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Montag, 17. Januar 2011

Ohne Titel - aber mit Daddy und Timm


Pia hat sich schon am Freitag entschlossen, ausnahmsweise mal nicht ins Stadion zu gehen - im Nachhinein eine weise Entscheidung und würden mich andere Umstände nicht daran hindern, hätte ich es ihr gleich getan. Die anderen Umstände liegen darin begründet, dass ich seit Jahren mit meinem Daddy ins Stadion gehe - und das ist unabhängig vom Ergebnis und Spielverlauf meine Geschichte. Und seit geraumer Zeit bahnt sich Zuwachs an. Timm, mein Neffe, wurde im letzten Sommer sechs Jahre alt - und noch im Alter von fünf haben wir uns das Freundschaftsspiel der Eintracht in Aschaffenburg angeschaut. Acht blitzsaubere Tore gabs zu sehen. Noch im vergangenen Jahr konnte Timm gegen Hoffenheim seine Premiere in der Arena feiern; ich selbst lag krank im Bett - und die Eintracht ging mit 0:4 unter. Durch Pias Verzicht ergab sich nun die Möglichkeit, ein zweites Heimspiel in der Arena zu sehen - mit Opa, Onkel und sich.

Und da folgt auch schon das erste Dilemma; der kleine Kerl scheint recht angefixt und für ihn ist es eine Riesensache, mit uns mit zu kommen und das Erlebnis Fußball zu lernen, während es mir immer weniger Freude bereitet - und das Spiel gegen Hannover sollte ein weiterer Beleg für meine Unlust werden.

Und das liegt nicht daran, dass die Eintracht mit 0:3 verloren hat - wobei Timm nach dem 0:1 zu mir meinte: Axel, weißt du was, das ist doch gar nicht schlimm. Wenn die Eintracht noch drei oder vier Tore schießt, dann gewinnt sie noch. Viel zu gucken gabs ja - und viel zu singen. Da singt der kleine Kerl doch tatsächlich bei Schwarz-weiß-wie-Schnee mit und hält beim Herzen von Europa seinen Schal hoch - alleine dafür hat sich schon der Besuch des Spiels gelohnt. Schade, dass sich die Vereine solche Szenen mit 20 Euro pro Kindersitzplatz bezahlen lassen.

Bei der Eintracht hütete Nikolov das Tor. Noch ein schade, - da hat der Trainer eine gute Möglichkeit verpasst, einen Torwartwechsel im Sinne der Eintracht vorzunehmen. Nichts gegen Oka - aber Fährmann hat seine Sache während Okas Verletzung gut gemacht. Und wenn man einen jungen Torhüter verpflichtet, dann sollte er auch früher oder später sein Talent unter Beweis stellen können. Würde Fährmann jetzt eine halbe Saison durchspielen, dann wüssten wir im Sommer: Jawoll, der ist's, der hat's bewiesen - oder wir wüssten definitiv, dass eine Trennung sinnig wäre. So wissen wir gar nichts.

Naja, ein bisschen schon - wir wissen, dass Meier und Altintop zur Zeit alles andere als auf der Höhe ihrer Schaffenskraft sind - und doch schauen wir von Woche zu Woche verwundert auf die Startaufstellung, in der beide regelmäßig auftauchen. Sicher, wenn sie in Form sind, dürfte kaum ein Weg daran vorbei führen. Wenn. So schmoren Fenin oder Amanatidis regelmäßig auf der Bank und zeigen bei Kurzeinsätzen mehr Feuer als ihre Kollegen - wie auch gegen Hannover. Allerdings führte 96 da schon mit 2:0 und vor allem für Altintop begann ein Spießrutenlaufen - in welches ihn der Trainer sehenden Auges schickte. Die Seelenlage eines Fans ist manchmal hochverzwickt doch im Falle Altintop sehr einfach zu durchschauen: man musste kein Psychologe sein, um zu erkennen, dass die Geduld für unseren Zehner erschöpft war; dass sich schon seit Wochen abzeichnete, was kurz vor dessen Auswechslung Wirklichkeit wurde. Obgleich Altintop nicht das schlechteste Spiel ablieferte, wurde er gnadenlos ausgepfiffen. Das war ungerecht und unwürdig zugleich - aber es war abzusehen. So hätte Skibbe in der Halbzeit reagieren und Altintop vor den Fans schützen müssen. Dies tat er nicht, er warf ihn wider besseren Wissens den "Anhängern" zum Fraß vor. Hinter mir ertönte es: Hol den Dreggsterkk endlisch runner. Es wäre wenig verwunderlich, wenn Altintop noch vor Ende der Wechselfrist die Eintracht verlassen würde. Das wäre bedauerlich, denn er hat Potential - derzeit hat er nur noch einen teuren Vertrag und ein Standing auf der Höhe Tebers.

Dabei ist er in der Chancenverwertung gar nicht mal so viel schlechter als sein Pendant auf der rechten Seite, Patrick Ochs. Kid hat ja drüben in der Klappergass mit schöner Regelmäßigkeit die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufgegriffen - was vielleicht zu wenig zur Sprache kommt ist das Missverhältnis im Zusammenspiel mit Jung. Die rechte Seite hätte weitaus mehr Potential, wenn die beiden Frankfurter Eigengewächse harmonieren würden, was sie meiner Ansicht nach nicht machen. Und das liegt meines Erachtens an Ochs, der den mitlaufenden Jung zu wenig ins Anspiel mit einbezieht. Manchmal hat es gar den Anschein, als dokumentiere Ochs: Sieh her, ich bin hier der Platzhirsch und du stellst dich hinten an - aber ich kann mich täuschen.

Zu guter Letzt bin ich kein Freund vom Spiel mit einen Stürmer, von dessen Treffsicherheit das Wohl und Wehe der Eintracht abhängt. Die Laufbereitschaft und die Quote von Gekas in allen Ehren - aber wenn aus dem Mittelfeld keine Bälle kommen, wenn weder von rechts noch von links vernünftig geflankt wird, dann wäre es an der Zeit, sich Gedanken über eine variable Taktik zu machen. Und da gehört nicht der langweilige Witz dazu, Caio nach 45 Minuten einzuwechseln, in der Hoffnung, dass ein Freistoß ins Tor segelt. Selten habe ich in den letzten zwanzig Jahren eine Saison emotionsloser hingenommen.

Von all dem weiß Timm natürlich noch nicht viel. Er wundert sich, dass er dauernd aufstehen und sich dann wieder setzen muss und dass manchmal Sachen geworfen werden. Er wird noch lernen, dass nicht nur Plastikdeckelchen durch die Luft fliegen, sondern manchmal auch gefüllte Becher. Er hört es nicht, wenn von irgendwoher Ya Konan du schwule Niggersau erklingt.
Doch er wird nach sieben Gegentoren in zwei gesehenen Heimspielen und keinem einzigen erzielten Eintrachttreffer irgendwann auch mal in unseren Armen liegen und sich freuen.

Alleine letzteres ist es wert, ins Stadion zu gehen - obgleich ich eigentlich keine Lust mehr auf diesen überteuerten Bundesligazirkus habe, inmitten eines Sicherheitswahns bei dem Kinderrucksäcke durchsucht werden - (natürlich nur die vordere Tasche, die Bengalos hatten wir hinten) und die Masse Mensch jetzt auch in Frankfurt auftreten kann, wie ich es bei anderen Vereinen immer gehasst habe: Als niederträchtiges Etwas, das die eigenen Leute lustvoll destruiert und in dem einzelne Individuen derartig widerwärtig auftreten, dass die Gewaltdiskussion neu geführt werden müsste.

Montag, 2. August 2010

Heimspiele in Hierzulande

Dienstag, 27.07.2010

Aus dem CD-Player des silbernen Golfs pluggerten Ambientsounds einer russischen Radiosendung mit dem Titel Orangereya, passend zum Ambiente eines chilligen Sommertages. Unser Ziel war Göttingen, die Eintracht sollte am Abend in einem Freundschaftsspiel auf den spanischen Erstligisten Racing Santander treffen, die wenige Tage zuvor gegen Werder Bremen 1:3 unterlegen waren. Wir nutzten den sonnigen Tag, um einen Abstecher in das ehemalige Zonenrandgebiet zu machen, tuckerten durch die Alleen und besuchten Heiligenstadt, einen Kurort nahe der Deutschen Märchenstraße, wo etliche Geschäfte leer stehen und eine Gaststätte Schwarzer Adler heißt.

Von dort gings über die Landstraße nach Göttingen ins Jahnstadion. Und wenn die Namen Göttingen und Jahnstadion im Zusammenhang mit Eintracht Frankfurt fallen, dann denken wir natürlich sofort an Lothar Sippel.

Stimmt natürlich nicht, erst der Blick ins Eintracht-Archiv zeigt, dass die Eintracht in der Saison 83/84 in der ersten Pokalrunde bei Göttingen 05 mit 2:4 unterlegen war (nach 18 Minuten führte der Oberligist damals mit 3:0) und Lothar Sippel, der in der Saison 91/92 14 Treffer für die Eintracht erzielen konnte, seinerzeit in der 76. Minute eingewechselt wurde. Bei Göttingen.

In Göttingen folgten wir dem Eintracht-Bus, der uns urplötzlich entgegenkam und passierten einen kleinen See, dem nach wenigen Metern das Stadion folgte. Fußballerisch ist Göttingen seit Jahren Diaspora nachdem der SC Göttingen 05 nach zwei kurzen Interemezzi in der zweiten Liga Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger durch die Ligen trudelte, 2003 gar pleite ging und nach Auflösung und Neugründung durch die Fusion mit dem RSV Geismar nun den Namen RSV Göttingen 05 trägt. Bis 2003 war das Jahnstadion die Spielstätte des SC, seither wird es nur noch gelegentlich genutzt, so wie heute durch die Eintracht.

Wir parkten bei strahlendem Sonnenschein direkt neben dem Stadion, begrüßten etliche bekannte Gesichter und trafen uns mit Thorsten und Ruth, die ebenfalls aus Frankfurt angereist waren. Auch Steffen aka BlackDeath2k schneite vorbei, für ihn war es ein Heimspiel - nur wenige Meter vom Stadion entfernt ist er aufgewachsen.

Die Sonne glänzte vom Himmel und wir wanderten auf die Gegengerade, die ganz nett gefüllt war; später gab der Stadionsprecher die offizielle Zuschauerzahl durch: 2.400 - und sollte dies Sekunden später auf 1.400 korrigieren. Die Anzeigentafel blinkte und zeigte lustige Smilies mit dem Text Anfeuern: Ja, Randale: Nein - und daran hielten wir uns natürlich. Pia hatte sich mit Kamera bewaffnet schnurstracks in Richtung Laufbahn aufgemacht, während wir dem nunja, munteren Treiben auf dem arg ramponierten Platz zusahen.

Racing erspielte sich kaum Torchancen, die Eintracht erwies sich optisch überlegen, doch es sollte bis zur 41. Minute dauern, bis der erste Treffer fiel - Caio hatte die Torfabrik aus knapp 30 Metern ins Tor gehämmert, wobei Coltorti im Racing Tor eher alt aussah.

In der zweiten Hälfte wurde munter durchgewechselt; Nikolov verdiente sich einen Scorerpunkt, in dem er Altintop den Ball zukickte, woraufhin dieser ein paar Meter lief und das 2:0 erzielte. So wurde mir zumindest berichtet, ich stand am Bierstand zwecks Verpflegung. Aufreger war wenig später eine Großchance von Gekas, der die Wahl hatte, entweder zu treffen oder Altintop anzuspielen, sich aber dann doch dafür entschied, den Torhüter von Santander in Szene zu setzen.

Kurz vor Abpfiff schaffte Santander noch den Anschlusstreffer, was unsere Stimmung aber keineswegs trüben sollte. Unser Weg führte dann in die Göttinger Innenstadt, jede Menge Studenten tummelten sich in der Fußgängerzone, wo wir uns mit noch mit Steffen trafen und ganz nebenbei die Gänseliesel bewunderten.


Mittwoch, 28.07.2010

Der nächste Morgen begann gegen elf Uhr mit einem Anruf unseres geschätzten Museumsdirektors Thoma, der dezent nachfragte, wo ich den bliebe. Oha, während ich eigentlich erst um zwölf Uhr im Museum aufschlagen wollte, zeigte der Terminplan zweifelsfrei zehn an. Shit Happens, ich sauste los, baute die Anlage auf und begrüßte wenig später jede Menge Kinder, die sich anlässlich der bevorstehenden Kinderpressekonferenz mit Ralf Fährmann eingefunden hatten. Und dann kommt er auch schon, der 21-jährige Schlussmann der Eintracht. Wie heißt du - spannende Fragen stellten die Kids und Ralf nahm sich geduldig die Zeit, wirklich jede Frage zu beantworten; annähernd eine Stunde später wussten die Kids Bescheid: Ralf hat einen Bruder, einen Hund und isst am liebsten Pizza - und sie gaben ihm klasse Tipps, wie er seinen Bruder an besten ärgern könne: Einen Eimer Wasser auf die Türklinke stellen. Nachwuchsjournalisten der FR notierten eifrig die Antworten des Tages und schrieben anschliessend einen netten Artikel über den munteren Nachmittag, während Ralf noch Jacken, Arme und Taschen mit Autogrammen verzieren durfte. Ich baute derweil die Anlage wieder ab.


Sonntag, 01.08.2010

Manchmal ist es ganz praktisch im Museum der Eintracht an Spieltagen zu arbeiten, eine Arbeitskarte berechtigt nicht nur zum Einlass auf das Gelände, sondern bringt es mit sich, auch ein Fußballspiel ansehen zu können, für das ich sonst keinen Eintritt bezahlt hätte: Die Eintracht gegen Chelsea FC, den amtierenden Englischen Meister. Pia und Daddy waren dabei und wir parkten in der Tiefgarage, wo wir auf Bernd Hölzenbein trafen, der allerdings nicht mitspielen sollte. Wir marschierten zunächst ins Museum und anschließend entgegen den Bundesligaspielen nicht zu unserem angestammten Platz in Block 41G, sondern orientierten uns Richtung Block 42, dem äußersten Stehplatzbereich und hockten uns auf die Stufen. Die Erfahrung aus der Partie gegen Real Madrid vor zwei Jahren hatte uns gezeigt, dass Spiele gegen namhafte Gegner in der Saisonvorbereitung eher unter dem Aspekt Sommerfußball abzulegen sind; die Eintrittspreise jedoch gesalzen sind. So auch dieses Jahr. Zwar ist es ganz interessant die Herren Terry oder Malouda, Lampard oder Essien, Anelka oder Mikel aus der Nähe zu sehen, sportlich jedoch ist solch Spektakel in dieser Phase nur bedingt reizvoll.

Das Dach im Stadion war geschlossen, dafür flackerte die Leuchtreklame vor den Kurven arg irritierend und lenkte permanent vom Spiel ab. Werbebande, so heißen diejenigen, die solche Reklametafeln installieren, nahezu Bandenterror. Nachdem im Vorfeld Wladimir Klitschko und Samuel Peter - die am 11.09. im Stadion auf den Spuren von Muhammed Ali und Karl Mildenberger wandeln werden - von Frau Rauscher mit einem Bembel und von den Mannschaftskapitänen mit Trikots beglückt wurden, pfiff Schiri Brych die Partie vor 45.000 Zuschauern an.

Aufschlussreich war die Erkenntnis, dass Georgios Tzavellas durchaus in die Fußstapfen von Christoph Spycher treten kann, dass Altintop die eher durchwachsene Form der letzten Spiele konserviert hat und Sebastian Jung sich anschickt, mein aktueller Lieblingsspieler zu werden - neben Amanatidis natürlich, der im Zusammenspiel mit Ochs einen schon verloren geglaubten Ball zurück eroberte und erneut zu Ochs passte, welcher die Eintracht mit 1:0 in Führung brachte - wobei der Torhüter von Chelsea alles andere als souverän aussah; zum Running Gag sollten sich während der gesamten Partie dessen Abschläge entwickeln.

Nach der Halbzeit ersetzte Ralf Fährmann den ewigen Oka, während Habib Bellaid für Maik Franz ins Spiel kam. Später folgten noch Altintop, Rode, Caio, Fenin, Korkmaz, und Heller, während Clark und Kittel auf der Bank schmoren mussten. Tisch-Rivero, Steinhöfer und Petkovic gehörten diesmal nicht zum Kader. Chelsea wechselte bis zum Schluss außer dem Torhüter komplett durch und die Partie passte sich ein wenig dem Rasen an, der durch die Footballspiele der letzten Wochen doch arg waidwund daherkam.

Von den Rängen ertönte: Ihr werdet nie Deutscher Meister oder In Europa kennt euch keine Sau, was Lampard aber nicht davon abhielt, den zwischenzeitlichen Ausgleich zu erzielen. Als Russ im Strafraum umgerissen wurde, nahm sich Altintop Pille und Herz und verwandelte den fälligen Elfmeter zum 2:1 Siegtreffer für die Eintracht. Gewinner des Spiels waren neben der Eintracht sicherlich die Herren Amanatidis, der einen strammen Schuss knapp neben das Tor setzte, Köhler, der sich allmählich zu Uwe Bindewald zwei entwickelt sowie Nikolov; Fährmann sah beim Treffer Lampards nicht wirklich glücklich aus - aber er ist noch jung und voller Hoffnung.

Heute hat uns dann Attila besucht, eine ganze Gruppe Kinder hing gebannt an den Lippen des Falkners Norbert Lawitschka und beantworte lautstark dessen Fragen: Was frisst ein Mäusebussard? Mäuse. Ein Fischadler? Fische: Ein Steinadler? Steine.

Naja, fast.


Sonntag, 9. Mai 2010

Heimspiel in Wolfsburg


Es ist Nacht. Vor meinem geistigen Auge marschiert ein kleines Teleobjektiv (Canon 55-250mm) vorbei und grinst mich hämisch an. Aus dem Nichts prescht Halil Altintop heran, drischt das Objektiv vorbei an Benaglio, aber auch am Tor. Das Objektiv bleibt vor der Kurve liegen, berappelt sich und flitzt auf kurzen Beinchen davon, bis es in einem sich urplötzlich auftuendem (!) Loch verschwindet. Unterdessen hat sich Halil Altintop neben das Tor gesetzt, aus seinen Hosentaschen fallen Geldscheine, die der Wind spielerisch aus dem Stadion weht.

Grotesk.

Seit Wochen überlegen wir uns, jenes Objektiv zu zu legen, entschieden uns aber dafür, nach Wolfsburg (!) zu fahren, ein Ausflug, der incl. Fahrt-, Eintritts- und Verpflegungskosten und eingedenk der Tatsache, dass Pia auf einen Arbeitsnachmittag im Museum verzichtet hatte (Matze hatte dankenswerterweise die Schicht übernommen) exakt dem Gegenwert des Objektives entspricht. Samstag Punkt 17:20 wussten wir: Dies war ein Fehler, doch der Reihe nach.

Noch im letzten Bericht zum Heimspiel in Mainz schrub (!) ich, dass ich keine Eintrittskarte für das Saisonfinale in Wolfsburg besäße. Daraufhin meldete sich Dominik bei mir und bot mir zwei Tickets und auch zwei Busplätze an. Pia konnte ihren Arbeitstag verlegen und somit stand fest: Wir sind beim Saisonfinale dabei. Unterdessen unterlag die Eintracht gegen Hoffenheim (ein Team, gegen welches die SGE in der ersten Liga noch nie gewonnen hat) und somit stand ein weiteres fest: Der letzte Spieltag hat für Eintracht Frankfurt keine drastische Bedeutung mehr, sieht man einmal davon ab, dass es um drei Punkte in der ewigen Tabelle geht, um den aktuellen Tabellenplatz, der für immer in den Annalen verewigt sein wird und um die simple Möglichkeit, sich in der Saison 2009/2010 vor Mainz zu platzieren - wie es das Zement der Liga eigentlich verlangt. Dazu um das simpelste: Einen Bundesligasieg.

Samstag Morgen, schnell noch die Ergebnisse im Tippspiel getippt, die Regenjacke und das Fahrrad geschnappt und schon radelten wir durch den Frankfurter Morgen, verschlossen die Räder in einem Hof und liefen die letzten Meter zum Bahnhof Südseite. Dort kam uns schon René entgegen, auch die anderen Kumpane waren schon vor Ort und nur wenig später trudelte der letzte Mitfahrer ein; genauer gesagt: der Vorletzte. Der letzte schlummerte noch selig in einer kleinen Stadt mit dem Autokennzeichen HU und wurde später von uns eingesammelt, ein paar Kilometer von der eigentlichen Autobahn, der A5 entfernt.

Und so begab sich endlich ein kleiner Bus mit nahezu zwanzig Insaßen auf die Reise ins 360 km enfernte Wolfsburg zum dortigen VfL - ein Team, bei dem die Eintracht in der Bundesliga noch nie gewinnen konnte.

Die Kumpane hatten CDs zusammngestellt, und so begleiteten uns Ska-P; Placebo, Depeche Mode, Götz Widmann oder Ultra Kaos durch die Zeit, immer wieder unterbrochen von Bill Bo und seine Bande, dem ultimativen Lied der Kumpane, welches aber nach dem siebten Mal nur ganz kurz angespielt wurde.

Deutschland präsentierte sich farbenfroh: braun (die Äcker), gelb (der Raps), grün (die Bäume) und blau (der Himmel); Kilometer um Kilometer spulten wir ab, gaben unsere Tipps zum Spiel ab und sahen an einer Raststätte in Niedersachsen ein Wohnmobil, welches halb eingewachsen vom wuchernden Grün schon seit längerem dort parkte.

Kurz vor Wolfsburg nötigte uns die vorgeschriebene Ruhezeit des Fahrers noch eine halbstündige Zwangspause ab, in Braunschweig führte die Autobahn beinahe durch die Vorgärten der angrenzenden Häuser und in Wolfsburg hielten wir zunächst vor dem alten VfL Stadion um um 15:20 den Busparkplatz der Arena zu erreichen. Ich fragte mich, ob es für den bloßen Besitz eines Opels hier in der Autostadt Strafzettel gibt, derartig war das Stadtbild von VW geprägt.

Wir marschierten schnurstracks zum Gästeeingang, reihten uns brav in die Wartenden ein, trafen auf Arne und Andi und hörten tosenden Jubel; Toooor für die Eintracht. Bald war klar, dass dieser Treffer keine Anerkennung fand, und so schoben wir uns auf den Oberrang und dort bis fast in die letzte Reihe. Der Blick war überzeugend, Jung spielte überraschend neben Franz in der Innenverteidigung, Ochs verteidgte rechts, Köhler links, davor Teber und Heller, Meier und Clark mittig und vorne Fenin nebst Altintop. Im Tor harrte Ralf Fährmann dem Gang der Dinge, der mit einem satten Pfostenschuss Hellers seine Fortsetzung fand.

Damit hatte die Eintracht ihr Pulver verschossen; Wolfsburg flankte zwei Mal ins Herz der Eintracht und Misimovic als auch Riether nutzen die Schwächen in der Innenverteidgung - Wolfsburg führte 2:0. Als nur wenig später Dzeko Jung ausstiegen ließ und zum 3:0 einschob, hatte die Partie für Wolfsburg ihren Zweck erfüllt - der Bosnier hatte seinen 22sten Treffer erzielt und damit die Torjägerkanone errungen. Letztmalig gelang dies einem Eintrachtler in der Saison 93/94, als Yeboah gemeinsam mit Stefan Kuntz die Trophäe einheimste. Wer weiß, vielleicht gelingt dies ja eines Tages auch einem der Spieler der U17, die soeben die Meisterschaft in der Juniorenbundesliga Süd/Südwest durch ein 2:1 gegen Kaiserslautern klar gemacht hatten - wie mir Roland per SMS mitteilte. So gelangte ich auch in Kenntniss, dass die U23 in Weiden mit 4:1 gesiegt hatte.

Nach der Halbzeit, in der ein Reklame-Zeppelin durchs weite Rund schwebte und Wolfsburger kleine Präsente ins Publikum schossen, die aus der Frankfurter Kurve postwendend zurück flogen, kamen die Eintrachtler lachend aus der Kabine, Fenin scherzte mit Dzeko, die sich noch aus Teplicer Zeiten kennen, auch Altintop war mit seinem Gegenspieler im Gespräch vertieft - es war ein kameradschaftlicher Nachmittag bei Sonnenschein, und wir hofften, dass sich niemand weh tut (!), schließlich muss man zu Vertragsverhandlungen topfit sein. Heller war noch der beste Eintrachtler, vielleicht neben Fährmann und Cenk Tosun kam zu seinem ersten Bundesligaeinsatz; dies sei hiermit vermerkt. Auch dass Petkovic Fußball spielen kann.

Im Ernst, Wolfsburg trudelte aus und versäumte, die Treffer vier bis sieben zu erzielen, ließ die Eintracht ein bisschen daddeln und kurz vor Schluss versaute Altintop mit dem Ehrentreffer noch meinen glatten 3:0 Tipp für den VfL. Nach dem Spiel feierte die Kurve noch die grandiosen Leistungen aus den Spielen gegen Gladbach, Hertha, Mainz, Hoffenheim und Wolfsburg, in welchen zwei von 15 möglichen Punkte geholt wurden - was zur Folge hat, dass nicht nur eine mögliche Europapokalplatzierung vergeigt wurde, sondern auch ein einstelliger Tabellenplatz. Dass dies letztlich auch dazu führte, dass Mainz 05 sich in der Endabrechnung vor der Eintracht platzieren konnte, schien in der allgemeinen Feierei unter zu gehen.

Trainer Skibbe musste die Mannschaft doch tatsächlich an die feiernde Kurve schieben, eine gequältes Heyheyhey kam dabei heraus, einzig Franz übersprang barfuß die Absperrung und warf seine Schienbeinschützer den Fans zu. Als das Team den Platz verließ, trugen alle ihre Trikots am Leib, keines war in die Kurve geflogen.

Da war kein Wille, mit allen Mitteln ein Spiel zu gewinnen, da war keine herzliche Nähe zu den Fans, da war nur ein Nachmittag, an dem die Herren, die zum Teil in einem Jahr mehr verdienen als viele von denen, die heute hier waren, sich nicht wirklich weh tuen (!) wollten. Ziel vor der Zeit erreicht, Feierabend. Dass sich Tausende Woche für Woche auf den Weg machen, um die Eintracht zu unterstützen und als einzige Belohnung nur ein paar Tore und Siege verlangen - und vielleicht noch, dass das Team kämpft und alles daran setzt, jedes Spiel zu gewinnen - das scheint nicht bis in jeden Kopf durchgedrungen zu sein. Und wer die Großraumlimousinen der Teilzeitarbeiter finanziert auch nicht.

Dass nach Spielende die Bier- und Bratwurstbuden nichts mehr im Angebot hatten, trug nicht wesentlich zur Erheiterung bei. Pia, Christian und Stefan, Andi und Uwe, Cardoso und Olli - wir standen nach der Partie noch ein Weilchen durstig vor der kleinen Arena, schimpften und wanderten dann zurück zum Bus, der auch bald los rollte.

Aus dem CD-Player pluggerte nun House-Musik, die Sonne lachte in den Bus, bis sich die Nacht über Deutschland legte und wir nach mehreren Zwischenstopps wohlbehalten Frankfurt erreichten. Wir verabschiedeten uns von den Kumpanen, die eine freundliche und sympathische Fahrt organisiert hatten und holten unserere Räder aus dem Hof. Nur wenige Schritte entfernt türmten sich Blumen und Grabkerzen vor einer Discothek; ein junger Mann hatte vor wenigen Tagen sein Leben lassen müssen, als er zwei Frauen zur Hilfe eilen wollte - ein Stich ins Herz - auch der Zivilcourage.

Theaterplatz, Zeil, Sandweg, Berger Straße - Sportstudio. Wolfgang Poschmann erwähnt lachend, dass die Eintracht dem Erzrivalen (!) den Vortritt lassen musste. Mein nicht gekauftes Objektiv hockte neben mir und zeigte mir eine lange Nase. Pia war derartig angefressen, völlig zu Recht angefressen, dass ein Spieler wie Altintop Glück hatte, nicht in ihrer zu Nähe zu sein. Obgleich dies eigentlich ein wunderbarer Platz ist. Der Beste, um genau zu sein.

Sonntag, 7. März 2010

Klarer Fall von Denkste.


Noch letzte Woche in Stuttgart dachte ich, der Frühling naht mit großen Schritten - und nur ein paar Tage später starre ich auf: Schnee. Frühling? Klarer Fall von Denkste.
Eine nette Redewendung, wie ich meine - ohne einen blassen Schimmer zu haben, woher sie stammt. Erinnert an eine Zeit, als Jugendliche noch Spatzenschleudern in der Hosentasche trugen und auf Coladosen geschossen haben, deren Verschlüsse als fliegende Ufos dienten, insofern man den Ring von der Lasche trennte und ihn mit Schwung fliegen ließ.

Dolle Zeiten das.

Schnee also; warm eingepackt den Weg von der Louisa zum Stadion durch umherfliegende Baumstämme hinweg gestapft; eingereiht in die Strömenden, heißer Apfelwein beim Bratwurst-Walter, eine Fan geht vor, ein Hallo im Museum, ein Schwarz auf Weiß geschnappt, hoch die Treppen der Arena, die ausverkauft war - was nicht zuletzt an den vielen blauweißen Schalkern lag. Fußball. Und ein Schalker Kuttenträger, der sich blauweißrotschwarze Extensions an die Mütze geflochten hatte. Schalke und der Glubb.

Maik Franz spielte nicht, er hatte sich ja an einem Dummie verletzt. Ob er dieses wie neulich noch den Herrn Bancé angebrüllt hat, ist nicht überliefert. Sebastian Jung nahm also Franz´Position auf rechts ein, Russ und Chris in der Mitte und Spycher hinten links. Im Mittelfeld die Herren Teber, Schwegler, Köhler und Ochs, davor Meier und Altintop, der einst beim Gegner spielte und nun für die Eintracht.

Schalke ohne Streit, Jones und Kuzorra aber mit Neuer im Tor, der einen mausgrauen Sweater trug, was Pia nicht sonderlich zusagte. Noch weniger sagte uns aber zu, was sich unten auf dem Platz zu trug. Standard Schalke. Kopfball Schalke. Tor Schalke. Da sich dies binnen drei Minuten wiederholte, weil die Spieler Russ und Meier sich nicht entscheiden konnten, wer denn nun den Ball wegköpfen soll und der Schalker Höwedes einfach so ein Tor erzielte, war das Ding gelaufen.

Klarer Fall von Denkste. Köhler scheppelte noch einen Freistoß knapp am Tor vorbei - was manch einer erst mit Verzögerung merkte und blieb nach dem Pausentee in der Kabine, um Caio Platz zu machen. Keine Ahnung, wer zuletzt in der Kabine einen Pausentee getrunken hat. Was ich aber weiß ist, dass im Wort Pausentee sich das Wort Ente versteckt - spielt hier aber keine Rolle.

Caio schob das Bällchen zu Ochs der pressflankte in den Strafraum und Meier (siehe auch Phantom, das) schob zum Anschlusstreffer ein. Jetzt erwachte das Stadion, die Eintracht wirbelte und hatte ein ums andere Mal den Ausgleich auf den quietschbunten Schlappen, während sich immer wieder ein Schalker Spieler anschickte, auf dem Spielfeld zu versterben, - um es sich nach Pfiff des Schiedsrichters aber jeweils anders zu überlegen und weiter lebte.

Korkmaz kam für Teber, der für seine Verhältnisse ein anständiges Spiel dar geboten hatte und verlor den Ball am gegnerischen Strafraum. Der folgende Konter brachte Schalke wieder mit zwei Toren in Front, während Schneepulver ganz sachte vom Dach in die Arena staubte. Immerhin erlebten wir nach langer Zeit wieder einen Kurzauftritt von Martin Fenin, dessen Einwechslung in der 82.Minute für Spycher das Ruder herum reißen sollte. Dies gelang nicht, dafür aber ein weiteres Tor für Schalke - aus abseitsverdächtiger Position, was aber im End keinen Unterschied machte. Abpfiff; 1:4.

Was bleibt? Ein seltsam lauter Jubel, als auf dem Videowürfel die Führung der Kölner gegen die Bayern eingeblendet wurde (!ausgerechnet! Podolski) und ein Mittelstürmer Altintop, der sich meist auf Außen herum trieb und entsprechend mittig fehlte. Naja, ausgeträumt waren sie, die zaghaften Träume von Europa - womit aber im Ernst niemand gerechnet hat. Schalke macht aus fünf Chancen vier Tore und rückte dadurch den Bayern auf die Pelle. 1958 - in jenem Jahr feierten die Königsblauen die letzte Meisterschaft und ich drücke alle Daumen, dass dies auch fürderhin so bleibt. Das dürfte mein Schalker Freund Thomas völlig anders sehen, dem ich wie nach quasi jedem Spiel gegen Schalke gratulieren durfte.

Trainer Magath ließ nach dem Spiel laut FR dem Vorstandsvorsitzenden der Eintracht Heribert Bruchhagen angeblich ausrichten: Einen schönen Gruß an Herri, er soll langsam mal in die Tasche greifen. Das muss er auch sagen, schließlich hat Schalke so viel nicht vorhandenes Geld in den letzten Jahren verbraten, dass es ihnen ganz recht sein dürfte, so sich andere um Kopf und Kragen riskieren.

Das Fazit Jetzt wird die Eintracht nach unten durchgereicht dürfte die FR exklusiv haben; phasenweise hat die Eintracht nämlich den aktuellen Tabellenzweiten ganz ordentlich unter Druck gesetzt und obgleich die Niederlage verdient war, ist sie zu hoch ausgefallen. Caio hat gezeigt, was er kann. Zehn, fünfzehn Minuten im positiven Sinne, den Rest im Negativen und letztlich ist die beste Meldung die, dass Fenin wieder dabei ist.

Wie auch immer, nach dem Kick bin ich nochmal rüber an den Container und weiter ans Gleisdreieck, habe einen heißen Apfelwein bekommen und einen Lift von Uli ins Nordend; danke dafür. Später ging's noch ins Backstage, obgleich die Bembelbar diesmal im Bahnhofviertel bei Lili Marleen statt fand. Da sich aber Apfelwein und Auto nicht vertragen, hatten wir wir uns fürs Heimspiel entschieden - und sollten es nicht bereuen; ein muntrer Trupp plauderte zur Musik des juvenilen Ergänzungsspielers bis in die Puppen. Glut und Asche. Ich hätte ja gerne noch den Song Road Down von den Killigans gehört, der stand aber nicht zur Debatte.

Jetzt geht's nach Hannover - und ich werde nicht dabei sein. Das liegt daran, dass ich morgen Mittag in die Sonne fliege - ein noch nicht ganz zu begreifender Gedanke. Meine Eltern haben heuer Jubiläumsgeburtstag und den gesamten Anhang zum all-inclusive-Urlaub im fernen Ägypten eingeladen. Hoffentlich sind dann auch die Punkte in Hannover inklusive. Ob es kommende Woche also ein Heimspiel in Makadi Bay gibt, steht in den Sternen. Vielleicht liege ich ja kommenden Samstag mit einem Drink am Strand, lasse mir gebratene Spieße vorbei bringen und schaue gedankenverloren ins schwarz-rote Meer wo ein Entchen treibt und habe dabei völlig vergessen, dass die Eintracht kickt.

Also bleibt sauber, feiert schön den 111ten der Eintracht und denkt daran:

Aus.Wärts.Sieg!

Montag, 15. Februar 2010

Maskottchenwochen


Wolfsburg, Bremen, Köln und nun Freiburg - Das vierte Heimspiel in Folge bei eisiger Kälte, dazu der Narrenumzug in Frankfurt und schon schrumpft die Zahl der Zuschauer auf 34.900 - Saisonminusrekord. Da sag mal einer, die Anzahl der Zuschauer steht und fällt mit dem sportlichen Erfolg oder gar der attraktiven Spielweise. Würde es danach gehen, wäre die Hütte nach dem grandiosen Triumph in Dortmund gegen Freiburg ausverkauft gewesen, doch: Pustekuchen. Was auch immer das ist. Ein Pustekuchen.

Doch der Reihe nach. Gegen 16:30 stampften drei warmbejackte Wanderer durch den Winterwald und achteten streng auf die Schrittfolge, der Untergrund war vereist, der Weg holprig. Einem heißen Apfelwein beim Bratwurst-Walter folgte ein flotter Einlass, bei Niels der Erwerb zweier Fan geht vor und der Gang am seit Wochen eingeschneiten Trainingsplatz entlang bis sich unsere Wege kurz trennten. Während Daddy und ich noch im Museum vorbei schneiten, wo Billy außen tapfer die Stellung hielt und Devotionalien, vorwiegend Mützen verkaufte, marschierte Pia zu einem Treffpunkt vor Block 35. Bernd und Gisela achteten am Einlass des Museums darauf, dass alles seine Richtigkeit hat während Steffen wie immer am Tresen sich den Fragen der Gäste widmete. Apropos Museum: Noch am Samstag verbrachte ich höchstselbst den Tag dort und bekam hohen Besuch im Rahmen meiner Maskottchenwochen.
Hatte ich in Dortmund noch unfreiwillig die Bekanntschaft mit Emma geschlossen, so wackelte nun Paule zu mir herein. Paule ist das DFB-Maskottchen und war im Stadion mit einem Filmdreh beschäftigt. Auf meine Frage, weshalb sich der DFB denn einen Raben als Maskottchen hielt wenn doch ein Adler das Wappentier ist, antwortete Paule - oder vielmehr der freundliche junge Mann, der darunter steckte - dass Paule sehr wohl ein Adler sei, dies aber wahrlich nicht zu erkennen ist. Ich drückte Paule eine Apfelschorle in die Hand, half ihm, sich wieder in sein Kostüm zu wickeln und fragte mich, was denn kommende Woche in Hamburg auf mich wartet. Das war am Samstag.

Am Sonntag verließen wir das Museum nach unserer kurzen Runde und marschierten auf unsere Plätze. Schwegler war entgegen der Ankündigung nicht im Kader, die Eintracht begann mit der gleichen Elf wie in Dortmund; das heißt auch mit Sebastian Jung als rechter Verteidiger. Doch bevor es los ging, wurde Mehdi Mahdavikia verabschiedet, der ja in der Winterpause die Eintracht verlassen hatte und extra zum Abschied für dieses Spiel eingeflogen war.

Völlig in die Hose ging zu meinem Entsetzen im Herzen von Europa. Irgendein Held hatte sich das Mikro der Kurve geschnappt und sinnfrei vor sich hinein gebrabbelt, der Unterrang schwenkte zwar hübsch schwarze, rote und weiße Fähnchen schien aber gesanglich mit etwas anderem beschäftigt. Dazu passte es, dass die Aufstellungsverkündung alles andere als synchron mit den Bildern auf dem Videowürfel ablief. Gibt Schlimmeres, war aber nicht schön.

Nicht schön war auch die erste Hälfte, zerfahren das Spiel. Immerhin durften wir Du-Ri Cha auf Seiten der Freiburger begrüßen, der als Rechtsaußen auftrat und einige gute Szenen hatte. Einen Freistoß des SC konnte Nikolov noch aus dem Winkel fischen, ein Schlenzer von Köhler flog knapp über das Freiburger Tor und nur wenig später segelte eine Flanke von Cha zu Nikolov, einen Ball, den dieser souverän fallen ließ, auch im Nachfassen nicht erhaschen konnte und so lautete der Spielstand nach 25 Minuten 0:1; Cissé hatte eingeschoben. Schon zuvor hatte Ralf Fährmann begonnen, sich hinter dem Tor warm zu machen; Towarttrainer Andy Menger schob ihm die Bälle zu.

Auffällig bei der Eintracht war bislang vor allem Benny Köhler, der seine klasse Leistung in der 43. Minute mit einem tollen Freistoß krönte, der zum Ausgleich an Mauer und Torwart vorbei ins Netz segelte. Sekunden später erspähte Altintop einen Rückpassversuch und donnerte das Leder frei stehend an den Außenpfosten, das wäre es gewesen. Halbzeit: 1:1.

In der Pause sahen wir: Einen Hydranten, eine Biene Maya, ein Schwein, einen Seemann mit Papagei auf der Schulter: Helau.

Nach dem Wechsel wollte so recht auch kein erwärmendes Spiel aufkommen, Höhepunkte waren die Einwechslung von Caio, der Sekunden danach von einem Freiburger 20 Meter vor dem Tor den Ball bekam, nicht lange fackelte und Pouplin zu einer Glanztat zwang. Danach befreite sich Freiburg ein wenig, ohne nennenswerte Chancen heraus zu spielen. Korkmaz kam (mit Maske) für Köhler und Caio donnerte einen Ball mit Schmackes an den Pfosten; einen Ball, den ich schon weit im Toraus gesehen hatte und der sich dann doch noch senkte, so dass ich nach dem klatschende Geräusch mit offenem Mund da stand.

Der Freiburger Keeper ließ sich nun bei Abschlägen lange Zeit, ich wünschte ihm die Pest an den Hals und die Kugel ins Netz - doch es schien (wie so oft) vergeblich. Zwei Minuten wurden als offizielle Nachspielzeit angezeigt. Der Ball landete gefährlich nah am Frankfurter Tor; Chris trat darüber. Nicht über das Tor, über den Ball, doch Franz drosch die Kugel nach vorne. Meier verlängerte per Kopf zu Altintop, der auf Pouplin zu flitzte und das Bällchen clever über diesen ins Freiburger Tor lupfte. Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa. Da war er, der Siegtreffer. 2:1 in der Nachspielzeit. Sollte die Tage die Meldung durchsickern, dass der Freiburger Keeper die Pest am Hals haben sollte, weise ich jede Schuld von mir. Das klägliche Häuflein mitgereister Freiburger Fans sackte nun vollends in sich zusammen, die Frankfurter feierten und so endete ein eiskalter Spieltag mit einem versöhnlichem Ergebnis und einem tappsigen Heimweg durch den Frankfurter Stadtwald. Blöd nur, dass ich vor lauter Aufregung vergessen habe, den Endstand auf dem Videowürfel zu fotografieren.

Zwei Punkte steht die Eintracht nun hinter den Europapokalplätzen, wer hätte dies vor der Saison gedacht? Die nächsten Spiele in Hamburg, Stuttgart und gegen Schalke werden den Weg weisen. Holt die Eintracht nichts, wäre dies kein Beinbruch - in den vergangenen Jahren normal gewesen. Punkten die Adler aber, so kann alles möglich sein, warten wir's ab. Immerhin hat die Eintracht jetzt schon mehr Punkte erspielt, als in der vergangenen Saison nach 34 Spielen, das ist doch was.

Montag, 8. Februar 2010

Heimspiel in Dortmund


Vielleicht wurde der Grundstein für eine erfolgreiche Auswärtsfahrt schon in der Nacht zuvor gelegt, als Pia und ich mit der Straßenbahn vom Nordend nach Sachsenhausen ruckelten um im Fritsche dem Jugendtreff für Erwachsene beizuwohnen. DJ Ergänzungsspieler aka Murmeltier hatte gerufen und wir waren dem Ruf vertrauensvoll gefolgt: Punkrock, Ska, OI, Psychobilly, Rockabilly, Indipendent - so hieß es vielversprechend in der Vorankündigung und da zudem das Versprechen Klassenfahrt zum Titisee aufzulegen im Raume stand enterten wir erwartungsfroh die Spelunke - und wurden nicht enttäuscht. Im Raucherbereich drehte sich tapfer eine Discokugel an der Decke, während der Ergänzungsspieler sich nicht lumpen ließ und einen Kracher nach dem nächsten auflegte. Neeko wippte fröhlich mit, Charly schneite vorbei; später auch Christian und Tanja, direkt aus der Oper. Frank, ein alter Bekannter Pias, saß am Tresen und so goss sich eine lustige Runde ein paar Schöppchen hinter die Binde. Zwischen ZaZas Zauberstab, Clashs Guns of Brixton oder dem Coffinshakerschen Phantoms of the night sauste die Zeit dahin (Wir sind die Turnschuhgeneration) - und später als gedacht wir durch die Nacht. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal in Frankfurt mit dem Nachtbus gefahren bin; der Blick zu den anderen Fahrgästen hätte vermuten lassen, dass die Klassenfahrt zum Titisee unmittelbar bevor stand. Bis in die Puppen kramte ich dann in meiner Musiksammlung, um derart inspiriert den Soundtrack für die Fahrt ins Ruhrgebiet zusammen zu stellen.

Sekunden später wachte ich auf. Pia war schon draußen gewesen, während ich den finalen Akt der Musikproduktion vollzog und die gesammelten Files auf CD brannte. Dortmund, wir kommen.

Diesmal waren alle dabei; Golf (silber), Pia (Chucks), Beve (Adidas), Ente (schwarz), während auf der Rückbank unter anderem Sad lovers and giants, Rumble on the beach, The Krewmen, Los Carayos, Red Lorry yellow lorry, Editors, Nim Vind oder Mary goes round Platz nahmen.

Eine illustre Runde machte sich auf den Weg nach Dortmund, an einem grauen Sonntag gegen 10:30 Uhr. Der letzte Sieg beim BVB lag 19 Jahre zurück; es gab finstere 1:6 Klatschen, einen schubsenden Trainer oder dämliche Pokalniederlagen; gefühlter Höhepunkt der letzten Jahre war ein fulminanter Treffer Du-Ri Chas der zu einem Remis gereicht hatte - ansonsten hängende Köpfe. Sechs Siege seit 1963 - das war's.

Schwarz-weißer Schnee türmte sich am Rand der Autobahn, Schmelzwasser spritzte an die Scheibe und weite Teile des Landes lagen unter einer weißen Schneedecke, von Zeit zu Zeit sahen wir in der Ferne Wanderer auf den Feldern, erinnernd an Brueghels Jäger im Schnee.

Siegerland. Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Jahren hier auf dem Weg zum Fußball durchgefahren bin und mir wie ein Depp vorgekommen bin, weil die Eintracht vom Siegen so weit entfernt war, wie ich von gesunder Ernährung; Sauerland passte da schon eher.

Ein Auspuff lag am Straßenrand und erzählte schweigend eine Geschichte, schwarz-gelbe Windanzeiger schlafften an der Seite während wir stoisch Meile um Meile abspulten und frohgemut mit den Crackers um die Wette sangen: Mama, schick mir noch Taschengeld. Der Himmel riss auf, die Sonne brach durch und seit gefühlten Ewigkeiten glitt ein Hauch von Frühling durch die Zeit - bis es kurz vor Dortmund wieder grau wurde. Talk about the weather.



Dortmund. Wir gondelten die Ruhrallee hinab, hielten uns links und parkten in einem Wohngebiet nahe des Bahndamms. Da unsere liebgewonnene Kneipe Big Boss am Borsigplatz das Zeitliche gesegnet hatte, mussten wir uns einen neuen Unterschlupf suchen und so spazierten wir durch das Wohnviertel, ausweichend der Hundescheiße und trugen stolz unsere Eintrachtmützen auf dem Kopf; Pia weiß, ich schwarz: Hurra, hurra, die Frankfurter sind da.

Von einem Fenster hing eine BVB-Fahne nebst Schal herunter, in einem anderen jubelte ein schwarzgelber Gartenzwerg und ob der äußeren Ungemütlichkeit landeten wir innen; in den Wilhelm Busch Stuben Ecke Saarlandstraße/Chemnitzer. Eiche rustikal, passt.
Obgleich die Küche schon geschlossen hatte, gab es für uns die Speisekarte von der freundlichen Bedienung, während uns die übrigen Gäste - Männer, alleinstehend, traumlos - etwas irritiert anblickten, es wird wohl nicht oft vorkommen, dass Gästefans an einem Bundesligaspieltag hier einfallen; wir aber bestellten ein Pilsken und freuten uns, dass wir rauchen durften.

Wenig später kam unser Essen - und ich war begeistert: Futtern wie bei Muttern; Rouladen feat. Kartoffeln, Rotkohl und einer Soße wie es in Gottes großem Rezeptbuch steht. Glücklich schaufelte ich mein Glück in mich hinein und auch Pia war durchaus angetan vom Dortmunder Sonntagmittag in einem Wirtshaus der unprätentiösen Art. Heimlich zückte sie den Fotoapparat und hielt einige still lebenden Momente für die Ewigkeit fest, darunter einen aus einem Baumstamm geschnitzten Hasen.

Ein älter Dortmunder, im Munde glänzte ein einziger metallener Zahn, fragte uns, wann denn das Spiel begänne - früher sei er ja immer hin gegangen, die Zeiten seien aber vorbei meinte er und lachte, wünschte uns viel Glück und marschierte zu seinen Kumpels - irgendwo in Deutschland, Sonntagmittag, halb drei.

Wir zahlten, wurden mit viel Spaß im Stadion bewünscht und machten uns auf den Weg eben dort hin. Unterwegs sprach uns ein nächster älterer Herr an, was wir denn mit Altintop wollten, dieser sei ja wohl ein Altinflop und überhaupt, Funkel die Flöte, der reißt ja auch bei der Hertha nichts. Er selbst sei ja Bochumer, und erinnere sich noch gut an das letzte Spiel der Eintracht dort, als Pröll sich wütend das Trikot zerrissen hatte. Naja, Funkel war uns wurscht, Altintop bliebe abzuwarten. Immerhin wollte der Bochumer uns heute Abend die Daumen drücken, das war ja schon mal was.
Dortmunder waren gleichfalls unterwegs, viele davon besuchten auf dem Messegelände die Messe Jagd und Hund, eingepackt in ein wärmendes grünes Wams kamen uns jede Menge mit Tüten und Päckchen bepackt aus der Halle entgegen. Nebenan warteten die ersten auf den bevorstehenden Rammstein-Auftritt in der Westfalenhalle: wer am hiesigen Sonntag als Jäger auf Rammstein stand und zudem Stadiongänger ist, der hatte volles Programm.

Unser Weg führte uns schnurstracks ins Borusseum, dem Museum des BVB, der ja vor kurzem sein Hundertjähriges gefeiert hatte. Wie in Frankfurt liegt es im Stadion und sechs Euro später wanderten wir durch die Geschichte des Vereins, der in der Gaststätte Zum Wildschütz nahe des Borsigplatzes gegründet wurde. Dass der BVB zunächst in den Vereinsfarben Blau und Weiß spielte, hat einen ganz speziellen Charme.

Das Museum ist weiträumig und in einzelne offene Parzellen gegliedert. Die Ausstellung beginnt mit einem Nachbau der historischen Gründungs-Gaststätte und führt über die ersten Jahre hin zur Oberligageschichte. Über die Bundesligajahre, die Stadiongeschichte, der Europapokalwand, kamen wir zu einem Kino, bestückt mit Schalensitze des alten Stadions. Viele Monitore zeigen zudem Filmausschnitte historischer Spiele, der Europapokalsieg 1966 sicherlich als Höhepunkt der Vereinsgeschichte, deren Helden Siggi Held und Lothar "Emma" Emmerich eigene Vitrinen gewidmet wurden, Fanchoreographien werden in einem großen Fanbereich ebenso gezeigt wie ein Modell des alten Westfalenstadions; eine eigene Station ist der Derbygeschichte gewidmet und bei unserem ersten, notgedrungen oberflächlichen, Besuch fiel uns die Eintracht nur ein einziges Mal auf. Wir entdeckten den Adler in den Tabellen des 37. und 38 Spieltages der Saison 1991/1992. Bedankt.

Ein weiter Skandal schloss sich unmittelbar an. Gedankenverloren betrachtete ich eine Vitrine als ich einen Klapps auf dem Hintern verspürte. Als ich mich umdrehte erkannte ich wider Erwarten nicht Pia, sondern ... Emma.

Emma ist das Dortmunder Plüschmaskottchen, benannt nach Lothar Emmerich und stellt die Biene Maja da. Sieht kreuzdämlich aus und befand sich auf dem Weg zum Spiel. Und haute mir mirnichtsdirnichts auf den Hintern. Ich war zu verdattert, um zu reagieren und gab den Fall weiter an unsere Adler - mit der Bitte um Rache.

Die Schatzkammer mit Kopien der wichtigsten Pokale durfte nicht fehlen, überflüssig die Fan-Karaoke-Box, nett das Quiz: 6 von 10 Fragen richtig beantwortet - seit gestern bin ich offizieller Nachwuchs-Borusse.

Lasst mal stecken. Witzig waren die Kickertische; während so ziemlich jeder Kicker mit dem klassischen 2-5-3 agiert, konnte man hier auch mit einem 5-4-1 oder 4-4-2 spielen. Pfiffig.

Vielleicht schreibe ich die Tage noch mal einen ausführlichen Bericht über das Borusseum, in dem man sich schon die Zeit vor dem Spiel vertreiben kann; jetzt aber betrachteten wir aus einem Fenster den Einmarsch der Frankfurter Zugfahrer und verließen die Historie, um uns der Gegenwart zu widmen.

Vor unserem Eingang trafen wir auf Max und Dominik sowie einige andere Ultras und unterhielten uns über den letzten SAW, die Aktionen in Nürnberg: Gut: Mütze. Schlecht: Böller, während Kroni und Celi, Ben und ZoLo zu uns stießen. Ruckzuck näherte sich der Anpfiff und wir schoben uns durch die unspektakuläre Eingangskontrolle. Mit Entsetzen sahen wir, dass sich Menschentrauben um den Eingang 61 scharten; der Block schien voll. Wir quetschten uns dennoch hinein - wurden zunächst durch die Massen hin und her geschubst, trafen Daniel um uns dann nach links oben zu verkrümeln. Prompt trafen wir auf Suse und Mülli sowie propain, der den sonst mitreisenden Arne ersetzt hatte. Auch Donna hatte sich in die Ecke verzogen. Die Sicht war gut, die Hütte ziemlich voll und Emma wackelte über das Spielfeld, als wäre nichts geschehen. Auf dem Platz, der arg ramponiert aussah, schwenkten Hundertschaften Fahnen; aus den Boxen blubberte das unvermeidliche you'll never walk alone, die überschätzteste Kurve der Welt, die gelbe Wand, war auch da und dann ging's los: Die Eintracht ganz in Rot, wobei das Rot der Hosen nicht exakt zum Rot der Trikots passte. Dankenswerter Weise hatte Trainer Skibbe nicht an der Aufstellung des letzten Wochenendes festgehalten. Franz war nach Innen gerückt, Chris auf die Sechs, Jungs nach rechts hinten und Liberopoulos auf die Bank.

Bissig ging es zur Sache, nach acht Minuten schlug Nikolov einen langen Ball nach vorne, Meier verlängerte zu Altintop, dieser passte ihn zu Ochs und dessen gefühlvolle Flanke wuppte Benny Köhler, der sich clever in Stellung gebracht hatte, per Kopf zur Frankurter Führung ins Netz. Wir lagen uns unverhofft in den Armen. Jawoll. Es ging nun Schlag auf Schlag, Altintop hatte eine Chance, doch Ziegler holte ihm den Ball vom Fuß - in der 17. Minute dann der Ausgleich. Zidan hatte abgezogen, der Ball kam zum wenige Meter vor dem Tor völlig frei stehenden Hummels und dieser ließ Nikolov keine Chance.

Köhler hatte die erneute Eintrachtführung auf dem Fuß, Ziegler konnte noch so eben klären, doch nur Sekunden später lag der Ball eigentlich schon im Tor, Altintop hatte alles richtig gemacht, Ziegler war geschlagen und urpötzlich erstarb der Torschrei auf den Lippen; artistisch hatte Hummels einen Ball, der ins Tor gehen musste, noch auf der Line rutschend erwischt.

Kurz danach segelte Altintop durch die Luft, doch leider auch der Ball am Tor vorbei. Nikolov musste dann noch einmal gegen Barrios klären - und so ging es nach einem klasse Spiel mit dem 1:1 in die Pause. Höhepunkt des Dortmunder Support war ein Banner gegen Stadionverbote, ansonsten war die steile Südkurve wie immer schön anzusehen - aber leise.

In der zweiten Hälfte sorgte zunächst der zweite Dortmunder Treffer für Frust. Spycher konnte den Ball nicht gescheit klären, die folgende Flanke von Zidan wurde von Nikolov unterschätzt und im Rücken von Sebastian Jung konnte Barrios einhämmern. Doch wer gedacht hatte die Partie sei gelaufen, der wurde fortan von einer starken Eintracht eines Besseren belehrt. Ochs machte Dampf auf Rechts, Altintop wuselte in der Mitte und Franz trieb die Jungs an, Nikolov rettete gegen Valdez und Chris wurde von jenem Valdez dermaßen rüde gelegt, dass nach Schwegler (Nürnberg) und Korkmaz (Köln) der dritte verletzungsbedingte Ausfall nach einem üblen Foul zu befürchten war. Wieder erhielt der Übeltäter nur Gelb, Chris aber konnte Gott sei Dank weiter machen.

Nach einer Ecke wurde der Ball aus dem Dortmunder Strafraum geköpft - dort hatte Jung viel Platz und dessen strammer Schuss schlug - leicht abgefälscht - zum verdienten Ausgleich ins Netz. Der erste Treffer von Jung in der Bundesliga - wir konnten unser Glück kaum fassen. Doch damit nicht genug: Kurz danach setzte sich Altintop schön mit der Hacke durch, der Ball kam zu Teber, der sofort zu Meier passte. Owomoyela trat über den Ball und im Fallen gefühlvollte Alex Meier die Kugel zur erneuten Eintrachtführung ins Dortmunder Herz. Wahnsinn, wir drehten schier durch, von den Dortmundern war jetzt nichts mehr zu hören, umso mehr von uns. Wo ist denn die gelbe Wand donnerte es durchs Stadion und Eintracht, Eintracht. Und tatsächlich, es galt zwar noch ein paar bange Minuten zu überstehen, die Dortmunder verließen in Scharen das Stadion - aber dann war es vollbracht. Der erste Auswärtssieg beim BVB seit 19 Jahren war Wirklichkeit geworden - und zum ersten Mal musste ich meiner Dortmunder Freundin Susi nach einem Spiel hier nicht gratulieren.
Wie geil.
Franz hüpfte vor Freude wie Rumpelstilzchen auf dem Acker herum und wir skandierten Auswärtssieg - nicht als Wunsch, sondern als Gewissheit.
Wie geil.

Wir blieben noch eine ganze Weile im Stadion, genossen das seltene Gefühl des Triumphes und freuten uns über die Rache der Eintracht an Emma. Kein Maskottchen der Welt haut mir ungestraft auf den Hintern. Danke Eintracht.

Auf dem Rückweg warteten lange Schlangen auf den Einlass zu Rammstein, wir verschenkten ein paar Blättchen an ein paar Dortmunder denen zunächst gar nicht auffiel, dass wir Frankfurter sind und marschierten gut gelaunt Richtung Auto. An der U-Bahnstation enterten die Frankfurter den Eingang, ein paar Dortmunder pöbelten von Oben herunter und einer davon war gerade dabei seinen Schniedel auszupacken, als ihm Pia zurief: Lass mal stecken. Der Rudeboy gehorchte aufs Wort.

Kalt war's nur außen, innen wärmte das Glück über einen unerwarteten Auswärtssieg. Der Golf parkte noch brav dort, wo wir ihn verlassen hatten; wir warfen die Jacken auf den Rücksitz und starteten durch. Kurz vor der Autobahn staute sich der Verkehr, doch schon bald ging es zügig weiter. Dunkel die Nacht, die Lichter der Gemeinden neben der Autobahn funkelten wie Glückssterne in die Finsternis, während wir zufrieden als Sieger durchs Siegerland rauschten. Wir überholten hupend den Bus des EFC Stadtallendorf, drehten einem Dortmunder Fanbus eine lange Nase, überquerten die Grenze zu Hessen und sangen zur Musik von Cock Sparrer It's time to make your move.

Frankfurt hatte uns gegen Elf wieder. Zu allem Überschwang hatte ich im Tippspiel des Blog-G das erste Mal den Tagessieg errungen. Ein geiler Tag. Pia konnte sich gar nicht mehr einkriegen, im DSF lief die Zusammenfassung des Spiels und sie hüpfte durch die Wohnung: Wie geil.

Genau das war es.



Fotos: Pia und Beve

Mittwoch, 27. Januar 2010

24 Stunden


Gestern war es, so gegen 16:00 Uhr. Warm eingepackt verließ ich mein Zuhause und ließ mich mit der Trambahn nach Sachsenhausen rumpeln, ein heißer Apfelwein und nettes Nachmittagsgeplauder wartete auf mich. Wir saßen und schwatzen über dies und jenes und über die Eintracht sowieso, großartig Neues kam nicht auf den Tisch, außer heiße Leberwurst und Sauerkraut. Der Abend brachte einen Film über den Serienmörder John Wayne Gacy sowie Inglorious Basterds mit einem groß aufspielendem Christoph Waltz; der Morgen danach Aufräum- und Sortierarbeiten; da ist es ganz praktisch, dass man derzeit keinen Internetanschluss besitzt und sich nicht groß irritieren lässt; was soll auch an einem eisigen Mittwoch schon groß passieren? Von Zeit zu Zeit liebe ich es ja, abgeschnitten von der Welt in meiner Hinterhauswohnung zu sitzen und mich um meinen Kram zu kümmern; manchmal fällt mir eine ewig ungehörte CD in die Finger, manchmal eine alte Eintrittskarte und die Gedanken lösen sich von der Wirklichkeit - oh heilige eigene kleine Welt.

In der Küche hing mein Handy am Ladegerät, während ich nebenan rumorte - eingehende SMS werden da gerne überhört; doch Pia ließ nicht locker - und rief an:

Altintop kommt.

Nikolov geht.

Preuß verletzt.

?

Einmal nur knapp 24 Stunden nicht online - und schon passiert's. Im Ernst, es passiert natürlich auch sonst jede Menge; alle naslang werden Kinder geboren, sterben Menschen, gehen Landstriche zu Grunde. Dies geschieht aber nur, wenn man davon in Kenntnis gesetzt wird und - ich gebe es zu: Ich will eigentlich gar nicht dauernd und ständig in Kenntnis gesetzt werden. Oder mich gar dazu äußern. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß sagt der Volksmund, der es ja wissen müsste und wer will schon permanent überhitzt durchs Dasein laufen.


Altintop kommt.

Nikolov geht.

Preuß verletzt.

?

Das sind natürlich drei Nachrichten von ungeheurer Qualität. Dass die Eintracht einen neuen Stürmer verpflichtet, ist wenig überraschend; schließlich läuft die Transferphase noch bis zum nächsten Montag - alle Beteiligten wissen ob der Verletztenmisere und kennen die finanziellen Verhältnisse, die es zwar nicht erlauben einen Herrn Kießling oder Gomez zu verpflichten aber durchaus einen unzufriedenen Bankdrücker eines anderen Bundesligisten. Dies dürfte zwar unsere Nachwüchslinge vom Schlage eines Marcos Alvarez nicht entzücken, aber dieser kam ja auch ohne Neuverpflichtung zu keiner einzige Bundesligaspielminute. Und das, obwohl der Trainer ja mit Jungen kann. Sagt er. Jetzt also Halil Altintop.

Dank meines türkischen Freundes Ergin bin ich auch sofort über die wesentlichen Dinge aufgeklärt worden.

Punkt 1: Altin heißt auf deutsch Gold und Top heißt Ball. Oder Kanone. Das muss doch Glück bringen. Halil Goldball. Bei gleicher Gelegenheit erfuhr ich übrigens, dass Korkmaz hat keine Angst bedeutet. Auf geht's ihr Buben.

Und so ganz nebenbei gibt es hier unentgeldliche Spachtipps von Ergin, der es ja wissen muss:

Altintop sprechen ALLE - ausnahmslos ALLE - Deutschen falsch aus. Richtig wird es ausgesprochen wie "Altentop", mit einem stimmlosen "e" wie in "Blume" zum Beispiel. Weil über dem i der Punkt fehlt -> "ı" -> Altıntop.

Jetzt wisst ihr's.

Auf geht's könnte es auch demnächst für Oka Nikolov heißen. Die New York Red Bulls locken ihn über den großen Teich - und wenn ich Oka wäre, ich würde den Abflug machen. Dies dachte sich Oka selbst auch und lehnte ein zweijähriges Angebot der Eintracht ab. Blöd nur, dass die Liga in den Vereinigten Staaten schon am 15. März beginnt, die Eintracht ihn aber bislang nicht ziehen lassen will - was ich auch gut verstehen kann.

Mensch, wenn Oka die Eintracht verlässt , das wär ein Ding. Aber mit 35 noch zwei, drei Jährchen in New York zu kicken und zu leben und dabei noch gutes Geld zu verdienen, nebenbei noch Englisch lernen - das sind doch unschätzbare Erfahrungen, um die - so sie denn eintreffen - ich ihn beneide. Und sollte es wirklich so kommen, dann tritt er bei der Eintracht mit einem Standing ab, das ihn für alle Zeit den ewigen Oka bleiben lässt. Besser, als vielleicht schon in der nächsten Saison nach einigen Patzern in Frankfurt auf der Tribüne zu hocken. Ein Tränchen dürfen wir aber schon verdrücken; vor allem die Jüngeren - viele von ihnen sollen ja tatsächlich glauben, Oka hätte schon bei Gründung der Victoria anno 1899 im Tor gestanden.

Christoph Preuß verletzt; das ist natürlich eine niederschmetternde Neuigkeit; Einriss im Meniskus des rechten Knies lautet eine mögliche Diagnose und wer die Vorgeschichte kennt (und welcher Eintrachtler kennt sie nicht) der ahnt, was es für Christoph bedeutet. Noch weigere ich mich schlimm zu denken und drücke die Daumen, dass alles halb so wild ist. Alles andere sehen wir wenn es an der Zeit ist. Gute Besserung wünsche ich von dieser Stelle von ganzem Herzen. Und grüße an dieser Stelle auch ganz herzlich meinen Freund Kid Klappergass, der keine Worte findet.



Die Zeichnung von Oka zeigt einen Ausriss aus einem Comic von Michael Apitz
Die Autogramkarte von Christoph stammt, wen wunderts, von Franks Archiv