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Sonntag, 28. März 2010

Was war ist längst vergangen

Typisch Eintracht, kaum habe ich mich entschieden, die Internet-Situation eine zeitlang nicht mehr mit Worten zu füttern, legt die Diva vor meinen Augen eine Performance hin, die so nicht zu erwarten war. Noch als ich in Ägypten Bakschisch verteilte, vergeigten die Jungs die Partie in Hannover und zudem hatten sich Franz und Teber vorzeitig verabschiedet, während Ochs nach der fünften gelben Karte gleichfalls für ein Spiel ausfiel. Die alles geschah, während ich auf den Spuren der Pharaonen weilte und noch am gleichen Tag nur wenig später mit Daddy und Pia den Nil überquerte - also genau das Team, welches eine Woche danach Augenzeuge des jetzt schon legendären Sieges gegen die Bayern wurde.

Hah, ich hab's doch gewusst werden einige von euch jetzt sagen - erst kommt die vollmundige Ankündigung, den Blog Blog sein zu lassen - und nur einen Wimpernschlag später kann er die Griffel nicht von der Tastatur lassen. Inkonsequent mein Lieber, höchst inkonsequent.

Jaja, ihr habt Recht - und auch doch nicht.

Wie kam es eigentlich zu diesem Blog? Lange Zeit schrieb ich regelmäßig im Forum der Frankfurter Eintracht - in einer Zeit, als wir mit anderthalb Beinen in der Regionalliga standen und kaum jemand einen Pfifferling auf die Eintracht gab. Jedes Wort kostete damals bares Geld; DSL und Flatrate waren noch nicht erfunden, wir loggten uns via Modem ins Netz ein und wussten: Zeit ist Geld.

Dies erscheint nun wie ein Rückblick in eine Zeit des schwarz-weiß Fernsehens, obgleich das alles noch gar nicht so wahnsinnig lange her ist. Etwas später wurden Poldi und Schweini ebenso wie die Flatrate erfunden; die WM brach über den Fußball herein wie ein Ikea-Katalog mit Happy Family Angeboten in ein Sechziger Jahre Arbeitszimmer - Fußball sollte zu einem Event für Groß und Klein werden - das nackte sportliche schien nicht mehr so wichtig, solange bunte Farben im Gesicht für nette Fernsehbilder sorgten und die Beteiligten ihren Spaß hatten. Es war ja auch eine nette Zeit; aus Sorge um unschöne Fernsehbilder hielt sich Polizei und Sicherheitspersonal merklich zurück, Engländer hüpften in den Main und die Deutschen entdeckten die mediterane Lebensform für sich - und alles was nicht in die dolle Stimmung passte, wurde einfach nicht gesendet und gab es somit auch nicht.

Sollten heute Fußballfans von Brücken in den Main springen oder im Gerechtigkeitsbrunnen baden, haben wir es nicht mehr mit unbeschwerter Lebensfreude resp. Sommermärchen zu tun, sondern mit unbelehrbaren Chaoten. Sogenannten.

Wie dem auch sei, die Eintracht setzte schon im Jahr 2006 zu einem Höhenflug an, erreichte das Pokalendspiel und damit verbunden sogar den Einzug in den Europapokal - der in Istanbul unglücklich aber nicht enttäuschend endete. Das war die Belohnung für die mageren Jahre, die mit dem ersten Abstieg 1996 begonnen hatten und mit dem beinahe Lizenzentzug 2002 ihren Höhepunkt fanden.

Fanclubs schossen wie Pilze aus dem Boden, die Fanabteilung verdoppelte ihre Mitgliederanzahl und sogar der Dauerkartenverkauf wurde begrenzt; die Eintracht war hip und die Zahl der angemeldeten User im Eintrachtforum stieg exorbitant - nicht immer ein Indiz für eine Qualitätssteigerung.

Kurz und gut, ich fühlte mich mit der Zeit im Forum immer weniger heimisch. Zeitgleich entdeckte ich die Möglichkeit der Blogs. Kid Klappergass hatte begonnen, seine Inhalte in seinem eigenen Blog aufzuarbeiten; kurz zuvor hatte der Blog-G der Frankfurter Rundschau seine Pforten geöffnet - zunächst weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Mittlerweile hatte ich meinen eigenen Blog installiert und wollte zunächst nur alte Forumsbeiträge, wie Heimspiel in ... sortieren und aufbewahren - ohne dies öffentlich frei zu schalten. Als Kid dann aus privaten Gründen seinen Blog schloss, gab es wenig außerhalb der Medien zu lesen - und so entschied ich mich, Beves Welt öffentlich zu machen. Wenig später ging Kid wieder online - und auch der Blog-G gewann an Zulauf, nicht zuletzt durch User, die früher vorwiegend im Eintracht-Forum gewortet hatten. Und so kam es, dass urplötzlich neben dem Forum gleich drei doch recht häufig frequentierte Blogs am Start waren - was der Übersicht wegen kein Einfaches war. Wer sich informieren wollte, hatte nun die Qual der Wahl.

Mittlerweile ist aber auch die Bloggerei Mainstream geworden - es gibt jede Menge davon und man kann Tage mit nichts anderem im Netz verbringen, als Fußballblogs zu lesen. Blogs verlinken sich gegenseitig; interviewen sich gegenseitig, finden sich gegenseitig wahnsinnig toll und wichtig und es soll sogar eine eigene Blogger-Szene geben.

Jetzt ist es so, dass der Betrieb eines Blogs sehr zeitaufwendig sein kann. Recherche, tippen, Bilder machen, bearbeiten, einfügen - da gehen Stunden bei drauf. Wer einigermaßen Wert auf Qualität legt, der sollte von Zeit zu Zeit auch mal bei den Kollegen vorbei schauen, sich informieren etcetera pp. Und das ist ein Fulltimejob. Und wie es so ist - wenn aus etwas Besonderem ein Allgemeines wird, dann bringt die Beschäftigung damit mit sich, dass nicht nur nützliche oder schöne Informationen ins Hirn dringen, sondern jede Menge Unfug. Über den kann man sich aufregen. Oder einen Blogeintrag machen. Ich will mich aber eigentlich gar nicht mit Unfug beschäftigen; schon gar nicht deshalb, damit die Zeit rum geht. Denn davon habe ich eindeutig zu wenig. Und deshalb habe ich beschlossen, kaum noch im Netz zu lesen - und wenn, dann gezielt. Wenn irgendwo zu einem Thema Hunderte von Kommentare zu lesen sind, dann lege ich die Hand dafür ins Feuer, dass nahezu fast alle schon Sekunden nach dem Verfassen oder Lesen keine Sau mehr interessieren. Weshalb also vorher lesen?

Was bleibt?

Vielleicht die Erinnerung an Tage, an denen man das Gefühl hatte, gelebt zu haben. Dies ist in Ausnahmefällen sogar im Internet möglich. Und deshalb wird es sicherlich auch von mir den ein oder anderen Beitrag geben - auch auf vielfältige Bitten von eurer Seite hin, insbesondere was die Heimspielserie oder Museumsberichte angeht.

Aber seht es mir nach, wenn meine Präsenz oder mein Verlinken von anderen Seiten rapide nachlässt. Jeder dürfte ja mittlerweile wissen, wo es was zu lesen gibt. Ihr müsst mich ja auch nicht verlinken; ihr müsst auch nicht kommentieren. Ihr könnt aber. Vielleicht ist es ja auch nicht verkehrt, zu angeln.


Donnerstag, 31. Dezember 2009

Drei sind keiner zuviel


Pünktlich zum Jahreswechsel erreichte uns ein Brief von Tom. Vorneweg, es ist ein toller Brief, für den ich mich ganz herzlich bedanke. Und weil er so großartig ist, wird er nun (nicht nur) hier zu lesen sein. Vielen vielen Dank lieber Tom und euch allen ein guten Rutsch.

Pünktlich zum Weihnachtsfest pflegt Frau Tom mit viel Liebe und Herzblut einen Rundbrief zu verfassen, mit dem nahe und weniger nah wohnende Verwandte und Freunde über das ins Bild gesetzt oder an das erinnert werden, was sich im vergangenen Jahr bei Toms so alles zugetragen hat. Das Umfeld von Herrn Tom erwartet die Ankunft dieses Briefs durchaus gespannt, Herr Tom selbst und seine Kids die unvermeidlichen Reaktionen hin und wieder auch mit leicht gemischten Gefühlen. Vor dem Unterschreiben des Werkes durch die ansonsten unbeteiligten Mitglieder der Sippe erfolgt daher akribisches Gegenlesen und Ergänzen, der ein oder andere kleine Seitenhieb wird pflichtschuldig hingenommen, da man es selbstverständlich nicht besser verdient hat. Das ein oder andere kleine Malheur wird behoben, wenn etwa der 50. Geburtstag der besten Freundin – natürlich ist hier nicht die des Ehemannes gemeint!! - aus unerfindlichem Grund vergessen worden ist. Einschübe in epischer Breite sind dabei allerdings unerwünscht. So stieß etwa der berechtigte Wunsch des Filius auf angemessene Würdigung des Saisonverlaufs der A-Jugend von Concordia Eschersheim unverständlicherweise nur auf wenig bis gar keine Gegenliebe.

Wie überhaupt die Behandlung der wichtigsten Nebensache der Welt einen durchaus heiklen Punkt darstellt. Bei der Erwähnung des Besten aller Ehemänner hieß es nämlich an einer Stelle nur weitgehend nebulös, er sei in diesem Jahr an den Wochenenden unverständlicherweise immer häufiger Richtung Waldstadion entschwunden und zudem aus unerfindlichen Gründen auch irgendwelchen Internet-Blogs der Frankfurter Eintracht vollständig verfallen. Gut, es hätte Schlimmer kommen können: Etwa in Gestalt der natürlich absurden Behauptung, Herr Tom käme an diversen Donnerstagen nur noch zu mitternächtlicher Stunde stark alkoholisiert und eine Eintracht-Fahne schwenkend aus Richtung Konstablerwache nach Hause gewankt. Doch auch ohne dieses worst-case-Szenario könnte fälschlicherweise der Eindruck entstehen, es bestehe ernsthaft Grund zur Sorge: Fußball, immer nur Fußball, allenfalls noch unterbrochen von virtuellen Stammtischparolen auf niederem Niveau und einem lauten: „Hopp, hopp, hopp. Schoppe in de Kopp!!!“.

War das so? Ja, da war wirklich was. Wie meistens im Leben ist aber auch hier die Wahrheit komplexer und genaueres Hinschauen lohnenswert. Ausführliche Erläuterungen und Richtigstellungen im Weihnachtsbrief bei der Chefredaktion sind in derart brisanten Fällen allerdings schwierig. Dazu kann Herr Tom nun mal nicht kurz. Schon gar nicht, wenn es um Eintracht Frankfurt geht. Zumindest da ist er nicht ganz allein. Aber jedenfalls: so einfach stehen bleiben kann das nicht. Hier gibt es Erläuterungsbedarf und einiges zu berichten. Und das nicht zu kurz. Wem das Herz voll ist, dem geht eben der Mund über. Und wenn es dabei zu Huldigungen der beteiligten Personen kommt, so sind diese zum Jahreswechsel nicht nur beabsichtigt, sondern teuer verdient und berechtigt. Leben, um davon zu erzählen, heißt ein Buch von Gabriel Marcia Marquez. Es gibt viel zu erzählen. Ich beginne. Aber wo? Vielleicht einfach mit einer Vorstellung der eigentlich Verantwortlichen. Es sind im Grunde drei.

Da ist erst mal Stefan. Stefan ist der Spiritus Rector von Blog_G, dem Blog der Frankfurter Rundschau zu Eintracht Frankfurt. Im Gegensatz zum Forum, dem offiziellen Eintracht-Blog auf der Webside des Vereins, gibt es hier nicht eine Fülle von Themen zum Verein des Herzens, die Tag für Tag in epischer Breite abgehandelt werden. Nein: hier kocht der Chef selbst. Stefan leitet jeden Morgen – und zwar meist am sehr frühen Morgen – mit einem fachkundigen Beitrag ein, dessen Thema zu seinem Leidwesen zwar nicht immer, aber doch sehr oft, begierig aufgegriffen und den Tag über in – ich übertreibe nicht – oft hunderten von Beiträgen diskutiert wird. Untermalt wird das Ganze regelmäßig durch brilliante Fotografien, die auch ohne Worte immer wieder Geschichten erzählen. Denn Stefan hat eine Akkreditierung für den Innenraum des Frankfurter Fußballtempels und entzückt die Gemeinde regelmäßig zu den Spielen mit Aufnahmen vom Spielfeldrand.

Die vielen Schreiber, die regelmäßig ihr oft jahrzehntelang mühsam erworbenes und am Samstag regelmäßig aufgefrischtes Wissen zum Besten geben, an dieser Stelle vorzustellen, würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen, vielleicht auch in ein kleines „Who is Who“ der Frankfurter Anwaltschaft einmünden, worauf wir aus Gründen der Diskretion gerne verzichten. Das Mysterium der ehemaligen Diva vom Main, die seit etlichen Jahren im grauen Mittelfeld der Bundesliga einzementiert ist, hat allerdings noch keiner dieser selbst ernannten Experten ergründe(l)t, was sich nicht selten in grotesken Fehleinschätzungen über Verlauf und Ergebnis des nächsten Spiels niederschlägt. Und Herr Tom ist da natürlich ganz vorne mit dabei.

Zwei weitere Namen dürfen an dieser Stelle allerdings nicht fehlen: Beve und Kid. Diese beiden sind wie viele andere auch regelmäßig durch ihre Beiträge in Blog-G präsent. Aber nicht nur das: Sie haben auch ihre eigenen Blogs. Es ist ähnlich wie bei einer erfolgreichen Fernsehserie, von der es ja oft auch sogenannte spinn-offs gibt. Ein neue Serie, die wegen des großen Erfolges aus der alten heraus kreiert wird. Hier Nebendarsteller, dort schillernde Hauptfigur. Ob Beve und Kid ihre Blogs schon vor Blog-G entwickelten, weiß ich allerdings gar nicht. Es ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist vielmehr, dass sich hier drei ganz eigenständige Kunstwerke gegenüberstehen, die sich gegenseitig ergänzen und befruchten. Drei sind hier keinesfalls einer zuviel.

Bei Stefan, Typ knurriger Mahner und Warner mit dem goldenen Herzen, hat die virtuelle Kneipe den ganzen Tag geöffnet. Bei der Arbeit wird kurz reingeschaut (wenn auch nicht von Herrn Tom, der vorwiegend nacht- und wochenendaktiv ist, damit im Reich von Blog-G die Sonne nicht untergeht), jeder kann und darf so reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, einfach mal so zu allem Möglichen und Unmöglichen seine Meinung beisteuern kann, am besten kurz und knapp („Tach“), aber pointiert und voller Witz, wobei zumindest tagsüber fast nie ein gewisses intellektuelles Niveau unterschritten wird. Fast nebenbei fungiert der Blog, insbesondere durch diverse Links, als Nachrichtenbörse par excellence. Wer hier mitliest, dem entlockt der Sportteil am nächsten Tag oft nur noch ein müdes Lächeln.

Beve, seines Zeichens Schriftsteller, Taxifahrer, Museumsmitarbeiter, -moderator, und Stadionsprecher der Eintracht-Amateure ist auch und vor allem der Erzähler, herausragend seine ehrlichen, auch mal rauhen Berichte von den Auswärtsfahrten zu den Stadien der Republik, Texte eines Fans für die Fans, nie banal, nie mittelmäßig, immer wortgewaltig, emotional, auch mal zornig, traurig, enttäuscht, ein Traditionalist des Fußballs, der immer ein gutes, angemessenes Wort parat hat.

Ein Analytiker und „Faktenhuber“ vor dem Herrn ist Blogger Nr. 3: Kid aus der Klappergass. Messerscharf und brilliant kommt er daher, ein Virtuose des Wortspiels und der Feder. Ein Meister der Exegese des Frankfurter Blätterwalds zu Eintracht Frankfurt, vor dem kein Widerspruch verborgen bleibt, den vor allem die Zeitung mit den vier großen Buchstaben im Übermaß produziert. Mit einer schier unerschöpflichen Arbeitskraft ausgestattet, bedeutet eine Ankündigung von ihm, er trete nun mal kürzer, meist lediglich, dass jetzt gleich drei Beiträge auf einmal eingestellt werden. So ganz klar wird es zwar nie gesagt, aber: Mit ihm sitzt ein vielbeschäftigter Manager vor dem PC und da wird dann auch schon mal kritisch die Frage aufgeworfen, in welchem Verhältnis denn Aufwand und Ertrag zueinander stehen, wenn die Zahl der Kommentare sich in überschaubaren Größen hält. An Herzblut und Emotionalität steht er Beve in nichts nach und persönlich öffnet er sich vielleicht von allen drei am meisten.

Zwischen diesen drei Blogs gibt es vielfältige Vernetzungen, gemeinsame Projekte, Anliegen, gleiche Leser wie Herrn Tom. Man kennt sich, man verlinkt sich, man arbeitet zusammen. So begleiten Stefan und Beve in dieser Saison gemeinsam den Frankfurter Jungprofi Marcel Titsch-Rivero im Nachwuchs-Projekt „18mal18“. Kid engagiert sich in verdienstvoller Weise gemeinsam mit vielen anderen in einem Hilfsprojekt für die kleine Lea. Wo Kid ist, sind Stefan und Axel nicht weit, und umgekehrt. Gute Freunde kann eben niemand trennen.
Um es zusammenzufassen: Ja, ich bin begeistert, wenn schon nicht immer über das Spiel unserer Kicker, so doch über Engagement und Schreibe der drei wackeren Musketiere.

Und dies um so mehr, weil es nicht beim virtuellen Austausch von anonymen Individuen bleibt, sondern durch das Netzwerk der großen Drei ganz real Menschen zusammengeführt und Kontakte geknüpft worden sind und werden, Bekanntschaften, Freundschaften entstanden sind. Für viele sind diese Treffen wichtig geworden. Man kennt sich, man versteht sich, teilt dieselbe Leidenschaft. Und natürlich – zur Freude der stets anwesenden Anwälte - streitet man sich ab und an auch. Wäre ja auch noch schöner ...

Donnerstags an der Konstabler beim Schoppen kommt man – wenn es denn die Zeit erlaubt - zusammen und babbelt über Gott und die Welt. Bei Heimspielen trifft man sich am Parkplatz Gleisdreieck, vom – und wo gibt es das schon noch – „Banker bis zum Hartz IV-Empfänger“ und spricht eine gemeinsame Sprache. Im Eintracht Frankfurt Museum, einem ganz besonderen Kleinod, trifft man sich, tauscht Erinnerungen aus und erlebt Veranstaltungen, von denen noch lange danach geschwärmt wird. Und schön im wahrsten Sinne, dass sich bei all diesen Treffen nicht nur eine reine Männergesellschaft zusammenfindet, ganz im Gegenteil. Ohne Geist und Charme der versammelten Frauenpower wäre das alles nur die Hälfte wert. Wenn überhaupt.

Ja, darüber lässt sich schreiben, ja darüber lassen sich Geschichten erzählen. Von diesem Bazillus kann man sich anstecken lassen, und kriegt dabei doch nur einen Bruchteil von dem mit, was so alles abgeht. Nein, das sind auch nicht immer schöne Geschichten, denn die Frankfurter Eintracht hat auch ein schwieriges Jahr hinter sich, das auch manche Wunde geschlagen hat. Ja, auch Frust, Müdigkeit, sogar Hass waberte teilweise durch die Reihen der Arena, nichts Menschliches und manchmal auch Unmenschliches ist dem Fußball fremd und der ein oder andere fragte sich schon einmal, was denn das eigentlich alles solle. Und ja: immer geht es auch um Zeit, wertvolle Zeit, die nur einmal verschenkt werden kann. Und um viele andere Dinge, die anstehen und warten, getan zu werden.

Die ewige Frage, gerade bei der Eintracht immer wieder mit Inbrunst gestellt: Ist das Glas jetzt halb leer oder halb voll? Für „Seiteneinsteiger“ Tom keine Frage, denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: ja, es hat sich gelohnt. Schon weil es eben nicht nur Fußball war. Ja, es hat Spaß gemacht, darüber zu schreiben: Über freundliche Menschen, die einfach da waren, mit denen man klönen konnte, Menschen mit Humor, die Fußball mögen und noch einiges mehr in der Birne haben: Danke Euch allen. Danke Euch für die Karten (ihr hättet auch andere mitnehmen können). Danke für die tollen Veranstaltungen im Museum, etwa mit Thomas Rohrbach und vor allem: Bernd Hölzenbein (das war einfach „großartig“). Danke für den Vortrag im Jüdischen Museum zum Museumsuferfest. Schade um die vielen tollen Sachen, die ich noch verpasst habe und Danke für die Bilder, die ich mir davon ansehen durfte. Danke für 18mal18. Danke fürs gemeinsame Jubeln, für viele gute Gedanken, Berichte, Erzählungen, Analysen und für allen Nonsense, fürs (zwischenzeitliche) gemeinsame Leiden, für viele Bembel Stöffche, gute Suppen und überhaupt: War schön mit Euch.

Und ganz großes Danke vor allem eben auch an die „Drei von der Tankstelle“ Stefan, Axel und Kid. Ja, Ihr habt hat ein wenig Zeit gekostet, vor allem auch Zeit, um davon zu erzählen. Aber es hat sich gelohnt.Leben, um davon zu erzählen. Nicht das Schlechteste, findet Herr Tom. Und wird diese Zeilen dezent streuen. Vielleicht auch an den ein oder anderen Leser unseres Weihnachtsbriefs. Von denen Herr Tom auch mal gerne den einen oder anderen mitbringt, wenn sie es denn mögen und wenn es die Zeit erlaubt. Im nächsten Jahr.

Auf ein Neues in 2010.

Dienstag, 3. November 2009

Zehn Gründe - eine Liste


Heute präsentieren wir Ihnen stolz zehn gute Gründe, warum man als Eintracht-Fan am Freitag nach Leverkusen fahren sollte.

  1. Die Eintracht spielt
  2. Flutlichtspiel
  3. Keine Bayern im Stadion
  4. Geiselgangster
  5. Rauchen trotz Rauchverbot
  6. Eine Karte für alles; Mitgliedsausweis, Dauerkarte, Bezahlkarte. Das geht. In Leverkusen!
  7. Stadionmagazin fürs Eintracht-Archiv mitbringen
  8. Wer über Fußball reden will, sollte Fußball vor Ort schauen
  9. Daheim sterben die Leut
  10. Auswärtssieg

Niemand soll sagen er hätte es nicht gewusst.

Samstag, 26. September 2009

Klarstellung zu FR-Artikel

 
In der Heimspielbeilage der Frankfurter Rundschau vom 25.09. 2009 und auch online schreibt Thomas Kilchenstein u.a. folgendes über Marcel Titsch-Rivero, den Stefan Krieger und ich seit dieser Saison im Projekt 18mal18 begleiten:











Ich weise hiermit darauf hin, dass die Formulierung von der FR begleitet nur bedingt richtig ist. Ich selbst habe mit der FR nichts zu tun, weder arbeite ich im Auftrag, noch bekomme ich Geld noch sonst irgend etwas. Richtig ist, dass Stefans Blog im Rahmen des Online-Auftrittes der FR erscheint. Fragt sich, weshalb T. Kilchenstein formuliert, wie er formuliert, obgleich er es besser wissen müsste.

Dienstag, 1. September 2009

Zu kurz gesprungen: Wie ein sogenannter Weltkonzern den Blogger Trainer Baade zermürbt.

Im Vorfeld der Saison 2005/2006 sollte die Eintracht neue Trikots bekommen. Der Ausrüster JAKO nahm es mit der Individualität unserer Mannschaft nicht so genau und versuchte, uns das Stangentrikot der damals noch existenten Frauenmannschaft des FSV Frankfurt anzudrehen. Erst nach massiven Protesten seitens der Eintrachtfans akzeptierte JAKO, dass Eintracht Frankfurt sich nicht mit einem Allerweltslappen zufrieden gibt und kreierte ein anderes Design - oder besser: überließ die Wahl den Fans. Somit war das vorgestellte Trikot schneller Geschichte, als DuRi Cha flitzen kann. Seither gab es Jahr für Jahr ein neues Trikot von JAKO, auch in diesem Jahr; ihr wisst, die Dinger die schwer nach VfB Stuttgart schmecken.
Aber die Firma JAKO macht noch ganz andere Dinge; sie hat zum Beispiel vor gar nicht allzulanger Zeit dem Firmenlogo einen neuen Look verpasst - deshalb gibt es bei unserer rot-schwarz-weißen Eintracht auch die tollen blauen Tüten im Fanshop.
Nun kann man vom Design des Logos halten, was man möchte. Genau dies machte Trainer Baade, ein Blogger der seit 2005 im Internet tätig ist. Er hielt nicht allzuviel davon - und veröffentlichte seine Meinung in seinem Blog; eine Meinung, die man durchaus teilen kann. JAKO jedoch teilte seine Meinung nicht, im Gegenteil.
Was dann aber geschah spottet jeder Beschreibung. Der Blogger, dessen Seite ähnlich wie viele andere nur von ein paar Hundert Usern täglich gelesen wird wurde von der Firma JAKO bzw. im Auftrag durch Rechtsanwältin Iris Sanguinette abgemahnt. Frank Baade reagierte - wer kann sich schon als kleiner Blogger eine Auseinandersetzung mit einem sogenannten Weltkonzern leisten - und nahm den betreffenden Beitrag vom Netz. Doch dann kam die Maschine erst richtig ins Rollen.
Stefan hat heute im BLOG_G das Thema aufgegriffen; basierend auf einem Beitrag von Kai Pahl auf allesaussersport.de. Lest euch in Ruhe die Geschichte durch und bildet euch eure Meinung.
Und da ich solch Verhalten von JAKO unglaublich finde, möchte ich dem Blogger Trainer Baade meine Solidarität zukommen lassen. Offizielle Eintracht-Trikots kaufe ich sowieso nicht, da ich bislang nicht eingesehen habe, dass ich um einen Flughafenbetreiber zu bewerben auch noch Geld zahlen muss. Nun gibt es einen zweiten Grund. Damit könnte die morgige Veranstaltung im Museum auf ungedachte Weise einen neuen Aspekt erhalten: Weißt du, was du trägst lautet der Titel. Ich weiß es - und habe die Wahl.


Update aus dem Blog-G: Stimmen dazu im Netz 

- Kid Klappergass: Tanz auf dünnem Eis
- Die Vorstopper: Kurz verlinkt
- Werderblog.net: Aus leider aktuellem Anlass
- gehts raus und spuilts fußball: Jako macht sich unmöglich
- Fritten, Fußball und Bier: Very important: Den Trainer hat’s erwischt
- Spielbeobachter: Wenn Imageberater schlafen
- Blogsprache: Jako King of Flop

Montag, 17. November 2008

Zwanziger gegen Weinreich - Wie der DFB die Kommunikationsherrschaft retten will - und sie dabei veliert


Stefan rollt in seinem Blog innerhalb der Frankfurter Rundschau die Auseinandersetzung des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger mit dem Journalisten Jens Weinreich auf und verweist auf diverse Kommentare zum Thema.

Ich verweise hiermit auf Stefans Blog, der auch eine Pressemitteilung des DFB enthält, welche nicht nur Wesentliches absichtlich unterschlägt, sondern erwiesene Tatsachen ins Gegenteil verkehrt - ein weiteres Beispiel unglaublicher Demagogie.

Sonntag, 5. Oktober 2008

Heimspiel in Mannheim


Eigentlich begann das Spiel schon am Abend zuvor, als wir beim Italiener in Neu Isenburg einen Gutschein verfutterten. Im Hintergrund schickten sich Ostwestfalen an, ihr Heimspiel gegen den KSC zu verlieren, im Vordergrund genoss unsere Nummer 29 den freien Abend und die Krönung des ganzen war dann ein überaus freundlicher Paolo, der uns nicht nur einige Euros der Rechnung erließ, sondern uns gar eine eigene Autogrammkarte unterschrieb.

Als sich dann um Mitternacht mein Geburtstag näherte, drückte mir Pia ein Carepaket für den Samstag in die Hand; Becher, Salzstangen, Würstchen – und ne Karte für das Spiel inklusive einem Platz in einem der Autos, die sich nach Mannheim aufmachen wollten.

Und so kam’s dann auch. Gegen elf marschierte ich alleine mit meinem Beutelchen in Richtung Konsti, (Pia hatte familiäre Verpflichtungen und Stefan beauftragt, allzeit ein wachsames Äuglein auf mich zu haben, damit mir ein SV erspart bleiben möge. Sie kennt mich.) erstand einen Fünf-Liter-Kanister Sonnenhof-Äbbelwoi und wanderte zur Bahnhof Nordseite, wo eine bunte Mischung aus Fanclublern., Forumsnasen und Bloggern schon wartete. Händegeschüttel, Happy Birthday, Prost. Das letzte Mal, als die Eintracht an meinem Geburtstag kickte, war Anno 2003. Damals gab’s ein 0:1 gegen Dortmund, heuer war also ein Sieg fällig.

Die Fahrt verlief entspannt, wobei es nicht ganz einfach ist, aus einem Kanister während der Fahrt in ein Becherchen zu gießen, ein schwarz-weißer Schal flatterte im Fahrtwind, die Sonne blinzelte auf die A67 und während wir noch siegesgewiss fachsimpelten, glitten wir schon über die Einfahrtsstraße nach Mannheim. Schon eine Woche zuvor hatte es hier ja den Probelauf gegeben – als unsere U23 Buben hier gegen Waldhof antraten – und mit 1:2 verloren. Mannhaft hatten sie sich gegen die Niederlage gestemmt, allein, es sollte nicht sein.

War der Parkplatz während des Waldhof-Spiels noch kostenlos, so mussten wir nun 4 Euros berappen, was nach einigem Gesuche und Gekruschpel auch gelang. Und so stellten wir die Kiste ab, öffneten den Kofferraum, wo unser Fahrer Doctore Hammer noch einige kulinarische Schmankerln in Petto hatte und wir schmausten und schwatzten, dass der liebe Gott einen Gefallen an uns gehabt hätte. Die Zeit verging wie im Flug, jede Menge Eintrachtler defilierten an uns vorbei, etliche bekannte Gesichter blieben stehen, es wäre ein Ding der Unmöglichkeit, sie alle aufzuzählen– und da der Gründel Heinz mir im Forum öffentlich gratuliert hatte, so wussten natürlich einige davon, dass ich heute gealtert bin und gratulierten herzlich, sehr nett anzuschauen war dabei das Eintracht-Küchelchen von Kallewirsch incl. brennendem Kerzlein. Alle naslang bimmelte mein Handy oder wurde mir eine Hand entgegen gestreckt. Von daher auch nochmal an dieser Stelle an alle ein Vielen Dank für die Glückwünsche.

Plötzlich kam Aleks Vasovski an uns vorüber, erblickte mich, gab High Five und meinte salopp: Alles Gute, Beve, du Lump. Heute rocken wir hier schwer einen, oder?

Naja ich gebs zu, so war es nicht. Aber er kam wirklich vorbei; ich erblickte ihn, rief seinen Namen und schickte ein Alles Gute hinterher, er stockte kurz, lächelte - und marschierte weiter.

Aus allen Ecken strömten Eintrachtler Richtung Stadion, es gab phasenweise leichte Verwirrung ob des zu begehenden Weges – da viele von uns ja keine Karten für den Gästeblock besaßen, trennten sich einige Wege. Von der Straße ertönte Blaulicht, scheinbar war der Mob aus Frankfurt im Anmarsch, was mich auch nicht sonderlich interessierte, überall ein Guude, ein Morsche und im Großen und Ganzen war’s ein eher lässiger Anmarsch, bei dem ich so ganz nebenbei erfuhr, was es mit den Katten auf sich hat.

Lässig war auch die Eingangskontrolle, meine Karte wollte niemand sehen, angefasst wurde ich auch nicht und so lungerten wir noch ein Weilchen vor den Aufgängen zu den Blöcken herum, tranken ein Schöppchen und schoben uns dann auf unsere Plätze in diesem Fußballstadion, dass noch ein Fußballstadion ist. Etwas dämlich war nur, dass ich noch mal nachguckte, wo denn Block 21 sei – bis ich feststellte, dass ich zu Block 19 musste. Die 21 war der Eintrittspreis. Prost Herr Beverungen. Kaum stand ich, ging’s auch schon los. Nicht nur die Gästekurve war fest in unserer Hand, auch der gegenüberliegende Block war komplett mit Frankfurtern gefüllt und auch zwischendrin hockten etliche Adler. Aus den Boxen röchelte gefühlte zwanzig Mal der White Stripes Song seven nation army, die Blauen unten flitzten um die Wette und die Eintracht begann wie immer defensiv, die Hauptrolle im Mittelfeld übernahm traditionsgemäß ein großes Loch. Linker Hand parkte der Eintracht Bus, rechts im Eck stapelten sich überdimensionale aufblasbare Reklame-Bierkästen und Amanatidis hockte auf der Bank.

Kurve und der Gegenüberliegende Block hatten mittlerweile komplett die Kontrolle im Stadion übernommen, und wir versuchten so gut es ging, unsere Jungs nach vorne zu peitschen. Nikolov hielt wie ein Großer, und so stand’s zur Halbzeit Nullnull. Auf meinem Weg nach draußen traf ich Rudi, der gleichfalls Geburtstag hatte – und musste erfahren, dass Marc von einem Polizeihund attackiert und gebissen wurde, und kaum hörte ich’s, sah ich ihn auch schon mit badagiertem Arm. Arme Socke und gute Besserung, Fußball ohne Leiden gibt's nicht. APDAB*

Als ich noch am Büdchen anstand, ließen mich die Geräusche im Inneren erahnen, dass etwas unschönes passiert sein musste – und so war es auch, die Eintracht hatte einen Treffer kassiert, was die Sangeslust in unserem Bereich leider merklich trübte. Dennoch spycherte sich unser Schweizer in der 66. Minute irgendwie durch, wuppte das Bällchen in den Strafraum und Steinhöfer traf zum Ausgleich. Dies muss unseren Trainer gewurmt haben, denn er wechselte ihn aus, und prompt gelang es unseren Helden, nur wenig später den zweiten Treffer zu kassieren, was so manchen in Mannheim veranlasste, lautstark über einen Trainerwechsel nachzudenken.

Die Eintracht wehrte sich noch ein bisschen, aber das 1:2 aus unserer Sicht hatte auch nach 90 Minuten Bestand, und so schlichen wir mit hängenden Köpfen aus dem Stadion. Zumindest die meisten, nur zwei Mädels hatten Glück. Sie konnten nämlich das Trikot von Amanatidis ergattern, der gleichermaßen enttäuscht an den Zaun kam und zudem noch einen Ball zu den Fans kickte.

Dass das Ergebnis innerhalb kürzester Zeit in meiner Wahrnehmung zweitrangig werden sollte, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, denn kurz nach Verlassen des Blockes traf ich Roland und er konfrontierte mich mit der traurigen Nachricht, dass sich Steffen, Museumsmitarbeiter, Allesfahrer und U23 Stadionzeitungsmacher am Vorabend bei einem Autounfall schwer verletzt hatte. Es war wohl das erste Spiel seit Jahren, dass Steffen deshalb nicht sehen konnte und von daher meine flehentliche Bitte, dass er bald wieder auf die Beine kommt. Wir brauchen dich.

Bedröppelt marschierte ich dann in Richtung der Parkplätze und traf unterwegs auf meine Mitfahrer. Da es an der Kreuzung weiter vorne grade zu Rennereien kam, die einen hatten weiße Helme auf, die anderen nicht, blieben wir noch ein Weilchen außerhalb des Spielfeldes bis sich die Lage beruhigt hatte und wir seelenruhig zum Auto marschierten. Dort gab’s noch die ein oder andere Diskussion und es war bald klar, dass niemand großartig traurig wäre, wenn Eintracht Frankfurt einen Trainerwechsel publik machen würde. Allerdings wollte auch niemand in der Haut unseres Vorsitzenden stecken, denn auch wir hatten niemanden im Gepäck, dem wir die Lösung der hiesigen Probleme adäquat zutrauen würden. Schwierig, das Ganze.

Zurück ging’s flott über die Autobahn und ich saß zum ersten Mal in einem Auto, in welchem du mittels einer Kamera den Bereich hinter deinem Auto auf einem Monitor angucken kannst. Was es nicht alles gibt.

Als die ersten schon in der Klapper beim Schoppen hockten, passierten wir Pfungstadt und nur wenig später lief auch der gebeutelte Rest dort ein, schwatzte über dies und jenes und nicht uninteressant war die Ansicht über unser Kurvenverhaltens aus verschiedenen Blickwinkeln. RedZone, der im Stehblock das Spiel verfolgt hatte, schwärmte von unserem Auftritt, ich jedoch, der am anderen Ende der Kurve stand, mäkelte an der lustlosen Haltung etlicher Fans während des Rückstandes um mich herum herum. Alles eine Frage des Standpunktes. Auch der Standpunkt.

Später kam dann doch noch Pia, die verzweifelt versucht hatte, mich anzurufen – während mein Handy in der Gastwirtschaft mangels Empfang stumm wie ein Goldfisch in der Kugel blieb. Aber dies ist eine andere Geschichte.

So ging dann peu a peu ein Tag vorbei, an dem ne ganze Menge passiert ist, Marcs Wunden wahrscheinlich schneller heilen als Steffens und vor allem die Erkenntnis bleibt: Es gibt wichtigeres als Fußball.





*APDAB - All PoliceDogs Are Bastards


Montag, 22. September 2008

Alfred Pfaff und Jürgen Grabowski - Ein Abend im Museum von Eintracht Frankfurt


Es war eine Woche, wie sie nur ganz selten im Leben vorkommt. Zunächst stand Dienstag-Abend ein Heimspiel unserer U23 gegen Hessen Kassel an. Eigentlich nichts so besonderes – bis auf die Tatsache, dass dieses Spiel im Waldstadion ausgetragen wurde – und ich zum ersten Mal nach über sechs Jahren als Stadionsprecher der kleinen Eintracht in der großen Arena übers Mikrofon sprechen durfte. Nervös war ich eigentlich nicht; alleine die logistischen Anforderungen wollten bewältigt werden. Wie klappt die Bedienung des Videowürfels? Wie funktioniert die Musik? Wo ist eigentlich was? Dank Christoph und Air Harry gelang fast alles tadellos, wir sahen ein flottes Spiel, einen Kasseler Trainer, der auch schon für die Eintracht im Uefa-Cup getroffen hatte (Mirko Dickhaut) und letzten Endes einen Ausgleich in der x-ten Minute der Nachspielzeit, der für Kassel eher glücklich zu nennen war. 1200 Fans sahen das Spiel, verteilt in zwei gut gefüllte Blöcke gegenüber sowie in der Mitte der Gegengrade und machten ordentlich Rabatz. Auf der Haupttribüne stand währenddessen ein illustres Grüppchen um Heribert Bruchhagen, Friedhelm Funkel und Bernd Hölzenbein. Weiter unten saß Andi Möller und beobachtete wohl Kandidaten für seinen Club.
Das letzte Mal hatte ich ein Spiel im Innenraum verfolgen dürfen, als Alex Schur in der Nachspielzeit die Eintracht gegen Reutlingen in die erste Liga köpfte – keine fünf Schritte von mir entfernt. Damals hatten der kreuzbuerger Andi und ich auf Grund dubioser Umstände ein Fotografen-Leibchen umhängen und waren kurz vorm Durchdrehen.

So lernte ich letzten Dienstag also die Stadionregie kennen, bin ein bisschen in den Katakomben umher gelaufen und verweilte mit Pia vor dem Spiel ein paar Minuten auf der Eintracht-Trainerbank. War schon groß. Groß war auch die Freude, als irgendwann vor Spielbeginn Motörhead aus den Stadionboxen wummerten, mein klammheimlicher Beitrag zum großen Rock’n’Roll Ding, das immer mehr der durchorganisierten Massenkompatiblen Inszenierung weichen muss. Irgendwann erklang meine Stimme durchs Mikro – nach drei Minuten führte Kassel – am Ende stand ein zweizuzwei durch den eingangs erwähnten Treffer in der überletzten Minute.

Viel Zeit, mich an die Geschehnisse zu erinnern blieb allerdings nicht. Schon zwei Tage später stand die Veranstaltung Der gepflegte Ball aus der vom Museum und FuFa veranstalteten Reihe Tradition zum Anfassen auf dem Programm. Für mich eine große Ehre, wurde ich doch auserkoren, unsere Gäste Don Alfredo Pfaff und Grabi Jürgen Grabowski moderat durch den Abend zu begleiten. Zur Vorbereitung hatte mir Matze noch zwei Ordner mit historischen Dokumenten mitgegeben, die zusammen mit meinen Eintracht-Büchern und den eigenen Erlebnissen das Fundament für eine solide Moderation bilden sollten. Ich las mich durch die Jahre, erinnerte mich an Situationen, die ich gar nicht erlebt hatte (da sie zehn Jahre vor meiner Geburt statt fanden) und tauchte noch einmal in meine Kindheit ein, in der Grabi mein großer Held war. Bergmannsammelbildchen zur WM 1974 kamen mir in den Sinn und eine Zeit, in der ich mit dem viel zu großen Fahrrad meiner zu früh verstorbenen Großmutter in einem kleinen Ort namens Mömlingen Richtung Müllkippe radelte. Normalerweise durchsuchten wir dort ausgediente Fahrradlampen nach brauchbaren Birnchen, doch irgendwann fand ich alte Hör-Zu-Hefte, die ich durchblätterte – und auf Zeichnungen der WM-Teilnehmer Deutschlands stieß. Ich suchte fortan solange, bis ich alle Bildchen hatte – und besonderes Augenmerk richtete ich natürlich auf Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein. Sie waren Frankfurter, so wie ich – und von daher waren wir wir.

Viele Jahre später habe ich die Bilder auf Franks Eintracht-Archiv im Internet entdeckt – und mich riesig gefreut.


Ja und jetzt sollte ich vor versammelten Eintracht-Fans jeglicher Couleur mutterseelenalleine mit Jürgen Grabowski und Alfred Pfaff plaudern, als seien sie gute, vertraute Kumpels – und nicht die größten Spielmacher der Frankfurter Eintracht - zumindest nach dem Krieg. Man muss dazu sagen: Vor Jahren hatte ich einmal die Ehre, Grabi anlässlich der Uefa-Cup-Gala für eintrachtfans.tv zu interviewen. Deutlich zeigt das Videobild meine zittrige Hand in Form eines wackelnden Mikrofons. Und damals hat mir beim Interview niemand zugesehen.

Obgleich ich also inhaltlich gut vorbereitet war, hatte ich doch jede Menge Respekt und hoffte, dass ich nicht inmitten der Helden einen Blackout hinlege, der mich derangiert. Und euch etwas ratlos zurücklässt.

Nachmittags traf ich im Museum ein – und kümmerte mich erst einmal um die Technik, verkabelte Boxen und Mikros, während Pia fleißig Buttons produzierte und Thomas gemeinsam mit Jasmin und Petra das Museum schmückten und vorbereiteten. Matze war damit beschäftigt, die Dinge im Griff zu haben und jeder, der ihn kennt weiß, dass er stets große Sorge in sich trägt, ob die Veranstaltung so läuft, wie er sich das erhofft. Bislang hat’s ja noch immer ganz gut geklappt. Leider kränkelte Steffen - und konnte, wie ich später erfuhr, nicht an der Veranstaltung teilnehmen.

Als endlich die Anlage angeschlossen und der Beamer startklar war, übernahm Pia die Technik und ich beschäftigte mich mit dem kommenden Abend. Das ein oder andere Mal hatte ich den Eindruck, ich hätte alles vergessen, das nur im Entferntesten an Grabi und Pfaff erinnert. Großer Gott, steh mir bei.

Mittlerweile trafen die ersten Besucher ein. Hier ein Hallo zu Frank, dort ein kurzer Gruß, schnell übergab ich Chris und Petra noch zwei Tickets für Rostock und so flogen die Minuten dahin, bis ich von Billy erfuhr: Alfred Pfaff ist da. Oha, Herr Beverungen, jetzt geht es los.

Ich verließ das Museum und marschierte in den Business Bereich, wo Billy mit Alfred Pfaff und dessen Frau Edith beim Kaffee saß. Wir kamen ins Plaudern – und vor allem Frau Pfaff nahm mir die Sorge ab, indem wir uns auch mit Alfred angeregt unterhielten, und sie keinerlei Scheu erkennen ließen. Don Alfredo gab dem HR noch ein Interview – und ich spazierte zurück ins Museum, um nach dem rechten zu sehen. Und eh ich mich versah, kam ER. Jürgen Grabowski, leger in Jeans und Blouson marschierte an uns vorüber. Ich hatte mit Matze abgemacht, dass wir Grabi und Don Alfredo zunächst im Business-Bereich zusammenführen wollten, bevor sie gemeinsam triumphal ins Museum einmarschieren sollten. So fing ich Grabi ab, sprach kurz mit Matze und trat mit Grabi vor die Museumstür. Ein Grüppchen, welches vor der Tür plauderte erstarrte vor Ehrfurcht, während Grabi jedem einzelnen die Hand schüttelte.

Wenig später ging’s wirklich los. An die 180 Eintracht-Fans waren ins Museum gepilgert, um diesem Abend beizuwohnen. Unter ihnen ehemalige Meisterspieler, wie Dieter Lindner, Eintracht-Präsident Peter Fischer, Eintracht-Seele Kurt E. Schmidt. Junge Ultras waren ebenso anwesend, wie Fanclubs oder Mitglieder und Museumsförderer - Eintrachtfans quer durch die Jahre, Forumsleute wie auch Blog-Gler - so Stefan, dessen Fotos schon vielen Freude bereitet haben, einige davon könnt ihr hier sehen. Hier sah ich Ergin, dort begrüßte ich Biber, an der Seite saß Sabine und so weiter, ich könnte noch etliche von euch aufzählen, es war schön, euch gesehen zu haben. Besonders schön fand ich, dass mein Vater, mit dem ich seit Jahren gemeinsam zur Eintracht gehe, auch an diesem Abend anwesend war.

Durch donnernden Applaus bahnten sich Grabi und Pfaff den Weg durch die Eintrachtfans, Alfred Pfaff, standesgemäß im Anzug nebst Krawatte nahm Platz und stützte sich auf seinen Stock, neben ihn setzte sich Grabi, auf der anderen Seite dann euer Beve, vor uns rote Tische und wir wurden von Matze Thoma herzlich begrüßt. Sehr schön von Matze war die Begrüßung auch dreier Eintracht-Fans, die durch ihre Tätigkeit in den letzten Jahren einiges zum Gelingen des Museums getan haben; im Einzelnen Sammlergott Doc Hermann, Archivgott Frank Gotta und die großartige Stimme der leidenschaftlichen Vernunft, Rüdiger Schulz aka Kid Klappergass. Anschließend schwelgte Stefan Minden, Abteilungsleiter der FuFa, in Erinnerungen an seine Kurze-Hosen-Zeit, die im Jahre 1970 eine bedeutende Aufwertung durch den Fußballkünstler Jürgen Grabowski erfuhr – bei der WM in Mexiko als bester Auswechselspieler tituliert. Fortan begleitete Stefan die Eintracht durch die Jahre und begrüßte am heutigen Abend ehrfürchtig unsere Gäste, während er aus einem Text Rüdigers zitierte:

Lasst die angebliche "Lichtgestalt" Franz Beckenbauer nur als den "Kaiser" durch die Medienlandschaft wandern. Was ist ein "Kaiser" denn anderes, als ein Mensch, der sich über andere Menschen erhebt? Grabi dagegen ist immer einer von uns geblieben, hat uns an seiner Fußballkunst teilhaben lassen und uns so einige wahrhaft göttliche Momente geschenkt.
Danke, Grabi, für jeden einzelnen Augenblick!




Hinter uns drehte sich ein Eintrachtwimpel in einer Vitrine, während wir uns unterhielten, von Zeit zu Zeit flammte ein Blitzlicht auf und oftmals konnte man eine Stecknadel fallen hören.

Alfred Pfaff kam als junger Bub zur Eintracht – zu einem großen Verein wie er sagte. Mit zehn Jahren begann seine Karriere, die ihn über die Kriegsgefangenschaft in Frankreich in den Westerwald führte, wo er seine Gattin Edith kennen lernte. Er kickte für den SC Wirges, (um genau zu sein ein Jahr, wie Frau Pfaff aus der ersten Reihe betonte) ehe das Ehepaar Pfaff nach Frankfurt zurückkehrte. Dort spielte Don Alfredo zunächst ein Jahr für den FC Rödelheim in der Oberliga Süd, um nach dem Abstieg, den auch elf Tore von Pfaff nicht verhindern konnten, anschließend zur Eintracht zurückzukehren. Von 1949 bis 1961 spielte Pfaff 301 mal für die Adler in der Oberliga und traf 103 mal ins gegnerische Netz. Einmal hat er nicht getroffen – im Jahr 1958, als die Eintracht gegen den designierten Absteiger Jahn Regensburg am letzten Spieltag einen Sieg brachte, um als Süddeutscher Meister in die Endrunde einzuziehen. Die Eintracht unterlag 0:1, Pfaff verschoss einen Elfmeter oder wie er sagte: Ich habben net verschosse, der hatten gehalte. Großen Eindruck hinterließ bei ihm nicht nur die Amerika-Reise mit der Eintracht im Jahr 1951, sondern auch die WM im Jahr 1954, als Deutschland Weltmeister wurde und Pfaff beim 3:8 gegen die Ungarn einen Treffer erzielte. Es blieb sein einziger Einsatz bei einer WM, denn Pfaff hatte das Pech, dass ein ganz großer des deutschen Fußballs auf seiner Position spielte – nämlich Fritz Walter. Mit Walter verband Alfred Pfaff ein gutes Verhältnis, ebenso zu Seppl Herberger – der sowohl für ihn, als auch für Grabi ein ganz Großer war – obwohl Pfaff laut Grabi das ein oder andere Mal über Herberger geschimpft hatte. Nicht zuletzt deshalb, weil Alfred Pfaff – hochgelobter Techniker - es unter Herberger nur auf insgesamt sieben Länderspiele mit zwei Treffern gebracht hatte. Wie sagte Herberger über Pfaff? Wenn du den Pfaff aufgestellt hast, kannst du in der Nacht zuvor nicht schlafen. Pfaff antwortete Eija, wenn er des so gesacht hat.

Grabi selbst war zur damaligen Zeit zum einen zu Hause ohne Fernseher und zum anderen Anhänger des 1.FC Kaiserslautern, die zur damaligen Zeit alles beherrschenden Mannschaft in Deutschland. Fritz und Ottmar Walter oder Horst Eckel spielten bei den Roten Teufeln – und so war Fritz Walter das Vorbild des jungen Jürgen Grabowskis.

Wir sahen dann einen Film von Wolfgang Avenarius über die Spielmacher der Frankfurter Eintracht, Pfaff, Grabi, Holz, oder Uwe Bein sausten über den Platz oder lupften die Kugel ins Netz, während Sztani, mit dem Ball zwischen den Beinen durch den gegnerischen Strafraum hüpfte. Möller, Detari, Okochas Zaubertor, Gaudino – sie alle zauberten für die Eintracht und manch einer hätte mit einem eleganterem Abgang an die Tür von Pfaff und Grabowski klopfen können.

Pfaff hingegen hatte schon früh ein Angebot von Atletico Madrid, was dieser aus Heimatverbundenheit ablehnte. Auf meinen Einwand hin, dass dies seine Gattin sicherlich gefreut hatte, antwortete Don Alfredo unter dem Gelächter des Publikums: Finanziell nicht!. In der Tat, es muss ein gutes Angebot gewesen sein.

Natürlich war der Titelgewinn 1959 mit der Eintracht für Pfaff ein Riesen-Erlebnis, seine Frau erzählte, dass sie die Nacht durchgefeiert hatten, um morgens um sechs auf dem Trottoir zu sitzen und Zeitung zu lesen. Don Alfredo pflegte ein gutes Verhältnis zu den Spielern der Offenbacher Kickers – zumindest solange, sie nicht im Spiel aufeinander trafen.

Legendär wurden dann die Halbfinal-Spiele der Eintracht gegen die Glasgow Rangers im Europapokal der Landesmeister. Mit 6:1 und 6:3 behielt die Eintracht sensationell die Oberhand – und die Schotten applaudierten den Eintracht-Spieler Spalier stehend nach Spielende, für Pfaff ein ganz besonderes Ereignis. Im folgenden Endspiel, ebenfalls in Glasgow, unterlag die Eintracht dann dem Seriensieger Real Madrid trotz 1:0 Führung durch Kreß mit 3:7. Laut Pfaff hatte die Eintracht gegen die damals bester Mannschaft der Welt keine Chance – und doch mehrte diese Partie den Ruhm von Eintracht Frankfurt, von dem später auch Jürgen Grabowski zehren konnte.

Für Grabi war dieses Spiel damals natürlich ein Thema. Grabowski, der als Siebzehnjähriger bei seinem ersten Einsatz in der ersten Mannschaft des FV Biebrich mit seinem ersten Schuss gleich ein Tor erzielte. Ich habe den Ball nicht aus einem Meter hinein geschoben, sondern aus 16m ins Tor gehämmert stellte er klar.

Pfaff, der seit 1951 eine Gastwirtschaft betrieb, zunächst in der Weberstraße, dann an der Hauptwache, kaufte im Jahr 1960 einen Landgasthof im Odenwald, genauer in Zittenfelden – und steht diesem bis heute vor. Ob er sich denn über Besuch von Eintrachtlern freue gefragt, antwortete er schelmisch: Isch freu misch über jeden, der vorbei kommt, egal ob Eintrachtler oder nicht.

1961 beendete er seine Karriere bei der Eintracht und siedelte 1971 mit Familie gänzlich in den Odenwald, wo er heute noch lebt. Wenn ihr den Gasthof Morretal findet, so stattet ihm einen Besuch ab – die Pfaffs freut’s.




Im Jahr 1965 wechselte dann Jürgen Grabowski aus Biebrich zur Eintracht. Er hatte zuvor Angebote von Opel Rüsselsheim und SV Alzenborn abgelehnt, beide waren zur damaligen Zeit höherklassige Vereine. Der damalige Eintracht-Präsident Rudi Gramlich, eine formidable Respektsperson, verpflichtete Grabi mit den Worten: Kommen sie zur Eintracht, wir machen einen guten Fußballer aus ihnen. Er sollte mehr als Recht behalten.

Jürgen Grabowski gab sich sehr aufgeschlossen und auskunftsfreudig – und machte es mir unglaublich leicht. Da saß einer der weltbesten Fußballer, Idol einer ganzen Generation von Eintracht-Fans, zweifacher DFB-Pokal-, Uefa-Cup-Sieger und Weltmeister von 1974 neben mir – und zeigte keinerlei Berührungsängste oder herablassende Gesten – im Gegenteil – er zog durch seine offene und ehrliche Art sämtliche Besucher des Museums in seinen Bann.

Gleich in seiner ersten Saison avancierte Grabi zum Stammspieler und traf zehn mal für die Eintracht. Insgesamt sollten es bis 1980 441 Spiele und 109 Tore werden – eine beeindruckende Bilanz. Und dies, obwohl Grabi bis 1974 auf der eher ungeliebten Rechtsaußen-Position zum Einsatz kam – und nicht als Spielmacher – obgleich schon der Knabe Grabowski von der „10“ geträumt hatte.

Mit Grabi kam im Jahr 1965 Trainer Elek Schwartz zur Eintracht, der große Stücke auf den Bub aus Biebrich hielt und ihm das Vertrauen schenkte – im Spiel des Elek Schwartz hatte Grabi seinen Posten auf der rechten Außenbahn und er spielte derart überzeugend, dass Nationaltrainer Helmut Schön ihm im Mai 1966 zum ersten von 44 Länderspielen verhalf – und Grabi mit zur WM nach England nahm. Dort absolvierte Grabi zwar kein Spiel, doch war es für ihn großartig, mit Spielern wie Schnellinger, Seeler, Haller oder Tilkowski im Kader zu stehen, zumal es damals noch keine Ein- bzw Auswechslungen gegeben hatte. Friedel Lutz, Mitglied der Meistermannschaft von 1959, der als weiterer Frankfurter in England dabei war, durfte immerhin einmal ran. Insgesamt kamen wohl bei der WM in England nur 13 Spieler zum Einsatz – die Rotation war noch nicht erfunden.

Grabi erkannte bei der Eintracht schon früh die Hackordnung. Immerhin spielten zu seiner ersten Saison noch die Meister Lindner, Lotz, Loy, Höfer, Eigenbrot, Weilbächer und auch Sztani kehrte zur Eintracht zurück. Ein Lob aus deren Munde galt etwas – und Jürgen Grabowski wusste sich spielerisch durchzusetzen. Grabi, ein Freund flotter Autos, fuhr mit seinem roten Triumph Spitfire gerne offen und holte sich dadurch manch Angina, die ihn dann für eine halbes Jahr außer Gefecht setzte; er kam dadurch in der Saison 67/68 nur zu 17 Einsätzen – und musste knapp vier Jahre auf seinen nächsten Länderspieleinsatz warten.

Pünktlich zur WM in Mexiko besann sich Helmut Schön und griff auf Grabi zurück, dessen ärgster Konkurrent Stan Libuda mit ihm vom Nationaltrainer während der WM auf ein Zimmer gelegt wurde. Grabi und Libuda, begnadete Rechtsaußen, neideten sich nicht die Einsätze und Grabi sprach mit Hochachtung von seinem mittlerweile verstorbenen Kontrahenten.

Libuda spielte von Beginn an – und Grabi erarbeitete sich den für ihn zweifelhaften Titel „Bester Auswechselspieler der Welt.“ Natürlich fuchste es Grabi, nicht zur Nationalhymne auf dem Platz zu stehen – aber die Mannschaft profitierte von seinen Einwechslungen; unter anderem drehten sie im Viertelfinale ein 0:2 gegen England in einen 3:2 Sieg, nachdem der Frankfurter Jürgen Grabowski dabei war.




Als einer der WM-Helden kehrte Grabi aus Mexiko nach Frankfurt zurück und fand sich mit seiner Eintracht in der Saison 70/71 nach siebzehn Spielen und neun geschossenen Toren auf dem letzten Tabellenplatz wieder. Und dies mit seinen kongenialen Mitspielern Bernd Hölzenbein und Bernd Nickel. Damit konfrontiert antwortete Grabi grinsend: Das kann ich mir gar nicht vorstellen.

Nicht zuletzt durch die Reaktivierung Dieter Lindners, gelang es der Eintracht – entscheidend durch ein 2:0 in Offenbach – die Klasse zu halten. Im Sommer flog dann auf, dass etliche Spiele verschoben wurden – der Liga hatten ihren ersten Bundesligaskandal. Dies berührte jedoch nicht die Eintracht, deren Fußballer unter Trainer Erich Ribbeck ordentlich Steigerungsläufe absolvierten. Ribbeck stand bei Auswärtsspielen und Reisen des Öfteren auf der Schwelle und achtete darauf, dass seine Schäfchen nichts anstellten. Auf die Frage Was sie denn hätten anstellen können antwortete Grabi verschmitzt: Das kulturelle Angebot nutzen.

Das Jahr 1974 hielt für Grabi gleich etliche Highlights parat. Da war zunächst die WM im eigenen Land – und gleich zwei Frankfurter waren nominiert. Zum einen natürlich Jürgen Grabowski und zum anderen der treffsichere Stürmer Bernd Hölzenbein. Als die dritte Partie gegen die DDR mit 0:1 in die Adidas-Hose ging, wurde Grabi von Helmut Schön zum Sündenbock erklärt.

Grabi dazu: „Natürlich haben wir schlecht gespielt und ich habe eine Torchance vergeben, dass ich mir das heute gar nicht angucken mag. Aber man hätte die ganze Mannschaft auswechseln können.“

Grabowski wurde gegen Jugoslawien auf die Tribüne verbannt, eine harte Bestrafung für den sensiblen und anständigen, zuweilen von Zweifeln geplagten Frankfurter, der darüber sehr enttäuscht war

Aber es gibt einen Fußballgott – und so wurde Jürgen Grabowski im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden für Dieter Herzog eingewechselt – und erzielte prompt das 3:2, das wichtigste Tor meiner Karriere fügte er hinzu.

Der Lohn waren zwei weitere Spiele, das 1:0 gegen die Polen in der Wasserschlacht von Frankfurt und dann natürlich an seinem 30. Geburtstag am 07.07.1974 in München das Endspiel um die Fußballweltmeisterschaft. Das Ergebnis ist bekannt, Deutschland bezwingt die Niederlande mit 2:1, Holz erarbeitete sich einen Elfmeter – und Deutschland hatte nach Alfred Paff zwei weitere Weltmeister. Der Grabi und der Holz.

Alfred Pfaff hatte bis dato still zugehört – und doch merkte man, dass es für den zweiundachtzigjährigen Don Alfredo mittlerweile anstrengend war, doch er zeigte tadellose Haltung – und dies, obgleich Matze der Familie Pfaff erzählt hatte, dass nach einer Stunde Feierabend sei. Und wir waren weit drüber – und hatten noch ein paar Jährchen mit Grabi zu schildern.

Ein Blick in die Runde zeigte mir, dass ich es wenigstens noch ein paar Minuten versuchen sollte, während Matze mir verzweifelt „Time-Out“ signalisierte.

Grabi hat nach längerer Überlegung dann nach der WM seine Karriere im Nationalteam beendet. Keinerlei Einfluss auf die Entscheidung, hatte die Tatsache, dass am WM-abendlichen Bankett keine Frauen zugelassen waren. Dieser Entschluss sei schon länger bekannt gewesen, die Aufregung darüber künstlich – und er denke auch nicht, dass beispielsweise ein Wolfgang Overath deswegen zurückgetreten sei.

Wenige Wochen nach der WM wurde Grabowski mit der Eintracht Pokalsieger durch ein 3:1 gegen den HSV. Der Kapitän der Eintracht (seit 1969) tauschte nach dem Spiel mit seinem Gegenspieler das Trikot und nahm den Pokal in Empfang. Niemand hatte inmitten all der Freude daran gedacht, dass Grabi durch den Trikottausch bei der Pokalübergabe vor laufender Kamera unfreiwillig Reklame für die Firma Campari machte, dem Sponsor der Hamburger – und eben nicht für den Frankfurter Sponsor Remington. Campari schickte Grabi als Dankeschön anschließend sechs Flaschen Campari – und Grabi ärgerte sich, dass er sie angenommen hatte.

Es war die Zeit, in der Jürgen Grabowski von der eher ungeliebten Rechtsaußenposition ins zentrale Mittelfeld rückte – an die Position, wo er eigentlich immer hatte spielen wollen: Aber ich habe dort gespielt, wo der Trainer mich hingestellt hat, ein Spieler kann sich nicht aussuchen, wo er spielen will antwortete er auf die Frage, ob er vielleicht auch bei der Eintracht auf Außen gespielt hat, um damals seinen Platz im Nationalteam nicht zu gefährden.
Grabi erläuterte, dass der Rechtsaußen in der Nationalmannschaft eine völlig andere Bedeutung hatte, als bei der Eintracht. Konnte Grabi mit dem Ball am Fuß in Frankfurt in die Räume gehen und spielgestaltend wirken, so hieß es bei Helmut Schön: Außen bleiben und bloß nicht in die Mitte gehen, um die Räume für die Mittelfeldheroen nicht zu eng zu machen. Das hieß für die Außenstürmer, dass sie aus dem Spiel waren, sobald sie keine Bälle bekamen. Unbefriedigend für einen Virtuosen wie Jürgen Grabowski.

Nur ein Jahr nach dem Pokalsieg 74 hielt Grabi den Pokal erneut in den Händen, die Eintracht wurde erneut Pokalsieger. Und Grabi wurde der beste Mittelfeldstratege der Liga, brillierte durch Technik und Torgefahr und blieb später unter Trainer Lorant in zweiundzwanzig Bundesliga-Spielen ungeschlagen.

Eher hart verliefen für den Spielmacher der Eintracht die letzten beiden Jahre seiner grandiosen Karriere. Kämpfte er sich nach langwieriger Verletzung wieder ins Team, so schien Trainer Rausch darüber nicht sehr erfreut zu sein, er wollte nicht auf Grabi bauen, kam aber ob dessen gezeigter Leistungen nicht drum herum, bis am 15. März 1980 ein völlig unnötiger Tritt des jungen Ehrgeizling Lothar Matthäus während des Bundesligaspiels gegen Mönchengladbach die Karriere des Jürgen Grabowski beendete. Noch kämpfte Grabi um seine Spielfähigkeit, doch alle Physiotherapie sollte nichts nutzen. Die beiden Endspiele im Uefa-Cup, ebenfalls gegen Gladbach mussten ohne den verletzten Spielführer statt finden. Die Eintracht holte den Cup durch den Treffer des unvergessenen Fred Schaub. Holz bekam als stellvertretenden Kapitän den Pokal in die Hände gedrückt und übergab ihn dem nahestehenden Jürgen Grabowski, während 60.000 Zuschauer im Waldstadion dessen Namen skandierten. Für Grabi bewegend und schmerzhaft zugleich, wie gerne wäre er dabei gewesen. Trauer und Freude verschmolzen zu einem Moment erhabener Traurigkeit.

Auf das neuliche Nachtreten von Matthäus, der ernsthaft behauptet hatte, dass Grabi zum einen gar nicht getroffen wurde und zum anderen eine gute Versicherung abgeschlossen hätte, reagierte dieser, wie nur ein ganz Großer reagieren kann. Er stellte direkt klar, dass er die Versicherung über seine Verletzung nicht informiert hatte, da sein Vertrag in zwei Monaten ohnehin ausgelaufen wäre – und er sich albern dabei vorgekommen wäre, einen auf „Sportinvalide“ zu machen.

Jürgen Grabowski im Museum: Matthäus sportliche Fähigkeiten sind unbestritten, nicht umsonst hat er über hundert Länderspiele. Seine Defizite liegen eher in anderen Bereichen. Der Beifall der Eintrachtler war ihm sicher.

Jürgen Grabowski hatte sich während seiner ganzen Karriere anständig verhalten – und musste dabei manch Tiefschlag einstecken. Auch heute, nach all den Jahren gab sich Grabi, wie wir ihn schätzen gelernt hatten.

Er bedankte sich bei allen Anwesenden für die ihm dargebotene Anerkennung und so ging unter stehenden Ovationen eine Veranstaltung zu Ende, deren Hauptdarsteller Don Alfredo und Jürgen Grabowski großartig gezeigt hatten, weshalb sie wurden, was sie sind. Die wohl größten Fußballer, die die Eintracht jemals hervor gebracht hat.

Matze verteilte noch ein paar Präsente, unter anderem ein Eilpäckchen von Henni Nachtsheim, (der auf Grund eines Auftrittes leider nicht selbst dabei sein konnte) an Grabi und Don Alfredo und verabschiedete sich dann von unseren Gästen. Ein paar offizielle Fotos wurden geschossen und sogleich schnappte sich Frau Pfaff ihren Alfred, während Jürgen Grabowski noch Hunderte von Autogrammen schrieb, geduldig und unprätentiös jede Frage beantwortete und dabei immer wieder freundlich in eine Kameras lächelte. Trikots wurden zum unterschreiben vorgelegt, Bücher, Photos und jeder freute sich, ein Wort oder ein Foto zu erhaschen. Sogar Roland, der es leider nicht zur eigentlichen Veranstaltung geschafft hatte, wartete nun in einer Schlange für eine Unterschrift – und saß auf glühenden Kohlen, weil die Arbeit wartete. Ich schob ihn ein wenig nach vorne und nur wenig später musste ich einen Mann fast zwingen, nach vorne zu Grabi zu kommen. Jemand, der den allergrößten Respekt vor Grabi zeigte, dem der bloße Anblick Gänsehaut verschaffte – und der sich partout nicht bewegen lassen wollte, näher an sein Idol heranzutreten. Doch es gelang mir, Kid Klappergass zu Grabi zu lotsen – und als dieser erfuhr, dass es Kid gewesen war, der die von Stefan zitierten Worte verfasst hatte, bat er Rüdiger um eine Kopie des Textes, ein Autogramm gab es dazu – und ich denke, unseren Kid hat’s gefreut. Er hatte zumindest feuchte Augen in diesem Moment – und ich denke, nicht nur in diesem. Auch wenn er die Lobhudelei gar nicht gerne liest - da muss er jetzt durch.

So langsam begriff ich, was da an diesem Abend vonstatten gegangen war, begrüßte Öri hinter dem Tresen, orderte ein Bier – und war einfach nur glücklich.

Wahnsinn, Jürgen Grabowski und Alfred Pfaff.




Ja, so war’s – damals, als der gepflegte Ball im Museum zu Gast war. Damals, am 18 September 2008. Und wir waren dabei. Vielen Dank.





Die Karikaturen von Grabi und Holz sind dem Archiv von Frank Gotta entnommen, die Fotos von Stefan Krieger vom Blog-G.

Danke dafür.