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Donnerstag, 13. Januar 2011

Heimspiel in Athen


Yassas.

Die Anreise inclusive Flug und Nachtbus gestaltete sich diesmal etwas komplizierter als sonst - von daher blieb der silberne Golf zuhause. Leider auch Pia, während ich mich mit neun anderen Eintrachtfans auf den Weg nach Athen machte. Allen gemein ist die Tätigkeit für das Eintracht-Fanzine Fan geht vor, das monatlich ganz oldschool als Heft erscheint. Zum Indiehandnehmen und Lesen, sowas kennen die jungen Leute ja sonst gar nicht mehr.

Einmal im Jahr steht im Rahmen der Fgv eine Winterreise an; heuer gings Richtung Griechenland - und ich war dabei. Wir machten nach der Landung in Athen eine Rundreise über Peleponnes, betrachteten uns den Tunnel von Korinth ebenso wie das Gelände der antiken olympischen Spiele und hoben später so manch Weinkaraffe nebst Ouzo in den Tavernen im Hafen von Piräus, derweil wir uns von Souvlaki ernährten und den Bouzoukis lauschten. Wir wanderten hoch zur Akropolis, durchforsteten die Plaka und marschierten auf einer Prachtstraße zum Stygmata-Platz, vorbei an den verkrüppelten Bettlern mit verkrümmten Füßen oder verbrannten Gesichtern, die zwischen den modernen Geschäften den Flaneuren ihre Becher hinhielten. Darüber und noch einiges andere könnt ihr in der nächsten Ausgabe lesen, die zum Heimspiel gegen Hannover erscheinen wird.

Natürlich stand auch Fußball auf dem Programm. Während die erste Reisegruppe die Gelegenheit nutzte, sich das Spiel Olympiakos Piräus gegen Iraklis Saloniki anzusehen, saßen wir noch im Flieger. Da die Partie von Panathinaikos wegen Zuschauerausschreitungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt finden sollte, blieb uns also das Spiel von Panionios Athen gegen Skoda Xanthi - laut unseren Informationen angesetzt am Samstag Abend um 17:15. Panionios Athen ist der Verein, in dem unsere Nummer 31 Georgios Tzavellas vor seinem Wechsel zur Eintracht gespielt hatte. Auch Mantzios hatte hier schon gespielt.

Noch während der Straßenbahnfahrt fiel uns auf, dass scheinbar nur wenige Fans dass Spiel sehen wollten - um genau zu sein, lief uns niemand mit Fanutensilien über den Weg. Nicht in der Bahn, nicht am und auch nicht im Stadion, die Partie sollte nämlich erst am nächsten Mittag um 15:00 angepfiffen werden, wie wir vor Ort erfuhren. Wir nutzten die Gelegenheit, um uns ein wenig umzuschauen. Das Stadion lag mitten im Stadtbezirk Nea Smyrni. Graffitis der Pantheras, der hiesigen Ultras, zierten das 11.700 Zuschauer fassende Rund; Flutlichtmasten ragten in die Höhe. Es war still im Stadion, der Vater eines Nachwuchskickers las Zeitung und nur im VIP-Bereich war Bewegung; Spieler waren wohl auf dem Weg zum Training. Dabei erfuhren wir, dass der verletzte Tzavellas zum morgigen Spiel kommen würde, er war aus Belek nach Athen geflogen, um sich behandeln zu lassen. Als Alternativen für das quasi ausgefallene Spiel aber boten sich die Wasserballpartie zwischen Panionios und Panathinaikos oder ein Basketballspiel zwischen AEK Athen und Saloniki an. Wir fuhren zunächst mit der Bahn am Ionischen Meer entlang, verpassten eine Station und wanderten zurück zur Olympiahalle. Ein paar Polizisten warteten gelangweilt auf dem Vorplatz, wir aber öffneten eine Tür, dann noch eine weitere - und standen unvermittelt auf den Rängen der Basketballhalle und wurden von schwarz gewandeten Zuschauern argwöhnisch beäugt. Es waren Fans der heimischen Mannschaft, von AEK, Gästefans waren keine anwesend. Wir schlichen wortlos ein paar Meter weiter auf freie Plätze und blickten uns um. Hinter den Körben hingen Banner, das Team von AEK wurde supported - bis Saloniki Korb um Korb warf und im letzten Viertel klar davon zog. Schon Minuten vor dem Abpfiff wurden die Banner eingerollt, verließen die Fans die Halle. Leider war nach einer knappen viertel Stunde unserer Anwesenheit das Spiel zu Ende - so dass wir uns zurück nach Nea Smyrni machten, um die Wasserballhalle von Panionios zu suchen.

Im Ort selbst wusste man zunächst nicht so ganz genau Bescheid, doch die freundlichen Athener waren stets bemüht, uns den Weg zu weisen. Zunächst den zurück zum Panionios-Stadion, in dessen unmittelbarer Nähe ... Handball gespielt wurde. Dort aber wurde uns der Weg zum Wasserball erläutert - und mit Hilfe der modernen Navigations-Software in noch moderneren Handies fanden wird den Weg nach einem Marsch durch den Stadtteil auch recht flott. Eine Truppe Polizei erwartete uns schon vor der Halle, aus der das Quietschen von Turnschuhen auf Hallenböden erklang. Ein kurzer Blick bestätigte den Verdacht: Hier wurde Volleyball gespielt. Aber nur ein paar Schritte entfernt lag der Eingang zu einer weiteren Halle. Welcome to hell war mit großen Buchstaben auf eine Mauer gesprüht. 5 Euro später saß ich in der Schwimmhalle und erblickte die ersten live-Wasserball-Minuten meines Lebens. Auch hier mussten wir eine Gruppe schwarz gewandeter Fans passieren, auch hier gab es keine Gästefans, auch hier unterlag die heimische Mannschaft Panionios unter dem Gepöbel der einheimischen Fans den Gästen - und auch hier sahen wir nur ca 10 Spielminuten, die durch die Unterbrechungen sich jedoch etwas ausdehnten und in denen es ordentlich zur Sache ging. Die Spieldauer beträgt offiziell vier mal acht Minuten, verlängert sich aber bei Unterbrechungen, da die Zeit angehalten wird. Eine schöne Idee für die Lebenszeit. Hey, Gott - Time Out. Wird nachgelebt. Der Gästetrainer beschwerte sich trotz des Sieges beim Schiedsrichter vor der Heimtribüne - auf dem Rückweg in die Kabine empfing ihn ein Hagel aus Bechern und Feuerzeugen. Da auch das Spiel spannend anzusehen war, hat mich die Gesamtperformance Wasserball überzeugt - sollte ich wieder einmal in der Nähe sein, schaue ich sicherlich vorbei.

Sonntag - Kurz nach Akropolis

Wir nahmen erneut die Straßenbahn Richtung Nea Smyrni, stiegen an der Station Megalou Alexandrou aus und befanden uns nun auf bekannten Pfaden. Diesmal waren schon einige Fans mehr unterwegs, es verdichtete sich die Gewissheit, dass die Partie zwischen Panionios und Xanthi heute auch angepfiffen würde. Auf kleinen Grills dampften Souvlaki-Spieße, andere verkauften Nüsse und aus den Restaurants holten sich die Fans Dosenbier und Cola.

Am Container beim Eintrittskartenerwerb wurden wir ob der Eintrachtadler sehr schnell als Frankfurter und damit vom Tzavellas-Verein identifiziert. Der Ticket verkaufende Ultra erwähnte erneut die Anwesenheit von Tzavellas im Stadion, fragte ob wir VIP-Tickets oder Stehplätze. wollten Wir entschieden uns für Stehplätze, Tzavellas werden wir wohl in Frankfurt noch häufiger sehen, den Support aus einer griechischen Kurve heraus eher nicht.

Noch war Zeit bis zum Spielbeginn; einem kurzen Ausflug zum Fanshop (in dem ich beinahe ein Wasserball-Shirt erstanden hätte) folgten chillige Momente in der Sonne vor dem Stadion. Die Pantheras ließen es sich nicht nehmen, jedem von uns einen Kalender ähnlich unserem Ultra-NWK-Kalender zu schenken - derart beglückt marschierten wir zu Gate 3, undwanderten an mit Graffitis verzierten Betonwänden zum Eingang. Ob unserer Herkunft verwunderte Polizisten tasten uns kurz ab und alsbald standen wir in der unüberdachten Panionios-Kurve. Rechter Hand hinter dem Tor fehlte die Kurve vollständig - ebenso wie Gästefans auf der anderen Seite. Kaum hatten wir unsere Plätze eingenommen, gings auch schon los - doch die Vorfreude auf ein Spektakel der Heimmannschaft währte nur kurz: nach 10 Minuten hatte Xanthi das 0:1 erzielt - der Torschütze feierte den Treffer vor der Panionios-Kurve mit einigen Salti, was diese naturgemäß mit wüstem Gepöbel beantwortete. Inmitten der folgenden Supportversuche erzielte Xanthi das 0:2. Diesmal fiel der Jubel moderat aus, während ein Chipsverkäufer aus seinem Korb neben Chips und Cola ein paar Bier versteckt hatte, die er eigentlich gar nicht verkaufen durfte - dies aber dennoch zur Freude einiger der mitgereisten Frankfurter dennoch machte.

Von Minute zu Minute wurde es leiser im Stadion, Panionios war nicht in der Lage auch nur ansatzweise Druck zu entfalten, während Xanthi nicht mehr als nötig machte. Ein paar Kracher flogen auf den Spielfeldrand, später hörte ich Worte wie Xanthi und Πουτάνα sprich Putana - es schien in der Übersetzung eindeutig zu sein. Im Grunde braucht man nur noch zwei weitere Worte - und kann mitreden; Beim Fußball genauso wie im Wasserball oder Basketball: Malakas und ela.

Von Zeit zu Zeit versuchte Panionos erfolglos anzugreifen, die Minuten verannen - und am Ende stand ein 0:2 der trostlosen Sorte. Vielleicht sollte die Eintracht mal Caio oder Heller vorspielen lassen - unter normalen Umständen könnten hier Volkshelden geboren werden.

Einige Pantheras hüpften über die Zäune, kickten die Werbebanden um, während sich ein anderer beim Wurf mit der Eckfahne beinahe den Arm gebrochen hätte. Der nächste versuchte, die elektronische Werbebande unter der Anfeuerung seiner Kumpels umzutreten - doch das Teil zeigte sich widerborstig. Ein paar Polizisten näherten sich nun der Kurve und dann war auch schon wieder Ruhe; Die Fans verließen das Stadion, einer sogar mit einem Kampfhund an der Leine und wir hatten einen munteren Nachmittag mit katastrophalem Fußball unter den rot-blauen erlebt. Lässige Stimmung, weit weg von Arena-Business-Hochsicherheits-Fußball. So soll das sein. Ela.


Mittwoch, 18. August 2010

Diva vom Main


Die zweite Ausgabe der neuen Zeitung der Fan und Förder- bzw Fußballabteilung des Eintracht Frankfurt e.V. ist dieser Tage erschienen; es ist ein Magazin, das nicht im Handel erhältlich ist, sondern den Abteilungsmitgliedern quasi exclusiv zugeschickt wird; ein Bonbon sozusagen.

Nachdem lange Jahre den Vereinsmitgliedern das Stadionmagazin zugesandt wurde - und in den letzten Jahren Verein und AG sich nicht auf eine gemeinsame Finanzierung einigen konnten, enstand unter der Leitung von Roland Stipp ein neues Magazin, das sich wahrlich sehen lassen kann. Während das Stadionmagazin den Spagat zwischen Hardcorefans, Kids und Businesskunden bewältigen muss, wendet sich die Diva vom Main ausschießlich an Mitglieder der Eintracht und wird über deren Beiträge finanziert. Von daher hält sich der Anteil an von außen kommender Werbung erfreulicher Weise in Grenzen, von 52 Seiten beinhalten gerade Mal vier keine redaktionellen Beiträge, eine davon wirbt für unser Museum und eine Drittel für die beteiligte Grafikagentur, damit können wir prima leben.

Im Mittelpunkt des Heftes steht der Triumph unserer U17, die im Sommer bekanntermaßen Deutscher Meister wurde; neben dem Spielbericht liefern ein Interview mit Meistertrainer Alex Schur sowie ein kleiner Beitrag des Stadionsprechers aus dessen Sicht einen guten Überblick über den Titelgewinn der B-Jugend, den ersten seit 1991.

Ins Herz der Eintracht blickt Matze Thoma, der mit einem Bericht über die Riederwaldrentner, die sich seit Jahr und Tag täglich am Riederwald treffen, um über die Eintracht zu klönen, die schon lange nicht mehr dort trainiert; es ist ein Beitrag aus dem Innenleben eines Vereins, wie ihn das Vorbild vieler Fußballkultureller Magazine, die 11Freunde, nicht schöner präsentieren könnte.

Auch die Historie kommt nicht zu kurz; Eintracht-Online-Archiv-Meister Frank Gotta präsentiert eine Geschichte voller Leidenschaft; eine Geschichte über die Derbies zwischen der Eintracht und dem FSV, der bis 1962 eine ganz große Nummer war. Die Duelle gingen nicht immer geräuschlos über die Bühne - schon gar nicht in den Kindertagen des Fußballs. Auch beleuchtet Frank die Zeit, in der der Bundesjogi noch für die Eintracht die Stiefel schnürte - er trug die gleiche Frisur wie heute, jedoch zierte ein Schnäuzer das Konterfei. Ich selbst hatte mich mit Charly Körbel zusammen gesetzt und mich mit ihm über sein erstes Bundesligaspiel unterhalten - mit 17 Jahren durfte er gegen den Welttorjäger Gerd Müller ran; es war der Beginn einer großartigen Karriere.

Stefan Minden, Abteilungsleiter der FuFa und ebenso leidenschaftlicher Fan der Eintracht wie aktiver Gegner rechtlicher Willkür berichtet aus der mitunter seltsamen Welt der Stadionverbote und hat sich zudem mit Präsident Fischer über den Verkauf von 3,5% der Aktien des e.V.s an der AG an den Frankfurter Wertpapierhändler Wolfgang Steubing unterhalten.

Für die kleinen Eintrachtler stellen sich die Junior-Adler vor; auch die Frauenfußballabteilung der Eintracht, die seit 2004 äußerst erfolgreich die Ligen aufmischt wird beleuchtet. Natürlich kommt auch die Diva nicht an der Profiabteilung vorbei, Neuzugang Sebastian Rode stand Rede und Antwort. Zudem gibt es einen kleinen Ausblick auf die kommende Saison.

Toll ist die Erinnerung an den jüngst verstorbenen Ex-Trainer Jörg Berger, einen würdevolleren Abschluss hätte man nicht finden können.

Insgesamt kommt die Diva graphisch und inhaltlich äußerst gelungen daher; die Beiträge treffen die Seele der Eintracht und verweben gleichermaßen Historie, Gegenwart und Zukunft. Natürlich kann da ein anderes Heft nicht ganz mithalten; die seit Jahren von Fans in Hingabe produzierte Fan geht vor - schon vor dem Hintergrund der finanziellen Ausstattung. Dennoch ist ein Fanzine aus Reihen der Eintrachtfans notwendig, schließlich müssen die Fans keinerlei Rücksicht auf Befindlichkeiten jeglicher Couleur nehmen - sie können alle Dinge beim Namen nennen. Und von daher lege ich euch auch ein Abonnement der Fan geht vor eindringlich ans Herz, so bleibt ihr stets auf dem Laufenden, zumal das Heft monatlich erscheint. Mitglied der Eintracht seid ihr ja sowieso. Oder?

Donnerstag, 23. Juli 2009

Worte. Live und in Farbe: 23.07.2009 - 19:30 Uhr


In den letzten Wochen sind mir drei Bücher über die Eintracht in die Hände gefallen, allesamt werde ich sie demnächst hier vorstellen - den Beginn macht aus aktuellem Anlass das Neueste:

Adler im Herzen lautet der Titel des druckfrischen Buches prallvoll mit Geschichten aus der Frankfurter Fanszene. Herausgeber ist Jörg Heinisch, der sich auch als Redakteur für die Fan geht vor einen Namen gemacht hat.

Auf über 270 Seiten hat Jörg Texte von Fans gesammelt und nun gebündelt veröffentlicht. Es sind lustige, rührende und nachdenkliche Beiträge dabei; Reiseberichte, Erinnerungen an Verstorbene, Kabinengeflüster, Reflexionen über die Nachbarstadt und vieles mehr. Die Autoren entstammen der Fanszene der Eintracht und die Erstveröffentlichungen der Beiträge fanden in den bekannten Fanmedien ihren Platz: Im Forum, den Blogs oder der Fan geht vor.

Am 23.07.2009 wird Jörg das Buch im Museum der Öffentlichkeit vorstellen; er selbst, aber auch Michael "Öri" Gabriel und euer Beve werden Texte aus dem Buch präsentieren, das ihr vor Ort käuflich erwerben könnt. Ebenso wie die nagelneue Fan geht vor, die diesmal sogar eine DVD-Beilage enthält.


Wir freuen uns auf euer Kommen.

Wann:
Donnerstag, 23.07.2009 um 19:30 Uhr

Wo:
Eintracht Frankfurt Museum

Eintritt: frei