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Donnerstag, 30. Dezember 2010

Startschuss in das Jahr der Frauen-WM


Die Stadt Frankfurt blickt auf eine große Tradition im Frauenfußball zurück. 1930 wurde am Main der erste Deutsche Frauenfußballclub gegründet. Auch in den 1960er Jahren kickten die Frauen in Frankfurt bei den „Franken66“, bei „Oberst Schiel“ und anderen Clubs, trotz offiziellen Verbots durch die Verbände. Und heute beheimatet die Stadt mit dem 1. FFC Frankfurt einen der erfolgreichsten Frauenfußballvereine der Welt.

Zur Einstimmung auf die bevorstehende Weltmeisterschaft ist im Eintracht Frankfurt Museum noch bis Ende Januar die Ausstellung „20 Köpfe 11 Geschichten – Zur Historie des Frauenfußballs in Frankfurt am Main“ zu sehen. Im Rahmen dieser Ausstellung findet am Mittwoch, den 5. Januar 2011 im Museum um 19.30 Uhr ein Abend unter dem Titel „Startschuss in das Jahr der Frauen-WM“ statt.

Im Museum berichten zahlreiche Zeitzeuginnen über die Anfänge des Frauenfußballs in Frankfurt. Neben der „ersten Schiedsrichterin Hessens“ Helga Altvater, der langjährigen Spielerin und Funktionärin Regina Senkler, der erfolgreichen FSV-Trainerin Monika Koch-Emsermann und weiteren Fußballerinnen der ersten Stunde ist auch ein männlichen Frauenfußballpionier zu Gast: Ferdi Stang trainierte in den 1970er Jahren die Mannschaft von Oberst Schiel und erreichte mit dem Team das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Über den Nachwuchs berichtet Heidi Löhr, bei der Eintracht Koordinatorin für Frauen- und Mädchenfußball.

Und einen ganz besonderen Leckerbissen gibt es am Mittwoch auch zu bestaunen: 1976 produzierte der Filmemacher Wolfgang Avenarius ein Kurzportrait über die Damenmannschaft des „Schützenvereins Oberst Schiel“. Der fünfminütige Film wird im Museum natürlich gezeigt.


Termin: Mittwoch, 5. Januar 2011

Start: 19.30 Uhr

Eintritt: 5,00 Euro, erm. 3,50 Euro



Foto: Eintracht Frankfurt Museum

Dienstag, 28. Dezember 2010

Christoph Safran 1985 - 2010



Es ist schon ein paar Jahre her, ich sollte bei einer Business-Veranstaltung des Vereins im Stadion Musik machen, sprich Platten auflegen. Mein Ansprechpartner war erstmals der damalige Praktikant des e.V. , Christoph Safran, ein junger Kerl, der mich sofort mit allen nötigen Infos versorgte. Flott, pfiffig und sympathisch. Von diesem Tag an liefen wir uns häufiger über den Weg zumal er recht bald den frei gewordenen Job des Pressesprechers im Verein übernahm - und ich als U23 Stadionsprecher eng mit ihm zusammen gearbeitet habe. Später war er auch an der Gestaltung der neuen Homepage beteiligt und hatte einen Heidenspaß an der Arbeit; das Spiel mit Worten, das Kalauern und Doppeldeutige war sein Metier, die Äuglein blitzten bei jedem gelungenen Spaß, bei ihm war das Lachen zuhause. Ihm habe ich es auch zu verdanken, dass mein Portrait auf der Homepage des Vereins gelandet ist.

Wie ein Keulenschlag muss ihn die Meldung seiner Krankheit getroffen haben, doch er hat sich tapfer dagegen gewehrt - und hatte doch keine Chance. Sichtlich gezeichnet kam er auch während seiner Behandlung immer wieder an den Bornheimer Hang, um die Spiele der zweiten Mannschaft zu verfolgen; wir touchierten in Gesprächen auch die Krankheit. Christoph saß der Schalk noch immer im Nacken, doch auch dieser war verwundet. In den letzten Monaten wurden die Besuche seltener - und einen Tag vor Weihnachten hat sein Herz endgültig aufgehört zu schlagen. Im Alter von nur 25 Jahren. Wir wissen, dass das Leben ungerecht ist und wir wissen, dass es für nichts einen Sinn gibt. Traurig ist, wenn wir diesen Gedanken mühsam verdrängt haben und aus dem Nichts daran erinnert werden. Christoph lebt nicht mehr. Vielleicht sieht er von oben, dass ich traurig bin. Und vielleicht hocken wir eines Tages wieder nebeneinander und kalauern uns durch die Zeit. Bis dahin: Mach's gut junger Mann.


Das Foto ist der Homepage des Vereins entnommen.

Sonntag, 26. Dezember 2010

Heimspiel in Bad Aachen


Es kam wie es kommen musste und schuld daran hat ein Bus. Genauer gesagt ein Eintracht-Bus.

Schon seit geraumer Zeit stand fest, dass wir vom Eintracht-Museum unsere Weihnachtsfeier in Aachen abhalten würden. Der Clou bestand darin, mit einem Bus von der Eintracht zu fahren, mit großem Aufkleber und allem drum und dran.

Wir versammelten uns brav und rechtzeitig vor dem Museum; Matze kam mitsamt Bus angerauscht und wollte seine Schäfchen einladen als ein Blick auf die Windschutzscheibe einen fetten Riss im Glas offenbarte. Nu war guter Rat teuer, die einen wollten ins Risiko gehen, die anderen waren sich unsicher und so standen wir in der Kälte bis sich die Situation klärte. Wir fahren. Mit einem Mietauto. Ohne Eintrachtaufkleber. Dafür mit Hamburger Kennzeichen.

Und so kam es dann auch, acht Gesellen und Gesellinnen rollten erst nach Neu Isenburg, um den Mietwagen in Empfang zu nehmen und dann hinter dem Stadion auf die A3. Zuhause blieb der Eintrachtbus - mit Riss in der Scheibe. Die zweiten langen Gesichter gab es als durchsickerte, dass die versprochenen Frikadellen nicht mit an Bord waren; natürlich gab es auch keinen Glühwein und es war eine traurige Fahrt durch grauen Winternebel, auf den Feldern Schnee. Naja, abgesehen davon, dass die Damen schon früh einen Sekt klar machten und von Zeit zu Zeit munter mitsangen: Mein Herz ist rot, mein Herz ist schwarz und das auch noch gestreift ... Hinter Montabaur ging's auf die A48 und dann weiter auf die A61 um dem Kölner Berufsverkehr aus dem Weg zu fahren - was auch ganz gut gelang. Ohne Frikadellen rollten wir nun durch die Eifel, die heute recht ungemütlich daher kam, grau und verregnet - es sah so aus als würde uns nach all dem Schnee der vergangenen Wochen zu Weihnachten das seit Jahrzehnten bekannte graunieselige Bild präsentiert.

Immerhin gab es in Brohltal Ost einen Kaffee, der manch einem ein Lächeln auf das Gesicht zauberte. Mir nicht; seit nunmehr sechs Wochen verzichte ich auf Cigaretten, Alkohol und Kaffee. Werde dennoch älter. Weiß jetzt nur nicht mehr so genau weshalb.

Aus den Boxen perlte eine muntere Mischung aus den Jacob Sisters und Gogol Bordello, oder den Weihnachtspogues, wir freuten uns der vielbefahrenen A3 ein Schnippchen geschlagen zu haben, passierten Kerpen (Heimat von Schumacher. Michael.) und Düren (Heimat von Schumacher. Harald), es dunkelte mittlerweile und wir fuhren in Aachen ein. Aachen ist in sprachlicher Hinsicht ein Phänomen. Nicht nur, dass der Name schlicht Wasser bedeutet - nein: Aachen ist die einzige deutsche Stadt, die auf den lukrativen Zusatz Bad verzichtet. Richtig, eigentlich heißt die Kaiserstadt Bad Aachen. Da der vollständige Namen aber dazu führen würde, dass Aachen in Städtelisten nicht mehr auf Platz eins stehen würde, legt man hier keinen gesteigerten Wert auf das Bad.

Wir hingegen verzichteten nicht auf den obligatorischen Weihnachtsmarkt. Bei Kinderpunsch (Steffen und ich) bzw. Glühwein (alle anderen) stimmten wir uns auf den bevorstehenden Pokalfight ein. Jede Menge Frankfurter tummelten sich bereits in der Nähe des Doms und die wenigsten versorgten sich mit geklöppelten Spitzen, die hier angeboten wurden, Printen hingegen gingen schon besser.

Anschließend marschierten wir über verschneeregnete Aachener Straßen in Richtung Neuer Tivoli, über den Wikipedia weiß: Um den alten traditionellen Namen für das neue Stadion zu erhalten und durch den Verzicht auf einen Verkauf der Namensrechte entgangene Einnahmen zu kompensieren, wird auf die Eintrittspreise (bereits eingerechnet und nicht gesondert aufgeführt) ein Aufschlag von einem Euro erhoben, der sogenannte Tivoligroschen.

Eine Idee, die man Dresden durchaus empfehlen könnte.

Nach einem recht unsicheren Weg über eine vereiste Brücke schlitterten wir über wegegworfene Reklameplastiktüten bis sich der neue Tivoli vor uns erhob. Leuchtend gelb ragte das Stadion in die grauschwarze Nebelnacht, Kartoffelkäfer näherten sich aus allen Ecken und Enden, während wir auf dem Weg zum Gästeeingang das Stadion umrundeten. Ging bislang alles ziemlich lässig von statten, so zeigte sich nun erneut, weshalb der Gästebereich bei Fußballspielen eigentlich zu meiden ist und mit Gast so gar nichts zu tun hat. Wir marschierten am eigentlichen Eingang vorbei - ein Zaun verhinderte den direkten Weg - und an jenem Zaun mussten wir ca 100m entlang bis wir auf der Innenseite den gleichen Weg zurücklaufen mussten. Ein paar Wellenbrecher, Tunnels und Kontrollen später erklommen wir die Stufen und blickten uns um. Der neue Tivoli beeindruckte durch seine konsequente schwarz-gelbe Farbgebung, sogar das Toilettenpapier und die Boxen waren gelb. Trotz des relativ geringen Fassungsvermögens von 32.500 Zuschauern wirkten die Tribünen recht steil.

Anpfiff, Achtelpokalfinale: Alemannia Aachen (Neongelb) - Eintracht Frankfurt (Schwarz-Rot). Das Stadion getaucht in Flutlichtnebel

Während aus dem Stehplatzbereich Rauch und Licht aufstieg, donnerten zwei Böller aus den Sitzpätzen in den Abendhimmel. Eine zeitlang konnten wir ob des Nebels das Tor auf der gegenüberliegenden Seite nicht sehen. Dafür sahen wir umso besser, wie Schwegler nach knapp einer viertel Stunde Gueye am Strafraum umholperte. Rot leuchtete die Karte in das Nebelflutlicht; den fälligen Elfmeter konnte Fährmann allerdings parieren - so blieb es wenigstens beim 0:0.

Von nun an plagten sich zehn Frankfurter unterstützt von annähernd 4.000 mitgereisten Schlachtenbummler gegen elf Aachener, die unermüdlich das von Fährmann sicher gehütete Tor belagerten, ohne sich allerdings nennenswerte Chancen zu erspielen. Die Eintracht hatte nach dem Platzverweis Clark in die Innenverteidigung gezogen und erarbeitete sich selbst gute Möglichkeiten, vor allem Gekas vergab einige schöne Chancen. In der zweiten Halbzeit ein ähnliches Bild, nur dass Chancen auch auf Frankfurter Seite Mangelware blieben; vielleicht ist es doch zu einfallslos, nur mit "vornehilftballaufgekas" zu operieren. Ein Wiedersehen gab es mit dem ehemaligen Eintrachtler Juhvel Tsoumou, der auf Aachener Seite eingewechselt wurde. Dass Kollege Altintop erneut durchspielen durfte, versteht sich von selbst. Ob der Trainer ihm damit einen Gefallen beschert, dürfte langsam bezweifelt werden. Der später eingewechselte Fenin erzeugte in wenigen Minuten mehr Spannung, als Altintop während der gesamten Saison. Langsam kroch die Kälte in uns und so manch Stoßseufzer ging ob des einsetzenden Schnees und des bevorstehenden Heimweges in Richtung: Hoffentlich gibt's keine Verlängerung. Doch es blieb vergeblich bangen, hoffen: der sonst so inkonsequente Schiedsrichter Weiner pfiff nach 90 Minuten ab, und weitere 30 Minuten sollten folgen.

Zunächst versemmelte Altintop ein Abspiel aus der eigenen Hälfte; da die Eintracht den Ball nicht aus der Gefahrenzone bekam, nutzte die Alemannia die Gelegenheit zur Führung. Sechs Minuten später passte Meier zu Fenin und der erzielte zu unserer Freude noch den Ausgleich. Sekunden vor Schluss hätte Gekas alles klar machen können, doch er scheiterte an Aachens Schlussmann Hohs. Somit sah dieses Spiel neben Nebel, Schnee und Verlängerung auch noch ein Elfmeterschießen. Das letzte dieser Art konnte die Eintracht zwar siegreich bestreiten - ebenfalls im Achtelfinale gegen Nürnberg im Dezember 2005; mir fiel jedoch spontan das Rückspiel im Uefa-Cup gegen Salzburg ein. Und das hatten wir damals vergeigt.

Geschossen wurde natürlich auf die gegenüberliegende Seite - und ich kann's ja jetzt vorweg nehmen: gejubelt auch. Während die Alemannen alle Elfmeter verwandeln konnten, scheiterte Meier an der Größe des Tores, der Ball flog über den Kasten ins traurige Nichts. Getroffen hatten für die Eintracht Fenin, Amanatidis (der viel zu spät und nur für diesen Schuss überhaupt eingewechslt wurde) sowie Caio.
Damit wars amtlich, die Eintracht hatte die große Chance auf das Weiterkommen vergeigt. Sicher, das Team zeigte eine feine kämpferische Leistung trotz 105 Minuten in Unterzahl - doch bei aller Liebe: der Gegner war eine mittelmäßige Zweitliga-Truppe; zwar engagiert und leidenschaftlich - aber schlagbar auch zu Zehnt.

Während der Aachener Stadionsprecher das Publikum aufforderte, ein Weihnachtslied zu singen - und ich mir dachte: schieb dir deine klingenden Glöckchen in den Hintern verschwand Meier schnurstracks in der Kabine: vielleicht dämmerte es ihm, dass der Elfer zu salopp geschossen war. Doch hätte Gekas das Ding kurz vor Schluss rein gemacht, wäre es gar nicht so weit gekommen; hätte Altintop das Abspiel nicht vergeigt ebenso - und hätte Schwegler keine Rote gesehen so wir ein anderes Spiel. Fenin und Amanatidis - da kommen wir der Sache schon näher. Pia hatte nämlich vor dem Spiel zwei einzelne Cent-Stücke gefunden und und diese als Glückscents definiert: Ein Tor Fenin und eines Amanatidis. Sieg. Da der Trainer Amanatidis jedoch nicht früher eingewechselt hatte, konnte dieser nicht treffen und somit wurde leichtfertig der Sieg verschenkt. Tore im Elfmeterschießen zählen nämlich nicht.

Wir wanderten recht geknickt durch den Winterschnee, zunächst durch den Tunnel und am Zaun entlang, auf der äußeren Seite dann sinnfrei wieder zurück. Schlittrig die Wege, die Autos glitten leise an uns vorbei während wir durch die Flocken zurück zum Mitwagen schlingerten. Unterwegs erfuhren wir noch, dass der nächste Gegner der Aachener tatsächlich die Bayern geworden sind. Gibt auf jeden Fall Frischgeld.

Beim Einsteigen rutschte mir noch jede Menge Schnee aus der Kapuze zwischen Shirt und Rücken, der umgehend entfernt werden musste, dann gings zurück Richtung Heimat. Schneller als Fünfzig konnten wir zunächst kaum fahren, Steffen lenkte den Wagen aber souverän durch die Nacht, bis der Schnee in Regen überging, die Fahrbahn zu sehen und nicht mehr so rutschig war und somit immerhin eine vernünftige Geschwindigkeit in die Nacht gelegt werden konnte. LKWs wie auch der Eintrachtbus schossen an uns vorbei, wir aber rollten müde aber unglücklich durch die Nacht, trafen an einer Raststätte den Bus der Frankfurter Jungs und landeten nach 3:00 wohlbehalten am Stadion. Matze drückte uns noch Weihnachtsgeschenke in die Hand, und dann ternnten sich die Wege. Gisela und Bernd fuhren mit Billy und Karin Richtung Bornheim, Steffen zurück Richtung Flughafen, Matze und Frauke brachten in Isenburg den Mitwagen zurück während Pia und ich den silbernen Golf anwarfen und Richtung Norden tuckerten.

Tja, wenn schon durch den kleinen Eintrachtbus ein Riss geht, dann ist es also kein Wunder, wenn dieser sich bis Aachen fortsetzt. So überwintert die Eintracht leider nicht im Pokal, es ist dennoch Winterpause. Weiße Weihnacht. Freut euch also.





Einen ausführlichen Spielbericht findet ihr wie immer beim Kid, atmosphärische Fotos beim Stefan.

Freitag, 24. Dezember 2010

Frohes Fest 2010


Danke für die Begleitung auch in diesem Jahr, für die Kommentare und die vielen freundlichen Worte draußen in der feindlichen Welt. Wer weiß schon was das nächste Jahr so alles bringen wird. Auf jeden Fall den ein oder anderen Aufreger. In den nächsten Tagen gibt es zudem noch ein Heimspiel in Bad Aachen. Jetzt gehts erstmal in Richtung elterlichen Weihnachtsbaum, darauf freue ich mich.

Fröhliche Weihnachten wünsche ich - und damit ihr nicht immer die gleichen sentimentalen Weihnachtsschinken hören müsst, gibts hier was gescheites auf die Ohren:


Montag, 20. Dezember 2010

Nicht so hastig

Die Eintracht besiegte also Dortmund mit 1:0, die Kommentare, Blogeinträge und Artikel sind verfasst, alles wichtige aber auch belanglose ist gesagt, gebloggt, weiter im Text. Immer weiter.

Doch ganz so schnell wollen wir aber nicht vorwärts stolpern - und dies liegt nicht nur am Tief Petra, dessen Schneeverwehungen eine Melange zwischen Chaos und Winterfreuden hinterlassen haben. Halten wir inne und sehen:

Bewegend der Nachruf von Horst Reber auf Hans Joachim Rauschenbach, der vorige Woche gestorben ist. Verarmt, alleine - doch nicht vergessen: Wolfgang Avenarius, Klaus Mank und Horst Reber hatten ihn noch wenige Wochen vor seinem Tod im Pflegeheim besucht. Freunde, habt Dank für Euren Besuch, aber mit mir geht es zu Ende. Ich will auch nicht mehr, mein Leben ist trostlos geworden. Man muss im Leben wissen, wann man verloren hat. Aber ich bin nicht böse, denn ich habe in meiner Karriere viel gewonnen, viel Glanz erlebt – und zuletzt auch manches verloren.

Nun ist es vorbei, das Leben eines Mannes von dem Kid einst schrieb, dass er ihm unvorbereitet eine informativere oder wenigstens unterhaltsamere Sportsendung zutraue als seinen Nachfolgern beim Hessischen Rundfunk.


Als Fan der Eintracht ist man ja so gut wie nie den Einlasskontrollen für Gästefans im heimischen Stadion unterworfen. Was die Dortmunder jedoch schildern, erinnert fatal an das Procedere in Leverkusen - mit dem Unterschied, dass es kaum jemanden juckt. Vereinzelt wurden männliche und weibliche Borussen nach Betreten des Stadions herausgepickt, in abgetrennte Räume geführt und vor die Wahl gestellt: Ausziehen oder nach Hause fahren, eindrucksvoll untermauert mit dem Verweis auf die Hausordnung. Die Intensität des Entkleidens reichte dabei vom Lüften der Jacke bis hin zum (annähernden) Ganzkörperstrip, inklusive ordentlichen Befummelns sämtlicher Geschlechtsteile - so schildern die Kollegen von Schwatzgelb die Situation vor Ort. Im Stadion hat es dennoch Bumm gemacht. Welch Illusion zu glauben, verschärfte Kontrollen würden irgend etwas verhindern. Und immer wieder nett zu sehen, wie zuvorkommend die Kundschaft gerade zur Weihnachtszeit behandelt wird.

Zu guter Letzt doch noch ein Blick aufs Sportliche. Da fallen mit Nikolov, Chris, Franz und Russ vier gesetzte Defensivspezialisten aus und mit Tzavellas geht zudem noch ein Akteur gehandicapt ins Spiel. Und was passiert? Zu Null Sieg gegen den 15 Spieltage ungeschlagenen souveränen Spitzenreiter. Dadurch steht die Eintracht auf Platz sieben mit 26 erreichten Punkten. Und somit wissen wir nun, gegen wen die Mannschaft fünfzig Punkte holen kann. Aber, um genau zu sein, wissen wir dies ja schon länger. Gegen die anderen nämlich.

Neben dem Sieg gegen den BVB gab es am Samstag noch einen weiteren Grund zum Feiern. Die Fan und Förderabteilung kurz Fufa besteht nun schon seit 10 Jahren. Gefeiert wurde im Tanzhaus West unter anderem mit den Straßenjungs und der Bembelbar bei flotter Musik. Herzlichen Glückwunsch auch von dieser Stelle.

Und jetzt: Auf nach Aachen.




Foto 1: Daniel Trares

Foto2 + 3: Beve

Dienstag, 14. Dezember 2010

Rainer Wendt über unschuldige Straftäter


Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft gab auf stadionwelt.de ein bemerkenswertes Interview zu den Themen Stadionverbot, Beteiligung der Vereine an Polizeieinsätzen und Kennzeichnungspflicht für Beamte. Dabei purzelte ein Weltbild ans Tageslicht, welches grob gerastert scheint. Kurz gesagt, Dinge, die ihm nicht passen sind das Werk linker Genossen, ansonsten ist die (Fußball)Welt eingeteilt in Straftäter und Polizisten. Indianer und Cowboy. Gut und Böse.

Bemerkenswert vor allem der Satz zum Thema Stadionverbot: Ich habe auch ganz selten Straftäter getroffen, die nicht „unschuldig“ waren.


Übersetzt heißt dies eigentlich: ich habe kaum Straftäter getroffen, die schuldig waren. Das klingt zunächst wirr. Nehmen wir wohlwollend einen Grammatikefehler an, so bliebe der Satz: Ich habe auch ganz selten Straftäter getroffen, die nicht schuldig waren. Damit dokumentiert Herr Wendt ein klares Feindbild, nämlich den Fußballfan an sich, der per sé als Straftäter gesehen wird. Ob schuldig oder unschuldig scheint nur eine Frage der Zeit. Dass jemand der unschuldig ist natürlich auch nicht als Straftäter zu bezeichenen ist, spielt dabei für Herrn Wendt keine Rolle.

Weshalb auch? So verwechselt der Herr Wendt auch gerne mal die Privatsphäre mit der Öffentlichen: Wenn Sie jemanden nicht in ihre Wohnung einladen oder hereinlassen wollen, müssen Sie das auch nicht begründen. Das ist natürlich richtig. Ein Fußballstadion ist aber keine Wohnung und wir leben hier in einem Rechtsstaat. Weshalb also sollte ein Fußballverein ohne Grund zahlende Kunden ausschließen, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen? Die Antwort liegt auf der Hand: Weil es der Herr Wendt gerne so hätte.

Und wenn der gute Mann schon der Ansicht ist, dass das Stadionverbot ... mit Strafverfolgung nichts zu tun (hat). Es ... im Prinzip nichts anderes als die Ausübung des Hausrechts durch die Vereine (ist) und ... von keinem Gericht durch Strafspruch bestätigt werden (muss) dann muss er sich die Frage stellen, welche Rolle denn die Polizei darin spielt. Diese wiederum empfiehlt ganz gerne mal den Vereinen, Stadionverbote auszusprechen. Mit welcher Begründung? Begründung? Das braucht doch der Herr Wendt genau so wenig wie ein Urteil - denn die Betreffenden sind ja in seinen Augen sowieso alles Straftäter.

Und mit Straftätern ist ein rüder Umgang erlaubt. Deshalb möchte der Herr Wendt auch keine Kennzeichnungspflicht für Polizisten im Dienst. Unsere Einsatzkräfte sind willkürlichen Anschuldigungen hilflos ausgeliefert, müssen erhebliche berufliche und persönliche Nachteile hinnehmen, wenn es nur der Nennung einer Nummer bedarf, um entsprechende strafrechtliche Ermittlungen gegen sie einzuleiten. Jahrelanges Beförderungsverbot, Umsetzungen und Ansehensschädigung, bis hin zu erheblichen psychischen Belastungen durch jahrelange Ermittlungen - und das alles nur, damit linke Gruppen als Wählerklientel bedient werden.

Prinzipiell sind für Herrn Wendt Beschwerden über Polizisten, die über die Stränge schlagen also willkürlich. Nicht nur, dass dabei eine ganze Reihe dokumentierter Verstöße ignoriert werden, (einige davon werden hier gelistet) so erstaunt es doch immer wieder, dass die beliebte: Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten-Argumentation stets für andere gilt, doch niemals für die eigenen Reihen. Wenn also demokratisch gewählte Parteien Entscheidungen treffen, die dem Herrn Wendt nicht passen, dann werden linke Wählerklientel bedient. Interessantes Demokratieverständis eines Gewerkschaftlers.

Konsequent auch die Forderung nach Abschaffung der Stehplätze, geäußert nach den Unruhen im Berliner Olympia-Stadion im März diesen Jahres, als Fans aufs Spielfeld gelaufen sind. Dass es in Berlin allerdings keine Stehplätze gibt, die Aktion also notwendigerweise von Sitzplätzen ausging, spielt für Herrn Wendt keine Rolle. Weshalb auch, gegen Straftäter ist jedes Mittel recht - auch wenn es noch so unsinnig ist und die Straftäter unschuldig - also gar keine sind.

Morgen erscheint der zweite Teil des Interviews. Dann geht es um Pyrotechnik, Stadtverbote und das Verhältnis Ultras/Polizei. Ich bin gespannt.

Depperte Stadionnamen


Waldstadion. Riederwald-Arena. Sportplatz an der Hauptstraße.

Es könnte so einfach sein. Ist es aber nicht. Heerscharen von flotten Werbeschaffenden, geprägt durch business-sprech und dem Gefühl, auf dem Puls der Zeit zu surfen, ersinnen Worte, um uns Produkte näher zu bringen, die wir meist nicht brauchen. Manchmal soll uns sogar durch den Kauf eines Etwases ein Gefühl vermittelt werden. Und manchmal werden wir dort abgeholt, wo wir stehen. Freunde, last mich einfach dort, wo ich bin.

Eine Plage des modernen Fußballs sind die Umbenennungen der Stadien. Die AOL-Arena legte vor - und ist heute schon lange Geschichte, obgleich traditionsbewusste Hamburger schon verlauten ließen, dass für sie das Stadion immer AOL-Arena heißen wird - egal was passiert. Nun, sollte zufällig eine WM vorbei spaziert kommen, dann heißen auch die Stadien kurzzeitig mal anders. In Frankfurt hatten wir ja die FIFA WM-Arena. Die hiesige Bank korrespondierte nicht wirklich mit den Partnern der FIFA - und es geht ja nicht an, dass während einer WM der Name einer Bank medial genannt wird, die nicht dafür bezahlt hat - so etwas will bedacht sein, darum kümmern sich Menschen, die mit solchen Gedanken ein Leben finanzieren können. Erzähl das mal den Kindern in Biafra.

Auch während der Frauen WM wird die Frankfurter Arena einen neuen Namen tragen - und wie mir eine freundliche Dame soeben beim DFB mitteilte, wird dies dann die Bezeichnung Fifa-Frauen-WM-Stadion-Frankfurt sein. Bedauerlich, dass die Turnhalle auf Schalke kein Spielort sein wird - vielleicht hätte der Vorschlag des ehemaligen Bundespräsidenten Rau doch noch Einzug in die reale Sporthistorie gefunden: Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion.

Dem ist aber nicht so und deshalb werfen wir nun einen Blick auf die lebendige Gegenwart: Hier kommen sie nun, die Top drei der depperten Stadionnamen.

Den dritten Platz teilt sich die Event Location easyCredit Stadion zu Nürnberg mit der Trolli Arena nebenan in Fürth. Die Wahl braucht eigentlich keine Begründung, traurig nur dass das Playmobil-Stadion den Weg alles Irdischen gegangen ist. Das hätte ich meinem Neffen glatt zu Weihnachten gekauft. In Rot-Schwarz-Weiß natürlich.

SportsDirect.com @ St. James' Park Stadium. Das ist nicht meine neue mail-Adresse, sondern der Name des Stadions von Newcastle - bis er ausgesprochen ist, ist das Spiel vorbei. Dass ein Stadion einen solchen Namen tragen kann, scheint nahezu unglaublich. Irgendeiner hätte doch sagen müssen: Freunde, das geht doch nicht, das könnt ihr nicht machen. Hat aber scheinbar niemand. Und deshalb gibts hier Silber.

Und was kommt jetzt? werdet ihr euch fragen - alberner gehts doch nicht. Dachte ich auch - wurde aber eines Besseren belehrt.

Werfen wir dazu einen Blick nach Österreich, genauer gesagt nach Ried. Dort geht man nicht nur in Sachen Fußballerbekleidung geschmacksichere Wege, sondern auch in der Stadionbenennung. Wintermeister ist er geworden, der SV Ried, mit unserem Stefan Lexa - und dieser Wintermeister trägt seine Heimspiele allen Ernstes in der Keine Sorgen Arena aus. Ehrlich. Hier gibts das ganze in 3d. Sensationell. Und damit Sieger im Andermacher-Wettbewerb Depperte Stadionnamen.

Das Ende der Welt ist also nahe. Vor allem, weil es bei Tchibo mittlerweile Tassen und Shirts mit dem Logo der Ramones zu kaufen gibt. Hey ho lets go - shopping. Punk goes Tchibo - die Ramones werden verramscht - und die Jungs können sich nicht mehr wehren. Aber das ist ein anderes Thema. Oder?

Montag, 13. Dezember 2010

Heimspiel in Köln


Catch a falling star an'
put it in your pocket
never let it fade away

Grau, schwarz, weiß drückt die Welt und die Spritpreise liegen jenseits der Schmerzgrenze. Die Scheibenwischer schleifen über die Windschutzscheibe des silbernen Golfs, Regentropfen vermengen sich mit dem Spritzwasser vorbeirauschender Fahrzeuge und die Felder zur Seite der Autobahn dümpeln lieblos vor sich hin. Vergangen die Schneepracht der letzten Tage - es geht auf Weihnachten zu - und dies heißt in unserer Gegend seit ewiger Zeit: Schmuddelwetter.

Pia und ich sitzen warm eingepackt im treuen Golf und rollen über die Miquelallee und die A66 auf die A3. Aus den Lautsprechern begleiten uns Against me!, Good Charlotte, oder aber Gary Holton mit einer Coverversion des Perry Como Klassikers Catch a falling star. Holton war in jüngeren Jahren Sänger der Heavy Metal Kids, die mich ob eines Auftrittes bei Thomas Gottschalk und Anthony bei Szene 77 schwer begeisterten. Sowas kennt ihr jungen Hüpfer ja gar nicht mehr - die Zeiten als Gottschalk noch cool war und ne Menge Musik ins Fernsehen brachte, die für Jugendliche gemacht wurde. She's no Angel hieß der Song der Heavy Metal Kids, Glampunk als dieser Begriff noch nicht erfunden war, Gary mit zerissener Hose und breitem Cockneyakzent. Ein paar Jahre später lag er unter der Erde; Alkohol und Morphium waren letztlich doch zuviel für ihn.

Hessen, Rheinland Pfalz, Nordrhein-Westfalen. Auf einem Parkplatz hielten wir kurz an - und halfen einem anderen Autofahrer, dessen Scheibenwischer festzuschrauben; manchmal ist es ganz praktisch, etwas Werkzeug durch die Gegend zu kutschieren. Alsbald verließen wir den Highway, um auf der Landstraße zu tanken - und vielleicht ein paar Meter am Rhein entlang zu gondeln, wir lagen gut in der Zeit. Über Königswinter tuckerten wir Richtung Bonn, der Sprit jedoch wurde nicht günstiger - dafür aber die Fahrtstrecke verworrener. In Bonn mangelte es zunächst an Verkehrsschilder - und da wir stets oldschool ohne Navi unterwegs sind, drehten wir ein paar Ehrenrunden, bis wir wieder auf der richtigen Spur waren.

Nach ein paar Kilometern landeten wir in Köln, überquerten die Severinsbrücke und rollten am Chlodwigplatz, den Bap einst besungen hatten, vorbei Richtung Stadtwald. Dort parkten wir brav in der Friedrich-Schmidt-Straße im Kölner Stadtteil Lindenthal und marschierten durch den Nieselregen in Richtung Stadion. Wir spazierten an einer historischen Straße entlang, schließlich wurde hier Arbeitgeberpräsident Schleyer 1977 von der Roten Armee Fraktion entführt. Ob dies die Bewohner der schicken Häuser am Parkrand wissen? Auch die Eintrachtler, die im schicken Bus saßen dürften davon nichts wissen und ehrlich gesagt war mir dies bis dato ebenso fremd.

Bald befanden wir uns in der Einflugschneise Richtung Fußball, immer mehr Fußballfans, vorwiegend Kölner (Dat is mir ejal), fanden sich ein und alsbald erkannten wir das Rhein Energie Stadion, ehemals Müngersdorfer Stadion - wie es von der Zeltinger Band einst besungen wurde. Der Gästebereich befindet sich in der Nordkurve, vereinzelt beäugten uns ein paar Polizisten - es war noch recht früh und von daher wenig Betrieb. Thor und Thorsten kamen uns entgegen, wir gönnten uns noch eine Currywurst und entschieden uns, ob des Regens früher als sonst in den Block zu gehen. Davor trafen wir auf Ben, der später noch einiges an Arbeit zu tun bekommen sollte; der Einlass aber ging flott. Interessant, dass die Kontrolle teils von Sprengstoffhunden vorgenommen wurde - und ich versichere euch, wenn mir ein Hund am Bein rumschnuppert, dann explodier ich.

Pia und ich erklommen die Stufen und stellten uns unter den Oberrang, geschützt vor versehtlichen Bierduschen der über uns Sitzenden. Witzig ist jedesmal in Köln der Blick auf den geklebten Fensterputzer an der Südkurve; ein Bild davon habe ich ja schon beim letzten Bericht beim 0:0 dort veröffentlicht. Hier könnt ihr euch es nochmal anschauen.

Ein Blick auf die sich warm laufende Eintracht zeigte, dass neben Gekas sowohl Amanatidis und Altintop auflaufen würden - zumindest die Aufstellung des letztgenannten ließ mich die Stirn runzeln. Während die Kölner ihr Team mit einer kleinen Luftballonchoreo unterstützten, wurde bei uns anlässlich des 15. Geburtstages der Binding Szene eine Blockfahne hochgezogen. Auf dem Rasen hampelten ein paar Cheerleader herum, später nudelten die unvermeidlichen Höhner das Vereinslied herunter und zudem gab Tom Gerhardt noch ein Interview via Anzeigetafel. Das Stadion war nicht ganz ausverkauft und eine ankommende SMS klärte uns auf, dass das Spiel mit einiger Verzögerung angepfiffen wurde. Später erfuhren wir, dass die Sonderzügler vom Bahnhof über die Autobahn kutschiert wurden und somit recht knapp am Stadion ankamen. Da zu wenig Eingänge offen waren, zog sich das Procedere wohl in die Länge - immer schön, wenn man als Kunde zuvorkommend behandelt wird.

Kurz nach halb vier gings also los. Bei der Eintracht stand Fährmann für den verletzten Nikolov im Tor und sollte im Verlauf des Spiels seine Sache recht ordentlich machen. Die Eintracht hatte Köln in der ersten Hälfte ziemlich im Sack, wobei die Kölner durchaus zu brauchbaren Chancen kamen, kurz hintereinander schimpfte Podolski zwei Mal ob der Tatsache, dass ein Mitspieler eigensinnig agierte und nicht zu ihm abgespielt hatte. Der eigentliche Aufreger hatte aber mit dem unmittelbaren Spielgeschehen nichts zu tun. Plötzlich wanderten nämlich jede Menge Ordner in den Block und versuchten, die auf dem Zaun sitzenden Fans nach unten zu beordern. Das gab natürlich Palaver und nur wenig später rannte ein Eintrachtler flüchtend davon, wurde von Ordnern eingeholt, zu Boden gezerrt. Was ich dann sah, konnte ich kaum glauben; mindestens ein Ordner drosch mehrfach auf den am Boden liegenden Mann ein, ein anderer Ordner trat zu.

Großartig, die Mitarbeiter der Firma Knoblich.

Die Auswechslung Podolskis ging dabei ein wenig unter - ähnlich wie die Eintracht in Halbzeit zwei. Der FC traf nach einer knappen Stunde durch Clemens zur Führung, die Eintracht wehrte sich nicht wirklich und ließ sich mehr oder weniger willenlos versenken. Als mit Amanatidis (der kurz zuvor die beste Chance zum Ausgleich vergeben hatte) und Ochs auch noch die letzten potentiellen Ärmelaufkrempeler den Platz verließen, da war die Messe gelesen. Jung, Schwegler, sie gingen genau so unter, wie Meier oder Caio, die ins Spiel gekommen waren und keinerlei Akzente setzen konnten. Altintop war zum wiederholten Male ein Totalausfall und Marco Russ holte sich seine fünfte Gelbe. Nach der letzten Ecke, als Fährmann nach vorne stürmte und Caio meterweit über das Tor köpfte war die letzte Hoffnung gestorben und ein Spiel verloren, dass man man nie und nimmer hätte verlieren dürfen. Aus der Eintrachtkurve dampfte es noch ein bisschen, die Kölner Fans waren nach dem Schlusspfiff lauter als während des Spiels und wir warteten noch ein Weilchen, bis sich der Block leerte. Zurück gings durch lauter Kölner, die sich natürlich freuten und ein langgezogenes FC Köööln aus dem Auto plärrten, was wir grinsend und zugegebenermaßen leise beantworteten. Dies änderte aber nichts am Ärger über die unnötige Niederlage gegen schwache Kölner.

Im Auto gab es zunächst einen Schluck Tee zu dem Plätzchen gereicht wurden, dann tuckerten wir durch Lindenthal, bis wir an einer belebten Straße einen Parkplatz und nach wenigen Metern auch eine freundliche Kneipe fanden. Das Velvet lockte mit gemütlichem Enterieur und günstigem Essen - zudem kickte gerade Dortmund gegen Bremen. So fand ein bescheidener Tag in Köln doch noch einen halbwegs versöhnlichen Abschluss - wenn man kurzzeitig nicht an Fußball denkt. Als wir zum Auto marschierten entdeckten wir auf einem Sims eines Nachkriegsbaus einen sitzenden Teufel. Tatsächlich.

Zurück gings über die Aachener Straße Richtung Autobahn, dort verpassten wir die Abfahrt auf die A4, fuhren über Bonn (Bonn bei Nacht, Bonn bei Nacht, wer hat sich diese Stadt bloß ausgedacht sangen Schröders Roadshow vor 25 Jahren völlig zu Recht) und Koblenz nach Frankfurt und hörten dabei The National oder Chuck Ragan, später Radio - HR1 Lounge. Fragt sich, was der Hessische Rundfunk unter Lounge versteht, abgehalfterte Liedchen von Cher? Es gibt täglich Millionen neuer Songs jeglicher Couleur auf diesem Planeten - weshalb muss man dann permanent irgendwelche millionenfach gehörte Liedchen runternudeln, die niemand mehr wirklich hören will - und das ganze auch noch Lounge nennen? Ich begreife es nicht - aber ich begreife so vieles nicht - und manchmal hilft es, in seltsamen Momenten einfach ein Lied zu hören. Vielleicht dieses Lied:




Wer das Spiel im Einzelnen nachbetrachten möchte, der kann dies drüben in der Klappergass fast wie früher machen. Die Fotos hier sind von mir und Pia Geiger, die grandiosen Cheerleader aber hat Stefan abgelichtet. Danke dafür.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Motörhead vs Tokio Hotel 2:1


Mein Beitrag Arschgeigen wurde von der Spox-Blogschau aufgegriffen und mit einem Kommentar versehen, den ich euch nicht vorenthalten will - ich finde ihn klasse.

Danke!

Dienstag, 7. Dezember 2010

Willkommen in der Heimat ...


... mit diesen Worten eröffnete der ewige Versammlungsleiter Helmut Weintraut die Mitgliederversammlung der Frankfurter Eintracht am 6.12.2010. Es ist nahezu ein historisches Datum, öffnete doch das neue Leistungszentrum, der neue Riederwald, seine Tore für die Öffentlichkeit - etwas mehr als zwei Jahre nach dem Abriss des alten Riederwaldes.

Security weist den Weg zum Parkplatz in Richtung Pestalozzischule. Ich stelle den Golf zu den ehemaligen Containerbüros und erklimme die Stufen der alten Gegengerade - oben angekommen erspähe ich den Neubau, angestrahlt von weißen und roten Leuchten glänzt er stolz in die Riederwälder Nacht. Vereist der Sportplatz davor. Wolfgang Steubing Halle steht in schwarzen Lettern an der Halle, daneben leuchtet der Adler. Jede Menge Autos des Hessischen Rundfunks parken auf der Rückseite des über 14 Millionen Euro teuren Gebäudes, immerhin soll heute die Sendung "Heimspiel" in der neuen Gaststätte "Diva" aufgezeichnet werden, während zeitgleich in der Dreifelderhalle die Mitgliederversammlung über die Bühne gehen wird.

Ich marschiere um den Sportplatz herum, denke zurück an die Zeit, als ich mit Billig CD-Player und einem uralt Mikro mit meterlangem Kabel jahrelang die Ansagen bei Spielen der U23 und der U19 gemacht hatte - um mich herum saßen die Zuschauer auf den alten Bänken und aus dem Durchgang kommend waren die Spieler froh, dem moderndem Bau entkommen zu sein. Zwischen modern und modern ist's nur eine Frage der Betonung - heute verspricht das neue Gebäude stolz und prächtig eine neue Ära.

Vor dem Eingang treffe ich RedZone und wir machen einen Rundgang durch den neuen Riederwald. Im Erdgeschoss befindet sich nicht nur der Fanshop, sondern auch die Funktionsräume für die Fußballer: Umkleide, Sauna, Dusche - alles neu, geschmackvoll aber nicht zu pompös. Alex Schur steht als Trainer der U17 im Gang und berichtet über die Verwandlung, er kannte den Riederwald ja auch noch anders.
Vor allem die Sauna steht sinnbildlich für die Wandlung der letzten beiden Jahre; auch am alten Riederwald gab es eine Sauna - doch diese schien in den Siebzigern zuletzt genutzt, man tat gut daran, nichts anzufassen. Auf der gegenüberliegenden Seite hat die neue Gaststätte namens Diva ihre Heimat gefunden - Mitarbeiter des HR legen noch die letzten Kabel für die bevorstehende Sendung, der Zutritt ist heute nicht gestattet.

Die Treppen führen uns nach oben. Während auf der einen Seite die Büros und die Wohnungen liegen, entdecken wir den neuen Kraftraum. Mit Blick auf den Sportplatz können hier die Sportler ihre Muskeln stählen. Slaven Skeledzic; Trainer der U19 erklärt, dass seine Mannschaft die Räume schon einige Wochen nutzt - während die einen in der Halle kicken, können andere zeitgleich im Kraftraum trainieren - was für ein Unterschied zum alten Gebäude, in dem Verwesung in allen Ecken hauste.

In der Halle wurde über Nacht ganze Arbeit geleistet, der Boden wurde mit Teppichplatten abgedeckt, ein Gerüst für die Beleuchtung installiert, eine Bühne samt Rednerpult und Leinwand aufgebaut und die Halle komplett bestuhlt. Der Eintrachtadler leuchtet auf uns herab - wie man sagen muss, dass das ganze Gelände deutlich zeigt, wo man ist: bei der Frankfurter Eintracht. Man kann erahnen, was es bedeuten würde, wäre das Waldstadion in Besitz der Eintracht - dort muss man den Adler, die Eintrachtfarben, überhaupt das gesamte Corporate Design mit der Lupe suchen, die blauen Sitzschalen, die gelbe Dachreklame lassen den Eintrachtfan spüren: Hier bist du Gast, hier bist du fremd. Einzig Museum, Fanshop, der (auswechselbare) Plexi-Adler im Tresen des Business-Bereichs oder der rote Kunstrasen im Spielertunnel weisen dort den richtigen Weg, kleine Kleckse des Heimatgefühls. Am Riederwald jedoch verweist alles auf das, was die Frankfurter im Herzen suchen; auf Heimat.

Willkommen in der Heimat; es ist kein Zufall, dass die Versammlung mit diesen Worten eröffnet wird - und es sind viele gekommen; nicht nur die Lizenzspieler Amanatidis, Ochs, Jung sind anwesend, auch der Profinachwuchs Marcos Alvarez, Sonny Kittel, Marcel Titsch-Rivero und Cenk Tosun, die wie Jung und Ochs den alten Riederwald nur zu genau kennen sind heute dabei. Natürlich dürfen die Meisterspieler nicht fehlen, ich entdecke Friedel Lutz, Dieter Lindner und Dieter Stinka - diese konnten ja noch den alten Riederwald in seiner Blüte erleben - ja sie haben ihn durch ihren Fußball erblühen lassen. Natürlich ist der Vorstand der Fußball AG anwesend, die Herren Bruchhagen und Pröckl und auch das Aushängeschild der Leichtathletik, Ariane Friedrich ist angekündigt, noch steckt sie im Stau - aber sie wird eintreffen.

Über 500 Eintrachtler sind gekommen, knapp 100 Gäste dazu - die Halle ist voll. An einem Tisch sitzen die Journalisten der Tageszeitungen, an einem anderem die U23, die Fußball AG usw. Und die Journalisten von der Rundschau hatte ganz genau hingeschaut:

Ehrengast und Laudator ist der Generalsekretär des DFB, Wolfgang Niersbach, er spricht lange und verweist darauf, dass Sebastian Jung mittlerweile im Notizbuch des Bundestrainers stehen würde. Anschließend erklimmt Präsident Peter Fischer das Rednerpult und spricht in der ihm eigenen Art von Visionen und tollen Wochenenden, sein ganz besonderer Dank gilt Wolfgang Steubing, welcher dem Verein finanziell unter die Arme gegriffen hatte - und als nächster Redner anmerkt, dass die Situation, nach Niersbach und Fischer zu reden vergleichbar sei, wie nach dem Papst zu predigen - eine undankbare Aufgabe also. Nach ihm ergreift Heribert Bruchhagen das Wort; er verweist darauf, dass die Flut alle Boote hebt - und erinnert an die Ebbe. Recht hat er; die Profis Jung, Ochs, Nikolov und Russ haben es auch ohne chices Ambiente geschafft, sich in der Bundesliga zu etablieren - jenes Ambiente sei zwar notwendig - garantiert aber per se noch nichts. Ein Wille gepaart mit dem Ehrgeiz, es in die Bundesliga zu schaffen, sei zwingende Voraussetzung - dann kann das Ambiente gute Dienste leisten. Immerhin wenden sich Eltern nun nicht mehr mit Grausen ab, wenn sie den neuen Riederwald betreten - ins neue Ambiente schickt man seinen Nachwuchs gerne - ein Quantensprung für die Eintracht würde der Leiter des Nachwuchszentrums Armin Kraaz sagen. Eine Schwenkkamera im Raum gleitet auf und ab und zeichnet alles auf.

Im Anschluss an die Reden wurden die Berichte zügig abgefrühstückt - und die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge bei nur wenigen Gegenstimmen durchgewunken. Klar, wer will an einem so feierlichem Tag schon als Querulant dastehen. Immerhin, bei der Aussprache erhielt ein Mitglied rauschenden Beifall als er anmahnte, dass die U23 in absehbarer Zeit wieder am Riederwald spielen solle - und nicht am Bornheimer Hang. Doch dazu muss der neue Riederwald regionalligatauglich gemacht werden - das ist vielleicht das einzige Manko: Herrenfußball oberhalb der Oberliga ist bei Eintracht Frankfurt im eigenen Stadion bis auf Weiteres nicht möglich. Ansonsten ist der neue Riederwald ein Schatzkästlein, das unterhalten - und mit Leben gefüllt werden will. Ein Anfang wurde gemacht, als ein Mitglied zur Überraschung aller zum Rednerpultschritt, etwas unbeholfen von einem schönem Tag sprach - und dann mit schöner Stimme klar und deutlich Ein schöner Tag nach der Melodie von Amacing grace sang. Und somit ist der neue Riederwald nun auch mit Lena Valaitis verbunden, wer hätte das gedacht.


Sonntag, 5. Dezember 2010

Arschgeigen


Die Frage, ob das Spiel gegen Mainz ein Derby ist oder nicht wird wohl ewig ungeklärt bleiben - schließlich gibt es keine höchstwissenschaftliche Definition dessen, was ein Derby ist. Letzlich ist das einzig wahre Derby bei der Eintracht das Spiel gegen den FSV Frankfurt - letztmals auf Pflichtebene 1962 ausgetragen, es war das Jahr als die Blau-Schwarzen letztmals in der höchsten deutschen Spielklasse spielten. Seither kam es auch nicht zu einem Pokaltreffen - heutzutage drücken viele Eintrachtler dem FSV die Daumen und freuen sich über den aktuellen Lauf des Bornheimer Stadtteilvereins. Ein undenkbares Szenario bspw zwischen dem HSV und St. Pauli.

Das andere Derby, welches diesen Begriff verdient, ist natürlich die sportliche Auseinandersetzung mit den Offenbacher Kickers , die 1984 final aus der Bundesliga abgestiegen sind. Immerhin gab es in den letzten Jahren noch ein paar Pokalspiele, welche die Eintracht allesamt gewinnen konnte. An solchen Spielen ist der Bedarf allerdings fürs Erste gedeckt, solange die Kickers klassentiefer kicken: die Eintracht muss gewinnen - und kann dabei nur verlieren.

Nun also wird vor allem medial das Spiel gegen Mainz zum Derby hochgejazzt - ein Spiel, welches auf Pflichtspielebene erstmals 1986 ausgetragen wurde. Natürlich war es ein Pokalspiel, das die Eintracht in Mainz mühsam mit 1:0 gewann. Bis 1963 konnten beide Teams in der Liga nicht aufeinander treffen, Mainz kickte im Südwesten, die Eintracht in der Oberliga Süd. Erstmals spielten beide Teams in der Saison 1996/97 gegen einander - bis heute gab es 16 Pflichtspiele gegeneinander. 5 Siege der Eintracht stehen 10 Unentschieden und ein einziger Mainzer Erfolg gegenüber.

Irre Tradition.

Natürlich verwenden vorwiegend die Medien den Begriff Derby inflationär, klar: reisserische Begrifflichkeiten bringen Quote, mir ist's egal. Mainz also.

Nachdem im Laufe der Woche die Fifa eine WM nach Katar vergeben hat, eine Entscheidung, die mit Bestechlichkeit und Einzelinteressen oder gar Geld nichts zu tun hat, schließlich ist Katar ein Land mit fußballhistorischer Tradition - genau wie Gelsenkirchen schon seit Jahrhunderten eine Biathlonhochburg ist - stand nun die Partie gegen Mainz auf dem Spielplan, der keineswegs zu verwechseln ist mit dem Matchplan.

Ich nehms vorweg: Mit 2:1 gewinnt die Eintracht gegen Mainz 05 - fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem 2:0 der letzten Saison, als abends im Sportstudio der damalige noch-nicht-Weltmeister Sebastian Vettel dem Mainzer Trainer Thomas Tuchel ein Präsent überreicht hatte, was dieser gar nicht lustig fand. Heute steht dieser Becher im Eintracht Museum - was ich wiederum sehr lustig finde.

Tuchel also. Das ist der Trainer, der unter der Woche von sage und schreibe sechs! Rundschau-Journalisten interviewt wurde. Und natürlich hat keiner den Google-Test gemacht. Gebt ein: Skibbe jammert. Schlappe 6.970 Einträge werden angezeigt. Und nun geben wir einmal Tuchel jammert ein. Aha: 26.000 Einträge, knapp das vierfache - und wenn wir dabei noch berücksichtigen, wie lange Skibbe im Geschäft ist und wie lange Tuchel - dann wissen wir Bescheid.

Wenn die Mainzer gewinnen, dann ist dies Konzept, Fußball mit Matchplan ergo Gottes Wille, umgesetzt durch dessen verlängerten Arm, Trainer Tuchel und die Boygroup. Wenn die Mainzer verlieren, dann liegt dies: Am Schiedsrichter. Und zwar immer. Weil sie selbst ja so lieb sind. Und zwar immer!

Arschgeigen sind sie. Oder habt ihr den Trainer Tuchel wild gestikulierend bei der vierten Schiedsrichterin gesehen, als der Mainzer Spieler Zabavnik Gekas den Ellenbogen ins Gesicht schlug? Oder als jener Zabavnik (der eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz stehen durfte) wenig später Schwegler rüde umgesenzt hatte? Hat Tuchel sich da zu Gunsten der Gerechtigkeit beschwert, dass ein ja bereits (nur!) verwarnter Spieler nach solch einer Attacke unmöglich hätte weiter auf dem Platz sein können. Hat er sich beschwert, dass die Eintracht zwingend mindest eine Stunde in Überzahl hätte agieren müssen? Natürlich nicht.

Als Schürrle nach dem von Altintop höchstdämlich verursachten Elfmeter zur Eintrachtkurve flitzte, um zu jubeln, hat sich da Trainer Tuchel echauffiert ob der provokanten Unsportlichkeit? Die Tritte gegen Eintrachtler, die keine gelben Karten nach sich zogen - hörten wir Klagen?

Nein, natürlich nicht. Hörten wir nach dem Sieg anerkennende Worte für den Sieger, die Eintracht, die fast während des gesamten Spieles die bessere Mannschaft war und letztlich zwar knapp aber völlig verdient gewonnen hatte? Nein; wir hörten seitens des Mainzer Übungsleiters nur unlustiges Gegreine und ewig wiederkehrende Klagen sowie Schiedsrichterattacken wegen eines Elfmeters, der vielleicht strittig, aber keinesfalls völlig daneben war. Kirchhoff nimmt den Ball mit der Schulter nahe des Oberarms mit - es war sicher kein glasklarer Elfmeter - aber eine drastische Fehlentscheidung war es auch nicht.

Man kann sich mal beklagen, man kann schimpfen und man kann sich ungerecht behandelt fühlen. Was die Sache aber im Falle Mainz so geschmäcklerisch macht, ist der Zusammenhang mit dem selbst gewählten Image, dem sympathischen Underdog, der so humorvoll ist. Und wie so häufig verschleiert das Image das reale Gegenteil - Selbstgerecht, arrogant, humorlos - so sind sie die Mainzer im Ernstfall, dazu passt der Karneval, der auf Befehl lustig ist - industriell produzierter Frohsinn. Dazu passt der provokante Jubel vor der Gästekurve - um später die vermeintliche Aggressivität des Gegners zu beklagen. Tatsächlich kam nach dem Spiel beim Abgang vor der Haupttribüne eine Mainzer Stimme aus dem Nichts, die ungefragt sprach: Der Elfmeter war gar keiner, haben sie im Fernsehen gesagt. Ich drehte mich um: Na hoffentlich. Das wäre ja noch geiler, durch einen miesen geschenkten Elfer die Jammerlappen versenkt. Die Stimme glotzte doof. Warum seid ihr Frankfurt immer so aggressiv? meinte sie. Weil ihr doof seid und wenn Schürrle noch einmal vor der falschen Kurve jubelt, muss er aufpassen, dass er sich keine fängt. Und da ließ der Mainzer ganz schnell die Maske des guten Menschen fallen: Das hat er doch genau richtig gemacht.

Und das ist genau der Punkt, weshalb mir das Mainzer Pack dermaßen auf die Eier geht. Wenn's nichts kostet, den Gandhi raushängen lassen, sobald es aber Ernst wird, ist Schluss mit Großmut und Matchplan. Dann sind sie miese kleine Verlierer, die den Schuldigen stets außerhalb ihrer selbst ausmachen, keine guten Worte für den Sieger parat haben; was nicht in den Kram passt, dezent unter den Tisch fallen lassen und zudem schön nachtreten.

Und so bin ich doch recht dankbar, dass die Eintracht auch dieses Spiel wieder gewonnen hat. Dass Benny Köhler ein Riesenspiel gemacht, Russ ein dolles Tor erzielt und Gekas beim Elfer die Nerven behalten hat. Mehr zum Fußball gibt's traditionell beim Kid.

Nachtrag: Und eben zeigen die Bilder im TV noch, dass man in der ersten Hälfte nach Handspiel von Zabavnik durchaus auch einen Handelfmeter für die Eintracht hätte pfeifen können. Mainz 05 - ein rotes Tuchel.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Gut und schlecht


Die Welt ist gut: Heute ging der Advendskalender zu Gunsten des Museums an den Start, das erste Türchen wurde geöffnet - und ihr könnt dolle Sachen ersteigern; es beginnt mit einem gigantischem Stoffattila und einem seltenen Trikot. Hier entlang meine Lieben.

Die Welt ist schlecht. Nicht nur, dass sich unsere Nummer vier, Maik Franz, verletzt hat und bis zum Ende der Hinrunde ausfällt, nein die Zeitung mit den vier Buchstaben hat ihn sogar an den Bornheimer Hang abgeschoben:

Blogger, zieht euch warm an - Zum JMStV


Heute mal kein Fußball, sondern ein Beitrag zum demnächst novellierten Jugendmedienschutzstaatsvertrag (JMStV), der massive Auswirkungen auf im Internet publizierte Inhalte haben wird. Heise-online schreibt dazu: Die Novellierung des Jugendmediendienstestaatsvertrags (JMStV) sieht vor, dass ab 2011 jeder Anbieter seine Webseiten auf jugendgefährdende Inhalte hin überprüfen, klassifizieren und Maßnahmen zum Schutz der Jugend vor diesen Inhalten treffen muss.

Das heißt im Klartext, dass jeder Blogger seine Beiträge entweder Altersbeschränkungen unterwerfen muss, wie wir sie vom Kino her kennen - oder aber den Inhalt nur zu bestimmten Zeiten zugänglich machen darf. Die Problematik liegt auf der Hand: Wer weiß schon, rechtlich abgesichert, welche Beiträge welchen Altersbeschränkungen unterliegen? Falsche Einschätzungen sind vorprogrammiert. Alternativ könnte man das Blog generell ab 18 freigeben - dies würde aber bedeuten, dass über entsprechende Filter dieses Blog bspw. für Schüler nicht mehr zu finden ist. Dieses Problem haben natürlich vorwiegend Blogs, die sich an jugendliche Zielgruppen richten - und nun vor dem Problem stehen, dass eventuelle falsch deklarierte Inhalte von den üblichen verdächtigen Anwälten abgemahnt werden können. Die ersten Blogs berichten schon von ihrer Schließung.

Die Situation ist unsicher - ich möchte Beves Welt natürlich für alle freigeben. Was heißt dies aber dann, wenn ich z.B. das Video der UF zum Lautern Spiel hier poste? Ein findiger Anwalt könnte mich abmahnen - und in den finanziellen Ruin treiben. Interessant ist die Haltung der Grünen, die Heise wie folgt zitiert: Per Twitter hatten die Grünen aus NRW gestern vermeldet: "Wir sind weiterhin gegen den #JMStV, die Fraktion hat sich aufgrund parlamentarischer Zwänge anders entschlossen.

Nähere Informationen findet ihr hier und auch hier.

Meine Damen und Herren, so geht das nicht.