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Freitag, 14. Mai 2010

Eintracht in aller Welt



England/USA: Concord

Latein: Concordia

Frankreich: Concorde

Spanien: Armonía

Italien: Armonia

Vietnam: Dong Tam

China: 一致

Russland: взаимопонимание


Fortsetzung folgt ...

... hier:

User Bigbamboo gab zu Protokoll (ohne Gewähr aber mit Dank :-):

Indonesisch: Kerkunan


Es folgt:

Tschechisch: Svornost

Griechisch: Ὁμόνοια

Polnisch: Zgoda (mit Dank an rbk)

Türkisch: Uyum oder Ahenk


Gerne werden andere Sprachen übernommen.

Donnerstag, 17. September 2009

Träume in Schwarz und Weiß - eine erste Filmkritik

.

Schon am Dienstag hatte der Film Premiere für Sponsoren und verdiente Eintrachtler; am Mittwoch gab es dann die Premiere für's Volk im ehemaligen Volksbildungsheim und jetzigen Metropolis. Unter den Augen von Alexander Schur und einigen Hundert Eintrachtlern eröffneten Präsident Peter Fischer und FuFA-Abteilungsleiter Stefan Minden den Abend; kurz und knapp hielten sich auch die Macher des Films Ralf Holl und Andreas Heller bei ihren Eröffnungsworten. Sodann folgten über zwei Stunden Eintracht; von der Erwähnung des Gründers der Victoria Albert Pohlenk mit dem alles begann bis hin zu Meisterchoreo und einem kurzen Interview mit dem aktuellen Trainer Michael Skibbe.

110 Jahre Eintracht Frankfurt, da gibt es jede Menge zu erzählen und egal was du erzählst, es fehlt immer etwas. In diesem Falle die Zeit von 1899 bis 1959.

Im Grunde basiert der Film im Wesentlichen auf drei Füßen: Einer davon ist der Fußball der Eintracht: Spielszenen aus den Fünfzigern durften ebensowenig fehlen, wie der Zauber der Siebziger mit Grabi, Holz und Nickel oder der Neunziger; Okochas Zaubertor, Yeboahs Antritt, Webers Tragik oder Fjörtofts Treffer gegen Lautern und später Schurs Kopfball gegen Reutlingen. Dazu kamen Einspielungen und Erläuterungen aus dem Eintracht Museum.

Das zweite Standbein fußte auf Interviews. Ehemalige Spieler der Eintracht äußerten sich zu ihrer Zeit; Jürgen Grabowski, der sich noch heute sehr freut, wenn die Kurve Tankards Song mit den Worten wir haben die Eintracht im Endspiel gesehen, mit dem Jürgen ... anstimmt, Charly Körbel, der als Bub nach dem 0:7 gegen den KSC im Stadion anwesend war und zu der Überzeugung gelangte, dass er zu so einem Verein niemals gehen würde, Erwin Stein, der zweifache Torschütze aus dem Europapokalfinale 1960 gegen Real Madrid, dessen Spitzname Zuggersche lautete oder Ansgar Brinkmann, dem bekanntermaßen das Spiel gegen Kaiserslautern und die Fans der Eintracht zeigten, dass es im Fußball um mehr als nur um Geld und Erfolge geht. Auch wurden rare Bilder von Meistertrainer Paul Osswald gezeigt, der noch einmal betonte, dass er über zwölf Jahre lang die Kickers geformt hatte, bevor er sie mit der Eintracht in Berlin 1959 schlagen durfte. Auch kamen Legenden aus anderen Vereinen zu Wort, Beckenbauer, Netzer oder Uwe Seeler.



Trinklein, Bindewald, Lindner, Feigenspan, Schur, Hölzenbein, Nickel, Fjörtoft und Dietrich Weise sprachen ebenso über die Eintracht wie die Präsidenten Gramlich, Ohms, Heller, Fischer und AG-Vorsitzender Bruchhagen sowie Sparmann, Pröckl und Axel Hellmann, die gemeinsam nach dem Beinahe-Lizenzentzug 2002 den Karren aus dem Dreck gezogen hatten. Immer wieder schön ist es, Toni Hübler zu lauschen - Toni, der nicht nur den englischen Rasen in Frankfurt einführte, sondern auch die Herren Fußballer über einen Flaschenzug mit Bier versorgt hatte. Trainer Ribbeck weiß bis heute nicht, wie die Bierflaschen, die er bei einer Stippvisite unter den Betten fand, ins Zimmer kamen. Ein anderer erzählte, dass ab nun die Uhren anders gehen würden.

Der dritte Strang bezog sich auf die Fans der Eintracht. Leitmotivisch führte Mario, der Präsi des EFC Sossenheim durch den Film; wir sahen die Meisterchoreo ebenso wie Kurvenbilder aus den Achtzigern, Philipp Reschke (Tankard is doch ne Punkband, oder?) und Gerre erzählten, wie es dazu kam, das Tankard in Berlin beim Endspiel die Kurve rocken konnten, Pferd erwähnte, dass noch vor zwanzig Jahren 34 Eintrachtler beim Auswärtsspiel in Bremen zugegen waren - heute sind es nahezu einige Tausend, die Woche für Woche in der Republik unterwegs sind. Das Filmteam war bei Rado FanOmania zugegen, besuchte den Riederwald kurz vor dem Abriss und bei der Grundsteinlegung und wir sahen Matze Thomas erstes TV-Interview nach dem Pokalsieg 1988 auf dem Römer. Feiernde Eintrachtfans in der Bembelbar in Berlin durften ebenfalls nicht fehlen. Interviews mit DJ DAG, der irritierender Weise ein fünfjähriges SV im Wiederholungsfalle für in Ordnung hielt, St.Tropez-Bar Macher Andy Backer, dessen Siebziger Kutte im Museum hängt, mit Rudi Köhler oder dem Eintracht-Peter fehlten ebenso wenig, wie Statements der Spieler Ochs und Nikolov zur Kurve oder Doc Hermanns und Frank Gottas Buch Im Herzen von Europa. Rainer Kaufmann merkte völlig zu Recht an, dass die Eintrachtler ein trinkfestes, reiselustiges und sangesfreudiges Völkchen sind.

Es ist ein Film, dem man anmerkt, dass die Macher nicht allzutief in der Szene stecken, die aber gleichwohl über Recherche wesentliche Punkte gestreift haben. Sie bewegten sich in der VIP-Lounge und ließen Kitty Pohl vor dem großen Logo der Zeitung mit den vier Buchstaben über Promis erzählen, wie überhaupt Werbung im Film deutlich zugegen war, man merkt zu sehr, welche Bank den Film unterstützte, welcher Flughafenbetreiber und welche Agentur oder welcher Club den Machern freundlich gesinnt war.

Den stärksten Moment hatte der Film, als der EFC Sossenheim auf Tour war und einzelne Mitglieder ungekünstelt und authentisch ohne vor einer Reklameecke zu sitzen vor der Kamera sprachen. Bewegend das Statement eines Mitgliedes über das soziale Engagement; der EFC kümmert sich auch um Leute, denen das Glück im Leben von der Schippe gesprungen ist. Sehr schön auch die Bilder aus dem Roten Club, dem Eintracht-Treff in den Siebziger Jahren - inclusive eines Interviews mit dem blutjungen Mario aus dieser Zeit, der nun der Präsi der Sossenheimer ist - und noch immer in Eintracht-Bettwäsche schläft.

Ich hätte mir mehr Bilder aus der Szene gewünscht: wie läuft eine Auswärtsfahrt; was heißt es, heute von Hundertschaften der Cops empfangen zu werden; was nehmen die Fans auf sich, um Woche für Woche durch die Republik zu kutschen; was bedeutet es, eine Choreo im Stadion zu inszenieren oder wie ist es um die Artikulation der Fans bestellt; weder die Internet-Situation wurde beleuchtet, noch die Fan geht vor erwähnt, auch das Fanprojekt und dessen Geschichte fand keine Aufnahme in den Film. Selbst Uli Mathejas Bibel Schlappekicker und Himmelstürmer musste außen vor bleiben. Einige Fanauftritte wirkten arg inszeniert, da hätte das wirkliche Leben bessere Bilder hergegeben.

Fazit: Wir haben einen Eintrachtfilm gesehen, der für den Hardcorefan wenig Neues enthielt, der aber den Frankfurtern einen schönen Einblick in den Mythos Eintracht Frankfurt gibt. Nicht jeder hat Nickels Seitfallzieher in Offenbach oder dessen direkt verwandelte Ecke zum 6:0 gegen die Bayern vor Augen, nicht jeder kennt die Bilder, die nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft über das Team gedreht wurden und nicht jeder weiß auf Anhieb, dass die Eintracht, auf dem Weg zum Uefa-Cup gegen Rotterdam in Grün-Weiß spielte. Werner Reinkes wunderbarer Erzählstil ist ein weiteres Plus des sehr kurzweiligen Filmes, der Vieles streift, dabei jedoch zuweilen ein distanziertes Fragen unterlässt. So werden zwar die Stadionverbote thematisiert - Betroffene kommen jedoch nicht zu Wort. Auch die Ultra-Szene stößt auf wenig Resonanz (ogleich es wohl im Vorfeld Spannungen gab, die letztlich dafür verantwortlich sind) - dafür aber der Kontakt-Polizist Stahmer - ohne wiederum die Fanbetreuung mit einzubeziehen. Wo es hätte spannend werden können, hören die Infos auf. Dass das Endspiel 1932 keine Erwähnung fand ist ebenso schade, wie das Aussparen der NS-Zeit, sieht man einmal von Billy Otts kurzer Erläuterung zum Angestelltenverhältnis der damaligen Spieler beim Schlappeschneider ab, was ursächlich verantwortlich für den Begriff Schlappekicker war. Den Auftritt des Herrn Hammer der den Kurvenklassiker Pipi Langstrumpf ballermannesk vertont hatte, hätte man sich schenken können, Henni und Gerd waren nur mäßig lustig, großartig hingegen das Erinnern an Alfred Pfaff.

Im End ist es ein Film, dessen DVD sicherlich an Weihnachten in ganz Frankfurt vermehrt auf dem Gabentisch liegen wird, ein Film für die ganze Familie - auch für die Junior Adler, die derzeit auswärts noch im Kinderblock der Heimmannschaft sitzen müssen - aber jetzt schon Erlebnisse sammeln, die womöglich dereinst Grundlage für einem weiteren Film sein können.

Freuen dürfen wir uns auf Szenen, welche nicht im Kino dafür aber auf DVD gezeigt werden, womöglich relativiert sich dann einiges von meinem Beitrag, ich bin gespannt. Immerhin haben die Macher das gemacht, wo viele von erzählt haben: Sie haben einen Eintracht-Film realisiert: Und dafür gibt es: Ein großes Dankeschön.

Freitag, 24. April 2009

Chronologie der Ereignisse der letzten Tage


  • Eintracht Frankfurt besiegt in einem Duell zweier ehemaliger Europapokalsieger Borussia Mönchengladbach mit 4:1
  • Die Gruppe der Anti-Funkel-Fraktion tritt geschlossen in den Hungerstreik. Mir könne nix esse, mir ham die Schnauze voll wird der Pressesprecher des neugegründeten Vereins zitiert.
  • In der HR Sport-Sendung Herrchen gesucht ist Mehdi Mahdavikia zu Gast. Niemand ruft an. Traurig.
  • Eintracht Boss H. Bruchhagen schließt noch am Abend einen Vertrag mit dem neuen Trikot-Sponsor Tubag Trass-Zement- und Steinwerk GmbH aus Kelsterbach ab. Tubag und die Eintracht – das passt.
  • Trainer Funkel zur FR auf die Frage nach dem neuen Sponsor: Ja, Ich habe es zur Kenntnis genommen.
  • Die UF97 beschließt einen Support-Boykott für das nächste Heimspiel. Für die Auswärtspartie in Bochum lautet das Motto: Grey-Chaoz – Alle Mann in Grau.
  • Die Fan- und Förder-Abteilung hat nunmehr 30.000 Mitglieder.
  • Unbekannte verteilen Buttons in den Logen mit der Aufschrift: Commerzbank: Die Luft ist raus. Sondersendung im DSF; Thema: Mauern einreißen. Eingeladen ist Thomas Pröckl. Aber auch er kennt keine Automarke mit Zwei Eff.
  • Am Riederwald beginnen die ersten Selbstverbrennungen der Gruppe Caio-Fußballgott. Solange ER nicht spielt, stirbt jeden Tag einer für uns. steht auf einem Transparent.
  • Trainer Funkel zur FR auf die Frage nach den Forderungen: Ja, Ich habe es zur Kenntnis genommen.
  • Trainer Funkel hat sich im Training bewegt. Die Gruppe Eintracht Funkel eV bedankt sich mit einer aufwändigen Choreo, welche in alle Erdteile via Internet übertragen wird.
  • Trainer Funkel zur FR auf die Frage zur Choreo: Ja, Ich habe es zur Kenntnis genommen.
  • Caio hat sich ebenfalls bewegt. Die ersten Hungerstreikler verlangen nach Nahrung – sie brauchen Kraft für die nächsten anstrengenden Tage. Einer stirbt – die PayCleverCard war abgelaufen.
  • Trainer Funkel macht daraufhin eine verächtliche Geste. Für die Hools der UF der Gipfel der Frechheit. Einer weint; andere malen Banner. Aufschrift: Rein – Raus. Wer mehr wissen möchte, kann gerne an den Container kommen.
  • Die Fan- und Förder-Abteilung hat nunmehr 60.000 Mitglieder.
  • Caio schießt in einem Trainingsspiel 700 Tore
  • Die Fanclubs der Eintracht veranstalten ein Fußballturnier unter dem Motto: Fußball interessiert uns nicht. Der erste erhält eine Dauerkarte für den FSV Frankfurt.
  • Im offizielle Internet Forum erscheint die einemillionste Aufforderung zur Menschlichkeit. Geschrieben vom Dalai Lama. Er wird daraufhin gesperrt und darf nichts mehr schreiben.
  • In China fällt ein Sack Reis um. Die UF97 weitet umgehend den Support-Boykott auf den Rest der Saison aus.
  • Caio befreit Tibet.
  • Die Fan- und Förderabteilung nimmt an der Veranstaltung: Hamster oder Hase beim Kleintierzuchtverein Bornheim teil – der Höhepunkt des Vereinslebens von Eintracht Frankfurt. Eine Hochglanzbroschüre über den geselligen Nachmittag erscheint in einer Auflage von 200.000.
  • Die Fanbetreuung bietet in Absprache mit der Fußballschule ein Seminar in Oberhessen an: Pyro - Selbermachen ist kinderleicht. Martin Fenin ist ebenso zu Gast wie Jean Pütz.
  • Die Anti-Funkel-Fraktion verbrennt öffentlich Puppen mit Drei-Tage-Bart. Um den Forderungen nach attraktivem Fußball mehr Nachdruck zu verleihen, wird der inhaltliche Austausch gesucht. Die Taliban lehnen ab.
  • Patrick Ochs trifft im Training einen Ball. Spontan treffen sich Tausende Fans am Römer und schwenken Eintracht Fahnen.
  • Wie erst jetzt bekannt wurde, ist das Fansprechergremium schon letzten Sommer zurückgetreten. Niemand hatte es bislang bemerkt.
  • Caio spielt im Training drei Abwehrspieler schwindlig. Eines der gelben Männchen fällt um. Später dann die vernichtende Diagnose des Arztes Dr. Seeghers: Knorpelschaden. Bei den Trainingsfigürchen. Es nimmt kein Ende.
  • Die BILD stellt sofort dieses Trainingsmännchen im einer Homestory vor. Kritiker werfen ihr daraufhin Rundschau-Niveau vor. Sundermann schäumt.
  • Caio besteigt den Mount Everest – ohne Sauerstoffgerät.
  • Das Eintracht Frankfurt Museum beginnt den nächsten Teil aus der Reihe Tradition zum Anfassen: Heute: Die fetten Jahre. Zu Gast sind Dirk Bakalorz, Uwe Rahn und Jupp Kaczor. Großer Erfolg. Alle sind sich einig: Schillernder geht’s nicht.
  • Das Millionste Mitglied der FuFA, ein Zwerghamster aus Bornheim, erhält eine Eintrittskarte zum HSV-Spiel. Das Glück ist vollkommen.

Und da sag mal einer, die Diva lebt nicht mehr. Und jetzt alle: Beve raus – Beve raus – Beve raus

Donnerstag, 26. Februar 2009

United we stand - divided we fall

folgender Text wurde zunächst im Forum von Eintracht Frankfurt veröffentlicht:



Es ist an der Zeit, Dinge beim Namen zu nennen.

Eintracht Frankfurt spielt trotz für unsere Verhältnisse exorbitante Investitionen die schlechteste Saison seit Jahren. Uninspiriert, häufig lustlos, meist erfolglos. Selten war in den letzten Jahren die Fanszene derartig gespalten; ein Riss geht durch die Kurve und trennt, was noch vor einiger Zeit zusammengehörte.

Dissonanzen ergaben sich aus der Verpflichtung des Spielers Cajo, die viele Hoffnungen auslöste, welche sich bis heute aus unterschiedlichen Gründen nicht erfüllt haben. Seither mehren sich die Attacken gegen den Trainer Friedhelm Funkel, die in Sprechchören und der Forderung nach Caio ihren Höhepunkt hatten; spätestens da zeigte sich der tiefe Riss in der Kurve.

Ein weiterer Höhepunkt war das Gezacker um die Vertragsverlängerung mit dem Trainer - seither ist im Stadion spürbar, wie der Hass brodelt, wenn'smal nicht läuft - und es läuft selten gut.

Gleichermaßen nahm die Kommunikation zwischen den Vertretern der einzelnen Fangruppierungen rapide ab; es scheint als hätten die FuFA und die Fanclubs, die im Kern als Fanvertreter ähnliche Interessen verfolgen sollten - und dies im Einzelfall auch machen, sich nichts mehr zu sagen. Das gleiche gilt für die Fanbetreuung der AG versus der Fanbetreuung des eV.

Die Ultrás liefern zur Zeit keinen Ansprechpartner, der relevant für die Gruppe spricht - und sie ziehen sich als vermeintliche Elite in sich selbst zurück. Dabei haben sie nicht nur die Kontrolle über die Gruppe verloren, wie in KA sichtbar, als aus dem üblichen Rauchgeplänkel in KA die Grenzen mit Leuchtspur und Böllern überschritten wurden; sie verweigern sich als Gruppe der öffentlichen Auseinandersetzung, die spätestens nach dem KA-Vorfällen hätte stattfinden müssen.

Die Fußball AG reagierte daraufhin völlig überzogen; sie plant personalisierte Ticketvergabe ohne mitzuteilen, wie die Kontrollen aussehen und welche Konsequenz dies für sehr viele Unbeteiligte hat. Gleichermaßen übersieht die AG dabei, wie ein personenbezogenes Ticket eventuelle Straftaten verhindern soll. Megaphonverbot - es mag die Debatte anheizen, radikalisiert aber auch diejenigen, die bislang eher brav waren. Und verhindert im Zweifel, dass Martin beschwichtigen kann. Dazu kommt die Sippenhaft; ein Zeichen von Hilflosigkeit - vorausgehend der Sanktionen muss ein Dialog mit Beteiligten und Betroffenen stattfinden.

Letztlich hat aber auch die jetzige AG einiges ermöglicht, was bei anderen Vereinen nicht selbstverständlich ist. Wer jetzt "Vorstand raus" ruft, der muss sich im Klaren sein, dass es dann einen neuen Vorstand gibt. Wie sieht's dann aus mit billigen Stehdauerkarten, mit Plätzen für Fahnen, mit Choreo-Erlaubnis?

Es gibt massive Videoüberwachung, im Falle des Nürnberg-Böllers und der KA-Raketenschützen taugt sie nichts; es gibt massive Einlasskontrollen - im Falle der Nürnberg-Böller und der KA-Raketenschützen taugen sie nichts. Als stellt sich die Frage, was diese Aufrüstung soll. Restriktive Maßnahmen verhindern nicht das, was sie verhindern sollen - sie provozieren aber Reaktionen und Trotz.

Wir brauchen Konzepte, die auch die Notwendigkeit sozialen Ungehorsams reflektieren, ohne die Ungehorsamen sofort in die Nähe von Straftätern zu rücken. Was nicht heißt, das Körperverletzung und Sachbeschädigungen zu tolerieren sind, im Gegenteil. Hier geht es um die Verhältnismäßigkeit.

Dazu bedarf es aber Bewegung. Das heißt, das die Ultrás Stellung beziehen und gleichermaßen sich selbst reflektieren und im Zweifel auch Fehler eingestehen. Das heißt nicht, dass Leute ausgeliefert und denunziert werden sollen, da mögen Ordnungsdienst und Polizei sachgerecht ihren Aufgaben nachkommen. Aber die Respektpersonen der Ultrás sollten ihren Laden im Griff haben und dies auch nach außen kommunizieren.

Gleichermaßen müssen junge Leute ihre Grundrebellion, ihre Subkultur auch ausleben dürfen ohne dass alte Schlauberger, die allem Anschein niemals jung waren, ihnen moralinsaure Vorträge halten. Das heißt nicht: jeden Unfug zu akzeptieren- aber eine zerbrochene Flasche ist auch kein Attentat.

Es kann auch nicht sein, dass die führenden Köpfe der anderen großen Fanvertretungen keinen Dialog mehr führen; ihr vertretet uns - und nicht eure persönlichen Animositäten, das gleiche gilt auch für die Fanbetreuung von AG und eV.

Jeder einzelne dieser Konflikte schwächt unsere Position und lässt es den Vertretern des modernen Fußball leicht machen, die fanfeindlichen Konzepte von Anstoßzeiten über Abschaffung von 50+1, weitere Eventisierung und Vermarktung mit Hilfe einer miserabel recherchierenden Medienwelt durchzudrücken.

Diese Debatte muss eine öffentliche sein, wir brauchen uns; eine starke FuFa, lebendige Fanclubkultur und eine starke UF97; nur dann können wir die in die Schranken weisen, die uns nur benutzen um ihr eigenes Ding durchzuziehen. Wenn es hier aussieht wie in England oder Italien (schusch hat es beschrieben), dann leiden wir alle; egal ob Normalo, EFCler, Ultrá oder Vereinsmitglied.

Dazu müssen wir uns bewegen, genau wie die Jungs auf dem Platz, die haben das genau so verlernt.

Hier geht es nicht um Pyro oder orange oder "deristaberdoof". Hier geht es um mehr; um den Erhalt der Frankfurter Fankultur, die über Jahre hinweg auch außerhalb Frankfurts uns Respekt eingebracht hat.

Redet miteinander. Alle! Und zeigt Respekt.

United we stand - divided we fall.

Beve

Sonntag, 8. Februar 2009

Eintracht Frankfurt - 1.FC Köln 2:2


Da war es also, das erste Heimspiel im Jahr 2009.

Es begann mit Regen, es endete mit Regen. Schon früh machten wir uns vom Nordend in Richtung Oberrad auf; ich brauchte noch ein paar Sachen - eine regenfeste Jacke zum Beispiel - und alsbald rollten Pia und ich durch die Oberräder Gärten über den Sachsenhäuser Berg in Richtung Louisa, dem Ort, an dem nicht nur das Fanhaus der Eintracht steht, sondern auch seit Jahr und Tag unser Auto, wenn die Eintracht spielt. Mit Daddy hatte ich ausgemacht, dass wir uns im Block treffen - so hatten Pia und ich Zeit, uns am Treff Gleisdreieck blicken zu lassen. Wir durchschritten die Unterführung, die sich langsam mit Wasser füllte und marschierten mit schweren Schuhen und leichten Gedanken durch den regennassen Stadtwald - den Weg, den wir schon so oft gegangen sind - man hat machmal das Gefühl, man könnte jeden einzelnen Baum per Handschlag begrüßen. Das Fanhaus hatte geschlossen und bald kamen wir an die Kennedyallee. Scheibenwischer der vorbeifahrenden Autos schwappten mühsam das Wasser von den Scheiben - und ich glaubte mich zu erinnern, dass wir vor gar nicht allzulanger Zeit schon einmal das erste Heimspiel nach der Winterpause gegen den 1.FC Köln hatten. Vor dem damaligen Spiel hieß der Trainer Felix Magath, danach nicht mehr. Heuer wurde der Vertrag mit Friedhelm Funkel, dem derzeitigen Trainer der Eintracht, vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert - und manch einer unter den Fans war nicht so recht glücklich mit der Entscheidung, die nach etlichen kleineren Scharmützeln vom Vorstand vorgelegt und vom Aufsichtsrat im Laufe der Woche einstimmig abgesegnet wurde. Im gleichen Hotel übrigens, in dem meine Schwester vor ein paar Jahren ihre Hochzeit gefeiert hatte. Im Wirtshaus im Spessart.

Wir überquerten die Allee und tapsten die Flughafenstraße entlang, Autos sausten an uns vorbei - und die meisten achteten darauf, dass sie nicht durch die Pfützen fuhren, um die wenigen Fußgänger nicht zu duschen. Viel war noch nicht los, die Ordner in gelben Warnwesten froren im Nass des Tages und wiesen die ankommenden Fahrzeuge durch schweres Geläuf auf die Plätze, die satte 4,50€ kosteten. Schon von weiten erkannten wir den grünen Pavillon, den Arndt bei schlechtem Wetter stets aufbaut, um die muntere Schar halbwegs trocken zu halten. Und da standen sie auch, dicht gedrängt unter dem schützenden Dach, Richi und Laura versorgten uns mit den Bonis, die seit gefühlten Ewigkeiten den Ankommenden zur Begrüßung gereicht wurden, kleine Magenbitter, welche dein Gesicht seltsam verzerrt wirken lassen. Viele User aus dem Forum der Eintracht (und nicht nur) treffen sich hier, trinken Apfelwein und Bier oder essen Frikadellen samt Aioli, welche die Filzlaus unter Zurhilfename etlicher Kilos Knoblauch zuzubereiten versteht. Es ist immer wieder schön, altbekannte Gesichter zu treffen; hier schenkte mir Kine meinen Eintracht-Becher mit Apfelwein ein, (einen Becher, den Pia dankenswerterweise in ihre Tasche gepackt hatte) dort grinste mich Klaus an und sogar Brady wurde gesichtet, für viele ein Phantom aus einer anderen Welt, der Welt des Gebabbels im Forum :-) . Hilde hatte etliche Jungs aus Bröndby im Schlepptau, Bernie seine Tochter - tausend kleine Gespräche und die Zeit vergeht wie im Flug. Richis blauer Focus stand mit geöffneter Heckklappe daneben und der Kofferraum spuckte etliche Schoppen aus; von Zeit zu Zeit wird ein Sparschwein herum gereicht und von den Anwesenden meist ordentlich gefüttert - auf dass auch in der kommenden Woche Speis und Trank parat stehen.

Auffällig ist, dass die Haltung zur Situation der Eintracht; zu Spielweise und Vertragsverlängerung mit dem Trainer unter den regelmäßigen Besuchern der Spiele in der Regel weitaus unaufgeregter gesehen werden, als es sich im Internet darstellt. Wir freuten uns auf das Spiel und zeigten uns zufrieden, dass wir dort waren, wo wir waren. Bald rollte der Zug aus Köln ein, ein paar Sprüche flogen uns aus den geöffneten Fenster entgegen und wir lachten und erhoben unsere Becher und dachten: Fußball!

Ich marschierte etwas später in Richtung Futterkrippe Wach; Matze hatte mich gebeten, eine Videokamera mitzubringen, er wollte die geplante Schweigeminute zu Ehren des im Dezember verstorbenen Alfred Pfaff aufnehmen. Wie immer traf ich noch etliche bekannte Gesichter, ein Guude hier, ein Morsche dort und schon stieß ich auf Matze und drückte ihm die Kamera in die Hand. Am Ultrá-Container vorbei gings zurück über die matschigen Wege Richtung Treffpunkt, ein letzter Schoppen und los gings zum Eingang, der uns wahlweise in die Hölle oder ins Paradies befördern wird - das ist das schöne am Fußball. Hamlet stirbt am Ende immer - die Eintracht aber (und das gilt für jedes Fußballspiel) liefert dir stets ein Schauspiel, dessen Ausgang du nicht kennst. Zugegeben, im Moment läuft das ein wenig durchlässiger: Wir gewinnen gegen die Teams die hinter uns stehen, verlieren gegen die, die über uns stehen und gegen die beiden um uns herum spielen wir unentschieden - von kleinen Ausnahmen einmal abgesehen.

Vor dem Eingang traf ich noch auf Siggi, der im Regen tapfer die Fanzeitung Fan geht vor verkaufte und relativ zügig schlüpfte ich durch die Einlasskontrolle. Pia war schon vorausgegangen und nachdem ich eine Zigmeterbreite Pfütze umrundet hatte trafen wir uns vor dem Block 35, dort schwatzen noch einige Eintrachtler, die über den Rundschau Blog-G zusammen geführt wurden - unter anderem der Spessartadler, den ich vor einiger Zeit irgendwo auf einer Raststätte in Deutschland kennen gelernt hatte - und auch hier freuten sich die Jungs auf das Spiel und waren guter Dinge.

Unsere Heimat ist der Block 41 im Oberrang - und wir machten uns auf den Weg dorthin - just als die ersten Klänge von Im Herzen von Europa ertönten marschierten wir singend die steilen Treppen hinauf und schlängelten uns auf unsere Plätze, Daddy war schon da und auch die Jungs aus Bornheim, die stets vor uns sitzen. Wir begrüßten lautstark unsere Mannschaft (mit der Nummer 29, unser Brasilianer ... CHRIS), gegenüber war der Kölner Block ordentlich gefüllt und schon wurden wir um Ruhe gebeten; die Schweigeminute für Don Alfredo sollte beginnen - ergriffen gedachten wir unserem Ehrenspielführer, sahen einige Bilder seines Lebens auf dem Videowürfel - während die Ultrás eine Choreo vorbereitet hatten. Natürlich pfiffen einige Kölner, was aber der Erhabenheit des Momentes nicht wirklich schaden konnte.


Auf dem Würfel oben wurde dann nicht nur der aktuelle Spielstand eingeblendet, sondern auch ein kleines Bild von Alfred Pfaff, der dann von oben mit ansehen musste, wie ein Eintracht-Fan beim Abhängen der Choreo vom Zaun vier Meter in die Tiefe stürzte - und sich (wie sich später herausstellte) schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzte. Sanitäter eilten herbei, Fotografen versuchten Bilder zu machen, wurden aber von den Fanbetreuern Rudi und ZoLo weggescheucht und es dauerte eine ganze Weile, bis der Verunglückte in einen Krankenwagen gelegt wurde - und bis der Krankenwagen dann losfuhr verging eine weitere Weile.

Dies und der Tod von Don Alfredo drückte natürlich auf die Stimmung und auf den Support; es war recht leise in der Kurve - und die Kölner hatten logischerweise einen gewissen Vorteil. Wobei ich ganz ehrlich der Meinung bin, dass es auf Grund der Häufung unglücklicher Umstände und der damit verbundenen Stille in der Kurve gestattet sein muss, sich grundsätzliche Gedanken zum Thema zu machen. Mir ist völlig klar, dass es zuweilen Wichtigeres als Fußball gibt, viele von uns mussten in den letzten Wochen und Monaten dies schmerzlich erfahren; der Verlust von Freunden und Angehörigen. Und richtig ist auch, dass die Trauer im Rahmen von Eintracht Frankfurt stattfindet, wenn der Anlass gegeben ist. Sei es Banner, Choreos, Schweigeminuten, Video-Einblendungen oder Lied-Einspielungen. Und ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn die Leute aus dem direkten Umfeld, Freunde und Bekannte, nicht willens sind, die Eintracht zu unterstützen; wenn die Gedanken um andere Dinge kreisen und der Support zweitrangig wird. Dennoch bin ich der Ansicht, dass der Support außer in Ausnahmefällen nicht kollektiv unter der Tragik des Einzelnen dauerhaft außer Kraft gesetzt werden soll, schließlich dient die Unterstützung im besten Falle einem Sieg der Eintracht - und die Nachricht, dass die Eintracht gewonnen hat, lässt manche Wunde schneller heilen. Sagen wir es mal so: Wenn ihr erfahren solltet, dass mir irgendetwas zugestoßen ist, dann bitte ich euch darum, neben den obligatorischen Schock-Minuten unsere Jungs lauter als jemals zuvor anzufeuern, peitscht unsere Jungs zum Sieg - und habt kein schlechtes Gewissen dabei; macht die Trauer bunt.

Wir konnten nach dem Unfall des Eintrachtlers die Stille in der Kurve nicht genau deuten. Galt sie Alfred Pfaff - obgleich die Info, dass die ersten 45 Minuten Stille herrschen sollte nicht zu uns durchgedrungen war - galt sie dem Verunfallten, dessen Gesundheitszustand den meisten von uns nicht bekannt war, übrig blieb eine Irritation und zaghafte Supportversuche im Rund die relativ bald verebbten.

Unabhängig davon machte die Eintracht das Spiel, Mondragon, der Kölner Torhüter, konnte einen Schuss Fenins gerade noch so an die Latte lenken und nach einem Freistoß von Steinhöfer (O-Ton Beve: Der ist gut, der ist sehr gut - der ist drin) schlupfte Marco Russ den Ball mit dem Kopf zum 1:0 für die Eintracht ins Kölner Herz. Da von Köln wenig zu sehen war, ging es mit der wohl verdienten Führung in die Halbzeit. Im Gang traf ich schusch, der zum Einen mir berichten konnte, dass der Verunglückte zwar schwere Kopfverletzungen davon getragen hatte, aber ansprechbar war und zum anderen mit mir übereinkam, dass die Zäune unten endlich weg müssen; Banner hin oder her. Im End war es nur eine Frage der Zeit, bis durch die Höhe ein Unfall passiert - der heute leider eingetreten ist. An dieser Stelle gute Besserung und alles Gute dem Eintrachtler, der heute das Gleichgewicht verloren hatte.

Mit Beginn der zweiten Hälfte setzte der Support ein, Martin gab über seine Anlage die Richtung vor und zunächst erscholl aus Hunderten von Kehlen ein Alfred Pfa-aff, Alfred Pfa-aff welches wundersamer jedoch die Kölner zu beflügeln schien - und so kam es, wie es kommen musste. Novakovic nutzte eine Unachtsamkeit der Eintracht-Abwehr und schlenzte die Kugel zum Ausgleich ins Netz. Doch keine fünf Minuten später flankte Steinhöfer auf Fenin und dieser nahm den Ball volley und schickte ihn als Aufsetzer zwischen Mondragon und dem Torgehölz zur erneuten Führung ins Tor der Kölner.

Wenig später konnte Pröll einen Schuss nur in die Mitte des Strafraums abwehren, ein Kölner war zuerst am Ball, Chris stocherte von hinten der Kölner fiel, der Schiri pfiff - zum Entsetzen von uns allen Elfmeter. Und in der Aufregung zeigte der Herr Winkmann gar Chris noch die rote Karte, eine Entscheidung, die weder nachvollziehbar noch begründet war. Der Elfer war ausnahmsweise drin und so wehrten sich zehn Frankfurter gegen elf Kölner und hatten das Glück dann doch noch auf ihrer Seite. Zunächst zoppelten die Herren Russ und Ochs ungeahndet an den Trikots ihrer Gegenspieler und dann tat uns der Herr Ishiaku den Gefallen, eine glasklare Chance zu versemmeln, so dass es am Ende beim 2:2 blieb. Da konnte auch die Einwechslung unserer Nummer neun, Kweuke, nichts daran ändern.

Naja, besser als verloren, dachten wir, beklatschten unsere Jungs und schoben uns dann dem Ausgang entgegen, warfen noch einen kurzen Blick ins Museum, um die Kamera abzuholen und erfuhren, dass sich Frau Pfaff sehr gerührt ob des Gedenkens an ihren verstorbenen Alfred zeigte. Wir erfuhren auch, dass für Don Alfredo sein Lieblingslied gespielt wurde, das kleine Haus am Ende der Welt, leider zu einem Zeitpunkt, als wir noch nicht im Stadion waren.

Und so marschierten wir durch den strömenden Regen zurück, liefen an den regendunklen Autos vorbei, an den Menschenmengen, die sich in die Straßenbahnen schoben und wanderten durch den Stadtwald zurück zu den Autos, Daddy hatte ja auch dort geparkt. BAP sangen einst .. es bleibt länger hell jetzt, obwohl es ist immer noch Februar ... - und wie jedes Jahr dachte ich an den Song Alexandra, nit nor do. Zum einen heißt meine Schwester auch Alexandra, zum anderen blieb es tatsächlich länger hell und zum dritten sind BAP Kölner, was mir aber im Moment völlig egal war.

Die Unterführung an der Louisa war mittig inzwischen völlig unter Wasser, wir wateten hindurch, verabschiedeten uns von Daddy und rollten nach Sachsenhausen, um unsere traditionelle Pizza beim Petro zu verputzen. Dort trafen wir auf Alex, tauschten die letzten Infos aus und tauchten ab ins Dunkel der Nacht. Nächste Woche geht's weiter, ein nächstes Heimspiel wartet auf uns, Wolfsburg kommt - und darf durchaus verlieren. Wir werden das unsrige dafür tun.



Nachtrag:

Pia war nach dem Korrektur-Lesen der Überzeugung, dass die Alfred Pfa-aff Rufe direkt nach der Schweigeminute durchs Rund hallten und nicht erst zu Beginn der zweiten Halbzeit. Dort begann der Support mit Anfeuerungsrufen für die Eintracht. Ganz sicher waren wir beide nicht, falls sich jemand von euch an die Situationen noch genau erinnert, scheut euch nicht, dies hier zu benennen.


Die Fotos sind von Stefan Krieger. Vielen Dank dafür.

Dienstag, 3. Februar 2009

Heimspiel in Berlin - Januar 2009


I'm Outlaw Pete!

I'm Outlaw Pete!
- can you hear me?

Oh ja, wir konnten ihn hören, den ersten Song des neuen Albums von Bruce Springsteen; langsam drehten die Gitarren-Riffs in den Song hinein, und langsam rollte ein vollgetankter mit Öl und Wasser versehener silberner Golf auf die Autobahn, hinter uns lag eine Zeit ohne Fußball und vor uns ein Ausflug nach Berlin, traditionell ein Auswärtsspiel im Winter, Kälte und Frost - und dennoch ist Berlin immer eine Reise wert, auch wenn diesmal meine Freunde Susi und Thomas aus unterschiedlichsten Gründen verhindert waren. Pia und ich hatten so im hinteren Teil von Kreuzberg in der Fabrik ein Zimmer gebucht und dort sollte unser erster Halt sein, alles weitere würde sich ergeben; was willst du planen, wenn Gott eh nur über die Pläne lächelt und alles ganz anders kommt, als du dachtest. So hatte ich zum Beispiel meinen alten Telefonvertrag gekündigt und hoffte auf ein sanftes Übergleiten in den neuen, allein die Dinge liefen seltsam und hatten zur Folge, dass am Freitag Morgen mein Telefon und Netzanschluss keinen Mucks mehr machten - und bis auf Weiteres lahm gelegt sind. Es ist Freitag.

Where the cold wind blows
Tomorrow never knows
Where your sweet smile goes
Tomorrow never knows

Die ersten Kilometer zeigten blauen Himmel und wenig Verkehr, wir flossen die A5 entlang, passierten die 10km Baustelle mit den Kinderplakaten an der Seite, die uns sanft darauf aufmerksam machten, die Geduld nicht zu verlieren; besonnen zu bleiben in der Hatz des Alltages. Die Bäume zur Seite, blattlos, wie es sich für den Winter gehört waren bald überzogen von einer kristallinen Schicht, eisweiß harrten die Äste in der Kälte der Tage, weißer Kandis am Stengel - der Tee dazu in der Thermoskanne und Musik obendrein; The Rifles, Rod Stewarts begnadete Version von Gasoline Alley, gesungen in einem Hamburger Hinterhof und immer wieder Springsteen, auch wenn ich zugegebenermaßen lauter mitsang als Pia.

Hessen, Thüringen, die drei Gleichen, Kilometer um Kilometer spulten wir ab und freuten uns auf ein paar unbeschwerte Tage, auf all die Gesichter der vergangenen Jahre und auf die Second Hand Shops in der Hauptstadt, worauf sich zugegebenermaßen Pia mehr freute als ich.

Zwischen Schorba und Magdala legten wir unseren traditionellen Zwischenstopp ein; eine kleine Bude am Hügel, Handwerker wie Reisende warteten auf Thüringer Bratwürstchen, Gulaschsuppe oder Vita-Cola, draußen wars kalt und drinnen günstig.

Willkommen im Land der Frühaufsteher grüßten die Sachsen-Anhaltiner, Leipzig, Halle, später Brandenburg, wir kamen gut durch und verpassten allerdings unsere Abfahrt bei Berlin, so dass wir eine kleine Ehrenrunde drehten und urplötzlich über Marienfelde in die Hauptstadt einrollten, statt auf dem Avus dem Berliner Begrüßungs-Bär zuzuwinken. Immerhin, wir hatten es geschafft; über Tempelhof ging es gemächlich Richtung Kottbusser Tor, dann Schlesisches Tor am Rande zu Treptow, Endstation in der Schlesischen Straße, einchecken - chillen.

Andi hatte uns zum Essen eingeladen und so marschierten wir nur wenig später durch den Görlitzer Park zum Landwehrkanal in Richtung Kreuzberg 61, dem ehemals alternativeren Teil von Kreuzberg. Dort, wo wir im Sommer noch mit T-Shirt und kurzen Hosen am Ufer gesessen hatten klirrte nun eine Kälte, Enten hockten auf einer Eisfläche am Wasser und wir achteten streng darauf, den Hinterlassenschaften der Berliner Hunde auszuweichen, eine Übung, die zu den Klassikern der Hauptsadt zählt, von den Straßen her hupten die Autos und nach einem ordentlichen Fußmarsch schlugen wir bei Andi auf, der gerade dabei war, lecker Börek zu verarbeiten. Arne war schon da, hatte literweise Äppelwoi aus Frankfurt mitgebracht, und wir schwatzten oder spielten mit Klein-Lola, die ordentlich was erzählen kann. Nach dem Mahl dackelten wir in eine Kneipe ums Eck, tranken Astra-Bier - und ich glaube, dass Yvonne, Andis Frau, ganz froh war, dass wir dies nicht bei ihr zuhause taten, bald füllte sich der Tisch mit den kleinen Fläschchen und ebenso bald stieß noch David zu uns, der seit Jahren in Norwegen lebt und extra für das morgige Spiel eingeflogen war. Die Zeit drehte ihre Runden und spät in der Nacht sausten Pia und ich mit einem Berliner Taxi in Richtung temporärer Heimat. Einige Mühe brachte noch die Order eines Sandwiches in einem Subway-Laden. Froh, meine Bestellung aufgegeben zu haben, war ich dann doch bei den Details überfordert. Welcher Käse, welches Gemüse, welche Soße, warm oder kalt, geschnitten oder am Stück - Wahnsinn, was es alles gibt. Am End aber lachten die Bedienung und ich - und ich kaute frohgemut mein erstes Subway-Sandwich.

Über Nacht hatte es geschneit, die Straßen waren weiß und glatt, glatt waren auch meine Stiefel und so rutschten wir nach einem Milchkaffee in Richtung U-Bahn, die an manchen Punkten eine Hochbahn ist. Ein paar Jungs checkten Fahrkarten, wollten günstige Tagestickets verkaufen, wir aber zogen brav ein Einzelticket und hockten uns in einen der gelben Wagen, deren Fenster mit tausenden kleinen Brandenburger Toren verziert waren

... Alle vier Minuten kommt die U-Bahn hier vorbei
und alle dreieinhalb Minuten kommt ein neues Bier
und ich sage dir das ist ungesund
Weil es nämlich irreführend und gefährlich ist
wenn etwas U-Bahn heisst das über unsren Köpfen rattert
schließlich steht das U für Untergrund ...

... sangen Element of Crime vor Jahren; Görlitzer Bahnhof, Kottbusser Tor, Prinzenstraße, Hallesches Tor bis hin zum Wittenbergplatz wo wir umstiegen, noch einen Milchkaffee orderten und später mit der U2 durch Charlottenburg in Richtung Olympia-Stadion rollten. Den ersten Frankfurter, den wir trafen war Adi, der gutgelaunt in Richtung Stadion marschierte, immer wieder seinen Kumpel verlor und dennoch nicht verloren ging. Adi geht nie verloren - und das ist gut so.

Da wir keine Tickets für das Spiel hatten, schlugen wir uns zur S-Bahn am Gästeeingang durch und harrten der Dinge und Menschen, die da kommen würden - und alsbald kamen Christian und Uwe des Wegs, später auch Gerd, Andi, Arne und David, hier stieß noch Rainer zu uns und überhaupt war's ein Guude und Hallo, Tausend kleine Schwätzchen, ab und an ein Schöppchen dazu und da Ina uns noch ein paar Tickets organisieren konnte und wir uns also nicht am Kassenhäuschen anstellen mussten, wanderten wir von Platz zu Platz und babbelten mit Frankfurtern jeglicher Couleur, die einen waren mit dem Zug hier, die anderen mit dem Bus und im Großen und Ganzen war die Stimmung recht gelöst. Good Butcher erzählte mit leuchtenden Augen von einem Bericht, den er über seinen Tag schreiben wollte - und er hat es dann ja auch tatsächlich geschafft. Zwischenzeitlich erreichte uns die Kunde, dass eventuell einige Auseinandersetzungen nach dem Spiel geplant waren und deshalb die Bembelbar auf der Kippe stand, das hätte grad noch gefehlt.

Der Einlass ging halbwegs zügig von statten, alleine direkt vor dem Block mussten wir noch einmal warten; wir schlängelten uns an die Seite und fanden ein Plätzchen rechts neben dem Marathontor, vor uns stand Roland, auch der Bernemer Adler, unten die Ultras und die Mannschaftsaufstellung verkündete, dass Caio für uns überraschend im Kader war und ebenso überraschend Steinhöfer statt Mahdavikia auflief. Auf der blauen Laufbahn lag ein Schneehäuflein, weiße Flocken schwebten zu Boden - und wer erinnerte sich nicht an die Szenerie vor einem Jahr, als Martin Fenin drei Tore schoss und die Eintracht bei leichtem Schneefall mit 3:0 als Sieger vom Platz ging.

Wer auf eine Wiederholung gehofft hatte, wurde in der 17. Minute schwer enttäuscht, der erste Torschuss der Hertha landete im Netz, und es dauerte nicht lange, bis Berlin einen Elfer zugeprochen bekam, aus meiner Sicht völlig unberechtigt und nahezu skandalös (allerdings sollten die Fernsehbilder mich eines besseren belehren). Unser Torhüter Markus Pröll hatte sich bei der Aktion verletzt, was ihn allerdings nicht davon abhielt, den Elfer zu halten, was uns wiederum natürlich Auftrieb gab, leider nicht unseren Jungs auf dem Platz: als der Halbzeitpfiff ertönte, hatte ich den Eindruck, dass die Eintracht nicht statt gefunden hatte, leider nicht zum ersten Mal in dieser Saison.

Und wer gedacht hatte, dass die zweite Hälfte mit mehr Schmagges angegangen wurde, wurde zunächst enttäuscht; keine drei Minuen waren gespielt, als Pantelic zum zweiten Mal traf und wie stets den Aff' machte beim Torjubel. Kurz darauf bugsierte Benny Köhler die Kugel zum Anschlusstreffer ins Netz und ab dann war die Eintracht am Drücker, spielte sich frei, so dass die Hertha lediglich zu einigen Konterchancen kam, immerhin kickten dort Voronin und Pantelic - richtig gefährlich wurde es jedoch nicht mehr - was auch an Jan Zimmermann lag, der den verletzten Pröll ab der 58. Minute ausgezeichnet vertrat.

Später kam Kweuke zu seinem ersten Einsatz und sorgte gleich für Gefahr im Herthastrafraum, wie auch unser zweiter Neuzugang in der Winterpause, Petkovic, als linker Verteidiger eine gute Figur machte - und auch offensiv einige Akzente setzen konnte.

Eigentlich waren wir am Ausgleich dran im kalten Olympia-Stadion. Dort wo die Werbebanden flackern, dass es ein Graus ist und der Stadionsprecher verzeifelt versucht, das Berliner Publikum zur Stimmung zu erkaspern; die Zuschaueranzahl wird von irgendeinem Sponsor präsentiert wozu ein Zählwerk eine gefühlte viertel Stunde braucht, um den Stand anzuzeigen - auf dass du ja genug lange auf den Namen des Sponsors guckst, denn ich schon wieder vergessen habe. Bei aller Liebe, wenn dies die Zukunft des modernen Fußballs ist, dann ohne mich - die grinsen dir doch ins Gesicht und verarschen dich sehenden Auges, vor lauter Geflacker siehst du den Ball nicht mehr. Die Hertha-Fans verhielten sich ruhig - und wir? Nuja, dafür, dass der Ausgleich in der Luft lag, war wenig Peitschendes aus dem Block zu vernehmen, vorne ein bisschen SingSang, in der Mitte Schweigen und sonst ab und an ein Eintracht, Eintracht, zuwenig um zu zünden. Als dann ein Kopfball von Meier in den Armen des anfangs relativ unsicheren Drobny landete, Pantelic bei einer Attacke getroffen wurde und sich anschickte auf dem Platz zu versterben, als die Balljungen mal einen Ball auf das Spielfeld warfen, obgleich noch gespielt wurde, mal einen Ball nicht sofort an die Eintracht rausrückten und zu allem Überfluss der Stadionsprecher ins Spiel eingriff, um die stummen Herthaner Zuschauer dahingehend zu bewegen, den Torhüter zu beklatschen, schwanden die Hoffnungen, hier zu punkten. Nachdem Ochs noch einen Sinnlosball in den Strafraum gekickt hatte, war's dann endgültig vorbei, und die Eintracht hatte verloren. Immerhin, der Auftritt in der zweiten Hälfte machte Mut, ärgerlich war die Niederlage dennoch - und unverdient dazu.

Was folgte war eine weitere Nummer aus Absurdistan. Wir verließen unseren Block und wollten zur U-Bahn marschieren, als wir feststellen mussten, dass sich eine ganze Reihe Polizei inclusive Wagen dazwischen gestellt hatten und kein Durchkommen war. Fantrennung - manchmal eine gute Idee - aber doch nicht, wenn auf beiden Wegen sowohl Frankfurter und Berliner marschierten - und nicht dorthin konnten, wo sie hinwollten. Schön war sicherlich, dass einige Cops auf dem Rücken die Zugnummer 1312 spazieren trugen, buchstäblich A C A B. Lustig. Der Clou aber folgte nach wenigen Metern, dort endete die Sperre und wir liefen auf der anderen Seite wieder zurück und landeten genau dort, wo wir hin wollten; das ganze erinnerte stark an Biathlon und die Strafrunden. Als Pia einen leitenden Cop ansprach, war dieser auch nicht ganz glücklich mit der Situation, immerhin erzählte er uns von geplanten Drittortauseinandersetzungen - und dem Versuch die strömenden Massen ein bisschen zu trennen. Nehmt's sportlich meinte er, was bliebe auch sonst zu tun. Aber habt ihr es gelesen, mein Lieblingswort? Drittortauseinandersetzung. Das wird ab jetzt fester Bestandteil meines Vokabulars. Drittortauseinandersetzung. Doll. Da lobe ich mir doch die Herthaner die vor dem Stadion in einem Wohnwagen mit dem Kennzeichen B-SC ... hockten, eine fette Box angeschlosen hatten und in dem Gefühl des zweiten Platzes in der Tabelle sicherlich eine Kiste Schultheiss platt machten. Drittortdrinking - auch gut.

Kälte und Hunger nahmen uns in deren finstere Klauen und so definierten wir unser Ziel präzise: Öko-Burger futtern im Kreuzburger in der Oranienstraße nahe des Franziskaners, dem Ort der Bembelbar und so ruckelten Andi, Arne, David, Pia und ich Richtung Kreuzberg und marschierten mit klammen Fingern in den Laden, wo wir die nächsten Stunden bei Burger, Bier und Heizung verbrachten, bis wir aufgetaut und frisch für die Bembelbar waren. Zwischenzeitlich enterten etliche Gäste den Laden, viele davon trugen lustige Mützen und bei manch einem wussten wir nicht, ob es sich um eine Mütze oder die Frisur handelte: Dit is Balin, wa?

Schon vor dem Franziskaner standen jede Menge Eintrachtler, Hilde drückte uns zwei Schöppchen in die Hand und so endete die Nacht bei Musik und Tanz, bei Getränk und Gespräch, hier war Bernie, dort Carola, hier Jens und dort Matze, bis spät in die Nacht hockten wir beisammen, trafen viele alte und neue Gesichter und rockten gutgelaunt in den Morgen ... this is the ace of spades, the ace of spades ...


Winternacht in Kreuzberg. In der Eiseskälte marschierten Pia und ich durchs Berliner Dunkel, erstanden noch einen Döner und fielen bald müde aber glücklich in die Falle und ratzen mehr oder weniger durch den Vormittag, wo wir erfuhren, dass sich Prölls Verletzung als weit weniger schlimm herausstellte, als am Abend kolportiert wurde und wir schon befürchtet hatten, ihn zum letzten Mal im Tor der Eintracht gesehen zu haben.


Es folgten ein langer Spaziergang am Sonntagnachmittag mit schönen Berlinbildern und eisigem Wind, ein gepflegter Nachmittag bei Holger und Ryke, ein entspanntes Abendessen beim Griechen und eine letzte U-Bahnfahrt durch die Kälte der Hauptstadt.


Montags standen nach einem ausgiebigem Frühstück die Second Hand Laden auf dem Programm, wir durchstöberten die Lädchen nach brauchbarem Material, tranken noch so manchen Kaffee, trafen Andi an der Bergmannstraße, holten Klein-Lola vom Kinderladen ab und futterten zum Abschied bei Curry 36 noch den obligatorischen Fleischspieß und näherten uns dem Abschied aus Berlin; einer Stadt, die im Sommer pulsierend und lebendig daherkommt, im Winter aber kalt, schmutzig und unwirtlich erscheint - vor allem, wenn die Eintracht verliert. Trotzdem blitzen zwischen Bio-Läden und Hundkot immer wieder die Bilder auf, die du mit dem alten Berlin verbindest, die Freiflächen, die Bolzplätze inmitten der Altbauschluchten, die Graffitis an den Häuserwänden oder die etwas andere Haltung zur bundesdeutschen Vergangenheit.

Wir verabschiedeten uns von Andi, Yvonne und Lola, warfen den Golf an und nach einem kurzem Zwischenstopp an einer Tanke kurz vor der Autobahn am Tempelhofer Damm sausten wir auf den Highway, winkten dem Berliner Bär zum Abschied und wussten: Wir kommen wieder. Radio Motor FM rockte noch eine ganze Weile, später Muse oder Placebo; Kilometer um Kilometer näherten wir uns dem Herzen von Europa, du fährst schneller, wenn es dunkel ist - und knappe 550 km später erhob sich die Skyline von Frankfurt; A661, Friedberger Warte, Nordend. Wir parkten den Golf, der uns so tapfer etliche Kilometer durch Deutschland kutschiert hatte und nahmen noch einen Absacker bei Silke im Backstage. Frankfurt, du hast uns wieder. Aber frage nicht, wie lange.

You and me we've been standing here, my dear
Waiting for our time to come
Where the green grass grows
Tomorrow never knows.




(Fast) alle Fotos sind von Pia Geiger. Schön, gell? Und Danke!

Dienstag, 25. November 2008

Winterbeginn


Die Zeit verfliegt fiel zu schnell, Erlebnisse der besonderen Art haben kaum Zeit, sich zu setzen - und eh wir uns umsehen liegen wir in der Gruft und
hatten dabei doch noch soviel vor.

We should remember to slow down more often, maybe we will.
There's a lotta good things coming our way right now.

A lotta bad had passed but we survived the breakdowns.

All is forgiven, water under bridges now.


The gaslight anthem - Boomboxes & dictionairies

Fahren, immer nur fahren, aus den Boxen wummert der Beat und alles fällt ab, all die sägenden Gedanken, all das Drehen deines Hirns, all die Idiotien eines Daseins, die dir jeden klaren Gedanken verkleistern. Die dir die vermeintlichen Notwendigkeiten des Alltags schmackhaft machen sollen und dich doch nur verblöden lassen, Wolken ziehen vorüber, der Tag zur Nacht, die Nacht zum Tag.

Everything these days seems to be some kind of sign
No one cares anymore where you've been
So you find a quiet place to shed that old skin
You won't need it again


New Model Army - Orange Tree Roads



www.hobokollektiv.net




Der Blick zurück:

Eben noch eine Lesung in Halle, Übernachtung in einer kleinen Pension, rauf auf die Autobahn, nach 400km runter von der Autobahn, Abfahrt F-Ost, Bornheimer Hang, das Schneechaos ließ auf sich warten, Mikrofon an: Eintracht Frankfurt begrüßt sie ganz herzlich zum 14. Spieltag in der Regionalliga Süd. 90 Minuten später: Zwei Tore der Eintracht U23, keines des KSC II, Spitzenreiter und das erste Spiel von Alexander Krük für die Eintracht. Abbauen, heim, ausruhen - der Husten hörte sich nicht gut an.

Als ich am Samstag morgen aufwachte, merkte ich, dass ich nicht in der Reih' bin, wie meine Oma zu sagen pflegte, draußen ist's kalt, ungemütlich und eigentlich hätte ich nichts dagegen gehabt, mich mit Tee und Lebkuchen vor den Fernseher zu knallen und mich auszuruhen - und ich hätte es sicherlich auch gemacht, wenn nicht die Eintracht spielen würde. Ich glaube, die letzten Heimspiele habe ich verpasst, als ich im Winter 2004 in Indien weilte, die SGE holte Punkt um Punkt - und erst als ich wieder im Lande war verlor die Eintracht drei Tage später in Lautern. Wäre ich damals bloß länger geblieben.

Wir fuhren so gegen 14:00 in Richtung Louisa, so wir es eigentlich immer machen, Pia steuerte den Golf während ich daneben kauerte, warm eingepackt, seit langem mal wieder mit Schal und Mütze und Handschuh. Als wir unser Ziel erreichten, wartete Daddy schon auf uns; der kleine Mitsubishi-Jeep parkte an gewohnter Stelle, wir gesellten uns dazu und marschierten durch die Unterführung (in welcher wohl Frankfurts einzige Tropfsteine zu bestaunen sind) am Fanhaus vorbei durch den Wald Richtung Stadion.

Viel war im Verhältnis zu sonst nicht los, aber in den letzten Jahren haben sich die Dinge geändert, ich glaube nicht, dass in der Geschichte bei viel mehr Spielen gegen Hannover mehr als die später bekannt gegebenen 39.800 Zuschauer anwesend waren. Eintracht Frankfurt gegen Hannover 96 - ein Spiel des Mittelmaßes, 12. gegen 13. - aber so langsam scheint sich der WM-Hype wieder zu relativieren und wer weiß, möglicherweise gibt es ja im nächsten Jahr auch wieder Dauerkarten für diejenigen, die sich für die Eintracht interessieren - auch wenn der Erfolg ausbleibt, der Erfolg, der sich an den eigenen Erwartungen misst; Erwartungen, die nicht zwingend viel mit der Realität der Frankfurter Eintracht im Herbst 2008 zu schaffen haben müssen.

Während unsere Nummer Drei, Aaron Galindo es nicht geschafft hatte, rechtzeitig vom Länderspiel in Mexico an den Main zurück zu kommen und entsprechend nicht im Kader war, so wurde unserer Nummer 30, Caio, die Ehre zu Teil, in der Anfangsformation zu stehen. Deuteten zunächst die kurzen Hosen beim Aufwärmen schon darauf hin, so gab die Startaufstellung des Stadionsprechers endgültige Gewissheit. Der Stadionsprecher, der es übrigens versäumte, Alex Vasoskis Platz auf der Bank zu verkünden.

Da ihr in den üblichen Zeitungen, Foren und Blogs jede Menge Details zum Spiel lesen könnt, beschränke ich mich aufs Wesentliche.

  • Tor nach Standard: Ecke Steinhöfer, Flugkopfball Liberopoulos, 1:0
  • Tor nach Flanke Finks, Fenins Kopfball der ins Feld zurückprallt und von Russ köpflich versenkt wird, 2:0
  • Zusammenprall Nikolovs mit Hanke. Leichtes Humpeln.
  • Fenin setzt sich über Außen durch, spielt den Ball aber nicht zum wartenden Liberopoulos, welcher ihm erklärt, wie es besser geht.
  • Nach der Halbzeit kommt Pröll für Nikolov. Dieser hat einen Sehnenanriss und fällt lange aus.
  • Hanke und Bellaid gehen im Frankfurter Strafraum zum Ball, alles erwartet Ecke. Der Schiri gibt ... Elfer für Hannover. Die Debatten vom Stuttgart-Spiel wiederholen sich, der Linienrichter erklärt seine Sicht der Dinge, der Elfer wird zurückgenommen.
  • Fenin erkämpft sich den Ball, zeigt, dass er aufgepasst hat, passt zu Liberopoulos. Dieser zeigt uns, wer gelernt hat: Fenin - 3:0

Mein Daddy musste ausnahmsweise früher gehen und Pia fiel ein, dass möglicherweise zu Hause noch eine Kerze brennt. Egal, da ändern auch zwei Minuten nichts mehr daran. Wir blieben. Und wurden mit dem 4:0 durch Fenin belohnt. Abpfiff.

Wir hasteten aus dem Stadion, durchfroren, und eilten kalten Fußes durch den Wald. Zuhause angekommen stellten wir fest, dass die Kerze natürlich aus war. Aber das Feuer der Eintracht brannte wieder. Andersrum wäre es schlimmer.

Eigentlich wollte ich ja mal wieder in die Bembelbar, die am Abend im Backstage geplant war. Aber zuviel ist zuviel - ich liege flach. Tee, Lebkuchen, Fernsehen. Und ein Dach über dem Kopf.



Das Foto der Wolkenstraße durfte ich dankenswerter Weise dem wunderbaren Blog vom Fritsch entnehmen, dort gibt es noch viel mehr dieser Art, schaut es euch an, das Hobokollektiv.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Heimspiel in Mannheim


Eigentlich begann das Spiel schon am Abend zuvor, als wir beim Italiener in Neu Isenburg einen Gutschein verfutterten. Im Hintergrund schickten sich Ostwestfalen an, ihr Heimspiel gegen den KSC zu verlieren, im Vordergrund genoss unsere Nummer 29 den freien Abend und die Krönung des ganzen war dann ein überaus freundlicher Paolo, der uns nicht nur einige Euros der Rechnung erließ, sondern uns gar eine eigene Autogrammkarte unterschrieb.

Als sich dann um Mitternacht mein Geburtstag näherte, drückte mir Pia ein Carepaket für den Samstag in die Hand; Becher, Salzstangen, Würstchen – und ne Karte für das Spiel inklusive einem Platz in einem der Autos, die sich nach Mannheim aufmachen wollten.

Und so kam’s dann auch. Gegen elf marschierte ich alleine mit meinem Beutelchen in Richtung Konsti, (Pia hatte familiäre Verpflichtungen und Stefan beauftragt, allzeit ein wachsames Äuglein auf mich zu haben, damit mir ein SV erspart bleiben möge. Sie kennt mich.) erstand einen Fünf-Liter-Kanister Sonnenhof-Äbbelwoi und wanderte zur Bahnhof Nordseite, wo eine bunte Mischung aus Fanclublern., Forumsnasen und Bloggern schon wartete. Händegeschüttel, Happy Birthday, Prost. Das letzte Mal, als die Eintracht an meinem Geburtstag kickte, war Anno 2003. Damals gab’s ein 0:1 gegen Dortmund, heuer war also ein Sieg fällig.

Die Fahrt verlief entspannt, wobei es nicht ganz einfach ist, aus einem Kanister während der Fahrt in ein Becherchen zu gießen, ein schwarz-weißer Schal flatterte im Fahrtwind, die Sonne blinzelte auf die A67 und während wir noch siegesgewiss fachsimpelten, glitten wir schon über die Einfahrtsstraße nach Mannheim. Schon eine Woche zuvor hatte es hier ja den Probelauf gegeben – als unsere U23 Buben hier gegen Waldhof antraten – und mit 1:2 verloren. Mannhaft hatten sie sich gegen die Niederlage gestemmt, allein, es sollte nicht sein.

War der Parkplatz während des Waldhof-Spiels noch kostenlos, so mussten wir nun 4 Euros berappen, was nach einigem Gesuche und Gekruschpel auch gelang. Und so stellten wir die Kiste ab, öffneten den Kofferraum, wo unser Fahrer Doctore Hammer noch einige kulinarische Schmankerln in Petto hatte und wir schmausten und schwatzten, dass der liebe Gott einen Gefallen an uns gehabt hätte. Die Zeit verging wie im Flug, jede Menge Eintrachtler defilierten an uns vorbei, etliche bekannte Gesichter blieben stehen, es wäre ein Ding der Unmöglichkeit, sie alle aufzuzählen– und da der Gründel Heinz mir im Forum öffentlich gratuliert hatte, so wussten natürlich einige davon, dass ich heute gealtert bin und gratulierten herzlich, sehr nett anzuschauen war dabei das Eintracht-Küchelchen von Kallewirsch incl. brennendem Kerzlein. Alle naslang bimmelte mein Handy oder wurde mir eine Hand entgegen gestreckt. Von daher auch nochmal an dieser Stelle an alle ein Vielen Dank für die Glückwünsche.

Plötzlich kam Aleks Vasovski an uns vorüber, erblickte mich, gab High Five und meinte salopp: Alles Gute, Beve, du Lump. Heute rocken wir hier schwer einen, oder?

Naja ich gebs zu, so war es nicht. Aber er kam wirklich vorbei; ich erblickte ihn, rief seinen Namen und schickte ein Alles Gute hinterher, er stockte kurz, lächelte - und marschierte weiter.

Aus allen Ecken strömten Eintrachtler Richtung Stadion, es gab phasenweise leichte Verwirrung ob des zu begehenden Weges – da viele von uns ja keine Karten für den Gästeblock besaßen, trennten sich einige Wege. Von der Straße ertönte Blaulicht, scheinbar war der Mob aus Frankfurt im Anmarsch, was mich auch nicht sonderlich interessierte, überall ein Guude, ein Morsche und im Großen und Ganzen war’s ein eher lässiger Anmarsch, bei dem ich so ganz nebenbei erfuhr, was es mit den Katten auf sich hat.

Lässig war auch die Eingangskontrolle, meine Karte wollte niemand sehen, angefasst wurde ich auch nicht und so lungerten wir noch ein Weilchen vor den Aufgängen zu den Blöcken herum, tranken ein Schöppchen und schoben uns dann auf unsere Plätze in diesem Fußballstadion, dass noch ein Fußballstadion ist. Etwas dämlich war nur, dass ich noch mal nachguckte, wo denn Block 21 sei – bis ich feststellte, dass ich zu Block 19 musste. Die 21 war der Eintrittspreis. Prost Herr Beverungen. Kaum stand ich, ging’s auch schon los. Nicht nur die Gästekurve war fest in unserer Hand, auch der gegenüberliegende Block war komplett mit Frankfurtern gefüllt und auch zwischendrin hockten etliche Adler. Aus den Boxen röchelte gefühlte zwanzig Mal der White Stripes Song seven nation army, die Blauen unten flitzten um die Wette und die Eintracht begann wie immer defensiv, die Hauptrolle im Mittelfeld übernahm traditionsgemäß ein großes Loch. Linker Hand parkte der Eintracht Bus, rechts im Eck stapelten sich überdimensionale aufblasbare Reklame-Bierkästen und Amanatidis hockte auf der Bank.

Kurve und der Gegenüberliegende Block hatten mittlerweile komplett die Kontrolle im Stadion übernommen, und wir versuchten so gut es ging, unsere Jungs nach vorne zu peitschen. Nikolov hielt wie ein Großer, und so stand’s zur Halbzeit Nullnull. Auf meinem Weg nach draußen traf ich Rudi, der gleichfalls Geburtstag hatte – und musste erfahren, dass Marc von einem Polizeihund attackiert und gebissen wurde, und kaum hörte ich’s, sah ich ihn auch schon mit badagiertem Arm. Arme Socke und gute Besserung, Fußball ohne Leiden gibt's nicht. APDAB*

Als ich noch am Büdchen anstand, ließen mich die Geräusche im Inneren erahnen, dass etwas unschönes passiert sein musste – und so war es auch, die Eintracht hatte einen Treffer kassiert, was die Sangeslust in unserem Bereich leider merklich trübte. Dennoch spycherte sich unser Schweizer in der 66. Minute irgendwie durch, wuppte das Bällchen in den Strafraum und Steinhöfer traf zum Ausgleich. Dies muss unseren Trainer gewurmt haben, denn er wechselte ihn aus, und prompt gelang es unseren Helden, nur wenig später den zweiten Treffer zu kassieren, was so manchen in Mannheim veranlasste, lautstark über einen Trainerwechsel nachzudenken.

Die Eintracht wehrte sich noch ein bisschen, aber das 1:2 aus unserer Sicht hatte auch nach 90 Minuten Bestand, und so schlichen wir mit hängenden Köpfen aus dem Stadion. Zumindest die meisten, nur zwei Mädels hatten Glück. Sie konnten nämlich das Trikot von Amanatidis ergattern, der gleichermaßen enttäuscht an den Zaun kam und zudem noch einen Ball zu den Fans kickte.

Dass das Ergebnis innerhalb kürzester Zeit in meiner Wahrnehmung zweitrangig werden sollte, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, denn kurz nach Verlassen des Blockes traf ich Roland und er konfrontierte mich mit der traurigen Nachricht, dass sich Steffen, Museumsmitarbeiter, Allesfahrer und U23 Stadionzeitungsmacher am Vorabend bei einem Autounfall schwer verletzt hatte. Es war wohl das erste Spiel seit Jahren, dass Steffen deshalb nicht sehen konnte und von daher meine flehentliche Bitte, dass er bald wieder auf die Beine kommt. Wir brauchen dich.

Bedröppelt marschierte ich dann in Richtung der Parkplätze und traf unterwegs auf meine Mitfahrer. Da es an der Kreuzung weiter vorne grade zu Rennereien kam, die einen hatten weiße Helme auf, die anderen nicht, blieben wir noch ein Weilchen außerhalb des Spielfeldes bis sich die Lage beruhigt hatte und wir seelenruhig zum Auto marschierten. Dort gab’s noch die ein oder andere Diskussion und es war bald klar, dass niemand großartig traurig wäre, wenn Eintracht Frankfurt einen Trainerwechsel publik machen würde. Allerdings wollte auch niemand in der Haut unseres Vorsitzenden stecken, denn auch wir hatten niemanden im Gepäck, dem wir die Lösung der hiesigen Probleme adäquat zutrauen würden. Schwierig, das Ganze.

Zurück ging’s flott über die Autobahn und ich saß zum ersten Mal in einem Auto, in welchem du mittels einer Kamera den Bereich hinter deinem Auto auf einem Monitor angucken kannst. Was es nicht alles gibt.

Als die ersten schon in der Klapper beim Schoppen hockten, passierten wir Pfungstadt und nur wenig später lief auch der gebeutelte Rest dort ein, schwatzte über dies und jenes und nicht uninteressant war die Ansicht über unser Kurvenverhaltens aus verschiedenen Blickwinkeln. RedZone, der im Stehblock das Spiel verfolgt hatte, schwärmte von unserem Auftritt, ich jedoch, der am anderen Ende der Kurve stand, mäkelte an der lustlosen Haltung etlicher Fans während des Rückstandes um mich herum herum. Alles eine Frage des Standpunktes. Auch der Standpunkt.

Später kam dann doch noch Pia, die verzweifelt versucht hatte, mich anzurufen – während mein Handy in der Gastwirtschaft mangels Empfang stumm wie ein Goldfisch in der Kugel blieb. Aber dies ist eine andere Geschichte.

So ging dann peu a peu ein Tag vorbei, an dem ne ganze Menge passiert ist, Marcs Wunden wahrscheinlich schneller heilen als Steffens und vor allem die Erkenntnis bleibt: Es gibt wichtigeres als Fußball.





*APDAB - All PoliceDogs Are Bastards


Sonntag, 15. April 2007

Bielefeld II

Samstagmittag, Ostwestfalen
Schlosshof - Kleingartenverein
Gänseblümchen und Sandalen
dazu milder Sonnenschein

Selten sind die schönen Tage
wo der Samstag Samstag ist
kein Genöle, keine Klage
niemand, der hier was vermisst

Ubedissen, Hillegossen
das ist nicht die große Welt
Heller hat ein Tor geschossen
neulich, hier in Bielefeld.


14.04.2007 Arminia Bielefeld - Eintracht Frankfurt 2:4

Samstag, 4. Oktober 2003

Als Herr Hoffmann und Herr Rosicky Geburtstag hatten

Der Blick aus dem Fenster zeigte Sonnenschein. Selten genug an einem vierten Oktober – schließlich befinden wir uns definitiv im Herbst und im Herbst regnet es. Die Blätter an den Bäumen färben sich gold-rot, die Äpfel wandeln sich zu Süßem, später zu Apfelwein und die Gedanken werden manchmal melancholisch, denn „ ... wer jetzt kein Haus hat, der baut sich keines mehr.“ (Rilke)

An einem anderen Haus wird sehr wohl gebaut, nämlich am „größten Cabrio der Welt “. Und das hat Folgen. Zum Einen wird alles schöner, höher, größer; zum Anderen sind liebgewonnene Gewohnheiten auf den Müllhaufen der Geschichte gewandert, insbesondere diese, sich mit Freunden irgendwo im Block zu treffen.
Wer heute zur Eintracht will, muss vorsorgen, muss Karten „organisieren“ – und sitzt, wenn er Pech hat, meilenweit von seinen Kumpels entfernt. Wenn man noch mehr Pech hat, sitzt man neben „Eintracht-Fans“ alten Schlages, doch dazu später mehr.

Der Autor des Artikels allerdings hat durch eine seltsame Fügung des Schicksals eine Dauerkarte, - zum ersten Mal seit seinem ersten Stadionbesuch Mitte der Siebziger. Und er hat sich diese Dauerkarte erarbeitet. Ich will genau sein: Ich hatte sogar zwei Dauerkarten: Ostkurve, Block 148. Leider ist mein Kumpel Andi dieses Jahr selten in Frankfurt, genau wie Michael oder Holger; die Jungs studieren oder arbeiten in der Republik – und sind die Leidtragenden der aktuellen Situation, denn wer wenig Geld hat, kauft sich keine Dauerkarte auf Verdacht, um am End’ drei, vier Heimspiele sehen zu können. Und wer kurzfristig erkennt, dass es die Zeit zuließe, der könnte sich zwar eine Karte kaufen - und sitzt dann einsam und vereinzelt im weiten Rund. Macht das Spaß? Nicht wirklich, oder?

So landete meine zweite Dauerkarte in den Händen meines ... Vaters. Das ist natürlich klasse, denn es bringt auch im zarten Alter von 39 Jahren noch Freude, mit seinem Daddy ins Stadion zu gehen. Schließlich beginnen die meisten Stories über „seinen Verein“ mit den Worten:

„Na ich muss so ungefähr zehn gewesen sein, als mich mein Papa zum ersten Mal mit ins Stadion genommen hat...“

Und jeder, wirklich jeder kann sich an seinen ersten Stadionbesuch erinnern. Und so ist die Geschichte des Fußballvereins, in meinem Falle der Eintracht, untrennbar verknüpft mit der eigenen Geschichte, mit einer „guten alten Zeit“, in der alles begann ... derweil Muttern zu Hause Kuchen backte, um die Helden zu stärken.

Ich glaube, dass dies mit ein Grund ist, weshalb die Bindung zum Lieblingsverein eine sehr emotionale ist – es ist die Erinnerung an die innigen Momente der Kindheit, in denen man mit seinem Daddy alleine war. Wie oft sind schon Kids mit ihrem Daddy alleine - und machen etwas, woran sie sich ein Leben erinnern? Eben.

Als wir uns um halbdrei an der Louisa trafen, schien die Sonne; der Weg ins Stadion und die Bratwurst schafften wir trockenen Fußes – und hey, ich hatte Geburtstag, da regnet es doch nicht und die Eintracht gewinnt. Auch als Billy Reina das Dortmunder einsnull erzielte, waren wir noch frohen Mutes, schließlich spielte die Eintracht mit zwei, na sagen wir: Stürmern – und wir hatten noch mindestens 78 Minuten Zeit. Außerdem hatte ich mir zum Geburtstag ein Tor gewünscht.

Es tröpfelte.

Nicht viel, aber der Blick hinters Stadion verhieß nichts Gutes. Ich kann mich noch gut an ein 2:2 gegen Waldhof erinnern; auch damals war Daddy dabei, ebenso mein Schwesterchen - und wir standen 90 Minuten im strömenden Regen, nass bis auf die Knochen – trotz Regenschirm. Aber: Unentschieden! Also ...

Es tröpfelte stärker.

Einer der unschätzbaren Vorteile wenn du mit deinem Dad ins Stadion gehst, ist der väterliche Rucksack. Fanden sich gegen Leverkusen (bei 35 Grad im Schatten) Plastikbecher und eine Pet-Flasche Wasser darin, - damals war dies noch erlaubt -, so packte Vater heuer zwei Regenponchos aus. Diese waren zwar nicht schwarz-rot, und wir sahen aus wie zwei Gartenzwerge auf Abwegen – aber wir blieben halbwegs trocken, während vor, neben und hinter uns kein Mensch mehr auf seinem Platz hockte.

Ein Bild für die Ewigkeit: Zwei Frankfurter Buben im strömenden Regen, einer davon permanent Sachen plärrend wie: „Auf geht’s“, „weiter“ und „Außen“, der andere abgeklärt und souverän.

Als der Regen in der zweiten Halbzeit nachließ, kamen die anderen alle wieder und wurschtelten sich umständlich auf die patschnassen blauen Sitzschalen. Und wenn dann von der feinen Gesellschaft einer den Mund aufmachte, dann kamen Sätze wie „Kreuz, der kann nix“ und „Wiedener muss raus“. Oder „Bindewald rennt rum wie Falschgeld“. Sonst nichts!

Klar spielen hier nicht mehr Grabowski oder (Hölzen)Bein – aber die Eintracht hat dieses Jahr nur eine Chance, wenn alle an einem Strang ziehen; wenn wir bis zum Schluss daran Glauben, die Klasse zu halten und unsere Jungs auch bei Fehlern unterstützen. Und wir werden uns daran gewöhnen müssen: Fehler sind Standard, alles was darüber hinaus geht, ist Anlass zu Jubel. Ich würde auch gern „Fußball 3000“ sehen, aber kann ich von einer Drehtür erwarten, dass sie ins Schloss fällt??? Nein, - aber solange sie sich dreht, kann ich damit leben, oder?

Höhepunkt der Vorstellung war der „Fan“, der jedes Mal wenn ich brüllte, mich von der Seite ansah, als hätte ich bei Don Giovanni gefurzt.

Ich meine, das Foul an Cha im Strafraum war selbstverständlich ein Elfmeter, zumindest aus meiner Wahrnehmung, und wer diesen nicht pfeift, der ist halt ein Arschloch. Und das muss gesagt werden. Doch dies blieb meine einzige Pöbelei, ansonsten beschränkte ich mich auf „bewegt euch“ und so was, aber der Kerl blickte mich bei wirklich jeder Äußerung schräg von der Seite an.

Wegen solchen Knalltüten, können meine Freunde nicht neben mir sitzen. Schlimm ...
Unten brachten Lexa und Jones frischen Wind. Jetzt geht was.

Noch zehn Minuten.
Noch fünf Minuten.
Noch drei Minuten.
Wann fällt endlich der Ausgleich? Ich habe mir doch ein Tor gewünscht, dass muss doch noch fallen.
Noch eine Minute: Kopfball Chris, ich springe auf, - scheiße, auf der Linie geklärt.
Och menno ...
Schlusspfiff.
Verloren.
Weiter geht’s.

Auf dem Treppenabgang sang ein Dortmunder „die Frankfurter sind scheiße“. Ich pfefferte ihm ein „Benimm dich“ entgegen – und er war tatsächlich ruhig.

Wie blöde kann man eigentlich sein? Ich meine, wenn statt meiner (aufgeklärt, humanistisch und nüchtern) ein anderer gelaufen wäre, der hätte der Biene Maja kurz und schmerzlos eine übergebraten. Wie in jedem anderen Stadion der Welt. Glück gehabt, Kollege.

Und so sind wir durch den Wald zurück zum Auto gelaufen, (Daddy schenkte mir noch ein „Werther’s Echtes“), haben die Ponchos gut verpackt - und abends meinen Geburtstag gefeiert. Denn da weder die Hertha, noch Gladbach, noch Lautern, (später noch Rostock) gewonnen hatte, sah doch alles halb so wild aus. Und das Tor, dass ich mir sooo gewünscht hatte, fällt. Da bin ich sicher. Und wenn nicht gegen die Löwen (Endstand 0:0), dann gegen Köln.

Übrigens hatte auch Tomas Rosicky Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch.