Zwischen dem 12. und 22. Oktober bietet das Eintracht Frankfurt Museum für Kinder wieder ein abwechslungsreiches Ferienprogramm.
12. Oktober und 19. Oktober: "Ein Tag bei der Eintracht"
Gemeinsam erkunden wir, wie vor einhundert Jahren Fußball gespielt wurde. Natürlich kriegt ihr alte Bälle und Schuhe in die Hand, die gerne ausprobiert werden können. Die Führung endet bei den großen Pokalen. Danach schauen wir uns nach Möglichkeit ein Mannschaftstraining an, bevor wir gemeinsam essen. Und dann werden wir selbst aktiv. Erst basteln wir Buttons, dann kicken wir und zum Abschluss schauen wir uns das Stadion ganz genau an. Eltern können an dem Tag shoppen und werden im Museum erst ab 15.30 Uhr erwartet.
12. Oktober, 19. Oktober, 10.30 Uhr bis 15.30 Uhr
Eintritt: 19,50 Euro (Halbpension). Anmeldung unter info@eintracht-frankfurt-museum.de oder direkt im Museum unter der Telefonnummer 069-95503275.
13. Oktober: Kinderpressekonferenz
Mittlerweile haben wir schon eine gewisse Routine, die Kinderpressekonferenz läuft ab wie immer: Akkreditierung der Nachwuchsjournalisten, Fragen ausarbeiten. Diesmal befragen wir unseren Mannschaftskapitän Chris. Die Erfahrungen haben gezeigt: Nicht nur die Nachwuchsjournalisten haben Spaß, auch die Spieler gehen nach der abschließenden Autogrammstunde stets mit einem breiten Grinsen aus dem Museum.
13. Oktober, 12.30 Uhr.
Eintritt: 3,50 Euro, Erwachsene 5,00 Euro.
Anmeldung unter info@eintracht-frankfurt-museum.de oder direkt im Museum unter der Telefonnummer 069-95503275.
15. Oktober: Attila im Museum
Attila, das Maskottchen der Eintracht, ist ein gewaltiger Steinadler. Gemeinsam mit seinem Falkner Norbert Lawitschka besucht uns Attila im Museum. Und Herr Lawitschka weiß ganz viel über die Eintracht und alles über Adler.
15. Oktober, 11.00 Uhr
Eintritt: Kinder 3,50 Euro, Erwachsene 5,00 Euro
20. Oktober: Eine Nacht im Museum
Traditionell gibt es bei uns in den Ferien auch "Eine Nacht im Museum". Dazu bringen alle Gäste Schlafsäcke mit. Nach einem gemeinsamen Fußballspiel gibt es Abendbrot, danach schauen wir einen Film. Und dann starten wir zur nächtlichen Tour. Der schlimmste Job des Museumswärters ist es nämlich, alle Tore im und um das Stadion zu verschließen. Das ist ganz schön gruselig, aber vor Gespenst Alfons hat mittlerweile kaum noch einer Angst. Allerdings: Halloween steht vor der Tür und am End kommt auch noch der "Lahme Lothar"...
20. Oktober, 19.00 Uhr
Eintritt: 20,00 Euro (Übernachtung & Halbpension)
Anmeldung unter info@eintracht-frankfurt-museum.de oder direkt im Museum unter der Telefonnummer 069-95503275.
Museums- und Stadiontour
In Zusammenarbeit mit dem Stadionbetreiber SFM bieten wir wieder Stadionführungen mit anschließendem Museumsbesuch an. Die Führungen starten fast täglich um 16.00 Uhr. Treffpunkt ist am Museum.
12. - 17. Oktober, 19. - 21. Oktober, 16.00 Uhr
Eintritt: Kinder 7,00 Euro, Erwachsene 9,00 Euro
Anmeldung unter info@eintracht-frankfurt-museum.de oder direkt im Museum unter der Telefonnummer 069-95503275.
Kontakt:
Eintracht Frankfurt Museum im Stadion
Mörfelder Landstr. 362
60528 Frankfurt
Tel: 069-95503275
Mittwoch, 29. September 2010
Dienstag, 28. September 2010
Zeit
Es ist schon irre, wieviel passiert und wieviele Menschen in Sekundenschnelle darauf reagieren - und mit einer Meinung dienen können. Ich bin da eher langsam, und kaum habe ich eine Meinung, ist das Thema schon durch. Manchmal wünscht man sich, die Zeit anhalten zu können, um sich in aller Ruhe neu zu sortieren.
Und das mache ich grad; vorher verweise ich in die Klappergass; neben tollen Spielberichten vergangener Jahre und Analysen der Jetztzeit könnt ihr dort seit Saisonbeginn den Spieler der Stunde wählen. Im Moment ist es Benni Köhler; völlig zu Recht wie ich finde.
Im Eintrachtforum gibt es einen langen Thread zu der Situation nach dem Spiel gegen Freiburg, als die Spieler nach einem kurzen Gruß in die Kurve in den Kabinen verschwanden. Auch dafür habe ich Verständnis, weniger hingegen für die allgemein gegenwärtige Sündenbockstrategie, die sich je nach Gusto einen Prügelknaben sucht. Das ist nichts neues, kann aber mal gesagt werden. Wie auch immer, heute Abend spielt in der Regionalliga Süd die U23 der Eintracht gegen die Reserve des FSV am Bornheimer Hang; Heimspiel in Bornheim sozusagen. War die Eintracht schon einmal Gastgeber am Hang gegen den FSV? Ich wüsste nicht. Wie auch immer, wir hören uns nach dem Spiel beim VfB.

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Donnerstag, 23. September 2010
Heimspiel in Leverkusen feat. Alle Farben sind schön
Spätherbst, die Sonne lacht und vor dem Eiscafé in der Martin Luther Straße sitzen die Menschen im Licht; bald wird hier die Winterleere herrschen und das ist schon der erste Hinweis auf unsere Eintracht. Der silberne Golf parkt ein paar Meter weiter oben; er hat heute frei. Leider auch Pia, die heute unabkömmlich ist - und so radele ich mutterseelenalleine in Richtung Bahnhof Südseite. Gegen halb vier soll die Reise mit den Geiselgangstern in Richtung Leverkusen losgehen; mein Handy zeigt kurz nach halb drei. Ich rolle durch die untere Günthersburgallee, vorbei am Friedberger Platz durch die Scheffelstraße in Richtung Anlagenring und gehe gedanklich den Tag durch; was habe ich, was brauche ich? Handy? Ist da. Foto? Ist da? Geld? Ist da? Eintrittskarte? Ist da. Scheiße, ist doch nicht da. Also gehts wieder zurück, vorbei am Eiscafé, wo sich in den letzten Minuten nicht viel geändert hat. Ein Griff auf die Kommode - und da liegen sie, die Tickets - also auf ein Neues - vorbei am Eiscafé usw.
Im Anlagenring lassen sich Frühfeierabendler die Sonne auf den Pelz scheinen; durch die Blätter der Bäume ragen die Türme der Banken in den blauen Himmel; die Phallussymbole einer Wirtschaft, die sich Mitarbeiterboni aus dem Staatssäckel bezahlen lässt und deren Geschäfte stets im Verborgenen gedeihen, versteckt hinter Spiegelglas im Herzen von Europa. Im Bahnhofsviertel Gewimmel und Gewusel.Im Flur von Pias Firma stelle ich mein Rad unter, verabschiede mich von ihr und wandere in Richtung Unterführung zum Bahnhof. Am Irish-Pub weht neben einer Eintrachtfahne auch eine von Bayern und Gladbach; ich überlege kurz, diese anzuzünden, lasse es bleiben - doch: was ist denn dies für ein Empfang für ankommende Zugreisende? Wie auch immer, für die Gastronomie sind Fußballfans Kunden, Geld kennt keine Vereinsfarben. Immerhin werden hier zahlende Gäste wie zahlende Gäste behandelt; das ist nicht überall selbstverständlich.
An der Südseite warteten schon etliche Eintrachtfans; auch Marc ist schon da - und das ist gut, denn er nimmt Pias überzählige Karte; als wir diese gekauft hatten, war das Spiel noch nicht terminiert. Wenig später tuckert der Bus der Frankfurter Jungs an; Marc und Oli steigen ein, während der Geiselgangsterbus noch zu uns unterwegs ist. Ich quatsche mit André und Sandy, die Zeit vergeht, der Bus kommt und dann gehts los. Am Fenster hängt die Eintrachtfahne, an der Tür - weshalb auch immer - eine Palästinaflagge und zwischendrin hat Holger eine Anlagenkonstruktion aufgebaut, welche die Grundlage für die Sounds der nächsten Stunde werden wird, kleine Boxen hängen mit Kabelbindern am Gestänge. Geiselgangster. Bembelbar. Bembelgangster. In Medenbach steigt Tom dazu, in Montabaur Hans, die Fahrt verläuft zunächst reibungslos; ich quatsche mit Stefan und Hans über dies und jenes, ab und and ploppt ein Schöppchen auf und wir sind gut in der Zeit.
Bis kurz vor Köln; dann steht alles . Aus den Boxen erklingt zur großen Freude vieler ein Lied über das Fälschen von Banknoten; neben den Songs von Adam und die Mickys und Eintrachtlieder der große Hit der Hinreise, später wummern Motörhead Overkill.Es sind harte Zeiten für Auswärtsfans, vor allem für die Raucher unter ihnen - doch immerhin dürfte der Geiselgangsterbus eine letzte Bastion sein - der Preis ist ein Linienbus ohne Toilette. Doch wo ein Stau, da ist ein Weg - exakt bei Kilometer 140.7 auf der A3 öffnet sich die Tür und wie Perlen auf der Kette stehen die Buben an der Leitplanke; gewesenes Bier verlässt die geschundenen Körper. Die Zeit verrinnt ebenso, es wird sieben, halb acht und wir bewegen uns immer noch im Schneckentempo in Richtung Leverkusen - in gut 30 Minuten ist Anpfiff. Ein Lieferwagen fährt an uns vorbei, der Adressaufkleber kündet von seiner Heimat: Am Krausen Bäumchen 115 in Essen. Putzig.
Plötzlich macht die Meldung die Runde, dass sich weibliche Frankfurter Besucher des Fußballspiels beim Einlass in einem Zelt am Eingang entblößen müssen - es sollen Hinweise vorliegen, dass Pyro von Frauen eingeschmuggelt werden soll. Wie das mit Hinweisen so ist, wissen wir spätestens seit dem Aufstiegsspiel gegen Burghausen vor Jahren, als die Polizei mit der abstrusen Begründung "im Internet hätte gestanden, dass nach Spielende der Rasen gestürmt werden soll" den Frankfurter Block stürmte. Was damals noch Fingerübungen für die kommende WM waren, ist nun in der aktuellen Wirklichkeit fest verankert.
Wenige Minuten vor acht erreichen wir den Busparkplatz; Polizisten lungern herum, während ich einen Platz für mich ganz alleine suche, das Bier will raus. Einer der Cops quatscht uns an, dass wir noch etwas warten sollen, sie würden uns begleiten. Da ich darauf dankend verzichte, marschiere ich erst ins Gebüsch, hole mir anschließend eine Wurst und wandere unbehelligt Richtung Stadion. Vor dem Gästeeingang zeichnen sich Menschentrauben ab; denke ich zunächst noch, dass dies an den zu spät eintreffenden Bussen liegt, so bringen einige Gespräche schnell Klarheit: Am Rande des Eingangs steht tatsächlich ein rotes Zelt; Frauen und wohl auch Kinder sollen sich peinlichst genau untersuchen lassen; der Fußballfan unter Generalverdacht, die Würde des Menschen ist antastbar - von Ordner(Innen) mit Gummihandschuhen im Schutze der Staatsmacht, die in vermummten und behelmten Gruppen gerne bereit ist, ihr antrainiertes Feindbild zu pflegen. Eingang weiblich zeigt ein Schild und kündigt die Schikane an.
Aus dem Stadion schallt es: Fußballfans sind keine Verbrecher; draußen stehen die, die sich mit den Frauen solidarisiert haben. Viele Ultras, aber auch Fans jeglicher Couleur; empört, verärgert. Da soll die Eintracht mal was machen. wird geschimpft. Mit Recht. Ich gehe kurz rein (normales Abtasten), schaue mir das Szenario näher an, telefoniere mit Pia, gebe Bescheid. Klar ist, dass sie sich nicht diesem unwürdigem Schauspiel unterwerfen würde; ich gehe wieder raus, hake das Spiel gedanklich ab.Währenddessen verhandelt die Fanbetreuung mit Verantwortlichen, aus dem Stadion erklingt ein Torschrei, kurz danach ein weiterer. 1:1 Gekas. Soll mir recht sein. Kurz danach kommt die Meldung, dass die Kontrollen nach Intervention seitens unserer Fanbetreuung auf ein normales Maß runtergeschraubt werden sollen. Wir entscheiden, das Stadion zu betreten; immerhin können bereits entwertete Karten wieder benutzt werden. Diesmal habe ich ein besonders arrogantes und konsequentes Ordnerexemplar erwischt; ich darf die Schuhe ausziehen, beschwere mich - was der unterdrückte und geknechtete Halbunformierte dazu nutzt, rein schikanös das ganze Programm durchzuziehen; Tabakpäckchen raus, aufmachen, Foto raus, Geldbeutel raus; Wixgriffel am Arsch. Dauert ewig, aber es sind ja auch nur knapp vierzig Minuten gespielt. Hoffentlich entdeckt er meine Panzerfaust nicht. Dann kurzes Sammeln vor dem Blockaufgang; Hurra hurra die Frankfurter sind da. Oben im Block treffe ich Marc, erzähle ihm die Vorkommnisse und konzentriere mich auf das Spiel; Chris für Meier ansonsten wie gehabt. Halbzeit.
Die zweite Hälfte bringt ein hin- und herwogendes Spiel; Leverkusen in Ansätzen flotter; Rolfes absolviert sein erstes Spiel nach längerer Verletzungspause, die Eintracht hält dagegen. Mal liegt Franz im Strafraum, mal liegt ein Verdacht auf Leverkusener Hand vor, mal wirft sich Nikolov dazwischen, mal holt Köhler ein Freistoß heraus. Nicht zwingend, nicht überragend - ordentlich allemal, doch wird es reichen?Nein, es wird nicht reichen. Wenige Sekunden vor Schluss hat Ochs den Ball im Mittelfeld - doch anstatt ihn nach vorne zu schlagen, verliert er die Kugel; Bayer rückt auf, ist im Strafraum - und irgendwas ist passiert. Hoffe ich noch auf Abschlag oder Freistoß für die Eintracht, so werde ich Sekunden später eines Besseren belehrt: Elfmeter für Leverkusen und gelb-rot für Ochs, der wütend vom Platz marschiert, die Binde fliegt auf den Boden (Zuvor war Caio für Chris gekommen, der anders als ich von Beginn an dabei war). Und es kam, wie es kommen musste, Vidal versenkt den Elfer in der 90., und die Eintracht hat wieder einmal ein Spiel in den letzten Minuten verloren - und dass, obgleich ich vorher sicher war, dass die SGE gewinnt. Es ist zum kotzen.
Enttäuscht und zornig verlasse ich das Stadion, der Weg zum Bus scheint etwas länger, da die Herren mit Helm den kürzeren versperren - und erfahre unterwegs, dass die Behelmten wohl vor dem Spiel auch ein Mädchen zu Boden geschubst und getreten haben; Pfefferspray gabs allem Anschein nach noch dazu.Bedröppelt hänge ich im Bus, bald rocken die ersten Lieder, andere singen dass sie heiß wie ein Vulkan seien - mir ist noch nicht nach feiern. Gabi meint, Fußball ist nicht alles, es gibt so viel wichtigere Dinge im Leben - Recht hat sie, doch im Moment beschäftigen mich neben dem Spiel die Gedanken über das Szenario Fußball; Gedanken über die Dreistigkeit seitens der Staatsmacht und Sicherheitsverantwortlichen je nach Gusto zahlenden Gästen a priori alles erdenklich Böse zu unterstellen und wie Kriminelle zu behandeln. Sicher, es sind nur Stehplätze, unser Bier bringen wir selbst mit und laut sind wir auch manchmal. Ein Unding in der gelackten Fußballwelt, die sich zahlungskräftige Kunden wünscht, die jeden Scheiß mitmachen und ihren Unmut über dürftige Leistungen und ähnliches maximal in der großen weiten Welt des Internets kund tun sollen; da stört es niemanden, da darf er sich wichtig nehmen, der Kunde, und der Rubel rollt und wer schikaniert wird, ist irgendwie selbst dran schuld.
Nach einem weiteren Schoppen verlaufen sich die Gedanken; REM singen it's the end of the world as we know it - and I feel fine. Später heißt der Meister Eintracht aus Frankfurt am Main, noch später stehen wir an einer Raste an der A66, säubern den Bus, während einer sich noch völlig sinnfrei mit einem schlafenden Autofahrer anlegen will, aber von einem Kumpel zurück gehalten wird.Die Nutten stehen sich an der Messe die Füße platt, als wir nachts um halb zwei in Frankfurt einrollen; ich packe meinen Krempel zusammen, schwinge mich verabschiedend aus dem Bus, während irgendwo einer am Boden liegt; Zivilpolizei dabei. Ein paar rennen dazu - ich entschwinde ins Dunkel der Nacht. Einer hebt eine Kippe nach der anderen vom Boden auf, aus dem U60311 wummern Technobeats und ich radel nach Hause. Pia wird kurz wach und wie war's? fragt sie. Beschissen sage ich. Bis auf die Fahrt.
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Dienstag, 21. September 2010
Montag, 20. September 2010
Samstag, 18. September 2010
Tradition zum Anfassen: Der Abend mit Markus Pröll, Alex Schur und Andree Wiedener
Es sollte ein langer Tag für mich werden, schon morgens um halb sieben radelte ich am Main entlang, um eine in den letzten Monaten vom Museum konzipierte und produzierte Ausstellung zur kommenden Weltmeisterschaft 2011 im Frauenfußball im Frankfurter Römer aufzubauen; sie ist toll geworden und wird im Laufe des Jahres an verschiedenen Orten gezeigt - aber darüber wird es bei Gelegenheit einen eigenen Blogbeitrag geben. Gegen 15:30 radelte ich zurück nach Hause, warf mich unter die Dusche und fuhr ins Museum. Dort installierte ich die Technik, trank einen Kaffee und freute mich auf den bevorstehenden Abend. Anlässlich des bislang letzten Aufstiegs der Eintracht im Sommer 2005 hatten wir gemeinsam mit der Fan_ und Förderabteilung Markus Pröll, Alex Schur und Andree Wiedener zur Tradition zum Anfassen eingeladen, zudem noch Daniyel Cimen - der jedoch leider nicht kommen konnte.
Zahlreiche Fans trudelten peu a peu ein - insgesamt jedoch nicht ganz so viele wie erhofft; was etwas verblüffend ob der Tatsache war, dass die Ereignisse noch gar nicht allzu lange zurück liegen und von vielen hautnah miterlebt wurden. Dennoch war der hintere Raum gut gefüllt - und die Gekommenen bereuten ihre Anwesenheit keineswegs, ganz im Gegenteil.
Markus Pröll und Andree Wiedener trafen pünktlich ein, während Alex bekanntermaßen der Mann der letzten Minuten ist, daran sollte auch der heutige Abend nichts ändern. Matze Thoma eröffnete die Veranstaltung mit einleitenden Worten, erinnerte an fliegende Schuhe nach einem nahezu skandalösen Elfmeterpfiff beim Spiel gegen 1860 München und Stefan Minden von der FuFa verwies in seiner kurzen Ansprache auf das unglückliche Ende der Aufstiegsfeierlichkeiten, die seitens der Polizei in Alt-Sachsenhausen rustikal gesprengt wurden und noch wochenlang für Aufregung sorgen sollten.Im Sommer 2004 war die Eintracht zum dritten Mal in ihrer Geschichte abgestiegen, Spieler wie Ioannis Amanatidis, Christoph Preuß oder Ingo Hertzsch verließen das Team und auch Trainer Willi Reimann, der auf Grund einer Sperre fünf Spiele im Container in der Baustelle Waldstadion verbringen wollte, wurde von seinen Aufgaben entbunden. Auch der Vertrag von Legende Uwe Bindewald wurde zu dessen Leidwesen nicht verlängert - er wechselte gezwungener Maßen zum Oberligisten Eschborn.
So ging die Eintracht mit einer neuformierten Truppe in eine ungewisse Zweitliga-Saison. Während der noch gültige Vertrag mit Andree Wiedener gegen dessen Willen aufgelöst werden sollte - und nach Rücksprache mit dem neuen Trainer doch weiterlief, so rang Alex Schur mit Heribert Bruchhagen um einen neuen Kontrakt. Knackpunkt für beide war die Laufzeit; während Schur ob seiner Verdienste und des fortgeschrittenen Alters sich noch für zwei Jahre an die Eintracht binden wollte, beharrte Bruchhagen auf einem Jahr. Wenn man aus dem Büro von Bruchhagen nach Vertragsverhandlungen heraus kommt hat man das Gefühl, man hätte als Landesligaspieler gerade mit Real Madrid verhandelt schilderte Alex die Situation. Letztlich einigte man sich nach langem Hin und her auf einen Einjahresvertrag mit automatischer Verlängerung nach 20 Einsätzen.Als Trainer sollte nach Willen des Vorstandes Ralf Rangnick die Eintracht betreuen, was dieser jedoch mangels Perspektive dankend ablehnte. Schließlich übernahm der Aufstiegsspezialist Friedhelm Funkel die Mannschaft, die um Nachwuchsspieler Patrick Ochs, der von den Amateuren der Bayern zurück geholt wurde und dem alten Haudegen Arie van Lent neu formiert wurde. Neu im Team waren auch Alexander Meier, Benny Köhler, Torben Hoffmann, Markus Weissenberger, Christian Lenze, Markus Husterer, sowie die vielversprechenden Nachwuchsspieler Christopher Reinhard und Marco Russ. Für einen war die Saison zu Ende, bevor sie begonnen hatte. Als bekannt wurde, dass Funkel neuer Trainer wird, zeigten sich die ehemaligen Kölner Kreuz, Keller und Pröll wenig begeistert; (was der Vorstand der Eintracht nicht gerne sah) doch während sich Keller und Pröll dazu durch rangen, es weiterhin bei der Eintracht zu probieren, verabschiedete sich Markus Kreuz in Richtung Erfurt und zahlte sogar einen Teil der Ablösesumme aus eigener Tasche. Hickhack gab es auch um den Brasilianer Chris, dessen ungeklärte Vertragssituation (neben der Eintracht meldete auch ein brasilianischer Verein Ansprüche an) für einigen Wirbel sorgte und ihm eine viermonatige Sperre einbringen sollte - was den Rest des Teams nicht sonderlich beeindruckte; so isser halt, der Brasilianer meinte Schur; der eine macht länger Urlaub und der andere sorgt sich nicht um die Kleinigkeiten von Vertragsdetails.
Zu Beginn der Saison war klar, Markus Pröll war als Nummer Eins gesetzt - und er sollte sich im Verlauf des Fußballjahres als großer Rückhalt erweisen, in 33 Spielen spielte er 14 Mal zu Null, kassierte in der Rückrunde im heimischen Stadion gar nur einen einzigen Treffer - beim 0:1 gegen Duisburg am 32. Spieltag, der den Aufstieg der Zebras bedeuten sollte. Machtlos war er auch an den beiden Treffern beim 0:2 in Köln am dritten Spieltag, als er zum ersten Mal gegen seinen alten Club antreten durfte; für den kölschen Jung ein ganz besonderes Spiel - obgleich Poldi ihm einen eingeschenkt hatte.Startete die Eintracht, die sich natürlich als Saisonziel den Wiederaufstieg gesetzt hatte, wie Wiedener betonte, durch ein Unentschieden in Aachen und einem hauchdünnen Sieg gegen den KSC noch ganz ordentlich in die Saison, so setzte es beim Titelfavoriten Köln die erste Niederlage. Knapp wurde Dresden besiegt und deutlich in Saarbrücken verloren; ein Triumph für den ehemaligen Eintracht-Coach und damaligen Trainer der Saarländer, Horst Ehrmantraut, eine Schlappe für den Kapitän Alex Schur, der eine gelb-rote Karte kassierte.
Hatte bis dato der erste Niederländer bei der Eintracht, Arie van Lent, noch keinen Treffer erzielen können, so sorgte das Frankfurter Publikum bei folgenden Heimspiel gegen Oberhausen dafür, dass der Knoten platzte; trotz mehrfacher Chancen, wollte van Lent kein Tor gelingen, doch die unbändigen Arie, Arie Anfeuerungen schrieen den Ball förmlich ins Tor - und in der 68. Minute war es soweit, van Lent hatte den ersten Treffer für die Eintracht erzielt, es war das 5:1 beim 6:2 Endstand, 15 weitere sollten im Verlauf der Saison noch folgen. Spektakulär auch das folgende 4:4 in Essen, zu dem Markus Pröll erklärte, dass das abgesprochenen Abseitskonzept tadellos funktionierte - bis auf Weissenberger, der sich nicht ganz daran gehalten hatte und Pröll sich mehrmals einer ganzen Armada Essener gegenüber sah. Thommy vom EFC Bockenheim erinnerte sich auch an das Szenario nach Spielende, als Fans der Eintracht und der Essener die dritte Halbzeit im Stadion fortsetzten - Waschbecken und Klohäuschen flogen durch die Gegend. Essen ist immer eine Reise wert.Der Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft wurde in jener Zeit groß geschrieben, auch bei schwachen Leistungen wurde das Team unterstützt, nicht nur Arie van Lent konnte davon profitieren; auch Du-Ri Cha wurde angefeuert - und erzielte beim Rückspiel in Oberhausen zwei Treffer (nebenbei entwickelte sich auch ein bis heute unvergessener Gesang Du Du Du Du - Ri Ri Ri Ri - Du-Ri, Du-Ri Cha) und auch Andree Wiedener, der nicht immer geliebte, schwärmte von der großartigen Unterstützung in Cottbus, die ihm nachhaltig in Erinnerung geblieben ist.
Doch zuvor verlor die Eintracht in der Hinserie vier Spiele am Stück und lag nach der Niederlage in Haching nur auf Grund der besseren Tordifferenz nicht auf einem Abstiegsplatz. Negativer Höhepunkt war sicherlich die 2:3 Heimniederlage gegen den Abstiegskandidaten LR Ahlen. Angeführt von den Leitwölfen Schur und Wiedener traf sich das Team um ohne Trainer bei einem Schoppen Tacheles zu reden - und es fruchtete. Bis zur Winterpause verlor die Eintracht kein Spiel mehr und setzte sich durch ein 3:0 in Burghausen am 17. Spieltag in der oberen Tabellenhälfte fest - doch der Abstand zum Dritten, der Spvgg Fürth, betrug immer noch acht Punkte.Während in der Winterpause Stürmer Nico Frommer nach Oberhausen wechselte, verpflichtete die Eintracht neben Rückkehrer Jermaine Jones für relativ kleines Geld den hierzulande völlig unbekannten Mazedonier Aleks Vasoski - der in der Rückrunde den Defensivverband kompromisslos zusammen hielt. Spätestens nach der klasse Leistung gegen Podolski beim 1:0 gegen Köln, als der Kölner Jungstar nach 66 Minuten entnervt ausgewechselt wurde, hatte sich Vasoski in die Herzen der Fans gespielt. Doch so richtig kam das Team nicht vom Fleck; knappen Heimsiegen folgten Auswärtsniederlagen und nach der Niederlage in Dresden betrug der Rückstand auf einen Aufstiegsplatz immer noch neun Punkte. Glücklich die Umstände, dass die zuvor besser platzierten Teams der Spvgg Greuther Fürth aber auch Alemannia Aachen kaum noch punkten konnten, während sich die schwach gestarteten Löwen aus München ähnlich wie die Eintracht stabilisierten und zum großen Konkurrenten um den Aufstieg entwickeln sollten. Die Eintracht robbte sich Punkt um Punkt an die Aufstiegsplätze heran, die Niederlage bei 1860 war dabei kein Beinbruch - nach der Niederlage in Ahlen jedoch erhielten die Aufstiegsträume einen merklichen Dämpfer, zumal noch drei Auswärtspartien im Osten der Republik anstanden.
Andree Wiedener konnte sich im Laufe der Saison gegen seinen Konkurrenten auf der linken Verteidigerseite, den jungen Reinhard durchsetzen und entwickelte sich zur großen Stütze - dies sei vor allem extremen Trainingseinsatz zu verdanken; so manches mal hatte sich Andree im Training dermaßen reingehängt, dass er für das Spiel eigentlich zu kaputt war.
Markus Pröll hingegen hatte sich in dieser Saison endgültig gegen Nikolov durchgesetzt und spielte eine nahezu fehlerfreie Runde. Zum vor entscheidenden Spieltag sollte sich der 29. entwickeln; die Eintracht musste in Aue antreten, während 1860 gegen Saarbrücken schon drei Punkte eingeplant hatte. Nach zwei Minuten lag die Eintracht durch Köhler in Führung, um mit dem Pausenpfiff das zweite Tor zu erzielen - doch da stand Alex Schur schon nicht mehr auf dem Platz; ohne Einwirkung des Gegners hatte er sich das Kreuzband gerissen - und so war wieder einmal ein Kapitän der Eintracht außer Gefecht gesetzt; wie zuvor schon Jürgen Grabowski oder Ralf Weber brachte die Binde auch ihm kein Glück. Die Eintracht aber ließ sich nicht aus dem Konzept bringen und besiegte Aue mit 5:0. Da Fürth gegen Duisburg nicht über ein 0:0 hinaus kam und auch 1860 in letzter Sekunde durch den ehemaligen Frankfurter Örtülü den Ausgleich hinnehmen musste, sprang die Eintracht erstmalig auf einen Aufstiegsplatz - den sie bis zum Saisonfinale nicht mehr abgeben sollte. Hätte Aue die Partie gewonnen, hätten sie um den Aufstieg selbst mitgespielt. Auch Fürth verabschiedete sich vorzeitig aus dem Rennen und kam es am letzten Spieltag zum Fernduell zwischen der Eintracht, die im fast fertig gestellten neuen Stadion gegen Burghausen antreten musste und 1860 München, die im eigenen Stadion auf Ahlen trafen, die noch um den Klassenerhalt kämpften. Da die Eintracht mit einem Punkt Vorsprung ins Finale ging, war ein Sieg gleichbedeutend mit dem Aufstieg. Nach zwölf Minuten lagen die Sechzger zwar gegen Ahlen in Front, doch nur vier Minuten später erzielte Köhler die Führung für die Eintracht, die während des gesamten Spiels nicht in die Gefahr einer Niederlage geriet und am Ende mit einem ungefährdeten 3:0 den Aufstieg perfekt machte. Augenzeuge war übrigens Marko Marin, der bei diesem Spiel Balljunge war. Da zudem Ahlen in München mit 4:3 gesiegt hatte und den Klassenerhalt feiern konnte, hätte in Frankfurt alles so schön sein können, wenn - ja wenn die Polizei nicht den Fan-Block gestürmt hätte. Alex Schur und auch Stefan Lexa versuchten zwar am Zaun, das Schlimmste zu verhindern, doch die Stimmung war angekratzt. Auch ein wenig bei Torben Hoffmann, hatte er zuvor doch einen neuen Vertrag bei 1860 München unterschrieben - und blieb somit in der zweiten Liga.Waren die Feierlichkeiten der Fans nach Spielende am Römer trotz einsetzendem Regen noch recht ausgelassen (Ein von Frank Wagner eingespielter Film zeigte im Museum neben Spielszenen und den Feierlichkeiten auf dem Rasen auch Szenen vom Römerbalkon, in denen Alex Schur als auch Du-Ri Cha ihr Gesangstalent zum Besten gaben) so eskalierte die Situation in Alt-Sachsenhausen dann vollends. Obgleich kaum Gästefans anwesend waren und die wenigen mit den Eintrachtlern feiern wollten, sperrte die Polizei das ganze Viertel ab und prügelte auf feiernde Fans ein. Es war ein trauriger Abschluss eines tollen Tages.
Zu diesem Zeitpunkt war der Vetrag mit Andree Wiedener noch nicht verlängert; er blieb als Stand-By-Profi noch für ein Jahr bei der Eintracht; sein Nachfolger wurde Christoph Spycher, der in den kommenden fünf Jahren die linke Seite bespielte. Heute besitzt der ehemalige Bremer Wiedener ein Sportgeschäft in Darmstadt Griesheim und schnürt für die Traditionsmannschaft der Eintracht noch von Zeit zu Zeit die Kickschuhe.
Für Alex Schur bedeutete der Kreuzbandriss aus dem Aue-Spiel quasi das Karriereende. Da er zuvor die notwendigen 20 Spiele absolviert hatte, verlängerte sich sein Kontrakt um ein Jahr und er konnte sich auf die Zeit nach dem Profifußball vorbereiten. Alex absolvierte im folgenden Bundesligajahr nach ausgeheilter Verletzung noch einige Einsätze bei der U23 in der Oberliga und wurde von Trainer Funkel in den letzten beiden Spielen der Saison 2005/06 für einige Minuten in der Bundesliga eingewechselt, um sich von den Fans zu verabschieden. Heute trainiert er erfolgreich die U17 der Eintracht und wurde im Sommer mit seiner Mannschaft sogar Deutscher Meister.
Markus Pröll kämpfte bis zur Saison 2009/10 mit Oka Nikolov um den Stammplatz im Tor der Eintracht. Mehrere Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück und er erhielt nach Ablauf der Saison 2009/10 keinen neuen Vertrag mehr in Frankfurt; obgleich er vielleicht der beste der drei Torhüter war. Die Verletzungsanfälligkeit aber auch die Gehaltswünsche und die ein oder andere unglückliche Aussage führten dazu, dass er die Eintracht verlassen musste. Heute trainiert er bei Bayer Leverkusen II und hofft auf ein vernünftiges Angebot; Offerten aus der Türkei, Griechenland und auch aus Osteuropa hatte er abgelehnt, um nicht aus dem Fokus zu geraten. Markus ist mit 31 Jahren noch ein verhältnismäßig junger Torhüter und er brennt noch; für ihn ist es keine Option bspw. wie Lutz Pfannenstiel als Weltenbummler unterwegs zu sein. Das Geschäft ist schnelllebig, die Konkurrenz groß, so teilt er sein Schicksal derzeit mit Michael Rensing oder seinem ehemaligen Kollegen Stefan Wessels, die gleichfalls derzeit vereinslos sind - und auf den einen Anruf hoffen, der alles verändern kann. Zu wünschen wäre es ihm.Und so endete der Abend mit Autogrammen und Fotos und der Gewissheit, dass es immer etwas Besonderes ist, einen Abend im Rahmen der Tradition zum Anfassen im Museum der Eintracht zu erleben. Für die Spieler, für die Zuschauer - aber auch für mich, der sich ganz herzlich bei allen Anwesenden bedankt.

Fotos: Steffen Ewald, Pia Geiger
Mittwoch, 15. September 2010
Tradition zum Anfassen „Fünf Jahre Liga Eins“
Am 22. Mai 2005 war es vollbracht: Mit einem vielumjubelten 3:0 über Wacker Burghausen verabschiedete sich Eintracht Frankfurt aus der Zweiten Fußball-Bundesliga. Ein bewegtes Jahrzehnt lag hinter dem Verein, der seit seiner Gründung 97 Jahre lang ununterbrochen erstklassig Fußball gespielt hatte. Doch mit dem ersten Abstieg 1996 begann ein Jahrzehnt im Fahrstuhl; sechs Mal wechselte man die Spielklasse.
Heute hat es den Anschein, als habe die Diva an jenem 22. Mai 2005 endgültig den Fahrstuhl verlassen. Die Eintracht gilt als etablierter Erstligist, dessen Klassenerhalt allenfalls in einem richtigen Seuchenjahr noch einmal in Gefahr geraten könnte.
Dabei hat es zu Beginn der letzten Aufstiegssaison gar nicht so großartig ausgesehen. Nachdem die Eintracht im Sommer 2004 zum dritten Mal den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten musste, war die Unsicherheit im Umfeld groß. Auf die Entlassung von Willi Reimann folgten Vertragsverhandlungen mit Ralf Rangnick, der nach dem Scheitern behauptete, der Kader sei nicht stark genug für den direkten Wiederaufstieg. So verpflichtete die Eintracht mit Friedhelm Funkel einen Aufstiegsexperten, der für den zurückkehrenden Erfolg sorgen sollte.
Bis zum Frühjahr 2005 sah es lange Zeit nicht nach einem direkten Wiederaufstieg aus. Zur Winterpause hatte man acht Punkte Rückstand auf Platz 3, und nach der 2:3-Niederlage beim Tabellensiebzehnten LR Ahlen am 27. Spieltag belegte die Eintracht Anfang April gerade mal Platz Sieben. Doch dann gab es vier Siege in Folge, unter anderem das unvergessene 5:0 in Aue. Und am 22. Mai bebte die Baustelle des Waldstadions, als 42.500 Fans mit dem 3:0 gegen Wacker Burghausen dann doch die erhoffte Rückkehr ins Oberhaus feierten.
Im Teil 13 der Veranstaltungsreihe „Tradition zum Anfassen“ blicken wir zurück auf ein Jahr in den Niederungen des Zweitligafußballs und erinnern uns an Auswärtsfahrten nach Essen, Oberhausen, Saarbrücken und Greuther Fürth. Wir blicken auf die Entwicklung, die die Eintracht in den letzten fünf Jahren genommen hat. Auf den Tag genau 1943 Tage nach dem Aufstieg freuen wir uns im Museum mit Andree Wiedener, Markus Pröll, Alexander Schur und Daniyel Cimen vier Aufstiegshelden begrüßen zu dürfen. Und die haben sicher einiges zu berichten.
DONNERSTAG, 16. SEPTEMBER 2010
19.30 UHR
EINTRACHT FRANKFURT MUSEUM
EINTRITT FREI
Heute hat es den Anschein, als habe die Diva an jenem 22. Mai 2005 endgültig den Fahrstuhl verlassen. Die Eintracht gilt als etablierter Erstligist, dessen Klassenerhalt allenfalls in einem richtigen Seuchenjahr noch einmal in Gefahr geraten könnte.
Dabei hat es zu Beginn der letzten Aufstiegssaison gar nicht so großartig ausgesehen. Nachdem die Eintracht im Sommer 2004 zum dritten Mal den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten musste, war die Unsicherheit im Umfeld groß. Auf die Entlassung von Willi Reimann folgten Vertragsverhandlungen mit Ralf Rangnick, der nach dem Scheitern behauptete, der Kader sei nicht stark genug für den direkten Wiederaufstieg. So verpflichtete die Eintracht mit Friedhelm Funkel einen Aufstiegsexperten, der für den zurückkehrenden Erfolg sorgen sollte.
Bis zum Frühjahr 2005 sah es lange Zeit nicht nach einem direkten Wiederaufstieg aus. Zur Winterpause hatte man acht Punkte Rückstand auf Platz 3, und nach der 2:3-Niederlage beim Tabellensiebzehnten LR Ahlen am 27. Spieltag belegte die Eintracht Anfang April gerade mal Platz Sieben. Doch dann gab es vier Siege in Folge, unter anderem das unvergessene 5:0 in Aue. Und am 22. Mai bebte die Baustelle des Waldstadions, als 42.500 Fans mit dem 3:0 gegen Wacker Burghausen dann doch die erhoffte Rückkehr ins Oberhaus feierten.
Im Teil 13 der Veranstaltungsreihe „Tradition zum Anfassen“ blicken wir zurück auf ein Jahr in den Niederungen des Zweitligafußballs und erinnern uns an Auswärtsfahrten nach Essen, Oberhausen, Saarbrücken und Greuther Fürth. Wir blicken auf die Entwicklung, die die Eintracht in den letzten fünf Jahren genommen hat. Auf den Tag genau 1943 Tage nach dem Aufstieg freuen wir uns im Museum mit Andree Wiedener, Markus Pröll, Alexander Schur und Daniyel Cimen vier Aufstiegshelden begrüßen zu dürfen. Und die haben sicher einiges zu berichten.
DONNERSTAG, 16. SEPTEMBER 2010
19.30 UHR
EINTRACHT FRANKFURT MUSEUM
EINTRITT FREI
Montag, 13. September 2010
Heimspiel in Gladbach
Fünf endlose Monate lang, was in diesem Falle ob der Sommerpause sieben Punktspiele in Folge bedeutet, war die Eintracht ohne Sieg. Begonnen hat der fußballerische Ramadan in Mönchengladbach, just als die Riederwälder nach den Sternen, sprich internationalen Plätzen, greifen konnten. Und nun also wieder Gladbach, jenes Team, welches am letzten Spieltag in Leverkusen mit 6:3 triumphierte - gegen die wiederum die Eintracht den letzten Sieg im März eingefahren hatte.
Alles hat ein Ende, nur der Tod nicht. Glaub ich und so war ich eigentlich guten Mutes obgleich ein Gutteil der Eintrachtfans nach den beiden Auftaktniederlagen eigentlich der Überzeugung war, dass wir haltlos Richtung Abstieg taumeln. Nuja, entschieden wird eine Saison nach dem letzten Spieltag und so waren wir sicher, dass auch heute nichts definitiv geklärt würde.
Bei strahlendem Sonnenschein treffen wir uns unten an der Günthersburgallee; Pia, Christian, Tanja, ich sowie der silberne Golf samt Eintrachtbadeente; der Badeadler dient ja höchstens als Mitbringsel für jene, die schon alles haben und bleibt zunächst im Fanshop. Für Tanja sollte es das erste Fußballspiel überhaupt werden und so versucht Christian ihr während der Fahrt beizubringen, dass ein Großteil der Zeit aus Leiden besteht, aus vergorenen Hoffnungen und trotziger Zuversicht und das Spiel ja nicht alles sei, da der Erlebnisfaktor "Auswärts" gleichwohl seinen Teil zu einem gelungenem Tag beiträgt.
Nach einem kurzen Stopp an der Tanke rollen wir auf die A66, die Uhr zeigt halbelf; Deutschland geht einkaufen und wir lauschen dem Rauschen der Motoren, derweil Arcade Fire, Iron Maiden oder Michael Holm für kurzweilige Unterhaltung sorgen; großartig auch die deutsche Version des Hermans Hermits Klassikers No milk today von den Four Kings; betitelt: Brötchen und Milch.
Derart beschwingt sausen wir über die A3 an Köln vorbei, überqueren den Rhein, folgen der A4 und sehen die Fabrik, in der Wolken gemacht werden, um dann auf der A61 in Mönchengladbach Holt die Autobahn zu verlassen. Erstaunlicherweise staut sich dort der Verkehr nicht in Richtung Stadion, sondern in Richtung Stadtmitte - und da wir etwas entfernt vom Stadion parken wollen, reihen wir uns brav ein. Nach ein paar Metern wird der Grund ersichtlich - eine Baustelle versperrt den klaren Weg, so parken wir den Golf am Straßenrand (völlig legal) mopsen uns einen Apfel und eine Brombeere und spazieren unter der lachenden Sonne durch eine Stadt, die ich ohne Fußball wohl nicht kennen würde.
Beim örtlichen Altbierhändler besorgen wir uns Wegzehrung und staunen über die hiesigen Bräuche; ein Zettel am Kiosk verkündet, dass gebrauchte Zeitungen nicht mehr umgetauscht werden können - auf Nachfrage erklärt der Verkäufer, dass es eine zeitlang Usus war, abgelaufene Fernsehzeitungen mit dem Argument hab nicht aufs Datum geachtet gegen eine aktuelle tauschen zu wollen. Sachen gibt's.
Fröhlich wandern wir an Peter Fischers Bäckerei vorbei und reihen uns in den Strom einlaufender Gladbachfans ein. Borussenfähnchen flattern an den Häusern, an einer Eckkneipe stehen ein paar Frankfurter und Gladbacher zusammen, trinken Bier - im Zweifel Kölsch.
Wir marschieren über die Autobahnbrücke, passieren den Friedhof mit angrenzender Totenhalle; dahinter ragen Flutlichtmasten in die Höhe; sie beleuchten wenn nötig das Hockeystadion, das unsere nächste Station ist. Grüner Kunstrasen umrandet von schwimmbadblauem Kunstrasen liegt torlos auf dem Boden, auf buntbestuhlten Rängen genießen wir die Sonne, bis wir nach einem Rundgang bei einem Supermarkt landen und Nachschub ordern; Astra und Brause - es ist ein schöner Tag irgendwo in Deutschland. Der Supermarkt liegt übrigens in der Helmut-Grashoff-Straße, benannt nach dem ehemaligen Manager der Borussia; in Frankfurt ist keine einzige Straße nach einem Eintrachtler benannt, sieht man einmal von der Rohrbachstraße und der Schaubstraße ab, deren Namen allerdings ursprünglich nicht mit den Kickern zu tun haben. Noch nicht einmal eine Alfred-Pfaff-Allee gibt es hier. Eine Schande.
Wir bewegen uns allmählich Richtung Fußballstadion, die Parkplätze sind voll, die Gladbacher tragen Trikots, auf denen entweder Marvin oder Marin steht und so langsam kommt mir das Spiel in den Sinn. Eigentlich erwarte ich nichts, noch nicht einmal schlechte Laune. Der Einlass geht flott, ich gehe ungehindert zwischen den Ordnern hindurch und treffe wie stets auf jede Menge Leute, wir quatschen über die Aussichten, über die Anfahrt und mit Max über unterschiedliche Ansichten über die ein oder andere Aktion. Dabei saust die Zeit voran und ich kämpfe mich händeschüttelnd durch den Block zu meinen Begleitern. Es sind ne ganze Menge Frankfurter im Block, hier klopft mir Cino auf die Schulter, dort stehen die Geiselgängster, da die Sossenheimer; überall ein großes Hallo, bis ich Pia, Christian und Tanja erreiche; Marc steht dabei; jetzt kann's los gehen - und es geht los. Die Eintracht in Schwarz-Rot mit Nikolov im Tor und Altintop samt Gekas vorne; Gladbach in weiß - und schon nach wenigen Minuten mit dem Rücken anderwand.
Es ist Bewegung im Spiel; Tzavellas verteidigt links hinten gegen Idrissou, Köhler diesmal wieder weiter vorne - und nach 24 Minuten ganz weit vorne: einen von Bailly abgewehrten Kopfball schiebt unsere Nummer 7 überlegt zur Führung ins Netz. Na also, geht doch. Der Block raucht vor Freude, doch nicht allzulange; keine zehn Minuten später hat Idrissou gegen Nikolov den Ausgleich erzielt - denken alle. Doch Schiri Drees entscheidet auf Foul und annulliert den Treffer, das hat er fein gemacht. Denkt sich Oka.
Als dann noch vor der Pause Alex Meier einen schon fast verlorenen Ball von Torhüter Bailly erobert und ihn keck nach innen spielt, woraufhin Gekas recht mühelos das 0:2 erzielt, hat die Eintracht geschafft, was ihr in Hannover nicht gelungen war: einen schönen Vorsprung auf Grund überlegener Spielweise. Aber wir haben vor gar nicht allzulanger Zeit hier völlig verdient mit 2:0 geführt - um am Ende mit 3:4 die Segel zu streichen. Obacht also. Bitte kein Döppdöppdöppdödödöppdöppdöpp. Selbst das 3:0 nach der Pause durch einen fabelhaften Treffer des agilen Ochs nach einem tollen Pass von Schwegler lässt mich zwar ungläubig die Fäuste nach oben reißen - aber keineswegs an sichere drei Punkte denken. Pia hingegen bläst Luftballon um Luftballon auf und schickt den Adler auf die Reise; wenn er weiter in der Luft gehalten wird, freuen wir uns.
Gladbach hätte in diesem Spiel noch Stunden spielen können, es gelang nichts zwingendes, während die Eintracht durch eine fabelhafte Aktion und sauberem Zuspiel von Altintop auf Gekas noch den vierten Treffer erzielt. Der Block grinst und hüpft und freut sich - und dann kam Martins großer Einsatz: Hallo Gladbach, hallo Gladbach wisst ihr noch, wisst ihr noch, könnt ihr euch erinnern ruft er durchs Megafon- und keiner weiß, was jetzt kommen soll. Doch die gedanklichen Fragezeichen zerrinnen zu Staub als die Antwort kommt: Döppdöppdöppdödödöppdöppdöpp. Fangesänge können schön sein.
0:4 zeigt die Anzeigetafel auch nach Spielende. Wir feiern die Mannschaft, die sich allerdings alsbald verkrümeln will und wieder zurück geholt wird und bleiben, bis sich das Stadion fast ganz geleert hat. Und wir sollten belohnt werden, ein Flitzer eilt über den Rasen macht ein paar Faxen, wird von einem Ordner eingeholt, büxt wieder aus und sorgt für Gelächter. Hoffentlich passiert dem Kerl nichts. Jünter, dass Gladbacher Maskottchen trottet bedröppelt über den Rasen. Geil, 4:0 in Gladbach - das bringt Ruhe; zumindest bis zum nächsten Spiel. Aber heute ist heute, morgen ist ein andrer Tag. Und so verlassen wir gemächlich den Block und wandern durch den Gladbacher Spätsommerabend. Erbarme, zu spät: die Hesse komme.
Vor einer Wirtschaft parkt ein Reisebus der Odenwälder Fohlen, im Biergarten ist noch Platz und so entern wir den Laden, in dem DJ Norbert später für DJ-Norbertige Musik sorgen wird und stärken uns für die kommende Heimfahrt, während wir Tanja erklären, dass das heutige Spiel keineswegs das angekündigte Leiden bedeutet. Glaub ja nicht, dass das immer so ist. So recht will uns nicht einfallen, wann die Eintracht zum letzten Mal ein Punktspiel in der Bundesliga auswärts mit vier Toren Unterschied gewonnen hat, die Erinnerung trägt uns zum Beginn der 90er, aber so ganz genau wissen wir das nicht mehr. Aue war Zweite Liga. Christian murmelt was von einem 4:0 in Gladbach, das lassen wir mal so stehen.
Die Odenwälder Fohlen verlassen die Wirtschaft, wir folgen ihnen alsbald und wundern uns, dass auf dem Weg zum Auto echter Hopfen am Straßenrand wächst. Bald sitzen wir wieder im silbernen Golf, der uns so brav durch die Republik kutschiert und tuckern nach wenigen Metern wieder auf die Autobahn. Im Westen versinkt die Sonne, zaubert einen malerischen Himmel zur anbrechenden Nacht und während der leider im Januar verstorbenen Alistair Hulett uns musikalisch daran erinnert, dass immer mehr die einstigen ärmeren Stadtteile in Yuppietown verwandelt werden, spulen wir unspektakulär Kilometer um Kilometer ab. Als wir Hessen erreichen stellen wir fest, dass das jahrzehntelang warnende Schild mit der auffälligen Katze am Elzer Berg verschwunden ist, geahnt haben wir es ja schon länger, doch diesmal haben wir genau darauf geachtet. Wir fahren dennoch langsam, sehen rechts den Limburger Dom, geradeaus Frankfurt und genau dort landen wir nach etwas mehr als zwei Stunden. Nach dem Abschied von Christian und Tanja und rechtzeitig zum Sportstudio rollen wir wieder im Nordend ein, während draußen im Stadion Wladimir Klitschko gerade den Samuel Peter verprügelt; hoffentlich ist der Rasen bis zum nächsten Spiel gegen Freiburg wieder fit.
Drei Punkte hat die Eintracht nun auf dem Konto; 50 sollen es werden - was im End aber auch niemanden mehr interessieren wird. Egal ob es so kommt oder auch nicht. Während in den letzten Wochen Gekas quasi schon als Fehleinkauf klassifiziert wurde, so dürfte nun Amanatidis der nächste Sündenbock sein, der verletzungsbedingt ausfiel und sich jetzt erstmal wieder ins Team kämpfen muss. Wie auch immer, ein 4:0 in Gladbach fühlt sich geil an. Und hier könnt ihr mehr über den sportlichen Aspekt nachlesen. Auswärtssieg!

Alles hat ein Ende, nur der Tod nicht. Glaub ich und so war ich eigentlich guten Mutes obgleich ein Gutteil der Eintrachtfans nach den beiden Auftaktniederlagen eigentlich der Überzeugung war, dass wir haltlos Richtung Abstieg taumeln. Nuja, entschieden wird eine Saison nach dem letzten Spieltag und so waren wir sicher, dass auch heute nichts definitiv geklärt würde.
Bei strahlendem Sonnenschein treffen wir uns unten an der Günthersburgallee; Pia, Christian, Tanja, ich sowie der silberne Golf samt Eintrachtbadeente; der Badeadler dient ja höchstens als Mitbringsel für jene, die schon alles haben und bleibt zunächst im Fanshop. Für Tanja sollte es das erste Fußballspiel überhaupt werden und so versucht Christian ihr während der Fahrt beizubringen, dass ein Großteil der Zeit aus Leiden besteht, aus vergorenen Hoffnungen und trotziger Zuversicht und das Spiel ja nicht alles sei, da der Erlebnisfaktor "Auswärts" gleichwohl seinen Teil zu einem gelungenem Tag beiträgt.
Nach einem kurzen Stopp an der Tanke rollen wir auf die A66, die Uhr zeigt halbelf; Deutschland geht einkaufen und wir lauschen dem Rauschen der Motoren, derweil Arcade Fire, Iron Maiden oder Michael Holm für kurzweilige Unterhaltung sorgen; großartig auch die deutsche Version des Hermans Hermits Klassikers No milk today von den Four Kings; betitelt: Brötchen und Milch.
Derart beschwingt sausen wir über die A3 an Köln vorbei, überqueren den Rhein, folgen der A4 und sehen die Fabrik, in der Wolken gemacht werden, um dann auf der A61 in Mönchengladbach Holt die Autobahn zu verlassen. Erstaunlicherweise staut sich dort der Verkehr nicht in Richtung Stadion, sondern in Richtung Stadtmitte - und da wir etwas entfernt vom Stadion parken wollen, reihen wir uns brav ein. Nach ein paar Metern wird der Grund ersichtlich - eine Baustelle versperrt den klaren Weg, so parken wir den Golf am Straßenrand (völlig legal) mopsen uns einen Apfel und eine Brombeere und spazieren unter der lachenden Sonne durch eine Stadt, die ich ohne Fußball wohl nicht kennen würde.
Beim örtlichen Altbierhändler besorgen wir uns Wegzehrung und staunen über die hiesigen Bräuche; ein Zettel am Kiosk verkündet, dass gebrauchte Zeitungen nicht mehr umgetauscht werden können - auf Nachfrage erklärt der Verkäufer, dass es eine zeitlang Usus war, abgelaufene Fernsehzeitungen mit dem Argument hab nicht aufs Datum geachtet gegen eine aktuelle tauschen zu wollen. Sachen gibt's.Fröhlich wandern wir an Peter Fischers Bäckerei vorbei und reihen uns in den Strom einlaufender Gladbachfans ein. Borussenfähnchen flattern an den Häusern, an einer Eckkneipe stehen ein paar Frankfurter und Gladbacher zusammen, trinken Bier - im Zweifel Kölsch.
Wir marschieren über die Autobahnbrücke, passieren den Friedhof mit angrenzender Totenhalle; dahinter ragen Flutlichtmasten in die Höhe; sie beleuchten wenn nötig das Hockeystadion, das unsere nächste Station ist. Grüner Kunstrasen umrandet von schwimmbadblauem Kunstrasen liegt torlos auf dem Boden, auf buntbestuhlten Rängen genießen wir die Sonne, bis wir nach einem Rundgang bei einem Supermarkt landen und Nachschub ordern; Astra und Brause - es ist ein schöner Tag irgendwo in Deutschland. Der Supermarkt liegt übrigens in der Helmut-Grashoff-Straße, benannt nach dem ehemaligen Manager der Borussia; in Frankfurt ist keine einzige Straße nach einem Eintrachtler benannt, sieht man einmal von der Rohrbachstraße und der Schaubstraße ab, deren Namen allerdings ursprünglich nicht mit den Kickern zu tun haben. Noch nicht einmal eine Alfred-Pfaff-Allee gibt es hier. Eine Schande.Wir bewegen uns allmählich Richtung Fußballstadion, die Parkplätze sind voll, die Gladbacher tragen Trikots, auf denen entweder Marvin oder Marin steht und so langsam kommt mir das Spiel in den Sinn. Eigentlich erwarte ich nichts, noch nicht einmal schlechte Laune. Der Einlass geht flott, ich gehe ungehindert zwischen den Ordnern hindurch und treffe wie stets auf jede Menge Leute, wir quatschen über die Aussichten, über die Anfahrt und mit Max über unterschiedliche Ansichten über die ein oder andere Aktion. Dabei saust die Zeit voran und ich kämpfe mich händeschüttelnd durch den Block zu meinen Begleitern. Es sind ne ganze Menge Frankfurter im Block, hier klopft mir Cino auf die Schulter, dort stehen die Geiselgängster, da die Sossenheimer; überall ein großes Hallo, bis ich Pia, Christian und Tanja erreiche; Marc steht dabei; jetzt kann's los gehen - und es geht los. Die Eintracht in Schwarz-Rot mit Nikolov im Tor und Altintop samt Gekas vorne; Gladbach in weiß - und schon nach wenigen Minuten mit dem Rücken anderwand.
Es ist Bewegung im Spiel; Tzavellas verteidigt links hinten gegen Idrissou, Köhler diesmal wieder weiter vorne - und nach 24 Minuten ganz weit vorne: einen von Bailly abgewehrten Kopfball schiebt unsere Nummer 7 überlegt zur Führung ins Netz. Na also, geht doch. Der Block raucht vor Freude, doch nicht allzulange; keine zehn Minuten später hat Idrissou gegen Nikolov den Ausgleich erzielt - denken alle. Doch Schiri Drees entscheidet auf Foul und annulliert den Treffer, das hat er fein gemacht. Denkt sich Oka.Als dann noch vor der Pause Alex Meier einen schon fast verlorenen Ball von Torhüter Bailly erobert und ihn keck nach innen spielt, woraufhin Gekas recht mühelos das 0:2 erzielt, hat die Eintracht geschafft, was ihr in Hannover nicht gelungen war: einen schönen Vorsprung auf Grund überlegener Spielweise. Aber wir haben vor gar nicht allzulanger Zeit hier völlig verdient mit 2:0 geführt - um am Ende mit 3:4 die Segel zu streichen. Obacht also. Bitte kein Döppdöppdöppdödödöppdöppdöpp. Selbst das 3:0 nach der Pause durch einen fabelhaften Treffer des agilen Ochs nach einem tollen Pass von Schwegler lässt mich zwar ungläubig die Fäuste nach oben reißen - aber keineswegs an sichere drei Punkte denken. Pia hingegen bläst Luftballon um Luftballon auf und schickt den Adler auf die Reise; wenn er weiter in der Luft gehalten wird, freuen wir uns.
Gladbach hätte in diesem Spiel noch Stunden spielen können, es gelang nichts zwingendes, während die Eintracht durch eine fabelhafte Aktion und sauberem Zuspiel von Altintop auf Gekas noch den vierten Treffer erzielt. Der Block grinst und hüpft und freut sich - und dann kam Martins großer Einsatz: Hallo Gladbach, hallo Gladbach wisst ihr noch, wisst ihr noch, könnt ihr euch erinnern ruft er durchs Megafon- und keiner weiß, was jetzt kommen soll. Doch die gedanklichen Fragezeichen zerrinnen zu Staub als die Antwort kommt: Döppdöppdöppdödödöppdöppdöpp. Fangesänge können schön sein.0:4 zeigt die Anzeigetafel auch nach Spielende. Wir feiern die Mannschaft, die sich allerdings alsbald verkrümeln will und wieder zurück geholt wird und bleiben, bis sich das Stadion fast ganz geleert hat. Und wir sollten belohnt werden, ein Flitzer eilt über den Rasen macht ein paar Faxen, wird von einem Ordner eingeholt, büxt wieder aus und sorgt für Gelächter. Hoffentlich passiert dem Kerl nichts. Jünter, dass Gladbacher Maskottchen trottet bedröppelt über den Rasen. Geil, 4:0 in Gladbach - das bringt Ruhe; zumindest bis zum nächsten Spiel. Aber heute ist heute, morgen ist ein andrer Tag. Und so verlassen wir gemächlich den Block und wandern durch den Gladbacher Spätsommerabend. Erbarme, zu spät: die Hesse komme.
Vor einer Wirtschaft parkt ein Reisebus der Odenwälder Fohlen, im Biergarten ist noch Platz und so entern wir den Laden, in dem DJ Norbert später für DJ-Norbertige Musik sorgen wird und stärken uns für die kommende Heimfahrt, während wir Tanja erklären, dass das heutige Spiel keineswegs das angekündigte Leiden bedeutet. Glaub ja nicht, dass das immer so ist. So recht will uns nicht einfallen, wann die Eintracht zum letzten Mal ein Punktspiel in der Bundesliga auswärts mit vier Toren Unterschied gewonnen hat, die Erinnerung trägt uns zum Beginn der 90er, aber so ganz genau wissen wir das nicht mehr. Aue war Zweite Liga. Christian murmelt was von einem 4:0 in Gladbach, das lassen wir mal so stehen.Die Odenwälder Fohlen verlassen die Wirtschaft, wir folgen ihnen alsbald und wundern uns, dass auf dem Weg zum Auto echter Hopfen am Straßenrand wächst. Bald sitzen wir wieder im silbernen Golf, der uns so brav durch die Republik kutschiert und tuckern nach wenigen Metern wieder auf die Autobahn. Im Westen versinkt die Sonne, zaubert einen malerischen Himmel zur anbrechenden Nacht und während der leider im Januar verstorbenen Alistair Hulett uns musikalisch daran erinnert, dass immer mehr die einstigen ärmeren Stadtteile in Yuppietown verwandelt werden, spulen wir unspektakulär Kilometer um Kilometer ab. Als wir Hessen erreichen stellen wir fest, dass das jahrzehntelang warnende Schild mit der auffälligen Katze am Elzer Berg verschwunden ist, geahnt haben wir es ja schon länger, doch diesmal haben wir genau darauf geachtet. Wir fahren dennoch langsam, sehen rechts den Limburger Dom, geradeaus Frankfurt und genau dort landen wir nach etwas mehr als zwei Stunden. Nach dem Abschied von Christian und Tanja und rechtzeitig zum Sportstudio rollen wir wieder im Nordend ein, während draußen im Stadion Wladimir Klitschko gerade den Samuel Peter verprügelt; hoffentlich ist der Rasen bis zum nächsten Spiel gegen Freiburg wieder fit.
Drei Punkte hat die Eintracht nun auf dem Konto; 50 sollen es werden - was im End aber auch niemanden mehr interessieren wird. Egal ob es so kommt oder auch nicht. Während in den letzten Wochen Gekas quasi schon als Fehleinkauf klassifiziert wurde, so dürfte nun Amanatidis der nächste Sündenbock sein, der verletzungsbedingt ausfiel und sich jetzt erstmal wieder ins Team kämpfen muss. Wie auch immer, ein 4:0 in Gladbach fühlt sich geil an. Und hier könnt ihr mehr über den sportlichen Aspekt nachlesen. Auswärtssieg!

Sonntag, 5. September 2010
Heimspiel in Würges
Der Sommer neigt sich dem Ende zu; bald verlieren die Bäume erst die Äpfel dann die Blätter und dann stehen wir wieder da und frieren. Also nutzen wir die schönen Tage, werfen uns in den silbernen Golf und machen uns mit den Klängen von den Männern, die sie nicht hängen können auf in den Taunus. Devil on the wind. Wir fahren gemächlich hinter Oberursel hinauf Richtung Feldberg; Kreuze am Straßenrand erinnern uns an die Vergänglichkeit alles Irdischen, ein
Holztransporter quält sich den Berg hoch und in Oberreifenberg trete ich abrupt auf die Bremse; hinter einem kaum wahrnehmbaren Ortsschild folgt nach wenigen Metern eine Batterie von modernen Blitzanlagen - das geht gerade nochmal gut. Im Ort ist es ruhig, ein Mann mit Bart hängt am Kreuze, gezeichnet vom Leid, dass er auf sich geladen hat - und wir sprechen hier nicht über unseren ehemaligen Kapitän. Wir parken den Golf vorschriftsgemäß, man weiß ja nie, und schlendern hinauf zur Ruine, die mächtig über dem Ort thront. Leider ist der Aufgang verschlossen, so dass wir am Fuße ein paar Fotos schießen, rüber zum Feldberg blicken und nach einer Weile zurück zum Auto marschieren.
Über die B8 rollen wir durch den sonnigen Tag und eh wir zwei Mal geblinzelt, sind wir schon in Würges, einem Stadtteil von Bad Camberg. Der Sportplatz ist ordentlich beschildert und wir parken auf einem kleinem Parkplatz hinter dem Trainingsplatz. Wir sind früh dran, kurz nach unserer Ankunft beginnt die freiwillige Feuerwehr den ankommenden Verkehr zu leiten. Am Kassenhäuschen besorgen wir uns zunächst zwei Eintrittkarten - man weiß ja nie -, dazu bekommen wir zwei Programmhefte geschenkt und machen uns zu Fuß auf, den Ort zu erkunden. Mittlerweile sind schon etliche Eintrachtfans unterwegs, der Nachwuchs wie der Herr Papa im Eintrachttrikot; wir entdecken eine schöne Kirche, eine Straße mit seltsamen Namen - nur was wir nicht entdecken ist ein Metzger - und dies ist bedauerlich, denn mein Magen hängt in den Kniekehlen. Aber eines tröstet uns: spätestens im Stadion wird es eine Bratwurst geben.
Der Laden für Reitsportbedarf lässt uns kalt, wir wandern zurück zum Stadion Goldener Grund, wo der Eintrachtbus mit herabhängenden Ästen zu kämpfen hat, lassen unsere Tickets entwerten und treffen auf Daniel, der sich mit einem Kumpel gleichfalls auf die Reise in die Provinz aufgemacht hatte. Die Bratwurst ist aller Ehren wert, der Becher Spezi desgleichen und derart gestärkt schauen wir uns um.
Der Sportplatz verdient diesen Namen allemal, die Haupttribüne besteht aus einem eigenhändig gebauten schmucken Holzbau, der durch ein erhöhtes Stadionsprecherhäuschen begrenzt wird, woran eine Oldschoolanzeigentafel angebracht ist. Obenauf thront ein Wetterhahn - und auch eine Schiffsglocke befindet sich darin, wie mir ein freundlicher Ordner erklärt. Mitgebracht haben diese die Würgesener von einem Pokalspiel in Bremerhaven, welches zu Beginn der Achtziger dort erfolgreich absolviert wurde. Stolz erklärt der Mann auch, dass das Stadion dem Verein gehöre, der heuer 90 Jahre alt wird - und gemeinsam mit der Eintracht nun diese stolze Jubiläum auch sportlich angeht.
Der RSV Würges spielt in der Hessenliga und hat sich nach anfänglichen Problem dort berappelt; einem 7:1 Auswärtssieg in Baunatal folgte am Mittwoch ein 2:0 gegen RW Darmstadt; der Höhepunkt des Vereinslebens liegt allerdings schon ein Weilchen zurück; 1987 unterlag der Rasensportverein im Pokal gegen Fortuna Düsseldorf mit 0:3; das Stadionmagazin weiß von Ausschreitungen alkoholisierter Fans der Fortuna zu berichten. Soweit wird es heute nicht kommen; zum einen sind wenig Düsseldorfer vor Ort, zum anderen pflegt der Nachwuchs ein inniges Verhältnis zu Limo und Cola.
Auf dem Platz machen sich die Mannschaften warm; aus den Boxen erklingen Eintrachtlieder und der Stadionsprecher schwäbelt munter vor sich hin. Eintrachttrainer Skibbe, der mit vierzehn Aktiven angereist ist, da sich die restlichen Eintrachtler entweder auf Länderspielreise oder in der Reha befinden, gibt ein Interview - die 40 Mitarbeiter des heutigen Sponsors klatschen sicherlich brav Beifall und ich hocke mich auf die Laufbahn, um vielleicht das ein oder andere Foto zu schießen. Alsbald laufen die Mannschaften ein; ausgerechnet Benni Köhler mit dem Größten der Einlaufkinder an der Hand. Oder umgekehrt. Anpfiff; Amanatidis zu Meier. Oder umgekehrt.
Die Eintracht beginnt mit Fährmann im Tor, als Verteidiger fungieren Köhler, Vasoski, Franz und zum ersten mal seit langer Zeit der etatmäßige Kapitän Chris; im Mittelfeld bewegen sich Heller, Meier, Clark, Steinhöfer und Ochs, während Amanatidis stürmt. Würges ganz in Gelb. 2.400 Zuschauer erleben eine kampfbetonte erste Hälfte, in der die Eintracht durchaus mithalten kann - aber nach wenigen Minuten doch den Rückstand hinnehmen muss. Einen langen Ball hebt Kilic Görgülü am heraus stürmenden Fährmann vorbei zur verdienten Führung ins Netz.
Große Freude hier, bedröppelte Gesichter dort und wer gedacht hatte, der Bundesligist würde nun zeigen, wer Herr im Hause ist, der wird enttäuscht; Würges erarbeitet sich die größeren Chancen - das Tor aber erzielt die Eintracht; ein Freistoß von Steinhöfer wird lang und länger - und saust zur Überraschung aller ins Tor. Ausgleich. Die erneute Führung der Gastgeber verhindert nur der Pfosten, der einen Freistoß gekonnt abwehrt.
In der Halbzeit flitzen die Kids wie Glühwürmchen umher, während sich Marco Russ und Marcel Titsch-Rivero umringt von Menschentrauben das Bällchen zuspielen; neben den beiden ist einzig noch Torhüter Andreas Rössl dabei, der jedoch nicht zum Einsatz kommen wird.
Russ hingegen darf (oder muss) für Franz mitmachen; auch Würges wechselt kräftig durch, der Stadionsprecher erzählt mal dies mal jenes, aber erzählt und urplötzlich liegt die Kugel im Netz. Doch Glück für die Eintracht, der Schiedsrichter zeigt Mitleid und Abseits an, es bleibt zunächst beim glücklichen 1:1. Und so kommt, wie es stets kommt - aufopferungsvoll der Kleine, glücklicher hingegen der Große - in die untergehende Sonne trifft der engagierte Steinhöfer ein zweites Mal und bringt den Bundesligisten nahezu sensationell in Führung. Heller wird gefoult, liegt am Boden, die Würgesener sind bissig, ab und an läutet die Schiffsglocke zum Angriff, während die Anzeigetafel versucht, sich in Szene zu setzen. Köhler hingegen setzt Amanatidis in Szene und so fällt dann doch noch das 1:3.
Ein weiter Höhepunkt des Spiels ist der Moment, als ein kleiner Zuschauer seinen vollen Limobecher über das Geländer fallen lässt, blöd, dass genau darunter ein Motorradhelm liegt - der Blick des Besitzers zeugt von sekundenlangen Unglauben; irgendwo auf dem Gelände wuselt zudem ein Hund in Würgestrikot umher. Friedlich geht die Sonne unter und dann ist Schluss.
Nachdem der Stadionsprecher die Jugend auffordert, sich den Eintrachtlern gemächlich zu nähern, halten sich natürlich alle daran - und sausen sprintend und fahnenwehend auf den Platz. Wie Wespenschwärme umringen sie Ochs und Ama, Titsch-Rivero und Clark - andere hingegen schleichen sich unbemerkt vom Platz. Auch die Leistung von Würges wird honoriert, Autogrammjäger erbitten sich auch von ihnen Unterschriften und die 40 Mitarbeiter des örtlichen Sponsors dürften zufrieden sein.
Wir dackeln über den Sportplatz, verabschieden uns von Daniel und seinem Kumpel und suchen eine Lokalität. Da uns nichts geeignetes ins Auge fällt, rollen wir über Wallrabenstein in Richtung Idstein, werden in der Altstadt fündig und sehen nach einem kurzen Ritt über die A3 bald die Skyline von Frankfurt - nichts hätte ich gegen den Anblick einer ragged shoreline einzuwenden; aber man kann nichts alles haben, immerhin hat Chris gespielt und die Eintracht gewonnen. Das gab's schon lange nicht mehr.

Holztransporter quält sich den Berg hoch und in Oberreifenberg trete ich abrupt auf die Bremse; hinter einem kaum wahrnehmbaren Ortsschild folgt nach wenigen Metern eine Batterie von modernen Blitzanlagen - das geht gerade nochmal gut. Im Ort ist es ruhig, ein Mann mit Bart hängt am Kreuze, gezeichnet vom Leid, dass er auf sich geladen hat - und wir sprechen hier nicht über unseren ehemaligen Kapitän. Wir parken den Golf vorschriftsgemäß, man weiß ja nie, und schlendern hinauf zur Ruine, die mächtig über dem Ort thront. Leider ist der Aufgang verschlossen, so dass wir am Fuße ein paar Fotos schießen, rüber zum Feldberg blicken und nach einer Weile zurück zum Auto marschieren.
Über die B8 rollen wir durch den sonnigen Tag und eh wir zwei Mal geblinzelt, sind wir schon in Würges, einem Stadtteil von Bad Camberg. Der Sportplatz ist ordentlich beschildert und wir parken auf einem kleinem Parkplatz hinter dem Trainingsplatz. Wir sind früh dran, kurz nach unserer Ankunft beginnt die freiwillige Feuerwehr den ankommenden Verkehr zu leiten. Am Kassenhäuschen besorgen wir uns zunächst zwei Eintrittkarten - man weiß ja nie -, dazu bekommen wir zwei Programmhefte geschenkt und machen uns zu Fuß auf, den Ort zu erkunden. Mittlerweile sind schon etliche Eintrachtfans unterwegs, der Nachwuchs wie der Herr Papa im Eintrachttrikot; wir entdecken eine schöne Kirche, eine Straße mit seltsamen Namen - nur was wir nicht entdecken ist ein Metzger - und dies ist bedauerlich, denn mein Magen hängt in den Kniekehlen. Aber eines tröstet uns: spätestens im Stadion wird es eine Bratwurst geben.
Der Laden für Reitsportbedarf lässt uns kalt, wir wandern zurück zum Stadion Goldener Grund, wo der Eintrachtbus mit herabhängenden Ästen zu kämpfen hat, lassen unsere Tickets entwerten und treffen auf Daniel, der sich mit einem Kumpel gleichfalls auf die Reise in die Provinz aufgemacht hatte. Die Bratwurst ist aller Ehren wert, der Becher Spezi desgleichen und derart gestärkt schauen wir uns um.Der Sportplatz verdient diesen Namen allemal, die Haupttribüne besteht aus einem eigenhändig gebauten schmucken Holzbau, der durch ein erhöhtes Stadionsprecherhäuschen begrenzt wird, woran eine Oldschoolanzeigentafel angebracht ist. Obenauf thront ein Wetterhahn - und auch eine Schiffsglocke befindet sich darin, wie mir ein freundlicher Ordner erklärt. Mitgebracht haben diese die Würgesener von einem Pokalspiel in Bremerhaven, welches zu Beginn der Achtziger dort erfolgreich absolviert wurde. Stolz erklärt der Mann auch, dass das Stadion dem Verein gehöre, der heuer 90 Jahre alt wird - und gemeinsam mit der Eintracht nun diese stolze Jubiläum auch sportlich angeht.
Der RSV Würges spielt in der Hessenliga und hat sich nach anfänglichen Problem dort berappelt; einem 7:1 Auswärtssieg in Baunatal folgte am Mittwoch ein 2:0 gegen RW Darmstadt; der Höhepunkt des Vereinslebens liegt allerdings schon ein Weilchen zurück; 1987 unterlag der Rasensportverein im Pokal gegen Fortuna Düsseldorf mit 0:3; das Stadionmagazin weiß von Ausschreitungen alkoholisierter Fans der Fortuna zu berichten. Soweit wird es heute nicht kommen; zum einen sind wenig Düsseldorfer vor Ort, zum anderen pflegt der Nachwuchs ein inniges Verhältnis zu Limo und Cola.
Auf dem Platz machen sich die Mannschaften warm; aus den Boxen erklingen Eintrachtlieder und der Stadionsprecher schwäbelt munter vor sich hin. Eintrachttrainer Skibbe, der mit vierzehn Aktiven angereist ist, da sich die restlichen Eintrachtler entweder auf Länderspielreise oder in der Reha befinden, gibt ein Interview - die 40 Mitarbeiter des heutigen Sponsors klatschen sicherlich brav Beifall und ich hocke mich auf die Laufbahn, um vielleicht das ein oder andere Foto zu schießen. Alsbald laufen die Mannschaften ein; ausgerechnet Benni Köhler mit dem Größten der Einlaufkinder an der Hand. Oder umgekehrt. Anpfiff; Amanatidis zu Meier. Oder umgekehrt.
Die Eintracht beginnt mit Fährmann im Tor, als Verteidiger fungieren Köhler, Vasoski, Franz und zum ersten mal seit langer Zeit der etatmäßige Kapitän Chris; im Mittelfeld bewegen sich Heller, Meier, Clark, Steinhöfer und Ochs, während Amanatidis stürmt. Würges ganz in Gelb. 2.400 Zuschauer erleben eine kampfbetonte erste Hälfte, in der die Eintracht durchaus mithalten kann - aber nach wenigen Minuten doch den Rückstand hinnehmen muss. Einen langen Ball hebt Kilic Görgülü am heraus stürmenden Fährmann vorbei zur verdienten Führung ins Netz.
Große Freude hier, bedröppelte Gesichter dort und wer gedacht hatte, der Bundesligist würde nun zeigen, wer Herr im Hause ist, der wird enttäuscht; Würges erarbeitet sich die größeren Chancen - das Tor aber erzielt die Eintracht; ein Freistoß von Steinhöfer wird lang und länger - und saust zur Überraschung aller ins Tor. Ausgleich. Die erneute Führung der Gastgeber verhindert nur der Pfosten, der einen Freistoß gekonnt abwehrt.
In der Halbzeit flitzen die Kids wie Glühwürmchen umher, während sich Marco Russ und Marcel Titsch-Rivero umringt von Menschentrauben das Bällchen zuspielen; neben den beiden ist einzig noch Torhüter Andreas Rössl dabei, der jedoch nicht zum Einsatz kommen wird.Russ hingegen darf (oder muss) für Franz mitmachen; auch Würges wechselt kräftig durch, der Stadionsprecher erzählt mal dies mal jenes, aber erzählt und urplötzlich liegt die Kugel im Netz. Doch Glück für die Eintracht, der Schiedsrichter zeigt Mitleid und Abseits an, es bleibt zunächst beim glücklichen 1:1. Und so kommt, wie es stets kommt - aufopferungsvoll der Kleine, glücklicher hingegen der Große - in die untergehende Sonne trifft der engagierte Steinhöfer ein zweites Mal und bringt den Bundesligisten nahezu sensationell in Führung. Heller wird gefoult, liegt am Boden, die Würgesener sind bissig, ab und an läutet die Schiffsglocke zum Angriff, während die Anzeigetafel versucht, sich in Szene zu setzen. Köhler hingegen setzt Amanatidis in Szene und so fällt dann doch noch das 1:3.
Ein weiter Höhepunkt des Spiels ist der Moment, als ein kleiner Zuschauer seinen vollen Limobecher über das Geländer fallen lässt, blöd, dass genau darunter ein Motorradhelm liegt - der Blick des Besitzers zeugt von sekundenlangen Unglauben; irgendwo auf dem Gelände wuselt zudem ein Hund in Würgestrikot umher. Friedlich geht die Sonne unter und dann ist Schluss.
Nachdem der Stadionsprecher die Jugend auffordert, sich den Eintrachtlern gemächlich zu nähern, halten sich natürlich alle daran - und sausen sprintend und fahnenwehend auf den Platz. Wie Wespenschwärme umringen sie Ochs und Ama, Titsch-Rivero und Clark - andere hingegen schleichen sich unbemerkt vom Platz. Auch die Leistung von Würges wird honoriert, Autogrammjäger erbitten sich auch von ihnen Unterschriften und die 40 Mitarbeiter des örtlichen Sponsors dürften zufrieden sein.Wir dackeln über den Sportplatz, verabschieden uns von Daniel und seinem Kumpel und suchen eine Lokalität. Da uns nichts geeignetes ins Auge fällt, rollen wir über Wallrabenstein in Richtung Idstein, werden in der Altstadt fündig und sehen nach einem kurzen Ritt über die A3 bald die Skyline von Frankfurt - nichts hätte ich gegen den Anblick einer ragged shoreline einzuwenden; aber man kann nichts alles haben, immerhin hat Chris gespielt und die Eintracht gewonnen. Das gab's schon lange nicht mehr.

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Donnerstag, 2. September 2010
Adler auf der Brust - Die Präsentation
Dieser Tage erschien ein neues Eintracht-Buch auf dem Markt, betitelt Adler auf der Brust und geschrieben und bestückt von Jörg Heinisch und Doc Othmar Hermann. Die dazugehörige Buchvorstellung ging gestern im Museum über die Bühne - und ich hatte die Ehre, durch den Abend führen zu dürfen.Geladen waren Aktive aus langen Jahren der Vereinsgeschichte und gekommen waren etliche Helden vergangener Jahrzehnte und sogar zwei aktive Spieler. Während sich die alten Hasen den Weg durch die Menge bahnten, wartete unsere Nummer 14 Alex Meier zurückhaltend auf seinen Kollegen Ioannis Amanatidis, der wenig später auch kommen sollte. Während beide noch an der Tür Autogramme gaben, spielte sich eine Szene ab, die Holger hier für die Ewigkeit festgehalten hat. Es sind diese kleine Geschichten am Rande, die uns zum schmunzeln bringen - oder aber einen roten Kopf.
Zu Gast waren neben den Autoren und Verlagsvertretern der Süddeutsche Meister von 1953 Ernst Kudrass, der schon häufiger im Museum anzutreffen war und auch immer wieder die U23 am Bornheimer Hang begleitet. Er hat lange Jahre zusammen mit Adolf Bechtold in einer Mannschaft gespielt; jener Adolf Bechtold der unser Rekord-Oberligaspieler ist und darüber akribisch Buch geführt hat; auch er zu Gast im Museum. Von der Meistermannschaft 59 kamen Torhüter Egon Loy, Istvan Sztani und Dieter Stinka; dazu ein Mann, der als Nachwuchsspieler schon bei den Europokalspielen im Kader war, aber erst in den Jahren danach richtig zum Zuge kam, nämlich unser Brasilianer Wolfgang Solz. Mit ihm kam der fliegende Zahnarzt Dr. Peter Kunter, der gemeinsam mit Jürgen Kalb und Peter Reichel so manche Schlacht geschlagen hat - und 1974 den DFB-Pokal in den Händen hielt. Peter Reichel sogar im Jahr darauf noch einmal. Davon träumen noch Alex Meier und Ioannis Amanatidis. Viel erlebt hat Klaus Mank, als Amateur-Torhüter, Vizepräsident, Jugend- und Interimstrainer der Eintracht, der ebenso zu Gast war wie Legende Kurt E. Schmidt. Und zu unserer großen Freude kam auch Horst Pohlenk, dessen Opa Albert im Jahre 1899 den Vorgängerverein der Eintracht, den Frankfurter Fußballclub Victoria aus der Taufe gehoben hat. Unter den Augen des journalistischen Altmeisters Wolfgang Avenarius erlebten weit über Hundert Fans der Eintracht einen kurzweiligen Abend, der mit den einleitenden Worten von Museumschef Matze Thoma eröffnet wurde, der als junger Mann den Sammler Doc Hermann besuchte und seine gesammelten Devotionalien auf Echtheit überprüfen ließ - nicht immer erfolgreich, wie er sagte.
Neben begleitenden Worten des Verlagsleiters Wolfgang Fuhr schilderte Doc Hermann, wie er durch sein erstes Spiel und das erhaltene Programmheft begann, seine heute einmalige Sammlung aufzubauen. Er ist noch heute großer Fan von Dr. Peter Kunter. Gemeinsam mit Jörg Heinisch machte er sich an die große Aufgabe, aus über 1100 Spielern, die für die Eintracht und deren Vorgängervereine am Ball waren, die größten auszuwählen - nicht einfach, aber im End zeigten sich beide zufrieden. Beeindruckend für Jörg war die Erkenntnis, dass weder Yeboah noch Hölzenbein die meisten Pflichtspieltreffer in einer Saison für die Eintracht erzielt hatten, sondern Karl Ehmer, der zwischen 1927 und 1938 für die Riederwälder gekickt und 31/32 sage und schreibe 54 Tore geschossen hatte - und am 1932 Deutscher Vizemeister wurde.
Großartige Erlebnisse waren für Ernst Kudrass nicht nur die Einsätze im Eintrachttrikot, sondern auch die Reisen in die USA und nach Ägypten. Lag kurz zuvor die Stadt noch in Kriegstrümmern, so ging es 1951 und 1952 hinaus in die weite Welt. Kudrass, der erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft aus Ägypten zurück gekehrt war, wandelte auf den Spuren seiner Vergangenheit und wusste ob der Gepflogenheiten des Landes - seine Mitbringsel wurden für ihn um einiges billiger, da ihm die Gesetze des Handelns vertraut waren. Abends wurde dann schwer gefeiert - doch Mitspieler Adolf Bechtold hielt sich mit Erzählungen darüber merklich zurück, ein Schelm der Arges dabei denkt.
Nicht zum ersten und ganz sicher nicht zum letzten Mal waren Istvan Sztani, Dieter Stinka und Egon Loy zu Gast - unsere Deutschen Meister. Sztani hätte nichts dagegen, wenn es demnächst auch andere Deutsche Meister im Trikot der Eintracht zu feiern gäbe, doch bis dahin nimmt er wie wir alle auch die U17-Meisterschaft als Anlass zur Hoffnung; wenn's Geld fehlt, dann muss es halt der Nachwuchs richten. Dieter Stinka arbeitete mit zwei der größten Eintrachttrainer zusammen, als Spieler wurde er von Legende Paul Osswald trainiert, später assistierte er Dietrich Weise und holte mit ihm den Pokal. Egon Loy, genannt der Panther, spielte stets ganz in Schwarz und wurde nach langen Jahren von Dr. Peter Kunter im Tor der Eintracht abgelöst - aber sie verstanden sich sichtlich - bis heute. Vor kurzem wurde Loy an der Hand operiert - fällt also für das Gladbach-Spiel aus. Auch Loy und Kunter waren mit der Eintracht unterwegs, spielten unter anderem in Südafrika und Buenos Aires - dem Ort der am weitesten von Frankfurt entfernt ist und in dem die Eintracht auch spielte.
In zwei Freundschaftsspielen traf die Eintracht 1966 auf die argentinische Nationalelf, eine Niederlage und ein Sieg standen dabei zu Buche; mit dabei auch Wolfgang Solz, der sogar zwei A-Länderspiele absolvierte. Solz trug stets Puma Kickschuhe und er wettete, dass er diese auch bei seinem Debut in der Nationalelf tragen würde, die seit Menschengedenken von Adidas ausgerüstet wird. Während er sich mit Adidas-Schuhen warm machte, wechselte er diese anschließend und trug tatsächlich während des Spiels Puma-Schuhe. Trainer Seppl Herberger hats gar nicht gern gesehen.
Peter Reichel war einer der wenigen Spieler der Eintracht, die zwischen Uni und Sportplatz pendelten und der während seiner aktiven Karriere studierte; nach Ende seiner Laufbahn wurde der zweimalige DFB-Pokalsieger Lehrer. Jürgen Kalb, Teilnehmer bei Olympia 1972, war ob dessen Vertragsamateur; dies hinderte ihn aber nicht daran, 1974 im Pokal-Halbfinale in der letzten Minute gegen Sepp Maier einen Elfmeter zum 3:2 Siegtreffer zu verwandeln - obgleich Maier wetten wollte, dass er ihn hält. Angenommen hat hingegen Roland Weidle die Wette - und gewonnen; kein guter Tag für den Maier Sepp.
Alex Meier bekennt sich zu seiner Vergangenheit als Hamburger, er ist ein Hamburger Jung, Frankfurt aber sei die zweitschönste Stadt. Er und Ioannis Amanatidis haben die beiden Auftaktniederlagen halbwegs verdaut und sind guter Dinge was die Zukunft angeht - und vielleicht bleiben sie der Eintracht noch lange erhalten, denn: Geld ist nicht alles sagen sie unisono - und wer weiß: vielleicht halten sie ja demnächst auch einen Pokal in den Händen, Einzug in das Buch haben sie aber auch so schon gefunden.
Die Gespräche mit den (ehemaligen) Aktiven wurden abgerundet durch einige Quizrunden, jeweils ein Spieler wurde mit einem Gast zu einem Team verschmolzen und musste raten, wer zum Beispiel die meisten Pflichtspiele für die Eintracht im Tor absolviert hat, welcher Eintrachtler unter Anderem für den FC Aszfaltutepitoe, Ancona Calcio, Xamax Neuchatel und St. Pölten gespielt hat und welcher Ex-Verein eines Adlers einen Hasen mit abgeknicktem Löffel im Wappen hat.
Gar nicht so einfach - aber am Ende gab es nur Sieger und einen Abend, der wieder einmal viel zu schnell vorbei gegangen ist. Danke an alle Beteiligten, an die Gäste und an die Autoren eines neuen, tollen Buches. Fotos von dem schönen Abend findet ihr hier, während das Thema auch hier diskutiert wird.
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