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Sonntag, 16. August 2009

Alles bleibt anders

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Den ersten Aufreger der Woche lieferte die Bekanntgabe der Einstellung des kostenfreien Versandes des Stadionmagazins für die Mitglieder der Fan- und Förder- sowie Fußballabteilung von Eintracht Frankfurt. Hier, hier, hier als auch hier könnt ihr Stellungnahmen seitens der Agierenden/Betroffenen nachlesen; gerade für die auswärtigen Fans der Eintracht war dies ein schöner Service, der nun zu Ende geht. Letztlich scheiterte es am Geld - oder?

Samstag, 14:00

Pia und ich warteten bei strahlendem Sonnenschein auf Daddy, der aus Dietzenbach kam; Treffpunkt wie immer: Louisa. Prompt kommt der kleine Jeep angerollt; Hallo, big five, Fußmarsch.

Vorbei am ruhigen Fanhaus wanderten wir durch den Stadtwald und waren eigentlich guter Dinge; traditionell verliert die Eintracht ja nach rauschhaften Auftritten (Bremen) das nächste Spiel, vor allem, wenn es gegen Aufsteiger und Schlusslichter geht - aber nun ist alles anders. ER spielt und überhaupt.

Während Matze und Billy vor dem Museum tapfer Fanartikel an den Mann resp. Frau brachten, drückte ich unserem Museumschef eine Videokamera in die Hand, auf dass er von exponierter Stelle die geplante Choreographie aufnehmen könne - und die Reaktion der anwesenden Geehrten gleich dazu - die Meister von 1959 waren nämlich im Stadion zu Gast und bestaunten die von unseren Ultras organisierte und der gesamten Kurve durchgeführten Choreo.

Während wir also kurz vor Spielbeginn tapfer die Papptafeln in die Höhe hielten und nun verschämt darunter hindurch lugten, erklang über die Lautsprecher das wunderbare Lied: Der Meister heißt Eintracht. Dazu wurde auf dem Videowürfel zunächst das Meisterteam und anschließend unser damaliger Kapitän Alfred Pfaff mit der Schale in der Hand eingeblendet - die aktuelle Mannschaft lief ein, ohne Schwegler, und die Meister freuten sich ob des Kurvenbildes. Erst spät in der Nacht konnte ich die Bilder mir im Netz anschauen - und bin immer noch begeistert:


Das Spiel begann recht flott, der Videowürfel warf lustige Schatten auf das Spielfeld und noch viel lustiger wurde es in der 17. Minute, als Amanatidis einen langen Ball auf Meier schlug, der sich reckte und per Kopf zu Caio ablegte, der direkt das 1:0 erzielte. Just in diesem Moment hatte die Eintracht die Tabellenführung in der Bundesliga übernommen und so tönte kurz darauf Spizzereiter, Spizzereiter durchs Stadion. Aber auch die Gästekurve war gut gefüllt, der Nürnberger Support recht ordentlich und mit der knappen Führung ging's in die Pause.

Nun ja, kurzen gepflegten Gespräche in der Halbzeit folgten ungläubige Blicke in der zweiten: Nürnberg flitzte, die Eintracht tat sich zunehmend schwerer, scheiterte wiederholt am starken Nürnberger Keeper Schäfer - und nicht unverdient traf der kurz zuvor eingewechselte Bunjaku zum Ausgleich für den Club. Nikolov konnte einen Schuss von Charisteas gerade so abwehren - gegen den Nachschuss war er machtlos.

Mit zunehmender Spieldauer zeigten sich die Nürnberger resistenter gegen die Hitze - obwohl sich ein Fan von seinem Bengalöchen trennte und es in den Innenraum warf - und folgerichtig traf Bunjaku zum 2:1 für den Club. Ich sackte zusammen, bekam den folgenden Anstoß nicht mit und hoffte die nächsten Minuten auf den Ausgleich. Irgendwann blickte ich auf den Videowürfel - und meinte zu Pia: Guck mal, die haben noch gar nicht umgestellt. Pia starrte mich mit fragendem Blick an: Wieso, es steht doch 1:1. Daddy drehte sich um: Was, es steht immer noch 1:1?

Jawoll!

Ich schaute wohl selten dämlich - und so langsam dämmerte es mir: Das Tor zählte nicht, wir lagen nicht zurück. Strike! - für mich fühlten sich die nächsten Minuten an, wie ein Ausgleich nach Rückstand. Später flitzte Ochs noch zweimal wie ein wütender Stier über außen, dann war nach dankenswert kurzer Nachspielzeit Schluss - und die Eintracht hatte zwar nicht die Halbzeittabellenführung verteidigt - aber auch nicht verloren. Das ist doch was. Nur noch 36 Punkte zum Klassenerhalt. Der Adler ist gelandet.

Abends führte uns unser Weg ins idyllische Gutleut an den Main, zur Bembelbar. Zwischen Eisenbahnbrücken und einer Kläranlage floss der Main majestätisch Richtung Hoechst, Nachtlichter spiegelten sich darin, hinter uns erklangen wahlweise Eintrachtsongs, Hessische Mundart und Social Distortion; ein Angler hielt stoisch die Angelrute ins Wasser - bis wir merkten, dass es sich um eine Puppe handelte und mit einem Apfelwein in der Hand plauderten wir in die Nacht. Schön war es dort mit Gerd und schusch und Jens und wie sie alle heißen. Die, die immer da sind.

Einen Tag später besiegte unsere U23 am Bornheimer Hang vor den Augen von 330 Zuschauern (darunter Heribert Bruchhagen, Edwin Boekamp, Patrick Ochs und Jan Zimmermann) den SC Pfullendorf durch ein Tor von Sebastian Jung mit 1:0. Leider musste der agile Zlatan Bajramovic nach einer guten halben Stunde verletzt vom Platz - besser wäre es, der Pfullendorfer Trommler hätte es ihm gleich getan. Dieser hämmerte nämlich während der gesamten Spielzeit auf seinem Schlagwerkzeug herum, dass 329 Zuschauer bei jedem Schlag zusammenzuckten. Wer Auswärtssupport von Pfullendorf erlebt hat, der freut sich auf die Vuvuzelas. Und über den ersten Saisonsieg unserer U23.

Nun ist Köln wichtig. Kommenden Samstag. 15:30.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Too young to die


Das Spiel Eintracht gegen Bayern ist immer ein besonderes Spiel. Mal ist es besonders unwichtig, weil die Bayern eh gewinnen und dies nicht nur gegen die Eintracht, sondern gegen (fast) alle anderen Teams, quasi das Streichresultat der Runde - und mal ist es besonders wichtig, weil die Eintracht gewinnt. Es gab in der Historie unter Anderem direkt verwandelte Eckbälle, den Uefa-Cup Halbfinalsieg, eine Niederlage, die am grünen Tisch in einen Sieg verwandelt wurde und es gab einen Fallrückzieher von Christoph Preuß. Zuletzt hielt uns Oka Nikolov einen Punkt in München fest.

Heimspiele gegen Bayern München zeichneten sich Jahrzehnte vor allem dadurch aus, dadurch aus, dass die Ränge durchsetzt waren von bajuwarischen Anhängern, die in den Siebzigern und Achtzigern wenig bis nichts zu feiern hatten - bis Klaus Augenthaler Uli Stein nahezu von der Mittellinie überwand und dass meist ein Frankfurter fehlte, nämlich ich. Spiele gegen die Bayern waren für die anderen, gegen Düsseldorf oder Schweinfurt war ich dann wieder dabei.

Seit einiger Zeit verkauft Eintracht Frankfurt Tickets für die Partie gegen Bayern zumeist an Dauerkarteninhaber, somit hält sich der rot-weiße Andrang in Grenzen und ich bin seit ein paar Jahren brav dabei. So wie gestern, am 29.10.2008.

Noch am Nachmittag hatte sich unsere U23 durch ein ungefährdetes 3:0 gegen den TSV Großbardorf am Bornheimer Hang an die Tabellenspitze der Regionalliga-Süd gesetzt, am Abend rollten Biber, Pia und ich Richtung Louisa, trafen auf meinen Daddy und marschierten durch die Dunkelheit Richtung Stadion. Die Blätter schwebten wie Schneeflocken von den herbstlichen Bäumen; der Stadtwald beginnt, sich winterfein zu machen und wir wanderten zur Mörfelder Landstraße, Lichter der Zivilisation.

Autos parkten am Rand, von überall her strömten Menschen zusammen, aßen Wurst oder tranken Bier beim Bratwurst-Walter, am Country Kitchen, die Stimmung war gelöst. Hinter uns lagen zwei Siege, vor uns die Gewissheit, dass auch eine Niederlage im heutigen Spiel kein Beinbruch wäre, trat die Eintracht doch mit einem Kader an, der durch die vielen Verletzten arg ausgedünnt war. Amanatidis, Bajramovic, Bellaid, Chris, Inamoto, Köhler, Krük, Meier, Preuß, und Vasoski konnten nicht auflaufen, dafür saßen die U23-Akteure Chandler, Mössmer und Tsoumou auf der Bank, was willst du da groß erwarten? Einsatz und Laufbereitschaft sicherlich, vielleicht ein bisschen Glück.

Der Einlass ging flott, wir waren früh dran, und nach einem kurzem Hallo im Museum wanderten wir auf unsere Plätze. Es sind nicht die besten, aber es sind unsere seit Jahren, dort im Oberrang in der 14ten Reihe, wo die Einlaufkids später sitzen werden und viele Plätze von Spiel zu Spiel wechseln, Dauerkarten gibt es hier relativ wenige, man freut sich über bekannte Gesichter.

Die Mannschaftsaufstellung wurde verkündet, jedoch nicht der Trainer und dankenswerterweise Weise gabe es auch den Hinweis auf die geplante Reaktion der Kurve zum Tod des vergangenen Samstag getöteten Carsten. Ihm zum Gedenken sollten die ersten drei Minuten stehend und schweigend verbracht werden, auch an den Treppenaufgängen fanden sich einige Hinweise. Banner hingen keine, und auch die Fahnen blieben an diesem Tag zu Hause.

Und so wurde der Videowürfel zunächst dunkel, zeigte dann ein Erinnerungsbild, während über die Boxen ein Lied abgespielt wurde, welches die Gemütslage vieler traf, Stage Bottles - too young to die.


Im Stadion herrschte weitgehend Stille, sogar die gut gefüllte Gästekurve schwieg während der ersten drei Minuten, nicht selbstverständlich und anerkennenswert - und erst nach Ablauf der 180 Sekunden wurde es laut.

Die Eintracht kämpfte, Bayern spielte pomadig und wenn sie einmal vors Tor kamen, hielt Nikolov den Kasten bis zur Halbzeit sauber. Einige Bayern-Anhänger hatten sich in unsere Kurve verirrt, forderten meinen Hintermann zum Setzen auf und zeigten auf ein Neues, dass üblicherweise der Kick gegen die Münchner eigentlich verzichtbar war.

In der zweiten Hälfte traf Steinhöfer unter Mithilfe von Demichelis zum 1:0 für die Eintracht, ein Hoffnungsglimmen setzte ein - und wurde durch zwei Treffer von Borowski und Ribery jäh zerstört, obgleich Fenin noch kurz vor Ende einen Rückzieher knapp übers Tor von Rensing wuchtete. Der Bayern-Keeper hatte sich durch seine aufreizende Art keine Freunde geschaffen, verzögerte Mal auf Mal das Spiel und ich hoffte sehr auf Tsoumous Tor in der letzten Sekunde, allein es fiel nicht - und so gewannen die Münchner wieder mal in Frankfurt - gegen eine Eintracht, die hoch erhobenen Kopfes vom Platz gehen konnte. Sie gaben alles - und es sollte nichts nutzen. Und so wurden die Jungs von der Kurve gefeiert, während sich gerademal fünf Bayernkicker in die Gästekurve trollten, um den weitgereisten Fans zuzuwinken, der Rest verschwand schnurstracks in die Kabine.

Und wir marschierten zwar nicht gut gelaunt aber zuversichtlich in das herbstliche Dunkel der Nacht, nachdem Pia noch den Inhalt eines vom Oberrang nach unten geworfenen Bieres abbekam. Sonntag, 17:00 bei Borussia Mönchengladbach.

Auswärtssieg!




Stage Bottles - Too young to die
in memoriam carsten a.