Mein Beitrag Arschgeigen wurde von der Spox-Blogschau aufgegriffen und mit einem Kommentar versehen, den ich euch nicht vorenthalten will - ich finde ihn klasse.
Danke!(Nicht nur) Geschichten rund um die Geschichte der Frankfurter Eintracht
Danke!
Ich nehms vorweg: Mit 2:1 gewinnt die Eintracht gegen Mainz 05 - fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem 2:0 der letzten Saison, als abends im Sportstudio der damalige noch-nicht-Weltmeister Sebastian Vettel dem Mainzer Trainer Thomas Tuchel ein Präsent überreicht hatte, was dieser gar nicht lustig fand. Heute steht dieser Becher im Eintracht Museum - was ich wiederum sehr lustig finde.
Tuchel also. Das ist der Trainer, der unter der Woche von sage und schreibe sechs! Rundschau-Journalisten interviewt wurde. Und natürlich hat keiner den Google-Test gemacht. Gebt ein:
Skibbe jammert. Schlappe 6.970 Einträge werden angezeigt. Und nun geben wir einmal Tuchel jammert ein. Aha: 26.000 Einträge, knapp das vierfache - und wenn wir dabei noch berücksichtigen, wie lange Skibbe im Geschäft ist und wie lange Tuchel - dann wissen wir Bescheid.
Man kann sich mal beklagen, man kann schimpfen und man kann sich ungerecht behandelt fühlen. Was die Sache aber im Falle Mainz so geschmäcklerisch macht, ist der Zusammenhang mit dem selbst gewählten Image, dem sympathischen Underdog, der so humorvoll ist. Und wie so häufig verschleiert das Image das reale Gegenteil - Selbstgerecht, arrogant, humorlos - so sind sie die Mainzer im Ernstfall, dazu passt der Karneval, der auf Befehl lustig ist - industriell produzierter Frohsinn. Dazu passt der provokante Jubel vor der Gästekurve - um später die vermeintliche Aggressivität des Gegners zu beklagen. Tatsächlich kam nach dem Spiel beim Abgang vor der Haupttribüne eine Mainzer Stimme aus dem Nichts, die ungefragt sprach: Der Elfmeter war gar keiner, haben sie im Fernsehen gesagt. Ich drehte mich um: Na hoffentlich. Das wäre ja noch geiler, durch einen miesen geschenkten Elfer die Jammerlappen versenkt. Die Stimme glotzte doof. Warum seid ihr Frankfurt immer so aggressiv? meinte sie. Weil ihr doof seid und wenn Schürrle noch einmal vor der falschen Kurve jubelt, muss er aufpassen, dass er sich keine fängt. Und da ließ der Mainzer ganz schnell die Maske des guten Menschen fallen: Das hat er doch genau richtig gemacht.
Der folgende Tag war ein schöner, im Ohr wummerten lässige Trance-Melodien, der Main glitzerte in der Sonne, Ruderer paddelten in Richtung Ruderdorf und ich hatte Glück; Uli und Bernie machten sich mit dem Auto in Richtung Mainz auf und hatten noch ein Plätzlein frei, den ich am Main-Plaza gerne in Anspruch nahm. Gesund geht anders; Matchdayfeeling geht anders, aber was solls - für Wolfsburg habe ich noch keine Karten, vielleicht wird dies mein letztes Auswärtsspiel in dieser Saison: Begonnen in Offenbach, beendet in Mainz.
einrollten - und in der Nähe des Gerichts parkten. Wie es so ist, wenn man mit Uli unterwegs ist führte der erste Weg in eine Metzgerei und der zweite zum Wochenmarkt in der Innenstadt. Ein Einheimischer ohne erkennbaren Fußballbezug rempelte mich unweit des Fanshops von Dimo Wache humorlos über den Haufen, ansonsten war die Stimmung in der Innenstadt unaufgeregt frühlingshaft. Denkmäler und große Häuser glänzten in der Sonne - ich bin eigentlich ganz gerne in Mainz - wenn nur der Fußball nicht wäre.
Der Stehplatzbereich war natürlich proppevoll und da ich wenig Lust verspürte, mich durch die Massen zu quetschen, verharrte ich oberhalb der Stufen und sah sogar von Zeit zu Zeit ein paar Quadratmeter vom Spielfeld. Das war auch ganz gut so - denn zweimal erkannte ich Alex Meier beim Schuss, zweimal lag die Kugel im Netz - aber es war nicht das erste Mal, dass die Eintracht hier mit zwei Treffern in Führung lag, gewonnen war noch gar nichts. Clark soll sogar auch mitspielen, gesehen hatte ich ihn bislang allerdings noch nicht. Aber das lag nicht an ihm.
Kurz und gut, Fußball ohne Fußball ist scheiße und so verließ ich die Bruchbude und wanderte an verdutzten Ordnern vorbei in die Freiheit. Ein Grüppchen Freund und Helfer stritt sich um ein Eis, die Sonne verhieß einen chilligen Nachmittag und so ließ ich mich durch einen Park in Richtung Bahnhof treiben. Schon wenige Meter vom Stadion entfernt war von Bundesliga so gut wie gar nichts zu spüren; am Bahnhof jedoch wurde ein Grüppchen Frankfurter von einer Hundertschaft durch die Gegend drangsaliert, in einer Spelunke namens Oberbayern erhaschte ich den aktuellen Spielstand und erkannte, dass Mainz den Anschlusstreffer geschafft hatte.
Ein paar Meter davon entfernt traf ich Steff vom Fanprojekt auf der Gass, welcher aus einer Kneipe kam, in die ich nun hinein marschierte. Gabi war auch schon dort und noch einige andere Frankfurter dazu, während die Wirtin mit eiserner Stimme das Regiment führte. Widerspruch zwecklos. Ich hockte bei einem Apfelwein aus seltsam ungerippten Gläsern, starrte auf den kleinen Fernseher und nahm den Ausgleich der Mainzer hin. Korkmaz erneuter Führungstreffer ließ mich hoffen, aus einer Ecke erhob jemand die Stimme für St. Pauli und es kam wie es kommen musste: kurz vor Schluss köpfte Bancé den erneuten Ausgleich für Mainz - und im End kann man sagen: Gott sei Dank blieb es dann auch dabei.
Tags drauf stand ich mit Pia am Bornheimer Hang und guckte mir den FSV gegen Augsburg an. Nachdem der Herr Bancé uns an der Tanke über den Weg gefahren kam. Im Block standen St. Paulianer, Osnabrücker, Eintrachtler und Bornheimer, gegenüber die Augsburger und rechts im Eck Lauterer, die Frankfurt unterstützten - und durch den Punktgewinn des FSV ihren Bundesligaaufstieg feierten. So kamen wir dann doch noch zum Fußball.
Was hat sich eigentlich zugetragen, während des Spiels? Die Eintracht hatte Mainz 05 glücklich aber nicht unverdient mit 2:0 besiegt; es gab einige hitzige Wortgefechte, das ein oder andere Foul, mehrere Gelbe und eine Gelb-Rote Karte, obgleich es alles andere als ein überhartes oder unfaires Spiel war. Im Anschluss an die Partie reckte der Mainzer Stürmer Arisitide Bancé seinen Mittelfinger in die Luft. Soweit - so gut könnte man meinen.
Anpfiff. Die Eintracht im Schwarz-Rot, die anderen in Grün; Fußball. Es geht hin und her, in der Mainzer Kurve wedeln fünf Fähnchen, später raucht es und der ein oder andere Karnevals-Bengalo illuminiert die Arena. So es Frankfurter gewesen wären, hätte es gehießen: unbelehrbare Chaoten, die sich nicht für Fußball interessieren; da es aber im hiesigen Falle die netten Mainzer waren, heißt es später im ZDF: Super Stimmung. Der Mainzer Torhüter Heinz Müller, geboren in Frankfurt, pariert großartig einen Kopfball von Liberopoulos; im Gegenzug hält Nikolov einen Schuß von Bancé, den Abpraller versemmelt Amri.