Da ist es also passiert. Während Bayern München sein Champions League Match gegen Bordeaux mit 0:2 vergeigte, triumphierte der VfL Wolfsburg bei Besiktas Istanbul mit 3:0 - mit der nicht unwahrscheinlichen Folge, dass Bayern wohl nach Ende der Gruppenphase im Cup der Verlierer ran darf; dem Uefa Cup der mittlerweile
Uefa Europa League heißt; während Wolfsburg, vorausgesetzt ein Punkt gegen ZSKA Moskau, sich weiterhin an den großen Fleischtöpfen bedienen kann. Unterdessen hat Bayern München 10% der AG-Anteile an Audi verkauft: Dazu Uli Hoeneß:
Das ist ein Betrag, der weit über 100 Millionen (Euro) sein wird - alles zusammen...
Interessant ist, wie bei diesem Screenshot von Kicker-online zu sehen, die Funktion von
Martin Winterkorn, der im
Aufsichtsrat der
Bayern sitzt, Aufsichtsratsvorsitzender bei Audi zu sein scheint und zudem noch
Vorstandsvorsitzender bei VW, dem sagen wir
Großsponsor vom VfL ist. Wer gewinnt demnächst bei Wolfsburg gegen Bayern?
Auf jeden Fall Winterkorn könnte man meinen. Sportlich brisant; die Marke Bayern München dürfte weltweit mehr Umsatz generieren als die Marke VfL Wolfsburg. Aber Audi gehört zu VW. Wie nun im Geschäft?
Sehen wir hier der Zukunft des Fußballs ins Gesicht? Die Firmenmannschaft von VW löst in der Champions League den Noch-Verein FC Bayern München ab, - sicherlich vorerst eine Momentaufnahme - während jene Bayern nach den 10% an Adidas im Jahr 2002 nun weitere 10% an Audi abgegeben haben - und auf dem besten Wege sind, ihre Identität zu verscherbeln. Weit über 100 Millionen Erlös; zusätzlich zu den im laufenden Geschäftsjahr generierten Geldern - das ist zwar eine Menge; aber selbst mit dem Geld von Adidas Anno 2002 (rund 77 Millionen Euro) stehen sie derzeit in der Liga nur mickrige drei Pünktchen vor der Eintracht auf Rang sechs. In den Startlöchern steht Hoffenheim/SAP resp. Hopp und zudem der Oberligist
SSV Markranstädt, der seit laufender Saison RB Leipzig heißt - und unter den Fittichen von
Mateschitz gelandet ist; dem Erfinder der geflügelten Brause Red Bull. Mit Bayer Leverkusen führt eine weitere Werksmannschaft die Bundesligatabelle an.
Gesetz den Fall, Bayern München qualifiziert sich nach derzeitigem Stand der Dinge nicht über die Liga für einen internationalen Wettbewerb, so bleibt der Pokal. Sollte auch dies unerwarteter Weise nicht klappen, würden die Audi Millionen ein Jahr Überleben auf höchstem nationalen Niveau sichern. Sollten sich weitere extern finanzierte Teams etablieren, kann Uli Hoeneß schneller vor den Trümmern seines Lebenswerkes stehen, als im lieb ist; bei der derzeitigen 50+1 Regel könnte der FC Bayern noch 29% seiner Anteile verkaufen.
Kein Wunder, dass sie bei den notorisch klammen Löwen vermeintliche Schulden einfordern; Ribery, Klose, Robben, Tymoshchuk, Toni oder Gomez haben ihren Preis. Auch ein Manuel Neuer, der im Gespräch ist. Und auch die Herren Baumjohann und Andreas Ottl. Letzterer war zweimal bei der Eintracht im Gespräch - sitzt aber lieber in München auf der Tribüne.
Szenenwechsel.
73 Millionen Euro - dies wäre die Summe, die der Gesamtetat von Eintracht Frankfurt in der laufenden Saison 09/10 betragen könnte - wenn alles optimal gelaufen und beispielsweise alle Logen vermietet worden wären. Da dies nicht der Fall ist, beträgt der Etat 64 Mio. Die Stadionmiete beläuft sich derzeit auf 9,2 Mio Euro - Einnahmen für die Stadt Frankfurt - die Arena selbst kostete die Stadt Frankfurt
150 Mio Euro. In 15 bis 20 Jahren hätte also die Eintracht der Stadt ein Stadionneubau finanziert - so es in dem Trend weiter ginge. Das ist nun der Preis, dass das Stadion die Eintracht seinerzeit am Leben gehalten hat.
Der Lizenzspieler Etat liegt bei ca 30 Mio. Selbst wenn also Spieler abgegeben werden stellt sich die Frage, mit welchen Summen Verstärkungen finanziert werden sollen - ein Podolski kostete Köln um die 10 Millionen Ablöse, ein Marin Werder Bremen ca. deren Acht; zusätzlich Gehalt und Prämien in Millionenhöhe. Um Eintracht Frankfurt dauerhaft in internationale Ränge zu führen, wären Investitionen im dreistelligen Millionenbereich von Nöten - illusorisch oder selbstmörderisch. Selbst die Verstärkung auf einzelnen Positionen gerät zu einem finanziellen Drahtakt; einen Amanatidis adäquat zu ersetzen, könnte teurer kommen als ein Caio je war.
Interessant ist ein Gedanke des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen (geäußert im Rahmen einer Veranstaltung im Museum), der darauf abzielt, dass ein Großteil der Spieler die für die Eintracht spielen zu kleinen Preisen gekommen sind; Nikolov, Ochs, Russ, Meier, Chris, Vasoski, Köhler - auch Amanatidis bei seinem Erstengagement. Die Versuche, jene Akteure durch bessere zu ersetzen hat bislang immer teurere Spieler gebracht - ohne dass diese bislang die alten Recken dauerhaft verdrängen konnten. Der Nachwuchs von Reinhard bis Ljubicic konnte sich nicht etablieren. Marko Marin bleibt
(edit: neben Jermaine Jones, danke s'c) der einzige Spieler, der die Eintracht selbst verlassen und sich bei anderen Vereinen einen Namen gemacht hat, alle anderen die in der Jugend oder U23 das Trikot der Adler trugen spielen unterklassig. So einfach ist es also nicht, beim Neunten der Liga zu spielen - und billig schon gar nicht mehr. So lange Eintracht Frankfurt im jetzigen Rahmen wirtschaftet, solange ist der Verein resp. AG darauf angewiesen, dass sich ein Spieler aus der Jugend exorbitant entwickelt - schauen wir mal, wie dies bei Sebastian Jung der Fall ist - oder aber ein für relativ kleines Geld geholter Spieler
fulminant einschlägt. Ob aber ein einziger Akteur in der Lage ist, die Gesamtausrichtung der Eintracht zu ändern ist fraglich. Wenn wir uns ansehen, mit welchem Wert die jetzigen Akteure der Eintracht
gelistet sind (zugegeben steht diese Liste auf wackligen Beinen), fällt auf, dass sich der Preis für Neuerwerbungen der letzten Jahre in etwa mit dem deckt, wie langjährige Spieler Eintracht Frankfurt gelistet sind. Einzig Amanatidis und Fenin fallen dabei etwas aus dem Rahmen.
Hannover oder Köln haben in den letzten Jahren mächtig investiert - und rangieren derzeit hinter Eintracht Frankfurt. Im Moment sogar die letztjährigen Champions League Aspiranten Hertha BSC und VfB Stuttgart. Die Hertha verlor mit Simunic, Voronin und Pantelic gleich drei Spieler, deren Qualität bislang nicht ersetzt wurde, während Stuttgart Mario Gomez für über 30 Mio Euro nach München ziehen lassen musste. Dem stehen Transfers im Wert von über
17. Mio Euro entgegen - momentanes Resultat in der Liga: Platz 14
Das heißt mit anderen Worten, dass der Überlebenskampf und die Inthronisierung der von Hannovers Präsident Kind gewünschten Abschaffung der
50+1 Regel schon schleichend begonnen hat;
Schalke hat gerade 25% seiner Stadionanteile an die GEW Gelsenkirchen verkauft - um die laufende Saison zu finanzieren. Sie werden so sie weiterhin international spielen wollen sich etwas einfallen lassen müssen für die nächsten Jahre. Die Bayern machen es vor, Anteile zu verkaufen bringt frisches Geld - das bei Pech oder Unvermögen schneller weg ist als ein Achter-Bembel; Octagon lässt grüßen. Und dann? Werden sich auch die Bayern der
Abschaffung von 50+1 nicht verschließen können, um den gewohnten Platz an der Sonne anvisieren zu können
Heribert Bruchhagen bleibt bislang
wehrhaft, auch Bernd Hoffmann vom HSV - aber auch die Eintracht wird eines Tages vor der Frage stehen: Mitspielen und Spielball eines oder mehrerer Investoren werden, die über Wohl und Wehe entscheiden - oder aber sportlich den Weg von sagen wir mal Eintracht Braunschweig zu gehen, wenn andere Vereine plötzlich Hunderte von Millionen Spielgeld ins Spiel bringen.
Relativ bald schon könnte eine Allianz aus sagen wir Hoffenheim, Wolfsburg, Leverkusen, Hannover, Schalke und München ein ganz anderes Gewicht bekommen, als es das
Getrommel von Kind bislang geboten hatte. Interessant dabei ist, dass der Präsident von Hannover scheinbar glaubt, die Roten könnten im Ballett der Großen dann eine
Rolle spielen. Wobei, wenn ich mir heute den Stellenwert von Fortuna Düsseldorf im Verhältnis zur TSG Hoffenheim ansehe ist vieles möglich. Am aktuellen Beispiel Wolfsburg versus Bayern München schön zu sehen.
Vereine, die sich in den letzten Jahren in die Phalanx der Großen gemogelt haben, ohne außergewöhnlich zu investieren fanden sich gewöhnlich in der Folgesaison in der Zweiten Liga wieder, Freiburg, Bochum, Karlsruhe, Nürnberg. Derzeit schickt sich Mainz an, eine gute Rolle zu spielen; warten wir ab, was die Zeit bringt.
Nachtrag: Kleinkariert.