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Sonntag, 16. August 2009

Geil ...

... einfach nur geil ...



Danke!

Montag, 13. Juli 2009

Worte des Monats - Juni 2009

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Der Juni 2009 war vorwiegend geprägt durch die Sommerpause. So könnte man meinen, denn für den ein oder anderen gab es doch ein bisschen was zu tun. Und da zudem noch so manch Veranstaltung auf dem Programm stand, so spielte die Sommerpause eigentlich auch keine Rolle, schlappe 4% stimmten für diesen Begriff, das ist noch nicht einmal Bronze, das ist Platz vier. Hinten anstellen.

Neu in unsere Hirnwindungen trat ein Musikinstrument, welches im fernen Südafrika zu einem Fußballspiel gehört, wie bei uns die dritte Halbzeit: Die Vuvuzela. Während sich manch einer während des Confed-Cups noch wunderte, wie ein Schwarm Hornissen in ein Fußballspiel geraten ist, so drang bald Aufklärung zu uns durch und wir wussten Bescheid: Die Vuvuzela ist's, die kollektiv geblasen einen ähnlichen Lärm vollbringt.Und was dem Brasilianer seine Samba-Trommel und bei uns ehedem die Presslufthupen waren, ist in Südafrika eben jene Vuvuzela. Und da wir Traditionalisten sind und uns über landestypische Eigenarten freuen (Schaumabstrich beim Bier in Frankreich bspw.) so gönnen wir dem Ausrichter der nächsten WM seine kulturellen Errungenschaften. 14% von euch stimmten für die Trompete des Südens - immerhin Platz Drei, Bronze.

Und nun wird es spannend; der Titelkampf stand ganz im Zeichen des Kampfes Alt vs Neu - obgleich das Neue im hiesigen Falle durchaus bekannt scheint.

Es trug sich zu, dass der Verein Eintracht Frankfurt mit seinem Etat nicht ganz hin kam und mirnichtsdirnichts einige Miese anhäufte. Das ist zwar ärgerlich- aber durchaus üblich in den modernen Zeiten. Zumindest für manche. Der Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG unterbreitete also dem Aufsichtsrat einen Vorschlag, um dieses Minus auszugleichen. Jener Aufsichtsrat stimmte zu - und alles war in Butter. War es aber nicht; die Hauptversammlung der Aktionäre der AG (um die 72% der e.V. und um die 28% die Freunde der Eintracht) kippte kurzerhand diesen Beschluss und genehmigte sich selbst eine Gewinnausschüttung von insgesamt 1,12 Mio Euro. Kid hat ja schon eine ganze Menge gerechnet, schaut euch also an, wer welches Geld bekommt.

Wem es zunächst fehlt, ist die Bundesligatruppe. Pirmin Schwegler bspw., der vom Trainer gewünschte Sechser dürfte soviel kosten. Der aber bleibt vorerst in Leverkusen. Nicht zuletzt deshalb sprach Heribert Bruchhagen verärgert vom überraschenden Geldabfluss. Ob 30% von euch ebenso verärgert waren, das weiß ich nicht. Aber ihr habt diesen Begriff auf den zweiten Platz gewählt. Völlig zurecht, wie ich meine. Und in anderen Zeiten hätte es wohl für Gold gereicht. Aber nicht in diesem Jahr.

Denn da überstrahlten sie alles, die Meister 59. Es gibt ja mittlerweile jede Menge Berichte zu den Veranstaltungen dieser Tage, als sich die deutsche Meisterschaft der Frankfurter Eintracht zum fünfzigsten Male jährte. Von daher bedanke ich mich bei euch für's Mitmachen und bei der Meistermannschaft für das, was sie geleistet haben.

28.06.1959 - Berlin
Eintracht Frankfurt - Kickers Offenbach 5:3 n.V.

Wort und Mannschaft des Monats (wenn nicht gar des letzten Jahrhunderts) dank 51% eurer Stimmen:

Meister 59.

Herzlichen Glückwunsch!

Sonntag, 5. Juli 2009

Die Meister 59 im Museum - Die Fotos

Die Meister vor Sepp Herbergers Rekord


Die Gesprächsrunde


Dieter Lindner


Egon Loy


Dieter Stinka


Istvan Sztani


Hans Weilbächer


Wolfgang Solz


Erwin Stein


Kurt Schmidt - Der erste Ultra

Toni Hübler



Alle Fotos sind von Stefan Krieger. Vielen Dank - auch wenn es etwas spät ist.

Montag, 29. Juni 2009

Schön war die Zeit

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Die letzten Wochen standen ganz im Zeichen der Deutschen Meisterschaft der Eintracht von 1959 und insbesondere der Veranstaltung Tradition zum Anfassen im Museum der Frankfurter Eintracht. Matze Thoma und Frank Gotta hatten mir jede Menge Material zur Verfügung gestellt - als Vorbereitung für meine Rolle als Moderator; Zeitungsausschnitte, Berichte aus der Zeitung Der neue Sport - sogar einen Vorabdruck von Matzes Buch 59 Meister konnte ich lesen, um mich in die Zeit um 1959 hinein zu versetzen, auf eigene Erfahrungen von damals konnte ich ja nicht zurück blicken. Frank Wagner hatte eine DVD mit Filmbildern des Endspiels zusammengestellt (als besonderes Schmankerl war auch der Film: Die Meisterelf dabei) - und so hatte ich nach tagelangem Eintauchen in die damalige Zeit ein ganz gutes Gerüst geschaffen, um für ein Gespräch mit den Meisterspielern gewappnet zu sein.

Zunächst erfolgte im Museum die Eröffnung einer Sonderausstellung mit tollen Exponaten aus der Zeit der Meisterschaft und einer gemütlichen 50erJahre Ecke - und am Donnerstag den 25.06.2009 war der große Tag gekommen. Nachmittags spazierte noch eine Kindergruppe durchs Museum und als die Jugend den Geist der Geschichte geatmet hatte, schlossen wir die Türen und begannen mit den Vorbereitungen für den großen Abend. Petra Bärmann und Thomas Nixdorf von der Fan-und Förderabteilung sorgten für die reibungslose Organisation der Veranstaltung, Matze lief zwischen Computer und Handy hin und her, organisierte und betete, dass alles klappen würde, derweil Steffen am Tresen die Übersicht behielt und ich traditionell die Anlage installierte, die später von Pia bedient wurde. Spät aber nicht zu spät war alles soweit, draußen warteten schon die ersten Gäste voller Spannung, während der ein oder andere Meisterspieler vorbeischneite und von uns in eine Loge gebracht wurde, wo Frauke sich um das Wohl der Mannen und der Frauen an deren Seite kümmerte. Ein kurzes Gespräch hier, ein Händedruck da und schon war ich mit mir und meinen Gedanken alleine. Ich meine, mittlerweile habe ich ja schon jede Menge Veranstaltungen im Museum moderiert, eine jede eine neue Herausforderung; aber die Aufgabe, fünf Meisterspieler um mich herum zu haben und dazu noch viele zusätzliche Ehrengäste, machte mich schon ein wenig nervös.

Kurz vor halb acht versammelten sich die Helden, um vor dem Museum noch ein Gruppenbild vor Seppl Herbergers Opel Rekord (der - obwohl ein paar Jährchen jünger aber immerhin ein Original - vor dem Museum parkte) zu schießen, die Gäste (ihr!) nahmen ihren Platz im Museum ein und dann ging es los.

Stefan Minden eröffnete mit knappen Worten den Abend, jeden einzelnen Meisterspieler bat er einzeln unter Nennung der damaligen Rückennummer in den Raum und unter großem Applaus marschierten die Meister ins Auditorium. Mit der Nummer Eins Egon Loy, mit der Vier Dieter Stinka, mit der Sechs Hans Weilbächer, mit der Acht Istvan Sztani und mit der Zehn Dieter Lindner. Dazu gesellten sich mit Wolfgang Solz und Erwin Stein zwei Spieler, die erst in der Zeit nach dem Endspiel für Furore Sorgen sollten, Solz spielte als junger Kerl im Meisterjahr in der Reservemannschaft der Eintracht, während Erwin Stein im Jahr des Titelgewinns für die Spvgg. Griesheim spielte und noch vor Ende der Saison von der Eintracht verpflichtet wurde. Ein Jahr später schoss er im Finale des Europapokals zwei Tore gegen Real Madrid - doch das ist eine andere Geschichte.

Stefan und Matze begrüßten noch einmal ganz offiziell alle Anwesenden und zunächst gedachten wir der Spieler, die vom lieben Gott vorzeitig ausgewechselt wurden und nun von ganz oben zuschauten: Helmut Henig, Erich Bäumler, Eberhardt Schymik, Richard Kress, Hans Walter Eigenbrodt, Hermann Höfer, Kapitän Alfred Pfaff und Trainer Paul Osswald. Ihre Portraits hingen über uns und sie wachten, dass alles seine Richtigkeit hatte. Von den noch lebenden Aktiven hatten Adolf Bechtold, Ekko Feigenspan und Friedel Lutz abgesagt, da in den nächsten Tagen noch weitere Feierlichkeiten anstanden, während Erich Meier und Ivica Horvat krankheitsbedingt nicht bei uns sein konnten. Gute Besserung von hier.

Torhüter Egon Loy erzählte, dass er die ersten Spiele verletzungsbedingt zuschauen musste, erst am neunten Spieltag konnte er wieder das Tor der Eintracht hüten (er wurde in den ersten Spielen von Helmut Henig vertreten, der zuvor über ein Jahrzehnt im Tor der Eintracht stand). Er fing sich zwar gleich ein 1:4 gegen die Bayern ein - sollte dann aber den Rest der Saison unbesiegt bleiben. In der Saison zuvor wurde der ruhige Loy tatsächlich einmal vom Platz gestellt; er hatte beim Spiel bei 1860 München nach einem Elfmeterpfiff dem Schiedsrichter Jakobi gesagt: Das hättens nicht pfeifen müssen - der Schiri fasste dies ob des missverstandenen Dialektes als Beleidigung auf und stellte Loy hinaus. Der DFB hatte jedoch ein Einsehen und stellte gegen eine Strafe von 20 DM das Verfahren in der Berufung ein, Loy musste nicht pausieren.

Dieter Stinka, der vor der Saison aus Gelnhausen zur Eintracht kam, wäre beinahe in Offenbach gelandet; der damalige Kickers-Trainer Paul Osswald hatte ihn schon so gut wie verpflichtet - bis er selbst zur Eintracht wechselte und Stinka es ihm gleichtat. Saß Stinka zunächst auf der Bank, so legte er sich im Training mächtig ins Zeug. Die Verletzungen von Schymik und später auch von Horvat gaben ihm die Möglichkeit sich ins Team zu spielen - und so stand Stinka auch im Endspiel 120 Minuten für die Eintracht auf dem Platz. Er erlebte ungläubig den gigantischen Empfang am Tag nach dem Endspiel in Frankfurt, als Hunderttausende Frankfurter auf den Beinen waren, um die Meisterelf zu empfangen.

Hans Weilbächer, der eisenharte Außenläufer, erzählte die Geschichte, dass er eigentlich als Stürmer angefangen habe und auch viele Tore auf sein Konto gegangen waren. Dass er dann auf die Außenbahn wechselte lag an einem Verkehrsunfall. Weilbächer war damals mit seinem Roller in der Stadt unterwegs und traf auf einen verkehrsregelnden Polizisten, der ihn kannte. Sie unterhielten sich ein Weilchen, bis Weilbächer eine Armbewegung des Polizisten als Zeichen zur Weiterfahrt interpretierte. Zu spät erkannte er eine nahende Straßenbahn, eine Kollision war unvermeidlich - und so landete Hans im Krankenhaus; das Sprungbein war lädiert. Später musste er sozusagen umschulen, er sprang fortan mit dem unverletzten Bein ab, kam nicht mehr ganz so hoch und spielte ab nun defensiver.

Zur Vorbereitung auf das Finale traf sich im Juni 1959 die Mannschaft um Trainer Osswald in der Bundessportschule des DFB nahe des Waldstadions; die Spieler gingen tagsüber zur Arbeit um Abends dann im Stadion zu trainieren. Außer Sztani, der mit Pfaff (dem Gastwirt) auch Tags auf dem Gelände bleiben musste. Derweil vermissten die Frauen der Spieler über diesen Zeitraum ihre Jungs zuhause. Nunja zumindest die meisten.

Uschi Bauer, die Köchin der Sportschule meinte es derweil gut mit den Kickern. Während Osswald den Spielern zwar ein Bierchen gestattete, füllte Frau Bauer heimlich Bier in Teekannen und gab den Eintrachtlern das, was sie brauchten. Unter großem Gelächter wurde nun auch im Museum aus Teekännchen Bier serviert, jeder Spieler wusste, was diese Geste zu bedeuten hatte.

Mit Dieter Lindner erinnerten wir uns zusammen an einen Spieler vom VfB Stuttgart, Robert Schlienz, der 1948 einen Arm verloren hatte und dennoch große Spiele in der Oberliga absloviert hatte. Er war der direkte Gegenspieler des jungen Lindner und hatte diesen nach einigen Fehlern wieder aufgemuntert. Lindner erinnerte an den großen Sportsgeist trotz aller Gegnerschaft auf dem Platz - noch in den Achtzigern hatten sich Lindner und Schlienz herzlich begrüßt. Lindner betonte auch das gute Verhältnis zu den Spielern der Offenbacher Kickers, das in diesem Maße nicht jeder Eintrachtfan teilt.

Istvan Sztani begrüßte das Publikum auf seine eigene Art, "verwechselte" nur die Commerzbank-Arena mit dem Waldstadion und fühlte sich damals nicht nur am Riederwald heimisch, sondern eben auch im Waldstadion, das 58/59 neben den Endrundenspielen auch die Oberligaspiele gegen Offenbach, Nürnberg und die Bayern erlebte.

Doch auch andere Beteiligte von damals kamen zu Wort. Kurt Schmidt, Eintrachtseele und damals der beliebteste Polizist Frankfurts erzählte die Anekdote, dass Familie Pfaff ihm während seiner Arbeit am Tag nach der Meisterschaft zwei Fahnen in die Hand gedrückt hatte. Auf die Frage, was er denn damit machen sollte, lautete die Antwort: Den Verkehr regeln. Gesagt, getan - Kurt regelte sodann mit jenen Fahnen den Verkehr in Frankfurt - und durfte anschließend zum Rapport antreten. Doch sein Vorgesetzter hielt das vermeintliche Belegfoto in die Höhe und meinte dann: So eine gute Fotomontage habe er noch nie gesehen - Kurt blieb unbehelligt.

Unter den Zuschauern waren nicht nur der "Manager" der Meistermannschaft, Alexander Loulakis, sondern auch der ehemalige Aktive Ernst Kudrass, der für die Eintracht von 1948 bis 1957 die Fußballstiefel schnürte - und nun den Geschichten rund um das Meisterjahr lauschte. Auch Toni Hübler war mit seiner Gattin anwesend. Er, der als Gärtner bei der Eintracht angefangen hatte, griff dem damaligen Zeugwarts Karl Krause unter die Arme. In der Woche vor dem Endspiel pflanzte er mit Begonien den Schriftzug Eintracht Frankfurt - Deutscher Fußballmeister 1959 am Riederwald. Er ließ die Pflanzen mit Astzweigen abdecken und meldete sich nach dem Sieg in Berlin telefonisch am Riederwald: Otto, nimm die Zweige runter - und nun war der Blumentext schön zu sehen. In Berlin selbst betreute er Istvan Sztani und vor allem dessen Vater, der aus Ungarn angereist war. 41 Jahre blieb Toni seiner Eintracht treu, ab 1963 selbst als Zeugwart und zu den traurigsten Geschichten gehört sicherlich der Tod des Eintracht-Originals Karlchen Schildger, der Zeit seines Lebens der Eintracht verbunden war - und am Riederwald in den Armen von Toni Hübler verstarb.

Ganz besondere Geschichten hatten die Spielerfrauen auf Lager. Sehr hübsch die Geschichte der Frau Weilbächer, die im Olympiastadion vor Ort den grandiosen Sieg verfolgte. Nach Abpfiff eilte ihr Hans zu ihr, ein Mäuerchen trennte die beiden jedoch. So schob sich Frau Weilbächer auf die Mauer und sprang hinunter. Dabei legte die Bewegung einen Blick auf die damals üblichen Strumpfhalter frei - ein Fotograf hielt diesen Moment für die Ewigkeit fest. Im Film Die Meisterelf wurde dieser Moment mit Spielern der Eintracht sogar noch einmal nachgestellt. Frau Loy hingegen musste damals auf Anweisung der Eintracht-Oberen zuhause bleiben. Im siebten Monat schwanger wurde die weite Reise für zu gefährlich erachtet - und so erlebte sie das Endspiel voller Aufregung fernab von Berlin - und wäre sicherlich vor Ort weit weniger nervös gewesen.

Frau Stinka hingegen war zu jener Zeit noch gar nicht Frau Stinka. Aber sie war eine Eintrachtlerin aus der Leichtathletik-Abteilung - und hatte damals die Spieler nach dem Duschen aus den Fenstern des Riederwaldes beobachtet. Der junge Stinka hatte es ihr angtan, sie sah nach, wo sein Auto parkte (mit dem Kennzeichen F-DS 25) und peu a peu lernten sie sich kennen, bis 1973 die Hochzeitsglocken läuteten - 14 Jahre nach dem großen Sieg.

Alfred Pfaff Junior vertrat seinen Vater würdig. Er, der damals zehn Jahre alt war erlebte die großen Erfolge aus nächster Nähe und hatte vor seinen Klassenkameraden natürlich den Vorteil, die ganzen Spieler und Geschichten hautnah zu erleben. Auch heute freuen sich die Pfaffs noch über Besuch im Gasthof Morretal in Zittenfelden, schaut einfach mal dort vorbei.

Auch Hannelore Wegner kam zu Wort. Sie war damals nicht nur großer Eintracht- sondern auch bekennender Sztani-Fan. Ungewöhnlich für ein Mädchen von vierzehn Jahren waren ihre Kenntnisse über Fußball, sie wusste nicht nur, dass Istvan ein hübscher Kerl war, sondern auch was Abseits ist. Während andere mit Puppen spielten, sparte sie ihr Taschengeld für die Straßenbahnfahrt und den Eintritt ins Stadion.

Wir erfuhren noch von Erwin Stein, dass es keine gute Idee von ihm war, den Bundestrainer "Seppl" zu nennen. Er, der sowie schon schlechte Karten beim Bundestrainer Herberger hatte, da er einen Vertrag bei der Eintracht unterschrieben hatte - und somit als Vertragsspieler nicht bei Olympia 1960 für Deutschland spielen durfte, obgleich er eigentlich fest eingeplant war, - wurde nun auch im A-Team nicht mehr eingesetzt. Wie sich überhaupt sagen lässt, dass die Eintrachtler im Nationalteam eher selten berufen wurden (den Offenbacher erging es übrigens ähnlich) - Sepp Herberger baute auf den 1.FC Kaiserslautern. Immerhin durfte Hans Weilbächer ein A-Länderspiel absolvieren, ähnlich wie Erwin Stein - damals noch im Trikot der Griesheimer.

Die Zeitreise endete nach knapp zwei Stunden, an die 200 Zuhörer waren zufrieden und glücklich ob der erzählten und erlebten Geschichten und auch unsere Helden von damals zeigten sich gerührt ob der Atmosphäre und dem von euch gezeigtem Interesse.

Umlagert von Autogrammjägern verbrachten die Meister noch einige Zeit im Museum, bis sie peu a peu in die Nacht rauschten und wir bei einem Schoppen beieinander hockten.

Wir denken, dass es euch genau so viel Freude bereitet hat wie uns und den Meisterspielern und bedanken und ganz herzlich bei allen Anwesenden.

Der Sonntagnachnmittag brachte noch einmal ein lustiges Erlebnis: Während die Meister bei einem großem Empfang im Frankfurter Römer weilten, versammelten sich rund 59 Fans am Römerberg und zeigten sich zunächst geduldig. Touristen wanderten umher, fotografierten den munteren Trupp, während von Zeit zu Zeit ein Bier-Bike vorbeieierte. Man konnte eine Menge Traditions-Trikots entdecken, zwei den Endspieltagen nachempfundene Doppelhalter wurden in die Luft gereckt und nach dem Offenbacher Bürgermeister, der uns freundlich begrüßte, ließen sich dann unter großem Applaus unsere Meister blicken.

Zunächst mischte sich Dieter Lindner unters Volk und schüttelte alle Hände; ihm folgten Toni Hübler und Istvan Sztani bis alle anwesenden Meister vor die Tür des Römers traten. Bechtold, Feigenspan, Loy, Lindner, Lutz, Stinka, Sztani, Weilbächer und dazu die Herren Solz und Stein. Auch Kurt Schmidt durfte nicht fehlen, gab durch die Flüstertüte Kommandos und wir sangen auf dem Römerberg mit voller Inbrunst Im Herzen von Europa - bis die Mannschaft auf den Tag genau fünfzig Jahre nach dem 5:3 gegen die Offenbacher Kickers in Berlin die Schale vor dem Römer präsentierten. Uli Matheja, Frank Gotta und Doc Hermann, die Helden des gesammelten Wissens, kamen zu uns, auch Matze konnte sich loseisen und bis in den späten Nachmittag saßen wir in einer Äbbelwoikneipe und freuten uns des Tages. Des fünfzigsten Jahrestages der Deutschen Meisterschaft der Frankfurter Eintracht. Tolle Tage, fürwahr. Unvergesslich obendrein.

Dienstag, 23. Juni 2009

Tradition zum Anfassen - Teil 7 - Wir sind Meister

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Tag: 25.06.2009

Stunde: 19:30 Uhr

Ort: Eintracht Frankfurt Museum

So konnte schon nicht mehr viel schiefgehen. Zum Ueberfluß jedoch hatte Kreß eine der Stunden erwischt, wo die Leute von ihm sagen: „Viel besser kann auch der Rahn nicht sein!" Kreß schoß sogar. Allerdings, weil er mußte. Auf einem seiner Rekordläufe über 50 Meter fand er sich plötzlich allein. Nicht nur der Gegner, sondern auch seine eigenen Nebenleute konnten ihm nicht mehr folgen. Links niemand, rechts niemand, um abzugeben, also hinein! Der Schuß schlug 30 Zentimeter über dem Kopf Sawitzkis ein und war dennoch nicht zu fassen.

Schieß öfter, Genosse, und die Frankfurter werden Dich nicht wiedererkennen! Beinahe schade, daß demselben Kreß kurz danach noch ein Tor gelang, bei dem er an Schlienz und Sawitzki vorbei fast nahezu bis zum Netz lief. Jetzt denkt er bestimmt, warum denn schießen, wenn es auch mit Laufen geht. Die übrigen Treffer schmetterten Meier und Feigenspan in die Ecken, beide couragiert eine Gelegenheit am Schopfe fassend, die flüchtiger war als der Wind. Als ein Eckball von rechts durch den ganzen Strafraum flitzte, stieß Meier zu. Als Sztani den Ball raffiniert auf den Elfmeterpunkt schlenzte, erspähte Feigenspan die Lücke. Welche Tore!



Derart poetisch beschrieb Ludwig Dotzert in Der neue Sport die Leistung der Eintracht beim 4:0 in Stuttgart; es war am dritten Spieltag der erste Sieg der Saison 1958/59; weitere sollten folgen - der größte dann am 28.06.1959 im Berliner Endspiel gegen den OFC.

Die Fan- und Förderabteilung und das Eintracht Frankfurt Museum laden euch ein, diese großartige Saison noch einmal Revue passieren zu lassen. Zusammen mit ehemaligen Spielern und vielen weiteren Gästen werden wir uns an ein Jahr erinnern, in dem der Mini Cooper das Licht der Welt erblickte und die Eintracht Deutscher Meister wurde.

Und zur Einstimmung gibt es noch ein Rätsel. Ihr wisst ja sicherlich, dass die Eintracht von 1948 bis 1963 in der Oberliga Süd gespielt hat, in der damals höchsten Spielklasse. Wieviele Reisekilometer mussten denn die Adler zu den 15 Auswärtsspielen (Hin und zurück) zurücklegen, bis am 30. und letzten Spieltag die Süddeutsche Meisterschaft unter Dach und Fach war?

Viel Spaß beim Knobeln.



Nachtrag: Hier nun die Liste mit den zurückgelegten Reisekilometern:





Das Bild von Richard Kress entnahm ich dem wunderbaren Eintracht-Archiv, ohne dessen Hilfe ich die Veranstaltung nicht
hätte vorbereiten können. Danke Frank.

The '59 sound

Von Zeit zu Zeit seid ihr sicherlich hier schon über meine derzeitige Lieblingskapelle gestolpert, The Gaslight Anthem - diese in meinen Ohren gelungene Mischung zwischen Punk und Bruce Springsteen. Dieser Tage touren sie durch Deutschland - im Vorprogramm der alten Helden von Social Distortion:



The story of my life - und zu meiner Geschichte des Lebens gehört natürlich die Frankfurter Eintracht - und die Beschäftigung mit deren Geschichte, die ich seit 1974 aktiv miterlebt habe. Nicht miterlebt habe ich demzufolge den Sound von '59 - das Jahr, in dem die Eintracht Deutscher Meister wurde. Ein Sound von 59 wurde durch Freddy Quinn geprägt; lange Zeit war sein Hit Die Gitarre und das Meer in den Hitparaden ganz oben platziert und unsere Meister hatten vielleicht sogar die Single zuhause; abgespielt auf einem Neckermann Phono-Radio. Jimmy Brown das war ein Seemann ... das Leben, eine Ansammlung verlorener Träume.
Doch ein Traum wurde wahr, damals am 28.Juni 1959 im Berliner Olympiastadion. Der Deutsche Fußballmeister heißt Eintracht Frankfurt.

Heute klingt der der 59 Sound etwas flotter, The Gaslight Anthem sei Dank:





Am 28.05.2009 werden die Meisterspieler im Frankfurter Römer zu Gast sein, exakt 50 Jahre nach dem großen Triumph. Aber wie es so ist mit Feierlichkeiten - das einfache Volk muss meist draußen bleiben, draußen auf der Straße. Wir aber wollen unsere Helden sehen - und wenn 1959 vor unserer Zeit war, so ist die unsrige nun gekommen.



Mittwoch, 17. Juni 2009

Victoria

Victoria - lat. Sieg.

In der römischen Mythologie verkörpert die Victoria die göttliche Personifikation des Sieges, das griechische Pendant ist die Nike - und die hat mitnichten moderne Turnschlappen erfunden, sondern Flügel.

Nach den Olympischen Spielen 1900 in Paris bekam der Deutsche Fußballbund zum Andenken eine Victoria auf Sockel überreicht - und die Deutschen Fußballmeister erhielten von 1903 bis 1944 eben jene Victoria als Wanderpokal vom DFB verliehen - bis Deutschland in Schutt und Asche versank und die Victoria nach 1945 als verschollen galt. Der letzte Meister, der die Victoria überreicht bekommen hatte, war der Dresdner SC - nach einem 4:0 gegen den Luftwaffen-Sportverein Hamburg. Der erste Titelträger war 1903 der VfB Leipzig.

Zwischen 1945 und 1990 lagerte die Victoria in einem Kohlekeller eines Ost-Berliner Fußballfans, zunächst einmal um sie vor den Kriegswirren zu retten. Erst mit der Wende 1990 wurde sie wieder dem DFB zugänglich gemacht. Entsprechend sind die Meister von 1903-1944 und ab 1990 eingraviert.

Da ab der Saison 1948/49 wieder regelmäßig in den Oberligen Fußball gespielt wurde (zwischen 1945 und 1948 kickten die Vereine in den Besatzungszonen) mussten die Herren Funktionäre einen neuen Wanderpokal erfinden; die Meisterschale, bzw Salatschüssel, wie sie der Volksmund respektlos nennt, erblickte 1949 das Licht der Nachkriegswelt und der erste damit gekürte Meister war der VfR Mannheim.

Schalke 04, der Serienmeister der Kriegsjahre, ließ anlässlich der bislang letzten errungenen Meisterschaft 1958 ein mehr als doppelt so großes Replikat der Victoria anfertigen, welches der Eintracht 1959 ausgeliehen wurde. Auf einem Foto anlässlich der Feierlichkeiten der Eintracht zur Meisterschaft im Zoogesellschaftshaus ist diese Victoria schön zu erkennen. Unser Museums-Leiter Matze Thoma begab sich auf Grund dessen auf Recherche und förderte oben genannte Informationen zu Tage. Die Eintracht hat wohl die Victoria nach Gelsenkirchen zurück gegeben; alte Schalker berichten davon, dass diese Victoria bis in die sechziger Jahre noch an der Glückaufkampfbahn zu sehen war - dann verliert sich die Spur.

links: Victoria - rechts: Spielausschussvorsitzender Ernst Berger

Heute lagert das Original von 1900 in der Zentrale des Deutschen Fußball Bundes; der amtierende Deutsche Meister kann sich ein Replikat für die Dauer der Meisterschaft ausleihen - Bayern München zum Beispiel machte jedoch von diesem Recht keinen Gebrauch, ganz anders der VfL Wolfsburg, der die Victoria als aktueller Meister gerne für ein Jahr bei sich haben möchte. Da allerdings anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Meisterschaft der Eintracht auch das Eintracht Frankfurt Museum Interesse beim DFB angemeldet hat, akzeptierten die Wolfsburger zähneknirschend den Deal, dass die Victoria bis zum August in der am Freitag, den 19.06.2009 beginnenden Sonderausstellung im Eintracht Museum zu bestaunen sein wird. Erst dann wird der VfL die Trophäe seinen Fans präsentieren können. Ihr aber habt die Möglichkeit, schon ab Freitag das bronzene Prachtstück zu bewundern. Und nicht nur dies; es gibt im Museum 59 Meister zu bestaunen oder aber die Gelegenheit, sich im Original Fünfziger-Jahre-Ambiente Filme über das Endspiel anzuschauen. Ihr könnt euch informieren, was ein Kaffeeservice mit der Meisterschaft zu tun hat oder aber in einer Kopie der mit einer Schreibmaschine getippten Aufzeichnungen von Hermann "Stift" Höfer schmökern.


Eröffnung: Freitag, 19.06.2009 - 19:30 - Eintritt frei. Am 25.06 werden dann die Meister höchstselbst im Museum anwesend sein und noch viel mehr Gäste, die sicherlich tolle Geschichten zu erzählen haben. Dazu demnächst mehr.


Achja, eine Frage habe ich noch:

Für einen Eintrachtler, der gerne mal eine Zigarre schmauchte war der Riederwald quasi das Zuhause. Er war für vieles zuständig, putzte Schuhe, schleppte Koffer und ließ einmal verlautbaren: Wenn ich mal uffem Sportplatz umfall, des wär mein scheensde Dod. Der liebe Gott tat ihm diesen Gefallen, die gesuchte Person verstarb tatsächlich am Riederwald - in den Armen einer anderen Legende, nach der sich sogar ein Fanclub der Eintracht benannt hat. Wie hieß denn der gesuchte Zigarrenraucher - und in wessen Armen tat er seinen letzten Atemzug?

Viel Spaß beim Rätseln wünsche ich. Und im Museum natürlich auch.





Dank an Matze Thoma für viele Informationen, sowie an den DFB und den VfL Wolfsburg für das Überlassen der Victoria. Bei der nächsten Meisterschaft der Eintracht werden auch wir uns generös zeigen.

Sonntag, 14. Juni 2009

Der Meister heißt Eintracht ...

... aus Frankfurt am Main ...

am 28.06.1959, ihr wisst es längst, triumphierte die Eintracht im nicht ausverkauften Berliner Olympiastadion mit 5:3 über die Oxxenbacher Kickers. 75.000 Zuschauer, darunter Fußballidol Friedrich Walter und Berlins regierender Bürgermeister Willy Brandt erlebten vor Ort 120 spannende Minuten, drei Treffer von Ekko Feigenspan, zwei von Istvan Sztani und die bislang einzige deutsche Meisterschaft der Eintracht. Aus Sicht der Hessen bestand das einzige Manko darin, dass die Partie nicht im heimischen Waldstadion ausgetragen wurde - dem Ort, an dem beide Finalisten ihre Heimspiele zur Endrunde ausgetragen hatten - sondern eben 560 km von der Heimat entfernt. Die Flüge nach Berlin waren schnell ausgebucht und die Reise für viele Anhänger zu teuer - damals konnte man ja nicht ahnen, dass der Titelgewinn bis heute der letzte bleiben sollte.

Für alle, die damals nicht dabei gewesen sind und zur Erinnerung für die Veteranen hat Frank Wagner aka bembelmonster einen Clip zusammengestellt, der Aufnahmen nach dem Sieg zeigt, untermalt von dem hübschen Lied mit dem Titel Der Meister heißt Eintracht und ihn dankenswerter Weise den Blogs zur Verfügung gestellt. Und damit euch die Zeit bis zu den angekündigten Feierlichkeiten nicht zulange wird (so z. Bsp. am 25.06.2009 im Museum) gibt es zum Clip noch ein kleines Rätsel. Zu leicht darf es nicht sein - also strengt euch an:


Frage 1: Endspiele um deutsche Fußballmeisterschaften gab es durchaus in Frankfurt am Main. Aber in welchen Stadien fanden sie statt?

Frage 2: Wieviele Eintrittskarten hätten denn 1959 für das Endspiel im Berliner Olympiastadion verkauft werden können?

Jaja, gar nicht so einfach, gell?

Und nun viel Spaß mit dem Clip:





Nachtrag:

Der Sachsenhäuser und der Kid wussten die Endspielorte genau zu benennen, es waren das Waldstadion (1925, 1926, 1960) und die Sandhöfer Wiesen. 30.000 Zuschauer sahen 1920 am alten Germania-Sportplatz im Endspiel den 2:0 Sieg der Nürnberger gegen die Spvgg Fürth. Frank lag mit 95.000 angebotenen Karten zum Endspiel in Berlin 1959 ganz dicht an der tatsächlichen Anzahl. 93.917 Karten standen zum Verkauf bereit.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Wir nähern uns Berlin ...

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Am 28.06.2009 ist es soweit - die Eintracht feiert das fünfzigjährige Jubiläum der bislang einzigen Deutschen Meisterschaft. Dazu wird es nicht nur wenige Tage vorher, nämlich am 25.06.2009 eine tolle Veranstaltung im Rahmen der Reihe Tradition zum Anfassen im Museum geben, sondern sicherlich etliche große Feierlichkeiten - so auch ab dem 19.06.2009 eine Sonderausstellung im Eintracht-Museum.

Da neulich hier im Blog bei einem Rätsel die Lösung als zu leicht bemäkelt wurde, gibt es nun eine neue Aufgabe, sogar zweigeteilt.

Am 23.06.1959 bestieg die Eintracht den Flieger nach Berlin-Tempelhof. Von dort aus ging es in das Verbandsheim der Berliner Ballsportvereine nah eines nicht ganz unbekannten Gewässers. Der folgende Tag wurde zu einem kleinen Bootsausflug genutzt.

Frage 1: Wessen Grab kann unweit des Verbandsheimes am Ufer des besagten Gewässers besichtigt werden?

Frage 2: Wie hieß das Boot, in welchem Bechtold, Loy, Lutz, Osswald, Stinka und Weilbächer damals in See gestochen sind?


Die Lösung zur Frage Eins liefert sicherlich die Internet-Situation. Die Lösung zur zweiten Frage aber liegt nicht zuletzt im Herzen von Europa. Der/die Gewinner/in erhält drei Postkarten in den Farben Rot-Schwarz-Weiß; abzuholen am 25.06.2009 im Eintracht Frankfurt Museum - anlässlich des Besuches der Meisterspieler incl. der Möglichkeit, diese signieren zu lassen. Viel Vergnügen.


Nachtrag:

Das Rätsel ist gelöst, fixe Gesellen waren am Werk. Dank an insofern, Kid und Bembelmonster. Das Grab von Heinrich von Kleist (als auch von Henriette Vogel) liegt tatsächlich am Wannsee - da hätte man drauf kommen können. Sensationell aber die Auflösung in Bezug auf den Namen des Ruderbootes; es hieß tatsächlich Alex Gräfe. Sowohl im von Kid in den Kommentaren beschriebenen Büchlein Mainderby in Berlin als auch im Bildband Im Herzen von Europa von den Herren Gotta und Hermann ist ein Foto davon abgebildet. Hier ist es. In Schwarz-Weiß - wie es sich für historische Bilder gehört.

Montag, 27. April 2009

Matchdayfeeling: Endlich wieder Fußball


Es sollte ein sonniger Tag werden, der Duft von frischem Kaffee zog durch die Wohnung, die Wahl fiel auf kurze Hosen und die Erinnerung an den gestrigen Tag purzelte ins Hirn:

War die erste Halbzeit der Eintracht beim VfB noch ganz ansehnlich, so war nach dem zweiten Treffer der Stuttgarter kurz nach Wiederbeginn die Luft raus. Ich nutzte die Gelegenheit für ein kleines Nickerchen und wachte pünktlich zum Schlusspfiff auf, manchmal ist der liebe Gott gnädig und schenkt dir Träume, wenn die Gegenwart jegliche Illusion verbietet.

Halbwegs ausgeruht machte ich mich auf den Weg ins Eintracht Museum und installierte die Technik für die lange Nacht der Museen - an der sich die Eintracht wie im letzten Jahr beteiligten sollte. Peu a peu rollten die Besucher in den Shuttle Bussen an, viele nutzten die Gelegenheit und nahmen an den verkürzten Stadionführungen teil, andere kauften Buttons bei uns und warteten auf unsere Gäste.

Zunächst kam Christoph Preuß, unsere schon lange verletzte Nummer 4, mit dem ich vor den versammelten Museumsbesuchern kurz plauderte. Christoph wird in den nächsten Tagen mit dem Joggen beginnen, dies ist die gute Nachricht - aber es wird natürlich noch eine ganze Weile dauern, bis er wieder richtig Fußball spielen kann - dies ist die schlechte. Er blieb noch eine ganze Weile bei uns, unterhielt sich mit Kid Klappergass, schrieb Autogramme und ließ sich mit vielen Fans fotografieren, während die Spieler der Meistermannschaft ins Museum marschierten. Dieter Lindner, Egon Loy, Istvan Sztani, und Dieter Stinka waren erschienen, zu denen sich noch der zweimalige Torschütze im Europapokalfinale 1960, Erwin Stein gesellte, auch der fliegende Zahnarzt Dr. Peter Kunter stieß dazu; unser Keeper, der 1974 den DFB-Pokal gewonnen hatte und alle gemeinsam lauschten wir dem Polizeichor, der traditionell vor dem Museum Im Herzen von Europa anstimmte.

Es folgte Im Wald da spielt die Eintracht und die Frau Rauscher aus de Klappergass, später erschien ein gutgelaunter Alexander Schur und erzählte uns von Quälix, dem Trainer, der seinerzeit nicht gerade für Begeisterung im Team sorgte, ähnlich wie Jahre zuvor Trainer Ribbeck bei den Mannen um Dr. Peter Kunter nicht gerade geliebt war. Spät in der Nacht zogen wir Bilanz: Die Buttons mit dem Konterfei von Trainer Friedhelm Funkel waren ausverkauft.

Sonntag morgen. Sonne. Kaffee. Kurze Hosen.

Seit Wochen wurde in Bornheim für das große Spiel geworben 84 Jahre später - Die Revanche war auf dem Ankündigungsplakat zu lesen, welches in vielen Schaufenstern und Litfaßsäulen pappte. Abgebildet war die Mannschaft des FSV Frankfurt, die 1925 im Endspiel gegen den 1.FC Nürnberch im Waldstadion um die deutsche Meisterschaft spielte - und in der Verlängerung unglücklich mit 0:1 verloren hatte. André, der für die Spieltagsorgansiation verantwortlich ist, hatte es mir im Rahmen eines Regionalligaspiels unserer U23 geschenkt; mein zweites schwarz-blaues Souvenir neben dem schon in einem anderen Blogbeitrag erwähnten Feuerzeug mit der Aufschrift Wir bringen Feuer ins Spiel.

Fußball im Waldstadion, Traditionsmannschaften, Sonnentag - das erinnert an einen Begriff, an ein Gefühl, welches ältere Eintrachtler noch kennen und das ein Bekannter von mir neulich treffend mit Matchdayfeeling beschrieben hatte. Matchdayfeeling; diese Stille in den Straßen, das von einem Kribbeln durchzogen wird; dieses Es liegt was in der Luft. Gar nicht lange her, dieses Gefühl - heutzutage hört man eher: Ich bin froh, wenn Sommerpause ist. Eintracht Frankfurt im Frühling 2009.

Ich wuchtete unsere Räder aus dem Keller und stellte fest, dass Pias Radel leicht platt war. In der Hoffnung, dass die Pumpe eine Lösung wäre, pumpte ich das Rad auf und frohgemut rollten wir durch den Anlagenring an sprudelnden Brunnen vorbei, über die Kaiserstraße Richtung Moselstraße, am Moseleck vorbei in Richtung Holbeinsteg.

Pias Rad war mittlerweile völlig platt, ein erneutes Pumpen brachte uns über den Steg am Main entlang zur Uniklinik und von dort schoben wir die Räder zur Straßenbahnhaltestelle Bruchfeldstraße, ketteten sie am einem Metallbügel fest und warteten auf die Straßenbahn. Die Luft ist raus. Ich werde Buttons basteln müssen.

Obgleich der Anpfiff nicht allzufern lag, war das ankommende Bähnchen relativ leer. Neeko saß mit ein paar Kumpels im Wagen, wir rollten am Oberforsthaus vorbei, stiegen an der Endstation "Stadion" aus und wanderten zum Haupteingang; der Bratwurst Walter, der sonst die Eintrachtfans verköstigt, hatte heute frei.

Am Kassenhäuschen erwarben wir nach dreiminütigem Anstehen eine Stehplatzkarte für Block 40 - genau so bin ich über all die ganzen Jahre ins Stadion gepilgert, damals, als es noch Waldstadion hieß und nicht nach einem staatlich gesponserten Unternehmen, dass angeblich nahezu pleite ist. Aber weshalb soll es denen anders gehen als mir. Mit dem Unterschied, dass ich mir von keinem Geld den Stadionnamen nicht kaufen kann, da kann ich bei Papa Staat bitteln und betteln, wie ich will.

Am Haupteingang war es ruhig, viele Nürnberger und einige Bornheimer warteten geduldig in langer Schlange am einzig offenen Eingang; an den anderen Eingängen, wo sonst die Menschenmassen der Eintracht klebten parkten Fahrräder - und dennoch schlüpften wir zügig durch die peniblen Kontrollen hindurch und wanderten wie so oft durch das Areal des Waldstadions, an den Bäumen vorbei in Richtung Nordwestkurve. Diesmal allerdings ging es nicht nach oben in den Einunvierziger, wo mein Daddy, Pia und ich seit Jahren dem Geckicke der Eintracht zusehen; diesmal ging es hinein in das vermeintliche Herz unserer Kurve, in den Block 40, wo sonst dicht gedrängt die Ultras der Eintracht ihr Revier sehen.

Niemals zuvor haben wir so viele Gästefans bei uns im Stadion gesehen. Der komplette Unterrang der Ostkurve war geschlossen voll mit Nürbergern, sogar Teile des Oberranges im Osten (der sonst wie der gesamte Oberrang während der Heimspiele der Bornheimer geschlossen ist) war mit Clubberern belegt, ebenso die Hälfte der Gegentribüne - Aufstiegseuphorie im Frankenland, schätzungsweise 13.000 Nürnberger hatten das Stadion geentert, dagegen verlor sich ein Häuflein Bornheimer im 38er, einge saßen auf den Tribünen - insgesamt waren knapp über 16.000 Zuschauer anwesend, Saisonrekord für Bornheim.

Matchdayfeeling. Wie anders noch zu Beginn der Saison, als Pia und ich den 2:0 Pokalerfolg des FSV gegen den VfL Osnabrück vor knapp 3.500 Zuschauern erlebten. Viele davon waren Eintrachtler - und auch heute entdeckten wir etliche Adler im weiten Rund.

Pünktlich zum Anpfiff lehnten wir entspannt an einem Wellenbrecher und sahen nicht nur ehemalige Eintrachtler im Schwarz-blauen Trikot wie Lars Weißenfeldt oder den klasse haltenden Torhüter Patric Klandt, sondern auch einen hervorragend aufspielenden Youssef Mokhtari, der sich später schwer verletzen sollte.

Die Nürnberger Fans waren laut - einzig die Musik und die Ansagen über die Lautsprecher überboten die Lautstärke noch - der FSV-Block bemühte sich, dagegen zu halten (ein Vorsänger mit Megaphon hockte auf dem Zaun und gab sein bestes), Kinder sausten durch die Stehplätze und Stefan hockte am Spielfeldrand und schoss Fotos für die FR.

Der erste Nürnberger Konter brachte nach einem beherzten Sprint von Eigler das 0:1, doch nur wenig später erzielte Barletta, der Kaptän der Bornheimer, der für den verletzten Ex-Eintrachtler Markus Husterer von Beginn an spielte, nach einer Ecke den Ausgleich. 1:1. Über Lautsprecher brach ein Inferno über uns herein, Oh wie ist das schön dröhnte es aus den Boxen, dass jegliche Freude aus Angst vor Spontanertaubung erstickte.

Interessant waren die Spielstände auf den anderen Plätzen, insbesondere das Spiel Ingolstadt gegen Mainz hatte besondere Bedeutung. Während die Ingolstädter mit den Bornheimern um den Klassenerhalt konkurrieren, zählt Mainz wie der Club zu den Aufstiegsaspiranten - und so bejubelten die Frankfurter die Mainzer Tore, während Nürnberg den Ingolstädtern die Daumen drückte - eine Konstellation, die eher selten ist.

Die Halbzeitpause brachte ein Bobbycar-Rennen und ein Chillen auf den Rängen, die Sonne quetschte sich durchs Stadiondach und weiter gings mit den zweiten fünfundvierzig Minuten.

Wer gedacht hätte, dass der Club aufdrehen würde, sah sich getäuscht; Bornheim hielt dagegen und erarbeitete sich etliche gute Chancen. Mokhtaris Ausfall brachte die Einwechslung von Markus Kreuz und nur wenig später wurde der Spieler Junior Ross eingewechselt, der für mächtig Dampf auf Linksaußen sorgte. Cenci, die Frisur des Tages, scheiterte an Schäfer, dem starken Nürnberger Schlussmann, der wiederum gegen den strammen Schuß von C. Mikolajczak aus spitzen Winkel machtlos war. 81.Minute - 2:1 für den FSV.

Der Nürnberger Pinola (zweiter in der Frisurenwertung) zürnte, der Club versuchte alles, Bornheim hielt clever und leidenschaftlich dagegen, Mintal moserte und flog in der 93. Minute vom Platz und so hieß es am Ende 2:1 für den FSV Frankfurt gegen den 1.FC Nürnberg; die Revanche war gelungen.

Die Bornheimer tanzten ausgelassen und feierten mit den Fans, die überglücklich am Zaun hingen, Humba hier, Humba dort, während der (gegen Spielende immer leiser werdende Nürnberger Anhang) doch recht flott das Stadion verließ. Die Bornheimer Fans aber riefen: Auswärtssieg.

Wir hockten uns noch ein wenig auf die Treppenstufen vor der West in die Sonne, beobachteten das entspannte Treiben selbst höchst entspannt und wanderten dann durch die vom damaligen Gartenbaudirektor Max Bromme erbaute Anlage Waldstadion am Denkmal der unbekannten Läuferin vorbei in Richtung Straßenbahn, die uns zurück zu den Rädern brachte. In der Bahn trafen wir das Eintracht-Urgestein Roland Gerlach, der es sich ebenfalls nicht hatte nehmen lassen, das geschichtsträchtige Spiel zu sehen, an der Bruchfeldstraße verabschiedeten wir uns, sprangen aus der Bahn und flickten nur wenig später Pias Rad an der Tankstelle am Oberforsthaus und radelten dann an den Sandhöfer Wiesen vorbei.

Dieser unscheinbare Sportplatz nahe des Geländes der Uniklinik war 1920 Austragungsort des Endspiels um die deusche Meisterschaft. Damals sahen hier 35.000 Zuschauer ein 2:0 des 1. FC Nürnberg gegen die Spielvereinigung Fürth - die wiederum 1926 im Waldstadion durch ein 4:1 gegen die Hertha selbst deutscher Meister wurde.

Über einen Thai in Sachsenhausen, bei welchem wir vom 2:0 der Cottbusser gegen den VfL Magath erfuhren, ging es bei Sonnenschein zurück in die Hochhausschluchten, zurück ins Nordend - der Reifen hielt. Ein Blick ins Internet zeigte später, dass das Forum Unsere Eintracht geschlossen war - vielleicht das beste, was diesem Verein in diesen Tagen passieren konnte.

Selten habe ich in den letzten Jahren dermaßen entspannt ein Heimspiel gesehen, keine Lautsprecheranlage im Block, keine sinnfreie anlasslose Beschimpfungen des Gegners oder der eigenen Mannschaft, kein sich-selbstfeiern und auch kein seelenloses Rumgekicke, sowie kein Monate-vorher-Ticket-kaufen. Fußball. Einfach nur Fußball. Schön war's.