Seiten

Posts mit dem Label Markus Pröll werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Markus Pröll werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 18. September 2010

Tradition zum Anfassen: Der Abend mit Markus Pröll, Alex Schur und Andree Wiedener


Es sollte ein langer Tag für mich werden, schon morgens um halb sieben radelte ich am Main entlang, um eine in den letzten Monaten vom Museum konzipierte und produzierte Ausstellung zur kommenden Weltmeisterschaft 2011 im Frauenfußball im Frankfurter Römer aufzubauen; sie ist toll geworden und wird im Laufe des Jahres an verschiedenen Orten gezeigt - aber darüber wird es bei Gelegenheit einen eigenen Blogbeitrag geben. Gegen 15:30 radelte ich zurück nach Hause, warf mich unter die Dusche und fuhr ins Museum. Dort installierte ich die Technik, trank einen Kaffee und freute mich auf den bevorstehenden Abend. Anlässlich des bislang letzten Aufstiegs der Eintracht im Sommer 2005 hatten wir gemeinsam mit der Fan_ und Förderabteilung Markus Pröll, Alex Schur und Andree Wiedener zur Tradition zum Anfassen eingeladen, zudem noch Daniyel Cimen - der jedoch leider nicht kommen konnte.

Zahlreiche Fans trudelten peu a peu ein - insgesamt jedoch nicht ganz so viele wie erhofft; was etwas verblüffend ob der Tatsache war, dass die Ereignisse noch gar nicht allzu lange zurück liegen und von vielen hautnah miterlebt wurden. Dennoch war der hintere Raum gut gefüllt - und die Gekommenen bereuten ihre Anwesenheit keineswegs, ganz im Gegenteil.

Markus Pröll und Andree Wiedener trafen pünktlich ein, während Alex bekanntermaßen der Mann der letzten Minuten ist, daran sollte auch der heutige Abend nichts ändern. Matze Thoma eröffnete die Veranstaltung mit einleitenden Worten, erinnerte an fliegende Schuhe nach einem nahezu skandalösen Elfmeterpfiff beim Spiel gegen 1860 München und Stefan Minden von der FuFa verwies in seiner kurzen Ansprache auf das unglückliche Ende der Aufstiegsfeierlichkeiten, die seitens der Polizei in Alt-Sachsenhausen rustikal gesprengt wurden und noch wochenlang für Aufregung sorgen sollten.

Im Sommer 2004 war die Eintracht zum dritten Mal in ihrer Geschichte abgestiegen, Spieler wie Ioannis Amanatidis, Christoph Preuß oder Ingo Hertzsch verließen das Team und auch Trainer Willi Reimann, der auf Grund einer Sperre fünf Spiele im Container in der Baustelle Waldstadion verbringen wollte, wurde von seinen Aufgaben entbunden. Auch der Vertrag von Legende Uwe Bindewald wurde zu dessen Leidwesen nicht verlängert - er wechselte gezwungener Maßen zum Oberligisten Eschborn.

So ging die Eintracht mit einer neuformierten Truppe in eine ungewisse Zweitliga-Saison. Während der noch gültige Vertrag mit Andree Wiedener gegen dessen Willen aufgelöst werden sollte - und nach Rücksprache mit dem neuen Trainer doch weiterlief, so rang Alex Schur mit Heribert Bruchhagen um einen neuen Kontrakt. Knackpunkt für beide war die Laufzeit; während Schur ob seiner Verdienste und des fortgeschrittenen Alters sich noch für zwei Jahre an die Eintracht binden wollte, beharrte Bruchhagen auf einem Jahr. Wenn man aus dem Büro von Bruchhagen nach Vertragsverhandlungen heraus kommt hat man das Gefühl, man hätte als Landesligaspieler gerade mit Real Madrid verhandelt schilderte Alex die Situation. Letztlich einigte man sich nach langem Hin und her auf einen Einjahresvertrag mit automatischer Verlängerung nach 20 Einsätzen.

Als Trainer sollte nach Willen des Vorstandes Ralf Rangnick die Eintracht betreuen, was dieser jedoch mangels Perspektive dankend ablehnte. Schließlich übernahm der Aufstiegsspezialist Friedhelm Funkel die Mannschaft, die um Nachwuchsspieler Patrick Ochs, der von den Amateuren der Bayern zurück geholt wurde und dem alten Haudegen Arie van Lent neu formiert wurde. Neu im Team waren auch Alexander Meier, Benny Köhler, Torben Hoffmann, Markus Weissenberger, Christian Lenze, Markus Husterer, sowie die vielversprechenden Nachwuchsspieler Christopher Reinhard und Marco Russ. Für einen war die Saison zu Ende, bevor sie begonnen hatte. Als bekannt wurde, dass Funkel neuer Trainer wird, zeigten sich die ehemaligen Kölner Kreuz, Keller und Pröll wenig begeistert; (was der Vorstand der Eintracht nicht gerne sah) doch während sich Keller und Pröll dazu durch rangen, es weiterhin bei der Eintracht zu probieren, verabschiedete sich Markus Kreuz in Richtung Erfurt und zahlte sogar einen Teil der Ablösesumme aus eigener Tasche. Hickhack gab es auch um den Brasilianer Chris, dessen ungeklärte Vertragssituation (neben der Eintracht meldete auch ein brasilianischer Verein Ansprüche an) für einigen Wirbel sorgte und ihm eine viermonatige Sperre einbringen sollte - was den Rest des Teams nicht sonderlich beeindruckte; so isser halt, der Brasilianer meinte Schur; der eine macht länger Urlaub und der andere sorgt sich nicht um die Kleinigkeiten von Vertragsdetails.

Zu Beginn der Saison war klar, Markus Pröll war als Nummer Eins gesetzt - und er sollte sich im Verlauf des Fußballjahres als großer Rückhalt erweisen, in 33 Spielen spielte er 14 Mal zu Null, kassierte in der Rückrunde im heimischen Stadion gar nur einen einzigen Treffer - beim 0:1 gegen Duisburg am 32. Spieltag, der den Aufstieg der Zebras bedeuten sollte. Machtlos war er auch an den beiden Treffern beim 0:2 in Köln am dritten Spieltag, als er zum ersten Mal gegen seinen alten Club antreten durfte; für den kölschen Jung ein ganz besonderes Spiel - obgleich Poldi ihm einen eingeschenkt hatte.

Startete die Eintracht, die sich natürlich als Saisonziel den Wiederaufstieg gesetzt hatte, wie Wiedener betonte, durch ein Unentschieden in Aachen und einem hauchdünnen Sieg gegen den KSC noch ganz ordentlich in die Saison, so setzte es beim Titelfavoriten Köln die erste Niederlage. Knapp wurde Dresden besiegt und deutlich in Saarbrücken verloren; ein Triumph für den ehemaligen Eintracht-Coach und damaligen Trainer der Saarländer, Horst Ehrmantraut, eine Schlappe für den Kapitän Alex Schur, der eine gelb-rote Karte kassierte.

Hatte bis dato der erste Niederländer bei der Eintracht, Arie van Lent, noch keinen Treffer erzielen können, so sorgte das Frankfurter Publikum bei folgenden Heimspiel gegen Oberhausen dafür, dass der Knoten platzte; trotz mehrfacher Chancen, wollte van Lent kein Tor gelingen, doch die unbändigen Arie, Arie Anfeuerungen schrieen den Ball förmlich ins Tor - und in der 68. Minute war es soweit, van Lent hatte den ersten Treffer für die Eintracht erzielt, es war das 5:1 beim 6:2 Endstand, 15 weitere sollten im Verlauf der Saison noch folgen. Spektakulär auch das folgende 4:4 in Essen, zu dem Markus Pröll erklärte, dass das abgesprochenen Abseitskonzept tadellos funktionierte - bis auf Weissenberger, der sich nicht ganz daran gehalten hatte und Pröll sich mehrmals einer ganzen Armada Essener gegenüber sah. Thommy vom EFC Bockenheim erinnerte sich auch an das Szenario nach Spielende, als Fans der Eintracht und der Essener die dritte Halbzeit im Stadion fortsetzten - Waschbecken und Klohäuschen flogen durch die Gegend. Essen ist immer eine Reise wert.

Der Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft wurde in jener Zeit groß geschrieben, auch bei schwachen Leistungen wurde das Team unterstützt, nicht nur Arie van Lent konnte davon profitieren; auch Du-Ri Cha wurde angefeuert - und erzielte beim Rückspiel in Oberhausen zwei Treffer (nebenbei entwickelte sich auch ein bis heute unvergessener Gesang Du Du Du Du - Ri Ri Ri Ri - Du-Ri, Du-Ri Cha) und auch Andree Wiedener, der nicht immer geliebte, schwärmte von der großartigen Unterstützung in Cottbus, die ihm nachhaltig in Erinnerung geblieben ist.

Doch zuvor verlor die Eintracht in der Hinserie vier Spiele am Stück und lag nach der Niederlage in Haching nur auf Grund der besseren Tordifferenz nicht auf einem Abstiegsplatz. Negativer Höhepunkt war sicherlich die 2:3 Heimniederlage gegen den Abstiegskandidaten LR Ahlen. Angeführt von den Leitwölfen Schur und Wiedener traf sich das Team um ohne Trainer bei einem Schoppen Tacheles zu reden - und es fruchtete. Bis zur Winterpause verlor die Eintracht kein Spiel mehr und setzte sich durch ein 3:0 in Burghausen am 17. Spieltag in der oberen Tabellenhälfte fest - doch der Abstand zum Dritten, der Spvgg Fürth, betrug immer noch acht Punkte.

Während in der Winterpause Stürmer Nico Frommer nach Oberhausen wechselte, verpflichtete die Eintracht neben Rückkehrer Jermaine Jones für relativ kleines Geld den hierzulande völlig unbekannten Mazedonier Aleks Vasoski - der in der Rückrunde den Defensivverband kompromisslos zusammen hielt. Spätestens nach der klasse Leistung gegen Podolski beim 1:0 gegen Köln, als der Kölner Jungstar nach 66 Minuten entnervt ausgewechselt wurde, hatte sich Vasoski in die Herzen der Fans gespielt. Doch so richtig kam das Team nicht vom Fleck; knappen Heimsiegen folgten Auswärtsniederlagen und nach der Niederlage in Dresden betrug der Rückstand auf einen Aufstiegsplatz immer noch neun Punkte. Glücklich die Umstände, dass die zuvor besser platzierten Teams der Spvgg Greuther Fürth aber auch Alemannia Aachen kaum noch punkten konnten, während sich die schwach gestarteten Löwen aus München ähnlich wie die Eintracht stabilisierten und zum großen Konkurrenten um den Aufstieg entwickeln sollten. Die Eintracht robbte sich Punkt um Punkt an die Aufstiegsplätze heran, die Niederlage bei 1860 war dabei kein Beinbruch - nach der Niederlage in Ahlen jedoch erhielten die Aufstiegsträume einen merklichen Dämpfer, zumal noch drei Auswärtspartien im Osten der Republik anstanden.

Andree Wiedener konnte sich im Laufe der Saison gegen seinen Konkurrenten auf der linken Verteidigerseite, den jungen Reinhard durchsetzen und entwickelte sich zur großen Stütze - dies sei vor allem extremen Trainingseinsatz zu verdanken; so manches mal hatte sich Andree im Training dermaßen reingehängt, dass er für das Spiel eigentlich zu kaputt war.

Markus Pröll hingegen hatte sich in dieser Saison endgültig gegen Nikolov durchgesetzt und spielte eine nahezu fehlerfreie Runde. Zum vor entscheidenden Spieltag sollte sich der 29. entwickeln; die Eintracht musste in Aue antreten, während 1860 gegen Saarbrücken schon drei Punkte eingeplant hatte. Nach zwei Minuten lag die Eintracht durch Köhler in Führung, um mit dem Pausenpfiff das zweite Tor zu erzielen - doch da stand Alex Schur schon nicht mehr auf dem Platz; ohne Einwirkung des Gegners hatte er sich das Kreuzband gerissen - und so war wieder einmal ein Kapitän der Eintracht außer Gefecht gesetzt; wie zuvor schon Jürgen Grabowski oder Ralf Weber brachte die Binde auch ihm kein Glück. Die Eintracht aber ließ sich nicht aus dem Konzept bringen und besiegte Aue mit 5:0. Da Fürth gegen Duisburg nicht über ein 0:0 hinaus kam und auch 1860 in letzter Sekunde durch den ehemaligen Frankfurter Örtülü den Ausgleich hinnehmen musste, sprang die Eintracht erstmalig auf einen Aufstiegsplatz - den sie bis zum Saisonfinale nicht mehr abgeben sollte. Hätte Aue die Partie gewonnen, hätten sie um den Aufstieg selbst mitgespielt. Auch Fürth verabschiedete sich vorzeitig aus dem Rennen und kam es am letzten Spieltag zum Fernduell zwischen der Eintracht, die im fast fertig gestellten neuen Stadion gegen Burghausen antreten musste und 1860 München, die im eigenen Stadion auf Ahlen trafen, die noch um den Klassenerhalt kämpften. Da die Eintracht mit einem Punkt Vorsprung ins Finale ging, war ein Sieg gleichbedeutend mit dem Aufstieg. Nach zwölf Minuten lagen die Sechzger zwar gegen Ahlen in Front, doch nur vier Minuten später erzielte Köhler die Führung für die Eintracht, die während des gesamten Spiels nicht in die Gefahr einer Niederlage geriet und am Ende mit einem ungefährdeten 3:0 den Aufstieg perfekt machte. Augenzeuge war übrigens Marko Marin, der bei diesem Spiel Balljunge war. Da zudem Ahlen in München mit 4:3 gesiegt hatte und den Klassenerhalt feiern konnte, hätte in Frankfurt alles so schön sein können, wenn - ja wenn die Polizei nicht den Fan-Block gestürmt hätte. Alex Schur und auch Stefan Lexa versuchten zwar am Zaun, das Schlimmste zu verhindern, doch die Stimmung war angekratzt. Auch ein wenig bei Torben Hoffmann, hatte er zuvor doch einen neuen Vertrag bei 1860 München unterschrieben - und blieb somit in der zweiten Liga.

Waren die Feierlichkeiten der Fans nach Spielende am Römer trotz einsetzendem Regen noch recht ausgelassen (Ein von Frank Wagner eingespielter Film zeigte im Museum neben Spielszenen und den Feierlichkeiten auf dem Rasen auch Szenen vom Römerbalkon, in denen Alex Schur als auch Du-Ri Cha ihr Gesangstalent zum Besten gaben) so eskalierte die Situation in Alt-Sachsenhausen dann vollends. Obgleich kaum Gästefans anwesend waren und die wenigen mit den Eintrachtlern feiern wollten, sperrte die Polizei das ganze Viertel ab und prügelte auf feiernde Fans ein. Es war ein trauriger Abschluss eines tollen Tages.

Zu diesem Zeitpunkt war der Vetrag mit Andree Wiedener noch nicht verlängert; er blieb als Stand-By-Profi noch für ein Jahr bei der Eintracht; sein Nachfolger wurde Christoph Spycher, der in den kommenden fünf Jahren die linke Seite bespielte. Heute besitzt der ehemalige Bremer Wiedener ein Sportgeschäft in Darmstadt Griesheim und schnürt für die Traditionsmannschaft der Eintracht noch von Zeit zu Zeit die Kickschuhe.

Für Alex Schur bedeutete der Kreuzbandriss aus dem Aue-Spiel quasi das Karriereende. Da er zuvor die notwendigen 20 Spiele absolviert hatte, verlängerte sich sein Kontrakt um ein Jahr und er konnte sich auf die Zeit nach dem Profifußball vorbereiten. Alex absolvierte im folgenden Bundesligajahr nach ausgeheilter Verletzung noch einige Einsätze bei der U23 in der Oberliga und wurde von Trainer Funkel in den letzten beiden Spielen der Saison 2005/06 für einige Minuten in der Bundesliga eingewechselt, um sich von den Fans zu verabschieden. Heute trainiert er erfolgreich die U17 der Eintracht und wurde im Sommer mit seiner Mannschaft sogar Deutscher Meister.

Markus Pröll kämpfte bis zur Saison 2009/10 mit Oka Nikolov um den Stammplatz im Tor der Eintracht. Mehrere Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück und er erhielt nach Ablauf der Saison 2009/10 keinen neuen Vertrag mehr in Frankfurt; obgleich er vielleicht der beste der drei Torhüter war. Die Verletzungsanfälligkeit aber auch die Gehaltswünsche und die ein oder andere unglückliche Aussage führten dazu, dass er die Eintracht verlassen musste. Heute trainiert er bei Bayer Leverkusen II und hofft auf ein vernünftiges Angebot; Offerten aus der Türkei, Griechenland und auch aus Osteuropa hatte er abgelehnt, um nicht aus dem Fokus zu geraten. Markus ist mit 31 Jahren noch ein verhältnismäßig junger Torhüter und er brennt noch; für ihn ist es keine Option bspw. wie Lutz Pfannenstiel als Weltenbummler unterwegs zu sein. Das Geschäft ist schnelllebig, die Konkurrenz groß, so teilt er sein Schicksal derzeit mit Michael Rensing oder seinem ehemaligen Kollegen Stefan Wessels, die gleichfalls derzeit vereinslos sind - und auf den einen Anruf hoffen, der alles verändern kann. Zu wünschen wäre es ihm.

Und so endete der Abend mit Autogrammen und Fotos und der Gewissheit, dass es immer etwas Besonderes ist, einen Abend im Rahmen der Tradition zum Anfassen im Museum der Eintracht zu erleben. Für die Spieler, für die Zuschauer - aber auch für mich, der sich ganz herzlich bei allen Anwesenden bedankt.




Fotos: Steffen Ewald, Pia Geiger

Mittwoch, 15. September 2010

Tradition zum Anfassen „Fünf Jahre Liga Eins“

Am 22. Mai 2005 war es vollbracht: Mit einem vielumjubelten 3:0 über Wacker Burghausen verabschiedete sich Eintracht Frankfurt aus der Zweiten Fußball-Bundesliga. Ein bewegtes Jahrzehnt lag hinter dem Verein, der seit seiner Gründung 97 Jahre lang ununterbrochen erstklassig Fußball gespielt hatte. Doch mit dem ersten Abstieg 1996 begann ein Jahrzehnt im Fahrstuhl; sechs Mal wechselte man die Spielklasse.

Heute hat es den Anschein, als habe die Diva an jenem 22. Mai 2005 endgültig den Fahrstuhl verlassen. Die Eintracht gilt als etablierter Erstligist, dessen Klassenerhalt allenfalls in einem richtigen Seuchenjahr noch einmal in Gefahr geraten könnte.
Dabei hat es zu Beginn der letzten Aufstiegssaison gar nicht so großartig ausgesehen. Nachdem die Eintracht im Sommer 2004 zum dritten Mal den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten musste, war die Unsicherheit im Umfeld groß. Auf die Entlassung von Willi Reimann folgten Vertragsverhandlungen mit Ralf Rangnick, der nach dem Scheitern behauptete, der Kader sei nicht stark genug für den direkten Wiederaufstieg. So verpflichtete die Eintracht mit Friedhelm Funkel einen Aufstiegsexperten, der für den zurückkehrenden Erfolg sorgen sollte.

Bis zum Frühjahr 2005 sah es lange Zeit nicht nach einem direkten Wiederaufstieg aus. Zur Winterpause hatte man acht Punkte Rückstand auf Platz 3, und nach der 2:3-Niederlage beim Tabellensiebzehnten LR Ahlen am 27. Spieltag belegte die Eintracht Anfang April gerade mal Platz Sieben. Doch dann gab es vier Siege in Folge, unter anderem das unvergessene 5:0 in Aue. Und am 22. Mai bebte die Baustelle des Waldstadions, als 42.500 Fans mit dem 3:0 gegen Wacker Burghausen dann doch die erhoffte Rückkehr ins Oberhaus feierten.

Im Teil 13 der Veranstaltungsreihe „Tradition zum Anfassen“ blicken wir zurück auf ein Jahr in den Niederungen des Zweitligafußballs und erinnern uns an Auswärtsfahrten nach Essen, Oberhausen, Saarbrücken und Greuther Fürth. Wir blicken auf die Entwicklung, die die Eintracht in den letzten fünf Jahren genommen hat. Auf den Tag genau 1943 Tage nach dem Aufstieg freuen wir uns im Museum mit Andree Wiedener, Markus Pröll, Alexander Schur und Daniyel Cimen vier Aufstiegshelden begrüßen zu dürfen. Und die haben sicher einiges zu berichten.

DONNERSTAG, 16. SEPTEMBER 2010
19.30 UHR
EINTRACHT FRANKFURT MUSEUM
EINTRITT FREI

Sonntag, 17. Mai 2009

Heimspiel in Bochum - 16.05.2009


Auf den Tag siebzehn Jahre nach dem deprimierensten Spiel der Vereinsgeschichte hatte die Eintracht in Bochum anzutreten, beide Teams konnten aus eigener Kraft den Klassenerhalt sichern - und die Eintracht hatte nach dem Desaster gegen Werder Bremen am Mittwoch zuvor noch etwas gut zu machen. Noch in der Woche zuvor konnten Pia und ich Sitzplatzkarten ergattern, was in Anbetracht von Pias Verletzung am Bein diesmal auch Sinn machte. Am End standen wir doch - aber dies ist eine andere Geschichte.

Traditionell machten wie uns relativ früh auf den Weg ins Revier, traditionell tuckerte der silberne Golf über die Friedberger Landstraße auf die A661 um am Bad Homburger Kreuz auf die A5 abzubiegen. Musikalisch hielten wir uns diesmal an Psychobilly (The Meteors), an Reggae (Hopetown Lewis) und an den gute alten Indiesound (von British Sea Power über Phillip Boa bis hin zu Cock Sparrer) - wenn schon die Auftritte der Eintracht nichts Gutes erwarten lassen, dann wenigstens die Musik, oder?



The Meteors - 3 against 1


Der Himmel wurde von Wolkenballen bedeckt, ab und an blinkte ein leuchtendes Blau in den Tag, Kilometer um Kilometer wurde abgespult, Manu Chao sang vom Regen im Paradies, was ein paar Kühe so gar nicht interessierte, sie lagen im Grün neben dem Highway - und schliefen. Da wir recht früh unterwegs waren, sahen wir nur wenige Busse oder flatternde Schals, Menschen fuhren in den Tag und wir nach Bochum: Gambacher Kreuz, A45, Gießen, Siegen und irgendwann ging es ab nach Iserlohn, eine graue Maus unter Deutschlands Städten, die vielleicht doch mal einen Besuch wert wäre, wer weiß.

Die Parkplätze hießen nun Flöz Mausegatt, die Orte Lüdenscheid und bei Dortmund West rollten wir auf die A40 welche wir in Bochum verließen um hinter dem Ruhrstadion direkt vor der Justizvollzugsanstalt zu parken.

Frisch war's - aber wir sind Härteres gewohnt - und so wanderten wir durch Grönemeyers Bochum, sahen die Schrebergärten, die unwirtliche Fußgängerzone und die im Ruhrgebiet üblichen ostzonalen Schaufensterauslagen. Wir machten eine Pause inmitten von Gänseblümchen, ab und an bewachte ein Polizeiwagen das Treiben, von irgendwo erklang: Hurra, hurra die Frankfurter sind da, ansonsten war Samstag-Nachmittag. Ein Fiege-Bier später hockten wir vor dem Planetarium auf einem grasgrünen Hügel und betrachteten das Treiben unten auf der Straße. Gegenüber war ein Kiosk, ab und an kam ein Grüppchen Eintrachtler vorbei, einige Bochumer zogen vorüber und es dauerte nicht lange, bis sich einige Frankfurter unterhalb von uns ebenfalls in Gras warfen. Sie lieferten sich mit den Jungs am Kiosk einen munteren Wechselgesang, wir lachten und rauchten und waren eigentlich ganz guter Dinge: hatte die Eintracht in dieser Saison zwar des Öfteren grandios versagt, so hatten sie sich noch immer daraufhin berappelt - zumal Teams wie Cottbus oder Bielefeld ihre Spiele gewinnen mussten, um unabhängig von unserer Partie überhaupt noch vom Klassenerhalt träumen zu dürfen.


Ein Polizeibus hatte sich mittlerweile an der Kreuzung positioniert, Polizisten rüsteten sich mit Kabelbinder und Helm aus und beobachteten nun die singenden Frankfurter. Nur wenig später marschierte ein sonderbarer Trupp an uns vorbei: Angeführt von einigen Polizeiautos mit Blaulicht aber ohne Sirene folgten die Bahnfahrer. Zunächst die Ultras, schweigend und schwarz, dahinter die Trikots, schweigend und rotschwarz und wiederum dahinter folgten annähernd zig Polizeibusse, ebenfalls eher leise. Man hätte meinen können, wir beobachteten einen Trauermarsch.

Langsam machten wir uns gleichfalls auf in Richtung Stadion an der Castroper Straße. Der ehemalige Bochumer und - ähem - Frankfurter Thorsten Legat wurde einst gefragt, wie er denn zum Bodybuilding gekommen sei. Die Antwort ist ebenso schlicht wie legendär: Immer Castroper Straße rauf. Wir taten es ihm gleich, bis wir die sich in den Himmel reckenden Flutlichtmasten erkannten; die Tribüne ragte wie ein nackter Betonhintern auf einem Donnerbalken auf die Straße und wir trafen auf den alten Haudegen Thommy vom EFC Bockenheim, während wir uns noch ein Hansapils gönnten. Von überall strömten die Frankfurter ins Stadion, viele Bochumer trugen gelbe Shirts mit der Aufschrift: Wir sind Opel; die Wirtschaftskrise trifft natürlich die Opelianer in der strukturschwachen Stadt Bochum immens, ohne Opel gehen hier die Lichter aus. Später saßen viele im Block beieinander; der Unbeleckte hätte auf Dortmunder getippt - die Blockfahne verriet aber spätestens jetzt: Opel.

Vor dem Stadion Gespräche: Holen wir einen Punkt? oder Wann geht der Trainer? Hier trafen wir auf Hans-Peter und Beate, dort standen die Ultras, hier das Pferd dort Donna und im Großen und Ganzen ließ sich der Tag doch recht entspannt an, zumal es nun deutlich wärmer wurde. Die Vogelscheuche sagte Hallo, der EFC Black & White war zum 30-jährigen Jubiläum in Sträflingskleidung erschienen, ein Polizist wechselte einem Fan Geld, auf dass sich dieser eine Karte kaufen konnte und wir erfuhren, dass Christian, der uns in dieser Saison schon des Öfteren begleitet hatte ebenfalls in Bochum war; seine Begleiter allerdings verweilten nun im örtlichen Krankenhaus - Ein Vollidiot Frankfurter Herkunft hatte direkt vor dem Stadion einen Asso-Böller inmitten einer Gruppe von Eintracht-Fans fallen lassen; in einer Gruppe, in der sich auch Gerd mit seinem Sohn aufhielt. Böller in einer Gruppe mit Kindern zu werfen - wie krank kann man sein?

Diese Nachricht betrübte unsere Laune, die sich erst wieder aufhellte, als wir Anno und Kroni trafen, mit denen wir auch ins Stadion marschierten, kurzes Abtasten, kurzes Begrüßen von ZoLo und Ben, unseren neuen Fanbetreuer - und schon ging es hinein: Block F - links. Ich verschwand im Klo und als ich wieder hinausging fragte ich den Mann, der hinter mir die Toilette verließ, ob er gerade die Hände gewaschen habe? Er guckte mich an und meinte: Ja, wieso? Ich antwortete zwinkernd: Gut. Sonst hätte ich nämlich Pisse an der Wade.

Pia und ich kämpften uns auf einen freien Platz und schnell war klar: An Sitzen war nicht zu denken, alles stand - normalerweise ist das auch gut so - nur in unserem Falle etwas doof, da Pia wegen des Beines nicht die ganze Zeit stehen wollte. Aber: Was soll man machen?

Das Bochumer Stadion kommt oldschool daher, inmitten der Stadt gelegen prangte am gegenüberliegenden Eingang noch immer der Name Ruhrstadion - obgleich es auch heute offiziell ganz anders heißt; die Tribünen sind noch Tribünen und das Flutlicht verdient diesen Namen. Gut, wenn dieses Team nicht absteigt und wir im kommenden Jahr wieder hierher kommen können. Dazu sollte auch die Eintracht drin bleiben, wobei ich mir diesbezüglich keine Sorgen machte. Etwas neben uns standen einige Geiselgangster, André hoffte auf Wiedergutmachung (er sollte arg enttäuscht werden) während Gerre seinen Geburtstag schon gefeiert hatte.

Anpfiff, die Eintracht begann forsch und mit Liberopoulos auf der Bank, an Stelle vom gesperrten Ochs beackerte Sebastian Jung die rechte Seite und Chris rückte für Bellaid in die Innenverteidigung. Steinhöfer begann auf links im Mittelfeld, Mahdavikia auf rechts.

Nach einer vergebenen Chance von Meier nach Vorarbeit von Mahdavikia erzielte der VfL nur wenig später das 1:0 und wer gedacht hätte, die Eintracht würde sich gegen die drohende Niederlage stemmen, der wurde enttäuscht. Der selbsternannte Führungsspieler Fink irrte sinnfrei umher, Steinhöfers Phlegma stand sinnbildlich für das gesamte Team alleine Markus Pröll zeigt sich präsent, während Jung von seinen Kameraden sträflich im Stich gelassen wurde.

War der Support bislang ganz anständig, verlor ich nun langsam den Glauben: An das Team und an die Kurve. Neben uns grölte ein junger Mann mit Pissflecken auf der Hose und Bierbauch über dem Gürtel: Funkel Raus, wurde von seinen nicht minder elganten Freunden gefeiert, ab und an kotzte er ein Caio in den Tag und wir ahnten, was noch kommen würde.

Machen wir es kurz, nach dem 2:0 brachen alle Dämme, Funkel raus tönte es durchs Stadion, Caio kam später tatsächlich (für den angeschlagenen Spycher), konnte das Spiel aber ebensowenig herumreißen wie Amanatidis, der nach siebenmonatiger Verletzungspause weitestgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit in der 79. Minute für Fenin eingewechselt wurde. Sicher, es gab vorher einige Amanatidis-Sprechchöre, aber der Unwille über den Trainer übertönte alles. Während die Bochumer Nie mehr Zweite Liga skandierten fielen unsere enthemmt ein: Nie mehr Friedhelm Funkel, nie mehr, nie mehr. Das war kein Galgenhumor, das war das Tönen von Geistern, deren Lust an der Demontage alles überstrahlte. Sicher, man kann seinem Unmut über die desaströse Leistung Luft machen, Verzweiflung in unflätige Worte verwandeln - allein ich hatte den Eindruck, dass von vielen [edit: einigen] die Lust an der Destruktion nicht einem Leidensdruck geschuldet wurde, sondern von einer blöden, glotzenden Massenhysterie herkam, die auch zehn nackte Frisösen gebiert. Mein Gott, was musste ich in Fressen gucken: Besoffenes unteres Mittelmaß mit Hang zur völligen Selbstaufgabe; Gestern Ballermann - heute Funkel raus. Eklig. Wenn einer von denen attraktiven Fußball fordern sollte, ginge das nur mit Fettabsaugen oder Hirnimplantation. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass es vor dem Spiel außerhalb des Stadions zu Sprechchören: Funkel du Zigeuner kam?

Ich weiß, ich tue einer ganzen Menge Menschen unrecht, die das Maß für voll halten, die völlig zu Recht ihrem Unmut Luft verschaffen - aber was da bei uns teilweise in der Kurve steht, das ist in seiner Gesamtheit unerträglich geworden; genauso unerträglich wie das Gekicke unten und eine Stellungnahme des Trainers, der noch nach dem Spiel von sich gab: Es sei alles okay.

Im End hatten beide Teams die Klasse gehalten, die Bochumer feierten und unsere Kurve forderte von den Spielern Komm, Komm und als sie kamen hagelte es Häme. Pröll zeriss sich vor Wut über den katastrophalen Auftritt seiner Kollegen sein Trikot - der Rest war Schweigen. Bis sich unser Kapitän gegenüber der Presse äußerte:

"Das ist alles zu wenig, alles zu schwach. Es ist völlig in Ordnung, dass die Fans sauer sind", sagte der Stürmer: "Ob wir Spieler oder das Trainerteam - jeder muss sich mal hinterfragen, wo er mit der Eintracht hin will." Der stolze Grieche betonte, er finde es "erbärmlich", dass 33 Punkte der Eintracht schon zum Klassenerhalt verhalfen.


Wir warteten vor dem Eingang noch auf Christian, der mit uns nach Hause fahren sollte, Pia war arg sauer ob des Erlebten und es dauerte ein Weilchen, bis sie wieder lächeln konnte. Noch bevor Christian vorbeikam schwatzten wir mit Regina und der Filzlaus, die sich dann auf ein Bänkchen in die Sonne hockten. An der Castroper Straße trafen wir auf unseren EFC Kumpel Johannes, der wohl vergeblich versuchte, in seiner Bochumer Stammkneipe seinen Frust zu ertränken und wir verkrümelten uns ein paar Meter dahinter ins Café Treibsand auf ein Chili con Carne. Draußen sauste Blaulicht die Straße hinunter, drinnen blubberte ein softer Techno-Sound und wir ärgerten uns über hirnlose Masse genau so wie über den Eintracht-Fußball und den Böller. Lust auf den Saisonabschluss? Ich werde da sein, aber Lust ist etwas anderes. Etwas ganz anderes.

Später marschierten wir zum Golf, linker Hand der Knast, rechter Hand der Papageienpark und so wir rollten am Starlight-Express vorbei auf den Ruhrschnellweg und die A45. Bei chilliger Musik überholten wir etliche Eintracht-Busse, freuten uns ob der relativen Stille und diskutierten den Tag und den kommenden Trainer. So recht wollte uns niemand einfallen - außer Jürgen Klopp. Aber der wird wohl eher Real Madrid trainieren, als sich vom derzeitigen Gebilde Eintracht Frankfurt verbrennen zu lassen.

SGE - wir sind da
Jedes Spiel - ist doch klar
Erste Liga - tut schon weh.
Scheißegal - Oh SGE.





Montag, 4. Mai 2009

Am Rande des Frankfurter Stadtwaldes


Sonne, Bratwurstduft und ein munteres Fußballspiel - so lasse ich mir einen Samstag gefallen. Unerwartet viele Zuschauer sahen am Rande des Frankfurter Stadtwaldes ein faires aber keineswegs lahmes Spiel zweier Mannschaften, welche zwei unterschiedliche Philosophien in der Spielweise an den Tag legten. Hier die ballgewandten Techniker, dort die eiserne Defensive mit gepflegtem Konterspiel; beide Teams erarbeiteten sich Chancen und beide Torhüter verhinderten in teils artistischer Manier eine höhere Trefferausbeute, selbst der Pfosten hatte einen besseren Tag erwischt und klärte mehrmals auf der Linie.

Wer an diesem schönen Tag den Weg ins Stadion nicht geschafft hatte, konnte sich über den ständig aktualisierten Live-Ticker im Internet über den Stand der Dinge informieren, ein Service, der rege genutzt wurde - und wohl auch beim nächsten Spiel wieder angeboten wird.

Die Anhänger unterstützten die Teams lautstark, kleine bengalische Feuer illuminierten das nicht immer hochklassige aber stets engagierte Spiel, welches in der zweiten Halbzeit traditionelle Torhüterwechsel mit sich brachte; Keeper, die an die Leistung der Vorgänger nahtlos anknüpften.

Diszipliniertes Verschieben, kaum einen Schritt der Defensiven über die Mittellinie - das Konzept mag antiquiert klingen - aber es zahlte sich aus: Am Ende stand ein durchaus verdienter 5:3 Sieg der Weißen gegen in letzter Konsequenz zu verspielte Rote in den Annalen des Derbys im Frankfurter Stadtwald. Ein Ergebnis, welches an ganz große Zeiten erinnert.

Soviel zur fünften Auflage des Forumskicks in der kleinen aber sympathischen Sportanlage an der Louisa, der mit einer Schweigeminute für unseren im letzten Oktober verstorbenen Mitspieler Marcus begonnen hatte. Kid Klappergass, Marcus' Onkel, hat die traurige Geschichte des viel zu früh von uns gegangenen niedergeschrieben - und die Erinnerung für die Zukunft bewahrt. Es leuchtet ein Stern - und das Licht wird bleiben.

Später unterlag die Eintracht nur wenige Kilometer entfernt erwartungsgemäß gegen Borussia Dortmund: in Erinnerung bleibt eine ausgeglichenen erste Halbzeit und in der zweiten dann das Warten auf die Gegentore, welches nicht enttäuscht wurde. Zidan und ein Eigentor von Bellaid sorgten für einen verdienten Sieg der Borussen in einem Spiel, in dem auf Seiten der Eintracht die vermeintlichen Notnägel nämlich der Nachwuchsspieler Sebastian Jung und das vermeintliche Auslaufmodell Mehdi Mahdavikia neben Torhüter Markus Pröll zu den besten zählten.

Sechs Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz, noch vier Spiele sind zu absolvieren von daher ist der Klassenerhalt noch nicht in trockenen Tüchern, zumal die Eintracht noch dreimal auf vor ihr liegende Gegner trifft; dort ist bekanntlich nicht zu holen. Und in Hannover zu verlieren ist keine Schande. Oder so.

Sonntag war dann die alljährliche Fanvertreterversammlung der Fanclubs der Frankfurter Eintracht in der Pestalozzischule gegenüber des Riederwaldgeländes. Weit über 600 anerkannte Fanclubs sind mittlerweile registriert; die Mitgliederzahl müsste in die Zigtausende gehen. Da die Situation im Stadion in den letzten Wochen auf Grund etlicher Baustellen alles andere als entspannt war, hätte man meinen können, dass der ein oder andere Konflikt auf der Tagesordnung stand - aber schon im Vorfeld wurde Wesentliches geklärt. Senf und Ketchup waren genügend da und die Frikadellen lecker.

Inhaltlich solltet ihr den Verlauf im Eintracht-Forum, dem Ort für kreativen Austausch von Fans und Fanclubs, nachlesen können. Solltet ihr wider Erwarten nichts zum Thema finden, dann grämt euch nicht. Das ging mir genau so. Und fragt mich nicht, weshalb über 600 Fanclubs, vertreten durch das Fansprechergremium, in der Öffentlichkeit kein Thema sind. Läuft doch alles. Oder?




In Erinnerung an Marcus


4.9.1977 - 29.10.2008

Freitag, 3. April 2009

Kinderpressekonferenz mit Markus Pröll


Mittwoch, 8. April, 13.00 Uhr


Diesmal kommt Eintracht-Torwart Markus Pröll zur Kinderpressekonferenz ins Eintracht Museum. Wie immer gilt für Nachwuchsjournalisten: Erst akkreditieren, dann Fragen. Wenn Ihr also euren Presseausweis abgeholt habt, könnt Ihr unsere Nummer Eins mal so richtig löchern. Anmeldung unter
info@eintracht-frankfurt-museum.de.

Eintritt: 5,00 €, erm. 3,50 €




Die Autogrammkarte entstammt dem Archiv von Frank Gotta

Freitag, 13. März 2009

Der Kopf stinkt vom Fisch her


Warum hab ich bloß den Bullen erschossen
er hat mir doch gar nichts getan
ich war weder stoned, noch war ich besoffen
das Grün brachte mich so in Wahn
...

... sang Marius Müller Westernhagen im Jahr 1982 im Song Ich hab keine Lust mehr im Regen zu steh'n; am 13. März 2009 tönten die Worte aus dem offenen Fenster des silbernen Golfs, der durch die ersten zaghaften Frühlingssonnenstrahlen durch Frankfurt tuckerte. Die Mädchen auf den Straßen trugen Sonnenbrillen und die ersten Krokusse schoben sich aus der Erde, als Pia und ich in Niederrad nahe unseres Lieblingsimbiss parkten. Die Besitzerin grüßte freundlich wie immer und wir orderten vier Burger inclusive Getränke und futterten bald zufrieden auf Bierbänken sitzend gut gelaunt unsere Frühlingsburger. Ein kleiner Lieferwagen bog um die Ecke und hupte kurz auf, wir erkannten am Steuer Tristan, im wahren Leben Eintrachtfan und - Schornsteinfeger, wir winkten zurück und freuten uns zum einen über die kleine Begegnung und zum anderen über das kleine Symbol des Glücks, welches uns der liebe Gott mirnichtsdirnichts vorbei geschickt hatte.

Pappsatt marschierten wir zum Golf und rollten durch Niederrad in Richtung Stadion, vorbei am Union-Sportplatz und schon fuhren wir durch Tor 3 und parkten vor dem Museum. Auf dem Trainingsplatz erkannten wir unseren Kapitän Ioannis Amanatidis, der zusammen mit Reha-Trainer Farbacher und vor allem mit einem Ball trainierte, vorbei die Zeit, als er mit Krücken an der Seite stand. Im Museum packte die Praktikantin Geburtstagspäckchen für anstehende Kindergeburtstage; wir sagten Hallo, tranken einen Kaffee, begrüßten Stefan, der mit seinem uralten Golf samt nagelneuer TÜV-Plakette und funktionierender Fahrertür angerollt kam und während Pia und Stefan bei einer Zigarette unserem Captain bei der Arbeit zusahen, fidelte ich kurzerhand Matze im Tischfußball mit 10:6 ab. All zu oft darf ich dies nicht machen, ich müsste mir sonst einen anderen Job suchen. Aber Matze nahm's sportlich.

Wir verließen vorerst das Museum, denn die Jungs unserer Eintracht trudelten peu a peu auf dem Trainingsplatz ein. Auch Peter war schon anwesend - und hatte vorgehört. Es scheint hoffnungslos, ein Teil der Kibitze war sich sicher, dass die Eintracht morgen mit 0:5 untergeht und überhaupt, der Fisch stinke vom Kopf her, spätestens zum Jahresende müssen alle weg und so weiter und so fort; manchmal stellt sich ja durchaus die Frage, wie es so mancher Zeitgenosse über die Runden schafft, so ohne einen Funken Selbstironie, ohne Spaß an der Sache; aber just diesen wollten wir uns nicht nehmen lassen. Auch wenn das Leben manchmal kompliziert ist, die deutsche Sprache ist es sowieso. Die Mehrzahl von Globus lautet bekanntlich Globen. Und die Mehrzahl von Krokus? Mitnichten Kroken, nein, es sind die Krokusse. Ähnlich wie bei Bus; auch dort heißt es nicht Ben sondern Busse. Oder aber Kuh - Kühe. Wer jetzt denkt die Mehrzahl von Schuh würde Schühe lauten ist ebenso schief gewickelt wie derjenige, der denkt Mühe wäre der Plural von Muh. Nunja, zurück zum Sport.

Während sich Pia ob der Waden von Kweuke gar nicht mehr einkriegen sollte, gesellten sich die beiden Ulis zu uns und gemeinsam stellten wir fest, was nur emsigen Trainingsbeobachtern auffällt. Pröll hatte sich die Haare gefärbt und Spycher neue Strähnchen, sah für Fußballer recht flott aus - ein wenig unpassend finden wir generell nur die Stutzen, durch welche die Waden leicht durchschimmern, das hat sowas von Nylonsocken für Männer - eher uncool.

Andi Menger wummste den Torhütern Pröll und Nikolov ein paar Bälle um die Ohren, dass man glauben konnte, unser Torwarttrainer sei der beste Standard-Schütze der Eintracht - vielleicht sollte er mal mit den Buben Ecken üben. Weiter hinten stand ein Mann mit verschränkten Armen und bewegte sich nicht; nein es war nicht Bellaid sondern unser erster Übungsleiter, der beiläufig den ganz in schwarz gekleideten jungen Männer beim Spiel zuschaute. Nein, nicht unseren Ultras, unserer ersten Mannschaft, die heute ohne Liberopoulos und Ochs trainierte. Auch die Herren Toski, Preuß und Vasoski fehlten schriftlich entschuldigt, während Krük und Zimmermann wohl bei der U23 weilten. Der Herr Caio trug Handschuhe bei frühlingsmilden Temperaturen und der Herr Kweuke ganz kurze Socken zu roten Kickschuhen. Ümit Korkmaz bevorzugte laubfroschgrünes Schuhwerk und Zlatan Bajramović eine schwarze Mütze. Überhaupt Bajramović , er lachte während des gesamten Trainings ein ums andere Mal, ob dies allerdings an den Handschuhen von Caio lag, ist nicht übermittelt.

Es folgte eine Trainingseinheit, die wir Spielzug nannten. Einzelheiten verrate ich hier nicht, nicht dass es morgen gegen 17:20 heißt, ich hätte unserem Gegner intimste Geheimnisse ausgeplaudert - und sei fortan Schuld für Geheimtraining ohne Zuschauer. Am Rand des Platzes standen einige Vertreter der schreibenden Zunft, die wir mit einem herzlichen deutsche Presse halt die Fresse begrüßten.

Nein, machten wir natürlich nicht, wir beobachteten eine wunderschöne Choreografie unserer Mannen, diesmal aus der Disziplin Synchrontorschleppen. Jeweils vier Spieler an einer Seite trugen im Gleichschritt ein Tor zu einer Linie, drehten sich formvollendet und setzten das Tor punktgenau auf die Linie, das macht uns so schnell keiner nach; die Bewegungen gingen derart geschmeidig ineinander über, da merkt man erst die Handschrift des langjährigen Trainers, der sich später tatsächlich bewegte.


Es folgte ein munteres Trainingsspielchen, wo zunächst ich selbst durch ein butterweiches Ballzurückspiel auffiel, nur wenig später schaffte Stefan ein gleiches noch eleganter, was ihm spontanen Szenenapplaus einbrachte, den er huldsam wie eine Königin entgegen nahm.

Fink schoss einen wunderbaren Treffer, der uns zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss, Kweuke guckte doof, wenn Pröll "Leo" rief und Sebastian Jung schleppte später die gelben Männchen übers Grün, während sich Chris einen Ball unter sein Leibchen steckte derweil er noch ein paar Flanken schlug; sage einer, die Buben hätten den Ernst der Lage nicht begriffen.

Unser Trainer hatte sich im Laufe des Tages nicht nur bewegt, nein: er hatte sogar gesprochen. Nah bei nah stand er mit Nikolov beisammen und plauderte mit ihm, wir können nur raten, was er gesagt hat, vielleicht sowas wie: Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass du morgen spielst. Wenig später legte er jovial den Arm auf die Schulter unserer Nummer 11 und zeigte Menschlichkeit, wie sonst nur im Kölner Karneval. Was er zu Korkmaz sprach ist ebensowenig überliefert, wie die Worte zu Oka. Könnte es gewesen sein, dass er zu unserem Außenflitzer gesagt hat: Österreicher von Beginn an? Nicht solange ich Trainer bei Eintracht Frankfurt bin. Und könnte Ümit geantwortet haben: Naja, die zwei, drei Wochen kann ich es verschmerzen.

Nein, das ist bloß erfunden, lasst euch nicht veräppeln.

Später wollte der freundliche Zlatan Bajramović unbedingt noch ein Bild mit uns machen; selbst wenn wir geschlaucht vom Training sind, müde vom sich zum Abend neigenden Tag finden wir immer noch ein Minütchen, um auf die Wünsche der Spieler einzugehen; Pia knipste und ist also gedanklich dort zu finden, wo im Moment eure Augen sind.


Kurz danach kam sogar noch Kid vorbei, er hatte dem Museum einen kurzen Besuch abgestattet und wir unterhielten uns ein bisschen über die wenig erfreuliche Situation des Internetforums der Frankfurter Eintracht und über den Ausblick für das morgige Spiel. Sehr erbaulich war dabei die Information, dass Trainer Rangnick seinerzeit wegen der Trennung AG-e.V. nicht zur Eintracht wollte, da er keinerlei Verfügungsgewalt über den Nachwuchs haben sollte. Also, am Geld hat es damals nicht gelegen. Niemals.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.

Kid will morgen unbedingt gewinnen - und da ich der gleichen Ansicht bin, kann ja nun nichts mehr schief gehen. Während Uli telefonisch noch eine Karte erstehen konnte, machte sich der andere Uli vom Acker, auch Stefan verließ uns und so marschierten Pia, Kid und ich zurück ins Museum, wo Matze und Billy gerade dabei waren diverse Exponate an der Wand zu verdübeln, jener Matze der unlängst von Henni Nachtsheim zum Trainer der Eintracht geadelt wurde.

Matze legte eine DVD ein, welche Filmaufnahmen unserer Kurve während des Pokalendspiels in Berlin 2006 zeigte, jener Höhepunkt der letzten Jahre, der heute in dieser Art undenkbar ist; zuviel ist geschehen, zuviele tummeln sich im vierten Jahr der Erstklassigkeit der Eintracht im Umfeld, deren Ansprüche weit über das bestehende hinausgehen; der Zusammenhalt, der uns über Jahre hinweg mehr oder weniger auszeichnete, ist passé.

Für Kid hatten die Szenen natürlich eine besondere Bedeutung, sah er dieses Spiel doch mit seinem Neffen Marcus, der tragischerweise im letzten Jahr gestorben ist; ihm gingen die Bilder sichtlich nahe und er verabschiedete sich traurig von uns.

Als der Auftritt Tankards gezeigt wurde, durchliefen mich nicht nur Schauer der Erinnerung sondern mir flossen tatsächlich einige Tränen die Wangen hinab. Die Erinnerung an die Tage in Berlin, die Traurigkeit Kids und der erlebte Tag forderten ihren Tribut.

Nebenbei gewannen wir dann doch noch den DFB Pokal und verabschiedeten uns von Matze, der morgen wie wir alle im Stadion sein wird, wenn die Eintracht souverän und in dieser Höhe auch verdient die Emporkömmlinge der TSG Hoffenheim mit 4:1 nach Hause schickt.

Auf dem Rückweg konnten wir aus den Augenwinkeln den Mannschaftsbus der Mannschaft entdecken, die in meinen Augen sozusagen die Silikonbrüste des deutschen Fußballs sind.

Im CD-Player lief ein Lied des leider auch schon verstorbenen Georg Danzer mit dem Titel Weiße Pferde; es begleitet mich schon etliche Jahre und es ist ein wunderbarer Song, der mich immer wieder zu Tränen rührt. Irgendwie passte er zur Heimfahrt, Berufsverkehr auf der A3, Pendler, Handwerker, das wirkliche Leben. Kühl ist es geworden. Aber morgen scheint die Sonne, da bin ich sicher.