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Dienstag, 25. Januar 2011

Bitte meiden.

So lieber Leser, derweil die Analysen über Patrick Ochs nahezu wissenschaftliche Züge annehmen, die letzten Tränen über die Niederlage beim HSV getrocknet sind und mit Marcos Alvarez zum ersten mal seit Norbert Nachtweih ein Spieler aus dem Profikader zu den Bayern gewechselt ist, beschäftige ich mich mal mit den Drumherum. Für die wichtigen Dinge gibts die Presse. Für die Klarstellung dessen den Kid.

Beim Trainer Baade bin ich dieser Tage über einen recht interessanten Film gestolpert; schwedisch mit englischen Untertiteln - was aber so gar nichts macht. Es ist eine Doku über Martin Hansson, einem Schiedsrichter aus Schweden. Kenn isch net dürfte die sofortige Reaktion lauten - wenn ich euch aber sage Thierry Henry und Hand zuraune, dann sollte es klick machen. Genau, es ist der Mann, der Frankreich zur vergangenen WM gepfiffen hat, quasi der Alfons Berg Irlands. The Referee. Begonnen wurde die Doku bereits ein Jahr vor der dramatischen Nacht in Paris - und sehr vorausblickend die lakonischen Aufnahmen von Hansson inmitten kickender Kids mit Henry-Trikots.

Recht lustig geht es traditionell zu, wenn Henni Nachtsheim im Museum aufschlägt. Diesmal war der Grund die Präsentation seines neuen Buches Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht. Ein schöner Titel - deshalb hatte ich ihn auch schon im Juni 2007 für meine Kolummne in der Fan geht vor genutzt. Nun also Henni. Zu Gast waren neben anderen Heribert Bruchhagen und Dr. Thomas Pröckl vom Vorstand der Eintracht - und beide haben sich im Gegensatz zu den letzten Spielen prächtig amüsiert. Henni hält ja traditionell keine Lesungen - man frage die Kids seiner Bekannten - sondern babbelt sich durch den Abend. Szenen aus seinem Soloprogramm, wer also wissen möchte, wie sich der Bratwurstverzehr beim Spiel gegen den VfB Stuttgart anno 1973 entwickelt hat, sollte sich dies nicht entgehen lassen. Im Buch selbst findet sich sowohl ein Vorwort als auch ein (schon etwas älteres) Interview mit Bruchhagen - und das ist recht aufschlussreich. Bruchhagen: Ich betreibe ein Rollenspiel. Ich habe von der Pike auf gelernt, wie man sich zu geben hat. In Schalke habe ich mich lange gegen Medienauftritte gewehrt. Ich dachte, wenn du Gutes tust, wirst du Anerkennung bekommen. Falsch. Total falsch. Bruchhagen wehrt sich auch gegen dämliche Fragen, vor allem, wenn er den Verdacht hat, dass die Antwort nicht interessiert; aber: Die beste Frage ist: Wie sehen sie das Spiel. Dann kann ich sagen, was ich denke. Das werde ich mir merken. Das Buch selbst ist eine Sammlung von Hennis Kolummnen in der Gießener Allgemeinen, nichts neues also - aber durchaus unterhaltsam, das ist doch schon mal was in diesen Tagen.

Es folgt zum Abschluss eine Liste mit Sätzen, die wirklich jede(r) so in der Art schon mindestens einmal gedacht hat. Sie sind gebloggt, gepostet, getwittert und an Stammtischen gesagt worden. Von daher: bitte meiden. Dies gilt auch für drei Klassiker des Internets, die mich mittlerweile bei Lektüre aggressiv werden lassen. So irrsinnig gewollt originell daherkommen und dann doch nur traurige Wiederholungen präsentieren - das klingt wie der Hessische Rundfunk.


Fußball:

Meister wird die Eintracht erst, wenn ich tot bin.

Mittlerweile habe ich mich fast an den Namen Commerzbank-Arena gewöhnt.

Das Waldstadion gibt es doch gar nicht mehr.

Unter Skibbe spielt die Eintracht endlich wieder Fußball.

Köhler würde die Bank mal gut tun.

Auf der Linie ist er Weltklasse. Beim Rauslaufen Kreisklasse.

Früher war die Stimmung bei Heimspielen besser.

Schalke und Stuttgart sind zu gut für da unten.

St. Pauli ist ja auch nur noch Kommerz.

Warum Freiburg, Mainz, Hannover. Warum nicht wir?


Allgemein:

Hinten kackt die Ente.

Ganz großes Kino.

Ein großes Wort gelassen ausgesprochen.


Gerne könnt ihr mir via Kommentar noch weitere Perlen zukommnen lassen; vielleicht ergibt sich ja dadurch eine neue Umfrage: Die Plattitüde der Woche oder so.

Originell ist das hier, oder aber dies:


Sonntag, 31. Januar 2010

Sick of it all


Als nachts in eisiger Kälte die Seitenscheibe der Fahrerseite des silbernen Golfs mit einem knackenden Geräusch aus der Halterung sauste und in die Tür fiel; wir also bei offenem Fenster über das Glatteis schlingerten und ich wenige Minuten später hinter dem Haus das offene Fenster verklebte, da entfuhren mir zum gefühlt fünfzigsten Mal die Worte: Ach Scheiße.

Dabei fing alles eigentlich ganz gut an; schon gegen 13:00 parkten wir an der Louisa, wanderten durch den verschneiten Stadtwald, gegen 13:30 öffnete das Museum seine Pforten und wir hatten ein bisschen was zu tun. Der Weg durch den Winterwald bot poetische Bilder, prosaisch wurde es erst, als wir in die Zivilisation zurück kehrten und über kaum geräumte Wege parallel zur Straßenbahn zum Haupteingang marschierten. Einige Wenige standen schon beim Bratwurst-Walter, andere hielten Tickets zum Verkauf in die Höhe - der Einlass aber war kurz und schmerzlos.

Neulich hatte ich ja ein kleines Rätsel veröffentlicht; ihr solltet anhand gemalter Beine und Schuhe Eintracht-Spieler erraten. Im Verlauf des Postings wünschte sich Schnellinger die obere Hälfte des Bildes; dies hole ich hiermit nach, obgleich - um der Wahrheit die Hand zu reichen - es in Wirklichkeit zwei Bilder sind.

Who is who?

Zu schwer, ich weiß.

Ich nestelte mir noch ein Christoph-Preuß-Button an meine Winterjacke, als mich mein Vater im Museum abholte und wir in Richtung unserer Plätze dackelten. Wir wussten schon, dass unser Neuzugang Halil Altıntop von Beginn an spielte; was dies aber insgesamt zu bedeuten hatte, wurde uns erst im Verlauf der Partie klar. Kurz darauf kam auch Pia, die noch einige Museums-Flyer verteilt hatte. Laune: gut.

Mitgedacht hatte die Eintracht; Christoph Preuß, der unter der Woche seinen bewegenden Abschied vom Profi-Fußball verkündet hatte, bedankte sich unter prasselndem Applaus für all die Jahre und Unterstützung und verkündete die Manschaftsaufstellung per Mikrofon; Wir sind alle Frankfurter Jungs schallte es von den Rängen, die mit insgesamt 45.100 Zuschauer wiederum relativ schwach besetzt waren.

Los gings, die Eintracht gegen den 1.FC Köln, ein Klassiker mit unvorhersehbarem Ausgang. Nicht dabei waren verletzungsbedingt: Amanatidis, Bajramovic, Fenin, Schwegler, Vasoski und natürlich auch Preuß, während auf Kölner Seite Podolski fehlte. Vasoski gegen Podolski, das war ein Duell, erinnert ihr euch? Hier zum Beispiel oder auch hier. Sebastian Jung war wieder auf die Bank gerutscht; Franz nahm dessen Position in der rechten Verteidigung ein, Chris rückte nach Gelbsperre wieder nach innen und Teber versuchte sich auf Schweglers Position.

Von Zeit zu Zeit segelten sich lösende Schneeschichten vom Dach aufs Spielfeld; der Videowürfel verkündete ein Gladbacher Tor nach dem anderen gegen Bremen und urplötzlich zeigte die eingeblendete Tabelle eine Eintracht auf dem sechsten Platz. Europapokal hallte es kurz darauf durch Stadion; nicht sonderlich ernst gemeint; von uns - aber auch von den Akteuren, die nichts dafür taten, uns zu erwärmen. Eine Chance von Ochs, ein Kopfball von Russ - das war's in einer lahmen ersten Halbzeit. Meier, Liberopoulos und Altıntop teilten sich eine Position und wussten nicht so recht wohin mit sich und der Welt.

Halbzeit. Seitenwechsel.

Nikolov zeichnete sich während des gesamten Spiels durch mindestens drei beherzte Sprints außerhalb des Strafraumes aus - und klärte vor den heraneilenden Kölnern in ungewohnter Manier. Machtlos aber war er in der 59. Minute, als Maniche von Freis schön freigespielt die Kugel im Eintrachtherz versenkte. Skibbe reagierte, brachte Korkmaz für Köhler - und nur wenig später wälzte sich Korkmaz auf dem Boden; Neu-Kölner Tosic hatte ihm eine mitgegeben und es sah zunächst schwer danach aus, dass der Einsatz von Üüüüüüüümit nach wenigen Minuten schon wieder ein Ende gefunden hatte. Korkmaz aber biss sich durch. Das bittere Ende kam nach Abpfiff: Jochbeinbruch - eine erneute längere Pause wird folgen. Hatte schon letzte Woche der Nürnberger Andreas Wolf Pirmin Schwegler schwer verletzt, so war nun der nächste Ausfall zu beklagen. Sowohl Wolf als auch Tosic waren mit Gelb mehr als gut bedient.

Schwer flockte nun der Schnee durchs Flutlicht ins Stadion, endlich kam Farbe ins Spiel: Ein orangener Flutlichtball. Dann kam Caio für Liberopoulos und Bewegung in die Partie; die Eintracht erinnerte sich an Fußball, Meier und Teber scheiterten aus der Distanz an Mondragon, und holte sich dann doch den Ausgleich; im dritten Anlauf drosch Chris die Kugel resolut ins Netz, zuvor hatten Mondragon und ein Kölner noch die Versuche der Frankfurter abwehren können. Jawoll. Verdient. Endlich. High Five. Jawoll.

Altıntop hatte kurz darauf die Führung auf dem Schlappen, rutschte weg und sie war dahin; die Gelegenheit.

84. Spielminute; Stadiondurchsage. Zwei zu Eins für den 1. FC Köln durch ein Eigentor. Dass es Russ gewesen ist, zeigten uns erst die Bilder der Sportschau; dass es aber ein Treffer war, dem selbst einem Stürmer aus dieser Position aufs gegnerische Tor höchst selten gelingt, war schon im Stadion sichtbar. Flugkopfball, schräg, aus geschätzten zwölf Metern.

Scheißescheißescheißescheiße.

Die letzten Minuten, sie gingen sinnlos dahin, auch der erste Bundesligaeinsatz von Marcos Alvarez brachte nicht viel; Schlusspfiff; Abmarsch. Ausgerechnet gegen die Scheiß-Kölner murmelte ich vor mich hin; unterbrochen von einem seufzenden ach Scheiße.

Die Läuferin am Stadioneingang betrachtete leichtbekleidet und verschneit unseren Abgang, wir rutschten übers Eis durch den Wald zurück zu den Autos, die letzten Weihnachtsplätzchen wurden ausgetauscht; die Scheiben gekratzt und so schlingerte ein Golf Richtung Nordend und ein Mitsubishi nach Dietzenbach.

Nach einem Tee und der Sportschau ging's rüber nach Offenbach, die Dropkick Murphys gaben sich die Ehre, zuvor performten Sick of it all. Jede Menge Eintrachtler waren anwesend, ob sie die nachmittäglichen 90 Minuten vergessen konnten ist nur zum Teil überliefert; das Konzert jedoch war um Längen besser als der Kick.

Naja, dann sauste die Scheibe runter; das war's. Sick of it all.




Dank Stefan habe ich im Header einen neuen Adler. Legal. Danke.

Sonntag, 10. Januar 2010

Rücktritt oder was?


Als die Eintracht am letzten Hinrundenspieltag der laufenden Saison bei Eiseskälte ein 2:2 gegen den VfL Wolfsburg erreicht hatte, stand die beste Platzierung seit 1993/94 nach 17 Spielen fest. 24 Punkte, 10. Platz - ein Ergebnis, mit dem man zwar nicht zwingend rechnen durfte - das aber gleichermaßen nicht als utopisch anzusehen war.

Es war kein leichter Weg dorthin; vor allem die Schlappen gegen den VfB Stuttgart, Leverkusen und München zeigten, dass die Eintracht wie in den Vorjahren immer wieder für desolate Leistungen gut ist; ein Zustand, den sie keineswegs exclusiv hat. Begonnen hat die Saison übrigens mit einem 1:2 gegen die Kellnerauswahl von Wattens.

Nun hat die Eintracht im Wintertrainingslager in Belek nach einem 5:1 gegen RW Oberhausen ein 0:3 gegen den KSC kassiert - nachdem schon die Auftritte in der Halle keineswegs überzeugend waren. Während jedoch unsere Nachbarn noch in Jahrzehnten von jenem 4:1 schwärmen werden, geht unsereiner achselzuckend zur Tagesordnung über. Bremen ist wichtig.

Könnte man meinen.

Wie schon nach dem geplatzten Lincoln-Transfer und dem Desaster in Leverkusen geht Trainer Skibbe nach der Pleite gegen den KSC an die Öffentlichkeit; die Vöglein zwitschern, dass er unverhohlen mit Rücktritt zum Saisonende gedroht hat - wenn sich die Perspektiven nicht bessern. Schon vor einigen Wochen musste Skibbe aufkeimende Rücktrittsgerüchte öffentlich dementieren.

Andererseits wollte er nach dem Sieg in Freiburg oben angreifen und gab den Spielern nach dem Punktgewinn in Hoffenheim und den damit verbundenen 23 Punkten einige Tage länger frei.

Man darf sich also weiterhin auf folgendes Szenario einstellen: Gewinnt die Eintracht, so ist alles in Butter, verliert sie jedoch über Gebühr, folgt eine öffentliche Auslassung des Trainers über mangelnde Perspektiven. Mit Wachrütteln oder Augen öffnen ist dies ob der Wiederholung nur bedingt zu erklären.

Derzeit fallen mit Amanatidis und Fenin zwei Stürmer verletzt aus, die gesund sicherlich zur Stammformation zählen dürften; Amanatidis stand in dieser Saison 561 Minuten auf dem Platz; Fenin gar nur 195 Minuten - dennoch hat die Eintracht den vor der Saison von Trainer und Vorstand erhofften Punkteschnitt geschafft. Meier und Liberopoulos standen in vorderster Front - ein Duo, dass zwar nicht als Traumsturm durchgeht - aber immerhin (noch) gesund ist. Nach überstandener Schweinegrippe und scheinbar hoffnungsvollen Leistungen im Trainingslager scharrt der junge Marcos Alvarez mit den Hufen. In einer Zeit in der die Eintracht aller Wahrscheinlichkeit weder gegen den Abstieg noch um internationale Plätze mitspielt also ideale Voraussetzungen, ihn in der Rückrunde zu Einsätzen kommen zu lassen.

Natürlich würde dem Verein ein Stürmer von Format weiter helfen, zumal die gesundheitlichen Perspektiven von Amanatidis und Fenin leider wenig vorhersehbar sind. Dies dürfte unbestritten sein. Die Frage - neben den entstehenden Kosten - ist natürlich wer dies sein soll und wann die Eintracht handelt.

Mittlerweile dürfte so ziemlich jeder mitbekommen haben, dass Eintracht Frankfurt tendenziell einen Stürmer sucht - eine ungünstige Situation mit Blick auf Ablöse und Gehalt; das Hickhack um den mittlerweile gescheiterten Transfer/Leihe von Rafik Djebbour spricht Bände - wobei sich die Frage stellt, weshalb um alles in der Welt ein Spieler verpflichtet werden sollte, der seit April 2009 nicht gespielt hat - und den niemand zuvor hat spielen sehen; vor allem, weil die Eintracht mit Kweuke und Petkovic schon im letzten Winter zwei Spieler geholt hatte, von denen heute niemand mehr weiß, weshalb diese.

Was bringt ein Notkauf für die laufende Saison? Selbst wenn die Rückrunde geringfügig besser als die Hinrunde verläuft, würden selbst unverbesserliche Optimisten nicht auf die Idee kommen, mit dem Einzug ins internationale Geschäft zu liebäugeln - die Hoffnung auf das Erreichen dieses wäre ein Grund, jetzt irgendwie zu handeln; mit Betonung auf irgendwie. Selbst die größten Pessimisten rechnen andererseits nicht mit einem Abstieg - dies wäre ein weiterer Grund, sofort zu handeln - Hertha macht es gerade vor; das Ergebnis bleibt abzuwarten.

Fakt ist, dass die Eintracht derzeit mit Mahdavikia und Toski zwei Spieler im Kader hat, die nur wenig Chancen auf einen Einsatz besitzen; zwei Spieler, deren Verträge ebenso wie die von Markus Pröll, Marcel Heller, Nikos Liberopoulos oder Jan Zimmermann auslaufen.

Aber nicht nur bei der Eintracht werden sich Spieler spätestens im Sommer 2010 neue Vereine suchen müssen, auch bei anderen Vereine werden Verträge auslaufen - und vertragslose Spieler werden dann weitaus weniger kosten als jetzt in der Winterpause; weshalb also nun Geld ausgeben, welches in der Rückrunde nicht eingespielt wird - um aber einen weiteren Spieler im jetzt schon "aufgeblähten" Kader durch zu schleppen; einen Spieler, von dem wir jetzt schon wissen, dass es definitiv kein Wunschspieler sein würde.

Also wird es Aufgabe des Trainers sein, der von sich behauptet, mit jungen Spielern zu können, einen Alvarez oder bei Gesundung Tosun an die Bundesliga heran zu führen - und die der Eintracht, im Sommer auf dem Markt zu zu schlagen. Wenn alles optimal läuft, wird dies vielleicht gar nicht nötig sein, vielleicht finden Amanatidis und Fenin zu alter Gesundheit zurück, wärend Alvarez und Tosun sich etablieren. Und falls nicht, dürfte mit dem Ende der auslaufenden Verträge mehr Geld zu Verfügung stehen, um sich gezielt zu verstärken. Wenn nicht bis zum 31. Januar Miroslav Klose auf die Idee kommt, schon immer für die Eintracht spielen zu wollen.

Bis dahin möge sich Herr Skibbe nach Enttäuschungen öffentlich zurückhalten; das wiederholte kokettieren mit einem Rücktritt ohne Konsequenzen nutzt sich schneller ab, als ihm lieb sein könnte - und stärkt nicht gerade das Teamgefüge. Andererseits wirken jedoch die Details um die Verpflichtung von Rafik Djebbour nicht wirklich Vertrauen erweckend - dass am End alle froh sind, dass der Transfer nicht geklappt hat, wirft die Frage auf, weshalb man sich um diesen Spieler bemüht hat.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Eis im Apfelwein


Das Spiel der Eintracht gegen den VfL Wolfsburg dürfte ähnlich wie die Partien gegen Kaiserslautern am 29.05.1999 und gegen Waldhof Mannheim am 27. Januar 2002 in die Geschichte eingehen. War das Spiel gegen Lautern wohl das heißeste, was ich je im Stadion gesehen habe und gegen Waldhof das nasseste so fällt mir spontan kein Besuch in einem Fußballstadion ein, an dem es kälter gewesen ist. Annähernd -10° zeigte das Thermometer - die ideale Temperatur, um bei Lebkuchen und Tee warm eingepackt auf dem Sofa drei Nüsse für Aschenbrödel zu sehen. Statt dessen tuckerten wir im eisgekühlten silbernen Golf in Richtung Louisa, die Coffinshakers sangen von fliegenden Hexen und erwachenden Dämonen, von Leuchtfeuern und der Walpurgis Nacht, während Menschen in den Fußgängerzonen umher eilten, um die Gabentische zu füllen.

Es war relativ früh, etwa 13:00 Uhr, als wir an der Louisa parkten und durch den Stadtwald stapften: noch vor Spielbeginn warteten einige Aufgaben im Museum auf uns - und ein heißer Kaffee dazu. Obgleich die Tore noch geschlossen waren. schafften wir es problemlos aufs Gelände zu kommen. Die Verkäufer in den mobilen Verkaufsständen bereiteten sich ebenso wie die Ordner auf den kommenden Ansturm vor, das Museumsfähnchen flatterte schon im Eiswind und nur wenige Minuten später stand Pia fröstelnd vor dem Museum und verkaufte Devotionalien, während ich eine Gruppe Jugendlicher durch die Historie der Eintracht führte und Geschichten erzählte; Geschichten von Fritz Becker, dem ersten Frankfurter Nationalspieler und erstem Torschützen in einem Länderspiel Deutschlands; Geschichten von dem verlorenen Finale um die Deutsche Meisterschaft 1932 oder dem La Coruna Pokal, dem größten und schwersten Pokal, den die Eintracht je errungen hatte. Natürlich durften Bilder vom Endspiel 1959 nicht fehlen, damals als die Eintracht Meister wurde.

Heutzutage heißt der amtierende Deutsche Meister VfL Wolfsburg, es ist kaum zu glauben - und eben jener VfL gastierte heute im Waldstadion zum letzten Spiel des Jahres 2009. Ich löste Pia beim Verkauf ab, Sitzkissen waren der Renner, und allerlei bekannte Gesichter schneiten auf einen Besuch vorbei, viel mehr Zeit als eine Umarmung oder ein Händedruck blieb jedoch nicht. Mein Dad war mittlerweile eingetrudelt, schwere Stiefel und ein langer Mantel schützten ihn vor der klirrenden Kälte und das war auch gut so. Ich selbst hatte meinen Schal zu Haus vergessen - das war natürlich weniger gut.

Kurz vor Spielbeginn eilten wir die Stufen zu unserem Block hinauf, sangen Im Herzen von Europa und schon ging es los. Die Wolfsburger sahen aus wie eine Ansammlung von Textmarkern, zehn leuchtend gelbe kickten auf dem Feld, ein orangener stand im Tor - und mein Fotoapparat lag noch im Museum; ich hatte ihn extra mitgenommen, um ihn noch aufzuladen - und so lud er nun. Mückenhirn.

Die Eintracht begann mit Franz für Jung und Spycher für Köhler, der auf Grund des Ausfalls von Korkmaz im linken Mittelfeld begann. Wolfsburg bot im Strurm die Herren Dzeko und Grafite auf, welche in der letzten Saison sage und schreibe 56 Tore geschossen hatten; eine Marke, die Eintracht Frankfurt in der Bundesliga zuletzt 1993/1994 erreicht hatte.

Gott war's gedankt, dass sich die beiden in dieser Saison mit dem Treffen etwas schwerer tun. Während sich die Eintracht engagiert über das Spielfeld schaufelte, konterte der VfL ein ums andere Mal, stieß unvermittelt in die Spitze vor und schaffte es nicht, Opa Nikolov aus kürzester Distanz zu überwinden. Eine Chance für die Eintracht war bis dahin zu bewundern, Tebers Distanzschuss konnte Benaglio noch abwehren.

In der 26. Minute zirkelte Köhler einen Freistoß schön in den Strafraum; Maik Franz stieg in die Luft, köpfte und der Ball landete im Netz; der fünfte Treffer unseres Verteidigers, der jubelnd abdrehte. Wir hüpften umeinander - wie hüpfen generell ein probates Mittel war, um dem Frost etwas entgegen zu setzen. Wir wollen hüpfen hüpfen hüpfen wollen wir.

Knapp zehn Minuten später hüpften die Gäste, Dzeko stand urplötzlich alleine vor Nikolov - und ließ sich diesmal die Chance nicht nehmen. Ausgleich. Aus dem Wolfsburger Block flackerte ein kleines Feuerchen auf, während der Apfelwein in den Händen unserer Sitznachbarn im Becher gefror. Noch vor der Halbzeit hatte der VfL die nächste Chance doch es blieb beim schmeichelhaften 1:1; hätte es 1:4 gestanden, es wäre auf Grund der Chancen nicht einmal unverdient obgleich die Eintracht spielerisch tapfer mitgehalten hatte.

Die zweite Halbzeit brachte ein unruhiges Spiel, Ochs wuselte sich nach vorne, Schwegler und Chris hatten hinten alle Füße voll zu tun und wir fühlten uns wie in einer Tiefkühltruhe; Pia saß mittlerweile schweigend auf ihrem Platz, den Schal vor dem Mund, hätte Schiedsrichter Stark die Partie abgepfiffen, hätte sich wohl niemand beschwert, so aber nahmen wir ein 1:2 hin, welches Josué humorlos aus der Strafraummitte erzielte. Köhler, der zuvor eine unverhoffte Chance auf dem Fuß hatte, als er freistehend vor Benaglio nicht wusste, ob er abseits stand, schießen oder passen sollte und sich für irgendwas entschied, wurde später gegen Caio ausgewechselt. Es war nicht Caios Wetter.

Aber es war das Wetter von Alex Meier. Die Eintracht bemühte sich um den Ausgleich, kam jedoch kaum zu Chancen, es fehlte in der Mitte ein Spieler, für den Bälle aufgelegt werden können; es ist zwangsläufig, dass sich Chancen für die Eintracht entweder aus Standards oder Fernschüssen ergeben, so auch in der 79. Minute als Liberopoulos es geschafft hatte, den Ball irgendwie zu Meier zu schaufeln, der von der Strafraumgrenze überlegt einschoss. Meier, dessen Fuß weiß, wo der Ball hinfliegen soll. Ausgleich. Einer wusste wohl nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Marcos Alvarez, unser U-19 Stürmer wartete schon in seinem Trikot mit der Nummer 35 an der Außenlinie und stand Zentimeter vor seinem ersten Bundesligaeinsatz; ein weiterer Lebenstraum schickte sich an, in Erfüllung zu gehen - bis Meiers Treffer Trainer Skibbe bewog, mit den gleichen Elf zu Ende zu spielen. Alvarez zog sich wieder an und betrachtete den Schlusspfiff von der Bank.

Meier hatte sogar noch eine Möglichkeit, verzog aber knapp, so dass es am Ende beim 2:2 blieb, ein Ergebnis mit dem alle leben können - auch wenn der Punkt glücklich für die Eintracht war; verdient war er allemal.

Das war's also im Jahr 2009, die Eintracht hat 24 Punkte und steht ordentlich da; besser als die letzten 15 Jahre, das ist doch schon mal was. Weihnachten steht vor der Tür, vielleicht bringt das Christkind ja einen Stürmer - wir jedoch hatten nur ein Ziel: Wärme. Und so wanderten wir durch den nachtkalten Stadtwald, stießen vereiste Atemluft in die Dunkelheit bekamen von Daddy noch eine Tüte von Mama gebackener Plätzchen in die Hand gedrückt und verabschiedeten uns mit einem Punkt und Platz 10 in der Tasche.

Stefan hat tolle Fotos vom Spiel in seinem Blog, schaut sie euch an und genießt die Situation bei der Eintracht, im Winter 2009. Wenn ihr wollt, könnt ihr ja auch mal wieder bei Kid oder Frank vorbei schauen. Kid macht zwar gerade Pause, aber die Spielberichte über die ruhmreichen Taten der Schlappekicker müssen ja auch geschrieben und vor allem: gelesen werden