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Sonntag, 26. Dezember 2010

Heimspiel in Bad Aachen


Es kam wie es kommen musste und schuld daran hat ein Bus. Genauer gesagt ein Eintracht-Bus.

Schon seit geraumer Zeit stand fest, dass wir vom Eintracht-Museum unsere Weihnachtsfeier in Aachen abhalten würden. Der Clou bestand darin, mit einem Bus von der Eintracht zu fahren, mit großem Aufkleber und allem drum und dran.

Wir versammelten uns brav und rechtzeitig vor dem Museum; Matze kam mitsamt Bus angerauscht und wollte seine Schäfchen einladen als ein Blick auf die Windschutzscheibe einen fetten Riss im Glas offenbarte. Nu war guter Rat teuer, die einen wollten ins Risiko gehen, die anderen waren sich unsicher und so standen wir in der Kälte bis sich die Situation klärte. Wir fahren. Mit einem Mietauto. Ohne Eintrachtaufkleber. Dafür mit Hamburger Kennzeichen.

Und so kam es dann auch, acht Gesellen und Gesellinnen rollten erst nach Neu Isenburg, um den Mietwagen in Empfang zu nehmen und dann hinter dem Stadion auf die A3. Zuhause blieb der Eintrachtbus - mit Riss in der Scheibe. Die zweiten langen Gesichter gab es als durchsickerte, dass die versprochenen Frikadellen nicht mit an Bord waren; natürlich gab es auch keinen Glühwein und es war eine traurige Fahrt durch grauen Winternebel, auf den Feldern Schnee. Naja, abgesehen davon, dass die Damen schon früh einen Sekt klar machten und von Zeit zu Zeit munter mitsangen: Mein Herz ist rot, mein Herz ist schwarz und das auch noch gestreift ... Hinter Montabaur ging's auf die A48 und dann weiter auf die A61 um dem Kölner Berufsverkehr aus dem Weg zu fahren - was auch ganz gut gelang. Ohne Frikadellen rollten wir nun durch die Eifel, die heute recht ungemütlich daher kam, grau und verregnet - es sah so aus als würde uns nach all dem Schnee der vergangenen Wochen zu Weihnachten das seit Jahrzehnten bekannte graunieselige Bild präsentiert.

Immerhin gab es in Brohltal Ost einen Kaffee, der manch einem ein Lächeln auf das Gesicht zauberte. Mir nicht; seit nunmehr sechs Wochen verzichte ich auf Cigaretten, Alkohol und Kaffee. Werde dennoch älter. Weiß jetzt nur nicht mehr so genau weshalb.

Aus den Boxen perlte eine muntere Mischung aus den Jacob Sisters und Gogol Bordello, oder den Weihnachtspogues, wir freuten uns der vielbefahrenen A3 ein Schnippchen geschlagen zu haben, passierten Kerpen (Heimat von Schumacher. Michael.) und Düren (Heimat von Schumacher. Harald), es dunkelte mittlerweile und wir fuhren in Aachen ein. Aachen ist in sprachlicher Hinsicht ein Phänomen. Nicht nur, dass der Name schlicht Wasser bedeutet - nein: Aachen ist die einzige deutsche Stadt, die auf den lukrativen Zusatz Bad verzichtet. Richtig, eigentlich heißt die Kaiserstadt Bad Aachen. Da der vollständige Namen aber dazu führen würde, dass Aachen in Städtelisten nicht mehr auf Platz eins stehen würde, legt man hier keinen gesteigerten Wert auf das Bad.

Wir hingegen verzichteten nicht auf den obligatorischen Weihnachtsmarkt. Bei Kinderpunsch (Steffen und ich) bzw. Glühwein (alle anderen) stimmten wir uns auf den bevorstehenden Pokalfight ein. Jede Menge Frankfurter tummelten sich bereits in der Nähe des Doms und die wenigsten versorgten sich mit geklöppelten Spitzen, die hier angeboten wurden, Printen hingegen gingen schon besser.

Anschließend marschierten wir über verschneeregnete Aachener Straßen in Richtung Neuer Tivoli, über den Wikipedia weiß: Um den alten traditionellen Namen für das neue Stadion zu erhalten und durch den Verzicht auf einen Verkauf der Namensrechte entgangene Einnahmen zu kompensieren, wird auf die Eintrittspreise (bereits eingerechnet und nicht gesondert aufgeführt) ein Aufschlag von einem Euro erhoben, der sogenannte Tivoligroschen.

Eine Idee, die man Dresden durchaus empfehlen könnte.

Nach einem recht unsicheren Weg über eine vereiste Brücke schlitterten wir über wegegworfene Reklameplastiktüten bis sich der neue Tivoli vor uns erhob. Leuchtend gelb ragte das Stadion in die grauschwarze Nebelnacht, Kartoffelkäfer näherten sich aus allen Ecken und Enden, während wir auf dem Weg zum Gästeeingang das Stadion umrundeten. Ging bislang alles ziemlich lässig von statten, so zeigte sich nun erneut, weshalb der Gästebereich bei Fußballspielen eigentlich zu meiden ist und mit Gast so gar nichts zu tun hat. Wir marschierten am eigentlichen Eingang vorbei - ein Zaun verhinderte den direkten Weg - und an jenem Zaun mussten wir ca 100m entlang bis wir auf der Innenseite den gleichen Weg zurücklaufen mussten. Ein paar Wellenbrecher, Tunnels und Kontrollen später erklommen wir die Stufen und blickten uns um. Der neue Tivoli beeindruckte durch seine konsequente schwarz-gelbe Farbgebung, sogar das Toilettenpapier und die Boxen waren gelb. Trotz des relativ geringen Fassungsvermögens von 32.500 Zuschauern wirkten die Tribünen recht steil.

Anpfiff, Achtelpokalfinale: Alemannia Aachen (Neongelb) - Eintracht Frankfurt (Schwarz-Rot). Das Stadion getaucht in Flutlichtnebel

Während aus dem Stehplatzbereich Rauch und Licht aufstieg, donnerten zwei Böller aus den Sitzpätzen in den Abendhimmel. Eine zeitlang konnten wir ob des Nebels das Tor auf der gegenüberliegenden Seite nicht sehen. Dafür sahen wir umso besser, wie Schwegler nach knapp einer viertel Stunde Gueye am Strafraum umholperte. Rot leuchtete die Karte in das Nebelflutlicht; den fälligen Elfmeter konnte Fährmann allerdings parieren - so blieb es wenigstens beim 0:0.

Von nun an plagten sich zehn Frankfurter unterstützt von annähernd 4.000 mitgereisten Schlachtenbummler gegen elf Aachener, die unermüdlich das von Fährmann sicher gehütete Tor belagerten, ohne sich allerdings nennenswerte Chancen zu erspielen. Die Eintracht hatte nach dem Platzverweis Clark in die Innenverteidigung gezogen und erarbeitete sich selbst gute Möglichkeiten, vor allem Gekas vergab einige schöne Chancen. In der zweiten Halbzeit ein ähnliches Bild, nur dass Chancen auch auf Frankfurter Seite Mangelware blieben; vielleicht ist es doch zu einfallslos, nur mit "vornehilftballaufgekas" zu operieren. Ein Wiedersehen gab es mit dem ehemaligen Eintrachtler Juhvel Tsoumou, der auf Aachener Seite eingewechselt wurde. Dass Kollege Altintop erneut durchspielen durfte, versteht sich von selbst. Ob der Trainer ihm damit einen Gefallen beschert, dürfte langsam bezweifelt werden. Der später eingewechselte Fenin erzeugte in wenigen Minuten mehr Spannung, als Altintop während der gesamten Saison. Langsam kroch die Kälte in uns und so manch Stoßseufzer ging ob des einsetzenden Schnees und des bevorstehenden Heimweges in Richtung: Hoffentlich gibt's keine Verlängerung. Doch es blieb vergeblich bangen, hoffen: der sonst so inkonsequente Schiedsrichter Weiner pfiff nach 90 Minuten ab, und weitere 30 Minuten sollten folgen.

Zunächst versemmelte Altintop ein Abspiel aus der eigenen Hälfte; da die Eintracht den Ball nicht aus der Gefahrenzone bekam, nutzte die Alemannia die Gelegenheit zur Führung. Sechs Minuten später passte Meier zu Fenin und der erzielte zu unserer Freude noch den Ausgleich. Sekunden vor Schluss hätte Gekas alles klar machen können, doch er scheiterte an Aachens Schlussmann Hohs. Somit sah dieses Spiel neben Nebel, Schnee und Verlängerung auch noch ein Elfmeterschießen. Das letzte dieser Art konnte die Eintracht zwar siegreich bestreiten - ebenfalls im Achtelfinale gegen Nürnberg im Dezember 2005; mir fiel jedoch spontan das Rückspiel im Uefa-Cup gegen Salzburg ein. Und das hatten wir damals vergeigt.

Geschossen wurde natürlich auf die gegenüberliegende Seite - und ich kann's ja jetzt vorweg nehmen: gejubelt auch. Während die Alemannen alle Elfmeter verwandeln konnten, scheiterte Meier an der Größe des Tores, der Ball flog über den Kasten ins traurige Nichts. Getroffen hatten für die Eintracht Fenin, Amanatidis (der viel zu spät und nur für diesen Schuss überhaupt eingewechslt wurde) sowie Caio.
Damit wars amtlich, die Eintracht hatte die große Chance auf das Weiterkommen vergeigt. Sicher, das Team zeigte eine feine kämpferische Leistung trotz 105 Minuten in Unterzahl - doch bei aller Liebe: der Gegner war eine mittelmäßige Zweitliga-Truppe; zwar engagiert und leidenschaftlich - aber schlagbar auch zu Zehnt.

Während der Aachener Stadionsprecher das Publikum aufforderte, ein Weihnachtslied zu singen - und ich mir dachte: schieb dir deine klingenden Glöckchen in den Hintern verschwand Meier schnurstracks in der Kabine: vielleicht dämmerte es ihm, dass der Elfer zu salopp geschossen war. Doch hätte Gekas das Ding kurz vor Schluss rein gemacht, wäre es gar nicht so weit gekommen; hätte Altintop das Abspiel nicht vergeigt ebenso - und hätte Schwegler keine Rote gesehen so wir ein anderes Spiel. Fenin und Amanatidis - da kommen wir der Sache schon näher. Pia hatte nämlich vor dem Spiel zwei einzelne Cent-Stücke gefunden und und diese als Glückscents definiert: Ein Tor Fenin und eines Amanatidis. Sieg. Da der Trainer Amanatidis jedoch nicht früher eingewechselt hatte, konnte dieser nicht treffen und somit wurde leichtfertig der Sieg verschenkt. Tore im Elfmeterschießen zählen nämlich nicht.

Wir wanderten recht geknickt durch den Winterschnee, zunächst durch den Tunnel und am Zaun entlang, auf der äußeren Seite dann sinnfrei wieder zurück. Schlittrig die Wege, die Autos glitten leise an uns vorbei während wir durch die Flocken zurück zum Mitwagen schlingerten. Unterwegs erfuhren wir noch, dass der nächste Gegner der Aachener tatsächlich die Bayern geworden sind. Gibt auf jeden Fall Frischgeld.

Beim Einsteigen rutschte mir noch jede Menge Schnee aus der Kapuze zwischen Shirt und Rücken, der umgehend entfernt werden musste, dann gings zurück Richtung Heimat. Schneller als Fünfzig konnten wir zunächst kaum fahren, Steffen lenkte den Wagen aber souverän durch die Nacht, bis der Schnee in Regen überging, die Fahrbahn zu sehen und nicht mehr so rutschig war und somit immerhin eine vernünftige Geschwindigkeit in die Nacht gelegt werden konnte. LKWs wie auch der Eintrachtbus schossen an uns vorbei, wir aber rollten müde aber unglücklich durch die Nacht, trafen an einer Raststätte den Bus der Frankfurter Jungs und landeten nach 3:00 wohlbehalten am Stadion. Matze drückte uns noch Weihnachtsgeschenke in die Hand, und dann ternnten sich die Wege. Gisela und Bernd fuhren mit Billy und Karin Richtung Bornheim, Steffen zurück Richtung Flughafen, Matze und Frauke brachten in Isenburg den Mitwagen zurück während Pia und ich den silbernen Golf anwarfen und Richtung Norden tuckerten.

Tja, wenn schon durch den kleinen Eintrachtbus ein Riss geht, dann ist es also kein Wunder, wenn dieser sich bis Aachen fortsetzt. So überwintert die Eintracht leider nicht im Pokal, es ist dennoch Winterpause. Weiße Weihnacht. Freut euch also.





Einen ausführlichen Spielbericht findet ihr wie immer beim Kid, atmosphärische Fotos beim Stefan.

Montag, 13. Dezember 2010

Heimspiel in Köln


Catch a falling star an'
put it in your pocket
never let it fade away

Grau, schwarz, weiß drückt die Welt und die Spritpreise liegen jenseits der Schmerzgrenze. Die Scheibenwischer schleifen über die Windschutzscheibe des silbernen Golfs, Regentropfen vermengen sich mit dem Spritzwasser vorbeirauschender Fahrzeuge und die Felder zur Seite der Autobahn dümpeln lieblos vor sich hin. Vergangen die Schneepracht der letzten Tage - es geht auf Weihnachten zu - und dies heißt in unserer Gegend seit ewiger Zeit: Schmuddelwetter.

Pia und ich sitzen warm eingepackt im treuen Golf und rollen über die Miquelallee und die A66 auf die A3. Aus den Lautsprechern begleiten uns Against me!, Good Charlotte, oder aber Gary Holton mit einer Coverversion des Perry Como Klassikers Catch a falling star. Holton war in jüngeren Jahren Sänger der Heavy Metal Kids, die mich ob eines Auftrittes bei Thomas Gottschalk und Anthony bei Szene 77 schwer begeisterten. Sowas kennt ihr jungen Hüpfer ja gar nicht mehr - die Zeiten als Gottschalk noch cool war und ne Menge Musik ins Fernsehen brachte, die für Jugendliche gemacht wurde. She's no Angel hieß der Song der Heavy Metal Kids, Glampunk als dieser Begriff noch nicht erfunden war, Gary mit zerissener Hose und breitem Cockneyakzent. Ein paar Jahre später lag er unter der Erde; Alkohol und Morphium waren letztlich doch zuviel für ihn.

Hessen, Rheinland Pfalz, Nordrhein-Westfalen. Auf einem Parkplatz hielten wir kurz an - und halfen einem anderen Autofahrer, dessen Scheibenwischer festzuschrauben; manchmal ist es ganz praktisch, etwas Werkzeug durch die Gegend zu kutschieren. Alsbald verließen wir den Highway, um auf der Landstraße zu tanken - und vielleicht ein paar Meter am Rhein entlang zu gondeln, wir lagen gut in der Zeit. Über Königswinter tuckerten wir Richtung Bonn, der Sprit jedoch wurde nicht günstiger - dafür aber die Fahrtstrecke verworrener. In Bonn mangelte es zunächst an Verkehrsschilder - und da wir stets oldschool ohne Navi unterwegs sind, drehten wir ein paar Ehrenrunden, bis wir wieder auf der richtigen Spur waren.

Nach ein paar Kilometern landeten wir in Köln, überquerten die Severinsbrücke und rollten am Chlodwigplatz, den Bap einst besungen hatten, vorbei Richtung Stadtwald. Dort parkten wir brav in der Friedrich-Schmidt-Straße im Kölner Stadtteil Lindenthal und marschierten durch den Nieselregen in Richtung Stadion. Wir spazierten an einer historischen Straße entlang, schließlich wurde hier Arbeitgeberpräsident Schleyer 1977 von der Roten Armee Fraktion entführt. Ob dies die Bewohner der schicken Häuser am Parkrand wissen? Auch die Eintrachtler, die im schicken Bus saßen dürften davon nichts wissen und ehrlich gesagt war mir dies bis dato ebenso fremd.

Bald befanden wir uns in der Einflugschneise Richtung Fußball, immer mehr Fußballfans, vorwiegend Kölner (Dat is mir ejal), fanden sich ein und alsbald erkannten wir das Rhein Energie Stadion, ehemals Müngersdorfer Stadion - wie es von der Zeltinger Band einst besungen wurde. Der Gästebereich befindet sich in der Nordkurve, vereinzelt beäugten uns ein paar Polizisten - es war noch recht früh und von daher wenig Betrieb. Thor und Thorsten kamen uns entgegen, wir gönnten uns noch eine Currywurst und entschieden uns, ob des Regens früher als sonst in den Block zu gehen. Davor trafen wir auf Ben, der später noch einiges an Arbeit zu tun bekommen sollte; der Einlass aber ging flott. Interessant, dass die Kontrolle teils von Sprengstoffhunden vorgenommen wurde - und ich versichere euch, wenn mir ein Hund am Bein rumschnuppert, dann explodier ich.

Pia und ich erklommen die Stufen und stellten uns unter den Oberrang, geschützt vor versehtlichen Bierduschen der über uns Sitzenden. Witzig ist jedesmal in Köln der Blick auf den geklebten Fensterputzer an der Südkurve; ein Bild davon habe ich ja schon beim letzten Bericht beim 0:0 dort veröffentlicht. Hier könnt ihr euch es nochmal anschauen.

Ein Blick auf die sich warm laufende Eintracht zeigte, dass neben Gekas sowohl Amanatidis und Altintop auflaufen würden - zumindest die Aufstellung des letztgenannten ließ mich die Stirn runzeln. Während die Kölner ihr Team mit einer kleinen Luftballonchoreo unterstützten, wurde bei uns anlässlich des 15. Geburtstages der Binding Szene eine Blockfahne hochgezogen. Auf dem Rasen hampelten ein paar Cheerleader herum, später nudelten die unvermeidlichen Höhner das Vereinslied herunter und zudem gab Tom Gerhardt noch ein Interview via Anzeigetafel. Das Stadion war nicht ganz ausverkauft und eine ankommende SMS klärte uns auf, dass das Spiel mit einiger Verzögerung angepfiffen wurde. Später erfuhren wir, dass die Sonderzügler vom Bahnhof über die Autobahn kutschiert wurden und somit recht knapp am Stadion ankamen. Da zu wenig Eingänge offen waren, zog sich das Procedere wohl in die Länge - immer schön, wenn man als Kunde zuvorkommend behandelt wird.

Kurz nach halb vier gings also los. Bei der Eintracht stand Fährmann für den verletzten Nikolov im Tor und sollte im Verlauf des Spiels seine Sache recht ordentlich machen. Die Eintracht hatte Köln in der ersten Hälfte ziemlich im Sack, wobei die Kölner durchaus zu brauchbaren Chancen kamen, kurz hintereinander schimpfte Podolski zwei Mal ob der Tatsache, dass ein Mitspieler eigensinnig agierte und nicht zu ihm abgespielt hatte. Der eigentliche Aufreger hatte aber mit dem unmittelbaren Spielgeschehen nichts zu tun. Plötzlich wanderten nämlich jede Menge Ordner in den Block und versuchten, die auf dem Zaun sitzenden Fans nach unten zu beordern. Das gab natürlich Palaver und nur wenig später rannte ein Eintrachtler flüchtend davon, wurde von Ordnern eingeholt, zu Boden gezerrt. Was ich dann sah, konnte ich kaum glauben; mindestens ein Ordner drosch mehrfach auf den am Boden liegenden Mann ein, ein anderer Ordner trat zu.

Großartig, die Mitarbeiter der Firma Knoblich.

Die Auswechslung Podolskis ging dabei ein wenig unter - ähnlich wie die Eintracht in Halbzeit zwei. Der FC traf nach einer knappen Stunde durch Clemens zur Führung, die Eintracht wehrte sich nicht wirklich und ließ sich mehr oder weniger willenlos versenken. Als mit Amanatidis (der kurz zuvor die beste Chance zum Ausgleich vergeben hatte) und Ochs auch noch die letzten potentiellen Ärmelaufkrempeler den Platz verließen, da war die Messe gelesen. Jung, Schwegler, sie gingen genau so unter, wie Meier oder Caio, die ins Spiel gekommen waren und keinerlei Akzente setzen konnten. Altintop war zum wiederholten Male ein Totalausfall und Marco Russ holte sich seine fünfte Gelbe. Nach der letzten Ecke, als Fährmann nach vorne stürmte und Caio meterweit über das Tor köpfte war die letzte Hoffnung gestorben und ein Spiel verloren, dass man man nie und nimmer hätte verlieren dürfen. Aus der Eintrachtkurve dampfte es noch ein bisschen, die Kölner Fans waren nach dem Schlusspfiff lauter als während des Spiels und wir warteten noch ein Weilchen, bis sich der Block leerte. Zurück gings durch lauter Kölner, die sich natürlich freuten und ein langgezogenes FC Köööln aus dem Auto plärrten, was wir grinsend und zugegebenermaßen leise beantworteten. Dies änderte aber nichts am Ärger über die unnötige Niederlage gegen schwache Kölner.

Im Auto gab es zunächst einen Schluck Tee zu dem Plätzchen gereicht wurden, dann tuckerten wir durch Lindenthal, bis wir an einer belebten Straße einen Parkplatz und nach wenigen Metern auch eine freundliche Kneipe fanden. Das Velvet lockte mit gemütlichem Enterieur und günstigem Essen - zudem kickte gerade Dortmund gegen Bremen. So fand ein bescheidener Tag in Köln doch noch einen halbwegs versöhnlichen Abschluss - wenn man kurzzeitig nicht an Fußball denkt. Als wir zum Auto marschierten entdeckten wir auf einem Sims eines Nachkriegsbaus einen sitzenden Teufel. Tatsächlich.

Zurück gings über die Aachener Straße Richtung Autobahn, dort verpassten wir die Abfahrt auf die A4, fuhren über Bonn (Bonn bei Nacht, Bonn bei Nacht, wer hat sich diese Stadt bloß ausgedacht sangen Schröders Roadshow vor 25 Jahren völlig zu Recht) und Koblenz nach Frankfurt und hörten dabei The National oder Chuck Ragan, später Radio - HR1 Lounge. Fragt sich, was der Hessische Rundfunk unter Lounge versteht, abgehalfterte Liedchen von Cher? Es gibt täglich Millionen neuer Songs jeglicher Couleur auf diesem Planeten - weshalb muss man dann permanent irgendwelche millionenfach gehörte Liedchen runternudeln, die niemand mehr wirklich hören will - und das ganze auch noch Lounge nennen? Ich begreife es nicht - aber ich begreife so vieles nicht - und manchmal hilft es, in seltsamen Momenten einfach ein Lied zu hören. Vielleicht dieses Lied:




Wer das Spiel im Einzelnen nachbetrachten möchte, der kann dies drüben in der Klappergass fast wie früher machen. Die Fotos hier sind von mir und Pia Geiger, die grandiosen Cheerleader aber hat Stefan abgelichtet. Danke dafür.

Montag, 2. August 2010

Heimspiele in Hierzulande

Dienstag, 27.07.2010

Aus dem CD-Player des silbernen Golfs pluggerten Ambientsounds einer russischen Radiosendung mit dem Titel Orangereya, passend zum Ambiente eines chilligen Sommertages. Unser Ziel war Göttingen, die Eintracht sollte am Abend in einem Freundschaftsspiel auf den spanischen Erstligisten Racing Santander treffen, die wenige Tage zuvor gegen Werder Bremen 1:3 unterlegen waren. Wir nutzten den sonnigen Tag, um einen Abstecher in das ehemalige Zonenrandgebiet zu machen, tuckerten durch die Alleen und besuchten Heiligenstadt, einen Kurort nahe der Deutschen Märchenstraße, wo etliche Geschäfte leer stehen und eine Gaststätte Schwarzer Adler heißt.

Von dort gings über die Landstraße nach Göttingen ins Jahnstadion. Und wenn die Namen Göttingen und Jahnstadion im Zusammenhang mit Eintracht Frankfurt fallen, dann denken wir natürlich sofort an Lothar Sippel.

Stimmt natürlich nicht, erst der Blick ins Eintracht-Archiv zeigt, dass die Eintracht in der Saison 83/84 in der ersten Pokalrunde bei Göttingen 05 mit 2:4 unterlegen war (nach 18 Minuten führte der Oberligist damals mit 3:0) und Lothar Sippel, der in der Saison 91/92 14 Treffer für die Eintracht erzielen konnte, seinerzeit in der 76. Minute eingewechselt wurde. Bei Göttingen.

In Göttingen folgten wir dem Eintracht-Bus, der uns urplötzlich entgegenkam und passierten einen kleinen See, dem nach wenigen Metern das Stadion folgte. Fußballerisch ist Göttingen seit Jahren Diaspora nachdem der SC Göttingen 05 nach zwei kurzen Interemezzi in der zweiten Liga Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger durch die Ligen trudelte, 2003 gar pleite ging und nach Auflösung und Neugründung durch die Fusion mit dem RSV Geismar nun den Namen RSV Göttingen 05 trägt. Bis 2003 war das Jahnstadion die Spielstätte des SC, seither wird es nur noch gelegentlich genutzt, so wie heute durch die Eintracht.

Wir parkten bei strahlendem Sonnenschein direkt neben dem Stadion, begrüßten etliche bekannte Gesichter und trafen uns mit Thorsten und Ruth, die ebenfalls aus Frankfurt angereist waren. Auch Steffen aka BlackDeath2k schneite vorbei, für ihn war es ein Heimspiel - nur wenige Meter vom Stadion entfernt ist er aufgewachsen.

Die Sonne glänzte vom Himmel und wir wanderten auf die Gegengerade, die ganz nett gefüllt war; später gab der Stadionsprecher die offizielle Zuschauerzahl durch: 2.400 - und sollte dies Sekunden später auf 1.400 korrigieren. Die Anzeigentafel blinkte und zeigte lustige Smilies mit dem Text Anfeuern: Ja, Randale: Nein - und daran hielten wir uns natürlich. Pia hatte sich mit Kamera bewaffnet schnurstracks in Richtung Laufbahn aufgemacht, während wir dem nunja, munteren Treiben auf dem arg ramponierten Platz zusahen.

Racing erspielte sich kaum Torchancen, die Eintracht erwies sich optisch überlegen, doch es sollte bis zur 41. Minute dauern, bis der erste Treffer fiel - Caio hatte die Torfabrik aus knapp 30 Metern ins Tor gehämmert, wobei Coltorti im Racing Tor eher alt aussah.

In der zweiten Hälfte wurde munter durchgewechselt; Nikolov verdiente sich einen Scorerpunkt, in dem er Altintop den Ball zukickte, woraufhin dieser ein paar Meter lief und das 2:0 erzielte. So wurde mir zumindest berichtet, ich stand am Bierstand zwecks Verpflegung. Aufreger war wenig später eine Großchance von Gekas, der die Wahl hatte, entweder zu treffen oder Altintop anzuspielen, sich aber dann doch dafür entschied, den Torhüter von Santander in Szene zu setzen.

Kurz vor Abpfiff schaffte Santander noch den Anschlusstreffer, was unsere Stimmung aber keineswegs trüben sollte. Unser Weg führte dann in die Göttinger Innenstadt, jede Menge Studenten tummelten sich in der Fußgängerzone, wo wir uns mit noch mit Steffen trafen und ganz nebenbei die Gänseliesel bewunderten.


Mittwoch, 28.07.2010

Der nächste Morgen begann gegen elf Uhr mit einem Anruf unseres geschätzten Museumsdirektors Thoma, der dezent nachfragte, wo ich den bliebe. Oha, während ich eigentlich erst um zwölf Uhr im Museum aufschlagen wollte, zeigte der Terminplan zweifelsfrei zehn an. Shit Happens, ich sauste los, baute die Anlage auf und begrüßte wenig später jede Menge Kinder, die sich anlässlich der bevorstehenden Kinderpressekonferenz mit Ralf Fährmann eingefunden hatten. Und dann kommt er auch schon, der 21-jährige Schlussmann der Eintracht. Wie heißt du - spannende Fragen stellten die Kids und Ralf nahm sich geduldig die Zeit, wirklich jede Frage zu beantworten; annähernd eine Stunde später wussten die Kids Bescheid: Ralf hat einen Bruder, einen Hund und isst am liebsten Pizza - und sie gaben ihm klasse Tipps, wie er seinen Bruder an besten ärgern könne: Einen Eimer Wasser auf die Türklinke stellen. Nachwuchsjournalisten der FR notierten eifrig die Antworten des Tages und schrieben anschliessend einen netten Artikel über den munteren Nachmittag, während Ralf noch Jacken, Arme und Taschen mit Autogrammen verzieren durfte. Ich baute derweil die Anlage wieder ab.


Sonntag, 01.08.2010

Manchmal ist es ganz praktisch im Museum der Eintracht an Spieltagen zu arbeiten, eine Arbeitskarte berechtigt nicht nur zum Einlass auf das Gelände, sondern bringt es mit sich, auch ein Fußballspiel ansehen zu können, für das ich sonst keinen Eintritt bezahlt hätte: Die Eintracht gegen Chelsea FC, den amtierenden Englischen Meister. Pia und Daddy waren dabei und wir parkten in der Tiefgarage, wo wir auf Bernd Hölzenbein trafen, der allerdings nicht mitspielen sollte. Wir marschierten zunächst ins Museum und anschließend entgegen den Bundesligaspielen nicht zu unserem angestammten Platz in Block 41G, sondern orientierten uns Richtung Block 42, dem äußersten Stehplatzbereich und hockten uns auf die Stufen. Die Erfahrung aus der Partie gegen Real Madrid vor zwei Jahren hatte uns gezeigt, dass Spiele gegen namhafte Gegner in der Saisonvorbereitung eher unter dem Aspekt Sommerfußball abzulegen sind; die Eintrittspreise jedoch gesalzen sind. So auch dieses Jahr. Zwar ist es ganz interessant die Herren Terry oder Malouda, Lampard oder Essien, Anelka oder Mikel aus der Nähe zu sehen, sportlich jedoch ist solch Spektakel in dieser Phase nur bedingt reizvoll.

Das Dach im Stadion war geschlossen, dafür flackerte die Leuchtreklame vor den Kurven arg irritierend und lenkte permanent vom Spiel ab. Werbebande, so heißen diejenigen, die solche Reklametafeln installieren, nahezu Bandenterror. Nachdem im Vorfeld Wladimir Klitschko und Samuel Peter - die am 11.09. im Stadion auf den Spuren von Muhammed Ali und Karl Mildenberger wandeln werden - von Frau Rauscher mit einem Bembel und von den Mannschaftskapitänen mit Trikots beglückt wurden, pfiff Schiri Brych die Partie vor 45.000 Zuschauern an.

Aufschlussreich war die Erkenntnis, dass Georgios Tzavellas durchaus in die Fußstapfen von Christoph Spycher treten kann, dass Altintop die eher durchwachsene Form der letzten Spiele konserviert hat und Sebastian Jung sich anschickt, mein aktueller Lieblingsspieler zu werden - neben Amanatidis natürlich, der im Zusammenspiel mit Ochs einen schon verloren geglaubten Ball zurück eroberte und erneut zu Ochs passte, welcher die Eintracht mit 1:0 in Führung brachte - wobei der Torhüter von Chelsea alles andere als souverän aussah; zum Running Gag sollten sich während der gesamten Partie dessen Abschläge entwickeln.

Nach der Halbzeit ersetzte Ralf Fährmann den ewigen Oka, während Habib Bellaid für Maik Franz ins Spiel kam. Später folgten noch Altintop, Rode, Caio, Fenin, Korkmaz, und Heller, während Clark und Kittel auf der Bank schmoren mussten. Tisch-Rivero, Steinhöfer und Petkovic gehörten diesmal nicht zum Kader. Chelsea wechselte bis zum Schluss außer dem Torhüter komplett durch und die Partie passte sich ein wenig dem Rasen an, der durch die Footballspiele der letzten Wochen doch arg waidwund daherkam.

Von den Rängen ertönte: Ihr werdet nie Deutscher Meister oder In Europa kennt euch keine Sau, was Lampard aber nicht davon abhielt, den zwischenzeitlichen Ausgleich zu erzielen. Als Russ im Strafraum umgerissen wurde, nahm sich Altintop Pille und Herz und verwandelte den fälligen Elfmeter zum 2:1 Siegtreffer für die Eintracht. Gewinner des Spiels waren neben der Eintracht sicherlich die Herren Amanatidis, der einen strammen Schuss knapp neben das Tor setzte, Köhler, der sich allmählich zu Uwe Bindewald zwei entwickelt sowie Nikolov; Fährmann sah beim Treffer Lampards nicht wirklich glücklich aus - aber er ist noch jung und voller Hoffnung.

Heute hat uns dann Attila besucht, eine ganze Gruppe Kinder hing gebannt an den Lippen des Falkners Norbert Lawitschka und beantworte lautstark dessen Fragen: Was frisst ein Mäusebussard? Mäuse. Ein Fischadler? Fische: Ein Steinadler? Steine.

Naja, fast.


Montag, 26. Juli 2010

Kinderpressekonferenz mit Ralf Fährmann

Am Mittwoch, den 28.07.2010 findet im Museum der Eintracht eine weitere Kinderpressekonferenz statt; diesmal mit unserem Torhüter Ralf Fährmann.

Es beginnt um 13:00; die Nachwuchsjournalisten können sich akkreditieren (am besten vorher telefonsich anmelden) und dann Ralf Löcher in den Bauch fragen - wie es in den vergangenen Jahren schon Christoph Preuß, Mehdi Mahdavikia, Alex Meier, Oka Nikolov, Markus Pröll, Maik Franz und Ioannis Amanatidis erlebt haben. Anschließend gibt es natürlich Autogramme für die aufgeweckten Kleinen. Der Eintritt kostet für Kinder 3,50 und für Erwachsene 5 Euro.

Weitere Infos erhaltet ihr unter der Nummer 069 - 95503275 oder info@eintracht-frankfurt-museum.de

Samstag, 7. November 2009

Heimspiel in Leverkusen.


09.12.2006 - Eintracht Frankfurt - Werder Bremen 2:6

16.02.2007 - Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart 0:4

17.04.2007 - 1.FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt 4:0 (P)

20.10.2007 - 1.FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt 5:1

15.11.2008 - Borussia Dortmund - Eintracht Frankfurt 4:0

29.11.2008 - Werder Bremen - Eintracht Frankfurt 5:0

11.04.2009 - Bayern München - Eintracht Frankfurt 4:0

13.05.2009 - Eintracht Frankfurt - Werder Bremen 0:5

28.10.2009 - Eintracht Frankfurt - Bayern München 0:4 (P)

06.11.2009 - Bayer Leverkusen - Eintracht Frankfurt 4:0



Eintracht Niederlagen seit dem Wiederaufstieg 2005 mit mindestens vier Toren. Dazu kommen noch: 1:4 ggn Lev, 1:4 ggn den VfB, 1:4 in Stuttgart, 1:4 in Hamburg, 1:4 in Bremen und ein 2:5 in München. Bis auf das 0:4 in München habe ich alle Spiele vor Ort gesehen, das letzte am vergangenen Freitag in Leverkusen in der neuen BayArena. Und davon will ich euch berichten.

Nachmittags hockte ich in Oberrad bei einem Döner und wurde gefragt, wie es denn so ginge; so lala die Antwort - mal schauen, wie es denn heute Abend so aussieht. Die Eintracht spielt in Leverkusen, wir fahren hin. Echt? antworte mein türkischer Freund. Wieviele fahren denn da hin? Och, bestimmt so 10, 20 Busse, insgesamt vielleicht 3000 Frankfurter. Er wünschte mir viel Glück. Danke, antwortete ich, vielleicht schießt die Eintracht ja ein Tor.

Ich war angeschlagen, zu wenig Schlaf, zu viel Gedanken. Müde radelte ich am Main entlang, ein Vater fütterte mit seinem Kind die Tauben, ein Lastkahn mit Namen Fairplay tuckerte an mir vorüber, Herbstlicht. Über den Holbeinsteg rollte ich ins Bahnhofsviertel, holte Pia im Büro ab und verschloss mein Fahrrad. Gemeinsam marschierten wir Richtung Südseite des Bahnhofs, holten in der Münchner Straße in einem Araber-Lädchen noch eine Cola, durchschritten die Unterführung und trafen wenig später auf viele bekannte Gesichter. Viele Busse fahren an der Südseite ab, die FuFa, die Griesheimer und auch die Geiselgangster die meist, wenn wir den silbernen Golf im Herzen von Europa lassen uns mitnehmen. Es sind die, die immer da sind; Kine ist dabei, Ina, Holger, Jens, Tom, Gabi, Geetha, André, Sandy und viele andere. Wieviele Kilometer sind wir durch die Republik gereist, wieviele Stunden und Euros gingen dabei drauf, die Eintracht zu sehen. Komfort? Unser Bus ist ein alter Linienbus; Schulbus zeigt die digitale Anzeige. Eine Toilette gibt es nicht, die Musik kommt aus dem Radio; niemand hat ein Tape dabei, um den Rekorder zu füttern; mein MP3 Player liegt zuhause - meine Laune irgendwie auch. Ich bin müde, fühle mich alt, vielleicht zu alt für solche Späße, aber was soll's: Die Eintracht spielt.

Hinter dem Airport versinkt die Sonne, wir fahren; ich blicke aus dem Fenster, golden die Bäume im kühlen Herbst. Gabi gibt durch, dass sie ihren Gruppenleiterkurs absolviert hat; Applaus. Mehrfach halten wir, in Limburg, Montabaur, sammeln Leute ein, draußen legt sich die Nacht über Deutschland, über Siegburg-Ost. Treffen andere, reden.

Wir kommen gut durch, kaum Staus. Im Radio läuft Bitter Sweet Symphony von the Verve, Pia singt mit; es ist die Einlaufmusik von Bayer Leverkusen - wir fassen es als Omen auf. André verkauft Getränke; Bier, Cola für einen Euro, die Stimmung im Bus ist nicht überborden - und da weder Gerre noch Buffo oder Ralf dabei sind, fällt die Tombola aus. Kurz leuchtet an der Autobahn das Bayer Kreuz; Leverkusen - wir haben es bald geschafft; allein die letzten Kilometer sind zäh; Fußballstau. Autobahnbrücken, Firmengelände, Chempark, bis wir durch ein Wohngebiet rollen und letztlich unter der Brücke inmitten der anderen Busse parken. Männer stehen überall und pissen; ins Gebüsch, an die Busse, Scherben; zwei Busse stehen mit dem Heck dicht an dicht, keine Eintrittskarte passt dazwischen.

Pia, Sandy, André und ich marschieren los, ab und an stehen Polizisten an der Seite und beobachten uns argwöhnisch; ab und an stehen freundliche Helferlein auf dem Weg und halten Schilder in die Höhe: Wir helfen gerne. Service, den wir nicht nutzen. Nach wenigen Metern taucht das Stadion aus dem Dunkel auf; nebenan die Kurt-Rieß-Halle. Es ist wenig los am Einlass, dennoch dauert es eine Weile, bis wir die Kontrolle überwunden haben. Wie wird das Team heute aussehen? Chris und Nikolov fallen definitiv aus, dazu Ochs und Amanatidis. Ich tippe auf Franz als rechten Verteidiger, Vasoski innen und Fährmann im Tor. Klar. Jung wird wohl nicht spielen denke ich, André hält dagegen.

G-Block, dort werden die Gäste stehen; für einen Frankfurter ein gutes Zeichen. Bevor Arena Fußball gespielt wurde trafen sich in Frankfurt im G-Block die Harten; G-Block ist gut. Wir gehen ganz nach oben; Thomas, den wir treffen, erzählt, dass es für Gästefans nicht erlaubt ist, das Stadionmagazin in den Block zu nehmen; ich selbst hatte gar keines gesehen.
Stadionmagazin nicht im Stadion erlaubt. Absurd. Hier stehen Carsten, Nicole und Helmut, dort kommt Graefle vorbei - die, die immer da sind.

Der Blick geht rund, hübsch sieht es aus, das runderneuerte Stadion, hell das Licht, das überlappende Dach durch einen mittigen Trägerring gehalten. Über uns der neue Oberrang unten die Erkenntnis, dass Jung nicht spielt. Mit den Klängen von Bitter Sweet Symphony laufen die Teams ein, die Eintracht in weiß, die Werkself in rot. Fährmann im Tor, das allererste mal im Eintrachttor. Viel Glück.

Elf Minuten später ist alles aus. Elf Minuten später führt Bayer Leverkusen mit 3:0. Elf Minuten später ist die Eintracht für den heutigen Abend zerstört. Es ist ein Albtraum. Für uns, aber auch für den jungen Torhüter, der keine große Schuld an den Gegentreffern trägt. Nach elf Minuten hat die Frankfurter Eintracht ihren höchsten Rückstand der Bundesligageschichte zu diesem Zeitpunkt eingefahren. Völlig verdient, völlig desolat. Wenn es so weitergeht, steht es am Ende 27:0.

Kein Aufbäumen, keine Gegenwehr, im Gegenteil; Bayer spielt mit der Eintracht Katz und Maus. Höhepunkte aus Frankfurter Sicht: Ein Flitzer, der über das Spielfeld sprintet und von einem catchenden Ordner zu Boden gerissen wird. Caios Auswechslung nach 20 Minuten, sowie Rauch und Leuchtfeuer aus dem Frankfurter Block. Hätten unsere Jungs mal ein bisschen Dampf gemacht - aber da ist nichts. Gut, Korkmaz wuselt über das Feld, Schwegler hält dagegen, Franz ist wütend - aber mit Fußball hat das alles nichts zu tun. Stoppen, passen, stoppen, passen, stoppen, passen; Raumgewinn gleich Null. Zurück zu Fährmann. Wie anders doch die Herren Kießling oder Derdiyok, Kroos oder Hypiä. Sie attackieren, lupfen, flitzen, klären, während der Eintracht Kapitän Spycher zeitgleich an seiner Steuererklärung sitzt; Bajramovic überlegt, ob er in der Halbzeit Ketchup oder Majo zu den Fritten ordert. Russ fragt sich, weshalb ausgerechnet er bei den Klatschen immer dabei ist, während Liberopoulos und Meier beim Warten auf Bälle sichtlich altern. Teber überlegt immer noch, weshalb er mitspielen darf und unser Trainer feilt derweil an Erklärungen. Es ist grausam. Kein Aufbäumen, keine Idee, kein Wille. Ich rauche.

Wir.Wolln. Euch kämpfen sehn!

Foto: Pia Geiger

In der Pause treffen wir Stefan, der doch gekommen ist, um Fotos zu machen. Dolle Motive, Kießling, Rauch, Bengalos, Flitzer. Immerhin. Irgendeiner hat sich das Bein verbrannt und irgendwo hat's gescheppert. Mir egal. Aber die Fanbetreuung hat Arbeit.

In Halbzeit zwei ist Leverkusen gnädig, sie geben der Eintracht die Illusion, ein bisschen mit zu kicken und erzielen kurz vor Schluss den vierten Treffer. Tooooor für dieeeee plärrt der Stadionsprecher: Werkself brüllen ein paar Leverkusener drei Mal; Fans, die während des Spiels eine verkorkste La Ola starteten; überhaupt war deren Support mau, was mir jedoch völlig am Arsch vorbei geht. Pia sieht genau hin, außer Franz hat keiner der Frankfurter ein dreggisches Triggo. Abpfiff. Bedröppelte Eintrachtler - oder besser: Frankfurter Spieler holen sich ein paar Pfiffe ab, der Rest ist Schweigen. Irgendeine Ballermann Musik dröhnt durch die Arena, ...und wir feiern die ganze Nacht. Hey, was geht ab... In mir wächst der Wunsch, etwas zu zerstören - aber ich habe mich im Griff. Wir gehen. Es ist kalt. Innen wie außen.

Busse warten mit laufenden Motoren, Abgase mengen sich mit schlechter Laune und nach einer Weile rollen die Fahrzeuge in die Nacht, Fürther, Nieder Bube, Sossenheimer, wir.

Da die Autobahn A3 gesperrt ist versuchen wir es über die A61, die Fahrt zieht sich, wir klappern die Raststätten auf der Suche nach Nahrung ab, irgendwo in Deutschland. Vor meinem geistigen Auge ziehen Jägerschnitzel vorbei, grinsen hämisch. Eifel, Brohltal, Koblenz, Limburg, ICE Bahnhof: Geschlagene 20 Minuten warte ich auf meinen Burger; die Laune sinkt ins Bodenlose; ich will heim, ins Bett, vergessen. Nächster Halt Bad Camberg, Busreinigung. Gegen 3:30 rollen wir in Frankfurt ein, geschlagene fünfeinviertel Stunden nach dem Schlusspfiff. Ein kurzes Adieu und wir latschen durchs Bahnhofsviertel. Überlegen, ob wir an einer Tombola teilnehmen sollen, die Gewinne sind verlockend. Irgendwo liegt einer in seinem Erbrochenem, andere rufen den Notarzt. Wir holen die Fahrräder und eiern ins Nordend.

Ein kurzer Blick ins Netz zeigt uns, dass Trainer Skibbe im TV und vor versammelter Presse gesprochen hat. Mir egal, ich will schlafen. Bitter sweet. Nur ohne Sweet.