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Donnerstag, 31. Dezember 2009

Drei sind keiner zuviel


Pünktlich zum Jahreswechsel erreichte uns ein Brief von Tom. Vorneweg, es ist ein toller Brief, für den ich mich ganz herzlich bedanke. Und weil er so großartig ist, wird er nun (nicht nur) hier zu lesen sein. Vielen vielen Dank lieber Tom und euch allen ein guten Rutsch.

Pünktlich zum Weihnachtsfest pflegt Frau Tom mit viel Liebe und Herzblut einen Rundbrief zu verfassen, mit dem nahe und weniger nah wohnende Verwandte und Freunde über das ins Bild gesetzt oder an das erinnert werden, was sich im vergangenen Jahr bei Toms so alles zugetragen hat. Das Umfeld von Herrn Tom erwartet die Ankunft dieses Briefs durchaus gespannt, Herr Tom selbst und seine Kids die unvermeidlichen Reaktionen hin und wieder auch mit leicht gemischten Gefühlen. Vor dem Unterschreiben des Werkes durch die ansonsten unbeteiligten Mitglieder der Sippe erfolgt daher akribisches Gegenlesen und Ergänzen, der ein oder andere kleine Seitenhieb wird pflichtschuldig hingenommen, da man es selbstverständlich nicht besser verdient hat. Das ein oder andere kleine Malheur wird behoben, wenn etwa der 50. Geburtstag der besten Freundin – natürlich ist hier nicht die des Ehemannes gemeint!! - aus unerfindlichem Grund vergessen worden ist. Einschübe in epischer Breite sind dabei allerdings unerwünscht. So stieß etwa der berechtigte Wunsch des Filius auf angemessene Würdigung des Saisonverlaufs der A-Jugend von Concordia Eschersheim unverständlicherweise nur auf wenig bis gar keine Gegenliebe.

Wie überhaupt die Behandlung der wichtigsten Nebensache der Welt einen durchaus heiklen Punkt darstellt. Bei der Erwähnung des Besten aller Ehemänner hieß es nämlich an einer Stelle nur weitgehend nebulös, er sei in diesem Jahr an den Wochenenden unverständlicherweise immer häufiger Richtung Waldstadion entschwunden und zudem aus unerfindlichen Gründen auch irgendwelchen Internet-Blogs der Frankfurter Eintracht vollständig verfallen. Gut, es hätte Schlimmer kommen können: Etwa in Gestalt der natürlich absurden Behauptung, Herr Tom käme an diversen Donnerstagen nur noch zu mitternächtlicher Stunde stark alkoholisiert und eine Eintracht-Fahne schwenkend aus Richtung Konstablerwache nach Hause gewankt. Doch auch ohne dieses worst-case-Szenario könnte fälschlicherweise der Eindruck entstehen, es bestehe ernsthaft Grund zur Sorge: Fußball, immer nur Fußball, allenfalls noch unterbrochen von virtuellen Stammtischparolen auf niederem Niveau und einem lauten: „Hopp, hopp, hopp. Schoppe in de Kopp!!!“.

War das so? Ja, da war wirklich was. Wie meistens im Leben ist aber auch hier die Wahrheit komplexer und genaueres Hinschauen lohnenswert. Ausführliche Erläuterungen und Richtigstellungen im Weihnachtsbrief bei der Chefredaktion sind in derart brisanten Fällen allerdings schwierig. Dazu kann Herr Tom nun mal nicht kurz. Schon gar nicht, wenn es um Eintracht Frankfurt geht. Zumindest da ist er nicht ganz allein. Aber jedenfalls: so einfach stehen bleiben kann das nicht. Hier gibt es Erläuterungsbedarf und einiges zu berichten. Und das nicht zu kurz. Wem das Herz voll ist, dem geht eben der Mund über. Und wenn es dabei zu Huldigungen der beteiligten Personen kommt, so sind diese zum Jahreswechsel nicht nur beabsichtigt, sondern teuer verdient und berechtigt. Leben, um davon zu erzählen, heißt ein Buch von Gabriel Marcia Marquez. Es gibt viel zu erzählen. Ich beginne. Aber wo? Vielleicht einfach mit einer Vorstellung der eigentlich Verantwortlichen. Es sind im Grunde drei.

Da ist erst mal Stefan. Stefan ist der Spiritus Rector von Blog_G, dem Blog der Frankfurter Rundschau zu Eintracht Frankfurt. Im Gegensatz zum Forum, dem offiziellen Eintracht-Blog auf der Webside des Vereins, gibt es hier nicht eine Fülle von Themen zum Verein des Herzens, die Tag für Tag in epischer Breite abgehandelt werden. Nein: hier kocht der Chef selbst. Stefan leitet jeden Morgen – und zwar meist am sehr frühen Morgen – mit einem fachkundigen Beitrag ein, dessen Thema zu seinem Leidwesen zwar nicht immer, aber doch sehr oft, begierig aufgegriffen und den Tag über in – ich übertreibe nicht – oft hunderten von Beiträgen diskutiert wird. Untermalt wird das Ganze regelmäßig durch brilliante Fotografien, die auch ohne Worte immer wieder Geschichten erzählen. Denn Stefan hat eine Akkreditierung für den Innenraum des Frankfurter Fußballtempels und entzückt die Gemeinde regelmäßig zu den Spielen mit Aufnahmen vom Spielfeldrand.

Die vielen Schreiber, die regelmäßig ihr oft jahrzehntelang mühsam erworbenes und am Samstag regelmäßig aufgefrischtes Wissen zum Besten geben, an dieser Stelle vorzustellen, würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen, vielleicht auch in ein kleines „Who is Who“ der Frankfurter Anwaltschaft einmünden, worauf wir aus Gründen der Diskretion gerne verzichten. Das Mysterium der ehemaligen Diva vom Main, die seit etlichen Jahren im grauen Mittelfeld der Bundesliga einzementiert ist, hat allerdings noch keiner dieser selbst ernannten Experten ergründe(l)t, was sich nicht selten in grotesken Fehleinschätzungen über Verlauf und Ergebnis des nächsten Spiels niederschlägt. Und Herr Tom ist da natürlich ganz vorne mit dabei.

Zwei weitere Namen dürfen an dieser Stelle allerdings nicht fehlen: Beve und Kid. Diese beiden sind wie viele andere auch regelmäßig durch ihre Beiträge in Blog-G präsent. Aber nicht nur das: Sie haben auch ihre eigenen Blogs. Es ist ähnlich wie bei einer erfolgreichen Fernsehserie, von der es ja oft auch sogenannte spinn-offs gibt. Ein neue Serie, die wegen des großen Erfolges aus der alten heraus kreiert wird. Hier Nebendarsteller, dort schillernde Hauptfigur. Ob Beve und Kid ihre Blogs schon vor Blog-G entwickelten, weiß ich allerdings gar nicht. Es ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist vielmehr, dass sich hier drei ganz eigenständige Kunstwerke gegenüberstehen, die sich gegenseitig ergänzen und befruchten. Drei sind hier keinesfalls einer zuviel.

Bei Stefan, Typ knurriger Mahner und Warner mit dem goldenen Herzen, hat die virtuelle Kneipe den ganzen Tag geöffnet. Bei der Arbeit wird kurz reingeschaut (wenn auch nicht von Herrn Tom, der vorwiegend nacht- und wochenendaktiv ist, damit im Reich von Blog-G die Sonne nicht untergeht), jeder kann und darf so reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, einfach mal so zu allem Möglichen und Unmöglichen seine Meinung beisteuern kann, am besten kurz und knapp („Tach“), aber pointiert und voller Witz, wobei zumindest tagsüber fast nie ein gewisses intellektuelles Niveau unterschritten wird. Fast nebenbei fungiert der Blog, insbesondere durch diverse Links, als Nachrichtenbörse par excellence. Wer hier mitliest, dem entlockt der Sportteil am nächsten Tag oft nur noch ein müdes Lächeln.

Beve, seines Zeichens Schriftsteller, Taxifahrer, Museumsmitarbeiter, -moderator, und Stadionsprecher der Eintracht-Amateure ist auch und vor allem der Erzähler, herausragend seine ehrlichen, auch mal rauhen Berichte von den Auswärtsfahrten zu den Stadien der Republik, Texte eines Fans für die Fans, nie banal, nie mittelmäßig, immer wortgewaltig, emotional, auch mal zornig, traurig, enttäuscht, ein Traditionalist des Fußballs, der immer ein gutes, angemessenes Wort parat hat.

Ein Analytiker und „Faktenhuber“ vor dem Herrn ist Blogger Nr. 3: Kid aus der Klappergass. Messerscharf und brilliant kommt er daher, ein Virtuose des Wortspiels und der Feder. Ein Meister der Exegese des Frankfurter Blätterwalds zu Eintracht Frankfurt, vor dem kein Widerspruch verborgen bleibt, den vor allem die Zeitung mit den vier großen Buchstaben im Übermaß produziert. Mit einer schier unerschöpflichen Arbeitskraft ausgestattet, bedeutet eine Ankündigung von ihm, er trete nun mal kürzer, meist lediglich, dass jetzt gleich drei Beiträge auf einmal eingestellt werden. So ganz klar wird es zwar nie gesagt, aber: Mit ihm sitzt ein vielbeschäftigter Manager vor dem PC und da wird dann auch schon mal kritisch die Frage aufgeworfen, in welchem Verhältnis denn Aufwand und Ertrag zueinander stehen, wenn die Zahl der Kommentare sich in überschaubaren Größen hält. An Herzblut und Emotionalität steht er Beve in nichts nach und persönlich öffnet er sich vielleicht von allen drei am meisten.

Zwischen diesen drei Blogs gibt es vielfältige Vernetzungen, gemeinsame Projekte, Anliegen, gleiche Leser wie Herrn Tom. Man kennt sich, man verlinkt sich, man arbeitet zusammen. So begleiten Stefan und Beve in dieser Saison gemeinsam den Frankfurter Jungprofi Marcel Titsch-Rivero im Nachwuchs-Projekt „18mal18“. Kid engagiert sich in verdienstvoller Weise gemeinsam mit vielen anderen in einem Hilfsprojekt für die kleine Lea. Wo Kid ist, sind Stefan und Axel nicht weit, und umgekehrt. Gute Freunde kann eben niemand trennen.
Um es zusammenzufassen: Ja, ich bin begeistert, wenn schon nicht immer über das Spiel unserer Kicker, so doch über Engagement und Schreibe der drei wackeren Musketiere.

Und dies um so mehr, weil es nicht beim virtuellen Austausch von anonymen Individuen bleibt, sondern durch das Netzwerk der großen Drei ganz real Menschen zusammengeführt und Kontakte geknüpft worden sind und werden, Bekanntschaften, Freundschaften entstanden sind. Für viele sind diese Treffen wichtig geworden. Man kennt sich, man versteht sich, teilt dieselbe Leidenschaft. Und natürlich – zur Freude der stets anwesenden Anwälte - streitet man sich ab und an auch. Wäre ja auch noch schöner ...

Donnerstags an der Konstabler beim Schoppen kommt man – wenn es denn die Zeit erlaubt - zusammen und babbelt über Gott und die Welt. Bei Heimspielen trifft man sich am Parkplatz Gleisdreieck, vom – und wo gibt es das schon noch – „Banker bis zum Hartz IV-Empfänger“ und spricht eine gemeinsame Sprache. Im Eintracht Frankfurt Museum, einem ganz besonderen Kleinod, trifft man sich, tauscht Erinnerungen aus und erlebt Veranstaltungen, von denen noch lange danach geschwärmt wird. Und schön im wahrsten Sinne, dass sich bei all diesen Treffen nicht nur eine reine Männergesellschaft zusammenfindet, ganz im Gegenteil. Ohne Geist und Charme der versammelten Frauenpower wäre das alles nur die Hälfte wert. Wenn überhaupt.

Ja, darüber lässt sich schreiben, ja darüber lassen sich Geschichten erzählen. Von diesem Bazillus kann man sich anstecken lassen, und kriegt dabei doch nur einen Bruchteil von dem mit, was so alles abgeht. Nein, das sind auch nicht immer schöne Geschichten, denn die Frankfurter Eintracht hat auch ein schwieriges Jahr hinter sich, das auch manche Wunde geschlagen hat. Ja, auch Frust, Müdigkeit, sogar Hass waberte teilweise durch die Reihen der Arena, nichts Menschliches und manchmal auch Unmenschliches ist dem Fußball fremd und der ein oder andere fragte sich schon einmal, was denn das eigentlich alles solle. Und ja: immer geht es auch um Zeit, wertvolle Zeit, die nur einmal verschenkt werden kann. Und um viele andere Dinge, die anstehen und warten, getan zu werden.

Die ewige Frage, gerade bei der Eintracht immer wieder mit Inbrunst gestellt: Ist das Glas jetzt halb leer oder halb voll? Für „Seiteneinsteiger“ Tom keine Frage, denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: ja, es hat sich gelohnt. Schon weil es eben nicht nur Fußball war. Ja, es hat Spaß gemacht, darüber zu schreiben: Über freundliche Menschen, die einfach da waren, mit denen man klönen konnte, Menschen mit Humor, die Fußball mögen und noch einiges mehr in der Birne haben: Danke Euch allen. Danke Euch für die Karten (ihr hättet auch andere mitnehmen können). Danke für die tollen Veranstaltungen im Museum, etwa mit Thomas Rohrbach und vor allem: Bernd Hölzenbein (das war einfach „großartig“). Danke für den Vortrag im Jüdischen Museum zum Museumsuferfest. Schade um die vielen tollen Sachen, die ich noch verpasst habe und Danke für die Bilder, die ich mir davon ansehen durfte. Danke für 18mal18. Danke fürs gemeinsame Jubeln, für viele gute Gedanken, Berichte, Erzählungen, Analysen und für allen Nonsense, fürs (zwischenzeitliche) gemeinsame Leiden, für viele Bembel Stöffche, gute Suppen und überhaupt: War schön mit Euch.

Und ganz großes Danke vor allem eben auch an die „Drei von der Tankstelle“ Stefan, Axel und Kid. Ja, Ihr habt hat ein wenig Zeit gekostet, vor allem auch Zeit, um davon zu erzählen. Aber es hat sich gelohnt.Leben, um davon zu erzählen. Nicht das Schlechteste, findet Herr Tom. Und wird diese Zeilen dezent streuen. Vielleicht auch an den ein oder anderen Leser unseres Weihnachtsbriefs. Von denen Herr Tom auch mal gerne den einen oder anderen mitbringt, wenn sie es denn mögen und wenn es die Zeit erlaubt. Im nächsten Jahr.

Auf ein Neues in 2010.

Freitag, 18. September 2009

20:32

Kurt E. Schmidt war zu Gast im Museum, einen schönen Überblick über den Abend geben die Worte und Bilder auf der Homepage des Museums der Frankfurter Eintracht.

Auch Stefan Krieger hat tolle Fotos vom Abend gemacht, hier folgen sie nun, begleitet von einem großen Dank. An Stefan, aber auch an Kurt und an euch, die ihr den Abend genießen durftet.










 


























(Autogrammkarte von Kurt)

Donnerstag, 17. September 2009

Marcel Titsch-Rivero - Die Nummer 36 wird Profi


Nein, ich bin überhaupt nicht zufrieden. Ich rege mich tierisch drüber auf, dass wir den Ausgleich durch so eine blöde Standardsituation fangen. Ich wollte das Spiel unbedingt gewinnen.
Marcel Titsch-Rivero ist Minuten nach dem Abpfiff der Partie zwischen der U23 von Eintracht Frankfurt und SSV Reutlingen in der Regionalliga Süd (Endstand 1:1) sichtlich angefressen ...

Hier geht es weiter
- in Rahmen unserer Begleitung von Marcel Titsch-Rivero auf der Seite 18mal18, dem Mann, der nun offiziell die Nummer 36 trägt.

Freitag, 11. September 2009

18mal18 - Beves Welt und Blog_G über Marcel Titsch-Rivero

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Es gibt da eine neue Seite in dieser Internetsituation, und die nennt sich “18mal18“.

Weil ich faul bin, kopiere ich hier einfach mal ein paar Auszüge aus der Vorstellung der Seite rein:

“Meine Damen und Herren, es ist mir eine große Ehre, nach einem gutem Monat Vorarbeit 18mal18 heute hier offiziell freizuschalten. 18mal18 ist ein Experiment. 18 Autoren widmen sich je einem 18-jährigem Nachwuchsspieler aus einem der 18 Bundesligavereine. Die Autoren adoptieren den hoffnungsvollen Jungprofi für ein Jahr und begleiten ihn auf dem Weg vom Talent zum etabliertem Bundesligaprofi oder beim Zerplatzen der großen Träume. Genauso wenig, wie wir wissen, ob “unsere” Spieler in den nächsten Monaten plötzlich Kandidaten für die WM-Teilnahme werden oder klammheimlich nach Paderborn ausgeliehen werden, wissen wir, wie sich das Ganze hier entwickeln wird. Wie jedes Gemeinschaftsprojekt dieser Größenordnung gibt es gewisse Risiken – schließlich sind wir unterschiedliche Menschen verstreut über das ganze Land. Wir kalkulieren den triumphalen Erfolg genauso ein wie das jämmerliche Scheitern. Jeder Autor entscheidet frei, ob er kilometerweise Statistiken analysiert, meinungsstark über die Frisur seines Spielers lästert oder per Skype mit seinem Patenkind Länderspiele kommentiert. Klar ist, dass wir uns dem Thema “Hoffnungen für den deutschen Fußball” mit viel Platz und auf eine andere Art und Weise als in den einschlägigen Medien widmen wollen.”

Der fantastische Stefan Krieger, der sich selbst eher als Lederhutträger ohne Lederhut bezeichnen würde und meine Nichtigkeit, die sich schon mal sarkastisch mit den Worten “Beruf: Eintrachtfan!” vorgestellt hat, haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen Nachwuchsspieler der Eintracht über die Saison zu begleiten. Unsere Wahl fiel aus Gründen, die hier nicht zur Debatte stehen und die wir nicht verraten, auf Marcel Titsch-Rivero.
Unseren ersten Artikel auf “18mal18″ findet der geneigte Leser hier.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Heimspiel in Hoechst

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Draußen war's wärmer als drinnen - was lag also näher, als sich an einem Dienstagabend auf die kleine Reise nach Frankfurt-Hoechst zu begeben, um einem Freundschaftsspiel der Eintracht gegen die hiesige SG Hoechst beizuwohnen.

Die Farbwerke Hoechst, einst größter Arbeitgeber der Region und Garant für bescheidenen Wohlstand sowie geschlossener Fenster im Stadtteil sind lange aufgelöst, das Kennzeichen FH für Frankfurt Hoechst längst Geschichte und auch die Oberligazeiten der SG Hoechst sind lange vorbei. Möbel-City-Wesner, einst ein riesiges Möbelhaus, ist weggezogen; übrig blieben die leerstehenden Gebäude und die damit verbundene Tristesse und die Hoffnung auf bessere Zeiten.

Pia, die Maus und ich parkten den silbernen Golf nahe des ehemaligen Möbelhauses und wandelten durch den Hoechster Stadtpark. Kinder fuhren Fahrrad, Erwachsene saßen in Gruppen beieinander, ein Weiher glänzte in die Sonne und uns beschlich ein Hauch von Urlaubsfeeling. Dennoch sorgten wir uns, ob es heute Abend angesichts der derzeitigen Situation zu seltsamen Erscheinungen kommen würde, alles schien möglich, obgleich wir nur zu einem Freundschaftskick marschierten, der üblicherweise allen Beteiligten nur Spaß bringt.

Hinter dem Park liegt der Sportplatz der SG Hoechst, der Glanz vergangener Zeiten ist auch hier einem leisen Abgesang gewichen; alte Werbebanden deren Lack im Laufe der Jahre verwitterte umrunden den Hauptplatz, eine Anzeigetafel, gefertigt aus dem Stahl des Werbenden wartete auf Tore. Kinder und emsige Helfer wuselten umher, derweil ein DJ hinter dem Tor seine Anlage verkabelte. Wir zahlten moderate sechs Euro Eintritt, (ein Programm zum Spiel gab es leider nicht) und orderten einen Apfelwein, der viertel Liter zu 1,50 - bar bezahlt. Die Sonne beschien den Frühlingsabend, während wir um den Platz wanderten und uns in eine kleine blechernen Hütte auf eine Bierbank setzten und unseren Apfelwein tranken. Auf der Ersatzbank, es war nett, denn: noch nicht einmal Auswechselspieler waren wir.

Allmählich füllte sich der Sportplatz mit Zuschauern, vorwiegend Kids sausten über das Gelände, während der DJ seine Anlage mittlerweile in Schwung gebracht hatte. In brüllender Lautstärke schallten Stimmungs-Melodien über den Platz, dass sich selbst die Grashalme die Ohren zuhielten, auch sie wollten die Regenwürmer nicht husten hören. Ballermanninferno allez!

Stefan war mittlerweile gekommen und überbrachte die Nachricht, dass der Trainer der Eintracht erkrankt sei - in weiser Voraussicht wohl, die Trainerbank stand nicht weit entfernt von den Stehplätzen - und wer weiß auf welche Ideen der emtional bewegte Fan in diesen Tagen kommen könnte. Gecoacht wurde das Team dann von Armin Reutershahn und Andi Menger.

Auslöser für das Freundschaftsspiel in Hoechst war wohl ein medialer Aprilscherz des HR, welcher behauptet hatte, dass ein reicher Unternehmer die SG Hoechst im Stile des Projektes Hoffenheim übernehmen würde; so kam es auch, dass der Aufstellungsverkünder des Waldstadions auch in Hoechst mit Hilfe der Kinder sein Bestes gab. Bis auf die Nummer 3 Caio und Markus Russ klappte dies auch ganz ordentlich, wobei zur Ehrenrettung gesagt werden muss, dass Marcos Vorname falsch auf dem Spielberichtsbogen stand und Caios Null recht klein geschrieben war. Man kann ja nicht alles wissen ...


Kurz vor Spielbeginn verließen wir die Ersatzbank und wanderten um den Sportplatz, insgesamt werden wohl rund 1000 Zuschauer gekommen sein, darunter auch die Fanbeauftragten der Eintracht, Rudi und ZoLo sowie unser Lieblings-Pokalsiegertrainer Dietrich Weise. Beieinander standen auch die Herren Durstewitz, Palmert und Schmitt sowie Heribert Bruchhagen, der dabei Rede und Antwort stehen durfte - bis die Kids spitzkriegten, dass der Chef hier war und schon wurde er umringt und ließ sich brav fotografieren.

Kaum wurde die Partie angepfiffen, die Gastgeber in weiß, die Eintracht in rot-schwarz, tönte ein Grüppchen Wir ham die Schnauze voll und zack hatte ich ein Mikrofon vor der Nase. Der HR versuchte Stimmen einzufangen und erwartete eine Stellungnahme, die von mir auch recht knapp ausfiel: So schlecht sind die Hoechster doch gar nicht. Verständnislose Augen schauten mich an. Bei strahlendem Sonnenschein gaben die Hoechster dann ihr Bestes - dass die Eintracht, welche keineswegs mit einem Rumpfteam angetreten war, klar dominierte, verwunderte wenig und so stand am Ende ein 17:1 zu Buche - ich hätte es nicht gewusst, hätte uns der Schiri nicht das Ergebnis mitgeteilt. Oka und Frank Lehmann standen je eine Halbzeit im Tor, Caio spielte durch und großer Jubel brandete auf, als die Hoechster den Ehrentreffer erzielten. Beide Hoechster Torhüter hatten ihren großen Tag und verhinderten mit Glanzparaden Ärgeres.

Die meiste Zeit verbrachte wir mit gepflegten Unterhaltung; mit ZoLo quatsche ich immer gerne, desgleichen mit Eintracht-Veteran Roland Gerlach oder unserem Sossenheimer Freund, den ich vor Jahren in der Klapper kennen lernte. Seit er meinem Schoppen zu Boden warf, ich ihm nach kurzem Disput einen anderen übergekippt hatte und wir uns daraufhin die Hand gaben, treffen wir uns vorwiegend bei Auswärtsspielen und erinnern uns gerne an die Anfangstage zurück. Die Filzlaus hockte brav hinter dem Tor und insgesamt ging es relativ ruhig zu. Nach Spielende begann das große Flitzen; Kids stürmten auf die Spieler zwecks Autogrammen zu, die Spieler sausten in die Kabine, allen voran Korkmaz, Meier und Caio; während Fenin sein Trikot einem Rollstuhlfahrer in die Hände drückte. Krük und Petkovic und Sebastian Jung schrieben brav Autogramme, während der Eintrachtbus schon auf die frisch geduschten wartete.

Alex Meier scheint derzeit arg verunsichert, er kam als erster aus der Kabine und scheute sich sogar davor, den wartenden und drängelnden Kindern Autogramme zu geben - nicht schön, aber nach all den Attacken auf ihn verständlich. Zeugwart war interessanter Weise der Deutsche Meister Friedel Lutz, der weitgehend unbehelligt seine Arbeit verrichten konnte. Peu a peu schoben sich die Kicker in den Bus, und plötzlich tönte hinter uns ein lautes Funkel raus. Pia drehte sich erbost um und bat sichtlich erzürnt um Ruhe - das Grüppchen, welches sich um den Rufer scharte, blickte leicht irritiert aus der Wäsche - aber auch sie sahen dann ein, dass hier die SG Hoechst Gastgeber war und die Kids und deren Spaß eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten; die Kids, die solche Aktionen gar nicht verstehen können. Dies Argument zog, der Trupp trollte sich, ebenso wie der Bus, der bald darauf hupend das Gelände verlassen sollte. Pia, Stefan und ich trollten uns dann ebenfalls in Richtung Bierstand, die Wurst war ausverkauft, das Bier noch nicht - und nach einem Schöppchen verließen wir ebenfalls den Sportplatz und wanderten durch den Park und tröpfelnden Regen zurück zum Auto.

Dunkel wurde es allmählich, die Nacht legte sich über Frankfurt - Zeit für eine letzte Pizza und eine Erinnerung an den vergangenen Tag, der wohl freundlicher war, als es der letzte Spieltag gegen den HSV sein dürfte. Leider Gottes.

Freitag, 13. März 2009

Der Kopf stinkt vom Fisch her


Warum hab ich bloß den Bullen erschossen
er hat mir doch gar nichts getan
ich war weder stoned, noch war ich besoffen
das Grün brachte mich so in Wahn
...

... sang Marius Müller Westernhagen im Jahr 1982 im Song Ich hab keine Lust mehr im Regen zu steh'n; am 13. März 2009 tönten die Worte aus dem offenen Fenster des silbernen Golfs, der durch die ersten zaghaften Frühlingssonnenstrahlen durch Frankfurt tuckerte. Die Mädchen auf den Straßen trugen Sonnenbrillen und die ersten Krokusse schoben sich aus der Erde, als Pia und ich in Niederrad nahe unseres Lieblingsimbiss parkten. Die Besitzerin grüßte freundlich wie immer und wir orderten vier Burger inclusive Getränke und futterten bald zufrieden auf Bierbänken sitzend gut gelaunt unsere Frühlingsburger. Ein kleiner Lieferwagen bog um die Ecke und hupte kurz auf, wir erkannten am Steuer Tristan, im wahren Leben Eintrachtfan und - Schornsteinfeger, wir winkten zurück und freuten uns zum einen über die kleine Begegnung und zum anderen über das kleine Symbol des Glücks, welches uns der liebe Gott mirnichtsdirnichts vorbei geschickt hatte.

Pappsatt marschierten wir zum Golf und rollten durch Niederrad in Richtung Stadion, vorbei am Union-Sportplatz und schon fuhren wir durch Tor 3 und parkten vor dem Museum. Auf dem Trainingsplatz erkannten wir unseren Kapitän Ioannis Amanatidis, der zusammen mit Reha-Trainer Farbacher und vor allem mit einem Ball trainierte, vorbei die Zeit, als er mit Krücken an der Seite stand. Im Museum packte die Praktikantin Geburtstagspäckchen für anstehende Kindergeburtstage; wir sagten Hallo, tranken einen Kaffee, begrüßten Stefan, der mit seinem uralten Golf samt nagelneuer TÜV-Plakette und funktionierender Fahrertür angerollt kam und während Pia und Stefan bei einer Zigarette unserem Captain bei der Arbeit zusahen, fidelte ich kurzerhand Matze im Tischfußball mit 10:6 ab. All zu oft darf ich dies nicht machen, ich müsste mir sonst einen anderen Job suchen. Aber Matze nahm's sportlich.

Wir verließen vorerst das Museum, denn die Jungs unserer Eintracht trudelten peu a peu auf dem Trainingsplatz ein. Auch Peter war schon anwesend - und hatte vorgehört. Es scheint hoffnungslos, ein Teil der Kibitze war sich sicher, dass die Eintracht morgen mit 0:5 untergeht und überhaupt, der Fisch stinke vom Kopf her, spätestens zum Jahresende müssen alle weg und so weiter und so fort; manchmal stellt sich ja durchaus die Frage, wie es so mancher Zeitgenosse über die Runden schafft, so ohne einen Funken Selbstironie, ohne Spaß an der Sache; aber just diesen wollten wir uns nicht nehmen lassen. Auch wenn das Leben manchmal kompliziert ist, die deutsche Sprache ist es sowieso. Die Mehrzahl von Globus lautet bekanntlich Globen. Und die Mehrzahl von Krokus? Mitnichten Kroken, nein, es sind die Krokusse. Ähnlich wie bei Bus; auch dort heißt es nicht Ben sondern Busse. Oder aber Kuh - Kühe. Wer jetzt denkt die Mehrzahl von Schuh würde Schühe lauten ist ebenso schief gewickelt wie derjenige, der denkt Mühe wäre der Plural von Muh. Nunja, zurück zum Sport.

Während sich Pia ob der Waden von Kweuke gar nicht mehr einkriegen sollte, gesellten sich die beiden Ulis zu uns und gemeinsam stellten wir fest, was nur emsigen Trainingsbeobachtern auffällt. Pröll hatte sich die Haare gefärbt und Spycher neue Strähnchen, sah für Fußballer recht flott aus - ein wenig unpassend finden wir generell nur die Stutzen, durch welche die Waden leicht durchschimmern, das hat sowas von Nylonsocken für Männer - eher uncool.

Andi Menger wummste den Torhütern Pröll und Nikolov ein paar Bälle um die Ohren, dass man glauben konnte, unser Torwarttrainer sei der beste Standard-Schütze der Eintracht - vielleicht sollte er mal mit den Buben Ecken üben. Weiter hinten stand ein Mann mit verschränkten Armen und bewegte sich nicht; nein es war nicht Bellaid sondern unser erster Übungsleiter, der beiläufig den ganz in schwarz gekleideten jungen Männer beim Spiel zuschaute. Nein, nicht unseren Ultras, unserer ersten Mannschaft, die heute ohne Liberopoulos und Ochs trainierte. Auch die Herren Toski, Preuß und Vasoski fehlten schriftlich entschuldigt, während Krük und Zimmermann wohl bei der U23 weilten. Der Herr Caio trug Handschuhe bei frühlingsmilden Temperaturen und der Herr Kweuke ganz kurze Socken zu roten Kickschuhen. Ümit Korkmaz bevorzugte laubfroschgrünes Schuhwerk und Zlatan Bajramović eine schwarze Mütze. Überhaupt Bajramović , er lachte während des gesamten Trainings ein ums andere Mal, ob dies allerdings an den Handschuhen von Caio lag, ist nicht übermittelt.

Es folgte eine Trainingseinheit, die wir Spielzug nannten. Einzelheiten verrate ich hier nicht, nicht dass es morgen gegen 17:20 heißt, ich hätte unserem Gegner intimste Geheimnisse ausgeplaudert - und sei fortan Schuld für Geheimtraining ohne Zuschauer. Am Rand des Platzes standen einige Vertreter der schreibenden Zunft, die wir mit einem herzlichen deutsche Presse halt die Fresse begrüßten.

Nein, machten wir natürlich nicht, wir beobachteten eine wunderschöne Choreografie unserer Mannen, diesmal aus der Disziplin Synchrontorschleppen. Jeweils vier Spieler an einer Seite trugen im Gleichschritt ein Tor zu einer Linie, drehten sich formvollendet und setzten das Tor punktgenau auf die Linie, das macht uns so schnell keiner nach; die Bewegungen gingen derart geschmeidig ineinander über, da merkt man erst die Handschrift des langjährigen Trainers, der sich später tatsächlich bewegte.


Es folgte ein munteres Trainingsspielchen, wo zunächst ich selbst durch ein butterweiches Ballzurückspiel auffiel, nur wenig später schaffte Stefan ein gleiches noch eleganter, was ihm spontanen Szenenapplaus einbrachte, den er huldsam wie eine Königin entgegen nahm.

Fink schoss einen wunderbaren Treffer, der uns zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss, Kweuke guckte doof, wenn Pröll "Leo" rief und Sebastian Jung schleppte später die gelben Männchen übers Grün, während sich Chris einen Ball unter sein Leibchen steckte derweil er noch ein paar Flanken schlug; sage einer, die Buben hätten den Ernst der Lage nicht begriffen.

Unser Trainer hatte sich im Laufe des Tages nicht nur bewegt, nein: er hatte sogar gesprochen. Nah bei nah stand er mit Nikolov beisammen und plauderte mit ihm, wir können nur raten, was er gesagt hat, vielleicht sowas wie: Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass du morgen spielst. Wenig später legte er jovial den Arm auf die Schulter unserer Nummer 11 und zeigte Menschlichkeit, wie sonst nur im Kölner Karneval. Was er zu Korkmaz sprach ist ebensowenig überliefert, wie die Worte zu Oka. Könnte es gewesen sein, dass er zu unserem Außenflitzer gesagt hat: Österreicher von Beginn an? Nicht solange ich Trainer bei Eintracht Frankfurt bin. Und könnte Ümit geantwortet haben: Naja, die zwei, drei Wochen kann ich es verschmerzen.

Nein, das ist bloß erfunden, lasst euch nicht veräppeln.

Später wollte der freundliche Zlatan Bajramović unbedingt noch ein Bild mit uns machen; selbst wenn wir geschlaucht vom Training sind, müde vom sich zum Abend neigenden Tag finden wir immer noch ein Minütchen, um auf die Wünsche der Spieler einzugehen; Pia knipste und ist also gedanklich dort zu finden, wo im Moment eure Augen sind.


Kurz danach kam sogar noch Kid vorbei, er hatte dem Museum einen kurzen Besuch abgestattet und wir unterhielten uns ein bisschen über die wenig erfreuliche Situation des Internetforums der Frankfurter Eintracht und über den Ausblick für das morgige Spiel. Sehr erbaulich war dabei die Information, dass Trainer Rangnick seinerzeit wegen der Trennung AG-e.V. nicht zur Eintracht wollte, da er keinerlei Verfügungsgewalt über den Nachwuchs haben sollte. Also, am Geld hat es damals nicht gelegen. Niemals.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.

Kid will morgen unbedingt gewinnen - und da ich der gleichen Ansicht bin, kann ja nun nichts mehr schief gehen. Während Uli telefonisch noch eine Karte erstehen konnte, machte sich der andere Uli vom Acker, auch Stefan verließ uns und so marschierten Pia, Kid und ich zurück ins Museum, wo Matze und Billy gerade dabei waren diverse Exponate an der Wand zu verdübeln, jener Matze der unlängst von Henni Nachtsheim zum Trainer der Eintracht geadelt wurde.

Matze legte eine DVD ein, welche Filmaufnahmen unserer Kurve während des Pokalendspiels in Berlin 2006 zeigte, jener Höhepunkt der letzten Jahre, der heute in dieser Art undenkbar ist; zuviel ist geschehen, zuviele tummeln sich im vierten Jahr der Erstklassigkeit der Eintracht im Umfeld, deren Ansprüche weit über das bestehende hinausgehen; der Zusammenhalt, der uns über Jahre hinweg mehr oder weniger auszeichnete, ist passé.

Für Kid hatten die Szenen natürlich eine besondere Bedeutung, sah er dieses Spiel doch mit seinem Neffen Marcus, der tragischerweise im letzten Jahr gestorben ist; ihm gingen die Bilder sichtlich nahe und er verabschiedete sich traurig von uns.

Als der Auftritt Tankards gezeigt wurde, durchliefen mich nicht nur Schauer der Erinnerung sondern mir flossen tatsächlich einige Tränen die Wangen hinab. Die Erinnerung an die Tage in Berlin, die Traurigkeit Kids und der erlebte Tag forderten ihren Tribut.

Nebenbei gewannen wir dann doch noch den DFB Pokal und verabschiedeten uns von Matze, der morgen wie wir alle im Stadion sein wird, wenn die Eintracht souverän und in dieser Höhe auch verdient die Emporkömmlinge der TSG Hoffenheim mit 4:1 nach Hause schickt.

Auf dem Rückweg konnten wir aus den Augenwinkeln den Mannschaftsbus der Mannschaft entdecken, die in meinen Augen sozusagen die Silikonbrüste des deutschen Fußballs sind.

Im CD-Player lief ein Lied des leider auch schon verstorbenen Georg Danzer mit dem Titel Weiße Pferde; es begleitet mich schon etliche Jahre und es ist ein wunderbarer Song, der mich immer wieder zu Tränen rührt. Irgendwie passte er zur Heimfahrt, Berufsverkehr auf der A3, Pendler, Handwerker, das wirkliche Leben. Kühl ist es geworden. Aber morgen scheint die Sonne, da bin ich sicher.


Dienstag, 10. März 2009

Nachbetrachtungen zur Lesung des "Andermachers" im Museum der Frankfurter Eintracht


Es war so gegen halbvier, ich rollte grade an meinem Lieblingsimbiss in Frankfurt vorbei, um mir noch zwei Burger zu gönnen, als mich Matze anrief: Beve, stell dir vor, draußen auf dem Trainingsplatz spielt die Eintracht gegen die Nationalmannschaft von Aserbaidschan.
Aserbaidschan? Mit Torwarttrainer Uli Stein?

Ich ließ Burger Burger sein und startete durch. Wie immer rollte ich durch Tor 3 in Richtung Stadion; selbst wenn du ohne Auto kommst, musst du durch dieses Tor, welches für den Ortsunkundigen nur schwer zu finden ist. Aus unerfindlichen Gründen bleibt der Haupteingang unweit der Straßenbahnendhaltestelle Stadion während der Woche geschlossen, so dass der Nutzer des RMV einen unwirtlichen Fußweg vor sich hat.

Gegenüber des Museums befinden sich die Trainingsplätze der Eintracht - und tatsächlich: auf dem hinteren spielten unsere Jungs gegen Aserbaidschan; eine Handvoll Zuschauer kibitzten, die meisten per Zufall, da sie etwas im Stadion zu tun hatten. Die Nieder Buben hatten dem Museum den Fußballschuh von Michael Fink überreicht, den dieser trug, als er in der Saisonvorbereitung gegen Paderborn zum Tor des Monats traf, GoodButcher hatte ebenso wie Doreen, die mit ihrem Kleinen anwesend war, etwas zu erledigen und so schaute ich ein bisschen zu und schwatzte mit den Menschen, die ich kenne.

Auf der andren Seite standen sowohl unsere drei Trainer Funkel, Reutershahn und Menger als auch Aserbaidschans Chefcoach Berti Vogts. Uli Stein plauderte mit Holz und ich nutzte die Gelegenheit, um Uli auf unser Museum hinzuweisen. Leider musste die Mannschaft direkt nach Spielende abfahren, da sie im Hotel und nicht im Stadion duschen sollten; aber ich bin mir sicher, dass wir Uli Stein in nicht allzuferner Zeit ins Museum locken können.

Die Eintracht-Kicker, welche nicht auf dem Feld standen, hockten mit schwarzen Kappen am Rande des Spielfeldes und beobachteten den 1:0 Sieg der Eintracht gegen die Mannen von Berti Vogts. Auf dem Rückweg wünschte ich dem Trainergespann viel Erfolg (vor allem für das anstehende Bielefeld-Spiel) und die Herren bedankten sich artig.

Alsbald begann ich mit Pia das Museum zu dekorieren; wir schnitten Farbfolien zurecht und schoben sie vor die Spots; legten rote samtimitatene Decken über die Tische und verteilten Kerzen. Nachdem Matze noch die Beleuchtung von den beiden Mannschaftsbildern im Vorraum abschaltete wirkte das Museum plötzlich ganz anders, als gewohnt. Aus dem klaren hellen Vorraum wurde mit kleinen Mitteln ein gemütliches Plätzlein und nachdem wir uns doch dazu entschieden hatten, eine Anlage inclusive Mikrofon aufzubauen harrten wird der Dinge die nun folgen würden und vor allem der Menschen, die sich aufraffen konnten, den weiten Weg ins Museum zwecks Lesung aus einem Buch, welches so gar nichts mit der Eintracht zu schaffen hat, anzutreten.

Zur Einstimmung lief auf dem Monitor eine DVD meiner Lieblingsband And also the trees, die zwar kaum jemand kennt, aber deren Musik hervorragend zur Stimmung des Buches und der Lesung passt.

Und peu a peu kamen dann tatsächlich die ersten Gäste, und als ich gegen viertel vor acht begann, hatten sich annähernd dreißig Menschen eingefunden; und das wegen eines Buches, das ich geschrieben hatte; wie gesagt: es ging ganz und gar nicht um die Eintracht. Um nicht einen einzigen zu vergessen, verzichte ich auf die Namensnennungen, sondern stelle fest, dass sowohl ganz alte Freunde dabei waren, die mit der Eintracht nur am Rande zu tun haben, Eintrachtfans die ich über das Forum kennen gelernt hatte, waren ebenso anwesend wie Leute aus dem Umfeld des Blog-G oder aus meinem Fanclub Schwarze Bembel, wie auch der ein oder andere aus dem großen Eintracht-Umfeld; ich freute mich über jede(n) einzelne(n), der/die gekommen war und wollte niemanden enttäuschen. Kid und Stefan hatten dankenswerterweise die Lesung in ihren Blogs beworben, in der Fan geht vor wie auch im Stadionmagazin wurde darauf aufmerksam gemacht und sogar auf dem Videowürfel wurde während der Partie gegen Schalke auf die Veranstaltung hingewiesen.

Matze sprach wie immer ein paar einleitende Worte und alsbald las ich aus meinem seltsamen Büchlein, vor mir auf dem Tisch brannte ein Kerzlein vor einem Spiegel und wir tauchten ein in die dunkelschöne Welt einer scheinbar lang vergessenen Zeit.

Das Buch trägt zwar den Titel Der Andermacher, eine handelnde Hauptfigur ist jedoch der Johannes Cüßnacht, der als Knabe als einziger einem Rattenfänger entkommt, der dem Mythos nach ein Dorf von einer Rattenplage befreit hatte aber nicht entlohnt wurde. Daraufhin kehrte er zurück und nahm die Kindlein des Dorfes mit sich, allein der Cüßnacht überlebte und verdüsterte vor der Zeit, ja er wuchs sogar keinen Zentimeter mehr seit jener Nacht. Einzig der Andermacher, ein etwa gleichaltriger Junge, der aus dem Nichts auftauchte und stets ein freundlicher, lebenslustiger Geselle blieb, begleitete ihn auf seiner Reise durch die Zeit.

Auf dem Monitor hinter mir präsentierten wir die Illustrationen von Kerstin Alexander, die auch im Buch zu finden sind und diese begleiteten uns auf dem Lebensweg des Johannes Cüßnacht, der mit einem Scharlatan, genannt der Silbermichel über das Dorf in die nahe gelegene Stadt führte und von dort auf die finstere Burg Rabenstein. Allerlei Gedanken und Erlebnisse formten den früh vergreisten bis hin zu einem Ende, welches hier nicht vorweggenommen werden soll, - stets war der Andermacher in dessen Nähe, obgleich dieser sich frohgemut durch die Weltgeschichte abenteuerte.

Auch wenn als Narren wir belächelt werden,
als Sommertraum, als Springinsfeld,
so spiegeln unsre Seelen nur
eure eigne Seelenwelt.
Drum handelt klug, benehmt euch weise
und öffnet eure Herzen vor der Zeit.
Allein Bestand in diesem Leben
hat nur der Traum und die Vergänglichkeit
doch bedenkt dabei,
der Traum vom Glück
ist nichts – als bloß ein Schelmenstück.

Mit diesen Worten endete die Lesung, die mit Pause knapp zwei Stunden dauerte und es war sehr ruhig im Museum der Eintracht, ich glaube - und dies zeigten mir auch die Reaktionen im Anschluss, dass es für alle Anwesenden ein Erlebnis war, ein runder Abend sozusagen und dass niemand sein Kommen bereut hatte. Ich selbst war völlig zufrieden, zum Einen ob der Atmosphäre und zum Anderen darüber, dass ich es abgesehen von ein paar Holperern geschafft hatte, mich über die Dauer zu konzentrieren.

Ich blies das Kerzlein aus, nahm den Beifall des Publikums ebenso dankbar entgegen wie eine Flasche Sekt von Matze, signierte etliche Bücher und so klang ein Abend bei vielen Gesprächen rund um die Lesung, die Eintracht und über das Leben aus.

Ich fand den Abend großartig und bedanke mich bei allen, die diesen Abend möglich gemacht haben, bei meinem Verlag, insbesondere bei Roman Pliske, der den Mut hatte und an mein Werk über die Jahre hinweg geglaubt hatte; bei Erdmute Hufenreuter, meiner Lektorin, ohne sie der Andermacher bei weitem nicht so gut geworden wäre, bei Kerstin Alexander, deren Illustrationen den Andermacher punktgenau getroffen haben, bei Matze, dass ich im Museum lesen durfte, bei Pia, die immer an mich geglaubt hat und bei denjenigen, welche die Veranstaltung so tatkräftig beworben haben. Und natürlich bei euch, die ihr anwesend wart und somit eine Lesung erst sinnig machtet.

Wer weiß, wo und wann wir uns wiedersehen. Bis dahin: Gute Reise.







Die Illustrationen sind von Kerstin Alexander, das Foto von Stefan Krieger. Danke.

Montag, 2. März 2009

Adler


Attila




Das Foto von Attila stammt von Stefan Krieger während des Spiels Eintracht - Schalke. Danke

Montag, 12. Januar 2009

Fotos - Teil III


Nachdem ich in den ersten beiden Fotostreckchen auf Bilder von Stefan im Rahmen der Eintracht zurückgreifen durfte, folgt hier nun die Fortsetzung mit Fotos vom Fritsch, der sich gleich Stefan darauf beschränkt, nur wenige, ausgewählte Bilder in seinem Blog zu veröffentlichen. Jedes Bild schickt dich auf eine Reise - du selbst kannst auswählen, wohin es geht. Sei sicher, es gibt kein zurück. Niemals.


Donnerstag, 11. Dezember 2008

Fotos


In Zeiten digitaler Medien gibt es eines zuhauf: Fotos. Musste man vor gar nicht allzu langer Zeit einen kleinen Film in die Kamera einlegen, auf gut Glück fotografieren und nach der Entwicklung gespannt die Bilder anschauen, ob sie etwas geworden sind, so ist mit den neuen digitalen Kameras (oder auch Handykameras) das Ergebnis sofort zu kontrollieren und statt 24 Bildern sind mit entsprechender Speicherkarte Hunderte möglich. Das hat Vorteile - aber auch gravierende Nachteile. Zu jedem Ereignis existieren nun Tausende von Fotos, die oft ungeachtet ihrer Qualität bald ins Netz gestellt, ruckzuck in den Niederungen des www verschwinden. Kaum jemand macht sich die Mühe, einzelne Bilder auszuwählen und auf die Qualität zu achten. Ein Foto kann ein Leben erzählen, ein Kunstwerk sein. Durch die Vermassung rutschen leider auch die Bilder durchs Raster, die es wert sind, ein wenig in Erinnerung zu bleiben.

Hier sind ein paar davon, weitere folgen:


Friedhelm Funkel


Fenin - Liberopoulos - Toski


Vogel - Matthias Thoma



Alle Fotos sind von Eberhard oder Stefan Krieger.

Danke.