh, dem moderndem Bau entkommen zu sein. Zwischen modern und modern ist's nur eine Frage der Betonung - heute verspricht das neue Gebäude stolz und prächtig eine neue Ära.

Vor dem Eingang treffe ich RedZone und wir machen einen Rundgang durch den neuen Riederwald. Im Erdgeschoss befindet sich nicht nur der Fanshop, sondern auch die Funktionsräume für die Fußballer: Umkleide, Sauna, Dusche - alles neu, geschmackvoll aber nicht zu pompös. Alex Schur steht als Trainer der U17 im Gang und berichtet über die Verwandlung, er kannte den Riederwald ja auch noch anders.
Vor allem die Sauna steht sinnbildlich für die Wandlung der letzten beiden Jahre; auch am alten Riederwald gab es eine Sauna - doch diese schien in den Siebzigern zuletzt genutzt, man tat gut daran, nichts anzufassen. Auf der gegenüberliegenden Seite hat die neue Gaststätte namens Diva ihre Heimat gefunden - Mitarbeiter des HR legen noch die letzten Kabel für die bevorstehende Sendung, der Zutritt ist heute nicht gestattet.

Die Treppen führen uns nach oben. Während auf der einen Seite die Büros und die Wohnungen liegen, entdecken wir den neuen Kraftraum. Mit Blick auf den Sportplatz können hier die Sportler ihre Muskeln stählen. Slaven Skeledzic; Trainer der U19 erklärt, dass seine Mannschaft die Räume schon einige Wochen nutzt - während die einen in der Halle kicken, können andere zeitgleich im Kraftraum trainieren - was für ein Unterschied zum alten Gebäude, in dem Verwesung in allen Ecken hauste.

In der Halle wurde über Nacht ganze Arbeit geleistet, der Boden wurde mit Teppichplatten abgedeckt, ein Gerüst für die Beleuchtung installiert, eine Bühne samt Rednerpult und Leinwand aufgebaut und die Halle komplett bestuhlt. Der Eintrachtadler leuchtet auf uns herab - wie man sagen muss, dass das ganze Gelände deutlich zeigt, wo man ist: bei der Frankfurter Eintracht. Man kann erahnen, was es bedeuten würde, wäre das Waldstadion in Besitz der Eintracht - dort muss man den Adler, die Eintrachtfarben, überhaupt das gesamte Corporate Design mit der Lupe suchen, die blauen Sitzschalen, die gelbe Dachreklame lassen den Eintrachtfan spüren: Hier bist du Gast, hier bist du fremd. Einzig Museum, Fanshop, der (auswechselbare) Plexi-Adler im Tresen des Business-Bereichs oder der rote Kunstrasen im Spielertunnel weisen dort den richtigen Weg, kleine Kleckse des Heimatgefühls. Am Riederwald jedoch verweist alles auf das, was die Frankfurter im Herzen suchen; auf Heimat.

Willkommen in der Heimat; es ist kein Zufall, dass die Versammlung mit diesen Worten eröffnet wird - und es sind viele gekommen; nicht nur die Lizenzspieler Amanatidis, Ochs, Jung sind anwesend, auch der Profinachwuchs Marcos Alvarez, Sonny Kittel, Marcel Titsch-Rivero und Cenk Tosun, die wie Jung und Ochs den alten Riederwald nur zu genau kennen sind heute dabei. Natürlich dürfen die Meisterspieler nicht fehlen, ich entdecke Friedel Lutz, Dieter Lindner und Dieter Stinka - diese konnten ja noch den alten Riederwald in seiner Blüte erleben - ja sie haben ihn durch ihren Fußball erblühen lassen. Natürlich ist der Vorstand der Fußball AG anwesend, die Herren Bruchhagen und Pröckl und auch das Aushängeschild der Leichtathletik, Ariane Friedrich ist angekündigt, noch steckt sie im Stau - aber sie wird eintreffen.

Über 500 Eintrachtler sind gekommen, knapp 100 Gäste dazu - die Halle ist voll. An einem Tisch sitzen die Journalisten der Tageszeitungen, an einem anderem die U23, die Fußball AG usw. Und die Journalisten von der Rundschau hatte ganz genau hingeschaut:

Ehrengast und Laudator ist der Generalsekretär des DFB, Wolfgang Niersbach, er spricht lange und verweist darauf, dass Sebastian Jung mittlerweile im Notizbuch des Bundestrainers stehen würde. Anschließend erklimmt Präsident Peter Fischer das Rednerpult und spricht in der ihm eigenen Art von Visionen und tollen Wochenenden, sein ganz besonderer Dank gilt Wolfgang Steubing, welcher dem Verein finanziell unter die Arme gegriffen hatte - und als nächster Redner anmerkt, dass die Situation, nach Niersbach und Fischer zu reden vergleichbar sei, wie nach dem Papst zu predigen - eine undankbare Aufgabe also. Nach ihm ergreift Heribert Bruchhagen das Wort; er verweist darauf, dass die Flut alle Boote hebt - und erinnert an die Ebbe. Recht hat er; die Profis Jung, Ochs, Nikolov und Russ haben es auch ohne chices Ambiente geschafft, sich in der Bundesliga zu etablieren - jenes Ambiente sei zwar notwendig - garantiert aber per se noch nichts. Ein Wille gepaart mit dem Ehrgeiz, es in die Bundesliga zu schaffen, sei zwingende Voraussetzung - dann kann das Ambiente gute Dienste leisten. Immerhin wenden sich Eltern nun nicht mehr mit Grausen ab, wenn sie den neuen Riederwald betreten - ins neue Ambiente schickt man seinen Nachwuchs gerne - ein Quantensprung für die Eintracht würde der Leiter des Nachwuchszentrums Armin Kraaz sagen. Eine Schwenkkamera im Raum gleitet auf und ab und zeichnet alles auf.

Im Anschluss an die Reden wurden die Berichte zügig abgefrühstückt - und die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge bei nur wenigen Gegenstimmen durchgewunken. Klar, wer will an einem so feierlichem Tag schon als Querulant dastehen. Immerhin, bei der Aussprache erhielt ein Mitglied rauschenden Beifall als er anmahnte, dass die U23 in absehbarer Zeit wieder am Riederwald spielen solle - und nicht am Bornheimer Hang. Doch dazu muss der neue Riederwald regionalligatauglich gemacht werden - das ist vielleicht das einzige Manko: Herrenfußball oberhalb der Oberliga ist bei Eintracht Frankfurt im eigenen Stadion bis auf Weiteres nicht möglich. Ansonsten ist der neue Riederwald ein Schatzkästlein, das unterhalten - und mit Leben gefüllt werden will. Ein Anfang wurde gemacht, als ein Mitglied zur Überraschung aller zum Rednerpultschritt, etwas unbeholfen von einem schönem Tag sprach - und dann mit schöner Stimme klar und deutlich Ein schöner Tag nach der Melodie von Amacing grace sang. Und somit ist der neue Riederwald nun auch mit Lena Valaitis verbunden, wer hätte das gedacht.


Samstag, 27. November 2010

Ein November ohne Heimspiel in ...


So, da bin ich wieder - auferstanden aus Ruinen. Der Blick aus dem Museumsfenster zeigt eine verschneite Winterlandschaft - ein Bild, welches noch vom letzten Winter arg vertraut ist; der Sommer war eindeutig zu kurz.

Heute kickt die Eintracht in München - und ich bin nicht dabei; wie auch schon in Bremen und St. Pauli und auch gegen Hoffenheim. Drei Auswärtsspiele am Stück fanden nun ohne mich statt, kein Heimspiel in ..., kein Golf - aber dennoch Musik. Herbstmusik. Von Natalie Merchant zum Beispiel oder von The National, deren Auftritt in Neu Isenburg ich leider verpasst habe. Interessanterweise trauere ich dem verpassten Konzert mehr nach, als den Eintrachtspielen. Immerhin hatte mein Neffe Timm gegen Hoffenheim sein erstes ganz großes Eintrachterlebnis. War er schon im Sommer beim Freundschaftskick in Aschaffenburg dabei gewesen, so folgte nun gegen Hoffenheim die Premiere in der Arena - auf meinem Platz. Schade, dass die Eintracht das Ding so vergeigt hat - aber Timm trugs mit Fassung.

Nun folgen in diesem Jahr noch die Heimspiele gegen Mainz und Dortmund, das Auswärtsspiel in Köln und das Pokalspiel in Aachen - wenn alles glatt geht, bin ich dann wieder dabei. Und dann werde ich Bilanz ziehen, wie und ob das ganze weiter geht. Im Ernst, manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken, ob ich nicht vielleicht ein bisschen zu alt bin wegen eines mittelmäßigen Kicks bei Eiseskälte Hunderte von Kilometern durch die Gegend zu gondeln, um mich dann für teuer Geld von allen möglichen Lebewesen rund um ein Fußballspiel nerven zu lassen.

Das nächste Stadion, dass allem Anschein nach Gästefans als Schwerverbrecher sieht, scheint das Weserstadion nach dem Umbau zu sein. Eng, vernetzt, Getränkefrei, vergittert - da fällt dann ähnlich wie in München das zuhause-bleiben nicht schwer.

Zunehmend fällt mir auch das Bloggen zur Eintracht schwerer - und das hat mehrere Gründe. Einerseits ist ja dauernd alles gesagt, im Forum oder im Blog-G überschlagen sich die Kommentare und ich habe da meist nichts neues hinzuzufügen, warum auch? Mich interessiert zum Beispiel Schalke oder Mainz auf pragmatischer und vereinsbezogener Ebene einen Dreck. Anders sieht es natürlich aus, wenn man abstrahiert, wenn man die Umstände außer acht lässt und versucht die Dinge zu objektivieren, dann ist natürlich alles interessant, was mit Fußball zu tun hat. Da wir uns hier aber im Herzen von Europa befinden, gilt vorerst die Parole: Alles außer Frankfurt ist scheiße. Andererseits nehme ich aus meinem direkten Umfeld immer mal ein paar Dinge zur Kenntnis, die ich hier gar nicht bloggen kann: Blöderweise kenne ich etliche der Beteiligten der Eintracht - und kann natürlich keine Geschichten erzählen, die in verrauchten Stuben die Runde machen. Wobei damit vielleicht bald Schluss sein könnte. Mit dem Rauch.

Muss ich zudem eigentlich alles bewerten, was irgendjemand irgendwo sagt? Bruchhagen gibt ein Interview in der FR. Das ist prima, gehört zu seinem Job. Dass Journalisten ganz gerne mal Spieler, Trainer oder Manager abwatschen gehört zum wiederum zu ihrem Geschäft - dass Bruchhagen in schöner Regelmäßigkeit den Spieß umkehrt und die Journalisten in den Senkel stellt, finde ich recht witzig - man darf es nur nicht allzu ernst nehmen oder ihm gar böse sein. Blütenträume - toll. Und keine Erfindung des Novembers 2010. Mal schauen, vielleicht reaktiviere ich ja mal wieder das Wort des Monats; Blütenträume gehört auf jeden Fall in die Liste.

Wenn ihr wissen wollt, wie die Eintracht gespielt hat, guckt heute abend mal auf Kids Seite, dort wird es sicherlich einen Spielbericht geben, der sich gewaschen hat. Demnächst geht der ja auch der Adventskalender zu Gunsten des Museums an den Start, falls ihr ein paar schicke Dinge ersteigern wollt, dann schaut euch doch mal hier um.

Apropos Advent und Weihnachten; wie die meisten von euch wissen, habe ich ja vor zwei Jahren mein Nachtmärchen Der Andermacher veröffentlicht; ganz seriös in einem ordentlichen Verlag, nämlich dem Mitteldeutschen Verlag in Halle, nix mit books on demand oder so. Und da ihr sicherlich ganz dringend ausgesucht schöne Weihnachtsgeschenke für eure Liebsten braucht, lege ich euch den Andermacher ans Herz. Er hat so gar nichts mit der Eintracht zu tun, spielt in einer Zeit, als Strom noch nicht erfunden wurde und ist genau das richtige für die kalten Tage. Das toll gemachte Büchlein enthält nicht nur die Erzählung, sondern sogar noch einige wunderbare Drucke von Kerstin Alexander. 18 Euro kostet das Werk; ich habe einige auf Lager, meldet euch bei mir; dann habe ich vielleicht auch ein bisschen Geld, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Herzzereißend, nicht wahr? Also, kauft kein Scheiß in dubiosen Läden, sondern unterstützt euren lokalen Artist. Eine ganz edle Sammlerausgabe erhaltet ihr hier, sie ist nicht ganz billig - dazu bekommt ihr aber auch noch einen Originaldruck von Kerstin. Selbstverständlich signiere ich euch die Bücher auch.

Ansonsten könnte man ja auch mal ins Buddha-Museum in Traben-Trarbach fahren, wenn die Eintracht spielt. Und denkt dran; morgen um 11:00 auf dem Hauptfriedhof erinnern wir uns an die alten Zeiten und gedenken dem ein oder anderen, der diese geprägt hat.


Sonntag, 17. Januar 2010

Gut so!


Spiele gegen Werder Bremen sind immer eine Art Wundertüte; man weiß nie, was dabei herauskommt. Schon in der ersten Bundesligasaison 1963/64 fing sich die Eintracht in Bremen ein 1:4, um im heimischen Waldstadion mit einem 7:0 zurück zu schlagen. 1976/77 erzielte die Eintracht erneut sieben Treffer, 7:1 lautete damals der Endstand. Noch torreicher ging es 1981 zu; mit 9:2 fegte die Eintracht Werder vom Platz - und dies, obgleich die Bremer mit 1:0 in Führung gingen. Otto Rehagel muss getobt haben.

Aber selbst in jüngerer Vergangenheit ging es hoch her; 2006/07 ging die Eintracht im Waldstadion mit 2:6 unter, um durch ein überraschendes 2:1 in Bremen sowohl den vorzeitigen Klassenerhalt zu sichern, als auch Bremen die Meisterschaft zu verderben. In der Saison danach lieferten sich Kyrgiakos und Diego ein heißes Duell. Stand up and fuck you. Diego sah rot, die Eintracht gewann 1:0.

Letzte Saison lief aus Frankfurter Sicht besonders bitter, gleich zwei Mal verlor die Eintracht mit 0:5. Dafür verdarben die Hessen den Saisonaufakt Bremens in diesem Jahr gründlich, gleich im ersten Saisonspiel besiegte die Eintracht den haushohen Favoriten im Weserstadion mit 3:2; für die Treffer sorgten Amanatidis und Fenin. Dies sollte bis zum 16. Spieltag Werders einzige Niederlage bleiben.

Und nun das: Zum ersten Mal seit der Saison 1989/90 besiegte die Eintracht Werder sowohl im Hin- als auch im Rückspiel. Ein Treffer von Marco Russ in der 57. Minute reichte aus, um die Eintracht als Sieger vom Platz gehen zu lassen. Ein bemerkenswerter Sieg. Nicht nur weil unsere Bremer Freunde Ingo und Enno zu Gast waren.

Zum einen war das Stadion bei Weitem nicht ausverkauft, 45.600 Zuschauer zum Rückrundenauftakt - das sind zwar eine Menge, dennoch blieben 5.000 Plätze unbesetzt. Zum anderen bot das Spiel zwar keine überragenden spielerischen Leistungen, die Eintracht aber kämpfte und ließ in der ersten Hälfte nur eine einzige nennenswerte Bremer Torgelegenheit zu, die Nikolov gegen Hunt glänzend vereitelte. Marin versuchte sich anschließend nach Franz' Grätsche im Strafraum im Einfädeln - und Schiri Weiner ließ weiter spielen. Recht so. Zuvor war Ochs nach feinem Zusammenspiel mit Köhler an Bremens Torhüter Wiese gescheitert.

Werder spielte druckvoller, stand näher am Mann, die Eintracht agierte im Rahmen ihrer Möglichkeiten und hatte das Glück des Tüchtigen. Kälte auf den Rängen, wenig Feuer im Spiel.

Die zweite Hälfte brachte Fußball, mehr und mehr rackerte und kombinierte sich die Eintracht ins Spiel und wurde in der 57. Minute belohnt. Ein Missverständnis in der Bremer Abwehr nutzte ein Frankfurter und sprintete dazwischen, der Ball kam über Ochs zu Schwegler, dessen Hereingabe verlängerte Chris zu Russ, der ala Meier aus kurzer Distanz einschob. Wir lagen uns in den Armen, während Werder-Trainer Schaaf nun alles auf die Offensive setzte, Pizarro und Almeida kamen ins Spiel - und Pizarro sorgte kurz nach seiner Einwechslung für eine Schrecksekunde. Chris hatte versucht, den Ball mit der Brust zu Nikolov zu schnippen, Pizarro ging dazwischen und traf Nikolov unglücklich am Knie. Nach kurzer Behandlung konnte dieser jedoch weiter spielen. Bremen drückte und die Eintracht lauerte auf Konter. Bemerkenswert eine Szene, als Meier über das halbe Feld in die gegenerische Hälfte sprintete und sich einen schon verloren geglaubten Ball eroberte; bemerkenswert ein Solo von Benny Köhler, der ebenfalls mit Ball über den halben Platz marschierte und ihn partout nicht hergeben wollte, zumindest solange nicht, bis er einen Freistoß und die Eintracht wertvolle Sekunden erhielt, bemerkenswert ein Schuss von Teber aus annähernd 30 Metern, der, abgefälscht, knapp über die Latte strich, und bemerkenswert das fahrlässige Vertändeln einiger guter Möglichkeiten auf Bremer Seite. Schon in der Nachspielzeit kam Caio für Köhler und in der letzten Minute Preuß für Liberopoulos; es war das erste Mal seit Oktober 2007, dass Christoph den heiligen Rasen des Waldstadions im Rahmen eines Bundesligaspiels betrat; die Kurve feierte ihn mit Sprechchören, das Spiel war aus. Sieg!

Es war aus drei Gründen ein eminent wichtiger Sieg. Punkt eins: Jeder Eintracht Sieg ist wichtig.

Punkt zwei: Der Möglichkeit eines drohenden Absturzes im Falle dreier Auftaktniederlagen wurde schon im ersten Spiel ein Riegel vorgeschoben; der Klassenerhalt ist zwar noch nicht sicher - aber die Eintracht wird stark genug sein, die dafür notwendigen Punkte zu holen. Alles Weitere wird sich zeigen.

Punkt drei: Der Sieg sorgt zunächst für Ruhe im Umfeld - und schützt vor allem Heribert Bruchhagen; bei einem Fehlstart in die Rückrunde hätte sich anhand der Vorzeichen aller Wahrscheinlichkeit nach der Unmut etlicher Fans auf ihn fokussiert. Erneut zeigten die Ultras ein Banner zugunsten des Trainers in die Höhe: Ultras pro Skibbe. Unverdächtig gesprochen ist ein Bekenntnis zum Trainer nicht verkehrt, alleine die Debatten der letzten Wochen zeigen, dass die gedachte Ergänzung: Contra Bruchhagen lautet; eine Haltung, mit der sie nicht alleine da stehen; schon nach den Rücktritts-Äußerungen Skibbes während des Trainingslagers in Belek offenbarten sich etliche Fans, die den Mann, der die Eintracht an führender Position in den letzten Jahren konsolidiert hat und der wie kein zweiter Vorstand der Liga sich gegen die Errungenschaften des modernen Fußballs stellt und auch vehement für die Beibehaltung der 50+1 Regel argumentiert, am liebsten in die Wüste gejagt hätten. Weil er vermeintlich die Eintracht zu Tode spart. Ungeachtet aller tatsächlichen Kritikpunkte an Bruchhagen wäre es töricht, auch nur im Ansatz ein Szenario zu zulassen, welches die Kurve während der letzten Halbserie zum Thema Funkel abgeliefert hat.

Und nun die Tabelle; genießt sie.




Foto der Kurve: Stefan Krieger

Mittwoch, 4. November 2009

VW, Audi und der Fußball. Auch: Eintracht Frankfurt.


Da ist es also passiert. Während Bayern München sein Champions League Match gegen Bordeaux mit 0:2 vergeigte, triumphierte der VfL Wolfsburg bei Besiktas Istanbul mit 3:0 - mit der nicht unwahrscheinlichen Folge, dass Bayern wohl nach Ende der Gruppenphase im Cup der Verlierer ran darf; dem Uefa Cup der mittlerweile Uefa Europa League heißt; während Wolfsburg, vorausgesetzt ein Punkt gegen ZSKA Moskau, sich weiterhin an den großen Fleischtöpfen bedienen kann. Unterdessen hat Bayern München 10% der AG-Anteile an Audi verkauft: Dazu Uli Hoeneß: Das ist ein Betrag, der weit über 100 Millionen (Euro) sein wird - alles zusammen...

Interessant ist, wie bei diesem Screenshot von Kicker-online zu sehen, die Funktion von Martin Winterkorn, der im Aufsichtsrat der Bayern sitzt, Aufsichtsratsvorsitzender bei Audi zu sein scheint und zudem noch Vorstandsvorsitzender bei VW, dem sagen wir Großsponsor vom VfL ist. Wer gewinnt demnächst bei Wolfsburg gegen Bayern? Auf jeden Fall Winterkorn könnte man meinen. Sportlich brisant; die Marke Bayern München dürfte weltweit mehr Umsatz generieren als die Marke VfL Wolfsburg. Aber Audi gehört zu VW. Wie nun im Geschäft?

Sehen wir hier der Zukunft des Fußballs ins Gesicht? Die Firmenmannschaft von VW löst in der Champions League den Noch-Verein FC Bayern München ab, - sicherlich vorerst eine Momentaufnahme - während jene Bayern nach den 10% an Adidas im Jahr 2002 nun weitere 10% an Audi abgegeben haben - und auf dem besten Wege sind, ihre Identität zu verscherbeln. Weit über 100 Millionen Erlös; zusätzlich zu den im laufenden Geschäftsjahr generierten Geldern - das ist zwar eine Menge; aber selbst mit dem Geld von Adidas Anno 2002 (rund 77 Millionen Euro) stehen sie derzeit in der Liga nur mickrige drei Pünktchen vor der Eintracht auf Rang sechs. In den Startlöchern steht Hoffenheim/SAP resp. Hopp und zudem der Oberligist SSV Markranstädt, der seit laufender Saison RB Leipzig heißt - und unter den Fittichen von Mateschitz gelandet ist; dem Erfinder der geflügelten Brause Red Bull. Mit Bayer Leverkusen führt eine weitere Werksmannschaft die Bundesligatabelle an.

Gesetz den Fall, Bayern München qualifiziert sich nach derzeitigem Stand der Dinge nicht über die Liga für einen internationalen Wettbewerb, so bleibt der Pokal. Sollte auch dies unerwarteter Weise nicht klappen, würden die Audi Millionen ein Jahr Überleben auf höchstem nationalen Niveau sichern. Sollten sich weitere extern finanzierte Teams etablieren, kann Uli Hoeneß schneller vor den Trümmern seines Lebenswerkes stehen, als im lieb ist; bei der derzeitigen 50+1 Regel könnte der FC Bayern noch 29% seiner Anteile verkaufen. Kein Wunder, dass sie bei den notorisch klammen Löwen vermeintliche Schulden einfordern; Ribery, Klose, Robben, Tymoshchuk, Toni oder Gomez haben ihren Preis. Auch ein Manuel Neuer, der im Gespräch ist. Und auch die Herren Baumjohann und Andreas Ottl. Letzterer war zweimal bei der Eintracht im Gespräch - sitzt aber lieber in München auf der Tribüne.

Szenenwechsel.

73 Millionen Euro - dies wäre die Summe, die der Gesamtetat von Eintracht Frankfurt in der laufenden Saison 09/10 betragen könnte - wenn alles optimal gelaufen und beispielsweise alle Logen vermietet worden wären. Da dies nicht der Fall ist, beträgt der Etat 64 Mio. Die Stadionmiete beläuft sich derzeit auf 9,2 Mio Euro - Einnahmen für die Stadt Frankfurt - die Arena selbst kostete die Stadt Frankfurt 150 Mio Euro. In 15 bis 20 Jahren hätte also die Eintracht der Stadt ein Stadionneubau finanziert - so es in dem Trend weiter ginge. Das ist nun der Preis, dass das Stadion die Eintracht seinerzeit am Leben gehalten hat.

Der Lizenzspieler Etat liegt bei ca 30 Mio. Selbst wenn also Spieler abgegeben werden stellt sich die Frage, mit welchen Summen Verstärkungen finanziert werden sollen - ein Podolski kostete Köln um die 10 Millionen Ablöse, ein Marin Werder Bremen ca. deren Acht; zusätzlich Gehalt und Prämien in Millionenhöhe. Um Eintracht Frankfurt dauerhaft in internationale Ränge zu führen, wären Investitionen im dreistelligen Millionenbereich von Nöten - illusorisch oder selbstmörderisch. Selbst die Verstärkung auf einzelnen Positionen gerät zu einem finanziellen Drahtakt; einen Amanatidis adäquat zu ersetzen, könnte teurer kommen als ein Caio je war.

Interessant ist ein Gedanke des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen (geäußert im Rahmen einer Veranstaltung im Museum), der darauf abzielt, dass ein Großteil der Spieler die für die Eintracht spielen zu kleinen Preisen gekommen sind; Nikolov, Ochs, Russ, Meier, Chris, Vasoski, Köhler - auch Amanatidis bei seinem Erstengagement. Die Versuche, jene Akteure durch bessere zu ersetzen hat bislang immer teurere Spieler gebracht - ohne dass diese bislang die alten Recken dauerhaft verdrängen konnten. Der Nachwuchs von Reinhard bis Ljubicic konnte sich nicht etablieren. Marko Marin bleibt (edit: neben Jermaine Jones, danke s'c) der einzige Spieler, der die Eintracht selbst verlassen und sich bei anderen Vereinen einen Namen gemacht hat, alle anderen die in der Jugend oder U23 das Trikot der Adler trugen spielen unterklassig. So einfach ist es also nicht, beim Neunten der Liga zu spielen - und billig schon gar nicht mehr. So lange Eintracht Frankfurt im jetzigen Rahmen wirtschaftet, solange ist der Verein resp. AG darauf angewiesen, dass sich ein Spieler aus der Jugend exorbitant entwickelt - schauen wir mal, wie dies bei Sebastian Jung der Fall ist - oder aber ein für relativ kleines Geld geholter Spieler fulminant einschlägt. Ob aber ein einziger Akteur in der Lage ist, die Gesamtausrichtung der Eintracht zu ändern ist fraglich. Wenn wir uns ansehen, mit welchem Wert die jetzigen Akteure der Eintracht gelistet sind (zugegeben steht diese Liste auf wackligen Beinen), fällt auf, dass sich der Preis für Neuerwerbungen der letzten Jahre in etwa mit dem deckt, wie langjährige Spieler Eintracht Frankfurt gelistet sind. Einzig Amanatidis und Fenin fallen dabei etwas aus dem Rahmen.

Hannover oder Köln haben in den letzten Jahren mächtig investiert - und rangieren derzeit hinter Eintracht Frankfurt. Im Moment sogar die letztjährigen Champions League Aspiranten Hertha BSC und VfB Stuttgart. Die Hertha verlor mit Simunic, Voronin und Pantelic gleich drei Spieler, deren Qualität bislang nicht ersetzt wurde, während Stuttgart Mario Gomez für über 30 Mio Euro nach München ziehen lassen musste. Dem stehen Transfers im Wert von über 17. Mio Euro entgegen - momentanes Resultat in der Liga: Platz 14

Das heißt mit anderen Worten, dass der Überlebenskampf und die Inthronisierung der von Hannovers Präsident Kind gewünschten Abschaffung der 50+1 Regel schon schleichend begonnen hat; Schalke hat gerade 25% seiner Stadionanteile an die GEW Gelsenkirchen verkauft - um die laufende Saison zu finanzieren. Sie werden so sie weiterhin international spielen wollen sich etwas einfallen lassen müssen für die nächsten Jahre. Die Bayern machen es vor, Anteile zu verkaufen bringt frisches Geld - das bei Pech oder Unvermögen schneller weg ist als ein Achter-Bembel; Octagon lässt grüßen. Und dann? Werden sich auch die Bayern der Abschaffung von 50+1 nicht verschließen können, um den gewohnten Platz an der Sonne anvisieren zu können

Heribert Bruchhagen bleibt bislang wehrhaft, auch Bernd Hoffmann vom HSV - aber auch die Eintracht wird eines Tages vor der Frage stehen: Mitspielen und Spielball eines oder mehrerer Investoren werden, die über Wohl und Wehe entscheiden - oder aber sportlich den Weg von sagen wir mal Eintracht Braunschweig zu gehen, wenn andere Vereine plötzlich Hunderte von Millionen Spielgeld ins Spiel bringen.

Relativ bald schon könnte eine Allianz aus sagen wir Hoffenheim, Wolfsburg, Leverkusen, Hannover, Schalke und München ein ganz anderes Gewicht bekommen, als es das Getrommel von Kind bislang geboten hatte. Interessant dabei ist, dass der Präsident von Hannover scheinbar glaubt, die Roten könnten im Ballett der Großen dann eine Rolle spielen. Wobei, wenn ich mir heute den Stellenwert von Fortuna Düsseldorf im Verhältnis zur TSG Hoffenheim ansehe ist vieles möglich. Am aktuellen Beispiel Wolfsburg versus Bayern München schön zu sehen.

Vereine, die sich in den letzten Jahren in die Phalanx der Großen gemogelt haben, ohne außergewöhnlich zu investieren fanden sich gewöhnlich in der Folgesaison in der Zweiten Liga wieder, Freiburg, Bochum, Karlsruhe, Nürnberg. Derzeit schickt sich Mainz an, eine gute Rolle zu spielen; warten wir ab, was die Zeit bringt.


Nachtrag:

Kleinkariert.

Donnerstag, 13. November 2008

Zitat der Woche


Wir haben beispielsweise schon auf Verpflichtungen verzichtet, weil uns die Art und Weise der Körpersprache beim Torjubel nicht zugesagt hat.


Heribert Bruchhagen in der FR vom 13.11.2008