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Donnerstag, 26. August 2010

Adler auf der Brust


Dieser Tage erscheint ein neues Buch auf dem Markt, betitelt Adler auf der Brust. Jörg Heinisch, umtriebiger Autor und Mitherausgeber der Fan geht vor hat sich zusammen mit Doc Othmar Hermann, dem Mann der die wohl größte Sammlung von Eintracht-Material besitzt und gemeinsam mit Frank Gotta das wunderbare Buch Im Herzen von Europa realisiert hat, hingesetzt und sich auf die Suche nach den größten Eintrachtlern der letzten 111 Jahre gemacht. Natürlich sind Grabi und Holz dabei, selbstverständlich auch Alfred Pfaff - aber auch die Jahre, in denen der Fußball scheinbar schwarz-weiß war, werden beleuchtet - so ist Karl Ehmer bis heute der erfolgreichste Torschütze in Pflichtspielen - aktiv war die Erdbeer in den Dreißiger Jahren.

Die Buchvorstellung findet am 01.09.2010 um 19:00 Uhr im Museum der Frankfurter Eintracht statt; zu Gast werden neben den Autoren auch etliche ehemalige Fußballer der Frankfurter Eintracht sein - und auch der derzeitige Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen hat sein Kommen angekündigt. Es wartet also ein bunter Abend auf uns, der für die Autogrammjäger und Leseratten manch Überraschung parat hält, der Eintritt ist frei.


Mittwoch, 25. August 2010

Heimspiel in Aschaffenburg


Manchmal ist der Wille des Herrn seltsam und führt auf verschlungenen Pfaden zu fremden Orten - so auch in diesem Falle: aus einem Anruf des ehemaligen Viktoria-Präsidenten Wolfgang Rath, den ich im Museum entgegennahm, entwickelte sich mirnichtsdirnichts die Situation, dass ich beim Freundschaftsspiel der Eintracht in Aschaffenburg den Stadionsprecher geben durfte - im Stadion am Schönbusch. Interessanterweise begann dort vor Jahren meine Geschichte als Stadionsprecher der U23 der Eintracht; Kurt E. Schmidt hatte 2002 nach 32 Jahren das Mikrofon an den Nagel gehängt, die Eintracht war gerade in die Regionalliga aufgestiegen und suchte händeringend nach einem Vertreter. Und auch damals führte ein Zufall dazu, dass ausgerechnet ich jener Vertreter wurde. Geplant war, dass die Amateure, wie die zweite Mannschaft damals genannt wurde, die Heimspiele in Hanau absolvieren sollte; ob der Umbaumaßnahmen jedoch für die ersten Spiele nach Aschaffenburg ausweichen musste. Dort war der heimische Sprecher am Werk, dem ich sozusagen über die Schulter schaute, um dann bei Rückkehr nach Hanau selbst zum Mikro zu greifen. Lang ist's her.

Und so kehrte ich nun acht Jahre später an die Wurzeln zurück.

Mit dabei waren, wie es sich gehört, Pia und der silberne Golf und wir erreichten nach einer sonnigen Tour das Stadion ohne Zwischenfälle, parkten auf dem Parkplatz vor den Einlasstoren und marschierten vollgepackt mit Notebook, Funkmikro und Kabeltrommel zur Sprecherkabine. Schon am Tag zuvor hatte ich die Gegebenheiten vor Ort besichtigt; skurril war die Bedienung der Anzeigetafel: über einen alten 286er Rechner ohne Windowsoberfläche wird die Tafel angesteuert, ein Job, den dankenswerter Weise ein Kollege übernahm, so dass ich mich vollständig auf die Worte konzentrieren konnte. Ein kurzer Test ergab, dass das Mikro von jeder Position im Stadion zum Empfänger funkte, während das Notebook tadellos mit der vorhandenen Technik kommunizierte - es war also angerichtet.

Ursprünglich war das Spielfeld quer ausgerichtet, vor etlichen Jahren wurde es gedreht und eine neue Haupttribüne gebaut, auf dass die dort Sitzenden einen schönen Blick auf das Schloss werfen können; die ehemalige Haupttribüne, in der noch heute die Sprecherkabine und die Funktionsräume ihre Heimat haben, fungiert nun als Hintertortribüne.

Mächtige Zäune, vor Jahren wohl aus Dortmund importiert, umrahmten das Spielfeld, die gelben Tore zeugen noch heute vom ehemaligen Standort; sie hatten einst wohl eine fragwürdige Berechtigung, als die Viktoria noch ein ambitionierter Verein mit einigen Zweitligajahren auf dem Buckel war, der es 1987/88 sogar bis ins Viertelfinale des DFB-Pokals geschafft hatte - unter Anderem durch ein 1:0 gegen den bis dato ungeschlagenen Ligaspitzenreiter 1. FC Köln. 12.000 Zuschauer waren damals vor Ort und sie sahen den eigentlich letzten Auftritt des legendären blauen Pullovers des Kölner Trainers Udo Lattek, den dieser in der Liga aber doch noch tragen wollte.

Mittlerweile haben Reformen und Misswirtschaft den Aschaffenburger Traditionsverein, immerhin Mitbegründer des Hessischen Fußballverbandes trotz unterfränkischer Heimat, an den Rande des Abgrunds gebracht. Aus diesem Zweck trat heute die Eintracht hier an, um einige Taler in die klammen Kassen des Clubs zu spülen, der derzeit die Tabelle in der Verbandsliga Süd anführt.

Die Sonne zauberte einen freundlichen Wolkenhimmel in den Nachmittag und pünktlich wie die Maurer trafen beide Mannschaften ein, die Eintracht in ihrem großen Bus, die Aschaffenburger naturgemäß etwas bescheidener in PKWs. Eingetroffen waren nunmehr auch die Mitglieder der Blaskapellen Obernau und Gailbach in voller Montur, die nur wenig später angeführt von Horst Grimm aufs Spielfeld marschierten und kräftig musizierten. In den VIP-Räumen ließen es sich derweil ehemalige Spieler der Viktoria im Verbund mit unseren Frankfurter Helden von 59/60 gut gehen. Billy Ott, Museumsmitarbeiter und guter Geist der Meistermannschaft betreute die angereiste Frankfurter Delegation, die aus den Aktiven Bechtold, Lindner, Lutz und Rothuber sowie den Spielerfrauen Bäumler, Höfer, Lutz, Kress und Rothuber bestand. Letzmals kam es hier zu einem höherklassigen Duell im April 1960. Die Eintracht ließ damals am Schönbusch zwischen den Europapokalduellen gegen Glasgow beim 4:4 zwei wichtige Punkte liegen - genutzt hats aber auch der Viktoria nicht viel - es sollte die letzte Saison in Deutschlands höchster Spielklasse werden.


Mittlerweile hatte die Blasmusik das Spielfeld verlassen, aus den Boxen erklang die Aschaffenburger Hymne Blue and White, die noch aus Zeiten stammt, als Horst Heese gemeinsam mit Bernd Hölzenbein die Aschaffenburger trainierte, während ich zu Ehren der 59er auf das Herzen von Europa verzichtete; statt dessen erklang: Der Meister heißt Eintracht - und ein Meister sollte später tatsächlich auf dem Platz stehen: Sonny Kittel, der Junge, der mit der U17 im Sommer den Titel für die Eintracht gewonnen hatte.

Um die 1000 Zuschauer hatten sich mittlerweile eingefunden und für einen war der Tag ein ganz großes Erlebnis: Mein Neffe Timm, noch ein paar Tage fünf Jahre alt, sollte heute sein allererstes Eintracht-Spiel sehen; meine Schwester hatte nichts verraten und ließ den Bub, der seit ein paar Monaten für die Spvgg Seligenstadt aktiv ist, im Glauben, es ginge zu einer Leichtathletik-Veranstaltung. Um so größer die Augen, als er auf dem Sportplatz stand und mich und Pia entdeckte. Über uns saßen die Vertreter der Presse, Michi Feick für die Eintracht und Roland Palmert für die Bild - und ich selbst wurde zum begehrten Mann: Immerhin hatte ich eine von zwei vorhandenen Mannschaftsaufstellungen in der Hand, die eifrig abfotografiert wurde. Und dann gings los, die Mannschaften liefen ein, begleitet vom Nachwuchs der Viktoria. Bei der Eintracht stand Fährmann im Tor und der junge Alvarez im Sturm und auch bei der Viktoria waren einige ehemalige Frankfurter dabei: Neben Trainer Marco Roth waren dies Markus Horr sowie Nicola Jovanovic, die beide für die Amateure die Stiefel geschnürt hatten, Jovanovic sogar in meiner allerersten Saison.

Natürlich gabe es quasi Einbahnstraßenfußball zu sehen; nach elf Minuten klingelte es zum ersten mal im Kasten von Jochen Seifert; Alvarez war zur Stelle. Caio traf ein paar Minuten später zum 2:0 und beinahe hätte Fährmann nach einem Abschlag noch einen weiteren Treffer erzielt. Nach 25 Minuten musste der Aschaffenburger Keeper angeschlagen vom Platz - behandelt wurde er von Christel Arbini, die sonst für die Deutsche Frauen-Nationalmmanschaft zuständig ist und sich für dieses Spiel der Pflege der Aschaffenburger widmete. Doch auch der neue Torhüter konnte das 0:3 durch Altintop, der mehrere Pfosten- und Lattentreffer zu verzeichnen hatte, nicht verhindern. Zur Halbzeit stand es trotz aufopferungsvollem Kampf seitens der Gastgeber 0:6, erneut Caio und zwei Mal Alvarez hatten die weiteren Tore erzielt.

Mit dem Halbzeitpfiff marschierte die Blaskapelle erneut aufs Feld, und sie ließen sich auch nicht großartig stören, als die Mannschaften zurück kamen. Auch das Eintreffen der Schiris wurde allenfalls nebenbei zur Kenntnis genommen - ebenso wie den Anpfiff. Und so kam es zu der skurrilen Situation, das die Musik erst während des laufenden Spieles vom Spielfeld spazierte. Das würde ich mir mal in der Liga wünschen. Großartig.

Bis auf Fährmann und Alvarez hatte die Eintracht komplett durchgewechselt; auch die Aschaffenburger begannen Halbzeit zwei mit etlichen neuen Akteuren - dies bedeutet Schwerstarbeit für mich - zumal die Nummern auf dem Trikot nicht zwingend mit denen auf dem Spielberichtsbogen überein stimmten, ich hoffe, ich hab's dennoch hinbekommen.

Bei der Eintracht, die neben den schon länger Verletzten auch ohne Franz, Gekas und Nikolov angereist war, erhöhte durch Amanatidis auf 7:0 - und dies sollte auch bis kurz vor Schluss der letzte Treffer bleiben. Auf der Gegengrade supporteten die Treuesten der Treuen ihre Viktoria, auch ein Eintracht wir danken dir war zu hören und Torhüter Patsiouras verhinderte mehrfach einen höheren Rückstand. Erst in der 83. Minute fiel der letzte Treffer für die Eintracht, Amanatidis war zum zweiten Mal erfolgreich gewesen.

Auf der kleinen Anzeigetafel leuchtete der Endstand Vikoria 0 - Eintracht 8, die Kids bestürmten die Eintrachtler mit Autogramm- und Fotowünschen, welche die meisten auch freundlich erfüllten - und mittendrin stand Timm. Stolz kam er mit den Unterschriften von Bellaid, Jung, Schwegler und Titsch-Rivero zurück. Und als wir in den Katakomben noch ein Abschlussgetränk zu uns nahmen, durfte er sogar den Becher als Erinnerung behalten - ein großer Tag für den kleinen Fußballer.

Der Eintrachtbus machte sich unter Gewinke vom Acker, das Stadion leerte sich zusehends und ganz zum Schluss konnte man einen Mann suchenden Blickes auf dem Gelände entdecken. Das war ich, der seinen Autoschlüssel kurzzeitig verlegt hatte - aber auch dieser tauchte wieder auf - und so verabschiedeten wir uns von Timm und seiner Mama und rollten über Stockstadt zurück auf die A3. Schön war's, ich denke auch den Helden der Fünfziger Jahre dürfte es gefallen haben - die stets zufrieden sind, solange die Worscht und der Schoppen schmeckt.

Einen kleinen Bericht findet ihr hier, ebenso mehrere Fotostrecken aus dem Spiel. Und denkt dran, die Eintrittskarten für das Spiel behalten auch für die nächsten beiden Heimspiele der Viktoria ihre Gültigkeit. Dann treffen die Aschaffenburger auch wieder den Kasten.



Fotos: Pia Geiger
Video: Youtube

Sonntag, 22. August 2010

Heimspiel in Hannover

Rückblende: Während die Eintracht letzte Woche durch ein relativ ungefährdetes 4:0 in Wilhemshaven die zweite Pokalrunde erreicht, muss Hannover 96 in Elversberg nach verlorenem Elfmeterschießen die Segel streichen. Noch während der Woche wird der Spieler Jan Schlaudraff wegen mangelndem Trainingseinsatz von Trainer Slomka aus dem Kader gestrichen, allenthalben rauschen die Roten bei Tippspielen auf einen Abstiegsplatz. Slomka selbst scheint mit Sportdirektor Schmadtke nicht auf der selben Wellenlänge zu funken - kurz: Hannover 96 beginnt die Saison wie ein taumelnder Boxer, der auf sein finales KO wartet. Da trifft es sich gut, dass zum Auftakt der Saison unsere Eintracht zu Gast im Niedersachsenstadion sein wird - immerhin besagt die Tradition, dass es kaum bessere Aufbaugegener für solch einen Fall gibt. Während ich also noch am Donnerstag in kleiner Runde im Backstage etwas von einem 1:0 Hanke in der 90. gemurmelt habe und mir dabei böse Blicke einfing, träumten andere von einer optionalen Tabellenführung - der Eintracht.

Pia hingegen träumte vom Baggersee und plante für Samstag einen Ausflug mit den Kids, während ich die Gelegenheit hatte, einen Platz bei Suse und Muelli im Auto zu ergattern. Da Uli noch ein Kärtchen für mich übrig hatte, marschierte ich früh am Spieltag brav zur Rothschildallee, während der silberne Golf darauf wartete, nachmittags nach Groß Krotzenburg zum See zu rauschen. Es sollte die weisere Entscheidung gewesen sein - so stand es zumindest Stunden später um 17:15 fest.

Es sollte ein heißer Tag werden; zur verabredeten Zeit rollte ein schwarz-roter Audi vor, sammelte mich ein und schon rollten wir über den Alleenring auf die Autobahn. Aus der feinen Anlage rockten wahlweise die Kings of Leon, die Beastie Boys oder Volbeat, immer wieder überholten wir PKWs mit Eintracht-Aufkleber und spulten Kilometer um Kilometer ab. Bei einer Zigarettenpause entdeckten wir riesige plattgewalzte Scheißhaufen auf dem Parkplatz - doch noch vermochten wir die Zeichen der Zeit nicht adäquat zu deuten. Ein Stau wenige Kilometer vor Hannover gab uns Gelegenheit, das Verdeck zu öffnen - die Sonne, der Highway, die Eintracht, die Musik - es hätte so schön sein können.

Wir gondelten durch Hannover, stellten fest, dass es hier einen Stadtteil namens Mittelfeld gibt und parkten auf dem Festplatz vor den Toren des Stadions, nachdem wir einen Hinweis der Ordner, die uns um das Gelände herum schicken wollten, dezent ignorierten - nicht als einzige übrigens: Weshalb sollen wir fürs Parken Geld bezahlen, wenn es auch günstiger geht? Genau.

Alsbald marschierten wir ums Stadion, landeten vor dem Gästebereich und begrüßten die ankommenden Eintrachtler. Die UF schleppte Choreobestandteile ins Stadion, die Fanbetreuung beobachtete das muntere Treiben und alle naslang ein großes Hallo und ein herzhaftes Guude. Christian und Uwe waren mittlerweile auch eingetroffen, und während Suse und Muelli sich in Richtung Sitzplatz aufmachten, organisierte ich ein Stadionmagazin und spazierte zum Eingang für Stehplätze. Der Ordner tastete mich penibel ab, sogar meinen Geldbeutel musste ich öffnen (Münz- und Scheinfach) und auf meine Frage hin, ob er das Einkommen der Eintrachtler überprüfen wolle, klärte er mich auf, dass er Aufkleber suche. Hätte er was gesagt, ich hätte ihm welche besorgen können. So stand ich da (streng auf die fünfzig zugehend) und musste mit ansehen, wie mein Portemonnaie befingert wurde. Es wird Zeit, dass man Sie zu mir sagt.

Angekommen in den Stehrängen suchte ich Christian und Uwe, gesellte mich zu ihnen, traf auf Lars und entdeckte jede Menge Papptafeln, ausgelegt für die erste Choreo der Saison 2010/11, es war angerichtet.

Die Eintracht begann erstaunlicher Weise exakt mit der Aufstellung, die ich vor wenigen Wochen vorher gesagt hatte - für den verletzten Chris stand Russ in der Innenverteidigung und im Gegensatz zum Pokalspiel durfte Gekas an Stelle von Altintop neben Amanatidis stürmen. Ein paar Fahnenschwenker wedelten auf dem Platz damit herum, an den verstorbenen Torhüter Enke erinnerte weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick etwas und dann begann sie, die sechste Bundesligasaison der Eintracht in Folge. Mit Einlaufen der Mannschaften hielten wir die Papptafeln in die Höhe und schon nach wenigen Sekunden blieb ein Hannoveraner verletzt liegen, Neuzugang Carlitos musste ausgewechselt werden - die Diagnose lautete später: Kreuzbandriss.

Die Eintracht übernahm das Kommando, vor allem Köhler hatte einige gute Szenen und Amanatidis verzog nur knapp, raufte sich in altbekannter Manier die Haare, was ich kurz darauf gleichfalls machen sollte. Quasi aus dem Nichts hatte 96 in weinroten Trikots den Führungstreffer erzielt. Sieben Minuten später war alles wieder im Lot, Köhler hatte zum Ausgleich getroffen und das Spiel auf eine vernünftige Basis gestellt. Noch vor der Halbzeit konnte Nikolov spektakulär den Rückstand verhindern; Schulz stand frei vor ihm und brachte die Kugel nicht im Netz unter.

Nach dem Seitenwechsel kombinierte die Eintracht phasenweise recht gefällig, doch Torchancen blieben Mangelware - die größte Aufregung gab's, als ein Handelfmeter für die Eintracht nicht gepfiffen wurde - und so musste Gekas nach einer Stunde vom Platz, für ihn kam Altintop. Tzavellas auffälligste Tat folgte auf dem Fuß, er konnte seinem Gegenspieler nicht folgen und riss ihn einfach um, dafür gab's zu Recht gelb und kurz darauf die Quittung - Auswechslung gegen Korkmaz. Skibbe wird ihm sicherlich erklären, was es heißt, linker Verteidiger zu spielen. Links ist links und Verteidiger bedeutet: Hinten.
Hannover merkte plötzlich, dass sie ja eigentlich mitspielen können und so düpierte Ya Konan die gesamte Frankfurter Hintermannschaft und zog im Strafraum ab; glücklicherweise knallte der Ball an die Latte. Unterdessen hatte Lars den Spielstand unserer zweiten Mannschaft aus Ulm erfahren: 5:3 in Ulm gewonnen, na also; es geht doch - obgleich in den letzten fünf Minuten vier Tore gefallen sind.

Die Eintracht larifarite sich durchs Spiel und so konnte 96 zwei weitere Warnschüsse abgeben; die Einschläge kamen näher und es kam, wie es kommen musste: Korkmaz hampelte irgendwo an der eigenen Auslinie herum, irgendwie flog der Ball in den Strafraum, Nikolov machte irgendwas und Ya Konan das Tor. 2:1 für Hannover.

SMS an Pia: 2:1 Hannover.
Antwort: Fuck!

Und wer gedacht hatte, die Eintracht würde wild entschlossen das Heft wieder in die Hand nehmen, der wurde aufs Gröbste enttäuscht, daran änderte auch die Einwechslung von Caio für Schwegler nichts - wobei Attribute wie wild entschlossen mit Caio nicht das Geringste zu schaffen haben. Wenn irgendjemand fürderhin auf die Idee kommen sollte, in den leiernden Singsang Caio, Caio einzufallen, muss er acht geben, dass ich ihm nicht kommentarlos eine schaller. Sei's drum: Weder Ochs noch Amanatidis vermochten das Ruder herum zu reißen; erst in den letzten Sekunden bäumte sich die Eintracht auf; Russ köpfte ans Gestänge und Amanatidis konnte den Ball gleichfalls nicht im Tor von Fromlowitz unterbringen.

SMS an Pia: Aus!
Antwort: Shit.

Es war wie gehabt, die Eintracht war nicht in der Lage, gegen eine schwächelnde Mannschaft zu punkten und ziert fürs Erste die hinteren Regionen der Tabelle. Russ wirkte in der Innenverteidigung überfordert und dürfte nach Chris Genesung auf der Bank landen; Gekas spielt nicht wirklich mit, Schwegler hatte einen gebrauchten Tag erwischt und die Einwechselspieler bestätigten auf eindrucksvolle Weise, weshalb sie nicht von Beginn an auf dem Platz standen. Spielerisch gefällig, fehlte der Eintracht Druck und Wille, solch ein Spiel zu gewinnen. Positiv vielleicht noch Jung und Köhler, während Meier für meinen Geschmack zu weit hinten agierte. Und Nikolov - Weltklasse gegen Schulz und Kreisklasse gegen Ya Konan - so kennen wir ihn. Das macht es nicht besser.

Völlig überflüssig die erste Niederlage eingefangen - in Hannover. In HANNOVER.

Enttäuscht und verärgert marschierten wir zum Parkplatz, verabschiedeten uns von Christian und Uwe und rollten Richtung Autobahn. Einem kurzen Stopp bei einer Burgerbraterei, der sich zu einem längeren entwickeln sollte, weil die Burgerbrater nicht mit dem Burgerbraten nachkamen, folgte ein unspektakulärer Ritt über die A5. Die Sonne versank und zauberte mit den Himmelswölkchen ein freundliches Bild eines Sommerabends, der in mir gar nicht so freundlich arbeitete. Die Musik übernahm die Hauptrolle, ich betrachtete den vorbeiziehenden Abendhimmel bis Muelli irgendwann unvermittelt von sich gab: Ich ärger mich immer noch. Das ging mir genauso.

Wir überholten den Eintracht-Bus, keine Hupe, kein Winken dafür aber die Info von Pia, dass die Auslosung im DFB-Pokal den HSV als Gegner brachte, während der FSV gegen Schalke und der OFC gegen Dortmund ran dürfen; ein entspanntes Fußball Wochenende wartet auf uns und so rollten wir gegen halb zehn, zwölf Stunden nach dem morgigen Aufbruch in Frankfurt ein. Ich bedankte mich für die freundliche Fahrt; der schwarz-rote Audi verschwand in der Nacht und ich im Dunkel des Nordends.

Später lief im HR noch ein Frankfurter Tatort von 1985; der Ehemann der Toten kam - es wurde mehrfach betont - aus Hannover. Ach leck mich.

Freitag, 20. August 2010

Viktoria Aschaffenburg - Eintracht Frankfurt


Am Samstag kickt die Eintracht in Hannover - und am folgenden Dienstag, den 24.08, geht es um 18:00 Uhr gleich freundschaftlich weiter; die Eintracht tritt bei der finanziell arg gebeutelten Viktoria aus Aschaffenburg an. In der Historie gab es sogar schon Punktspiele auf höchster Ebene - in der damaligen Oberliga Süd. Das letzte Aufeinandertreffen im April 1960 brachte acht Tore, jeweils vier für jedes Team. Für die Eintracht trafen damals Kreß, Meier und Erwin Stein (2). In jener Saison musste die Viktoria absteigen und bis auf die ein oder andere Spielzeit in der Zweiten Liga kickten die Unterfranken meist in der hessischen Oberliga; mittlerweile sogar nur noch in der Verbandsliga Süd - und belegt derzeit hinter Oberrad den zweiten Platz.

Begonnen hat die Geschichte zwischen beiden Vereinen schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts - und da wird der aufmerksame Beobachter stutzig. Viktoria - war da nicht etwas? Genau, einer der Vorgängerclubs der Eintracht hieß bekanntermaßen Victoria - und dort spielte in den frühen Tagen der gebürtige Aschaffenburger Karl Sand. Auf dessen Betreiben hin absolvierte die Frankfurter Victoria 1901 ein Propagandaspiel in Aschaffenburg und gewann gegen den Offenbacher FC 1899 mit 7:0. In Aschaffenburg war man begeistert, Karl Sand gründete dort im gleichen Jahr einen Fußballverein - und verpasste ihm den Namen Viktoria.

Jetzt wisst ihr, was die Eintracht und die Aschaffenburger Viktoria seit den Anfangstagen verbindet. Dass am Dienstag auch der ein oder andere Spieler dabei sein wird, der schon vor 50 Jahren beim legendären 4:4 auf dem Platz gestanden hat, sei nur ganz nebenbei verraten - und wer der Stadionsprecher sein wird auch; ihr könnt's euch denken.

Also, kommt vorbei und erlebt einen historischen Abend am Schönbusch - und wer keine Tickets mehr für Eintracht-Spiele bekommt, der kann mit der Karte vom Spiel die nächsten beiden Heimspiele von Aschaffenburg in der Verbandsliga besuchen.

Donnerstag, 19. August 2010

Kommentare - in eigener Sache


Schon häufiger wurde mir von Schwierigekeiten berichtet, hier zu kommentieren. Das Problem hatte ich jetzt tatsächlich auch. Die Lösung, zumindest bei Firefox war recht simpel und doch versteckt: Nicht nur, dass ihr Cookies zulassen müsst; ihr solltet im Browser bei Extras - Einstellungen auch Cookies von Drittanbietern zulassen. Keine Ahnung, ob ihr euch dadurch gläserner macht - da reicht ja ein einfacher Facebook-Account schon aus - aber das Kommentieren klappt; zumindest bei mir. Könnt ja mal Bescheid geben, ob's was genutzt hat.

Eine schöne Saison wünsche ich; bleibt leidenschaftlich gelassen und winkt uns auf der Autobahn, wir grüßen zurück.

Mittwoch, 18. August 2010

Diva vom Main


Die zweite Ausgabe der neuen Zeitung der Fan und Förder- bzw Fußballabteilung des Eintracht Frankfurt e.V. ist dieser Tage erschienen; es ist ein Magazin, das nicht im Handel erhältlich ist, sondern den Abteilungsmitgliedern quasi exclusiv zugeschickt wird; ein Bonbon sozusagen.

Nachdem lange Jahre den Vereinsmitgliedern das Stadionmagazin zugesandt wurde - und in den letzten Jahren Verein und AG sich nicht auf eine gemeinsame Finanzierung einigen konnten, enstand unter der Leitung von Roland Stipp ein neues Magazin, das sich wahrlich sehen lassen kann. Während das Stadionmagazin den Spagat zwischen Hardcorefans, Kids und Businesskunden bewältigen muss, wendet sich die Diva vom Main ausschießlich an Mitglieder der Eintracht und wird über deren Beiträge finanziert. Von daher hält sich der Anteil an von außen kommender Werbung erfreulicher Weise in Grenzen, von 52 Seiten beinhalten gerade Mal vier keine redaktionellen Beiträge, eine davon wirbt für unser Museum und eine Drittel für die beteiligte Grafikagentur, damit können wir prima leben.

Im Mittelpunkt des Heftes steht der Triumph unserer U17, die im Sommer bekanntermaßen Deutscher Meister wurde; neben dem Spielbericht liefern ein Interview mit Meistertrainer Alex Schur sowie ein kleiner Beitrag des Stadionsprechers aus dessen Sicht einen guten Überblick über den Titelgewinn der B-Jugend, den ersten seit 1991.

Ins Herz der Eintracht blickt Matze Thoma, der mit einem Bericht über die Riederwaldrentner, die sich seit Jahr und Tag täglich am Riederwald treffen, um über die Eintracht zu klönen, die schon lange nicht mehr dort trainiert; es ist ein Beitrag aus dem Innenleben eines Vereins, wie ihn das Vorbild vieler Fußballkultureller Magazine, die 11Freunde, nicht schöner präsentieren könnte.

Auch die Historie kommt nicht zu kurz; Eintracht-Online-Archiv-Meister Frank Gotta präsentiert eine Geschichte voller Leidenschaft; eine Geschichte über die Derbies zwischen der Eintracht und dem FSV, der bis 1962 eine ganz große Nummer war. Die Duelle gingen nicht immer geräuschlos über die Bühne - schon gar nicht in den Kindertagen des Fußballs. Auch beleuchtet Frank die Zeit, in der der Bundesjogi noch für die Eintracht die Stiefel schnürte - er trug die gleiche Frisur wie heute, jedoch zierte ein Schnäuzer das Konterfei. Ich selbst hatte mich mit Charly Körbel zusammen gesetzt und mich mit ihm über sein erstes Bundesligaspiel unterhalten - mit 17 Jahren durfte er gegen den Welttorjäger Gerd Müller ran; es war der Beginn einer großartigen Karriere.

Stefan Minden, Abteilungsleiter der FuFa und ebenso leidenschaftlicher Fan der Eintracht wie aktiver Gegner rechtlicher Willkür berichtet aus der mitunter seltsamen Welt der Stadionverbote und hat sich zudem mit Präsident Fischer über den Verkauf von 3,5% der Aktien des e.V.s an der AG an den Frankfurter Wertpapierhändler Wolfgang Steubing unterhalten.

Für die kleinen Eintrachtler stellen sich die Junior-Adler vor; auch die Frauenfußballabteilung der Eintracht, die seit 2004 äußerst erfolgreich die Ligen aufmischt wird beleuchtet. Natürlich kommt auch die Diva nicht an der Profiabteilung vorbei, Neuzugang Sebastian Rode stand Rede und Antwort. Zudem gibt es einen kleinen Ausblick auf die kommende Saison.

Toll ist die Erinnerung an den jüngst verstorbenen Ex-Trainer Jörg Berger, einen würdevolleren Abschluss hätte man nicht finden können.

Insgesamt kommt die Diva graphisch und inhaltlich äußerst gelungen daher; die Beiträge treffen die Seele der Eintracht und verweben gleichermaßen Historie, Gegenwart und Zukunft. Natürlich kann da ein anderes Heft nicht ganz mithalten; die seit Jahren von Fans in Hingabe produzierte Fan geht vor - schon vor dem Hintergrund der finanziellen Ausstattung. Dennoch ist ein Fanzine aus Reihen der Eintrachtfans notwendig, schließlich müssen die Fans keinerlei Rücksicht auf Befindlichkeiten jeglicher Couleur nehmen - sie können alle Dinge beim Namen nennen. Und von daher lege ich euch auch ein Abonnement der Fan geht vor eindringlich ans Herz, so bleibt ihr stets auf dem Laufenden, zumal das Heft monatlich erscheint. Mitglied der Eintracht seid ihr ja sowieso. Oder?

Montag, 16. August 2010

Heimspiel in Wilhelmshaven


Moin. Unter der Woche kam ich in den Genuss, dem Auftritt von U2 in der Arena beizuwohnen, deren Bühne über eine Woche lang auf dem heiligen Rasen aufgebaut wurde. Tag für Tag wuchs ein riesiges Etwas in die Höhe - die Space Station, die nun bunt beleuchtet ein imposantes Bild abgab. Sogar der überdimensionale Videowürfel wirkte wie ein kleiner Fernseher neben dem gigantischen Bau. Musikalisch war U2 zwar seit 1987 nicht mehr so mein Ding - mal abgesehen von dem wunderbaren One, das in der Version von Johnny Cash noch intensiver klingt. Die alten Songs aber sind immer noch hörenswert und so rauschten wir (Pia, der silberne Golf und ich) am Freitag in rechter Frühe über die Autobahn, während Bono wohl über Offenbach sang: Where the streets have no name.

Unser Ziel war erstmalig in der Geschichte Wilhelmshaven, wir folgten sozusagen den Spuren der Herren Cengiz, Famewo und Kryszalowicz, die allesamt sowohl für die Eintracht als auch für den SV Wilhelmshaven die Fußballstiefel geschnürt hatten - heute jedoch nicht mehr in WHV aktiv sind.

Während mein altes Notebook noch am Morgen schwächelte und somit den düsteren Anforderungen eines Freitag den 13. genüge getan wurde, brach auf dem Highway die Sonne durch und leitete uns wohlwollend Richtung Norden. Wir zogen an den Kumpanen vorbei, die auf einem Hügel stehend die Autobahn beobachteten, stotterten uns über etliche Baustellen und stellten fest, dass auf der A45 nahezu alle kleinen Parkplätze als Baustelle ausgewiesen und zum Rasten denkbar ungeeignet waren.

Die Talbrücke Brunsbecke trägt einen eher ungewöhnlichen Namen während wir auf dem Rastplatz Im Mersch auf die munteren Gesellen John, Marc, Niko und Olli trafen, die gut gelaunt der Espresso-Verkäuferin nachschauten. Bei Cloppenburg gedachten wir Ansgar Brinkmann, der vor seinem Wechsel zur Eintracht hier unterklassig kickte, und sausten später an Großenkneten vorbei - ein Ort, welcher untrennbar mit der Kapelle Trio in Verbindung steht - und ansonsten ähnlich unbekannt geblieben wäre wie bspw. Colnrade ein paar Meter daneben.

Auf den Feldern am Rande der Autobahn kackte eine Kuh, die obligatorischen Windräder drehten sich majestätisch und nach knapp fünf Stunden Fahrzeit verließen wir die A29 bei Sande und rollten durch Friesland gen Wilhelmshaven zum Pumpwerk.

Die Jungs von der Bembelbar hatten diese fantastische Location nicht nur als Veranstaltungsort der abendlichen Sause ausgewählt sondern gleichfalls dafür gesorgt, dass auf einem ehemaligen Militärgelände, auf dem nun die Interessensgemeinschaft zur Erhaltung historischer Fahrzeuge ihr Domizil hat, gezeltet werden durfte. Und wir waren beileibe nicht die ersten; zig kleine Zelte säumten das Gelände, linker Hand der Ems-Jade-Kanal, in dem einige Schiffe allem Anschein nach schon länger vor sich hin dümpelten; weiter vorne wuchs das schicke Hotel Columbia in die Höhe.

Erste Runde im DFB-Pokal; es ist eines dieser Spiele, die den ganzen Wahnsinn der Eintracht Fans zeigen: Tausende hatten sich auf den den knapp 500 km langen Weg gemacht um fernab der Heimat zu zelten, zu feiern und die Eintracht zu sehen: Hier winkte Busi, dort hockten Presi und Holger, überall gab's ein großes Hallo, während wir geübt das kleine Zelt direkt unter einem Apfelbäumchen aufbauten und Schlafsack nebst Decken darin verstauten. Mittlerweile waren auch die Jungs vom Rastplatz Im Mersch eingetroffen, Apfelwein wurde getrunken, Scherze und Gelächter allenthalben zeichneten ein freundliches Bild.

Nach einem kleinen Spaziergang brachen wir auf Richtung Jadestadion - schon vor der Abfahrt hatte ich mir ausgemalt, wie ich Krabben pulend bei strahlender Sonne durch Wilhelmshaven schlendere - nun fehlten nur noch die Krabben. Wir überquerten eine kleine Brücke, trafen auf Filzi der es sich neben vielen anderen an einer Wirtschaft, der Deichbrücke, bequem gemacht hatte und wanderten in die Fußgängerzone. Dort erwartete uns ein gigantisches Einkaufszentrum, die Nordsee-Passage und dort trafen wir zunächst noch nicht auf Krabben, dafür aber auf Gerold und Käthe; zwei Eintracht-Urgesteine die wahrscheinlich mehr Geschichten erzählen können, als wir alle zusammen - und so war es dann auch; Gerold ist in Wilhelmshaven aufgewachsen; kannte die Straßen und Sehenswürdigkeiten und saß neben einer Schulfreundin, die uns natürlich genau sagen konnte, wo wir denn hier Krabben bekommen - die in dort der Gegend übrigens Granat genannt werden.

Nur wenig später hielt ich einen großen Beutel in meinen Fingern und stopfte die kleinen Kerlchen pulend ich mich hinein. Pia hingegen hielt dezent Abstand - von dem Meeresgetier, aber auch von mir.

An allen Ecken und Enden trafen wir auf Frankfurter, die sich auf den Weg ins Jadestadion gemacht hatten. Wir legten am Börsenplatz eine kleine Pause ein und während Pia mit den Jungs ein Bierchen trank, hockte ich einige Meter abseits und pulte Krabbe um Krabbe. Später warf ich meine gesammelten Abfälle in einen Mülleimer am Platz und fing mir das erste Mal in meinem Leben einen Anpfiff dafür ein, ein penibler Einheimischer sah Fischabfälle im Mülleimer gar nicht gerne - doch wohin sonst damit?

Pia und ich marschierten am Rathaus vorbei, einem eigenwilligen Klinkerbau und wunderten uns über die Leere der Straßen; kaum einer Menschenseele begegneten wir, viele Geschäfte standen leer - der Niedergang der Schifffahrt hatte gerade hier in dieser Stadt, die erst Mitte des 19. Jahrhunderts als vorgelagerter Hafen Oldenburgs gegründet wurde, tiefe Spuren hinterlassen. Wir wanderten durch Wohnsiedlungen, fragten hier und da nach dem Weg und noch immer zerknackte ich die Panzer der Tierchen und schob eines nach dem anderen in den Mund bis wir nach einer ganzen Weile am Stadion ankamen.

Schon aus der Ferne erkannten wir die skurrilen Flutlichtmasten, die auf die Dächer der Tribünen montiert auf den Rasen ragten. Nun begann ein großes Hallo, die Eintrachtler trudelten peu a a peu ein; Shakehands und high five; hier winkte Yves aus Berlin, dort kämpfte sich Adi seines Wegs und alsbald standen wir in einer dichten Menschenmenge, um den arg engen Einlass zu passieren. Dies dauerte ein Weilchen, alle naslang fiel das Stichwort Duisburg und nichts gelernt aber im End wurden wir durch gewunken, bekamen ein kleines Stadionmagazin geschenkt und liefen noch ein paar Meter zur Gästetribüne. In der Containerdamentoilette nutzte ich die Gelegenheit, meine Hände mit Seife von den letzten Granatresten zu befreien, und riechend wie ein Mensch enterten wir die Metallkonstruktion und suchten ein brauchbares Plätzlein. Werner von Stadtallendorf war ebenso in unserer Nähe wie Thor und Siggi und nur wenige Meter vom Spielfeldrand blickten wir uns um. Die Sonne tauchte das Stadion in ein sommerliches Licht, die teuren Plätze der Haupttribüne befanden sich hinter einer Glaswand, die Reklame war durch grüne DFB-Banner überklebt und der Spielball von einem örtlichen Sponsor gestiftet.

Die Ersatzspieler der Eintracht platzierten sich auf einer Art Bierbank vor der Gegentribüne und schon ging's los. Die Eintrachtfans präsentierten eine feine Choreo doch erstaunlicherweise übernahm der SV Wilhelmshaven das Kommando, zwei rasante Flankenläufe des wieselflinken 14ers brachte höchste Gefahr - doch mit Glück und Geschick überstand die Eintracht die ersten Minuten, um anschließend das Heft selbst in die Hand zu nehmen.

Scheiterte Altintop noch an einer tollen Reaktion des Wilhelmshavener Schlussmanns Meyer, so machte es Amanatidis wenig später besser - und schob eine Vorlage Altintops überlegt zur verdienten Führung ins Netz. Meyer entwickelte sich fortan zum besten Friesen- doch das 2:0 durch einen Freistoß von Tzavellas konnte auch er nicht verhindern. Weitere Höhepunkte des Spiels waren eine Möwe, die verschreckt einem hohen Ball ausweichen musste; ein Gleitflieger, der über dem Stadion seine Runde drehte, sowie die sitzenden Eintrachtfans, die urplötzlich zum Erstaunen von Dino und Martin das Supportkommando übernahmen.

Während die Sonne langsam versank, trafen Ochs und Altintop zum 4:0 Endstand, die Eintracht überstand auch die Schlussoffensive des SVW schadlos und schaffte somit den Einzug in die zweite Runde problemlos. Wir sahen eine tolle Partie von Sebastian Jung, der immer stärker wird sowie Caio, auf den dies im Moment leider nicht zutrifft und zudem einen Auswärtsblock, der die schöne Stimmung wahrlich genoss. Einzig die Auswechslung Köhlers, die von einem Eintracht-Vogel mit schwuler Köhler Pfui kommentiert wurde trübte das sonnige Ereignis ein wenig. Traurig - aber versöhnlich stimmten die freundlichen Worte des Stadionsprechers, der auf die Shuttle-Busse hinwies, die die Eintrachtler zum Pumpwerk bringen sollten.

Mit dem Schlusspfiff enterten etliche Fans den Rasen während wir uns zum Kassenhäuschen aufmachten und die zwei letzten Pins sowie einen Schal des heutigen Spiels erwarben. Derart ausgerüstet spazierten wir gut gelaunt durch die City, futterten Sandwiches und machten einen kurzen Abstecher an den Jadebusen, nur wenige Meter vom Camping-Areal entfernt. Das Wasser hatte sich kurzfristig zurückgezogen; wir überließen einige Eintrachtluftballons sich selbst und machten uns auf in die Bembelbar im Pumpwerk um zu feiern und zu quatschen. Bis in die frühen Morgenstunden rockten die Eintrachtler das Gelände, tanzten, sangen die Frankfurter, auch etliche Wilhelmshavener schauten vorbei und wunderten sich über das muntere Völkchen und dessen seltsam Getränk.

Spät in der Nacht plumpsten wir ins Zelt und nach einigen wenigen Stunden traumlosen Schlaf weckte uns das Treiben der Camper. Die ersten hatten den Platz schon verlassen, andere schnorchelten noch vor sich hin, während wir den Rest Schlaf aus den Augen wischten und Pia erstmal im nahe gelegenen Café einen Kaffee besorgte. Die vergangene Nacht stand etlichen ins Gesicht geschrieben doch schon kreiste der erste Apfelwein, während ich brav unser Zelt abbaute und das Gelersch im Golf verstaute. Und da dämmerte es mir: Es ist ja gar nicht Sonntag, es ist Samstag. Und das bedeutet, ich kann mir eine weitere Tüte Granat kaufen. Das Leben ist schön, zumindest manchmal und alsbald wanderten wir mit einer Tüte in der Hand Richtung Jadebusen. Vielmehr ich, Pia war für das Meeresgetier noch immer nicht zu begeistern. Wir trafen unterwegs selbstverständlich auf den ein oder anderen Frankfurter, der sich gleichfalls eine leichte Brise um die Nase wehen lassen wollte, marschierten zum Südstrand, beguckten dort Möwen, Strandkörbe und Touristen und ließen uns über die bekannte Kaiser Wilhelm Brücke treiben. Am Rande des Ems-Jade-Kanals spazierten wir zurück zum Campingplatz; bewunderten noch einige Schiffe und versorgten uns mit Reiseproviant. Am Zeltplatz, der sich schon merklich geleert hatte, verabschiedeten wir uns vom Bembelbarteam, bei dem ich mich auch an dieser Stelle ganz herzlich für die lässige Location bedanken möchte, und setzten den Golf in Gang. Ein kurzer Stopp in Sande brachte Benzin für die Rückfahrt und schon rollten wir auf den Highway. Langsam kroch die Müdigkeit in uns, doch bewegende Sportreportagen aus dem Autoradio hielten uns wach. So führte Leverkusen in Pirmasens zur Halbzeit mit 1:0 um am Ende mit 11:1 zu siegen, während St. Pauli in Chemnitz die Segel streichen musste. Auch waren wir live dabei, als bei den Schwimmeuropameisterschaften die junge Silke Lippok zu Silber kraulte und der Reporter fast einem Herzinfarkt erlegen wäre.

Nach vier Stunden unaufgeregter Fahrt erreichten wir Frankfurt müde aber glücklich und nur wenig später rollte ich mit dem Golf in die untergehende Sonne Richtung Westen, um den Abend auf der Terrasse eines anderen Eintrachtlers ausklingen zu lassen. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Donnerstag, 5. August 2010

Herr Hoffmann bei Rasenschach


Im Blog rasenschach.eu erscheint derzeit ein Ausblick auf die kommende Saison; geschrieben von Blogger des zu beleuchtenden Vereins. Wurde im letzten Jahr die Eintracht sträflich vernachlässigt, so hatte ich heuer die Ehre, die Bundesliga unter besonderer Berücksichtigung der Eintracht zu erklären.

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Dienstag, 3. August 2010

Näher betrachtet



So langsam rückt der erste Pflichtspieltermin näher, Zeit sich mal bei der neuen Eintracht umzuschauen: wer schnürt denn so dieses Jahr die knallbunten Kickschlappen für die rot-schwarz gestreiften Riederwälder und welche Aussichten haben die Spieler; 30 an der Zahl. Und überhaupt: Wer soll denn wo kicken?


Tor

Der ewige Nikolov rangelt mit dem jungen Fährmann um den Platz zwischen den Pfosten. Erstaunlicherweise hat sich Nikolov auch in den letzten Jahren weiterentwickelt, neigt zu schnellerem Spielaufbau und wagt sich auch mal außerhalb des Fünfmeterraumes, dennoch werden wir bei Flanken stets die Luft anhalten - und uns so manchesmal die Augen reiben: Wie hat er den denn gehalten? Aber auch achselzuckend dastehen, wenn Oka die Kugel aus dem Netz holt und angesäuert nach vorne kickt: Wie ist der den jetzt rein gegangen? An Nikolov wissen wir was wir haben. Das ist gut. Zumindest manchmal meistens.

Ob Ralf Fährmann an ihm vorbeiziehen kann, wage ich zart anzuzweifeln. Einen großen Unterschied zu seinem Vorgänger Jan Zimmermann vermag ich nicht auszumachen. Auch wenn er einen denkbar ungünstigen Start beim 0:4 in Leverkusen hatte, das ihm nicht anzulasten war, so konnten mich die bis heute gezeigten Leistungen dennoch nicht zu der Aussage hinreißen lassen: Ralf muss spielen. Aber die Zeit bleibt ihm ja, mich eines Besseren zu belehren.

Andreas Rössl ist ein ordentlicher Schlussmann für die U23. Dies wird er wohl fürs Erste auch bleiben.

Sollte Nikolov gesund bleiben, dürfte er spielen. Der beste Frankfurter Torhüter kickt für meinen Geschmack am Bornheimer Hang: Patric Klandt.


Abwehr

In der Defensive haben wir für die Innenverteidigung mehrere Optionen, von denen Vasoski verletzungsbedingt nicht einzuschätzen ist. Für ihn dürfte zunächst die vollständige Genesung auf dem Programm stehen. Bellaid scheint noch nicht ganz soweit zu sein; aber solange Chris, der vielleicht der kompletteste Spieler ist, verletzt ausfällt, dürfte Bellaid seinen Platz auf der Bank sicher haben. Ist Chris gesund, dann spielt er auch. Ob innen oder im defensiven Mittelfeld gibt sich nicht viel. Aber bitte nicht so oft mit dem Blatt mit den vier Buchstaben.

Marco Russ und Maik Franz sind zwei Spieler, die ihre Ligatauglichkeit unter Beweis gestellt haben - sollte es Franz gelingen, seine verbalen Scharmützel auf dem Platz in den Kampf um den Ball münden zu lassen (wie bspw. in Mainz), würde er gewinnen. Franz weiß ob seiner Wirkung, auf dem Platz oder auch in der virtuellen Welt. Mit seinem Willen kann er die Mannschaft aufrütteln; dass ihm erneut so viele Treffer wie in der Vorsaion gelingen scheint fraglich. Muss auch nicht sein, dafür gibt es nun andere. Franz spielt. Innen.

Der nächste im Bunde ist Marco Russ, der sich drei Rosen hat tätowieren lassen, die für drei vorhandene Hunde stehen. Bald hat der nächste drei gestochene Hunde, die für drei Autos stehen oder aber drei gestochene Autos die für drei Rosen stehen. Kann man machen. Muss man aber nicht. Russ erinnert von Zeit zu Zeit mit seinen dynamischen Vorstößen an Matthäus, das ist in diesem Falle ausnahmsweise nichts schlechtes. Spielt phasenweise zu unkonzentriert; sollte er sich steigern, wird es schwer werden, an ihm vorbei zukommen. Dies gilt für Gegner, aber auch für Mitspieler. Falls nicht, wird er die Bank drücken müssen. Wie zu Beginn.

Rechts könnten Patrick Ochs, Maik Franz oder Sebastian Jung auflaufen. Sebastian Jung ist sicherlich der Spieler, der das größte Steigerungspotential besitzt, obgleich er schon in jungen Jahren eine außergewöhnliche Substanz mitbringt. Er spielt schnörkellos und mit großem Einsatz, jeder verloren gegangene Ball scheint eine persönliche Beleidigung und mit jedem gespielten Spiel steigt sein Wert - obgleich sein Kopfballspiel noch ausbaufähig ist. Durch die Option Ochs ins offensivere Mittelfeld zu ziehen, sollte Jung als rechter Verteidiger agieren.

Links dürfte Neuzugang Tzavellas zunächst beginnen. Sollte er die Stabilität Spychers mit beherzteren Vorstößen veredeln können, wäre dies ein Gewinn, zumal Petkovic unter Skibbe trotz verbesserten Leistungen wohl nur eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint; Backup dürfte eher Allrounder Benni Köhler sein, der aber besser im linken Mittelfeld aufgehoben scheint.


Mittelfeld

Benni Köhler glänzt nicht nur durch überlegene Technik, sondern auch durch ein hervorragendes taktisches Verständnis und wandelte sich gar zum Kopfballtorschützen. Damit dürfte zunächst die linke Seite besetzt sein, Korkmaz in Bestform aber scharrt mit den Hufen. Sicher sein ist nicht. Während Köhler durchaus den ein oder anderen Eckball trainieren könnte, würde ich Korkmaz zurufen: Kopf hoch. Und gucken. Noch zu beobachten ist das Zusammenspiel von Verteidigung und Mittelfeld; sollte Tzavellas offensiver als Spycher agieren, dann spricht für Köhler, dass er die Defensive besser absichert als Korkmaz.

Rechts hingegen hat Ochs die Nase vor Marcel Heller, der jedoch vor allem in der offensiven Variante etwas stärker scheint - das Zusammenspiel mit Sebastian Jung war beim Spiel gegen die Bayern letztes Jahr ein Highlight; ob diese Leistung jedoch zu konservieren ist, darf bezweifelt werden. Die rechte Achse mit Jung und Ochs aber sollte bei besserem Verständnis für ordentlich Dampf sorgen. Steinhöfer scheint in den Überlegungen des Trainers kein Rolle zu spielen; nachvollziehbar bei der Konkurrenz - die präzisen Standards aber fehlen dem Team.

In der Mitte halte ich neben Chris, dessen Eleganz ich gerne sehe, Pirmin Schwegler für eine sehr gute Besetzung. Bajramovic, der wohl am ärgsten verletzungsgebeutelte Spieler der Eintracht fällt auf unbestimmte Zeit aus; ohne Sommervorbereitung ist die Hinrunde definitiv für ihn gelaufen, gute Besserung bei dieser Gelegenheit. Marcel Titsch-Rivero dürfte sich eher in der U23 wieder finden, derzeit mehren sich die Anzeichen, dass er wie gegen Chelsea keinen Platz im Kader finden wird. Vorausgesetzt, die Jungs bleiben alle gesund. Neuzugang Sebastian Rode dürfte näher dran sein, wird aber zunächst an Chris oder Schwegler nicht vorbeikommen. Gleiches gilt für Ricardo Clark, dessen Auftritt in Südafrika wenig gelungen war. Für mich eine bislang nicht nachvollziehbare Verpflichtung.

Offensive Impulse - dafür stehen mittig die Herren Meier und dos Santos, im Volksmund Caio genannt. Dreh und Angelpunkt des Frankfurter Offensivspiels ist seit Jahren Alexander Meier; Kampfbereitschaft und die Liebe seines Fußes zum Ball bestimmen seinen Auftritt, für mich der Mann in der zentralen Position. Caio wird seine Einsätze bekommen, während der junge Sony Kittel immerhin schon dabei ist. Was in der U17 mit spielerischer Leichtigkeit gelingt, muss sich nicht zwingend bei den Profis fortsetzen. Kann aber, da bin ich gespannt.


Sturm

Im Sturm werden Tränen fließen. Rackerte sich in der vergangenen Hinrunde Liberopoulos meist vergeblich in vorderster Front, so stehen nun mit Amanatidis, Altintop, Fenin, Gekas, und dem Noch-Nachwuchs Tosun und Alvarez eine ganze Armada gelernter Stürmer im Kader der Eintracht. Bislang hat einzig Amanatidis überzeugt, für mich immer noch der Kapitän der Herzen. Ihm zur Seite könnte Gekas stehen, der eine Position ausfüllt, die der Eintracht lange gefehlt hat, die des zentralen Vollstreckers. Trifft er ist gut, trifft er nicht könnte er die Rolle des abgwanderten Tebers einnehmen - die des Publikumbuhmannes. Altintops Spielweise ähnelt zu sehr der von Amanatidis, der Kraft seines Willens und Präsenz derzeit die Nase vorn hat.
Fenin; ach Fenin - bei vielen Fans mit einem guten Standing versehen, läuft er seit seiner langwierigen Verletzung seiner Form hinterher, daran ändert auch der grandios Siegtreffer gegen die Bayern nichts. Dürfte sich mit Halil um den ersten Einwechselplatz streiten. Und da Trainer Skibbe sich erwiesenermaßen schwer tut, die Jungen einfach zu weffe, wie Stepanovic sagen würde, dürften Einsatzchancen von Tosun oder Alvarez zunächst eher gering sein, die jungen Böckchen haben mächtige Brocken noch vor sich.

Damit habe ich sie also gefunden, meine Anfangsformation. Aber erstmal zähle ich nach, ob ich tatsächlich elf Spieler gewählt habe, einer mehr - und schon ist das Spiel zu Ende.
So, da bin ich wieder, alles gut. Hier ist sie nun:


Nikolov

Jung - Franz - Chris - Tzavellas

Ochs - Meier - Schwegler - Köhler

Gekas - Amanatidis


Damit sollte doch was drin sein, so ein kleines Pokalfinälchen vielleicht - das wäre klasse. Und wie sieht die zweite Formation aus? Vielleicht so:


Fährmann

Steinhöfer - Bellaid - Russ - Petkovic

Heller - Rode - Caio - Korkmaz

Altintop - Fenin


Vasoski und Bajramovic sind derzeit verletzt. Dennoch, auch mit der vermeintlich zweiten Mannschaft muss man nicht absteigen. Also, das sieht doch insgesamt ganz gut aus - vielleicht klappts ja doch noch irgendwann einmal: Ein internationales Pflichtspiel der Eintracht in Lissabon zu sehen. Um galão por favor.






Foto: Eintracht Frankfurt Homepage

Montag, 2. August 2010

Heimspiele in Hierzulande

Dienstag, 27.07.2010

Aus dem CD-Player des silbernen Golfs pluggerten Ambientsounds einer russischen Radiosendung mit dem Titel Orangereya, passend zum Ambiente eines chilligen Sommertages. Unser Ziel war Göttingen, die Eintracht sollte am Abend in einem Freundschaftsspiel auf den spanischen Erstligisten Racing Santander treffen, die wenige Tage zuvor gegen Werder Bremen 1:3 unterlegen waren. Wir nutzten den sonnigen Tag, um einen Abstecher in das ehemalige Zonenrandgebiet zu machen, tuckerten durch die Alleen und besuchten Heiligenstadt, einen Kurort nahe der Deutschen Märchenstraße, wo etliche Geschäfte leer stehen und eine Gaststätte Schwarzer Adler heißt.

Von dort gings über die Landstraße nach Göttingen ins Jahnstadion. Und wenn die Namen Göttingen und Jahnstadion im Zusammenhang mit Eintracht Frankfurt fallen, dann denken wir natürlich sofort an Lothar Sippel.

Stimmt natürlich nicht, erst der Blick ins Eintracht-Archiv zeigt, dass die Eintracht in der Saison 83/84 in der ersten Pokalrunde bei Göttingen 05 mit 2:4 unterlegen war (nach 18 Minuten führte der Oberligist damals mit 3:0) und Lothar Sippel, der in der Saison 91/92 14 Treffer für die Eintracht erzielen konnte, seinerzeit in der 76. Minute eingewechselt wurde. Bei Göttingen.

In Göttingen folgten wir dem Eintracht-Bus, der uns urplötzlich entgegenkam und passierten einen kleinen See, dem nach wenigen Metern das Stadion folgte. Fußballerisch ist Göttingen seit Jahren Diaspora nachdem der SC Göttingen 05 nach zwei kurzen Interemezzi in der zweiten Liga Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger durch die Ligen trudelte, 2003 gar pleite ging und nach Auflösung und Neugründung durch die Fusion mit dem RSV Geismar nun den Namen RSV Göttingen 05 trägt. Bis 2003 war das Jahnstadion die Spielstätte des SC, seither wird es nur noch gelegentlich genutzt, so wie heute durch die Eintracht.

Wir parkten bei strahlendem Sonnenschein direkt neben dem Stadion, begrüßten etliche bekannte Gesichter und trafen uns mit Thorsten und Ruth, die ebenfalls aus Frankfurt angereist waren. Auch Steffen aka BlackDeath2k schneite vorbei, für ihn war es ein Heimspiel - nur wenige Meter vom Stadion entfernt ist er aufgewachsen.

Die Sonne glänzte vom Himmel und wir wanderten auf die Gegengerade, die ganz nett gefüllt war; später gab der Stadionsprecher die offizielle Zuschauerzahl durch: 2.400 - und sollte dies Sekunden später auf 1.400 korrigieren. Die Anzeigentafel blinkte und zeigte lustige Smilies mit dem Text Anfeuern: Ja, Randale: Nein - und daran hielten wir uns natürlich. Pia hatte sich mit Kamera bewaffnet schnurstracks in Richtung Laufbahn aufgemacht, während wir dem nunja, munteren Treiben auf dem arg ramponierten Platz zusahen.

Racing erspielte sich kaum Torchancen, die Eintracht erwies sich optisch überlegen, doch es sollte bis zur 41. Minute dauern, bis der erste Treffer fiel - Caio hatte die Torfabrik aus knapp 30 Metern ins Tor gehämmert, wobei Coltorti im Racing Tor eher alt aussah.

In der zweiten Hälfte wurde munter durchgewechselt; Nikolov verdiente sich einen Scorerpunkt, in dem er Altintop den Ball zukickte, woraufhin dieser ein paar Meter lief und das 2:0 erzielte. So wurde mir zumindest berichtet, ich stand am Bierstand zwecks Verpflegung. Aufreger war wenig später eine Großchance von Gekas, der die Wahl hatte, entweder zu treffen oder Altintop anzuspielen, sich aber dann doch dafür entschied, den Torhüter von Santander in Szene zu setzen.

Kurz vor Abpfiff schaffte Santander noch den Anschlusstreffer, was unsere Stimmung aber keineswegs trüben sollte. Unser Weg führte dann in die Göttinger Innenstadt, jede Menge Studenten tummelten sich in der Fußgängerzone, wo wir uns mit noch mit Steffen trafen und ganz nebenbei die Gänseliesel bewunderten.


Mittwoch, 28.07.2010

Der nächste Morgen begann gegen elf Uhr mit einem Anruf unseres geschätzten Museumsdirektors Thoma, der dezent nachfragte, wo ich den bliebe. Oha, während ich eigentlich erst um zwölf Uhr im Museum aufschlagen wollte, zeigte der Terminplan zweifelsfrei zehn an. Shit Happens, ich sauste los, baute die Anlage auf und begrüßte wenig später jede Menge Kinder, die sich anlässlich der bevorstehenden Kinderpressekonferenz mit Ralf Fährmann eingefunden hatten. Und dann kommt er auch schon, der 21-jährige Schlussmann der Eintracht. Wie heißt du - spannende Fragen stellten die Kids und Ralf nahm sich geduldig die Zeit, wirklich jede Frage zu beantworten; annähernd eine Stunde später wussten die Kids Bescheid: Ralf hat einen Bruder, einen Hund und isst am liebsten Pizza - und sie gaben ihm klasse Tipps, wie er seinen Bruder an besten ärgern könne: Einen Eimer Wasser auf die Türklinke stellen. Nachwuchsjournalisten der FR notierten eifrig die Antworten des Tages und schrieben anschliessend einen netten Artikel über den munteren Nachmittag, während Ralf noch Jacken, Arme und Taschen mit Autogrammen verzieren durfte. Ich baute derweil die Anlage wieder ab.


Sonntag, 01.08.2010

Manchmal ist es ganz praktisch im Museum der Eintracht an Spieltagen zu arbeiten, eine Arbeitskarte berechtigt nicht nur zum Einlass auf das Gelände, sondern bringt es mit sich, auch ein Fußballspiel ansehen zu können, für das ich sonst keinen Eintritt bezahlt hätte: Die Eintracht gegen Chelsea FC, den amtierenden Englischen Meister. Pia und Daddy waren dabei und wir parkten in der Tiefgarage, wo wir auf Bernd Hölzenbein trafen, der allerdings nicht mitspielen sollte. Wir marschierten zunächst ins Museum und anschließend entgegen den Bundesligaspielen nicht zu unserem angestammten Platz in Block 41G, sondern orientierten uns Richtung Block 42, dem äußersten Stehplatzbereich und hockten uns auf die Stufen. Die Erfahrung aus der Partie gegen Real Madrid vor zwei Jahren hatte uns gezeigt, dass Spiele gegen namhafte Gegner in der Saisonvorbereitung eher unter dem Aspekt Sommerfußball abzulegen sind; die Eintrittspreise jedoch gesalzen sind. So auch dieses Jahr. Zwar ist es ganz interessant die Herren Terry oder Malouda, Lampard oder Essien, Anelka oder Mikel aus der Nähe zu sehen, sportlich jedoch ist solch Spektakel in dieser Phase nur bedingt reizvoll.

Das Dach im Stadion war geschlossen, dafür flackerte die Leuchtreklame vor den Kurven arg irritierend und lenkte permanent vom Spiel ab. Werbebande, so heißen diejenigen, die solche Reklametafeln installieren, nahezu Bandenterror. Nachdem im Vorfeld Wladimir Klitschko und Samuel Peter - die am 11.09. im Stadion auf den Spuren von Muhammed Ali und Karl Mildenberger wandeln werden - von Frau Rauscher mit einem Bembel und von den Mannschaftskapitänen mit Trikots beglückt wurden, pfiff Schiri Brych die Partie vor 45.000 Zuschauern an.

Aufschlussreich war die Erkenntnis, dass Georgios Tzavellas durchaus in die Fußstapfen von Christoph Spycher treten kann, dass Altintop die eher durchwachsene Form der letzten Spiele konserviert hat und Sebastian Jung sich anschickt, mein aktueller Lieblingsspieler zu werden - neben Amanatidis natürlich, der im Zusammenspiel mit Ochs einen schon verloren geglaubten Ball zurück eroberte und erneut zu Ochs passte, welcher die Eintracht mit 1:0 in Führung brachte - wobei der Torhüter von Chelsea alles andere als souverän aussah; zum Running Gag sollten sich während der gesamten Partie dessen Abschläge entwickeln.

Nach der Halbzeit ersetzte Ralf Fährmann den ewigen Oka, während Habib Bellaid für Maik Franz ins Spiel kam. Später folgten noch Altintop, Rode, Caio, Fenin, Korkmaz, und Heller, während Clark und Kittel auf der Bank schmoren mussten. Tisch-Rivero, Steinhöfer und Petkovic gehörten diesmal nicht zum Kader. Chelsea wechselte bis zum Schluss außer dem Torhüter komplett durch und die Partie passte sich ein wenig dem Rasen an, der durch die Footballspiele der letzten Wochen doch arg waidwund daherkam.

Von den Rängen ertönte: Ihr werdet nie Deutscher Meister oder In Europa kennt euch keine Sau, was Lampard aber nicht davon abhielt, den zwischenzeitlichen Ausgleich zu erzielen. Als Russ im Strafraum umgerissen wurde, nahm sich Altintop Pille und Herz und verwandelte den fälligen Elfmeter zum 2:1 Siegtreffer für die Eintracht. Gewinner des Spiels waren neben der Eintracht sicherlich die Herren Amanatidis, der einen strammen Schuss knapp neben das Tor setzte, Köhler, der sich allmählich zu Uwe Bindewald zwei entwickelt sowie Nikolov; Fährmann sah beim Treffer Lampards nicht wirklich glücklich aus - aber er ist noch jung und voller Hoffnung.

Heute hat uns dann Attila besucht, eine ganze Gruppe Kinder hing gebannt an den Lippen des Falkners Norbert Lawitschka und beantworte lautstark dessen Fragen: Was frisst ein Mäusebussard? Mäuse. Ein Fischadler? Fische: Ein Steinadler? Steine.

Naja, fast.