Freitag, 15. Januar 2010

Ein Abend mit Christoph Preuß im Museum - Teil Eins



Zum ersten Mal in der über zweijährigen Geschichte des Museums war am 14. Januar ein aktiver Spieler bei einer Abendveranstaltung im Museum zu Gast, sieht man einmal von der langen Nacht der Museen ab, als ebenfalls Christoph Preuß uns besuchte.

Bislang standen Besuche Aktiver ausschließlich im Rahmen der Kinderpressekonferenzen an, die das Museum zu großer Freude des Nachwuchses vor allem in den Ferien anbietet. Den Beginn machte seinerzeit wiederum Christoph, gefolgt von Mehdi Mahdavikia, Markus Pröll, Oka Nikolov, Maik Franz und Alex Meier, die sich vom Nachwuchs löchern ließen.
Nun aber sollte Christoph Preuß vor Fans jeglichen Alters aus seiner Karriere, von Höhen und Tiefen erzählen und - soviel sei vorweg genommen - es folgte ein großartiger und stellenweise bewegender Abend.

Annähernd siebzig Zuhörer fanden sich bei nasskalter Witterung im Museum ein, darunter Kurt E. Schmidt, Sonny, Kid Klappergass oder Frank Gotta, aber auch Christophs ehemaliger Jugendtrainer Kurt Baumann. Stühle wurden heran geschleppt, während ich wieder einmal das Privileg hatte, Christoph durch den Abend zu begleiten. Während unserer Unterhaltung liefen auf dem Monitor Szenen seiner Karriere, die Frank Wagner dankenswerterweise für uns gesichtet und bearbeitet hatte.

Christoph begann seine Karriere in Großen-Linden, wo er in den letzten Jahren von Kurt Baumann trainiert wurde. Er spielte sich über die Kreis- und Bezirksauswahl auch in die Hessenauswahl; dort fiel er Holger Müller auf, der bis heute die Nachwuchsspieler für den Verein Eintracht Frankfurt sichtet und sollte zur Eintracht gelotst werden. Zunächst blieb Christoph noch eine Weile in Großen-Linden, zum einen wollte er einen Zehenbruch auskurieren und zum anderen seinen Heimatverein in die Landesliga schießen, zur U17 jedoch wechselte er an den Riederwald. Mitspieler bei der Eintracht waren Jermaine Jones, Giuseppe Gemiti, Mimoun Azaouagh oder Daniel Gunkel.

Sportlich eine Verbesserung, die Sportplätze jedoch waren in Großen-Linden um einiges gepflegter. Dennoch reifte Preuß zum Jugendnationalspieler im Trikot des DFB, Höhepunkt war sicherlich die Teilnahme an der U-20 Weltmeisterschaft in Argentinien im Jahr 2001, zusammen mit Gemiti und Jones aber auch mit Selim Teber. Das Trainerteam Stielike/Hrubesch hinterließ einen starken Eindruck, vor allem Stielikes takische Fähigkeiten prägten Preuß nachhaltig. Interessierter Nationaltrainer war seinerzeit Michael Skibbe; man kennt sich also schon länger.

Schon als Jugendlicher kam Preuß unter Trainer Bene Lippert zu seinen ersten Oberliga-Einsätzen, bevor ihn Felix Magath zu den Profis beorderte. 21 Spiele standen nach der ersten Bundesligasaison 2000/01 zu Buche und leider auch der zweite Abstieg der Eintracht. Magath, der nach einem 1:5 gegen den 1. FC Köln seinen Stuhl räumen musste, schickte die jungen Spieler nach Ende der Hinserie zunächst wieder in die zweite Mannschaft, dessen Nachfolger Rolf Dohmen besann sich jedoch eines Besseren - erlebte die Saison dennoch nicht bis zum Ende. Friedel Rausch hieß der dritte und letzte Trainer im ersten Profijahr.

Mit Martin Andermatt ging es in der Zweiten Liga zunächst um den direkten Wiederaufstieg, Christoph Preuß absolvierte dabei 30 Spiele und als das anvisierte Ziel in weite Ferne gerückt war, wurde Andermatt durch Armin Kraaz ersetzt; am Ende belegte die Eintracht einen enttäuschenden siebten Platz - und verlor Christoph, der nach Ende der Saison auf Grund leerer Kassen nach Leverkusen wechseln musste; ein Transfer, der der Eintracht das finanzielle Überleben im Profifußball sichern sollte.

Der Wechsel nach Leverkusen stand für Preuß unter keinem guten Stern; schon in der Vorbereitung musste er an beiden Knöcheln operiert werden - auch der Trainerwechsel von Toppmöller zu Augenthaler, der von dem jungen Spieler augenscheinlich nicht allzuviel hielt förderte seine Karriere nicht. Immerhin kam er in drei Championsleaguepartien zum Einsatz, spielte bei Manchester United in Old Trafford sowie in den beiden Partien gegen Newcastle United - wobei ihm der Support der Fans von Newcastle weit mehr imponierte als die hochgelobte Stimmung in Manchester. Das Besondere an den Championsleaguespielen war neben einer frühzeitigen Anreise und dem Training im Stadion sicherlich auch der komplett durchorganisierte und minutiös geplante Ablauf der Veranstaltung.

Vier Bundesligaspiele konnte Christoph für Leverkusen absolvieren, dazu kamen 14 Partien in der Regionalligamannschaft. Da Augenthaler auch für die kommende Saison nicht mit Christoph plante, wurde dieser ob des Bemühens von - man höre und staune - Peter Schuster zur Eintracht ausgeliehen, Ende August 2003 kehrte Preuß nach dem dritten Spieltag in den Kader der von Willi Reimann trainierten Eintracht zurück, nahezu zeitgleich wurde Chris verpflichtet und auch Andy Möller, der schon seine Karriere beendet hatte, sollte noch einmal das Trikot der Eintracht tragen. Der Vertrag jedoch wurde von Christoph Preuß in Höchst vor einem Hotel auf dem Autodach unterschrieben.

Andy Möller, der spätestens nach seinem Wechsel zu Juventus 1992 von den meisten Eintracht-Anhängern mindestens kritisch gesehen wurde - und der auch nach seinem überraschenden Angebot der Eintracht im Jahr 2003 zu helfen, keineswegs mit offenen Armen empfangen wurde, war der Zimmernachbar von Preuß, welcher wiederum gut mit ihm klar kam und durchaus gute Gespräche mit Möller hatte. Er hat versucht, eine Erfahrung weiter zu geben, leider hat dies nach Außen nicht so geklappt.

Die Eintracht bewahrte sich die Chance auf den Klassenerhalt bis zum letzten Spieltag und musste nach einem 1:2 in Hamburg zum bislang letzten Mal den Gang in Liga zwei antreten. Negativer Höhepunkt der Saison war der Schubser von Willi Reimann gegen den vierten Schiedsrichter, der dem Trainer ein Fünf-Spiele-Sperre einbrachte, die dieser nicht auf der Tribüne absaß, sondern in einem Container auf der Baustelle der Haupttribüne. Die folgenden vier Spiele verlor die Eintracht und auch ein zwischenzeitliches 3:0 gegen Freiburg sollte am End nichts nutzen. Preuß abslovierte 29 Spiele, das erste am vierten Spieltag gegen die Hertha - und erzielte drei Tore.

Da Preuß von Leverkusen nur geliehen war und bei Bayer noch zwei Jahre einen Vertrag hatte, musste er formal nach Leverkusen zurück und wurde von dort im Tausch gegen Paul Freier nach Bochum transferiert; immerhin ergab sich dadurch für Christoph die Möglichkeit, international zu spielen - der VfL hatte sich durch einen fünften Platz in der Liga tatsächlich für den Uefa-Cup qualifiziert.

Kam der VfL unter Coach Peter Neururer mit fünf ungeschlagenen Spielen in der Liga noch ganz ordentlich aus den Startlöchern, so folgten binnen weniger Tagen zwei Nackenschläge, von denen sich das Team während der gesamten Saison nicht erholen sollte. Kassierte Bochum beim Pokalspiel in Freiburg in letzter Sekunde den Ausgleich, um in der Verlängerung noch zu verlieren, so kam es neun Tage später im Rückspiel des Uefa-Cups gegen Lüttich noch härter. Es galt ein 0:0 zu verteidigen und der VfL führte lange Zeit sogar mit 1:0 - ein erneuter Gegentreffer in der Schlussminute ließ alle internationale Träume platzen - und am Ende stand für Christoph ein weiterer Abstieg fest, zumal den Neuzugängen relativ bald die Unterstützung des Publikums versagt blieb, sie gar ausgepfiffen wurden. 30 Spiele und zwei Treffer konnten nichts daran ändern.

Da sich Christoph in Bochum nur bedingt wohlgefühlt hat und er zudem schon seit geraumer Zeit mit Heribert Bruchhagen in Kontakt stand, war schon im Winter 2004/05 klar, dass ein erneuter Wechsel zur Eintracht nach Saisonende immer wahrscheinlicher wird - und letztlich auch Wirklichkeit wurde.

Christoph selbst war mit Saison 2005/06 nicht recht glücklich, schwankende Leistungen führten dazu, dass er in der Liga "nur" zu 23 Einsätzen kam und ein Bandscheibenvorfall gegen Ende der Saison verhinderte letztlich die Teilnahme am Pokalfinale gegen die Bayern in Berlin, obgleich die gesamte Mannschaft natürlich im Olympiastadion anwesend war. Glück im Unglück bedeutete für ihn der Umstand, dass er nicht operiert werden musste. Letztlich hielt die Eintracht die Klasse und startete auch in der Saison 2006/07 in der ersten Liga. Durch das Double der Bayern, die nach dem Pokalsieg auch Meister wurden, hatte sich die Eintracht trotz der Niederlage im Pokalfinale für die Teilnahme am Uefa-Cup qualifiziert.


Fotos: Stefan Krieger

Kommentare:

  1. das macht auch beim nachlesen nochmal spaß.
    war wieder mal ein toller abend mit einem gast, der was zu erzählen hat.
    danke beve. danke museum.

    lg daniel

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  2. Ja, Daniel, das ist wahr. Ich kann auch nur allen Beteiligten Dank sagen. Klasse, Beve, dass du diese Museumsabende hier immer noch einmal aufleben lässt und fest hältst.

    Gruß vom Kid

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  3. klasse für die, die nicht dabei waren.

    Danke Axel !

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  4. Ein Spieler der die Eintracht liebt und ein Spieler den die Eintrachtler lieben.

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  5. Und wieder ein Bericht, bei dem man fast glaubt tatsächlich im Museum gewesen zu sein. Schade, ich wäre es gerne gewesen...

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  6. Wehmütiger Dank eines weiteren Auswärtigen...
    :.)

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  7. Danke Beve! So macht lesen wirklich Spass. Christoph Preuß ist wirklich ein Vorbild für jeden, der mal am Boden liegt. Aufstehn. Immer weiter gehn. Egoistisch wie ich bin hoffe ich auf Gänsehaut. Wenn ich seinen Namen wieder in der Startaufstellung mitgröhlen darf.

    Liebe Grüße aus dem Krankenlager
    Thomas

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  8. Bevor ich mich an den zweiten Teil setze, zunächst mein herzliches Dankeschön fürs Feedback.

    Viele Grüße

    Beve

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  9. Auch dir ein herzliches Dankecshön. Du versorgst uns Auswertungen immer so, als wären wir da.
    Danke Beve

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  10. Ebenso - Danke aus dem Exil!

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  11. Schön Geschrieben. Toll wie du die Museumserlebnisse konservierst und weiter gibst.

    Was wollen eigentlich die chinesischen (?) Kollegen da zum Ausdruck bringen?

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  12. DeJan,ich habe den spam einfach gelöscht - da sollte nichts wesentliches zum ausdruck gebracht werden.

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  13. Weißt du's Beve?
    Vielleicht wollten die uns einen Schnäppchen-Stürmer für billisch Geld anbieten, den unsere unfähige (Quelle: Fakt!!1!!, Internet, Leserbriefe ;-) ) Scoutingabteilung nicht entdeckt hat, und du löschst das einfach.....
    Was macht eigentlich ChenYang? :-)

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  14. nene das waren wenn überhaupt naggische junge wilde ;-)

    da bekenne ich mich gerne des löschens schuldig.

    viele grüße

    chen ;-)

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