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Mittwoch, 3. November 2010

Vo Mello bis ge Schoppornou


Vor Jahren, als die Eintracht dank des überragenden Oka Nikolov bei den Bayern ein 0:0 erreichte, folgte ich in der legendären Hütte im Wald bei Rosbach dem Spiel mit zwei Handvoll Eintrachtlern mittels eines Transistorradios - ein wahrhaft erinnerungswürdiges Erlebnis, zumal ich ja meist bei Auswärtsspielen der Eintracht vor Ort bin. Nun spielte beim 3:1 der Eintracht bei St.Pauli erneut ein Transistorradio eine wesentliche Rolle - fernab der Heimat und fernab von Hamburg.

Chris und Petra fahren seit Jahren nach Österreich auf eine Hütte in den Bergen und beim Apfelwein auf dem Erzeugermarkt wurde die Idee geboren, dass ich doch einmal mitkommen möge. Gestählt durch die Tage auf der Rosbacher Hütte sagte ich freudig zu - und so kam es, dass ich letzten Donnerstag mit vier Gleichgesinnten von Hofheim über Würzburg, Rothenburg und Heidenheim Richtung Bodensee rollte, jedoch ohne den silbernen Golf und ohne Pia - und da dämmerte es mir: So wir aussteigen, wird kein Stadion in der Nähe sein; ungewöhnlich für einen Aufenthalt auf deutschen Autobahnen kurz vor einem Eintrachtspiel.

Bei Bregenz gedachten wir Bruno Pezzey und während sich die Dunkelheit über Voralberg legte, rollte der allradgetriebene RAV durch Tunnels und kletterte in die Höhe, bis wir unser Ziel erreichten. Naja fast; die allerletzten Meter mussten wir laufen; 200 Meter - in die Höhe und alles, was oben benötigt wird, zudem in den Händen tragen. Das hört sich simpel an, bedingt aber einen steilen Marsch durch in diesem Falle verschneites Gelände; auf dem Buckel das Gepäck, in der einen Hand einen Kanister Apfelwein in der anderen eine Taschenlampe und schon nach wenigen Schritten fängst du an zu keuchen. Die Wanderschuhe finden keinen Halt, es ist dunkel und rutschig und verdammt steil. Schritt für Schritt quälst du dich den Berg hinauf, der Atem geht kurz und du schaust nur auf den Weg, dann vezweifelt in die Höhe und du sehnst dich nach einem Ankommen, an das du selbst nicht mehr glaubst. Selbst als mir Chris nach gefühlten Stunden den Apfelweinkanister abnimmt geht es kaum merklich voran; eine Ahnung steigt in mir hoch, wie es ist, wenn du das Ziel greifen kannst und doch davor liegen bliebst, weil alle Kraft am Ende ist. Doch irgendwann war es geschafft, ich war oben, warf mich auf eine Bank und japste wie Caio nach dem Laktattest.

Drei wilde Gesellen aus Hofheim hatten sich schon am Vormittag aufgemacht und die Stube geheizt, so dass der Empfang ein warmer war. Auf dem Ofen im Vorraum kochte Wasser für Nudeln; Wasser, das aus einer Quelle ständig in einen hölzernen Trog lief und die Getränke kühlte. Im Sommer sind die Kühe des Landwirtes hier oben im angrenzenden Stall, nun ist's dafür zu kalt; wir waren alleine. Über knarzende Stufen führt der Weg nach oben in die Schlafräume, einfache Matratzen liegen auf einem Lattenrost, dazu eine Decke und einen Schlafsack, fertig ist das Lager für die Nacht: Wichtig ist eine Taschenlampe, denn es kann dunkel werden. Sehr dunkel.

Nach Errichten des Schlaflagers, nach einer warmen Mahlzeit und einem Schluck Abbelwein kehrten die Lebensgeister zurück und durch einen Blick durch das Fenster wurde mir bewusst, wo ich gelandet war: Der Mond beschien die umliegenden Berge, die verschneit und steinig den Blick begrenzten; mächtig ragten die Kolosse in den Sternenhimmel und zeigten, wie klein und schwach der Mensch angesichts der mächtigen Natur sein kann. In der Stube hing ein Eintrachtfähnchen sowie ein Foto des Endpiels von 1960, dazu Bilder des Heiland am Kreuze, drunten im Tal glimmten die Lämpchen der Häuser. Stille.

Der nächste Morgen sollte das Panorama in aller Klarheit zeigen, die Höhensonne gleißte auf den schneebedeckten Hang, die Berge ragten in die Höhe und wir genossen den Tag; später ging es zu Fuß hinab ins Tal zum Auto, Einkäufe wollten getätigt werden - es wartete also später ein erneuter Aufstieg auf uns. Durch die Sonne schmolz der Schnee recht schnell, Wildbäche rauschten die Felsen hinab, während wir durch Orte wie Au fuhren und Lebensmittel besorgten. Der Rückweg mit Rucksack schien zwar etwas leichter als am Vorabend, aber einfach geht anders - immerhin: wir hatten, was wir brauchten und die Belohnung ist stets ein herrliches Panorama. Und ein Abbelwein dazu.

Matchday. Wir nutzten den Sonnenschein für einen Rundweg, der über die ein oder andere Alm über Schnee und Gras, über Abhänge und Stein durch den Berg führte. Rinnen zeugten von Lawinenabgängen, Spuren von Gemsen, die ich jedoch nicht zu Gesicht bekam. Dafür aber alle paar Meter ein neues Bild von Schnee, Bergen, Licht und Schatten. Als wir zurückkehrten machten die Spieler der Eintracht sich am Millerntor warm, wir aber tauschten den alten, vermoderten Trog gegen einen neuen aus, den der Bauer aus einem Baumstamm herausgearbeitet hatte. Alsbald rauschte das Wasser durch den neuen Trog, während draußen auf einem Tisch das Transistorradio das 1:0 für St. Pauli verkündete. Michi aber war überzeugt, dass die Eintracht mit 3:1 gewinnt. Delta, der während der letzten Tage obgleich Eintrachtler eine St. Pauli Mütze getragen hatte, legte diese während des Spiels ab, es sollte eine weise Entscheidung gewesen sein. Kurz vor der Halbzeit gab es in den Bergen Elfmeter für die Eintracht - und Gekas - wer sonst - verwandelte zum Ausgleich. High Five im Schnee, in dem wenig später ein Grill stand, worin Holzscheite verbrannten.

Erst flog Asamoah vom Platz, dann folgte eine SMS von Roland, der uns mitteilte, das die kleine Eintracht in Darmstadt in den letzten Minuten noch mit 1:2 verloren hatte und dann traf Gekas zum 2:1 für die große Eintracht. Während wir mit dem Ergebnis hochzufrieden waren, wartete Michi in Seelenruhe auf den dritten Treffer und tatsächlich: Sekunden vor Schluss traf Caio - selten habe dann ich einen Mann gesehen, dessen ganzer Körper mehr ich habs doch gewusst ausstrahlte, als der Geselle mit der Kappe und dem Eintrachtshirt neben mir. Wahnsinn, die Eintracht war auf den dritten Tabellenplatz gehüpft und wir grillten Steaks in einer Höhe von 1500 Metern.

Wir feierten ausgiebig bei Kartenspiel und Abbelwein, schwatzten lustigen Unfug und von Zeit zu Zeit marschierte ich aus der Hütte, um in die Nacht, den Schnee und die mächtigen Berge zu blicken, während in der Stube der Ofen bollerte und im Vorraum Wasser in den neuen Trog lief. Die Sterne standen gut.

Am Sonntag war der Schnee fast vollständig geschmolzen, gräserne Abhänge umgaben uns nun, die im Sommer vom Bauern per Hand gemäht wurden. Nach Kaffee und Aufräumen packten wir unsere Sachen zusammen und wanderten zurück zum Auto. beim Bauern gab es noch einen Kaffee, dazu ein Stück Käsekuchen und einen Eintrag ins Gästebuch. Nebenan rumorten die Kühe, die während des Winters ihr Dasein im Stall fristen müssen; erst im Frühling geht es wieder hinaus in die Höhe.

Wir erfuhren, dass ein paar Jungs aus der Gegend gerade einen Riesenhit in den österreichischen Charts hatten, verabschiedeten uns und rollten die Berge hinunter. Chris und Petra, Michi, Andrea und ich im Allrad, während Holger, Delta und Maxi im Fünfundachtziger Peugeot 306 saßen. Ein letzter Halt an einer Tanke und schon verließen wir die Berge, tuckerten auf die Autobahn und hörten, wie Mainz 05 gegen Dortmund verlor. Aus dem Autoradio erklangen Klassiker von Bruce Springsteen oder Fleetwood Mac und gegen Acht erreichten wir Frankfurt in der hessischen Dunkelheit. Ich verabschiedete mich von meinen Mitfahrern, bei denen ich mich ganz artig für das großartige Wochenende bedankte und marschierte noch ein paar Meter auf ebenen Straßen, bis ich mich wohlbehalten bei Pia zurück meldete. Solltet ihr irgendwann in diesem Leben mit roten Wurfteufeln konfrontiert werden, dann denkt an Beves Wochenende in den Bergen. Und an die Jungs im 40er, die den Text von Im Herzen von Europa nicht kennen geht der dezente Hinweis: Lernt singen. Wie die Buben aus dem Bregenzer Wald:



Dienstag, 21. Juli 2009

Unterwegs

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Ich weiß gar nicht mehr, woher die Geschichte stammt; die Geschichte von dem Juden, der sich aus Amerika ins gelobte Land aufgemacht hatte, um nach einer Weile wieder nach Amerika zu reisen. Dort blieb er eine Zeitlang, bis er wieder nach Israel aufbrach. Dies wiederholte sich einige Male. Als er dann gefragt wurde, wo er denn am liebsten sei, in Amerika oder in Israel, da antwortete er sinngemäß: Am liebsten bin ich unterwegs.

Ich war unterwegs - und bin mir sicher, dass ein Reisebericht hier nicht auf sonderliches Interesse stoßen würde, schließlich geht es hier ja um Fußball im Allgemeinen und der Frankfurter Eintracht im Besonderen; außerdem geht euch mein Privatleben ja auch gar nichts an :-)

Da aber der Fußball in meinem Leben stets eine Rolle spielt, so blieb es natürlich nicht aus, dass ich auf die verschiedensten Aspekte des Rasensports während meiner kleinen Reise gestoßen bin - und davon soll hier die Rede sein - und auch das fotografierte Bild wird davon sprechen.


Berlin

Stets wenn ich in Berlin bin, treffe ich Thomas. Thomas kommt aus Gelsenkirchen und er ist natürlich Anhänger von Schalke 04. Als kleiner Bub schon stand er in den Katakomben des Parkstadions und wartete auf die Spieler, um sich Autogramme geben zu lassen. Wir unterhalten uns oft über die Vergangenheit, die eigenen Erlebnisse und Geschichten; Thomas ist auch der einzige Mensch den ich kenne, der während einer Fernsehübertragung eine Flasche Bier nach dem Fernseher geworfen hatte; damals, als Schalke in den Uefa-Cup-Endspielen gegen Inter Mailand Chance um Chance vergab - bis es dann doch noch zu einem glücklichen Ende kam. Meist erfahre ich etwas Neues, so auch diesmal. Oder wusstet ihr, dass Schalke zwar 1904 gegründet wurde - allerdings unter dem Namen Westfalia Schalke. Die Vereinsfarben waren rot und gelb. 1919 fusionierte Westfalia Schalke mit dem Turnverein zu Turn- und Sportverein Schalke 1877 bis 1924 die Trennung von den Turnern dafür sorgte, dass ein Fußballverein übrig blieb: Fußballklub Schalke 04 e.V. Die Vereinsfarben wurden Blau und Weiß. Schalke trägt seine Spiele heute in einer Turnhalle im Stadtteil Erle aus.

Eine Geschichte, die stark an die eines anderen Vereines erinnert, nicht wahr? Bloß dass die Farben der Eintracht seit den Tagen vom Fußballclub Victoria und den Frankfurter Kickers stets Rot-Schwarz-Weiß waren.

Leider blieb ich nur ganz kurz in Berlin, allerdings reichte die Zeit, um einen kurzen Abstecher in das Stadion zu machen, in dem Union Berlin im letzten Jahr seine Heimspiele austrug, da die alte Försterei renoviert wurde: in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark am Mauerpark. Ein Tor stand offen, und ich radelte hinein. Flutlichtmasten, Zäune, Laufbahn, Haupttribüne, bunte Schalensitze und eine kuriose Sprecherkabine prägten das Stadion, in dem sogar Michael Jackson schon aufgetreten war und die Hertha einige internationale Spiele absolviert hatte. Wenn man ganz alleine in einem Stadion ist, und sich umschaut, da hört man manchmal schon das Geraune der Jahrzehnte und sieht vor seinem geistigem Auge die Heerscharen, die hier Bratwurst und Bier verzehrend sowohl die ganz junge Hertha als auch zu DDR-Zeiten Vorwärts Berlin und den BFC Dynamo erlebt hatten. Als ich das Stadion verlassen wollte, war das Eingangstor geschlossen und ich musste mir etwas einfallen lassen. Aber das ist eine andere Geschichte.


Papendorf

Kaum war ich in Berlin, war ich auch schon wieder draußen, durch Brandenburg rollte ein altes Mercedes Coupé, Thomas und ich cruisten durch den Osten Deutschlands, rechter Hand die Müritz, bis wir in unmittelbarer Nähe von Alesia die Autobahn verließen und in Papendorf Station machten; Pia verweilte mit den Kids dort - und wir verbrachten den Abend mit Freunden auf der Terasse, Rehe staksten aus dem nahen Wald auf die Wiese, wo zwei Tore aufgebaut waren. Am nächsten Morgen spazierten wir durch den Ort und entdeckten Vorboten des Ortes, dessen Erwähnung uns allen Bauchschmerzen bereitet. Im Nieselregen drehte die erste Mannschaft der SG Warnow/Papendorf ihre Runden, wer weiß schon, wie hier die Laktattests ausfallen.


Alesia


Warnemünde

Wer als Tourist hierher kommt, der ist nie alleine. Andere waren schon hier, andere sind hier - und sie alle hinterlassen Spuren. Die Touristen tragen Socken zu den Sandalen, fotografieren Möwen und Schiffe, essen Fischbrötchen und kaufen Souvenirs, während sich die Kitesurfer mit dem Wind über die Wellen ziehen lassen. Wir fotografierten Möwen und Schiffe, aßen Fischbrötchen und kauften keine Souvenirs, weil uns die Verkäuferin zu unfreundlich war - aber
dies ist eine andere Geschichte; mitgebracht aber haben wir einige Details, die nun folgen:
















Hasloh


In Hasloh ist die TuS Hasloh zuhause - und für das Team kickt der Sohn unserer nächsten Gastgeber - und trifft ab und an ins Schwarze. Enno ist großer Werder Bremen Fan und hat sogar das Pokalendspiel in Berlin gesehen, als Diegos letzter Einsatz den Pokalsieg brachte. Er hat sogar das letzte Autogramm, das Diego in Bremen bei dessen letztem Training in Bremen gegeben hat. Jetzt ist er ganz traurig, weil Diego nach Turin wechselt. Er weiß aber, dass ich Eintracht-Fan bin und mir Kyrgiakos näher steht als der kleine Brasilianer - aber das machte nichts. Ennos Papa, Ingo, ist ebenfalls großer Werder Fan. Er hat bei Kutzops vergeigtem Elfmeter nur wenige Schritte von ihm entfernt gestanden und hat auch Siegmanns Foul an Lienen aus nächste Nähe gesehen; und noch viel mehr dazu - aber dies ist eine andere Geschichte.


Hamburg

Hasloh ist nur wenige Schritte von Hamburg entfernt - und als wir in Hamburg einliefen, da rollten wir an der Sportanlage von Victoria Hamburg vorbei. Und dort führt Walter Frosch die Gaststätte. Ihr kennt Walter Frosch nicht? Na, dann schaut euch doch einmal dieses Video an:



Nun kennt ihr Walter Frosch.


Wer in Hamburg verweilt, der kommt natürlich an Fußball nicht vorbei. Das HSV-Stadion ist schlicht mit Arena ausgeschildert, wie diese nun gerade heißt, wissen wahrscheinlich nicht einmal eingefleischte HSV-Fans.

Die St. Pauli Anhänger wollen dies sicherlich gar nicht wissen - aber auch sie prägen das Stadtbild - zumindest in kleinen Details. Und das ist auch gut so.

Elbe, Millerntor, Docks und Speicherstadt - kaum waren wir in Hamburg drin, waren wir schon wieder draußen und bald ging es zurück nach Frankfurt; Autobahn, Sonne, Regen und gegenüber ein Stau, der sich gewaschen hatte .


Autobahn - Irgendwo in Deutschland


Meilen entfernt von der Hansestadt findet sich auch hier Hamburg, recht pfiffig, wie ich finde - denn nun folgt mein Lieblingsbild; beim nächsten Besuch im Norden werde ich diesem Verein sicherlich einen Besuch abstatten; Wer solche Fans hat, kann nämlich kein ganz Schlechter sein:


Noch auf dem Rückweg rief mich Christian an und wir erfuhren Neuigkeiten; Ralf Fährmann, unser neuer Torhüter hatte sich die Hand gebrochen. Stimmt, die Eintracht gibts ja auch noch. Alles wie immer.

Gute Besserung Ralf!