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Donnerstag, 9. Dezember 2010

Motörhead vs Tokio Hotel 2:1


Mein Beitrag Arschgeigen wurde von der Spox-Blogschau aufgegriffen und mit einem Kommentar versehen, den ich euch nicht vorenthalten will - ich finde ihn klasse.

Danke!

Sonntag, 5. Dezember 2010

Arschgeigen


Die Frage, ob das Spiel gegen Mainz ein Derby ist oder nicht wird wohl ewig ungeklärt bleiben - schließlich gibt es keine höchstwissenschaftliche Definition dessen, was ein Derby ist. Letzlich ist das einzig wahre Derby bei der Eintracht das Spiel gegen den FSV Frankfurt - letztmals auf Pflichtebene 1962 ausgetragen, es war das Jahr als die Blau-Schwarzen letztmals in der höchsten deutschen Spielklasse spielten. Seither kam es auch nicht zu einem Pokaltreffen - heutzutage drücken viele Eintrachtler dem FSV die Daumen und freuen sich über den aktuellen Lauf des Bornheimer Stadtteilvereins. Ein undenkbares Szenario bspw zwischen dem HSV und St. Pauli.

Das andere Derby, welches diesen Begriff verdient, ist natürlich die sportliche Auseinandersetzung mit den Offenbacher Kickers , die 1984 final aus der Bundesliga abgestiegen sind. Immerhin gab es in den letzten Jahren noch ein paar Pokalspiele, welche die Eintracht allesamt gewinnen konnte. An solchen Spielen ist der Bedarf allerdings fürs Erste gedeckt, solange die Kickers klassentiefer kicken: die Eintracht muss gewinnen - und kann dabei nur verlieren.

Nun also wird vor allem medial das Spiel gegen Mainz zum Derby hochgejazzt - ein Spiel, welches auf Pflichtspielebene erstmals 1986 ausgetragen wurde. Natürlich war es ein Pokalspiel, das die Eintracht in Mainz mühsam mit 1:0 gewann. Bis 1963 konnten beide Teams in der Liga nicht aufeinander treffen, Mainz kickte im Südwesten, die Eintracht in der Oberliga Süd. Erstmals spielten beide Teams in der Saison 1996/97 gegen einander - bis heute gab es 16 Pflichtspiele gegeneinander. 5 Siege der Eintracht stehen 10 Unentschieden und ein einziger Mainzer Erfolg gegenüber.

Irre Tradition.

Natürlich verwenden vorwiegend die Medien den Begriff Derby inflationär, klar: reisserische Begrifflichkeiten bringen Quote, mir ist's egal. Mainz also.

Nachdem im Laufe der Woche die Fifa eine WM nach Katar vergeben hat, eine Entscheidung, die mit Bestechlichkeit und Einzelinteressen oder gar Geld nichts zu tun hat, schließlich ist Katar ein Land mit fußballhistorischer Tradition - genau wie Gelsenkirchen schon seit Jahrhunderten eine Biathlonhochburg ist - stand nun die Partie gegen Mainz auf dem Spielplan, der keineswegs zu verwechseln ist mit dem Matchplan.

Ich nehms vorweg: Mit 2:1 gewinnt die Eintracht gegen Mainz 05 - fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem 2:0 der letzten Saison, als abends im Sportstudio der damalige noch-nicht-Weltmeister Sebastian Vettel dem Mainzer Trainer Thomas Tuchel ein Präsent überreicht hatte, was dieser gar nicht lustig fand. Heute steht dieser Becher im Eintracht Museum - was ich wiederum sehr lustig finde.

Tuchel also. Das ist der Trainer, der unter der Woche von sage und schreibe sechs! Rundschau-Journalisten interviewt wurde. Und natürlich hat keiner den Google-Test gemacht. Gebt ein: Skibbe jammert. Schlappe 6.970 Einträge werden angezeigt. Und nun geben wir einmal Tuchel jammert ein. Aha: 26.000 Einträge, knapp das vierfache - und wenn wir dabei noch berücksichtigen, wie lange Skibbe im Geschäft ist und wie lange Tuchel - dann wissen wir Bescheid.

Wenn die Mainzer gewinnen, dann ist dies Konzept, Fußball mit Matchplan ergo Gottes Wille, umgesetzt durch dessen verlängerten Arm, Trainer Tuchel und die Boygroup. Wenn die Mainzer verlieren, dann liegt dies: Am Schiedsrichter. Und zwar immer. Weil sie selbst ja so lieb sind. Und zwar immer!

Arschgeigen sind sie. Oder habt ihr den Trainer Tuchel wild gestikulierend bei der vierten Schiedsrichterin gesehen, als der Mainzer Spieler Zabavnik Gekas den Ellenbogen ins Gesicht schlug? Oder als jener Zabavnik (der eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz stehen durfte) wenig später Schwegler rüde umgesenzt hatte? Hat Tuchel sich da zu Gunsten der Gerechtigkeit beschwert, dass ein ja bereits (nur!) verwarnter Spieler nach solch einer Attacke unmöglich hätte weiter auf dem Platz sein können. Hat er sich beschwert, dass die Eintracht zwingend mindest eine Stunde in Überzahl hätte agieren müssen? Natürlich nicht.

Als Schürrle nach dem von Altintop höchstdämlich verursachten Elfmeter zur Eintrachtkurve flitzte, um zu jubeln, hat sich da Trainer Tuchel echauffiert ob der provokanten Unsportlichkeit? Die Tritte gegen Eintrachtler, die keine gelben Karten nach sich zogen - hörten wir Klagen?

Nein, natürlich nicht. Hörten wir nach dem Sieg anerkennende Worte für den Sieger, die Eintracht, die fast während des gesamten Spieles die bessere Mannschaft war und letztlich zwar knapp aber völlig verdient gewonnen hatte? Nein; wir hörten seitens des Mainzer Übungsleiters nur unlustiges Gegreine und ewig wiederkehrende Klagen sowie Schiedsrichterattacken wegen eines Elfmeters, der vielleicht strittig, aber keinesfalls völlig daneben war. Kirchhoff nimmt den Ball mit der Schulter nahe des Oberarms mit - es war sicher kein glasklarer Elfmeter - aber eine drastische Fehlentscheidung war es auch nicht.

Man kann sich mal beklagen, man kann schimpfen und man kann sich ungerecht behandelt fühlen. Was die Sache aber im Falle Mainz so geschmäcklerisch macht, ist der Zusammenhang mit dem selbst gewählten Image, dem sympathischen Underdog, der so humorvoll ist. Und wie so häufig verschleiert das Image das reale Gegenteil - Selbstgerecht, arrogant, humorlos - so sind sie die Mainzer im Ernstfall, dazu passt der Karneval, der auf Befehl lustig ist - industriell produzierter Frohsinn. Dazu passt der provokante Jubel vor der Gästekurve - um später die vermeintliche Aggressivität des Gegners zu beklagen. Tatsächlich kam nach dem Spiel beim Abgang vor der Haupttribüne eine Mainzer Stimme aus dem Nichts, die ungefragt sprach: Der Elfmeter war gar keiner, haben sie im Fernsehen gesagt. Ich drehte mich um: Na hoffentlich. Das wäre ja noch geiler, durch einen miesen geschenkten Elfer die Jammerlappen versenkt. Die Stimme glotzte doof. Warum seid ihr Frankfurt immer so aggressiv? meinte sie. Weil ihr doof seid und wenn Schürrle noch einmal vor der falschen Kurve jubelt, muss er aufpassen, dass er sich keine fängt. Und da ließ der Mainzer ganz schnell die Maske des guten Menschen fallen: Das hat er doch genau richtig gemacht.

Und das ist genau der Punkt, weshalb mir das Mainzer Pack dermaßen auf die Eier geht. Wenn's nichts kostet, den Gandhi raushängen lassen, sobald es aber Ernst wird, ist Schluss mit Großmut und Matchplan. Dann sind sie miese kleine Verlierer, die den Schuldigen stets außerhalb ihrer selbst ausmachen, keine guten Worte für den Sieger parat haben; was nicht in den Kram passt, dezent unter den Tisch fallen lassen und zudem schön nachtreten.

Und so bin ich doch recht dankbar, dass die Eintracht auch dieses Spiel wieder gewonnen hat. Dass Benny Köhler ein Riesenspiel gemacht, Russ ein dolles Tor erzielt und Gekas beim Elfer die Nerven behalten hat. Mehr zum Fußball gibt's traditionell beim Kid.

Nachtrag: Und eben zeigen die Bilder im TV noch, dass man in der ersten Hälfte nach Handspiel von Zabavnik durchaus auch einen Handelfmeter für die Eintracht hätte pfeifen können. Mainz 05 - ein rotes Tuchel.

Montag, 26. April 2010

Heimspiel in Mainz


Eine geschlagene Arbeitswoche lang lag ich bei strahlendem Sonnenschein im Bett, auf dem Boden verstreut Papierchen von Salbeibonbons und Asterixhefte; auf dem Tisch daneben dampfte eine Tasse Kamillentee während ich mir die Seele aus der Lunge hustete. Freitag Mittag sagte ich schweren Herzens die geplante Schifffahrt nach Mainz ab und verkabelte anschließend merkwürdige Laute von mir gebend die Anlage im Museum, um die lange Nacht der Museen vorzubereiten. Abends entschied ich mich dann doch nach Mainz zu fahren, im Zweifel mit der S-Bahn.

Der folgende Tag war ein schöner, im Ohr wummerten lässige Trance-Melodien, der Main glitzerte in der Sonne, Ruderer paddelten in Richtung Ruderdorf und ich hatte Glück; Uli und Bernie machten sich mit dem Auto in Richtung Mainz auf und hatten noch ein Plätzlein frei, den ich am Main-Plaza gerne in Anspruch nahm. Gesund geht anders; Matchdayfeeling geht anders, aber was solls - für Wolfsburg habe ich noch keine Karten, vielleicht wird dies mein letztes Auswärtsspiel in dieser Saison: Begonnen in Offenbach, beendet in Mainz.

Da Pia wegen eines privaten Termins mit dem silbernen Golf unterwegs war, saß ich nun in einem Citroen, ein Eintracht-Schal im Heckfenster kündete von unserer Gesinnung und im Autoradio liefen erstaunlicherweise die Smiths, als wir über Rhein und Weisenau nach Mainz einrollten - und in der Nähe des Gerichts parkten. Wie es so ist, wenn man mit Uli unterwegs ist führte der erste Weg in eine Metzgerei und der zweite zum Wochenmarkt in der Innenstadt. Ein Einheimischer ohne erkennbaren Fußballbezug rempelte mich unweit des Fanshops von Dimo Wache humorlos über den Haufen, ansonsten war die Stimmung in der Innenstadt unaufgeregt frühlingshaft. Denkmäler und große Häuser glänzten in der Sonne - ich bin eigentlich ganz gerne in Mainz - wenn nur der Fußball nicht wäre.

So röchelte ich von Zeit zu Zeit vor mich hin, als wir uns so langsam per Pedes Richtung Bahnhof und von dort Richtung Stadion aufmachten. Der Bus der 05er rollte an uns vorbei, Fähnchen flatterten lustlos an Wohnhäusern und sobald wir in die unmittelbare Nähe der Bruchbude kamen, hatte uns die Wirklichkeit eingeholt. Polizeiketten trennten die Guten von den Bösen während die Sonne auf den schwer bewachten Gästeeingang knallte. Peu a peu trudelten die Busse ein und brachten die Schifffahrer (erkennbar an knallroten Gesichtern) zum Eingang, während ich in neutraler Kleidung den nahe gelegenen Supermarkt aufsuchen wollte, um Wasser für uns zu besorgen. Der erste Versuch, die Polizeikette zu durchbrechen scheiterte am aufopferungsvollen Kampf eines Polizisten, der mich mit eisernem Griff am Arm packte. Ich guckte ihn verständnislos an und dachte, was man in solche Fällen zu denken pflegt - er aber stierte zurück und singsangte nach einer Weile: Was guggsten misch so aaaaa - wobei das aaaaa melodisch tiefergelegt war. Isch mach auch nur mei Aaaabeit.

Um mich herum marschierten Mainzer vor dem Gästeeinang, auf der anderen Seite Frankfurter im Mainzer Bereich - je nachdem wer von wo ankam - ich aber, der weder als Frankfurter noch als Mainzer zu erkennen war, ließ den singsangenden Arbeitmacher links liegen und marschierte ein paar Meter weiter fröhlich durch die Polizisten hindurch und sah, wie ein Eintrachtler von einer ganzen Gruppe schwer gepanzerter Arbeitmacher isoliert, gefilmt und polizeilich aufgenommen wurde.

Im Supermarkt war der Bereich für alkoholische Getränke säuberlich durch Folie verhängt und durch Mitarbeiter bewacht, die sich sichtbar unwohl fühlten, der Bereich Buttermilch und Wasser jedoch war frei zugänglich und so enterte ich mit drei Flaschen Wasser in der Hand erneut den Gästebereich.

Vor dem einzigen Eingang stapelten sich die Eintrachtler, so dass ich es vorzog, an einem Mäuerchen im Schatten die Zeit vergehen zu lassen. Thomas, der das FuFa-Schiff organisiert hatte, tat es mir gleich und erst als die Menschentraube kurz vor Beginn des Spiels auf überschaubare Maße zusammen geschrumpft war, betrat ich die Blechschüssel.

Der Stehplatzbereich war natürlich proppevoll und da ich wenig Lust verspürte, mich durch die Massen zu quetschen, verharrte ich oberhalb der Stufen und sah sogar von Zeit zu Zeit ein paar Quadratmeter vom Spielfeld. Das war auch ganz gut so - denn zweimal erkannte ich Alex Meier beim Schuss, zweimal lag die Kugel im Netz - aber es war nicht das erste Mal, dass die Eintracht hier mit zwei Treffern in Führung lag, gewonnen war noch gar nichts. Clark soll sogar auch mitspielen, gesehen hatte ich ihn bislang allerdings noch nicht. Aber das lag nicht an ihm.

Kurz und gut, Fußball ohne Fußball ist scheiße und so verließ ich die Bruchbude und wanderte an verdutzten Ordnern vorbei in die Freiheit. Ein Grüppchen Freund und Helfer stritt sich um ein Eis, die Sonne verhieß einen chilligen Nachmittag und so ließ ich mich durch einen Park in Richtung Bahnhof treiben. Schon wenige Meter vom Stadion entfernt war von Bundesliga so gut wie gar nichts zu spüren; am Bahnhof jedoch wurde ein Grüppchen Frankfurter von einer Hundertschaft durch die Gegend drangsaliert, in einer Spelunke namens Oberbayern erhaschte ich den aktuellen Spielstand und erkannte, dass Mainz den Anschlusstreffer geschafft hatte.

Ein paar Meter davon entfernt traf ich Steff vom Fanprojekt auf der Gass, welcher aus einer Kneipe kam, in die ich nun hinein marschierte. Gabi war auch schon dort und noch einige andere Frankfurter dazu, während die Wirtin mit eiserner Stimme das Regiment führte. Widerspruch zwecklos. Ich hockte bei einem Apfelwein aus seltsam ungerippten Gläsern, starrte auf den kleinen Fernseher und nahm den Ausgleich der Mainzer hin. Korkmaz erneuter Führungstreffer ließ mich hoffen, aus einer Ecke erhob jemand die Stimme für St. Pauli und es kam wie es kommen musste: kurz vor Schluss köpfte Bancé den erneuten Ausgleich für Mainz - und im End kann man sagen: Gott sei Dank blieb es dann auch dabei.

Bernie und Uli hatten mittlerweile die Polizeisperre nach Spielende durchbrochen und sammelten mich am Bahnhof auf. Gemeinsam mit Anno marschierten wir zum Auto und nach einem kurzen Stau vor der Autobahn sausten wir wieder in Richtung Heimat.

Gegenüber unseres Stadions verabschiedete ich mich von meinen Mitfahrern und latschte über die Brücke in Richtung Museum. Später flatterte Attila vorbei, noch später legte Henni Nachtsheim einen lustigen Auftritt hin, wiederum später plauderte ich mit Alex Schur über seine Sicht des Spiels und seine Mannschaft, die U17, die sich anschickt, Süddeutscher Meister zu werden und um die Deutsche Meisterschaft mit zu spielen und noch später sang der Polizeichor live und in Farbe: Im Herzen von Europa.

Tags drauf stand ich mit Pia am Bornheimer Hang und guckte mir den FSV gegen Augsburg an. Nachdem der Herr Bancé uns an der Tanke über den Weg gefahren kam. Im Block standen St. Paulianer, Osnabrücker, Eintrachtler und Bornheimer, gegenüber die Augsburger und rechts im Eck Lauterer, die Frankfurt unterstützten - und durch den Punktgewinn des FSV ihren Bundesligaaufstieg feierten. So kamen wir dann doch noch zum Fußball.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Fies. Ganz fies.


Eigentlich wollte ich zu den Vorfällen rund um das Spiel der Eintracht gegen Mainz nichts weiter schreiben, als hier geschrieben steht. Aber gut; es gab das ein oder andere, was man durchaus hätte näher beleuchten können - und dieses Beleuchten gipfelte in einem Kommentar der Nürnberger Nachrichten; einen Auszug seht ihr hier als Screenshot:

Was hat sich eigentlich zugetragen, während des Spiels? Die Eintracht hatte Mainz 05 glücklich aber nicht unverdient mit 2:0 besiegt; es gab einige hitzige Wortgefechte, das ein oder andere Foul, mehrere Gelbe und eine Gelb-Rote Karte, obgleich es alles andere als ein überhartes oder unfaires Spiel war. Im Anschluss an die Partie reckte der Mainzer Stürmer Arisitide Bancé seinen Mittelfinger in die Luft. Soweit - so gut könnte man meinen.

In Interviews erwiesen sich Manager und Trainer von FSV Mainz 05 als schlechte Verlierer, anders als der Mainzer Kapitän Hoogland, der in einem Interview nach Spielende die Dinge abhakte. Während Heidel über Frankfurts Spieler Maik Franz herzog, brachte Trainer Tuchel den Schiedsrichter ins Gespräch, der jedoch alles andere als eine skandalöse Leistung ablieferte. Die Ampelkarte für Amri kann man geben, wiederholtes Foulspiel, taktisches Foul im Mittelfeld etcpp. - also alles im grünen Bereich. Wenn Narren jammern, rinnt die Schminke, heraus kommt ein Gesicht. Kein Schönes.

Richtig böse wurde es erst in den Tagen danach, als von Mainzer Seite zum Schutze Bancés Maik Franz rassistische Äußerungen unterstellt wurden; ein gewagter - und wie sich am End herausstellte ein unhaltbarer Vorwurf. Maik Franz wurde vom Sportgericht freigesprochen; niemand konnte die Unterstellungen belegen - aber wie so oft: wirf mit Dreck, es wird schon etwas hängen bleiben.

Mainz 05 hatte Angst; Angst davor, dass der Spieler Bancé, der schon im Trikot der Offenbacher Kickers zu merkwürdigen Gesten neigte und zudem außerhalb des Platzes nach vorausgegangener Provokation eine Frau geschlagen hatte, als Rabauke kategorisiert und länger gesperrt wird. Durch die inszenierte Relativierung des Vorgehen Bancés durch vermeintlich rassistische Provokation erhofften sich die Verantwortlichen Strafmilderung - und nahmen dabei die Stigmatisierung von Franz als Rassist in Kauf; ein perfides Vorgehen. Ein schmutziges Vorgehen.

Dass im End aber der Spieler Bancé auf Grund seines Mittelfingers nicht gesperrt wird, halte ich für völlig in Ordnung - da hätte es auch die perfide Vorgehensweise der Mainzer nicht gebraucht. Klar, so etwas macht man nicht - aber mein Gott, es war ein Fußballspiel, Bancé hatte keinen Stich gemacht, war entnervt und verärgert, so what? 6.000 Euro Geldstrafe, ein Profi wird es verschmerzen; die Sache ist abgehakt könnte man meinen, freuen wir uns aufs Rückspiel.

Und dann kommt oben gezeigter Screenshot aus Nürnberg ins Spiel, beginnend mit der Überschrift: Täter Franz. Dass die weltliche Gerichtsbarkeit ein wenig anders entschieden hat, spielt für W. Laaß keine Rolle, da versagt kurzerhand die DFB-Justiz. Da braucht es keine Beweise; keine Zeugen. Laaß behauptet einfach mal, Franz habe Bancé mit fiesen Tritten und fiesen Gesten provoziert. Dass nachweislich kein einziger Tritt von Franz im Spiel zu sehen war, auch dies spielt keine Rolle, ebenso wenig wie eine fiese Geste, was immer das sein soll. Und das Bancé Franz geschubst hat (in der Szene an der Bande) wird mirnichts, dirnichts ins Gegenteil verkehrt. Großartig.

Dass aber noch immer von rassistischen Äußerungen die Rede ist, elegant mit angeblich gemildert, der Begriff aber dennoch trotz anders lautendem Urteil erneut verwendet wird, ist eine demagogische Unverschämtheit zum Zwecke den Spieler Franz zu desavouieren. Welche Motivation hinter solchen Kommentaren steckt bleibt fraglich; vor allem wenn absichtliche Lügen wie die fiesen Tritte Verwendung finden. Aber vielleicht hält Laaß nur dem Spieler Bancé die Stange, so vom Nürnberger zum Mainzer Stürmer.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Whatever works!


Samstag Morgen, ich liege auf dem Sofa, rotze vor mich hin und draußen dreht die Welt ihre Runden; noch weiß ich nicht, ob ich es ins Stadion packe. Derbyfieber? Derby? Gegen Mainz? Derby, das ist FSV Frankfurt gegen die Eintracht, so haben es die Großväter erlebt. Jener FSV der 1925 als erste Frankfurter Mannschaft das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft erreicht hatte. Derby, das ist Eintracht Frankfurt gegen Kickers Offenbach. Jene Kickers, die 1959 unseren Sieg im Finale in Berlin als Gegner versüßten. So haben es die Väter erlebt. Aber Mainz? Eine Bereicherung für die Liga ... wird gerne kolportiert - gemeint ist damit eine Bereicherung für die Medien; eine Bereicherung für den Mainzer Sender ZDF um genau zu sein, dazu später mehr.

In Woody Allens neuem Film Whatever works gibt es eine kurze Szene, in der die naive junge Melodie dem alternden Boris vorschlägt, irgendwohin zu gehen, wo es Spaß macht. Die sarkastische Antwort lautet mit Fragezeichen versehen: Ins Holocaustmuseum?

Wenn es funktioniert.

Es regnet, der BvB hat den Club mit 4:0 abgefidelt, Stuttgart kam über ein 1:1 gegen den VfL Bochum nicht hinaus und Hannover trotzte Bayer ein Pünktchen ab. Na gut, ich ziehe mich warm an, Stau auf der A661, Pia fährt, ich maule wegen der Fahrbahnverengung und rotze.

Louisa, Daddy ist schon da. Dunkel, Regen. Das Fanhaus liegt verlassen an den Gleisen, wir marschieren durch den Wald, nehmen beim Bratwurst-Walter eine Wurst und ein Bier, passieren erstaunlich flott den Eingang, und entern den Block: 41 G, wie immer. Die Kurve singt Im Herzen von Europa, einige tragen Nikolausmützen andere Hoffnung.

Anpfiff. Die Eintracht im Schwarz-Rot, die anderen in Grün; Fußball. Es geht hin und her, in der Mainzer Kurve wedeln fünf Fähnchen, später raucht es und der ein oder andere Karnevals-Bengalo illuminiert die Arena. So es Frankfurter gewesen wären, hätte es gehießen: unbelehrbare Chaoten, die sich nicht für Fußball interessieren; da es aber im hiesigen Falle die netten Mainzer waren, heißt es später im ZDF: Super Stimmung. Der Mainzer Torhüter Heinz Müller, geboren in Frankfurt, pariert großartig einen Kopfball von Liberopoulos; im Gegenzug hält Nikolov einen Schuß von Bancé, den Abpraller versemmelt Amri.

Super Stimmung. Die gab es dann in der 29. Minute, als Marco Russ einen weiten Ball in den Strafraum schlug und Maik Franz, der bis dato mit Bancé seinen Spaß hatte in den Ball rutschte und zum viel umjubelten 1:0 für die Eintracht traf. Narhallamarsch.

Fußball, Meier rackerte, Ochs machte Dampf, Korkmaz wuselte und Maik Franz gab alles; ließ sich nichts gefallen und sorgte für die Momente, die den Fan mitreißen und die den Fußball mit den Emotionen versehen, die uns die Zeit vergessen lassen.

In Halbzeit Zwei nahm Mainz das Zepter in die Hand; der hochgelobte Ivanschitz duschte sich bereits und die Eintracht wehrte sich halbherzig gegen die Mainzer Angriffe; hatte Glück, dass sich Bungert und Hoogland bei einem Kopfball gegenseitig behinderten. Selbst als Amri mit Gelb-Rot vom Platz musste, dem Schiedsrichter Beifall klatschte und Bajramovic den Ball aus der Hand schlug, konnte die Eintracht zunächst nicht dominieren. Nikolov wehrte einen erneuten Kopfball in letzter Sekunde ab; Franz wurde von einem Mainzer am Kopf getroffen, blieb liegen; mehrfache Rudelbildung sorgte für heitere Rufe aus der Frankfurter Ecke. Franz und Bancé, Franz und Pekovic; man muss zeigen, wer Herr im Hause ist. Whatever works. Verreck, verreck, Mainzer Dreck ...

In den letzten Minuten konterte die Eintracht endlich so, wie es sich für Elf gegen Zehn gehört und als der kurz vor Ende eingewechselte Teber schön per Hacke auf Ochs verlängerte, dieser nach vorne flitzte und dann clever auf Meier ablegte, der überlegt ins lange Eck schob, war in der 90. Minute der Geck erlegt; Narhallamarsch zum Zweiten.

Die Mainzer Humba fiel aus, die Einracht hatte ihren Job erledigt und die Medienwelt ihre Bilder. Feindbilder.

Wir trafen Kid: trotz Rotz und Kopfweh hatte es sich gelohnt, ins Stadion zu gehen waren wir uns einig - und auch in der Sicht der Dinge, dass wir in der ersten Hälfte Fußball gesehen hatten.

Vor dem Stadion hielt ein Reporter des "Bewusstlos durch den Vormittag-Senders" FFH einigen Eintrachtfans das Mikro unter die Nase, die würdelos den Blutsauger umtanzten anstatt diejenigen zu ignorieren, die stets dann präsent sind wenn Spektakel erhofft wird. Gegen Wolfsburg sind sie dann wieder auf dem Weihnachtsmarkt. Last Christmas und so.

Szenenwechsel, Sofa feat. Rotz.

Zweites Deutsches Fernsehen. Ansässig in Faschingshausen, verantwortlich für die Berichterstattung im Sinne der hiesigen Fußballer; zu Gast Formel1 Fahrer Sebastian Vettel, gebürtiger Heppenheimer und bekanntermaßen Eintrachtfan sowie Thomas Tuchel, Mainzer Übungsleiter - auch durchgehend als Sänger einer Hamburger Band der 90er Jahre.

Vettel überreichte Tuchel ein Präsent; einen Becher vom Spieltag mit der schriftlichen Erinnerung an das Ergebnis des heutigen Tages. Moderator Steinbrecher fragte den Formel1 Helden nahezu verständnislos wie man denn Eintrachtfan wird; mit dem gleichen Duktus hätte er auch fragen können, wehalb man denn Affenhirn essen würde. Der gute Mensch sollte von Geburt an Mainzfan werden, so lieb so nett und so drollig die Kerlchen; da übersieht man gerne einen gestreckten Mittelfinger von Bancé nach Spielende oder die Tatsache, dass aus der Mainzerfankurve wie eingangs erwähnt Rauch und Bengalos aufstiegen. Nicht, dass es mich groß stören würde, alleine die Doppelmoral Superstimmung versus unbelehrbare Chaoten je nach Gusto irritiert gewaltig.

Tuchel durfte sich über vermeintliche Ungerechtigkeiten ausweinen, Steinbrecher triefte vor Verständnis und so langsam können wir zur Normalität zurückkehren. Die heißt im Frankfurter Falle nächste Woche Hoffenheim und das Schlimmste ist zu befürchten: Hier die lustigen Hoppes und dort die bösen Franzfurter; wir, die schwarzgekleideten Fußballdesinterssierten Unbelehrbaren. Ich entschuldige mich schon jetzt für meine kommenden Entgleisungen.

Dass die Frankfurter Rundschau zum Spiel gegen Mainz Franz zum Buhman machen will, einen schmutzigen Sieg gesehen haben will und einen Mainzer unwidersprocen mit den Worten zitiert: Der Mainzer Manager Christian Heidel war zutiefst erschüttert vom Auftreten des Frankfurter Verteidigers passt ins Bild.

Nein, es war nicht schmutzig meine Herren; niemand hat an den Haaren gezogen, niemand hat hinterhältig gefoult, keiner ging auf die Knochen und kein Ellbogencheck war zu sehen. Das wäre schmutzig. Es war ein Fußballspiel; ein emotionales Fußballspiel - und es ist nicht Aufgabe der Medien, einen Spieler, der alles für die Eintracht getan hat, ohne unfair zu sein, durch den Dreck zu ziehen; schon gar nicht die Aufgabe der Frankfurter Medien.

Aber das könnte nach dem 2:0 gegen ZDF Mainz 05 auch egal sein. Ich habe es gestern schon geschrieben: Danke an die, die es möglich gemacht haben. Danke Maik Franz, danke Alex Meier aber auch Dank an Patrick Ochs, Oka Nikolov, Ümit Korkmaz, Marco Russ, Christoph Spycher, Nikos Liberopoulos, Zlatan Bajramovic, Pirmin Schwegler, Chris, Benny Köhler und Selim Teber.

Heute Morgen wehte noch der Geist des Sieges durch das Frankfurter Stadion; gleich, am Bornheimer Hang wird ein anderer im Mittelpunkt stehen: Christoph Preuß. Und darauf freue ich mich.



Whatever works.

Danke!


Eintracht Frankfurt - ZDF Mainz 05 2:0


1:0 Franz 29.

2:0 Meier 90.


Danke!




Die Autogrammkarte stamt vom Eintracht-Archiv. Woher sonst?