Sonntag, 28. März 2010

Was war ist längst vergangen

Typisch Eintracht, kaum habe ich mich entschieden, die Internet-Situation eine zeitlang nicht mehr mit Worten zu füttern, legt die Diva vor meinen Augen eine Performance hin, die so nicht zu erwarten war. Noch als ich in Ägypten Bakschisch verteilte, vergeigten die Jungs die Partie in Hannover und zudem hatten sich Franz und Teber vorzeitig verabschiedet, während Ochs nach der fünften gelben Karte gleichfalls für ein Spiel ausfiel. Die alles geschah, während ich auf den Spuren der Pharaonen weilte und noch am gleichen Tag nur wenig später mit Daddy und Pia den Nil überquerte - also genau das Team, welches eine Woche danach Augenzeuge des jetzt schon legendären Sieges gegen die Bayern wurde.

Hah, ich hab's doch gewusst werden einige von euch jetzt sagen - erst kommt die vollmundige Ankündigung, den Blog Blog sein zu lassen - und nur einen Wimpernschlag später kann er die Griffel nicht von der Tastatur lassen. Inkonsequent mein Lieber, höchst inkonsequent.

Jaja, ihr habt Recht - und auch doch nicht.

Wie kam es eigentlich zu diesem Blog? Lange Zeit schrieb ich regelmäßig im Forum der Frankfurter Eintracht - in einer Zeit, als wir mit anderthalb Beinen in der Regionalliga standen und kaum jemand einen Pfifferling auf die Eintracht gab. Jedes Wort kostete damals bares Geld; DSL und Flatrate waren noch nicht erfunden, wir loggten uns via Modem ins Netz ein und wussten: Zeit ist Geld.

Dies erscheint nun wie ein Rückblick in eine Zeit des schwarz-weiß Fernsehens, obgleich das alles noch gar nicht so wahnsinnig lange her ist. Etwas später wurden Poldi und Schweini ebenso wie die Flatrate erfunden; die WM brach über den Fußball herein wie ein Ikea-Katalog mit Happy Family Angeboten in ein Sechziger Jahre Arbeitszimmer - Fußball sollte zu einem Event für Groß und Klein werden - das nackte sportliche schien nicht mehr so wichtig, solange bunte Farben im Gesicht für nette Fernsehbilder sorgten und die Beteiligten ihren Spaß hatten. Es war ja auch eine nette Zeit; aus Sorge um unschöne Fernsehbilder hielt sich Polizei und Sicherheitspersonal merklich zurück, Engländer hüpften in den Main und die Deutschen entdeckten die mediterane Lebensform für sich - und alles was nicht in die dolle Stimmung passte, wurde einfach nicht gesendet und gab es somit auch nicht.

Sollten heute Fußballfans von Brücken in den Main springen oder im Gerechtigkeitsbrunnen baden, haben wir es nicht mehr mit unbeschwerter Lebensfreude resp. Sommermärchen zu tun, sondern mit unbelehrbaren Chaoten. Sogenannten.

Wie dem auch sei, die Eintracht setzte schon im Jahr 2006 zu einem Höhenflug an, erreichte das Pokalendspiel und damit verbunden sogar den Einzug in den Europapokal - der in Istanbul unglücklich aber nicht enttäuschend endete. Das war die Belohnung für die mageren Jahre, die mit dem ersten Abstieg 1996 begonnen hatten und mit dem beinahe Lizenzentzug 2002 ihren Höhepunkt fanden.

Fanclubs schossen wie Pilze aus dem Boden, die Fanabteilung verdoppelte ihre Mitgliederanzahl und sogar der Dauerkartenverkauf wurde begrenzt; die Eintracht war hip und die Zahl der angemeldeten User im Eintrachtforum stieg exorbitant - nicht immer ein Indiz für eine Qualitätssteigerung.

Kurz und gut, ich fühlte mich mit der Zeit im Forum immer weniger heimisch. Zeitgleich entdeckte ich die Möglichkeit der Blogs. Kid Klappergass hatte begonnen, seine Inhalte in seinem eigenen Blog aufzuarbeiten; kurz zuvor hatte der Blog-G der Frankfurter Rundschau seine Pforten geöffnet - zunächst weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Mittlerweile hatte ich meinen eigenen Blog installiert und wollte zunächst nur alte Forumsbeiträge, wie Heimspiel in ... sortieren und aufbewahren - ohne dies öffentlich frei zu schalten. Als Kid dann aus privaten Gründen seinen Blog schloss, gab es wenig außerhalb der Medien zu lesen - und so entschied ich mich, Beves Welt öffentlich zu machen. Wenig später ging Kid wieder online - und auch der Blog-G gewann an Zulauf, nicht zuletzt durch User, die früher vorwiegend im Eintracht-Forum gewortet hatten. Und so kam es, dass urplötzlich neben dem Forum gleich drei doch recht häufig frequentierte Blogs am Start waren - was der Übersicht wegen kein Einfaches war. Wer sich informieren wollte, hatte nun die Qual der Wahl.

Mittlerweile ist aber auch die Bloggerei Mainstream geworden - es gibt jede Menge davon und man kann Tage mit nichts anderem im Netz verbringen, als Fußballblogs zu lesen. Blogs verlinken sich gegenseitig; interviewen sich gegenseitig, finden sich gegenseitig wahnsinnig toll und wichtig und es soll sogar eine eigene Blogger-Szene geben.

Jetzt ist es so, dass der Betrieb eines Blogs sehr zeitaufwendig sein kann. Recherche, tippen, Bilder machen, bearbeiten, einfügen - da gehen Stunden bei drauf. Wer einigermaßen Wert auf Qualität legt, der sollte von Zeit zu Zeit auch mal bei den Kollegen vorbei schauen, sich informieren etcetera pp. Und das ist ein Fulltimejob. Und wie es so ist - wenn aus etwas Besonderem ein Allgemeines wird, dann bringt die Beschäftigung damit mit sich, dass nicht nur nützliche oder schöne Informationen ins Hirn dringen, sondern jede Menge Unfug. Über den kann man sich aufregen. Oder einen Blogeintrag machen. Ich will mich aber eigentlich gar nicht mit Unfug beschäftigen; schon gar nicht deshalb, damit die Zeit rum geht. Denn davon habe ich eindeutig zu wenig. Und deshalb habe ich beschlossen, kaum noch im Netz zu lesen - und wenn, dann gezielt. Wenn irgendwo zu einem Thema Hunderte von Kommentare zu lesen sind, dann lege ich die Hand dafür ins Feuer, dass nahezu fast alle schon Sekunden nach dem Verfassen oder Lesen keine Sau mehr interessieren. Weshalb also vorher lesen?

Was bleibt?

Vielleicht die Erinnerung an Tage, an denen man das Gefühl hatte, gelebt zu haben. Dies ist in Ausnahmefällen sogar im Internet möglich. Und deshalb wird es sicherlich auch von mir den ein oder anderen Beitrag geben - auch auf vielfältige Bitten von eurer Seite hin, insbesondere was die Heimspielserie oder Museumsberichte angeht.

Aber seht es mir nach, wenn meine Präsenz oder mein Verlinken von anderen Seiten rapide nachlässt. Jeder dürfte ja mittlerweile wissen, wo es was zu lesen gibt. Ihr müsst mich ja auch nicht verlinken; ihr müsst auch nicht kommentieren. Ihr könnt aber. Vielleicht ist es ja auch nicht verkehrt, zu angeln.


Kommentare:

  1. Angeln ist nicht so mein Ding, Beve. :-) Es kann aber nicht verkehrt sein, das zu machen, worauf man Lust hat. Und es zu lassen, wenn man den Spaß daran verliert. Oder eben wieder damit anzufangen, wenn es erneut in den Fingern juckt.

    No promises, no debts and no regrets.

    Gruß vom Kid, der in den letzten Wochen hoffentlich endlich gelernt hat, auch mal "Nein" zu sagen.

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  2. Unkommentiert zur Kenntnis genommen ,-)

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  3. Beve, mir gefällt dein Rücktritt von Rücktritt außerordentlich. Dein Blog ist wie eine geogetaggte Plasikbox - wer sie findet und öffnet kann viel Wertvolles entdecken.

    Deshalb werde ich auch immer wieder meinen Taglink hierher öffnen, mich erfreuen und was da lassen :-)

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  4. die geogetaggte plastikbox, das war ein ding :-)

    ihr angler und blogger und helden des alltags, lassts euch gutgehen - soweit wie möglich.

    viele grüße

    beve

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  5. Axel,
    ich will ja auch nur ab und zu ein schönes "Heimspiel" lesen. Mehr brauch ich gar nicht, Kommentare darfst du auch gern abschalten.

    Das man keine Lust mehr hat sich in diesem zum Gebabbel-Fakt!!!-Deppenmedium verkommenen Netz weitergehend zu beteiligen ist doch völlig nachvollziehbar.;-)

    grüße

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  6. Axel, Du hast Recht. Man muss das Tempo des eigenen Schreibens immer mal variieren, dann rostet da auch nichts ein.
    Btw. Röschen und ich haben Dich neulich in Fechenheim vermisst zur Lesung von Simon Schweitzer VII. ;-)

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  7. Hi Beve,

    super, dass Du wieder da bist. Ich kann diesen niveaulosen Informationsmüll im Forum auch nicht mehr ab - habe die Besuche dort eingestellt. Dein Blog ist etwas ganz anderes, hat einen schriftstellerisch-philosophischen Touch, kommt ohne Rechtschreibfehler aus und berührt Hintergründe.

    Also dann - weiter so. Unsere Eintracht wird Dir noch genug Gelegenheit zum Schreiben geben. Übrigens: Verlinkung kannst Du weglassen, brauche ich nicht. Ich lese sowieso nur Deinen Blog.

    Alles Gute
    Diego

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