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Montag, 13. September 2010

Heimspiel in Gladbach


Fünf endlose Monate lang, was in diesem Falle ob der Sommerpause sieben Punktspiele in Folge bedeutet, war die Eintracht ohne Sieg. Begonnen hat der fußballerische Ramadan in Mönchengladbach, just als die Riederwälder nach den Sternen, sprich internationalen Plätzen, greifen konnten. Und nun also wieder Gladbach, jenes Team, welches am letzten Spieltag in Leverkusen mit 6:3 triumphierte - gegen die wiederum die Eintracht den letzten Sieg im März eingefahren hatte.

Alles hat ein Ende, nur der Tod nicht. Glaub ich und so war ich eigentlich guten Mutes obgleich ein Gutteil der Eintrachtfans nach den beiden Auftaktniederlagen eigentlich der Überzeugung war, dass wir haltlos Richtung Abstieg taumeln. Nuja, entschieden wird eine Saison nach dem letzten Spieltag und so waren wir sicher, dass auch heute nichts definitiv geklärt würde.

Bei strahlendem Sonnenschein treffen wir uns unten an der Günthersburgallee; Pia, Christian, Tanja, ich sowie der silberne Golf samt Eintrachtbadeente; der Badeadler dient ja höchstens als Mitbringsel für jene, die schon alles haben und bleibt zunächst im Fanshop. Für Tanja sollte es das erste Fußballspiel überhaupt werden und so versucht Christian ihr während der Fahrt beizubringen, dass ein Großteil der Zeit aus Leiden besteht, aus vergorenen Hoffnungen und trotziger Zuversicht und das Spiel ja nicht alles sei, da der Erlebnisfaktor "Auswärts" gleichwohl seinen Teil zu einem gelungenem Tag beiträgt.

Nach einem kurzen Stopp an der Tanke rollen wir auf die A66, die Uhr zeigt halbelf; Deutschland geht einkaufen und wir lauschen dem Rauschen der Motoren, derweil Arcade Fire, Iron Maiden oder Michael Holm für kurzweilige Unterhaltung sorgen; großartig auch die deutsche Version des Hermans Hermits Klassikers No milk today von den Four Kings; betitelt: Brötchen und Milch.



Derart beschwingt sausen wir über die A3 an Köln vorbei, überqueren den Rhein, folgen der A4 und sehen die Fabrik, in der Wolken gemacht werden, um dann auf der A61 in Mönchengladbach Holt die Autobahn zu verlassen. Erstaunlicherweise staut sich dort der Verkehr nicht in Richtung Stadion, sondern in Richtung Stadtmitte - und da wir etwas entfernt vom Stadion parken wollen, reihen wir uns brav ein. Nach ein paar Metern wird der Grund ersichtlich - eine Baustelle versperrt den klaren Weg, so parken wir den Golf am Straßenrand (völlig legal) mopsen uns einen Apfel und eine Brombeere und spazieren unter der lachenden Sonne durch eine Stadt, die ich ohne Fußball wohl nicht kennen würde.

Beim örtlichen Altbierhändler besorgen wir uns Wegzehrung und staunen über die hiesigen Bräuche; ein Zettel am Kiosk verkündet, dass gebrauchte Zeitungen nicht mehr umgetauscht werden können - auf Nachfrage erklärt der Verkäufer, dass es eine zeitlang Usus war, abgelaufene Fernsehzeitungen mit dem Argument hab nicht aufs Datum geachtet gegen eine aktuelle tauschen zu wollen. Sachen gibt's.

Fröhlich wandern wir an Peter Fischers Bäckerei vorbei und reihen uns in den Strom einlaufender Gladbachfans ein. Borussenfähnchen flattern an den Häusern, an einer Eckkneipe stehen ein paar Frankfurter und Gladbacher zusammen, trinken Bier - im Zweifel Kölsch.

Wir marschieren über die Autobahnbrücke, passieren den Friedhof mit angrenzender Totenhalle; dahinter ragen Flutlichtmasten in die Höhe; sie beleuchten wenn nötig das Hockeystadion, das unsere nächste Station ist. Grüner Kunstrasen umrandet von schwimmbadblauem Kunstrasen liegt torlos auf dem Boden, auf buntbestuhlten Rängen genießen wir die Sonne, bis wir nach einem Rundgang bei einem Supermarkt landen und Nachschub ordern; Astra und Brause - es ist ein schöner Tag irgendwo in Deutschland. Der Supermarkt liegt übrigens in der Helmut-Grashoff-Straße, benannt nach dem ehemaligen Manager der Borussia; in Frankfurt ist keine einzige Straße nach einem Eintrachtler benannt, sieht man einmal von der Rohrbachstraße und der Schaubstraße ab, deren Namen allerdings ursprünglich nicht mit den Kickern zu tun haben. Noch nicht einmal eine Alfred-Pfaff-Allee gibt es hier. Eine Schande.

Wir bewegen uns allmählich Richtung Fußballstadion, die Parkplätze sind voll, die Gladbacher tragen Trikots, auf denen entweder Marvin oder Marin steht und so langsam kommt mir das Spiel in den Sinn. Eigentlich erwarte ich nichts, noch nicht einmal schlechte Laune. Der Einlass geht flott, ich gehe ungehindert zwischen den Ordnern hindurch und treffe wie stets auf jede Menge Leute, wir quatschen über die Aussichten, über die Anfahrt und mit Max über unterschiedliche Ansichten über die ein oder andere Aktion. Dabei saust die Zeit voran und ich kämpfe mich händeschüttelnd durch den Block zu meinen Begleitern. Es sind ne ganze Menge Frankfurter im Block, hier klopft mir Cino auf die Schulter, dort stehen die Geiselgängster, da die Sossenheimer; überall ein großes Hallo, bis ich Pia, Christian und Tanja erreiche; Marc steht dabei; jetzt kann's los gehen - und es geht los. Die Eintracht in Schwarz-Rot mit Nikolov im Tor und Altintop samt Gekas vorne; Gladbach in weiß - und schon nach wenigen Minuten mit dem Rücken anderwand.

Es ist Bewegung im Spiel; Tzavellas verteidigt links hinten gegen Idrissou, Köhler diesmal wieder weiter vorne - und nach 24 Minuten ganz weit vorne: einen von Bailly abgewehrten Kopfball schiebt unsere Nummer 7 überlegt zur Führung ins Netz. Na also, geht doch. Der Block raucht vor Freude, doch nicht allzulange; keine zehn Minuten später hat Idrissou gegen Nikolov den Ausgleich erzielt - denken alle. Doch Schiri Drees entscheidet auf Foul und annulliert den Treffer, das hat er fein gemacht. Denkt sich Oka.

Als dann noch vor der Pause Alex Meier einen schon fast verlorenen Ball von Torhüter Bailly erobert und ihn keck nach innen spielt, woraufhin Gekas recht mühelos das 0:2 erzielt, hat die Eintracht geschafft, was ihr in Hannover nicht gelungen war: einen schönen Vorsprung auf Grund überlegener Spielweise. Aber wir haben vor gar nicht allzulanger Zeit hier völlig verdient mit 2:0 geführt - um am Ende mit 3:4 die Segel zu streichen. Obacht also. Bitte kein Döppdöppdöppdödödöppdöppdöpp. Selbst das 3:0 nach der Pause durch einen fabelhaften Treffer des agilen Ochs nach einem tollen Pass von Schwegler lässt mich zwar ungläubig die Fäuste nach oben reißen - aber keineswegs an sichere drei Punkte denken. Pia hingegen bläst Luftballon um Luftballon auf und schickt den Adler auf die Reise; wenn er weiter in der Luft gehalten wird, freuen wir uns.

Gladbach hätte in diesem Spiel noch Stunden spielen können, es gelang nichts zwingendes, während die Eintracht durch eine fabelhafte Aktion und sauberem Zuspiel von Altintop auf Gekas noch den vierten Treffer erzielt. Der Block grinst und hüpft und freut sich - und dann kam Martins großer Einsatz: Hallo Gladbach, hallo Gladbach wisst ihr noch, wisst ihr noch, könnt ihr euch erinnern ruft er durchs Megafon- und keiner weiß, was jetzt kommen soll. Doch die gedanklichen Fragezeichen zerrinnen zu Staub als die Antwort kommt: Döppdöppdöppdödödöppdöppdöpp. Fangesänge können schön sein.

0:4 zeigt die Anzeigetafel auch nach Spielende. Wir feiern die Mannschaft, die sich allerdings alsbald verkrümeln will und wieder zurück geholt wird und bleiben, bis sich das Stadion fast ganz geleert hat. Und wir sollten belohnt werden, ein Flitzer eilt über den Rasen macht ein paar Faxen, wird von einem Ordner eingeholt, büxt wieder aus und sorgt für Gelächter. Hoffentlich passiert dem Kerl nichts. Jünter, dass Gladbacher Maskottchen trottet bedröppelt über den Rasen. Geil, 4:0 in Gladbach - das bringt Ruhe; zumindest bis zum nächsten Spiel. Aber heute ist heute, morgen ist ein andrer Tag. Und so verlassen wir gemächlich den Block und wandern durch den Gladbacher Spätsommerabend. Erbarme, zu spät: die Hesse komme.

Vor einer Wirtschaft parkt ein Reisebus der Odenwälder Fohlen, im Biergarten ist noch Platz und so entern wir den Laden, in dem DJ Norbert später für DJ-Norbertige Musik sorgen wird und stärken uns für die kommende Heimfahrt, während wir Tanja erklären, dass das heutige Spiel keineswegs das angekündigte Leiden bedeutet. Glaub ja nicht, dass das immer so ist. So recht will uns nicht einfallen, wann die Eintracht zum letzten Mal ein Punktspiel in der Bundesliga auswärts mit vier Toren Unterschied gewonnen hat, die Erinnerung trägt uns zum Beginn der 90er, aber so ganz genau wissen wir das nicht mehr. Aue war Zweite Liga. Christian murmelt was von einem 4:0 in Gladbach, das lassen wir mal so stehen.

Die Odenwälder Fohlen verlassen die Wirtschaft, wir folgen ihnen alsbald und wundern uns, dass auf dem Weg zum Auto echter Hopfen am Straßenrand wächst. Bald sitzen wir wieder im silbernen Golf, der uns so brav durch die Republik kutschiert und tuckern nach wenigen Metern wieder auf die Autobahn. Im Westen versinkt die Sonne, zaubert einen malerischen Himmel zur anbrechenden Nacht und während der leider im Januar verstorbenen Alistair Hulett uns musikalisch daran erinnert, dass immer mehr die einstigen ärmeren Stadtteile in Yuppietown verwandelt werden, spulen wir unspektakulär Kilometer um Kilometer ab. Als wir Hessen erreichen stellen wir fest, dass das jahrzehntelang warnende Schild mit der auffälligen Katze am Elzer Berg verschwunden ist, geahnt haben wir es ja schon länger, doch diesmal haben wir genau darauf geachtet. Wir fahren dennoch langsam, sehen rechts den Limburger Dom, geradeaus Frankfurt und genau dort landen wir nach etwas mehr als zwei Stunden. Nach dem Abschied von Christian und Tanja und rechtzeitig zum Sportstudio rollen wir wieder im Nordend ein, während draußen im Stadion Wladimir Klitschko gerade den Samuel Peter verprügelt; hoffentlich ist der Rasen bis zum nächsten Spiel gegen Freiburg wieder fit.

Drei Punkte hat die Eintracht nun auf dem Konto; 50 sollen es werden - was im End aber auch niemanden mehr interessieren wird. Egal ob es so kommt oder auch nicht. Während in den letzten Wochen Gekas quasi schon als Fehleinkauf klassifiziert wurde, so dürfte nun Amanatidis der nächste Sündenbock sein, der verletzungsbedingt ausfiel und sich jetzt erstmal wieder ins Team kämpfen muss. Wie auch immer, ein 4:0 in Gladbach fühlt sich geil an. Und hier könnt ihr mehr über den sportlichen Aspekt nachlesen. Auswärtssieg!




Montag, 2. August 2010

Heimspiele in Hierzulande

Dienstag, 27.07.2010

Aus dem CD-Player des silbernen Golfs pluggerten Ambientsounds einer russischen Radiosendung mit dem Titel Orangereya, passend zum Ambiente eines chilligen Sommertages. Unser Ziel war Göttingen, die Eintracht sollte am Abend in einem Freundschaftsspiel auf den spanischen Erstligisten Racing Santander treffen, die wenige Tage zuvor gegen Werder Bremen 1:3 unterlegen waren. Wir nutzten den sonnigen Tag, um einen Abstecher in das ehemalige Zonenrandgebiet zu machen, tuckerten durch die Alleen und besuchten Heiligenstadt, einen Kurort nahe der Deutschen Märchenstraße, wo etliche Geschäfte leer stehen und eine Gaststätte Schwarzer Adler heißt.

Von dort gings über die Landstraße nach Göttingen ins Jahnstadion. Und wenn die Namen Göttingen und Jahnstadion im Zusammenhang mit Eintracht Frankfurt fallen, dann denken wir natürlich sofort an Lothar Sippel.

Stimmt natürlich nicht, erst der Blick ins Eintracht-Archiv zeigt, dass die Eintracht in der Saison 83/84 in der ersten Pokalrunde bei Göttingen 05 mit 2:4 unterlegen war (nach 18 Minuten führte der Oberligist damals mit 3:0) und Lothar Sippel, der in der Saison 91/92 14 Treffer für die Eintracht erzielen konnte, seinerzeit in der 76. Minute eingewechselt wurde. Bei Göttingen.

In Göttingen folgten wir dem Eintracht-Bus, der uns urplötzlich entgegenkam und passierten einen kleinen See, dem nach wenigen Metern das Stadion folgte. Fußballerisch ist Göttingen seit Jahren Diaspora nachdem der SC Göttingen 05 nach zwei kurzen Interemezzi in der zweiten Liga Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger durch die Ligen trudelte, 2003 gar pleite ging und nach Auflösung und Neugründung durch die Fusion mit dem RSV Geismar nun den Namen RSV Göttingen 05 trägt. Bis 2003 war das Jahnstadion die Spielstätte des SC, seither wird es nur noch gelegentlich genutzt, so wie heute durch die Eintracht.

Wir parkten bei strahlendem Sonnenschein direkt neben dem Stadion, begrüßten etliche bekannte Gesichter und trafen uns mit Thorsten und Ruth, die ebenfalls aus Frankfurt angereist waren. Auch Steffen aka BlackDeath2k schneite vorbei, für ihn war es ein Heimspiel - nur wenige Meter vom Stadion entfernt ist er aufgewachsen.

Die Sonne glänzte vom Himmel und wir wanderten auf die Gegengerade, die ganz nett gefüllt war; später gab der Stadionsprecher die offizielle Zuschauerzahl durch: 2.400 - und sollte dies Sekunden später auf 1.400 korrigieren. Die Anzeigentafel blinkte und zeigte lustige Smilies mit dem Text Anfeuern: Ja, Randale: Nein - und daran hielten wir uns natürlich. Pia hatte sich mit Kamera bewaffnet schnurstracks in Richtung Laufbahn aufgemacht, während wir dem nunja, munteren Treiben auf dem arg ramponierten Platz zusahen.

Racing erspielte sich kaum Torchancen, die Eintracht erwies sich optisch überlegen, doch es sollte bis zur 41. Minute dauern, bis der erste Treffer fiel - Caio hatte die Torfabrik aus knapp 30 Metern ins Tor gehämmert, wobei Coltorti im Racing Tor eher alt aussah.

In der zweiten Hälfte wurde munter durchgewechselt; Nikolov verdiente sich einen Scorerpunkt, in dem er Altintop den Ball zukickte, woraufhin dieser ein paar Meter lief und das 2:0 erzielte. So wurde mir zumindest berichtet, ich stand am Bierstand zwecks Verpflegung. Aufreger war wenig später eine Großchance von Gekas, der die Wahl hatte, entweder zu treffen oder Altintop anzuspielen, sich aber dann doch dafür entschied, den Torhüter von Santander in Szene zu setzen.

Kurz vor Abpfiff schaffte Santander noch den Anschlusstreffer, was unsere Stimmung aber keineswegs trüben sollte. Unser Weg führte dann in die Göttinger Innenstadt, jede Menge Studenten tummelten sich in der Fußgängerzone, wo wir uns mit noch mit Steffen trafen und ganz nebenbei die Gänseliesel bewunderten.


Mittwoch, 28.07.2010

Der nächste Morgen begann gegen elf Uhr mit einem Anruf unseres geschätzten Museumsdirektors Thoma, der dezent nachfragte, wo ich den bliebe. Oha, während ich eigentlich erst um zwölf Uhr im Museum aufschlagen wollte, zeigte der Terminplan zweifelsfrei zehn an. Shit Happens, ich sauste los, baute die Anlage auf und begrüßte wenig später jede Menge Kinder, die sich anlässlich der bevorstehenden Kinderpressekonferenz mit Ralf Fährmann eingefunden hatten. Und dann kommt er auch schon, der 21-jährige Schlussmann der Eintracht. Wie heißt du - spannende Fragen stellten die Kids und Ralf nahm sich geduldig die Zeit, wirklich jede Frage zu beantworten; annähernd eine Stunde später wussten die Kids Bescheid: Ralf hat einen Bruder, einen Hund und isst am liebsten Pizza - und sie gaben ihm klasse Tipps, wie er seinen Bruder an besten ärgern könne: Einen Eimer Wasser auf die Türklinke stellen. Nachwuchsjournalisten der FR notierten eifrig die Antworten des Tages und schrieben anschliessend einen netten Artikel über den munteren Nachmittag, während Ralf noch Jacken, Arme und Taschen mit Autogrammen verzieren durfte. Ich baute derweil die Anlage wieder ab.


Sonntag, 01.08.2010

Manchmal ist es ganz praktisch im Museum der Eintracht an Spieltagen zu arbeiten, eine Arbeitskarte berechtigt nicht nur zum Einlass auf das Gelände, sondern bringt es mit sich, auch ein Fußballspiel ansehen zu können, für das ich sonst keinen Eintritt bezahlt hätte: Die Eintracht gegen Chelsea FC, den amtierenden Englischen Meister. Pia und Daddy waren dabei und wir parkten in der Tiefgarage, wo wir auf Bernd Hölzenbein trafen, der allerdings nicht mitspielen sollte. Wir marschierten zunächst ins Museum und anschließend entgegen den Bundesligaspielen nicht zu unserem angestammten Platz in Block 41G, sondern orientierten uns Richtung Block 42, dem äußersten Stehplatzbereich und hockten uns auf die Stufen. Die Erfahrung aus der Partie gegen Real Madrid vor zwei Jahren hatte uns gezeigt, dass Spiele gegen namhafte Gegner in der Saisonvorbereitung eher unter dem Aspekt Sommerfußball abzulegen sind; die Eintrittspreise jedoch gesalzen sind. So auch dieses Jahr. Zwar ist es ganz interessant die Herren Terry oder Malouda, Lampard oder Essien, Anelka oder Mikel aus der Nähe zu sehen, sportlich jedoch ist solch Spektakel in dieser Phase nur bedingt reizvoll.

Das Dach im Stadion war geschlossen, dafür flackerte die Leuchtreklame vor den Kurven arg irritierend und lenkte permanent vom Spiel ab. Werbebande, so heißen diejenigen, die solche Reklametafeln installieren, nahezu Bandenterror. Nachdem im Vorfeld Wladimir Klitschko und Samuel Peter - die am 11.09. im Stadion auf den Spuren von Muhammed Ali und Karl Mildenberger wandeln werden - von Frau Rauscher mit einem Bembel und von den Mannschaftskapitänen mit Trikots beglückt wurden, pfiff Schiri Brych die Partie vor 45.000 Zuschauern an.

Aufschlussreich war die Erkenntnis, dass Georgios Tzavellas durchaus in die Fußstapfen von Christoph Spycher treten kann, dass Altintop die eher durchwachsene Form der letzten Spiele konserviert hat und Sebastian Jung sich anschickt, mein aktueller Lieblingsspieler zu werden - neben Amanatidis natürlich, der im Zusammenspiel mit Ochs einen schon verloren geglaubten Ball zurück eroberte und erneut zu Ochs passte, welcher die Eintracht mit 1:0 in Führung brachte - wobei der Torhüter von Chelsea alles andere als souverän aussah; zum Running Gag sollten sich während der gesamten Partie dessen Abschläge entwickeln.

Nach der Halbzeit ersetzte Ralf Fährmann den ewigen Oka, während Habib Bellaid für Maik Franz ins Spiel kam. Später folgten noch Altintop, Rode, Caio, Fenin, Korkmaz, und Heller, während Clark und Kittel auf der Bank schmoren mussten. Tisch-Rivero, Steinhöfer und Petkovic gehörten diesmal nicht zum Kader. Chelsea wechselte bis zum Schluss außer dem Torhüter komplett durch und die Partie passte sich ein wenig dem Rasen an, der durch die Footballspiele der letzten Wochen doch arg waidwund daherkam.

Von den Rängen ertönte: Ihr werdet nie Deutscher Meister oder In Europa kennt euch keine Sau, was Lampard aber nicht davon abhielt, den zwischenzeitlichen Ausgleich zu erzielen. Als Russ im Strafraum umgerissen wurde, nahm sich Altintop Pille und Herz und verwandelte den fälligen Elfmeter zum 2:1 Siegtreffer für die Eintracht. Gewinner des Spiels waren neben der Eintracht sicherlich die Herren Amanatidis, der einen strammen Schuss knapp neben das Tor setzte, Köhler, der sich allmählich zu Uwe Bindewald zwei entwickelt sowie Nikolov; Fährmann sah beim Treffer Lampards nicht wirklich glücklich aus - aber er ist noch jung und voller Hoffnung.

Heute hat uns dann Attila besucht, eine ganze Gruppe Kinder hing gebannt an den Lippen des Falkners Norbert Lawitschka und beantworte lautstark dessen Fragen: Was frisst ein Mäusebussard? Mäuse. Ein Fischadler? Fische: Ein Steinadler? Steine.

Naja, fast.


Samstag, 22. August 2009

Heimspiel in Köln


Das Spiel begann für mich eigentlich mit einer beeindruckenden Pressekonferenz am Donnerstag; Kölns Torhüter Faryd Mondragon sprach diese Woche vor der versammelten Medienlandschaft Klartext - und nötigte nicht nur mir Respekt ab. Kid hatte dazu einen Bericht verfasst und das Video verlinkt, schaut es euch an. Auch das Schweigen danach.

Köln.

Irgendwas war anders, etwa Entscheidendes fehlte auf dieser Fahrt, nämlich Pia. Sie hatte in den sauren Apfel gebissen und sich bereit erklärt, im Museum zu arbeiten. Irgendjemand muss ja schließlich den Geburtstagskindern, die dort feiern, die Geschichte der Eintracht erläutern und sie durchs Stadion führen - und zudem dafür sorgen, dass sie auch ihre Freude daran haben. Das ist auch gut für die Kids, welche ja die Hools von morgen sind.

Und so holten wir noch vor zehn Christian ab und steuerten den silbernen Golf auf das ruhige Gelände des Frankfurter Stadions. Ganz alleine waren wir jedoch nicht, Habib Bellaid und Pirmin Schwegler drehten ihre Runden um den Trainingsplatz während Mehdi Mahdavikia mit Ralf Fährmann sich das Bällchen zu spielte; Momentaufnahmen zu einem Zeitpunkt, als der Rest der Mannschaft schon in Köln weilte.

Ich marschierte noch kurz in den Fanshop und besorgte ein neues Maskottchen, die graue Maus muss sich ja noch von der letzten Saison erholen und nach einem Museumskaffee ließen wir Pia schweren Herzens in Frankfurt zurück und rollten auf die Autobahn, um nach wenigen Kilometern im Stau zu stehen. Schon von hinten erkannten wir die kreisenden Lichter des ADAC-Wagens und entdeckten bald die Ursache des Staus: eine Karambolage. Danach ging's zwar etwas flotter voran, jedoch waren die Straßen ob des Reiseverkehrs zum Ende der hessischen Sommerferien gut gefüllt. Eines jedoch sei euch in der Mitte träumenden Autofahrern ins Stammbuch geschrieben: Es ist kein Armutszeugnis, die rechte Spur zu benutzen; es wird nicht bestraft und es ist auch kein Verlust des Sozialprestiges. Aber was soll ich sagen: Wenn die vorhandenen Räume nicht genutzt werden seid ihr in guter Gesellschaft; auch die Eintracht tat es euch später gleich - vielleicht sollte man sich da mal zusammen setzen.

Holprig aber stets ging es voran, wir unterhielten uns über das Phänomen, dass die Hamburger Arena im kommenden Jahr schon wieder einen neuen Namen bekommen wird, den wahrscheinlich ebenso wie den jetzigen Namen kein Mensch erinnert und tuckerten unaufgeregt Richtung Köln, Morrissey sang über den Boy Racer:

He thinks he got the whole world in his hands
Stood at the urinal
He thinks he got the whole world in his hands
And I'm gonna ... kill him !

und wir entschieden uns kurz vor einem Stau, die Autobahn zu wechseln, überquerten den Rhein und rollten nach wenigen Kilometer entspannt auf die Aachener Straße. Statt rechts zum Stadion bogen wir links Richtung City ab und parkten den Golf nach wenigen Minuten in einem gepflegten Wohngebiet. In den Taschen steckten Stehplatztickets für die Gästekurve, umgerechnet kostete eines an die 40 DM. Stehplatz in Köln. Poldi-Zuschlag. Frechheit.

Wir wanderten die Straße entlang, gönnten uns ein Schöppchen und wurden trotz der relativ frühen Stunde von etlichen Autos mit Frankfurt-Aufklebern überholt; auch waren schon etliche Kölner unterwegs; die Sonne hielt, was der Sommer verspricht, linker Hand ragten die Gebäude eines Fernsehsenders in die Höhe, ein findiger Tankstellenbesitzer vermietete Parkplätze für fünf Euro, dahinter lag die Sporthochschule im Grün und dahinter wiederum das Kölner Stadion.

Die großen Wiese davor lud zu gepflegtem Rumlungern ein und mit einer Stadionwurst bewaffnet, machten wir es uns dort bequem. Die Musik aus den umliegenden Buden war grauenhaft schunkelig, der Rasen noch ein wenig feucht und wir beobachteten, wer denn so alles des Weges kam. Die Geiselgangster-Crew war inzwischen gelandet, Celi und Kroni hockten sich zu uns, André kam vobei - und war sich sicher, dass heute viele Tore fallen würden - und dass Bajramovic nicht von Beginn an spielen würde; da Schwegler ja in Frankfurt geblieben war, tippten wir auf Benny Köhler auf links. Die Stimmung war freundlich, nur wenig Polizei ließ sich im Hintergrund blicken, Frankfurter und Kölner mengten sich problemlos und auch die Einlasskontrolle war entspannt. Eine Gruppe Kölner zog ein Wägelchen mit Musik hinter sich her, irgendwer flog, flog, flog - ach, es ist ein Elend mit dem öffentlich zur Schau gestellten Musikgeschmack hier in Köln; selbst ein Fußballspiel mutiert zu einem verkappten Junggesellen-Abschied, der am Ballermann sicher besser aufgehoben wäre.

Ich traf Henning, der mich auf die bevorstehende Choreo aufmerksam machte - und auf die Tatsache, dass es kein Problem gewesen sei, Hunderte von Stock-Fähnchen im Block auszulegen, in Bremen wird man schon für weniger verhaftet - und es ist wie immer: Wenn die Spieltagsorganisation den Fans Spielraum lässt, bannt man die Gefahr gelebter Aggressionen, wenn die Fans aber gegängelt und drangsaliert werden, fördert man eben diese. Von daher haben die Kölner alles richtig gemacht. Danke dafür.

Wir suchten unseren Platz im Unterrang direkt unter dem Dächelchen, Bierbecherwurf-geschützt und umgeben von all denen, die immer dabei sind, die Geiselgangster, die Sossenheimer, Per-Sempre und wie sie alle heißen. Ein Spruchband der Kölner Fans verwies auf die Brandrede von Mondragon, sie bedankten sich für die offenen Worte und ein anderes zielte offensichtlich auf die reaktionäre Initiative Pro Köln, die nit gebrucht wird. Gut so.

Die Mannschaftsaufstellung der Eintracht brachte die erste Überraschung; mit Caio, Liberopoulos und Meier tummelten sich nominell gleich drei Spieler in der Mitte, davor noch Amanatidis - wir gingen also davon aus, dass über die Flügel nicht viel gehen würde - und waren ein wenig verwundert. Verwundert blickten wir auch auf die Cheerleader, die auf dem Rasen rumturnten und zu - wie soll es anders sein - grauenhafter Musik Übungen vollführten. Später lief dann noch der Song der Kölner, eine Adaption des schottischen Traditionals Loch Lomond, am bekanntesten vielleicht in der Version von Runrig - und ich muss sagen, dass dies noch eines der besseren war. Das will was heißen: Durch dick un durch dünn janz ejal wohin, nur zesamme simmer stark, FC Kölle. Na meinetwegen.

Und dann ging's los, wir schwenkten die Fähnchen, eine Blockfahne wurde hochgezogen, von oben flogen Kreppbänder - leider ein wenig zu früh, denn diese sollten erst beim Einlauf der Mannschaften geworfen werden was aber nicht jeder wusste. Martin beschwerte sich - aber was soll's, es hat sicherlich gut ausgesehen, auch wenn nicht alles geklappt hat.

Der 1.FC Podolski startete flott, ein vom Prinz nach innen gezogener Ball wurde von Novakovic nur knapp verpasst, nur wenig später setzte sich auf der anderen Seite Amanatidis durch, dessen Schuss aber abgefälscht wurde, wodurch der Ball über das Tor segelte.

Nach einem Gerangel bei einem Freistoß für die Kölner erhielten die Stürmer Amanatidis und Liberopoulos am eigenen Strafraum gelb, Ama schimpfte wie ein Rohrspatz - und damit haben wir auch schon die auffälligsten Szenen unserer Nummer 18 geschildert- es wäre wohl besser gewesen, er hätte nicht durchgespielt, auffällig viele Fehler bei der Ballannahme und kaum in Ballbesitz schon wieder ohne, das war zu wenig, Ama wird es selbst am besten wissen. Auch Caio, Liberopoulos und Meier spielten dezent unauffällig, Teber verhedderte sich mehrmals, allein die Defensive um Nikolov, Ochs, Russ, Vasoski, Spycher und Chris hielt den Laden halbwegs zusammen. Bei den Kölner konnte Podolski nicht überzeugen, auffällig hingegen spielte für meine Augen Maniche, der gut die Bälle verteilte und dem ÄffZäh sicher noch weiter helfen wird. Novakovic braucht noch Spielpraxis, gegen die Eintracht hielt er sich Gottseisgdankt noch zurück.

Unser Support war laut, an Texten wie Wo ist euer Stadtarchiv schieden sich die Geister, wer aber DinA4-Zettelchen mit der Aufschrift 100% Hetero hochhält, der muss sich die Frage gefallen lassen, ob dies denn wirklich eine dolle Leistung ist und was er eigentlich damit vermitteln will. Eintracht, Eintracht hallte es durch Stadion - und auch das war gut so. Mainz führte derweil gegen die Bayern mit 2:0, heilige Scheiße, blühen uns jetzt wieder dolle Mainzer Wochen? Lieber Gott, lass die Herren Gomez und Co treffen. Mindestens dreimal.

Halbzeit, fiese Fanbox und langweilige Unterhaltungen auf dem Rasen; das Kölner Unterhaltungsprogramm für die ganze Familie kommt dermaßen bieder daher, dass ich für die Inszenierung von Frankfurter Heimspielen eigentlich ganz dankbar bin. Das fällt auch erst auf, wen du dir mal genauer anschaust, was die anderen so machen. Aber die tragen ja auch Einkaufstüten statt Trikots am Leib. Anika schickte mir aus Frankfurt eine SMS, dass am Geburtstag von Pia unsere Lieblingsband in Frankfurt ein Konzert geben wird- ein Grund zur Freude, den ich gleich ins Museum weiter leitete.

Der große Aufreger der zweiten Halbzeit begann mit einem Katastrophenpass von Meier, der von Ehret abgefangen wurde. Ochs stürmte heran und erwischte von der Seite nicht den Ball sondern die Beine des Kölners, klares Foul und prompt leuchtete das rote Kärtlein in die Kölner Sonne, und von nun an mussten sich zehn Frankfurter gegen elf Kölner erwehren. Franz kam ins Spiel und rückte auf Ochs´Position, dafür musste Liberopoulos gehen, später wurden Caio und Teber durch Bajramovic und Köhler ersetzt; die Kölner drückten die Eintracht in die eigene Hälfte - kamen aber kaum zu zwingenden Torchancen. Die Eintracht hatte ab und an Raum für Konter, aber weder Caio noch Meier noch Köhler und schon gar nicht Amanatidis konnten sich durchsetzen. Zwischenzeitlich pöbelte ein älterer Kölner in Richtung Eintrachtkurve und wollte sich dann über das dargereichte Bier nicht bedanken, während Franz im Kölner Strafraum umgeschubst wurde. So zitterten wir, auf dass uns ein Punkt erhalten bleiben möge - und beinahe wären es doch noch deren drei geworden, doch Meier brachte den Ball in aussichtsreicher Position nicht unter Kontrolle.

0:0, aus dem weisgesagten torreichen Spiel wurde nichts, aber immerhin nicht verloren. Und schon wieder ungeschlagen SGE tönte es aus unserem Block, etliche Spieler feuerten ihre Trikots in die Kurve und als Fazit bleibt, dass gut gemeinte Worte des Trainers guten Fußball nicht ersetzen. Wir werden sehen, was fürderhin passiert - immerhin wird Ama kein zweites Spiel dieser Art hintereinander abliefern, Schwegler gegen Dortmund wieder dabei sein und Ochs einige Wochen gesperrt sein - wird das die Chance für Jung, der mit der U23 beim KSC II ebenfalls ein 0:0 erreichte?

Christian und ich verließen nach Bekanntgabe der anderen Ergebnisse (Mainz-München 2:1) das Stadion, trafen auf die Familie Podolski und auf Hans-Peter und Beate, erreichten den Golf und fuhren in Richtung Köln-Sürth, um aus persönlichen Gründen dem dortigen Friedhof einen Besuch abzustatten. Still war es, und recht traurig wurden wir, als wir per Zufall an einem Grab eines mit vier Jahren verstorbenen Kindes verweilten, Spielzeuge lagen obenauf, Kerzlein brannten und wir wussten, das es etwas Besonderes ist, an einem Sonnentag unbeschwert durch die Lande zu reisen. Eben stehst du noch hier, bald liegst du hier und bald ist alles vergessen und vergangen und übrig bleibt vielleicht ein Gedanke von dir, den irgend jemand denkt, der dich nie gesehen hat.

Nachdenklich rollten wir auf den Highway, Bonn vor uns, die Sonne im Rücken, und im Cd-Player wechselten sich Kasabian, Green Day und 2Raumwohnung ab. Wir werden sehen sang Inga Humpe - und sie wird Recht behalten. Durch die Eifel rollten wir nach Koblenz, die Hügel trugen Gipfelkreuze, der Rhein floss mächtig wie stets, Montabaur, Limburg, Funkturm Frankfurt, Heimat.



Wieder einmal ist alles gut gegangen, wieder einmal war ein Auswärtsspiel mehr als nur Fußball und wir besprachen die Einzelheiten des Tages bei einem Schoppen im Backstage. Charly war dort, auch Horsti - und manchmal ist es ein gutes Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Hoffentlich wird es nicht lange dauern, bis wir wieder unterwegs sind. Und dann ist Pia auch wieder dabei. Und unser neues Maskottchen. Denn wenn die Eintracht schon baden geht, dann bitte mit Ente.



Dienstag, 18. November 2008

Zitat der Woche


Fehler passieren durch Tore.


Eintracht-Verteidiger Patrick Ochs im HR Heimspiel vom 17.11.2008