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Donnerstag, 23. September 2010

Heimspiel in Leverkusen feat. Alle Farben sind schön


Spätherbst, die Sonne lacht und vor dem Eiscafé in der Martin Luther Straße sitzen die Menschen im Licht; bald wird hier die Winterleere herrschen und das ist schon der erste Hinweis auf unsere Eintracht. Der silberne Golf parkt ein paar Meter weiter oben; er hat heute frei. Leider auch Pia, die heute unabkömmlich ist - und so radele ich mutterseelenalleine in Richtung Bahnhof Südseite. Gegen halb vier soll die Reise mit den Geiselgangstern in Richtung Leverkusen losgehen; mein Handy zeigt kurz nach halb drei. Ich rolle durch die untere Günthersburgallee, vorbei am Friedberger Platz durch die Scheffelstraße in Richtung Anlagenring und gehe gedanklich den Tag durch; was habe ich, was brauche ich? Handy? Ist da. Foto? Ist da? Geld? Ist da? Eintrittskarte? Ist da. Scheiße, ist doch nicht da. Also gehts wieder zurück, vorbei am Eiscafé, wo sich in den letzten Minuten nicht viel geändert hat. Ein Griff auf die Kommode - und da liegen sie, die Tickets - also auf ein Neues - vorbei am Eiscafé usw.

Im Anlagenring lassen sich Frühfeierabendler die Sonne auf den Pelz scheinen; durch die Blätter der Bäume ragen die Türme der Banken in den blauen Himmel; die Phallussymbole einer Wirtschaft, die sich Mitarbeiterboni aus dem Staatssäckel bezahlen lässt und deren Geschäfte stets im Verborgenen gedeihen, versteckt hinter Spiegelglas im Herzen von Europa. Im Bahnhofsviertel Gewimmel und Gewusel.

Im Flur von Pias Firma stelle ich mein Rad unter, verabschiede mich von ihr und wandere in Richtung Unterführung zum Bahnhof. Am Irish-Pub weht neben einer Eintrachtfahne auch eine von Bayern und Gladbach; ich überlege kurz, diese anzuzünden, lasse es bleiben - doch: was ist denn dies für ein Empfang für ankommende Zugreisende? Wie auch immer, für die Gastronomie sind Fußballfans Kunden, Geld kennt keine Vereinsfarben. Immerhin werden hier zahlende Gäste wie zahlende Gäste behandelt; das ist nicht überall selbstverständlich.

An der Südseite warteten schon etliche Eintrachtfans; auch Marc ist schon da - und das ist gut, denn er nimmt Pias überzählige Karte; als wir diese gekauft hatten, war das Spiel noch nicht terminiert. Wenig später tuckert der Bus der Frankfurter Jungs an; Marc und Oli steigen ein, während der Geiselgangsterbus noch zu uns unterwegs ist. Ich quatsche mit André und Sandy, die Zeit vergeht, der Bus kommt und dann gehts los. Am Fenster hängt die Eintrachtfahne, an der Tür - weshalb auch immer - eine Palästinaflagge und zwischendrin hat Holger eine Anlagenkonstruktion aufgebaut, welche die Grundlage für die Sounds der nächsten Stunde werden wird, kleine Boxen hängen mit Kabelbindern am Gestänge. Geiselgangster. Bembelbar. Bembelgangster. In Medenbach steigt Tom dazu, in Montabaur Hans, die Fahrt verläuft zunächst reibungslos; ich quatsche mit Stefan und Hans über dies und jenes, ab und and ploppt ein Schöppchen auf und wir sind gut in der Zeit.

Bis kurz vor Köln; dann steht alles . Aus den Boxen erklingt zur großen Freude vieler ein Lied über das Fälschen von Banknoten; neben den Songs von Adam und die Mickys und Eintrachtlieder der große Hit der Hinreise, später wummern Motörhead Overkill.

Es sind harte Zeiten für Auswärtsfans, vor allem für die Raucher unter ihnen - doch immerhin dürfte der Geiselgangsterbus eine letzte Bastion sein - der Preis ist ein Linienbus ohne Toilette. Doch wo ein Stau, da ist ein Weg - exakt bei Kilometer 140.7 auf der A3 öffnet sich die Tür und wie Perlen auf der Kette stehen die Buben an der Leitplanke; gewesenes Bier verlässt die geschundenen Körper. Die Zeit verrinnt ebenso, es wird sieben, halb acht und wir bewegen uns immer noch im Schneckentempo in Richtung Leverkusen - in gut 30 Minuten ist Anpfiff. Ein Lieferwagen fährt an uns vorbei, der Adressaufkleber kündet von seiner Heimat: Am Krausen Bäumchen 115 in Essen. Putzig.

Plötzlich macht die Meldung die Runde, dass sich weibliche Frankfurter Besucher des Fußballspiels beim Einlass in einem Zelt am Eingang entblößen müssen - es sollen Hinweise vorliegen, dass Pyro von Frauen eingeschmuggelt werden soll. Wie das mit Hinweisen so ist, wissen wir spätestens seit dem Aufstiegsspiel gegen Burghausen vor Jahren, als die Polizei mit der abstrusen Begründung "im Internet hätte gestanden, dass nach Spielende der Rasen gestürmt werden soll" den Frankfurter Block stürmte. Was damals noch Fingerübungen für die kommende WM waren, ist nun in der aktuellen Wirklichkeit fest verankert.

Wenige Minuten vor acht erreichen wir den Busparkplatz; Polizisten lungern herum, während ich einen Platz für mich ganz alleine suche, das Bier will raus. Einer der Cops quatscht uns an, dass wir noch etwas warten sollen, sie würden uns begleiten. Da ich darauf dankend verzichte, marschiere ich erst ins Gebüsch, hole mir anschließend eine Wurst und wandere unbehelligt Richtung Stadion. Vor dem Gästeeingang zeichnen sich Menschentrauben ab; denke ich zunächst noch, dass dies an den zu spät eintreffenden Bussen liegt, so bringen einige Gespräche schnell Klarheit: Am Rande des Eingangs steht tatsächlich ein rotes Zelt; Frauen und wohl auch Kinder sollen sich peinlichst genau untersuchen lassen; der Fußballfan unter Generalverdacht, die Würde des Menschen ist antastbar - von Ordner(Innen) mit Gummihandschuhen im Schutze der Staatsmacht, die in vermummten und behelmten Gruppen gerne bereit ist, ihr antrainiertes Feindbild zu pflegen. Eingang weiblich zeigt ein Schild und kündigt die Schikane an.

Aus dem Stadion schallt es: Fußballfans sind keine Verbrecher; draußen stehen die, die sich mit den Frauen solidarisiert haben. Viele Ultras, aber auch Fans jeglicher Couleur; empört, verärgert. Da soll die Eintracht mal was machen. wird geschimpft. Mit Recht. Ich gehe kurz rein (normales Abtasten), schaue mir das Szenario näher an, telefoniere mit Pia, gebe Bescheid. Klar ist, dass sie sich nicht diesem unwürdigem Schauspiel unterwerfen würde; ich gehe wieder raus, hake das Spiel gedanklich ab.

Währenddessen verhandelt die Fanbetreuung mit Verantwortlichen, aus dem Stadion erklingt ein Torschrei, kurz danach ein weiterer. 1:1 Gekas. Soll mir recht sein. Kurz danach kommt die Meldung, dass die Kontrollen nach Intervention seitens unserer Fanbetreuung auf ein normales Maß runtergeschraubt werden sollen. Wir entscheiden, das Stadion zu betreten; immerhin können bereits entwertete Karten wieder benutzt werden. Diesmal habe ich ein besonders arrogantes und konsequentes Ordnerexemplar erwischt; ich darf die Schuhe ausziehen, beschwere mich - was der unterdrückte und geknechtete Halbunformierte dazu nutzt, rein schikanös das ganze Programm durchzuziehen; Tabakpäckchen raus, aufmachen, Foto raus, Geldbeutel raus; Wixgriffel am Arsch. Dauert ewig, aber es sind ja auch nur knapp vierzig Minuten gespielt. Hoffentlich entdeckt er meine Panzerfaust nicht. Dann kurzes Sammeln vor dem Blockaufgang; Hurra hurra die Frankfurter sind da. Oben im Block treffe ich Marc, erzähle ihm die Vorkommnisse und konzentriere mich auf das Spiel; Chris für Meier ansonsten wie gehabt. Halbzeit.

Die zweite Hälfte bringt ein hin- und herwogendes Spiel; Leverkusen in Ansätzen flotter; Rolfes absolviert sein erstes Spiel nach längerer Verletzungspause, die Eintracht hält dagegen. Mal liegt Franz im Strafraum, mal liegt ein Verdacht auf Leverkusener Hand vor, mal wirft sich Nikolov dazwischen, mal holt Köhler ein Freistoß heraus. Nicht zwingend, nicht überragend - ordentlich allemal, doch wird es reichen?

Nein, es wird nicht reichen. Wenige Sekunden vor Schluss hat Ochs den Ball im Mittelfeld - doch anstatt ihn nach vorne zu schlagen, verliert er die Kugel; Bayer rückt auf, ist im Strafraum - und irgendwas ist passiert. Hoffe ich noch auf Abschlag oder Freistoß für die Eintracht, so werde ich Sekunden später eines Besseren belehrt: Elfmeter für Leverkusen und gelb-rot für Ochs, der wütend vom Platz marschiert, die Binde fliegt auf den Boden (Zuvor war Caio für Chris gekommen, der anders als ich von Beginn an dabei war). Und es kam, wie es kommen musste, Vidal versenkt den Elfer in der 90., und die Eintracht hat wieder einmal ein Spiel in den letzten Minuten verloren - und dass, obgleich ich vorher sicher war, dass die SGE gewinnt. Es ist zum kotzen.

Enttäuscht und zornig verlasse ich das Stadion, der Weg zum Bus scheint etwas länger, da die Herren mit Helm den kürzeren versperren - und erfahre unterwegs, dass die Behelmten wohl vor dem Spiel auch ein Mädchen zu Boden geschubst und getreten haben; Pfefferspray gabs allem Anschein nach noch dazu.

Bedröppelt hänge ich im Bus, bald rocken die ersten Lieder, andere singen dass sie heiß wie ein Vulkan seien - mir ist noch nicht nach feiern. Gabi meint, Fußball ist nicht alles, es gibt so viel wichtigere Dinge im Leben - Recht hat sie, doch im Moment beschäftigen mich neben dem Spiel die Gedanken über das Szenario Fußball; Gedanken über die Dreistigkeit seitens der Staatsmacht und Sicherheitsverantwortlichen je nach Gusto zahlenden Gästen a priori alles erdenklich Böse zu unterstellen und wie Kriminelle zu behandeln. Sicher, es sind nur Stehplätze, unser Bier bringen wir selbst mit und laut sind wir auch manchmal. Ein Unding in der gelackten Fußballwelt, die sich zahlungskräftige Kunden wünscht, die jeden Scheiß mitmachen und ihren Unmut über dürftige Leistungen und ähnliches maximal in der großen weiten Welt des Internets kund tun sollen; da stört es niemanden, da darf er sich wichtig nehmen, der Kunde, und der Rubel rollt und wer schikaniert wird, ist irgendwie selbst dran schuld.

Nach einem weiteren Schoppen verlaufen sich die Gedanken; REM singen it's the end of the world as we know it - and I feel fine. Später heißt der Meister Eintracht aus Frankfurt am Main, noch später stehen wir an einer Raste an der A66, säubern den Bus, während einer sich noch völlig sinnfrei mit einem schlafenden Autofahrer anlegen will, aber von einem Kumpel zurück gehalten wird.

Die Nutten stehen sich an der Messe die Füße platt, als wir nachts um halb zwei in Frankfurt einrollen; ich packe meinen Krempel zusammen, schwinge mich verabschiedend aus dem Bus, während irgendwo einer am Boden liegt; Zivilpolizei dabei. Ein paar rennen dazu - ich entschwinde ins Dunkel der Nacht. Einer hebt eine Kippe nach der anderen vom Boden auf, aus dem U60311 wummern Technobeats und ich radel nach Hause. Pia wird kurz wach und wie war's? fragt sie. Beschissen sage ich. Bis auf die Fahrt.



Details zum Spiel findet ihr wie immer bei Kid; Stellungnahmen zur Kontrolle hier und auch hier.

Dienstag, 22. Juni 2010

Endspiel, Panini, Backstage - Termine!


Wie sagte ein Bekannter neulich? Wird Zeit, dass Sommer wird und die WeeEmm endlich anfängt. Das wird dann so ca. in vier Jahren sein, wenn in Brasilien alles anders ist. Somit begnügen wir uns mit dem scheinbar immergleichen Spiel, dessen Ausgang vorhersehbar ist - zumindest wenn es nach meinen Tippspiel-Ergebnissen geht. Exakt das Gegenteil dessen, was ich getippt habe, tritt ein. Und selbst wenn alles nach Plan läuft und der Spanier gegen Honduras mit 2:0 führt und somit ein läppisches Törchen zum prophezeiten 3:0 fehlt, dann vergeigt Villa einen Elfer, bloß um mir einen rein zu würgen. Dabei war ich ja sogar noch angetan vom verschossenen Elfmeter; dann geht's nämlich nicht zu hoch aus. Oh heilige Einfalt.

Irgendwie ist zur WeeEmm alles gesagt; Fifa, Vuvuzela, Schiedsrichter, Frankreich, England, Event - es ist alles beleuchtet, hinterfragt, belächelt oder beschimpft - einzig Heinzes Flugkopfball zum Treffer Argentiniens gegen Nigeria geht mir ein bisschen unter. Ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal einen Flugkopfball aus elf Metern gesehen habe - aber dieser Treffer gehört für mich zu den schönsten dieser WeeEmm. Wenn nicht gar der tollste.

Zurück zum Sport:

Die U17 der Frankfurter Eintracht hat es tatsächlich geschafft; den Einzug ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft der B-Junioren. Nach einem 2:1 gegen die Hertha in Langenselbold triumphierten die Buben von Trainer Alex Schur auch in Berlin; 3:1 lautete das Ergebnis im Rückspiel und somit trifft die U17 auf Bayer Leverkusen, das sich im Halbfinale gegen den VfB Stuttgart durchgesetzt hat. Die Eintracht gegen Bayer, der Meister des Südens gegen den Meister des Westens; beide Teams haben sich in der jeweiligen Bundesliga souverän durchgesetzt und stehen zu Recht im Finale, das am kommenden Samstag um 14:00 Uhr in Frankfurt am Bornheimer Hang angepfiffen wird. Eine große Chance also für die Eintracht, eine nahezu perfekte Saison zu krönen.

Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass dieses Spiel nicht mehr von der Eintracht, sondern vom DFB ausgerichtet wird, und bestehende Stadionverbote leider auch für diese Partie gelten. Dennoch wäre eine tolle Kulisse wünschenswert, um zum ersten Mal seit 1991 den Titel eines Deutschen Meisters an den Riederwald zu holen.


Ein weiteres Highlight gibt es am Sonntag, den 27.06 ab 15:30 im Backstage zu bestaunen. Dort werden zwar alle WeeEmm Spiele gezeigt, im Garten sogar hübsch garniert mit den Flaggen von Trinidad & Tobago oder Kroatien; an den Wochenenden aber gibt es zusätzlich noch das sensationelle Backstage WeeEmm Studio - live und in Farbe. Am Sonntag werden euer Beve und der geschätzte Ergänzungsspieler zu Gast sein und mit brillianten Analysen sowie unfassbarer Witzigkeit glänzen. Eine Oase inmitten all der Allgemeinplätze des deutschen TV-Landschaft.

Doch bevor es ins Backstage geht, trifft sich die versammelte Welt im Eintracht-Museum zum inzwischen schon legendären Bildertausch. Wer sein Panini-Album noch nicht voll hat, hier wird Abhilfe geschaffen; viele glückliche Gesichter gab es schon zu bestaunen, weitere kommen hinzu. Sonntag ab 11:00 geht's los. Mir selbst fehlen noch die 25, die 170 und die 570 - meldet euch, wenn ihr sie habt - und tauschen wollt.

Also, WeeEmm ist, wenn die Eintracht spielt; holt sich euch zurück - und das Spiel gleich mit. Wir sehen uns.





Freitag, 15. Januar 2010

Ein Abend mit Christoph Preuß im Museum - Teil Eins



Zum ersten Mal in der über zweijährigen Geschichte des Museums war am 14. Januar ein aktiver Spieler bei einer Abendveranstaltung im Museum zu Gast, sieht man einmal von der langen Nacht der Museen ab, als ebenfalls Christoph Preuß uns besuchte.

Bislang standen Besuche Aktiver ausschließlich im Rahmen der Kinderpressekonferenzen an, die das Museum zu großer Freude des Nachwuchses vor allem in den Ferien anbietet. Den Beginn machte seinerzeit wiederum Christoph, gefolgt von Mehdi Mahdavikia, Markus Pröll, Oka Nikolov, Maik Franz und Alex Meier, die sich vom Nachwuchs löchern ließen.
Nun aber sollte Christoph Preuß vor Fans jeglichen Alters aus seiner Karriere, von Höhen und Tiefen erzählen und - soviel sei vorweg genommen - es folgte ein großartiger und stellenweise bewegender Abend.

Annähernd siebzig Zuhörer fanden sich bei nasskalter Witterung im Museum ein, darunter Kurt E. Schmidt, Sonny, Kid Klappergass oder Frank Gotta, aber auch Christophs ehemaliger Jugendtrainer Kurt Baumann. Stühle wurden heran geschleppt, während ich wieder einmal das Privileg hatte, Christoph durch den Abend zu begleiten. Während unserer Unterhaltung liefen auf dem Monitor Szenen seiner Karriere, die Frank Wagner dankenswerterweise für uns gesichtet und bearbeitet hatte.

Christoph begann seine Karriere in Großen-Linden, wo er in den letzten Jahren von Kurt Baumann trainiert wurde. Er spielte sich über die Kreis- und Bezirksauswahl auch in die Hessenauswahl; dort fiel er Holger Müller auf, der bis heute die Nachwuchsspieler für den Verein Eintracht Frankfurt sichtet und sollte zur Eintracht gelotst werden. Zunächst blieb Christoph noch eine Weile in Großen-Linden, zum einen wollte er einen Zehenbruch auskurieren und zum anderen seinen Heimatverein in die Landesliga schießen, zur U17 jedoch wechselte er an den Riederwald. Mitspieler bei der Eintracht waren Jermaine Jones, Giuseppe Gemiti, Mimoun Azaouagh oder Daniel Gunkel.

Sportlich eine Verbesserung, die Sportplätze jedoch waren in Großen-Linden um einiges gepflegter. Dennoch reifte Preuß zum Jugendnationalspieler im Trikot des DFB, Höhepunkt war sicherlich die Teilnahme an der U-20 Weltmeisterschaft in Argentinien im Jahr 2001, zusammen mit Gemiti und Jones aber auch mit Selim Teber. Das Trainerteam Stielike/Hrubesch hinterließ einen starken Eindruck, vor allem Stielikes takische Fähigkeiten prägten Preuß nachhaltig. Interessierter Nationaltrainer war seinerzeit Michael Skibbe; man kennt sich also schon länger.

Schon als Jugendlicher kam Preuß unter Trainer Bene Lippert zu seinen ersten Oberliga-Einsätzen, bevor ihn Felix Magath zu den Profis beorderte. 21 Spiele standen nach der ersten Bundesligasaison 2000/01 zu Buche und leider auch der zweite Abstieg der Eintracht. Magath, der nach einem 1:5 gegen den 1. FC Köln seinen Stuhl räumen musste, schickte die jungen Spieler nach Ende der Hinserie zunächst wieder in die zweite Mannschaft, dessen Nachfolger Rolf Dohmen besann sich jedoch eines Besseren - erlebte die Saison dennoch nicht bis zum Ende. Friedel Rausch hieß der dritte und letzte Trainer im ersten Profijahr.

Mit Martin Andermatt ging es in der Zweiten Liga zunächst um den direkten Wiederaufstieg, Christoph Preuß absolvierte dabei 30 Spiele und als das anvisierte Ziel in weite Ferne gerückt war, wurde Andermatt durch Armin Kraaz ersetzt; am Ende belegte die Eintracht einen enttäuschenden siebten Platz - und verlor Christoph, der nach Ende der Saison auf Grund leerer Kassen nach Leverkusen wechseln musste; ein Transfer, der der Eintracht das finanzielle Überleben im Profifußball sichern sollte.

Der Wechsel nach Leverkusen stand für Preuß unter keinem guten Stern; schon in der Vorbereitung musste er an beiden Knöcheln operiert werden - auch der Trainerwechsel von Toppmöller zu Augenthaler, der von dem jungen Spieler augenscheinlich nicht allzuviel hielt förderte seine Karriere nicht. Immerhin kam er in drei Championsleaguepartien zum Einsatz, spielte bei Manchester United in Old Trafford sowie in den beiden Partien gegen Newcastle United - wobei ihm der Support der Fans von Newcastle weit mehr imponierte als die hochgelobte Stimmung in Manchester. Das Besondere an den Championsleaguespielen war neben einer frühzeitigen Anreise und dem Training im Stadion sicherlich auch der komplett durchorganisierte und minutiös geplante Ablauf der Veranstaltung.

Vier Bundesligaspiele konnte Christoph für Leverkusen absolvieren, dazu kamen 14 Partien in der Regionalligamannschaft. Da Augenthaler auch für die kommende Saison nicht mit Christoph plante, wurde dieser ob des Bemühens von - man höre und staune - Peter Schuster zur Eintracht ausgeliehen, Ende August 2003 kehrte Preuß nach dem dritten Spieltag in den Kader der von Willi Reimann trainierten Eintracht zurück, nahezu zeitgleich wurde Chris verpflichtet und auch Andy Möller, der schon seine Karriere beendet hatte, sollte noch einmal das Trikot der Eintracht tragen. Der Vertrag jedoch wurde von Christoph Preuß in Höchst vor einem Hotel auf dem Autodach unterschrieben.

Andy Möller, der spätestens nach seinem Wechsel zu Juventus 1992 von den meisten Eintracht-Anhängern mindestens kritisch gesehen wurde - und der auch nach seinem überraschenden Angebot der Eintracht im Jahr 2003 zu helfen, keineswegs mit offenen Armen empfangen wurde, war der Zimmernachbar von Preuß, welcher wiederum gut mit ihm klar kam und durchaus gute Gespräche mit Möller hatte. Er hat versucht, eine Erfahrung weiter zu geben, leider hat dies nach Außen nicht so geklappt.

Die Eintracht bewahrte sich die Chance auf den Klassenerhalt bis zum letzten Spieltag und musste nach einem 1:2 in Hamburg zum bislang letzten Mal den Gang in Liga zwei antreten. Negativer Höhepunkt der Saison war der Schubser von Willi Reimann gegen den vierten Schiedsrichter, der dem Trainer ein Fünf-Spiele-Sperre einbrachte, die dieser nicht auf der Tribüne absaß, sondern in einem Container auf der Baustelle der Haupttribüne. Die folgenden vier Spiele verlor die Eintracht und auch ein zwischenzeitliches 3:0 gegen Freiburg sollte am End nichts nutzen. Preuß abslovierte 29 Spiele, das erste am vierten Spieltag gegen die Hertha - und erzielte drei Tore.

Da Preuß von Leverkusen nur geliehen war und bei Bayer noch zwei Jahre einen Vertrag hatte, musste er formal nach Leverkusen zurück und wurde von dort im Tausch gegen Paul Freier nach Bochum transferiert; immerhin ergab sich dadurch für Christoph die Möglichkeit, international zu spielen - der VfL hatte sich durch einen fünften Platz in der Liga tatsächlich für den Uefa-Cup qualifiziert.

Kam der VfL unter Coach Peter Neururer mit fünf ungeschlagenen Spielen in der Liga noch ganz ordentlich aus den Startlöchern, so folgten binnen weniger Tagen zwei Nackenschläge, von denen sich das Team während der gesamten Saison nicht erholen sollte. Kassierte Bochum beim Pokalspiel in Freiburg in letzter Sekunde den Ausgleich, um in der Verlängerung noch zu verlieren, so kam es neun Tage später im Rückspiel des Uefa-Cups gegen Lüttich noch härter. Es galt ein 0:0 zu verteidigen und der VfL führte lange Zeit sogar mit 1:0 - ein erneuter Gegentreffer in der Schlussminute ließ alle internationale Träume platzen - und am Ende stand für Christoph ein weiterer Abstieg fest, zumal den Neuzugängen relativ bald die Unterstützung des Publikums versagt blieb, sie gar ausgepfiffen wurden. 30 Spiele und zwei Treffer konnten nichts daran ändern.

Da sich Christoph in Bochum nur bedingt wohlgefühlt hat und er zudem schon seit geraumer Zeit mit Heribert Bruchhagen in Kontakt stand, war schon im Winter 2004/05 klar, dass ein erneuter Wechsel zur Eintracht nach Saisonende immer wahrscheinlicher wird - und letztlich auch Wirklichkeit wurde.

Christoph selbst war mit Saison 2005/06 nicht recht glücklich, schwankende Leistungen führten dazu, dass er in der Liga "nur" zu 23 Einsätzen kam und ein Bandscheibenvorfall gegen Ende der Saison verhinderte letztlich die Teilnahme am Pokalfinale gegen die Bayern in Berlin, obgleich die gesamte Mannschaft natürlich im Olympiastadion anwesend war. Glück im Unglück bedeutete für ihn der Umstand, dass er nicht operiert werden musste. Letztlich hielt die Eintracht die Klasse und startete auch in der Saison 2006/07 in der ersten Liga. Durch das Double der Bayern, die nach dem Pokalsieg auch Meister wurden, hatte sich die Eintracht trotz der Niederlage im Pokalfinale für die Teilnahme am Uefa-Cup qualifiziert.


Fotos: Stefan Krieger

Samstag, 7. November 2009

Heimspiel in Leverkusen.


09.12.2006 - Eintracht Frankfurt - Werder Bremen 2:6

16.02.2007 - Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart 0:4

17.04.2007 - 1.FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt 4:0 (P)

20.10.2007 - 1.FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt 5:1

15.11.2008 - Borussia Dortmund - Eintracht Frankfurt 4:0

29.11.2008 - Werder Bremen - Eintracht Frankfurt 5:0

11.04.2009 - Bayern München - Eintracht Frankfurt 4:0

13.05.2009 - Eintracht Frankfurt - Werder Bremen 0:5

28.10.2009 - Eintracht Frankfurt - Bayern München 0:4 (P)

06.11.2009 - Bayer Leverkusen - Eintracht Frankfurt 4:0



Eintracht Niederlagen seit dem Wiederaufstieg 2005 mit mindestens vier Toren. Dazu kommen noch: 1:4 ggn Lev, 1:4 ggn den VfB, 1:4 in Stuttgart, 1:4 in Hamburg, 1:4 in Bremen und ein 2:5 in München. Bis auf das 0:4 in München habe ich alle Spiele vor Ort gesehen, das letzte am vergangenen Freitag in Leverkusen in der neuen BayArena. Und davon will ich euch berichten.

Nachmittags hockte ich in Oberrad bei einem Döner und wurde gefragt, wie es denn so ginge; so lala die Antwort - mal schauen, wie es denn heute Abend so aussieht. Die Eintracht spielt in Leverkusen, wir fahren hin. Echt? antworte mein türkischer Freund. Wieviele fahren denn da hin? Och, bestimmt so 10, 20 Busse, insgesamt vielleicht 3000 Frankfurter. Er wünschte mir viel Glück. Danke, antwortete ich, vielleicht schießt die Eintracht ja ein Tor.

Ich war angeschlagen, zu wenig Schlaf, zu viel Gedanken. Müde radelte ich am Main entlang, ein Vater fütterte mit seinem Kind die Tauben, ein Lastkahn mit Namen Fairplay tuckerte an mir vorüber, Herbstlicht. Über den Holbeinsteg rollte ich ins Bahnhofsviertel, holte Pia im Büro ab und verschloss mein Fahrrad. Gemeinsam marschierten wir Richtung Südseite des Bahnhofs, holten in der Münchner Straße in einem Araber-Lädchen noch eine Cola, durchschritten die Unterführung und trafen wenig später auf viele bekannte Gesichter. Viele Busse fahren an der Südseite ab, die FuFa, die Griesheimer und auch die Geiselgangster die meist, wenn wir den silbernen Golf im Herzen von Europa lassen uns mitnehmen. Es sind die, die immer da sind; Kine ist dabei, Ina, Holger, Jens, Tom, Gabi, Geetha, André, Sandy und viele andere. Wieviele Kilometer sind wir durch die Republik gereist, wieviele Stunden und Euros gingen dabei drauf, die Eintracht zu sehen. Komfort? Unser Bus ist ein alter Linienbus; Schulbus zeigt die digitale Anzeige. Eine Toilette gibt es nicht, die Musik kommt aus dem Radio; niemand hat ein Tape dabei, um den Rekorder zu füttern; mein MP3 Player liegt zuhause - meine Laune irgendwie auch. Ich bin müde, fühle mich alt, vielleicht zu alt für solche Späße, aber was soll's: Die Eintracht spielt.

Hinter dem Airport versinkt die Sonne, wir fahren; ich blicke aus dem Fenster, golden die Bäume im kühlen Herbst. Gabi gibt durch, dass sie ihren Gruppenleiterkurs absolviert hat; Applaus. Mehrfach halten wir, in Limburg, Montabaur, sammeln Leute ein, draußen legt sich die Nacht über Deutschland, über Siegburg-Ost. Treffen andere, reden.

Wir kommen gut durch, kaum Staus. Im Radio läuft Bitter Sweet Symphony von the Verve, Pia singt mit; es ist die Einlaufmusik von Bayer Leverkusen - wir fassen es als Omen auf. André verkauft Getränke; Bier, Cola für einen Euro, die Stimmung im Bus ist nicht überborden - und da weder Gerre noch Buffo oder Ralf dabei sind, fällt die Tombola aus. Kurz leuchtet an der Autobahn das Bayer Kreuz; Leverkusen - wir haben es bald geschafft; allein die letzten Kilometer sind zäh; Fußballstau. Autobahnbrücken, Firmengelände, Chempark, bis wir durch ein Wohngebiet rollen und letztlich unter der Brücke inmitten der anderen Busse parken. Männer stehen überall und pissen; ins Gebüsch, an die Busse, Scherben; zwei Busse stehen mit dem Heck dicht an dicht, keine Eintrittskarte passt dazwischen.

Pia, Sandy, André und ich marschieren los, ab und an stehen Polizisten an der Seite und beobachten uns argwöhnisch; ab und an stehen freundliche Helferlein auf dem Weg und halten Schilder in die Höhe: Wir helfen gerne. Service, den wir nicht nutzen. Nach wenigen Metern taucht das Stadion aus dem Dunkel auf; nebenan die Kurt-Rieß-Halle. Es ist wenig los am Einlass, dennoch dauert es eine Weile, bis wir die Kontrolle überwunden haben. Wie wird das Team heute aussehen? Chris und Nikolov fallen definitiv aus, dazu Ochs und Amanatidis. Ich tippe auf Franz als rechten Verteidiger, Vasoski innen und Fährmann im Tor. Klar. Jung wird wohl nicht spielen denke ich, André hält dagegen.

G-Block, dort werden die Gäste stehen; für einen Frankfurter ein gutes Zeichen. Bevor Arena Fußball gespielt wurde trafen sich in Frankfurt im G-Block die Harten; G-Block ist gut. Wir gehen ganz nach oben; Thomas, den wir treffen, erzählt, dass es für Gästefans nicht erlaubt ist, das Stadionmagazin in den Block zu nehmen; ich selbst hatte gar keines gesehen.
Stadionmagazin nicht im Stadion erlaubt. Absurd. Hier stehen Carsten, Nicole und Helmut, dort kommt Graefle vorbei - die, die immer da sind.

Der Blick geht rund, hübsch sieht es aus, das runderneuerte Stadion, hell das Licht, das überlappende Dach durch einen mittigen Trägerring gehalten. Über uns der neue Oberrang unten die Erkenntnis, dass Jung nicht spielt. Mit den Klängen von Bitter Sweet Symphony laufen die Teams ein, die Eintracht in weiß, die Werkself in rot. Fährmann im Tor, das allererste mal im Eintrachttor. Viel Glück.

Elf Minuten später ist alles aus. Elf Minuten später führt Bayer Leverkusen mit 3:0. Elf Minuten später ist die Eintracht für den heutigen Abend zerstört. Es ist ein Albtraum. Für uns, aber auch für den jungen Torhüter, der keine große Schuld an den Gegentreffern trägt. Nach elf Minuten hat die Frankfurter Eintracht ihren höchsten Rückstand der Bundesligageschichte zu diesem Zeitpunkt eingefahren. Völlig verdient, völlig desolat. Wenn es so weitergeht, steht es am Ende 27:0.

Kein Aufbäumen, keine Gegenwehr, im Gegenteil; Bayer spielt mit der Eintracht Katz und Maus. Höhepunkte aus Frankfurter Sicht: Ein Flitzer, der über das Spielfeld sprintet und von einem catchenden Ordner zu Boden gerissen wird. Caios Auswechslung nach 20 Minuten, sowie Rauch und Leuchtfeuer aus dem Frankfurter Block. Hätten unsere Jungs mal ein bisschen Dampf gemacht - aber da ist nichts. Gut, Korkmaz wuselt über das Feld, Schwegler hält dagegen, Franz ist wütend - aber mit Fußball hat das alles nichts zu tun. Stoppen, passen, stoppen, passen, stoppen, passen; Raumgewinn gleich Null. Zurück zu Fährmann. Wie anders doch die Herren Kießling oder Derdiyok, Kroos oder Hypiä. Sie attackieren, lupfen, flitzen, klären, während der Eintracht Kapitän Spycher zeitgleich an seiner Steuererklärung sitzt; Bajramovic überlegt, ob er in der Halbzeit Ketchup oder Majo zu den Fritten ordert. Russ fragt sich, weshalb ausgerechnet er bei den Klatschen immer dabei ist, während Liberopoulos und Meier beim Warten auf Bälle sichtlich altern. Teber überlegt immer noch, weshalb er mitspielen darf und unser Trainer feilt derweil an Erklärungen. Es ist grausam. Kein Aufbäumen, keine Idee, kein Wille. Ich rauche.

Wir.Wolln. Euch kämpfen sehn!

Foto: Pia Geiger

In der Pause treffen wir Stefan, der doch gekommen ist, um Fotos zu machen. Dolle Motive, Kießling, Rauch, Bengalos, Flitzer. Immerhin. Irgendeiner hat sich das Bein verbrannt und irgendwo hat's gescheppert. Mir egal. Aber die Fanbetreuung hat Arbeit.

In Halbzeit zwei ist Leverkusen gnädig, sie geben der Eintracht die Illusion, ein bisschen mit zu kicken und erzielen kurz vor Schluss den vierten Treffer. Tooooor für dieeeee plärrt der Stadionsprecher: Werkself brüllen ein paar Leverkusener drei Mal; Fans, die während des Spiels eine verkorkste La Ola starteten; überhaupt war deren Support mau, was mir jedoch völlig am Arsch vorbei geht. Pia sieht genau hin, außer Franz hat keiner der Frankfurter ein dreggisches Triggo. Abpfiff. Bedröppelte Eintrachtler - oder besser: Frankfurter Spieler holen sich ein paar Pfiffe ab, der Rest ist Schweigen. Irgendeine Ballermann Musik dröhnt durch die Arena, ...und wir feiern die ganze Nacht. Hey, was geht ab... In mir wächst der Wunsch, etwas zu zerstören - aber ich habe mich im Griff. Wir gehen. Es ist kalt. Innen wie außen.

Busse warten mit laufenden Motoren, Abgase mengen sich mit schlechter Laune und nach einer Weile rollen die Fahrzeuge in die Nacht, Fürther, Nieder Bube, Sossenheimer, wir.

Da die Autobahn A3 gesperrt ist versuchen wir es über die A61, die Fahrt zieht sich, wir klappern die Raststätten auf der Suche nach Nahrung ab, irgendwo in Deutschland. Vor meinem geistigen Auge ziehen Jägerschnitzel vorbei, grinsen hämisch. Eifel, Brohltal, Koblenz, Limburg, ICE Bahnhof: Geschlagene 20 Minuten warte ich auf meinen Burger; die Laune sinkt ins Bodenlose; ich will heim, ins Bett, vergessen. Nächster Halt Bad Camberg, Busreinigung. Gegen 3:30 rollen wir in Frankfurt ein, geschlagene fünfeinviertel Stunden nach dem Schlusspfiff. Ein kurzes Adieu und wir latschen durchs Bahnhofsviertel. Überlegen, ob wir an einer Tombola teilnehmen sollen, die Gewinne sind verlockend. Irgendwo liegt einer in seinem Erbrochenem, andere rufen den Notarzt. Wir holen die Fahrräder und eiern ins Nordend.

Ein kurzer Blick ins Netz zeigt uns, dass Trainer Skibbe im TV und vor versammelter Presse gesprochen hat. Mir egal, ich will schlafen. Bitter sweet. Nur ohne Sweet.

Dienstag, 3. November 2009

Zehn Gründe - eine Liste


Heute präsentieren wir Ihnen stolz zehn gute Gründe, warum man als Eintracht-Fan am Freitag nach Leverkusen fahren sollte.

  1. Die Eintracht spielt
  2. Flutlichtspiel
  3. Keine Bayern im Stadion
  4. Geiselgangster
  5. Rauchen trotz Rauchverbot
  6. Eine Karte für alles; Mitgliedsausweis, Dauerkarte, Bezahlkarte. Das geht. In Leverkusen!
  7. Stadionmagazin fürs Eintracht-Archiv mitbringen
  8. Wer über Fußball reden will, sollte Fußball vor Ort schauen
  9. Daheim sterben die Leut
  10. Auswärtssieg

Niemand soll sagen er hätte es nicht gewusst.

Donnerstag, 26. März 2009

Auch das ist Bayer 04 Leverkusen


Als ich neulich mit Christian und Pia in Düsseldorf am Rhein Richtung Stadion marschierte, erwischte mich Arndt am Handy. Guude Beve, könntest du mir einen Gefallen tun? Klar meinte ich, um was geht's? Die Sache war schnell erklärt; Arndt hatte Frank versprochen, aus Düsseldorf eine Eintrittskarte und ein Stadionprogramm für das Eintracht-Archiv mitzubringen, allein er musste am Samstag arbeiten und bat mich, so es möglich sei, beides zu organisieren.

Die Eintrittskarte war schnell beschafft, Pia erklärte sich spontan bereit, ihre eigene für Frank herzugeben. Die Suche nach dem Stadionmagazin allerdings verlief ergebnislos. Rund um die LTU-Arena fand sich auf dem Hinweg kein Verkäufer, auch vor dem Block war weit und breit nichts zu sehen. Da uns der Rückweg nach dem Spiel durch die Polizei etwas verkompliziert wurde, verließen wir Düsseldorf ohne Programm, was zwar ärgerlich - aber nicht zu ändern war.

Montags schickte ich Arndt eine Mail, dass ich mit halbleeren Händen zurückgekommen bin und eine andere Mail ging an die Pressestelle von Bayer 04 Leverkusen, mit der Bitte, mir ein Exemplar für das Archiv zuzuschicken. Zwar machte ich mir keine große Hoffnungen, wollte aber zumindest nichts unversucht lassen, das Heft zu besorgen.

Weder Dienstag noch Mittwoch erhielt ich eine digitale Rückantwort und dachte mir, dass wohl etliche Anfragen ähnlicher Art an die Geschäftsstelle gerichtet werden und die Beantwortung zuviel Mühe macht.

Als ich nach dem Mittwoch im Museum mal wieder nach Hause kam, öffnete ich meinen Briefkasten - und prompt fiel mir ein DIN-A4 Umschlag entgegen. Kommentarloser Inhalt: Das Programm zum Spiel Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt. Und das machte mich dann doch für einen kurzen Moment sprachlos. So etwas gibt es noch in den modernen Zeiten? Ich war begeistert und bin es noch - und bedanke mich hiermit ganz herzlich für die Unterstützung aus Leverkusen. Wer hätte dies gedacht?

Sonntag, 22. März 2009

Heimspiel in Düsseldorf feat. Dreck-weg-Tag


Die Wettervorhersage verhieß nichts Gutes, gefühlte 6 Grad im Rheinland für den 21. März 2009, den traditionellen Frühlingsanfang waren angesagt. Da sich aber im Laufe der Jahre die Zwiebeltaktik bezahlt gemacht hat, sollten Shirt, Hoodie und Jacke reichen, um sich adäquat gegen die drohende Kälte zu wappnen. Zum ersten Mal seit Jahren trug ich nichts von Eintracht Frankfurt, keinen Adler, keinen Button, keinen Schal - Nichts. Sieht man einmal von meinem Shirt Vereint in den Farben, getrennt in der Sache ab, aber das ist ja nicht wirklich Eintracht. Sondern Frankfurt. Pia erging es relativ ähnlich. Und so rollten wir im silbernen Golf Richtung Berger Straße, um Christian einzusammeln, der dort schon auf uns wartete. Mit Schal.

Samstag morgen, 9:45 in Deutschland; knappe 240 km liegen vor uns, die Eintracht spielt gegen Leverkusen und zwar in Düsseldorf; einer Stadt, die zwar eine bundesligataugliche Messehalle besitzt (LTU-Arena) aber keine Mannschaft in der ersten oder zweiten Liga. Da das Leverkusener Stadion derzeit vergrößert wird, spielt die Werkself zur Zeit in jener Messehalle und hatte sich bislang standhaft geweigert, ein Bundesligaspiel dort zu gewinnen. Ob dies auch heute so bleiben wird? Nun, wir werden sehen.

Über die Friedberger Landstraße und den Alleenring fuhren wir auf die A66 und betankten den Golf; Super 1.19´9. Schon seit Jahren frage ich mich, wie es zu dieser Stelle hinter dem Komma in Bezug auf Benzin-Preise gekommen ist und weshalb ich für alle Fälle 0,9 Cent in der Tasche haben sollte, aber ich frage mich im Laufe der Zeit vieles und erhalte nicht immer erhellende Antworten, dazu später mehr.

Wiesbadener Kreuz, A3, blauer Himmel. Der noch am frühen Morgen zusammengestellte Soundtrack rotierte in der Anlage, Thomas D. sang die folgenden Zeilen:

Alle Dinge haben Zeiten des Vorangehens und Zeiten des Folgens,
Zeiten des Flammens und Zeiten des Erkaltens,
Zeiten der Kraft und Zeiten der Schwäche,
Zeiten des Gewinnens und Zeiten des Verlierens

und ich wusste nicht so recht, welches die jetzigen Zeiten sind.

Thomas D. sang weiterhin: Die Wahrheit kommt mit wenigen Worten aus (Laotse) und ich denke, die Lüge auch. Dazu später mehr. Surfversionen von Clashsongs folgten (Death or Glory), The Exploited mit den Troops of tomorrow - ein schöner Tipp vom Ergänzungsspieler während der letzten Woche - oder die Toy Dolls, Ramones, Pogues, Stage Bottles bis hin zu Mano Negra - ein deutliches Zeichen, den Kampf anzunehmen.

entdeckt unter der Theodor Heuss Brücke in Düsseldorf

Ab und an sahen wir ein Auto mit Eintracht Aufkleber, wir überholten zwei Neunsitzer und schnurrten durch den Tag. Beat on the brat, Beat on the brat, Beat on the brat with a baseball bat- Oh yeah, oh yeah, uh-oh.

Idstein, Limburg, Montabaur, Parkplatz Epgert, Zeit für einen Zwischenstopp. Berlin 650 km. Der Bus der Binding Szene hatte sich den gleichen Halt ausgewählt, Dino kam auf einen Schwatz herüber, Musik wummerte aus den offenen Türen des Golfes und dennoch war die Stimmung keineswegs euphorisch; zuviel war passiert in den letzten Wochen, zu viele Worte mit zu wenigen Ergebnissen gewechselt, zuviel Seltsames spielt sich ab rund um den modernen Fußball, rund um die Eintracht. Christian telefonierte mit einem Kumpel, der kurzfristig doch noch nach Düsseldorf gefahren war und sich just im Moment des Telefonats nur wenige Meter vor dem Parkplatz befand und also die Chance nutzte, auf einen kurzen Abstecher vorbeizuschneien.

Ein kurzes Hallo im Frühlingsblau und schon ging's weiter, zurück auf die Straße. Fragt mich jemand, was mir lieber sei, das Fortfahren oder das Ankommen, würde ich immer sagen: Das Unterwegssein.

Auch Stefan, unser Freund vom Blog-G war gegen alle Erwartungen unterwegs; er telefonierte mit Pia und ließ ausrichten, dass alles gut werde; allein ich bin mir nicht sicher - doch tröstlich sind solche Worte allemal. Hier könnt ihr seine Erlebnisse des Tages nachlesen und tolle Fotos vom Spiel anschauen.

Industriedenkmal Grube Georg, dahinter irgendwo Reklametafeln auf einem Hügel, die größte davon bewarb ein Sonnenstudio, dazu Warnhinweise: Stau hinter Leverkusen, 6 km.

Ich bin Oldschool, ich besitze kein Navi, ich will auch keines; bislang kam ich noch überall an, in Deutschland, Spanien, Portugal in England, Frankreich, Indien; ob mit privatem PKW, ob mit dem Taxi; ich vertraue da ganz auf meine Fähigkeiten, auf mein Mundwerk und auf die guten alten Straßenkarten.

Köln, Leverkusen, allerorten freie Fahrt - jedoch verdichteten sich die Warnhinweise und alsbald zeigten die Bremslichter vor uns den angekündigten Stau, wenige Meter hinter der Ausfahrt 22 Richtung B8 - Richtung Düsseldorf.

Wir verließen die Autobahn bei der Abfahrt 22 noch bevor wir den Stau wirklich erreichten und rollten durch den deutschen Samstag-Mittag-Vorort-Verkehr; Ampeln, Einkaufsparadiese, Baumärkte - das Land rüstet sich für den bevorstehenden Frühling; Sonderangebote für Blumenerde, Rasenmäher und Terracotta-Fliesen; wer dafür kein Auge hat - oder kein Geld, der beginnt halt jetzt schon mit dem Trinken oder dem Verzweifeln; die Wirtschaftskrise trifft eh nur diejenigen, die sich davon kirre machen lassen; der Rest kauft ein, bis es soweit ist.

Langenfeld, Düsseldorf, Dreck-weg-Tag.

Wir konnten zunächst nichts mit den Massen anfangen, die an den Straßenrändern Müll aufklaubten, dachten an die üblichen Ein-Euro-Jobber, ohne die das Land zwar nicht leben könnte, die aber dennoch nicht von ihrem Lohn leben können, - bis wir durch Plakate eines Besseren belehrt wurden. Heute, bzw. gestern war in Düsseldorf Dreck-weg-Tag, ganze Heerscharen Gutmeinender zogen durch die Landeshauptstadt und sammelten ein, was sie in der restlichen Zeit auf die Straße werfen; wir hofften, unseren Beitrag in Bezug auf Leverkusen zu leisten und bestaunten aus dem Fenster Radfahrer in T-Shirts, welche die Wettervorhersage incl. gefühlten sechs Grad ignorierten. Bald durchquerten wir den Stadtteil Bilk, Jugendliche saßen in einem Fahrradanhänger und ließen sich gutgelaunt vom Radler ziehen, eine Angel in der Hand. Ein kleiner Stau in der Stadt zeigte sich generös und entließ uns ohne längere Wartezeiten, wir verknoteten uns kurz in Unterbilk vor der Rheinkniebrücke, über die wir kurz darauf den breit und träge dahin mäandernden Rhein überquerten.

Noch von früher wusste ich, dass auf der anderen Rheinseite im Stadtteil Oberkassel zum einen die Schönen und Reichen wohnen und wir zum anderen hier nur durch eine Brücke von der Altstadt entfernt dem Gewimmel und Gewusel aus dem Weg gehen konnten. Flugs parkten wir den Golf vor einer Reihe edler Altbauten, packten alles notwendige in die Hosensäckel und marschierten los. Ein blauer Himmel wachte über uns, die Sonne beschien die Rheinwiesen und die Düsseldorfer machten an ihrem Fluss das, was jeder in solchen Momenten machen würde: Kinder erlernten das Radfahren, Hunde kackten auf die Wiesen und Liebende schlenderten Hand in Hand am Wasser entlang.

Auf dem Rücksitz hatten wir noch eine Flasche Apfelwein entdeckt, die wir zur Feier des Tages kreisen ließen und so näherten wir uns Meter um Meter dem heutigen Ziel. Ein Grüppchen Fortuna-Fans hatte es sich im Gras gemütlich gemacht, Lastkähne und Ausflugsdampfer schipperten den Rhein entlang und in der Ferne würmelten Straßenbahnen über die Oberkasseler Brücke, die wir unterquerten bis wir nach weiteren zwei Kilometern erst die Theodor Heuss Brücke per pedes überquerten.

Wir marschierten am Yachthafen vorbei weiter am Rhein entlang, rechts neben uns die Hauptstraße, die Richtung Stadion führt und noch war weit und breit nichts von dem zu spüren, was gemeinhin einen Bundesliga-Samstagnachmittag in der Großstadt ausmacht, nämlich Fußballfans. Gott sei's gedankt auch wenig Polizei. Und irgendwie beschlich mich der Gedanke, dass es vielleicht gar nicht schlecht wäre, sich mit Transistorradio an den Rhein in die Sonne zu legen, Gott einen guten Mann sein zu lassen, ein paar Würstchen auf einen imaginären Grill zu schmeißen und ein paar Schöppchen in den kommenden Sonnenuntergang zu trinken.

Mal im Ernst, so ein bisschen bin ich den ganzen Zirkus rund um den Profifußball leid; fliegendes Glas, sinnlos brabbelnde Vollalkoholisierte, Stacheldraht und Zaunverhäue, martialische Polizei, schlecht recherchierende Journalisten, katastrophal organisierte An- und Abfahrtswege, Kontrollen, Fußballmafia DFB und stets die gleichen Spieler im Abstiegskampf, Jahr für Jahr in unterschiedlichen Mannschaften. In jedem Stadion die gleichen Gesänge, Ordner, Einlasskontrollen, Lieder, Reklametafeln, Deppenmaskottchen - erstickt jegliche Individualisierung, bekämpft jeglicher Versuch, der Zeit ein eigenes Gesicht zu geben.

Wir drehten eine Ehrenrunde durch einen Park, Blümchen sprossen aus der Frühlingserde, Krokusse und Osterglocken, und alsbald erreichten wir die Messe Düsseldorf. Aus den Messehallen strömten Heilpraktiker, welche der tatsächlich stattfindenden Messe entwichen und wir erkannten die ersten Parkplätze. Das Überqueren der Straße wurde durch ein wirres Zeug salbaderndes Ordnerlein erleichtert und so wuchs vor unseren Augen die Messehalle LTU-Arena in die Höhe. Es hätte auch ein Parkhaus sein können oder ein Einkaufszentrum. Auf die Idee, dass in dem Kasten Fußball gespielt wird, kommen nur Eingeweihte; wie anders doch früher, als in den Himmel ragende Flutlichtmasten auch dem Ortsfremden signalisierten: Obacht, hier gibt's Fußball. Einfach nur Fußball.

Leverkusener waren bislang noch immer Mangelware; erst am Messebahnof wurden wir jener Spezies gewahr, welche die Werkself für sich entdeckt hatten. Leverkusener rechts, Frankfurter geradeaus über den Platz tönte eine Lautsprecherstimme durch den Bahnhof, und da wir definitiv Frankfurter sind, schoben wir uns im Pulk mehr oder minder fröhlicher Hessen vorbei an einem komplett geschlossenem Eingang, vorbei an jenem Metallungetüm bis hin zum Eingang Nord-Ost.

Dort stauten sich erwartungsgemäß die Frankfurter, passierten zwei Kontrollen und eierten dann Stück für Stück in die ausgewiesenen Blöcke. Unterwegs trafen wir auf Gabi und Michael, die auch immer dabei sind, dort winkten wir Dani und Präsi und schon suchten wir im/n Stadion/Arena/Messehalle einen brauchbaren Platz. Ein kurzes Hallo an die Nieder Buben, die zum Teil auch Mädels waren und nach einigem Hin und Her standen wir irgendwo in diesem Sitzplatz-Areal inmitten Tausender knallbunter Sitze und ebenso vielen Eintracht Fans und harrten der Dinge, die nun kommen würden.

Zunächst erkannten wir Stefan, der uns im Pulk gleichfalls entdeckte, freundlich winkte und vom Spielfeldrand zielgenau ein Foto von uns schoss; wir erkannten ein genmanipuliertes Plüschtiermaskottchen, welches fatal an einen Fehlversuch der Firma Bayer erinnerte und wir erkannten, dass Sebastian Jung nicht im Kader war, Benjamin Köhler spielte linker Verteidiger und Petkovic saß auf der Bank. Korkmaz durfte von Beginn an ran, im Tor stand Markus Pröll; die Eintracht ganz in schwarz, Leverkusen in tablettenfarbenen gestreiften Trikots und los ging's. Naja, nicht ganz - der Stadionsprecher verkündete zuvor beim Verlesen der Ersatzspieler stolz: mit der Nummer Dreißig: Tschau.


Ihr wisst ja, wie er richtig heißt, ihr ruft's ja oft genug.

Die Mannschaften liefen zu Bitter Sweet Symphony von The Verve ein, einem tollen Song, der vor allem Pia am Herzen liegt, aber als Einlaufmusik ähnlich ungeeignet scheint wie Let it be von den Beatles, aber was soll's; besser diesen Song zu hören, als ein zweites Mal die Hymne von Leverkusen, die genausogut Laa la laaa la heißen könnte; zusammengeschustert von Zusammenschusterern, die mit der gleichen Leidenschaft auch einen Song über ein Mittel gegen Blasenschwäche konstruieren könnten. Laa la laaa la ; gotterbärmlich. Vom Plastikclub zur Werkself, das war kein leichter Weg. Das singen die, ehrlich ...

Vor uns hauten zwei Jungs auf die Trommel, Fahnen gab's hüben wie drüben keine, und ob es auf Leverkusener Seite wie bei uns ebenfalls ein Supportboykott gab, war mir nicht bekannt. Von der Nordkurve war nicht viel zu sehen oder gar zu hören, bei uns wurde die Eintracht angefeuert, mal ging es von jener Seite der Kurve los, mal von einer anderen. Die Ultras blieben weitestgehend bei ihrem Supportboykott, der sie wohl mehr selbst schmerzt als den Verein - zumindest solange die Eintracht nicht in Rückstand gerät. Ein Fehlpass von Fink wurde von meinem Hintermann mit den Worten Köhler du Arschloch abgearbeitet, das ist bei einem Rückstand noch ausbaufähig. Ein schöner Einsatz von Steinhöfer brachte ein feines Zuspiel auf Fenin, der nach vorne flitzte, während Alex Meier in der Mitte mitlief. Ich beobachtete ihn, sprach Meier, Meier, Meier, Meier, MEIER - und so ging die Eintracht mit 1:0 in Führung, als hätte ich es im Moment geahnt.

Sonst blieb ich weitestgehend still, sieht man einmal davon ab, dass ich beschwichtigend eingriff, als ein Supporter aus dem Odenwald einen Nichtsupporter auffordern wollte, es ihm gleich zu tun - worauf dieser dann leicht grantig wurde. Nun ja, nicht jeder wedelt gerne mit Schals an den Handgelenken in anderer Leute Gesicht herum; nicht jeder mag es, anderer Leute Schals alle naslang durchs Gesicht gestreift zu bekommen, was soll's.

Kurz vor der Halbzeit versenkte Kadlec im Anschluss an eine Ecke das Bällchen zum Ausgleich im Netz und hätte die Latte im Gegensatz zu Russ nicht aufgepasst, dann hätte es kurz darauf sogar 2:1 für die Werkself gehießen. So ging's mit dem 1:1 in die Halbzeit, die auch irgendwie rumging.

Später machten die Ultras kurz auf sich aufmerksam, während die Herren hinter mir ungefragt ihre Ansichten über die Herren Köhler und Meier sowie später Kweuke mitteilten.
Als Fenin, der sich kurz zuvor verletzte, gegen eben jenen Kweuke ausgewechselt wurde, blökte es uns von hinten in die Ohren: Wiesoholtenderdenjetztrunner? Der kurze Hinweis, dass Fenin verletzt sei, irritierte zwar, doch dann kam: Wiesobringtnderdenkweukeunkeinannernstürmer. Der wiederum kurze Hinweis, dass die Herren Amanatidis, Tsoumou und Liberopoulos verletzt seien und der Herr Heller derzeit für Duisburg spielt, sorgte nur erneut nur für schwache Irritation; es folgte ein egal, halt irgendwie anders.

Sorry Freunde, lieber zehn Bengalos, als solch einen Hirnriss - das meine ich ernst. Dafür wurde dann auch im Stadion Reklame gemacht. WeCo Feuerwerk lief die drehbare Werbebande rauf und runter, so ist's angesichts de momentanen Debatten ganz recht. Vornerum den Werksclub geben und hintenrum den Pyromanen raushängen lassen, sagenhaft.

Ab und an schwappte ein Eintracht, Eintracht durch die Messehalle, ab und an ein Caio, Caio, der dann auch tatsächlich für Korkmaz eingewechselt wurde (O-Ton Stadionsprecher: Mit der Nummer 30: Tschau) und ein paar gute Szenen hatte, hier einen Flankenwechsel und vor allem einen 40-Meter Freistoß, welchen Adler nur abklatschen konnte; auch das Nachsetzen von Bellaid konnte Adler abwehren, allerdings um den Preis einer Verletzung. Zuvor wurde nach zwei langen Jahren des Wartens und der Verletzung Zlatan Bajramovic für den umgeknickten Kweuke eingewechselt. Einige Umstehende freuten sich über die Höchststrafe für Kweuke (Ein- und Auswechslung), ignorierten dessen Verletzung (sein Spiel aber war tatsächlich grausam) und ignorierten auch Bajramovis Freudentag. Es folgten noch drei Ecken für die Eintracht, die folgenlos blieben, eine hysterische Aufforderung des Stadionsprechers an die Leverkusener, ihre Mannschaft zu unterstützen, die ebenso folgenlos blieb und so blieb es am Ende beim 1:1 unentschieden.

Leverkusen kann in Düsseldorf nicht gewinnen und die Eintracht nicht gegen Teams, die über ihr stehen - so will es der Brauch und irgendwie wohl auch unser Trainer, der vor dem Spiel sinngemäß sagte, wenn er das sagt, was er über Leverkusen denke, rede er die eigene Mannschaft schwach. Wohlgemerkt über jene Leverkusener, die in der Rückrundentabelle auch jetzt noch hinter der Eintracht stehen.

Nach dem Spiel verschenkte Fenin sein Trikot an ein Häuflein Fans mit tschechischer Fahne, die Mannschaft wurde gefeiert und alsbald blieben in der Messehalle über 50.000 bunte Sitzschalen zurück und die Gewissheit, dass diese Halle demnächst Esprit-Arena heißen wird; ob's nützt wissen die Geier. Ob die Straße, die derzeit LTU-Arena-Straße heißt, dann gleichfalls in Esprit-Arena-Straße umbenannt wird auch. Dabei gibt es so schöne Straßennamen.


Traditionell ließ uns die Polizei nicht in Richtung Auto laufen, traditionell eierten wir sinnfrei in die Umgegend, erkannten annähernd eine Million Menschen in der Nähe der Sonderzüge, kämpften uns irgendwie durch und wanderten am End doch wieder am Rhein entlang Richtung Altstadt. Zuvor umrundeten wir das Stadion einmal, entdeckten den Mannschaftsbus der Eintracht und konnten dank der tätigen Mithilfe des schwatzenden Ordners vom Nachmittag erneut sicher eine Kreuzung überqueren. In der wirklichen Welt trafen die Messebesucher auf Fußballfans; die einen trugen Tüten mit Messeerungenschaften in der Hand, die anderen trugen Pappbecher.

Es ist auf die Dauer wahrlich ermüdend, den Kampf um den geraden Weg aufzunehmen und doch wirst du Woche für Woche dazu genötigt. Und Woche für Woche kommst du auf kleinen Umwegen dorthin, wo du hin willst. Außer in Stuttgart, wo wir seinerzeit von den Freunden und Helfern zu Fuß auf einen Autobahnzubringer geschickt wurden.

Auf der anderen Rheinseite konnten wir einen mächtigen Sonnenuntergang bewundern; wir mengten uns unter die Abendflaneure und schlenderten in den untergehenden Tag. Vor den Toren der Altstadt grillten die Menschen Würstchen und Tomaten auf der Ufermauer, weiter unten parkten die Wohnmobile direkt am Wasser, der Tag 12 Euro; farbige Leuchtpunkte kletterten den Fernsehturm hinauf und jede Menge Punker trafen sich vor der Düsseldorfer Altstadt, dem rheinischen Ballermann.

Der Hunger trieb uns ins Gewimmel, Ausflügler, Punker und Fußballfans schoben sich die Gassen entlang, dazwischen ein Schlips und jede Menge Polizei, wir trafen auf Anno und Oli, auf Doreen und Andi und bestellten uns eine Pizza, maximal drei Beläge, 4 Euro, Knoblauch und Scharf umsonst. Da uns allgemein die Lust auf das nächtliche Massentreiben abgeht, zumal die Mischung aus stark alkoholisierten Fußballfans und nüchterner Massenpolizei nichts wirklich Gutes verheißt, verließen wir die längste Theke der Welt und wanderten über die Rheinkniebrücke zurück ins beschauliche Oberkassel.

Als wir uns dem Golf näherten, meinte Pia, dass doch die Lämpchen noch schwächelnd brennen würden, ich wiegelte zunächst ab, doch näheres Hinsehen brachte Gewissheit: Die Lampen glimmten noch; Pia steckte den Schlüssel ins Zündschloss und sofort tat sich: nichts.

Ich hatte, weshalb auch immer, das Licht am helllichten Tag brennen lassen und folgerichtig gab die Batterie keinen Mucks mehr von sich. Da wir uns aber zu helfen wissen, stoppten wir das nächste Fahrzeug; ein freundlicher Pole hielt an. Zunächst versagte mein Starthilfekabel den Dienst, da unser freundlicher Helfer jedoch selbst ein Kabel dabei hatte, packte er dies kurzerhand aus dem Kofferraum, schon blinkten die Warnlämpchen und ebenso schon lief der Motor unseres Golfs wieder rund. Der helfende Pole wollte nichts für seine Hilfe annehmen und so blieb uns nichts anderes übrig, als uns herzlich zu bedanken. Auch von hier aus noch einmal herzlichen Dank, ohne dich würden wir wohl jetzt noch in Düsseldorf-Oberkassel stehen; umsäumt von Bayer-Maskottchen Brian the Lion und Polizisten in tablettenfarbenen Uniformen sowie bunten Plastikstühlen, die uns im Reigen umtanzen und gemeinsam La laa laaa la singen. Jetzt bloß nicht abwürgen dachte ich - und soviel sei gesagt: unser Autochen tat uns den Gefallen. Bilk, Universität, Autobahn - Home, sweet home, wir kommen.

Dachten wir, denn zunächst kamen wir nach: Köln.

Irgendwie hatten wir die richtige Abfahrt verpasst, überquerten zum sechsten mal eine Rheinbrücke, schossen alsbald auf die A3 Richtung Frankfurt und sausten durch die Nacht. Aus den Lautsprecher erzählte uns Robert Johnson vom Sweet Home Chicago. Pia und Christian schlummerten nach gefühlten fünfzig Kilometern Fußmarsch den Schlaf der Gerechten, ich lenkte gedankenverloren den Wagen durch den Westerwald, vorbei an Montabaur, Limburg, Wiesbaden auf die Miquelallee - und so rollten wir gegen elf in Frankfurt ein. Wir verabschiedeten uns von Christian, der im siebten Auswärtsspiel den achten Punkt geholt hatte und hockten bald auf dem Sofa, passend zum aktuellen Sportstudio, dem wir dann noch die Erkenntnis verdankten, dass der kommende Torschützenkönig nicht wie jeder Kommentator behauptet Graffitsch ausgesprochen wird, sondern so, wie er sich schreibt Grafite.

Aber dies sei nur am Rande erwähnt.

Und denkt dran: Die Wahrheit kommt mit wenigen Worten aus. (Laotse)

Die Lüge auch. (Beve)


Nachtrag: Vergessen habe ich zum einen, dass wir in Düsseldorf an der Autobahn 59 vorbeigefahren sind (wann wurde die Eintracht Deutscher Meister) und vergessen habe ich auch, dass es in Düsseldorf eine Kreuzung Frankfurter Straße Ecke Rostocker Straße gibt. Wir haben es unfallfrei überstanden.


Die Fotos sind von Pia und mir. Dort wo wir alle drei zu sehen sind, erkannte uns Stefan Krieger.