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Montag, 8. November 2010

Schwarzweißbunt


Es regnet. Nicht überraschend aber so ist es nunmal im November. Als Pia und ich Richtung Straßenbahn laufen, bimmelt in meiner Straße eine Glocke, der Kartoffelmann ist da. Doch er ruft nicht etwa ein schnödes Kaddoffel in den Tag, nein er singt förmlich: Kartoffeln, dicke gelbe Kartoffeln - und auch Äpfel und wir marschieren lachend vorbei.

Schon in der Straßenbahn die durch Oberrad rumpelt sitzen Eintrachtler, Schals um die Hälse gebunden - alle mit dem gleichen Ziel, das Bundesligaspiel gegen Wolfsburg zu sehen. Am Mühlberg steigen wir in die S-Bahn um und mit jeder Station steigen mehr Eintrachtfans zu, Mütter mit Kinder rücken zusammen, ab und an ertönt ein Schlachtruf, klimpert Flaschenbier, bis wir am Bahnhof Stadion ausgespuckt werden, der bis zur WM 2006 noch Sportfeld hieß; ein Begriff aus der NS-Zeit. Auf dem Weg zum Parkplatz treffen wir Carola und Stefan, die Stimmung ist gut, der Regen juckt nicht und ich hole am UF-Container unser Schwarze-Bembel-Banner ab, das wir anlässlich des Pokalspiels gegen den HSV wie andere EFCs auch über die Ultras haben anfertigen lassen. Groß ist es - unser erstes eigenes Banner.

Auf dem Parkplatz am Gleisdreieck treffen sich seit Jahren jede Menge Eintrachtler, die sich überwiegend über das Eintrachtforum kennen gelernt haben. Arndt bringt meist frisch gekelterten Abbelwein mit, wenn er nicht da ist, springen Richi und Laura in die Bresche, dazu schleppen die Fans von Spundekäs bis Grillgut je nach Lust und Laune alles mögliche zum Verzehr herbei, verhungert oder verdurstet ist hier noch niemand. Als Begrüßungstrunk wird in der Regel ein Boni gereicht, ein kleiner Kräuterschnaps, der dir alles zusammenzieht und den ich hier und nur hier trinke.

Als ich ankomme, stehen schon jede Menge Leute vor Ort und quatschen, sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen aber es ist immer so, dass die Zeit verfliegt. Pedro, der sich ein bisschen über das Banner beschwert hat, kommt spät - ich drücke es ihm in die Hand und wir lassen ein Foto machen, soviel Spaß muss sein. Schon geht es durch die Unterführung Richtung Stadion, hier steht Sigi und verkauft die Fan geht vor, in digitalen Zeiten ein Fossil. Nicht der Sigi, die Zeitung. Wenn aber all die geschriebenen Worte, die Fotos in den Tiefen der virtuellen Welt verschwunden sind, dann liegt vielleicht noch irgendwo eine alte Zeitung herum - und wir können nachlesen, wie es damals wirklich war. Gerne wird gesagt, dass das Internet nichts vergisst - doch viele Links, die vor Jahren erstellt wurden, funktionieren heute nicht mehr; die Inhalte sind verschwunden - so sie nicht irgend jemand gespeichert hat.

Der Einlass am Stadion geht relativ schnell, mein Banner interessiert niemanden, ich will es ja auch nicht aufhängen - nur aufbewahren. Dann nehme ich die Stufen, um auf meinen Platz zu kommen, Reihe 14 im Oberrang, das ist ganz schön steil und als ich oben ankomme, sind sie schon da: Pia, die sich ein bisschen früher aufgemacht hat und Daddy, der wie immer über die Louisa durch den Wald ins Stadion marschiert ist.

Kaum sitze ich, geht es auch schon los; die Eintracht ohne Chris und Meier - dafür aber mit einem tollen Tor nach 26 Minuten; Gekas hat kurz vor dem Strafraum abgezogen und Benaglio keine Chance gelassen. Wolfsburg, mit den vermeintlichen Stars Diego, Dzeko, Grafite sieht blass aus; die Eintracht kämpft, spielt. Jung und Ochs auf rechts, Köhler und Schwegler in der Mitte und hinten spielt Nikolov die Saison seines Lebens. Tzavellas und Altintop beackern die linke Seite, während mittig hinten Franz und Russ nichts anbrennen lassen. Caio ist auch dabei.

Sensationell das 2:0, aus nahezu 30 Metern donnert Schwegler die Kugel ins Netz, High Five, Staunen, Jubel.

Nach der Pause dann das 3:0, Franz wird im Strafraum umgerupft, Elfmeter für die Eintracht. Durfte Altintop noch gegen den HSV antreten, während Gekas sich die Kugel in St. Pauli schnappte, obgleich Altintop auch schießen wollte, so war die Situation heuer deutlich; Altintop überlässt Gekas den Ball und dieser verwandelt zum 3:0, Benaglio war fast noch dran, hätte er die Arme lang gemacht, hätte er den Ball gehalten - aber wenn es läuft, dann läuft es. Wahnsinn.

Wolfsburg ist keine schlechte Mannschaft, dies kann man nach dem dritten Treffer erkennen, humorlos der erste Treffer für die Gäste. Die Eintracht wankte, aber sie fiel nicht. Nikolov hält die Adler im Spiel, entschärft einige Bälle, während andererseits Benaglio gegen Jung und Fenin klären kann. Skurril die Szene, als Ochs an der Außenbahn nach einem Zweikampf mit Mandzukic vor diesem steht und Wolfsburgs 18 völlig sinnfrei auf dem Boden zusammenbricht, um eine Karte zu provozieren. Er wird wissen müssen, dass wir uns seinen Namen gemerkt haben. So endet ein tolles Fußballspiel mit einem völlig verdienten 3:1 für die Eintracht, die kurzzeitig auf den dritten Platz hüpft, Seligkeit allenthalben. Nikolov und Gekas werden besonders gefeiert, selbst Attila hebt die Flügel zur Feier des Tages und ein großer Applaus prasselt von den Rängen hernieder

Während Pia und Daddy zum Auto marschieren, wandere ich noch einmal ans Gleisdreieck, trinke einen Abbelwein und freue mich mit all den anderen über eine bislang überragende Saison. Es ist schon recht ruhig, als ich dann zur S-Bahn-Station aufbreche; Blaulicht kreist ins Dunkel - ich denke mir nichts dabei. Erst spät am Abend erfahre ich, dass hier nach dem Spiel ein junger Eintrachtfan über die Gleise laufend von einem Zug erwischt wurde und gestorben ist. Welch ein tragisches Ende für ein so dollen Nachmittag.

Die S-Bahn rollt ein, ich gucke aus dem Fenster; Menschen kommen und gehen, während ich ein paar Fotos mache. Mittlerweile bin ich ja quasi nackig, wenn ich nicht zumindest meine kleine Lumix dabei habe. Keine Ahnung, was ich mit all den Bildern machen soll, ein paar habt ihr ja sicherlich schon hier entdecken können - aber es macht alleine schon Spaß, mit den Augen der Kamera zu denken.

Am Mühlberg steige ich aus, die Linie 16 kommt schon angerollt und bringt mich ins dunkle Oberrad. Eigentlich will ich ja nur kurz meinen Ausweis für das sonntägliche U23-Spiel holen um dann gleich weiter ins Nordend zu fahren - doch die Straßenbahn fährt mir vor der Nase weg. Und so entscheide ich mich, am Main über die Schleuse zum Kaiserlei zu laufen; kaum ein Mensch ist unterwegs, Die Lichter der Schleuse spiegelen sich im Fluss, ab und an schippert ein Kahn vorbei und die Nacht wirkt schwarz-weiß. In der Ferne rauscht der Verkehr.

Ich wandere über die Kaiserleibrücke und durch die Unterführung an der Hanauer Landstraße. Ein fantastischer Ort unter dieser gigantischen Kreuzung. Tunnels voller Graffiti in jede Richtung, Neonlicht dazu. Am Ostpark vorbei geht es zur Eissporthalle und da kommt auch schon Pia angesaust, die mich für die letzten Meter ins Nordend mit dem Golf abholt. Nun ist es warm und wieder bunt; ein seltsamer Tag geht zu Ende, schwarzweißbunt mit tollen Eindrücken, traurigen Momenten und einem grandiosen Sieg der Eintracht.

Wie immer könnt ihr den Spielbericht bei Kid nachlesen und den Spieler des Tages wählen, beim Stefan gibt es die passenden Fotos dazu.




Foto 1: Wib

Fotos 2-6: Beve

Montag, 18. Oktober 2010

Heimspiel in Lautern


Sonntag, 17.10.2010 - Matchday

Nach den Aufregungen der letzten Tage, als vor allem die Stunde der wohlgenährten Entrüstungsbedenkenträger schlug und in vielen Medien ein Bild der Eintrachtfans gezeichnet wurde, das uns klar machen wollte, Genua sei in Wirklichkeit in Frankfurt, schlug nun die Stunde der Wirklichkeit. Der silberne Golf durfte auch mitspielen, allerdings nur kurz: Durch den grauen Sonntagmorgen rollten Pia und ich vom Nordend Richtung Kaiserlei und parkten im angrenzenden Büroviertel. Da wir zu fünft fahren wollten, erschien der tapfere kleine Golf doch etwas zu beengt und hatte folglich frei. Wenige Meter entfernt entdeckten wir schon Stefan R. und Thomas, bald darauf stieß auch Daniel zu uns - und so rollten wir auf die Autobahn. Der Herbst hatte das Land im Griff, die Scheiben beschlugen von innen - und nun werden sie folgen, die Spiele in der Kälte, im Regen; vorbei die Sonnentage. War es nicht eben erst, als wir durch Wilhelmshaven geschlendert sind? Nun also Kaiserslautern.

In des Tages Gräue verspielten sich die bunten Herbstfarben der Bäume am Straßenrand, plaudernd überquerten wir Vater Rhein, rollten durch die Pfalz, sahen Hügel, Täler und Weinberge, bis wir nach knapp anderthalb Stunden in Kaiserslautern einrollten. Nahe eines Volksfestes parkten wir kostengünstig, nahmen Schlachtermesser und Hackebeilchen in die Hand und machten uns auf den Weg zu morden und zu brandschatzen. Die Vögel grunzten in den frühen Mittag, derweil wir nach Opfern Ausschau haltend Richtung City marschierten. Der 1.FCK war präsent, ausgeblichene Fahnen hingen aus Fenstern, viele Aufkleber pappten an Verkehrsschildern, die Kneipen hießen Rote Teufel oder Walter 11 - und dort wo die Walter11 zu Speis und Trank einlud, wurden einst zwei Brüder geboren, die den 1.FCK in den Fünfziger Jahren zu Ruhm und Ehre geschossen hatten; Fritz und Ottmar Walter wurden in der Bismarckstraße 24 geboren; eine Gedenktafel erinnerte an die einheimischen Helden.

Kaltes Grausen packte uns, als wir an der Tanzschule Metzger vorbeiliefen, zuvor marschierten wir an der Gasanstalt vorbei; Stefans Kommentar lautete schlicht: Ewiggestrig.

Wir wanderten durch die Fußgängerzone und begegneten einer Bronzestatue des Brezel-Adams, der einen (ebenfalls bronzenen) Bub zwischen den Beinen eingeklemmt hatte - ein freundlicher Einheimischer erzählte uns die Geschichte des Mannes, der als Lauterer Original gilt - zum Dank ließen wir ihn am Leben. Die Geschäfte richteten sich derweil für den verkaufsoffenen Sonntagnachmittag und wir fanden uns in einer Wirtschaft Zum Bitburger nieder. Neben uns platzierten sich schwäbische Fans des FCK, die Bedienung kam aus Reutlingen und wir plauderten gutgelaunt in freudiger Erwartung einer warmen Mahlzeit - die dann auch kam. Zwar schien die Bedienung angesichts der Massen etwas irritiert, aber dann stand er vor mir, der Pfälzer Teller: Saumagen, Bratwurst, Leberknödel - etwas anderes als eine Art Schlachtplatte kam mir hier nicht auf den Tisch.

Später am Büdchen noch einen schnellen Schoppen als Wegzehrung besorgt, den Blaulicht beleuchteten Bahnhofsausgang flugs umlaufen und kurzer Stopp vor der Unterführung. Hunderte Lauterer marschierten hindurch, es sah aus, als seien sie der Gästemob und als dieser im Tunnel verschwunden war, folgten wir ihnen in den buntbeleuchteten Schacht. De Fußball kummt häm. Wieder im Lichte sahen wir den Kreisel, in dessen Mitte uns Fußballfiguren bewachten, 11 trugen rote Trikots, der Rest grüne - und dazu sei gesagt, dass die Polizei insgesamt recht präsent war, sich aber wohltuend zurückhaltend zeigte.

Auf dem Weg nach oben mengten sich Pfälzer und Hessen; wir kauften die letzten Bierdosen zuvor nie gesehener Marken (Baron), entdeckten mit Adler versehene Metzgerschürzenattrappen und hatten es letztlich geschafft - ganz ohne Sauerstoffgerät hatten wir Deutschlands höchsten Fußballberg erklommen, den Betzenberg. Nun trennten sich unsere Wege; während Daniel, Stefan und Thomas den Stehplatzbereich enterten, steckten in Pias und meiner Tasche Karten für Block 18. Obgleich ich es nicht zwingend vor hatte, erwarb ich bei Gabi noch den letzten Schal und solcherart geschmückt, trafen wir nun auf jede Menge bekannter Gesichter, überall ein großes Hallo und große Vorfreude. Nicht dabei war allerdings Charly, der sich Tage zuvor den Unterarm gebrochen hatte, wie ich erst am Samstag erfahren hatte und dem ich an dieser Stelle gute Besserung wünsche. Ich quatschte eine zeitlang mit Tom, dann fiel mir Arndt um den Hals, dort winkte Cardoso - Familientreffen in der Pfalz.

Der Einlass ging flott, viele Frankfurter Ordner waren präsent und wir hockten uns alsbald auf unsere Plätze mit schöner Sicht auf das Spielfeld. Um uns die Geiselgangster, André und Sandy, Siggi und Gerre, Dani und Presi; es war angerichtet. Zwei kleine Rauchwölkchen stiegen in die Luft und die Mannschaftsaufstellung zeigte, dass sich zum Spiel in Stuttgart personell nichts geändert hatte. Interessanterweise stand Markus Steinhöfer im 18er Kader, der ja in der letzten Saison eine Halbserie für den FCK gespielt hatte - wie zuvor schon Amanatidis und Altintop in Reihen der Eintracht.

Zum Einmarsch der Mannschaften präsentierten die Frankfurter ihre Schals, während die Lauterer eine Choreo nach oben zogen und mit Pilskronen garnierten. Zuvor verkündeten Banner der Lauterer Kurve, dass man a: noch nicht werfen sollte und b: nun das Material bereithalten möge. Chaotisch, Fanatisch, Lauter(n) konnten wir lesen- und es sah nicht schlecht aus.

Lautern erschien in den ersten Minuten wendiger, das mag vielleicht an der Trikotwerbung gelegen haben: Allgäuer Latschenkiefer. Doch dieses konnte auch in der 26. Minute nicht helfen, einem spektakulären Flug von Lakic nach leichter Klammer von Tzavellas folgte ein Elfmeterpfiff - und der Gefoulte trat selbst an. Wieder einmal bewies Nikolov seine Klasse auf der Linie und konnte den Elfer halten; während die Eintracht bislang sich noch keine zwingende Chance erspielt hatte. Dies änderte sich kurz vor dem Pausenpfiff, als ich Ochs und Jung per Doppelpass durch die Abwehr spielten und Gekas die Hereingabe von Jung zum 1:0 verwerten konnte.

Es lief also alles nach Plan; vor allem weil die Eintracht in der zweiten Hälfte den 1.FCK auch spielerisch dominieren konnte. Jung machte Druck über außen, Oka den ein oder anderen riskanten Abschlag und letztlich segelte eine schöne Flanke von Tzavellas kurz vor das von Sippel ordentlich gehütete Tor, und Gekas erzielte mit seinem zweiten Treffer das 2:0. Nahezu 8.000 Frankfurter feierten den Torschützen, der wenig später für Meier unter großem Applaus das Feld verließ. Zuvor sahen wir noch einen strammen Schuss von Jung, den Sippel parieren konnte und Köhler, der für den schon geschlagenen Nikolov auf der Linie klärte.

Als Meier nach einem schönen Zusammenspiel zwischen Schwegler und Jung und der passgenauen Hereingabe von Jung auf 3:0 erhöhte, war die Messe gelesen. Lauterer Anhänger verließen enttäuscht das Stadion, wir aber freuten uns überglücklich über den bevorstehenden Auswärtssieg. In Kaiserslautern, das gab es in der Historie nicht allzuoft. Der Jubel Meiers jedoch schien eher zurückhaltend - das ist der Stoff, der unserem Vorstandsvorsitzenden gefällt.

Für Lautern wird die Luft allmählich dünner, ich aber wünsche ihnen den Klassenerhalt von ganzem Herzen; das Stadion ist ordentlich und trotz der Umbauten anlässlich der WM 2006 noch immer originell, die Kapazität ist ausreichend, die Fahrtstrecke kurz und die Stimmung prickelnd - kurz, hier handelt sich um eine Fußballmannschaft mit gewachsener Fanstruktur und Herzblut einer ganzen Region und nicht um einen Kasperleverein, der zwar von den Medien liebgewonnen wird aber ansonsten nicht ernst zu nehmen ist, egal auf welchem Tabellenplatz sie stehen.

Auf dem Rückweg mussten wir noch kurz vor dem Ausgang der Pfälzer warten, marschierten dann Richtung Tunnel - dort jedoch erwartete uns eine nächste Polizeisperre. Da am nahegelgenenen Bahnhof jedoch ebenfalls kein Durchkommen war - und wir auch gar nicht dort hin wollten, wanderten wir auf Empfehlung eines Polizisten zurück zum Tunnel - der noch immer versperrt war. Nach einigem Genöle wurde der Durchgang geöffnet - und kaum waren wir auf der anderen Seite krachte ein Böller und ein paar Lauterer flitzten heran, um Frankfurter Schals zu ziehen. Kurze Irritation, Blaulicht und alsbald war wieder Ruhe.

Wir wanderten zurück zum Auto, reihten uns in den tröpfelnden Verkehr ein, überholten etliche Eintrachtbusse und flogen über die Autobahn zurück zum Kaiserlei. Kein Stau. Nirgends. Wohlbehalten landeten wir wieder in ähem Offenbach, verabschiedeten uns von Daniel, Stefan und Tom und rollten mit dem Golf (silber) durchs abendliche Frankfurt. Auswärtssieg in Lautern. Geil. Näheres zum Spiel wie immer bei Kid. Wie es sonst so war, lest ihr hier.

Schlachtfest in Lautern

Mittwoch, 27. Januar 2010

24 Stunden


Gestern war es, so gegen 16:00 Uhr. Warm eingepackt verließ ich mein Zuhause und ließ mich mit der Trambahn nach Sachsenhausen rumpeln, ein heißer Apfelwein und nettes Nachmittagsgeplauder wartete auf mich. Wir saßen und schwatzen über dies und jenes und über die Eintracht sowieso, großartig Neues kam nicht auf den Tisch, außer heiße Leberwurst und Sauerkraut. Der Abend brachte einen Film über den Serienmörder John Wayne Gacy sowie Inglorious Basterds mit einem groß aufspielendem Christoph Waltz; der Morgen danach Aufräum- und Sortierarbeiten; da ist es ganz praktisch, dass man derzeit keinen Internetanschluss besitzt und sich nicht groß irritieren lässt; was soll auch an einem eisigen Mittwoch schon groß passieren? Von Zeit zu Zeit liebe ich es ja, abgeschnitten von der Welt in meiner Hinterhauswohnung zu sitzen und mich um meinen Kram zu kümmern; manchmal fällt mir eine ewig ungehörte CD in die Finger, manchmal eine alte Eintrittskarte und die Gedanken lösen sich von der Wirklichkeit - oh heilige eigene kleine Welt.

In der Küche hing mein Handy am Ladegerät, während ich nebenan rumorte - eingehende SMS werden da gerne überhört; doch Pia ließ nicht locker - und rief an:

Altintop kommt.

Nikolov geht.

Preuß verletzt.

?

Einmal nur knapp 24 Stunden nicht online - und schon passiert's. Im Ernst, es passiert natürlich auch sonst jede Menge; alle naslang werden Kinder geboren, sterben Menschen, gehen Landstriche zu Grunde. Dies geschieht aber nur, wenn man davon in Kenntnis gesetzt wird und - ich gebe es zu: Ich will eigentlich gar nicht dauernd und ständig in Kenntnis gesetzt werden. Oder mich gar dazu äußern. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß sagt der Volksmund, der es ja wissen müsste und wer will schon permanent überhitzt durchs Dasein laufen.


Altintop kommt.

Nikolov geht.

Preuß verletzt.

?

Das sind natürlich drei Nachrichten von ungeheurer Qualität. Dass die Eintracht einen neuen Stürmer verpflichtet, ist wenig überraschend; schließlich läuft die Transferphase noch bis zum nächsten Montag - alle Beteiligten wissen ob der Verletztenmisere und kennen die finanziellen Verhältnisse, die es zwar nicht erlauben einen Herrn Kießling oder Gomez zu verpflichten aber durchaus einen unzufriedenen Bankdrücker eines anderen Bundesligisten. Dies dürfte zwar unsere Nachwüchslinge vom Schlage eines Marcos Alvarez nicht entzücken, aber dieser kam ja auch ohne Neuverpflichtung zu keiner einzige Bundesligaspielminute. Und das, obwohl der Trainer ja mit Jungen kann. Sagt er. Jetzt also Halil Altintop.

Dank meines türkischen Freundes Ergin bin ich auch sofort über die wesentlichen Dinge aufgeklärt worden.

Punkt 1: Altin heißt auf deutsch Gold und Top heißt Ball. Oder Kanone. Das muss doch Glück bringen. Halil Goldball. Bei gleicher Gelegenheit erfuhr ich übrigens, dass Korkmaz hat keine Angst bedeutet. Auf geht's ihr Buben.

Und so ganz nebenbei gibt es hier unentgeldliche Spachtipps von Ergin, der es ja wissen muss:

Altintop sprechen ALLE - ausnahmslos ALLE - Deutschen falsch aus. Richtig wird es ausgesprochen wie "Altentop", mit einem stimmlosen "e" wie in "Blume" zum Beispiel. Weil über dem i der Punkt fehlt -> "ı" -> Altıntop.

Jetzt wisst ihr's.

Auf geht's könnte es auch demnächst für Oka Nikolov heißen. Die New York Red Bulls locken ihn über den großen Teich - und wenn ich Oka wäre, ich würde den Abflug machen. Dies dachte sich Oka selbst auch und lehnte ein zweijähriges Angebot der Eintracht ab. Blöd nur, dass die Liga in den Vereinigten Staaten schon am 15. März beginnt, die Eintracht ihn aber bislang nicht ziehen lassen will - was ich auch gut verstehen kann.

Mensch, wenn Oka die Eintracht verlässt , das wär ein Ding. Aber mit 35 noch zwei, drei Jährchen in New York zu kicken und zu leben und dabei noch gutes Geld zu verdienen, nebenbei noch Englisch lernen - das sind doch unschätzbare Erfahrungen, um die - so sie denn eintreffen - ich ihn beneide. Und sollte es wirklich so kommen, dann tritt er bei der Eintracht mit einem Standing ab, das ihn für alle Zeit den ewigen Oka bleiben lässt. Besser, als vielleicht schon in der nächsten Saison nach einigen Patzern in Frankfurt auf der Tribüne zu hocken. Ein Tränchen dürfen wir aber schon verdrücken; vor allem die Jüngeren - viele von ihnen sollen ja tatsächlich glauben, Oka hätte schon bei Gründung der Victoria anno 1899 im Tor gestanden.

Christoph Preuß verletzt; das ist natürlich eine niederschmetternde Neuigkeit; Einriss im Meniskus des rechten Knies lautet eine mögliche Diagnose und wer die Vorgeschichte kennt (und welcher Eintrachtler kennt sie nicht) der ahnt, was es für Christoph bedeutet. Noch weigere ich mich schlimm zu denken und drücke die Daumen, dass alles halb so wild ist. Alles andere sehen wir wenn es an der Zeit ist. Gute Besserung wünsche ich von dieser Stelle von ganzem Herzen. Und grüße an dieser Stelle auch ganz herzlich meinen Freund Kid Klappergass, der keine Worte findet.



Die Zeichnung von Oka zeigt einen Ausriss aus einem Comic von Michael Apitz
Die Autogramkarte von Christoph stammt, wen wunderts, von Franks Archiv

Dienstag, 26. Januar 2010

In eigener Sache: Neugestaltung der Seite




So langsam dürfte die Baustelle Beves Welt geschlossen sein. Zum einen nervte das fehlende t in der Umfragenüberschrift gewaltig - aber sobald eine Stimme abgegeben ist, kann ich den Text nicht mehr ändern und zum anderen habt ihr ja die permanenten Änderungen mitbekommen, so dass die Umfrage nicht wirklich aussagekräftig ist. Aber euer Feedback zeigte, dass das alte, schwarze Layout optisch zwar schöner wirkte, die Lesbarkeit aber vor allem für schwächere Augen eingeschränkt war. Von daher denke ich wird die neue Optik dem Abhilfe schaffen - ohne den farblichen Eintracht-Bezug aus den Augen zu lassen. Mir gefällt es nach all den Versuchen ganz gut, es ist von Stefans und Kids Blog zu unterscheiden ohne zwanghaft sich über das Layout zu profilieren und scheint übersichtlich zu sein. Leider geben die Vorlagen von Blogger nicht allzuviel her, so dass natürliche Grenzen vorhanden sind. Von nun an werden wieder die Inhalte im Vordergrund stehen, falls euch bei euren Browser/Einstellungen noch etwas auffällt, sagt Bescheid.

So, wo waren wir stehen geblieben? Ahja, US Boy Ricardo Clark kam an (per. spek. tivisch), Mehdi wechselt nach Teheran (Danke für alles), Schwegler wurde von Wolf erheblich an den Bändern verletzt und fällt mindestens zwei Monate aus (gute Besserung) und Oka könnte in der nächsten Saison in den USA spielen (Schade für uns, toll für ihn). Einsätze von Alvarez gab's bislang nicht (leider), dafür aber demnächst Kunst im Museum. Am Samstag kickt die Eintracht gegen Köln und abends rocken die Dropkick Murphys in der Stadthalle nebenan. Wer keine Karte hat, geht in die Bembelbar, deren siebenjähriges Jubiläum im Dreikönigskeller gefeiert wird und singt dort schmutzige Lieder.

Hier. Regiert. Die SGE.


Montag, 26. Oktober 2009

Samstags in Frankfurt


Normalerweise beginnt ein Blogeintrag nach einem Auswärtsspiel der Eintracht mit einem Heimspiel in ...

Heute nicht, der Grund ist simpel: Ich war nicht da. München und Fußball, das ist etwas für Junggesellenabschiedsfeierer oder Frauen mit Hut feat. Krähenfeder - oder ein Fest für die ganze Familie. Ich habe mir das Schlauchboot zweimal gegeben, einmal in Rot, das war grausam und einmal in Blau, das war annehmbar. Blau fällt für's Erste aus, also heißt es: TV.

Noch am Morgen fiel mir etwas ganz anderes in die Hände; ich möchte es euch nicht vor enthalten:

Da war der Tag noch lustig. Der silberne Golf kam auch ins Spiel, die Reise jedoch war kurz: Nordend, Neu Isenburg, Sachsenhausen. Es herbstelte, aber ich kann es nicht lassen - anstatt weltvergessen durch einen Wald zu wandeln, dem Farbwandel der Natur zu zu sehen und meinen Kopf innwendig zu reinigen, hockte ich inmitten etlicher anderer Freaks in einer Spelunke in Frankfurt und starrte auf eine Leinwand. Leicht irritiert nahm ich die Aufstellung der Eintracht zur Kenntnis; Ochs im Mittelfeld, Chris in der Innenverteidigung und Franz als rechter Verteidiger; Schwegler, Bajramovic mit Teber im Mittelfeld, Spycher und Russ wie gehabt auf Links bzw Innen. Blieben noch Meier und Liberopoulos für ganz vorne und Nikolov für ganz hinten. Die Ansage unter Funkel wäre klar gewesen: Bitte nicht zweistellig verlieren; Skibbe verkaufte uns dies anders: Wir wollen mindestens einen Punkt holen.

Es kam, wie es kommen musste, während der gesamten ersten 45 Minuten tauchte die Eintracht kein einziges Mal im Strafraum der Bayern auf, während diese einen Stiefel zusammen rumpelten, dass der Bayernkunde ab Minute 38 zu pfeifen begann. Dies änderte jedoch nichts daran, dass es gut und gerne zur Pause 3:0 hätte stehen können. Apropos Stehen können: Dies könnte ein Stichwort für den Spieler Thomas Müller sein: Der hoch gelobte Bayern Jungstar segelte ein ums andere Mal ohne jegliche Feindberührung über das Spielfeld, dass er in meiner Hassliste den Ex-Bremer Diego ablöste und sich fortan Platz eins mit Marin teilen darf. Man hätte es Maik Franz nicht verübeln können, wenn er nachträglich noch dafür gesorgt hätte, dem Schnösel einen Grund für seine Fallsucht zu geben. Aber Franz hatte sich im Griff.

Der erste Höhepunkt in Halbzeit zwei war eine SMS von Roland, der unsere U23 in Wiesbaden beim Regionalligaspiel bei Wehen II gesehen hatte und mich von dem 5:1 Auswärtssieg der Eintracht in Kenntnis setzte, der zweite Höhepunkt die sensationelle Führung der Eintracht; Ochs auf Meier und der Lange wuppte das Bällchen an Butt vorbei ins Netz. Unverdient aber egal. Nur wenig später pfiff Schiedsrichter Dr. Jochen Drees Alex Meier auf dem Weg zum 2:0 harsch zurück, er hatte als einziger unsere 14 im Abseits gesehen - in einer Zeit, als die Eintracht tatsächlich Fußball spielte und sich durch Ochs noch eine weitere Chance erarbeitet hatte.
Wenig später konnte Nikolov einen Ball im Strafraum nicht sichern und prompt schob Robben, wenige Minuten zuvor eingewechselt, zum Ausgleich ein. Und als aus Zittern ein Beten wurde, trat uns der liebe Gott in den Hintern, derweil van Buyten zum Siegtreffer der Bayern einköpfte. Abpfiff, verloren, aus und vorbei.

Teber wusste wohl selbst nicht, weshalb er durchgespielt hatte; Oka wird nicht mehr viele Spiele für die Eintracht machen, während Maik Franz für mich zum Liebling des Tages wurde. Klar ist aber eines: Geändert hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nicht viel. Der alte Trainer sagte, wie es war, der neue was er glaubt, was gerne gehört wird. Entscheidend aber ist noch immer auf dem Platz. Nichts Neues also; Mittwoch geht's weiter. Dann allerdings ohne die Männchen, die in München ganz in Weiß auf der Tribüne platziert werden - und zwar so, dass sie das Logo eine Telekommunikations-Unternehmens nachbilden.

Noch jetzt weiß ich nicht, wo ich beginnen und wo enden soll - mit Ärgern. Das beste ist, ich halte die Klappe und schaue mir nachher Christoph Preuß im Mannschaftstraining an. Was bliebe sonst zu tun?

Montag, 28. September 2009

Oh wie ist das schön


So, das war sie also, die erste Niederlage der Saison 2009/2010. Völlig verdient auch in dieser Höhe unterlag die Eintracht dem VfB Stuttgart mit 0:3 - und verlor zudem Marco Russ durch eine zweifelhafte rote Karte. 10 Punkte nach sieben Spielen, das geht schlechter, fragt die Hertha. Dazu kommt der Einzug in die dritte Pokalrunde; Heimspiel gegen die Bayern. Immerhin Heimspiel. Wenn die Eintracht Pokalsieger werden will, müssen die Münchner aus dem Weg geräumt werden, so wie weiland 1974, als Grabi im Halbfinale zwar einen Elfmeter versemmelt hatte, aber Jürgen Kalb aus gleicher Entfernung kurz vor Schluss den 3:2 Halbfinalsieg sicher stellte. Träume in Schwarz-Weiß.

Rückblende Waldstadion, Samstag, 26.09.2009

Den ersten Höhepunkt gab es schon vor dem Spiel; der Unterrang hielt weiße und schwarze Papptafeln in die Höhe, in dessen Mitte rote Luftballons ein Herz bildeten - herzig also die Begrüßung der Mannschaft. Als es dann losging, hielt Nikolov zunächst die Eintracht mit zwei herausragenden Reflexen im Spiel bevor er nikolovte und am Ball vorbeisegelte bzw. diesen weder fing noch faustete, sondern dem Stuttgarter Schieber (nicht Gräfe) vor die Füße patschte, woraufhin dieser problemlos einschob. Schon zu diesem Zeitpunkt konnte man die Richtung des Spieles ablesen, eigentlich angeschlagene Schwaben dominierten Gedanken- und Bewegungsarme Frankfurter und folgerichtig erhöhte Schieber nach missglückter Abwehr von Russ zum 0:2. Als Russ kurz darauf Khedira von den Beinen holte, kickte die Eintracht mit 10 Mann weiter und fing sich in der zweiten Halbzeit noch das 0:3 durch Hitzelsberger - und das obwohl Hleb beim VfB erst gar nicht mit von der Partie war und Cacau als auch Pogrebnyak zunächst auf der Bank schmoren mussten. Dafür gab Lehmann den Lehmann und schubste vor der Partie einen Fotografen zur Seite, der es gewagt hatte, zu sein.

In der Frankfurter Kurve gab man sich ab Mitte der zweiten Hälfte illusionslos der Selbstfeierei hin; waren die imaginär geschossenen Tore, die bejubelt wurden noch ganz witzig, so wurde spätestens bei den Gesängen Oh wie ist das schön und der folgenden La Olá ein Etwas zelebriert, das mir ordentlich meine schlechte Laune vermieste. Ich bin schlicht; wenn ich noch eine Chance sehe - und ich sehe fast immer noch eine Chance, das haben uns die Siege gegen Lautern und Reutlingen gelehrt - dann will ich die Eintracht supporten, den Gegner schmähen oder dem Schiri an die Gurgel - bildlich gesprochen natürlich; ein einziger Treffer kann ein Spiel kippen, 80 desaströse Minuten können durch 10 Minuten heißen Tanz gekippt werden, wer weiß, vielleicht fliegt noch ein Gegner vom Platz undundund. Träume in Schwarz Weiß. Und wenn die Eintracht es nicht auf die Reihe bekommt, dann will ich wenigstens in Würde leiden. Was ich aber nicht will, ist Aerobic beim Fußball. Arme hoch, Arme runter. Hinsetzen. Aufstehen. Hinsetzen. Arme hoch etc. Vor allem nicht, wenn die Anlage der Jungs, die unten das Kommando geben dermaßen laut eingestellt ist, dass ich den Eindruck hatte, dass phasenweise die Stuttgarter sogar mitmachten, weil sie dachten, es käme aus ihren Reihen. An die 100 Meter entfernt. Und vor allem nicht, wenn keiner mehr an die Wende glaubt.

Eine Wende, die dann beinahe der Stuttgarter Anhang noch selbst herbeigeführt hätte. Kurz vor Schluss rauchte es nicht nur im Stuttgarter Block, es wurden ein paar Bengalos abgefackelt und sogar ein Böller nach dem nächsten gezündet. Stuttgarts Trainer Babbel beschwichtigte die Kurve - was diese jedoch zum weiterböllern animierte. Die Mannschaft war nach Spielende über diesen Bärendienst so erzürnt, dass sie schnurstracks ... in die Kurve marschierte und sich bedankte. Babbel sprach nach Spielende davon, dass den Übeltätern lebenslanges Stadionverbot ausgesprochen werden sollte. Nicht der Mannschaft; den Zündlern.

Bei der Eintracht haben wir gesehen, dass der Ausfall von Amanatidis, Vasoski, Ochs, Caio und Spycher nicht zu kompensieren ist, wobei fairerweise gesagt werden muss, dass die drei erstgenannten zwecks Verletzung und Sperre nicht spielten. Wenn man sich nun anschaut, gegen wen die Eintracht bislang gepunktet hat, dann fällt auf, dass sowohl Köln, als auch Nürnberg oder Dortmund weit hinten stehen und Werder seinerzeit noch ohne Pizarro gegen uns antrat - folgerichtig müssen wir erkennen, dass sich im Grunde seit letztem Jahr nicht viel geändert hat: Stehen die wichtigen Spieler zu Verfügung, haben wir ein Team, dass sich gegen jeden behaupten könnte, Ausfälle jedoch sind nicht wirklich kompensierbar und Anlass zu Größenwahn gibt es keinen. Realistisch ist ein Mittelfeldplatz, wenn es arg schlecht läuft, geht die Reise flott nach unten, siehe derzeit Dortmund oder Hertha und wenn alles optimal läuft, dann ärgern wir halt mal einen Großen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und da alle, die nicht Meister werden können, tendenziell gegen den Abstieg spielen, auch wenn am Ende ein achter Platz dabei rausspringen sollte, ist nichts passiert.


Immerhin brachte der folgende Sonntag für die von Alexander Schur trainierte U17 ein weiteres Erfolgserlebnis: Den fünften Sieg im fünften Spiel - und das gegen die von Stefan Beckenbauer trainierten Bayern. 1:0 lautete das Endergebnis am Riederwald; Sonny Kittel hatte kurz vor dem Pausenpfiff vom Elfmeterpunkt getroffen. Interessant ist auch das Torverhältnis: 10:0 lautet es - Tabellenführung inklusive.

Kurz darauf trotzte die U23 am Bornheimer Hang dem Spitzenreiter VfR Aalen ein 0:0 ab. Torhüter Jan Zimmermann hielt in seinem ersten Spiel nach langer Verletzungspause den Punkt vor 350 Zuschauern fest. Nicht dabei waren die Frankfurter Ultras, die nach seltsam ungewohnten Einlasskontrollen seitens der Ordner sich dem Spiel verweigerten. Auch die Aalener Ü50, die es sich auf der Haupttribüne bequem gemacht hatten, wurden zunächst des Sitzplatzes verwiesen, bis nach einigem Hin und Her doch die Erkenntnis durchdrang, dass das Gefahrenpotential eher gering einzuschätzen war. Die wilden Jungs der Aalener standen eh oberkörperfrei im Stehplatzbereich und lieferten einen netten Auswärtssupport ab.

Auch unsere U19 befindet sich weiterhin im Aufwind; in Regensburg gab es mit 7:2 den zweiten Sieg in Folge und damit verbunden den Sprung ins Mittelfeld.

Das ist doch auch schon mal was.


Samstag, 23. Mai 2009

Maus des Tages - 23.05.2009

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links: Maus - rechts: Oka Nikolov

Die Maus kommt rum: Vielen Dank Oka Nikolov, dass du den kleinen Spaß mitgemacht hast. Große Ehre für die Maus.

Freitag, 13. März 2009

Der Kopf stinkt vom Fisch her


Warum hab ich bloß den Bullen erschossen
er hat mir doch gar nichts getan
ich war weder stoned, noch war ich besoffen
das Grün brachte mich so in Wahn
...

... sang Marius Müller Westernhagen im Jahr 1982 im Song Ich hab keine Lust mehr im Regen zu steh'n; am 13. März 2009 tönten die Worte aus dem offenen Fenster des silbernen Golfs, der durch die ersten zaghaften Frühlingssonnenstrahlen durch Frankfurt tuckerte. Die Mädchen auf den Straßen trugen Sonnenbrillen und die ersten Krokusse schoben sich aus der Erde, als Pia und ich in Niederrad nahe unseres Lieblingsimbiss parkten. Die Besitzerin grüßte freundlich wie immer und wir orderten vier Burger inclusive Getränke und futterten bald zufrieden auf Bierbänken sitzend gut gelaunt unsere Frühlingsburger. Ein kleiner Lieferwagen bog um die Ecke und hupte kurz auf, wir erkannten am Steuer Tristan, im wahren Leben Eintrachtfan und - Schornsteinfeger, wir winkten zurück und freuten uns zum einen über die kleine Begegnung und zum anderen über das kleine Symbol des Glücks, welches uns der liebe Gott mirnichtsdirnichts vorbei geschickt hatte.

Pappsatt marschierten wir zum Golf und rollten durch Niederrad in Richtung Stadion, vorbei am Union-Sportplatz und schon fuhren wir durch Tor 3 und parkten vor dem Museum. Auf dem Trainingsplatz erkannten wir unseren Kapitän Ioannis Amanatidis, der zusammen mit Reha-Trainer Farbacher und vor allem mit einem Ball trainierte, vorbei die Zeit, als er mit Krücken an der Seite stand. Im Museum packte die Praktikantin Geburtstagspäckchen für anstehende Kindergeburtstage; wir sagten Hallo, tranken einen Kaffee, begrüßten Stefan, der mit seinem uralten Golf samt nagelneuer TÜV-Plakette und funktionierender Fahrertür angerollt kam und während Pia und Stefan bei einer Zigarette unserem Captain bei der Arbeit zusahen, fidelte ich kurzerhand Matze im Tischfußball mit 10:6 ab. All zu oft darf ich dies nicht machen, ich müsste mir sonst einen anderen Job suchen. Aber Matze nahm's sportlich.

Wir verließen vorerst das Museum, denn die Jungs unserer Eintracht trudelten peu a peu auf dem Trainingsplatz ein. Auch Peter war schon anwesend - und hatte vorgehört. Es scheint hoffnungslos, ein Teil der Kibitze war sich sicher, dass die Eintracht morgen mit 0:5 untergeht und überhaupt, der Fisch stinke vom Kopf her, spätestens zum Jahresende müssen alle weg und so weiter und so fort; manchmal stellt sich ja durchaus die Frage, wie es so mancher Zeitgenosse über die Runden schafft, so ohne einen Funken Selbstironie, ohne Spaß an der Sache; aber just diesen wollten wir uns nicht nehmen lassen. Auch wenn das Leben manchmal kompliziert ist, die deutsche Sprache ist es sowieso. Die Mehrzahl von Globus lautet bekanntlich Globen. Und die Mehrzahl von Krokus? Mitnichten Kroken, nein, es sind die Krokusse. Ähnlich wie bei Bus; auch dort heißt es nicht Ben sondern Busse. Oder aber Kuh - Kühe. Wer jetzt denkt die Mehrzahl von Schuh würde Schühe lauten ist ebenso schief gewickelt wie derjenige, der denkt Mühe wäre der Plural von Muh. Nunja, zurück zum Sport.

Während sich Pia ob der Waden von Kweuke gar nicht mehr einkriegen sollte, gesellten sich die beiden Ulis zu uns und gemeinsam stellten wir fest, was nur emsigen Trainingsbeobachtern auffällt. Pröll hatte sich die Haare gefärbt und Spycher neue Strähnchen, sah für Fußballer recht flott aus - ein wenig unpassend finden wir generell nur die Stutzen, durch welche die Waden leicht durchschimmern, das hat sowas von Nylonsocken für Männer - eher uncool.

Andi Menger wummste den Torhütern Pröll und Nikolov ein paar Bälle um die Ohren, dass man glauben konnte, unser Torwarttrainer sei der beste Standard-Schütze der Eintracht - vielleicht sollte er mal mit den Buben Ecken üben. Weiter hinten stand ein Mann mit verschränkten Armen und bewegte sich nicht; nein es war nicht Bellaid sondern unser erster Übungsleiter, der beiläufig den ganz in schwarz gekleideten jungen Männer beim Spiel zuschaute. Nein, nicht unseren Ultras, unserer ersten Mannschaft, die heute ohne Liberopoulos und Ochs trainierte. Auch die Herren Toski, Preuß und Vasoski fehlten schriftlich entschuldigt, während Krük und Zimmermann wohl bei der U23 weilten. Der Herr Caio trug Handschuhe bei frühlingsmilden Temperaturen und der Herr Kweuke ganz kurze Socken zu roten Kickschuhen. Ümit Korkmaz bevorzugte laubfroschgrünes Schuhwerk und Zlatan Bajramović eine schwarze Mütze. Überhaupt Bajramović , er lachte während des gesamten Trainings ein ums andere Mal, ob dies allerdings an den Handschuhen von Caio lag, ist nicht übermittelt.

Es folgte eine Trainingseinheit, die wir Spielzug nannten. Einzelheiten verrate ich hier nicht, nicht dass es morgen gegen 17:20 heißt, ich hätte unserem Gegner intimste Geheimnisse ausgeplaudert - und sei fortan Schuld für Geheimtraining ohne Zuschauer. Am Rand des Platzes standen einige Vertreter der schreibenden Zunft, die wir mit einem herzlichen deutsche Presse halt die Fresse begrüßten.

Nein, machten wir natürlich nicht, wir beobachteten eine wunderschöne Choreografie unserer Mannen, diesmal aus der Disziplin Synchrontorschleppen. Jeweils vier Spieler an einer Seite trugen im Gleichschritt ein Tor zu einer Linie, drehten sich formvollendet und setzten das Tor punktgenau auf die Linie, das macht uns so schnell keiner nach; die Bewegungen gingen derart geschmeidig ineinander über, da merkt man erst die Handschrift des langjährigen Trainers, der sich später tatsächlich bewegte.


Es folgte ein munteres Trainingsspielchen, wo zunächst ich selbst durch ein butterweiches Ballzurückspiel auffiel, nur wenig später schaffte Stefan ein gleiches noch eleganter, was ihm spontanen Szenenapplaus einbrachte, den er huldsam wie eine Königin entgegen nahm.

Fink schoss einen wunderbaren Treffer, der uns zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss, Kweuke guckte doof, wenn Pröll "Leo" rief und Sebastian Jung schleppte später die gelben Männchen übers Grün, während sich Chris einen Ball unter sein Leibchen steckte derweil er noch ein paar Flanken schlug; sage einer, die Buben hätten den Ernst der Lage nicht begriffen.

Unser Trainer hatte sich im Laufe des Tages nicht nur bewegt, nein: er hatte sogar gesprochen. Nah bei nah stand er mit Nikolov beisammen und plauderte mit ihm, wir können nur raten, was er gesagt hat, vielleicht sowas wie: Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass du morgen spielst. Wenig später legte er jovial den Arm auf die Schulter unserer Nummer 11 und zeigte Menschlichkeit, wie sonst nur im Kölner Karneval. Was er zu Korkmaz sprach ist ebensowenig überliefert, wie die Worte zu Oka. Könnte es gewesen sein, dass er zu unserem Außenflitzer gesagt hat: Österreicher von Beginn an? Nicht solange ich Trainer bei Eintracht Frankfurt bin. Und könnte Ümit geantwortet haben: Naja, die zwei, drei Wochen kann ich es verschmerzen.

Nein, das ist bloß erfunden, lasst euch nicht veräppeln.

Später wollte der freundliche Zlatan Bajramović unbedingt noch ein Bild mit uns machen; selbst wenn wir geschlaucht vom Training sind, müde vom sich zum Abend neigenden Tag finden wir immer noch ein Minütchen, um auf die Wünsche der Spieler einzugehen; Pia knipste und ist also gedanklich dort zu finden, wo im Moment eure Augen sind.


Kurz danach kam sogar noch Kid vorbei, er hatte dem Museum einen kurzen Besuch abgestattet und wir unterhielten uns ein bisschen über die wenig erfreuliche Situation des Internetforums der Frankfurter Eintracht und über den Ausblick für das morgige Spiel. Sehr erbaulich war dabei die Information, dass Trainer Rangnick seinerzeit wegen der Trennung AG-e.V. nicht zur Eintracht wollte, da er keinerlei Verfügungsgewalt über den Nachwuchs haben sollte. Also, am Geld hat es damals nicht gelegen. Niemals.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.

Kid will morgen unbedingt gewinnen - und da ich der gleichen Ansicht bin, kann ja nun nichts mehr schief gehen. Während Uli telefonisch noch eine Karte erstehen konnte, machte sich der andere Uli vom Acker, auch Stefan verließ uns und so marschierten Pia, Kid und ich zurück ins Museum, wo Matze und Billy gerade dabei waren diverse Exponate an der Wand zu verdübeln, jener Matze der unlängst von Henni Nachtsheim zum Trainer der Eintracht geadelt wurde.

Matze legte eine DVD ein, welche Filmaufnahmen unserer Kurve während des Pokalendspiels in Berlin 2006 zeigte, jener Höhepunkt der letzten Jahre, der heute in dieser Art undenkbar ist; zuviel ist geschehen, zuviele tummeln sich im vierten Jahr der Erstklassigkeit der Eintracht im Umfeld, deren Ansprüche weit über das bestehende hinausgehen; der Zusammenhalt, der uns über Jahre hinweg mehr oder weniger auszeichnete, ist passé.

Für Kid hatten die Szenen natürlich eine besondere Bedeutung, sah er dieses Spiel doch mit seinem Neffen Marcus, der tragischerweise im letzten Jahr gestorben ist; ihm gingen die Bilder sichtlich nahe und er verabschiedete sich traurig von uns.

Als der Auftritt Tankards gezeigt wurde, durchliefen mich nicht nur Schauer der Erinnerung sondern mir flossen tatsächlich einige Tränen die Wangen hinab. Die Erinnerung an die Tage in Berlin, die Traurigkeit Kids und der erlebte Tag forderten ihren Tribut.

Nebenbei gewannen wir dann doch noch den DFB Pokal und verabschiedeten uns von Matze, der morgen wie wir alle im Stadion sein wird, wenn die Eintracht souverän und in dieser Höhe auch verdient die Emporkömmlinge der TSG Hoffenheim mit 4:1 nach Hause schickt.

Auf dem Rückweg konnten wir aus den Augenwinkeln den Mannschaftsbus der Mannschaft entdecken, die in meinen Augen sozusagen die Silikonbrüste des deutschen Fußballs sind.

Im CD-Player lief ein Lied des leider auch schon verstorbenen Georg Danzer mit dem Titel Weiße Pferde; es begleitet mich schon etliche Jahre und es ist ein wunderbarer Song, der mich immer wieder zu Tränen rührt. Irgendwie passte er zur Heimfahrt, Berufsverkehr auf der A3, Pendler, Handwerker, das wirkliche Leben. Kühl ist es geworden. Aber morgen scheint die Sonne, da bin ich sicher.