Sonntag, 28. Februar 2010

Heimspiel in Stuttgart


Eben noch Dortmund, dann Hamburg und nun schon Stuttgart - das dritte Auswärtsspiel im Februar lag an; eigentlich war sogar die Partie der U17 beim gleichen Gegner am Samstag terminiert, so dass Interessierte sich quasi ein Vorspiel hätten anschauen können - wenn es nicht kurz zuvor aus obskuren Sicherheitsgründen auf den Sonntag verlegt worden wäre. Die Eintracht gewann dieses Spiel heute sogar mit 2:1 und hielt damit den direkten Konkurrenten in Schach, soviel vorneweg.

Da Pia am Samstag im Museum die Stellung hielt, hatte ich mich mit Stefan verabredet, der nicht nur eine Eintrittskarte für mich hatte, sondern auch eine Mitfahrtgelegenheit anbot. Und so trafen wir uns um 11 Uhr an der Rothschildallee unweit vom Backstage. Eifrige Ordnungshüter notierten emsig Strafzettel für Falschparker; dass der Wagen der Aufpasser ebenfalls im Halteverbot parkte, sei hier nur als Randnotiz angemerkt.

Die Wege waren seit gefühlten Jahrzehnten von Schnee und Eis befreit, die Sonne blinzelte durch den aufplatzenden Himmel und wir rollten auf die Autobahn. Noch am Donnerstag hatten wir uns im Museum gesehen, als die Veranstaltung zur Fanszene der neunziger Jahre anstand - was natürlich für reichlich Gesprächsstoff sorgte. Demnächst werde ich mich sicher an die Arbeit machen, und über den Abend hier in aller Ausführlichkeit berichten; immerhin war es ein spannendes Jahrzehnt: Fußball 2000, Uefa-Cup-Reisen, Rostock, Heynckes, Abstieg, Gründung der UF97, beginnendes Internet, Aufstieg, Fjörtoft - einige Stichworte mögen an dieser Stelle genügen.

Nach all den Wochen des Eises und Schnees hüpfte das Herz im Leibe, als Frühlingsboten durch die Luft flatterten obwohl wir an Mannheim (SAP-Arena) und Sinsheim (SAP-Arena) vorbei rauschten. Weinberge vor Heilbronn, Abfahrt zur A81, Zuffenhausen, Stuttgart, Stau.

Noch vor wenigen Jahren mussten sich die Autofahrer über den berühmt-berüchtigten Pragsattel nach Cannstatt quälen, nun führte uns ein Tunnel flott hindurch. Kurz vor der Wilhelma erblickten wir Tageslicht und fuhren nun an Stuttgarts Zoo entlang. Lange Schlangen vor den Kassen zeigten, dass die Schwaben den Frühlingsanfang aktiv verbringen wollten, während wir nach einigen Kilometern in Sichtweise zum Stadion den Wagen an einem Aktivspielpatz parkten und uns zu Fuß in Richtung Fußball aufmachten.

Der Neckar floss trübe durch die Stadt, ein Kanute in rotem Kanu paddelte einsam im Wasser, während wir durch die freundliche Sonne marschierten um über die Brücke zum Stadiongelände zu gelangen. Stuttgart und Mercedes Benz - Straßen, Stadien, Autos und sogar die Kinder dürfen hier diesen Namen tragen. Und wer nicht Gottlieb, Daimler, Mercedes oder Benz heißt, der heißt Fritzle. Oder Thorschten - wie sich später zeigen sollte.

Zunächst aber zeigten die Parkplätze eine rechte Leere und das Stadiongelände sich als irgendwie steril. Die Porsche-Arena protzte neben dem Stadion, dazwischen das Carl-Benz-Center - Hochglanzödnis ohne Charme; ähnlich die Gastronomie - scharf bewacht durch Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Wir begannen, das Stadion zu umrunden, wanderten an Souvenirständen vorbei und erkannten nun die Baustelle der Untertürkheimer Kurve im Süden des Stadions.

Gegenüber lag ein Imbiss, im Angebot Worscht und Bier und dort trafen wir auf Stefans Freunde, die extra aus Zürich angereist waren. Ich versuchte ein paar Stuttgarter in ein freundliches Geplauder zu verwickeln - und was noch in Hamburg quasi Pflicht war, führte hier zu Blicken, als hätte ich vorgeschlagen, kleine Kinder zu verprügeln. So isser, der Schwob.

Wir verlagerten nun den Ort des Geschehens ein paar Meter weiter zur Gaststätte des Polizeisportvereins und beobachteten ein munteres Treiben von Stuttgarter und Frankfurtern Fans, während zwei Jugendmannschaften, sich ihren Weg zum angrenzenden Sportplatz bahnten. Später sollten wir erfahren, dass der Zutritt für Frankfurter hier nahezu erkämpft werden musste; hieß es noch in der offiziellen Mitteilung seitens der Polizei, dass jene Gaststätte explizit als Treffpunkt für Eintrachtler ohne Karte ausgewiesen wurde, so wollten die Kollegen vor Ort davon nichts wissen. Heidenei.

Ab nun begann Auswärtsfußball, will sagen, dass der kurze Weg zum Gästeeingang künstlich versperrt war. Wir mussten statt dessen einmal im Karrée laufen, um nur wenige Meter vom Ausgangspunkt entfernt hinter einem Zaun zu landen. Schattig war's, ungemütlich dazu und der Zugang zum Stadionbereich nur mit gültiger Eintrittskarte möglich. Vor den wenigen Eingängen stapelten sich die Eintrachtfans, die nach intensiver Kontrolle unterhalb der Gegentribüne zu ihrem Bereich geführt wurden, der ob des Umbaus sich am äußersten Rand der Cannstatter Kurve befand. Der VfB hatte Karten zu unterschiedlichen Preisen verkauft, die einen als Sitz-, die anderen als Stehplätze; dem Ordnungsdienst aber war es egal, wer wo hin ging. Dass alle stehen würden, war klar - dass die einen aber 15, die anderen 25 Euro dafür gezahlt hatten eine Frechheit.

Und damit sind wir schon bei einem der zentralen Themen, die ein Auswärtsspiel in Stuttgart charakterisieren. Frechheit. Und da will ich das Maskottchen Fritzle sogar ungeschoren davon kommen lassen, ihr wisst, seit Emma sehe ich die Dinge gelassener.

Eine Frechheit sind nicht nur unterschiedliche Preise für die gleichen Plätze oder die Divergenz zwischen Ansage und Ausübung polizeilicher Handhabung. Eine Frechheit ist es, nahezu während des gesamten Spieles über die Anzeigetafel Werbung laufen zu lassen (Spätzlepartner des VfB ist...) sondern auch der Stadionsprecher, der gegen Ende des Spiels gleich einem Marktschreier die Fans zum aktivem Mitmachen bewegen wollte. Hoch interessant war auch die Durchsage nach wiederholtem Böllerwurf. Dass die Dinge nichts beim Fußball verloren haben ist klar; wenn der Stadionsprecher aber darauf hinweist, diese bitteschön nicht in den Innenraum zu werfen, staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, denn was bliebe übrig? Genau, die gegnerische Kurve - oder die eigene. Na denn ...

Sport:

Die Eintracht begann mit Jung an Stelle von Franz, dessen Trainingsverletzung einen Einsatz nicht zugelassen hatte und statt dem gelbgesperrten Teber lief Caio von Beginn an auf. Schon nach wenigen Sekunden hatte Jung die Führung auf dem Schlappen, verzog aber. Fortan entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel ohne zwingende Chancen. Die Eintracht zeigte sich insgesamt zu fahrig, Altintop zog weite Kreise und Caio? Der setzte im Strafraum der Schwaben nach, eroberte sich das Leder, schaute kurz auf und passte zum freistehenden Köhler, der problemlos zu unser aller Freude einschob.

Die letzten waren noch am Jubeln, da hatte Cacau schon für den Ausgleich gesorgt. Nikolov ging bei einer Flanke nicht aus dem Kasten und der Brasilianer köpfte unbedrängt sein sechstes Tor im dritten Spiel im Laufe der Woche für den VfB. Die Cannstatter feierten den Treffer mit Rauch und gleißenden Kunstlicht, einige Böller rummsten und es war wie so oft: Wenn es gegen Frankfurt geht, muss jeder zeigen, was er kann. Damit nicht genug zimmerte Cacau nur wenige Minuten später die Kugel sogar zur Stuttgarter Führung ins Netz. Halbzeit.

Über die Anzeigetafel flimmerten kleine Spots, die vor dem Spiel gedreht wurden; Stichwort: Fan des Tages. I bin de Thorschten und i bin dr Fen desch Tages weil i denk, das dr VfB heit zweieins gewinne tut.

Schlimm. Schlimmer. Schdurgd.

Die zweite Hälfte brachte eine Eintracht, die zwar durchaus mitspielte ohne aber Lehmann ernsthaft zu Taten zu zwingen. Die gefährlichste Situation entstand durch Korkmaz, der - für Köhler gekommen - schön in den Sechzehner flankte; Meiers Kopfball aber flog knapp am Tor vorbei. Die größeren Chancen besaß zweifelsohne der VfB, bei dem Hleb nach einer Stunde vom Feld geholt wurde. Nikolov musste kurz vor Schluss innerhalb von wenigen Sekunden gleich drei Mal bravourös reagieren, um die Eintracht im Spiel zu halten. Eintrachttrainer Skibbe holte Caio vom Feld und brachte aus für viele unerfindlichen Gründen Liberopoulos, später kam noch Heller für Jung. Kurz vor Schluss entschied Schiri Drees an der Strafraumkante auf Freistoß für die Eintracht. Da Steinhöfer in Lautern weilte, Caio und Köhler nunmehr auf der Bank, sah sich Libero veranlasst, den Ball übers Tor zu ballern. Aus. Schluss. Vorbei. Verloren. Scheiße.

Wir verließen den Block 40, dackelten im Schatten an der Gegentribüne entlang, während ein Trupp Turtles an uns vorbei hastete. Hinter den parkenden Bussen sollte unser Weg eigentlich Richtung Neckar gehen - die Polizei aber sperrte die Straße, so dass zunächst niemand hindurch kam - dass der Weg nicht nur zum Auto führte, sondern auch auf den offiziellen Parkplatz spielte keine Rolle. Immerhin gestand eine Polizistin, dass wir nicht alles hinterfragen sollen, was gerade so passiert - wir hätten zu absurden Ergebnissen kommen können. Wenigstens wurde nach wenigen Minuten die Straße geräumt, so dass wir nun ungehindert unseren Weg fortsetzen konnten. Weshalb dies 120 Sekunden zuvor nicht möglich war, ist eines der ungelösten Rätsel des Planeten. Auch die zweite Sperre vor der Brücke löste sich mit unserem Eintreffen und nun stand dem Heimweg nicht mehr viel im Weg. Wir wanderten zum Neckar, warfen einen Blick auf die Teststrecke, die direkt daneben verläuft und marschierten an Stuttgarts Main entlang, bis wir zum geparkten Wagen kamen. Der Heimweg führte uns noch zu einer bekannten Hähnchenbraterei am Rande der Autobahn, deren wesentliches Merkmal darin bestand, dass sich der Raucherbereich in einem amerikanischen Schulbus befand.

Heimwärts ging es flott und ohne Probleme - und ohne Punkte, was den Gesamteindruck ein wenig trübte. Am Backstage verabschiedete ich mich von Stefan, der schnurstracks Richtung Heimat düste. Fußball in Schdurgrd - ein Erlebnis auf dass ich gut und gerne verzichten könnte - wenn nicht die Eintracht von Zeit zu Zeit dort aufläuft. Positiv ist letztlich, dass man schnell wieder in Frankfurt ist. Immerhin. Oder: Heidenei.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Kurvendiskussion Teil II. Die 1990er im Museum


Fans sind seit jeher ein zentraler Bestandteil des Fußballs. Die Leidenschaft, mit der Fußballfans ihren Verein begleiten, macht einen großen Teil der Faszination des Fußballs aus. Fankultur ist ein Teil der Vereinskultur und Fangeschichte ein Teil der Vereinsgeschichte.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Tradition zum Anfassen, wollen wir den Wandel der Fanszene vom G-Block über die Gegengerade zur heutigen Nordwestkurve nachzeichnen. Im zweiten Teil der Kurvendiskussion nehmen wir die 90er Jahre in den Blick, weitere Abende werden folgen.

Anfang der 90er Jahre verzaubert die Eintracht ihre Fans mit dem Fußball 2000, doch trotz der großartigen Auftritte gelingt es dem Verein nicht, eine zweite Deutsche Meisterschaft an den Main zu holen. Aber die Reisen zu internationalen Spielen quer durch Europa sind unvergessliche Erlebnisse, von denen viele heute noch schwärmen.

Mitte der 90er Jahre wird die Eintracht sportlich schwächer, 1996 steigt die Mannschaft erstmals aus der Bundesliga ab. Was für den Verein eine sportliche Katastrophe ist, gestaltet sich für die Fanszene als Wendepunkt. Verein, Mannschaft und Fans rücken eng zusammen, und mit kreativem Einsatz geben die Anhänger dem Verein neuen Glanz. Die Zeit des sportlichen Misserfolgs ist auch die Zeit, in der große Ideen geboren werden. Die Ultras gründen sich als übergreifende Fangruppe, Fans initiieren die erste Homepage des Vereins und auch die Geschichte der Adlerträger wird von den Anhängern erstmals genauer erforscht.

Im 10. Teil der Veranstaltungsreihe Tradition zum Anfassen blicken wir auf diese bewegenden Zeiten zurück. Im Museum begrüßen wir am Abend des 25. Februar 2010 um 19:30 Uhr Menschen, die die Eintracht in den 90er Jahren mit viel Engagement begleitet haben.

Dr. Fedor Weiser leitete in den 90er Jahren das Frankfurter Fanprojekt und steht noch heute bei Wind und Wetter im Block 38B. Andreas „Pferd“ Hornung, seit Kindheit Eintrachtfan, engagierte sich seit den 90er Jahren als Fansprecher bei der Eintracht. Andreas Klünder ist einer der kreativen Köpfe der Fanszene. Vereinsarchiv, Internetauftritt, EintrachtfansTV, diese und viele weitere Projekte gehen auf den Ideenreichtum von „Andy“ zurück. Mit Kai Kauermann und Sascha Heibel begrüßen wir auch zwei Anhänger, die die aktive Fanszene der 90er Jahre geprägt haben.

Wir freuen uns, dass darüber hinaus auch viele weitere Protagonisten der 90er Jahre ihr Kommen bereits zugesagt haben, sodass wir auf eine lebhafte Kurvendiskussion aus und mit dem Publikum hoffen dürfen.

Dienstag, 23. Februar 2010

Die Stars von morgen waren im Museum


Kurz nach ihrem Eintreffen im Museum trafen sich vier Eintrachtler zum Fußball - am Kickertisch. Alexander Schur, langjähriger Spieler, Kapitän und Integrationsfigur der Frankfurter Eintracht und nun Trainer der U17 spielte zusammen mit Sebastian Jung, unserer aktuellen Nummer 24 gegen Erik Wille und Julian Dudda; beide gehören zum Kader der U17 die derzeit unangefochtener Tabellenführer der Junioren Bundesliga Süd/Südwest sind - und alle vier waren unsere Gäste zum Thema Stars von Morgen.

Nachdem Steffen Ewald mit einleitenden Worten die Veranstaltung vor gut gefüllten Rängen eröffnete, konnten wir einen Blick hinter die Kulissen des Nachwuchsfußballs werfen, der in Frankfurt lange Jahre mit dem Handicap des maroden Riederwaldes leben musste. Derzeit im Umbau befindlich, wird das neue Leistungszentrum voraussichtlich im Oktober 2010 seine Pforten öffnen, und dem Nachwuchs ganz neue Möglichkeiten zu offerieren.

Erik und Julian sind Stammspieler der U17, die bislang mit 33 Punkten aus 14 Spielen und einem Torverhältnis von 29:2 und nur einer Niederlage für Furore gesorgt hat. Trainer Schur spricht von seinen Jungs als der Goldenen Generation ohne jedoch zu viel Druck aufzubauen; es gilt, die Spieler längerfristig an die Eintracht zu binden, - die Voraussetzungen dafür sollen das neue Leistungszentrum bieten. Erik Wille, der als Frankfurter Bub sehr genau weiß, was es heißt gegen Kickers Offenbach zu spielen und - wie alle - bekennender Eintrachtfan ist, stieß schon als Achtjähriger aus Enkheim zur Eintracht, Julian Dudda, geboren in Bad Nauheim, trägt seit 2007 das Trikot der Adler; zuvor spielte er beim FSV Frankfurt und in Wölfersheim.

Auch Sebastian Jung kam schon als Knirps an den Riederwald, zu seinen Vorbildern gehörte schon früh Alex Schur, dessen ehemalige Rückennummer 24 er mit Stolz trägt. Sebastian hat geschafft, wovon die beiden jungen Spieler noch träumen: er ist Bundesligaspieler geworden - und hat zusätzlich noch eine Lehre als Bäcker abgeschlossen. Sebastian Jung, der alle Jugendmannschaften durchlaufen hat und schon als U17-Spieler bei der U19 und U23 zum Einsatz kam hat sich auch dann durchgebissen, als Lehre und Fußball kaum noch zu vereinbaren waren; vor allem die letzte Zeit der Ausbildung war hart; manchesmal hat er in der Nacht am Backofen gestanden, um nach der Schicht noch von seinen Eltern zu den Auswärtspartien gefahren zu werden, eine Stunde Schlaf musste reichen - und dennoch brachte er stets seine Leistung - um letztlich mit einem Profivertrag belohnt zu werden. Nach einem rasanten Aufstieg stockte seine Karriere in der Hinrunde; Trainer Skibbe ließ den jungem Mann meist auf der Bank oder der Tribüne schmoren - da kam ihm die erfolgreiche U20-WM in Ägypten gerade recht. Erst in der Winterpause bezog der Trainer zu Sebastians Position im Gespräch Stellung; natürlich war die neue Nummer 24 unzufrieden, doch wie es scheint, läuft die Rückrunde für ihn besser.

Disziplin - auch für Alex Schur ein wesentliches Stichwort. Schur ist der Überzeugung, dass es richtig sei, den jungen Mann behutsam aufzubauen, ihn auch an Rückschläge zu gewöhnen - auch um den Hunger zu nähren. Alex, der Sebastian selbst als Co-Trainer der U19 und U23 trainiert hat, ist überzeugt, dass die Lehre den jungen Spieler geformt hat und ein wichtiger Mosaikstein in der Entwicklung von Jung gewesen ist.

Erik geht derzeit in die elfte Klasse und ist auf dem Weg zum Abitur, Julian hat sich nach seinem Realschulabschluss für das Fachabitur entschieden. Sebastian selbst riet den jungen Spielern, zweigleisig zu fahren - auch angesichts der Situation von Christoph Preuß, dessen verletzungsbedingtes Karriereende ja nur wenige Wochen zurück liegt.

Elf Freunde müsst ihr sein, um Siege zu erringen, so schrieb Sammy Drechsel einst in seinem Klassiker; Sebastian merkte völlig zu Recht an, dass die These nur bedingt richtig ist, immerhin gehören zum Kader ja 18, zum Team an die 25 Spieler, welche letztlich aufeinander angewiesen sind. In der U17 gilt ein gleiches, Julian und Erik betonten, dass die Jungs zwar gut miteinander auskommen - im Miteinander aber durchaus noch Luft nach oben sei.

Natürlich ist es für einen Jugendspieler gleichermaßen Privileg wie auch eine Bürde, dem Team von Eintracht Frankfurt anzugehören. Verlaufen die ersten Jahre noch halbwegs normal, so greift ab der B-Jugend der Ernst des Bundesliganachwuchslebens. Während die Klassenkameraden sich in dem Alter weder über Ernährung noch über den Lebenswandel den Kopf großartig zerbrechen, beginnt bei den Eintrachtlern ein Umdenken - nicht immer einfach für die Jugend, aber zwingend notwendig, um den Traum einer Bundesligakarriere zu nähren.

Eine knifflige Situation auch für den Trainer Schur, der sich nicht nur als fußballerischer Ausbilder, sondern auch als Erzieher begreift. Auch für Alex eine neue Situation, wobei er nicht in allen Bereichen auf eigene Erfahrung zurück greifen kann. Er verbrachte seine Jugendzeit im Stadtteilverein VfR Bockenheim, lernte einen Beruf und spielte später bei Rot Weiß Frankfurt - weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit. Nach einer Zweitligasaison beim FSV Frankfurt (im letzten Spiel bei Mainz 05 wurde kurioserweise Ersatztorhüter Thomas Ernst als Feldspieler eingewechselt) kam er 1995 an den Riederwald. Nach einem Jahr Oberliga stand er das erste Mal am 14. Spieltag 1996/97 im Profiteam auf dem Platz, die Eintracht kickte in der zweiten Liga. Den ersten Bundesligaeinsatz erlebt Schur im Alter von 27 Jahren - und stieg auf zu einem der beliebtesten Spieler aller Zeiten. Ein interessantes Gegenbeispiel liefert Armin Kraaz, der nun dem Leistungszentrum vorsteht. Schon mit 18 spielte er in der ersten Liga, um nach 123 Spielen im Alter von 23 Jahren seine Karriere zu beenden - die berufliche Perspektive außerhalb der Eintracht erhielt von ihm den Vorzug.

Die Vita von Alex nötigt seinen Schützlingen zunächst Respekt ab - doch er weiß auch, dass er sich als Trainer behaupten muss. Natürlich hat er viel von seinen ehemaligen Trainern gelernt, von den Medizinbällen des Herrn Magath bis hin zur Akribie eines Horst Ehrmantraut - aber auch von Frank Leicht, dem er in den vergangenen Jahren assistierte; all dies fließt ein in ein eigenes Profil.

Für die Nachwuchsspieler ist es nicht immer leicht, im Alltag als Eintrachtler unterwegs zu sein, Anerkennung gehört natürlich dazu - aber es gibt auch Neider, die vieles daran setzen, es den vermeintlichen Nachwuchsstars zu zeigen. Erik aber pflegt einen lässigen Umgang: Wenn mir einer komisch kommt, dann tunnle ich ihn - und schon ist Ruhe.

Zur Ruhe dürfte Sebastian Jung so schnell nicht
kommen, mittlerweile ist er fester Bestandteil des Profikaders - doch noch muss er mit anpacken, wenn es im Trainingsspiel gilt, die Tore aufzubauen - doch bald wird ein Jüngerer kommen und diese Arbeit übernehmen.

Es war ein aufschlussreicher Abend im Museum
und sowohl Alex und Sebastian als auch Erik und Julian blieben noch eine ganze Weile, nachdem Steffen ihnen einige Präsente überreicht hatte; Alex freute sich über ein Bild, welches ihn in Jubelpose nach dem 6:3 gegen Reutlingen zeigt, Sebastian über Matzes Buch über die 59 Meister und Eric und Julian erhielten ihren ersten Autogrammkartensatz, der auch eifrig in Anspruch genommen wurde. Wer weiß, vielleicht stehen ja Sebastian oder Eric und Julian eines Tages auf dem Römer und lassen ihre Träume - und damit auch unsere wahr werden. Zu gönnen wäre es ihnen. Und uns natürlich auch.


Im ersten Spiel nach der Veranstaltung spielte die U17 gegen den Club aus Nürnberg nur 1:1, am kommenden Wochenende steht der Schlager beim Nachwuchs des VfB Stuttgart an. Letztlich wird es für das Team nicht entscheidend sein, wie die Saison endet; vorrangiges Ziel ist es, einzelne Spieler an den Profikader heran zu führen - wie Sebastian, der vor wenigen Jahren noch selbst mit der U17 im Halbfinale der deutschen Meisterschaft an Tennis Borussia Berlin scheiterte. Obwohl ein Erfolg dem neuen Leistungszentrum natürlich gut zu Gesicht stehen würde.


Die Fotos des Beitrages stammen von Stefan Krieger.
Weitere Bilder der Veranstaltung findet ihr hier. Leider hat mein Aufnahmegerät den Dienst versagt, so dass ich den Beitrag aus der Erinnerung schreiben musste - falls euch Anwesenden noch etwas dazu einfällt, nur zu. Zum Beispiel, dass
der Moderator das erste Mal einen fetten Hänger hatte. "Jetzt habisch den Faden verlor'n." Kommt vor :-)

Montag, 22. Februar 2010

Heimspiel in Hamburg


Die Strafe einer durchzechten Nacht folgt auf dem Fuß; die Augen getrübt, der Orientierungssinn dezent verwirrt und alles ist zu früh. Tue Buße und schweige sprach eine Stimme zu mir und ich folgte. Willenlos. Im mentalen Nebel des anbrechenden Tags hielt ich in der einen zittrigen Hand einen Becher Kaffee, die andere kreiste über das Touchpad des Notebooks und versuchte aus dem Sammelsurium an Files eine CD zu brennen. Einem Chillhouse-Sampler folgte eine wüste Zusammenstellung, die uns auf dem Weg nach Hamburg begleiten sollte; Sekunden nachdem die CD fertig gebrannt war, hatte ich vergessen, welche Stücke es letztlich geschafft hatten: Nach dem noch offenen Endergebnis des Spiels der Eintracht beim HSV die zweite Wundertüte, die im spärlichen Gepäck landete.

Da noch am gestrigen Abend eine SMS eingegangen war, welche mir mitteilte, dass mein defekter Fotoapparat repariert und abholfertig war, folgte noch der Weg in einen bekannten Elektronikmarkt - die Reparatur schien erfolgreich, allein zwei Kratzer waren hinzugekommen und so marschierten wir unverrichteter Dinge wieder ab. Das Frühstück resp. Mittagessen erfolgte stantepede an einer Imbissbude am Uhrtürmchen in Bornheim, wo die beste Currywurst Frankfurts offeriert wird. Nichts gegen die selbsternannten Kultimbisse mit der nach oben offenen Scovilleskala - Leute, kommt ans Uhrtürmchen gegenüber vom Spielzeug-Meder und alles wird gut.

Freitagmittag, 13:00. Unterwegs. Wieder Unterwegs. (Herwig Mitteregger). Öl und Sprit fürs Auto, dazu gesäuberte Scheiben und schon schnurrte das Motörchen, Pia am Steuer; ich zusammen gekauert auf dem Beifahrersitz des silbernen Golfs.

Noch immer hatte der Schneewinter das Land im Griff, weiß die Felder in deren Mitte von Zeit zu Zeit ein Hochsitz dem Jägersmann harrte, grau der Überbau, sommriger Chillhouse blubberte zunächst aus den Boxen, während Hessen an uns vorbei sauste. Ich gebe es zu, der Sound ist nicht wirklich Pias Musik und so war sie nicht undankbar, als ein Wechsel anlag; fortan begleiteten uns die Tindersticks, auch Tocotronic waren dabei, die mit ihrem Macht es nicht selbst zumindest das Motto für den meinigen Tag vorgaben. Red Lorry Yellow Lorry durften rocken, Jimmy Cliff sang von Vietnam und wenig später groovte original 70s disco-sound durch den Tag. Eine Mischung, welche exakt meinen Geisteszustand widerspiegelte.



Hildesheimer Börde; Zeit für Kaffee. Konfrontiert mit der deutschen Freundlichkeit an Raststätten (Eine Verkäuferin pampte einer Kundin ihr unzufriedenes Leben ins Gesicht, dass sogar die Milch sauer wurde) trafen wir auf die ersten Vorboten des bevorstehenden Spiels: Ein Scheiß HSV Aufkleber pappte auf einem Verkehrsschild, während wir auf den Highway zurückkehrten. Nichts ist trauriger als schmutziger, schwarzer Schnee. Wenig später überholten wir Holger von der Bembelbar, der mit seinem Kombi und zig Litern Apfelwein im Gepäck gleichfalls Richtung Norden unterwegs war.

Unterwegs. Wieder Unterwegs.

Immer eine große Freude sind die Parkplatznamen am Rande der Autobahn, mein Liebling des Tages hieß Horstspring. Im nächsten Leben werde ich von Beruf Parkplatznamensgeber, das muss Spaß machen. Apropos Spaß: Wie nennt man eigentliche einen kleinen, krummbeinigen Hund, der auf die Straße scheißt?

Genau: Kackel.

Je mehr wir uns dem Norden näherten, um so gewaltiger schienen die Schneemassen, Windräder verjagten das Grau, dass urplötzlich sogar die Sonne ins Land lugte; Hamburg jedoch erreichten wir in der Dunkelheit; Stau vor dem Elbtunnel, Abfahrt Schnelsen ging's raus und nach wenigen Kilometern erreichten wir unser Ziel. Hasloh, ein kleiner Ort, in dessen Straßen sich noch unvorstellbare vereiste Schneemassen am Straßenrand türmten.

Ingo und Silke begrüßten uns herzlich, die Kids waren ebenfalls alle zuhause und bei einem Tee erzählten wir uns am Kamin Geschichten vom angebrochenen Leben. Wenig später schaute ich in der Küche Ingo über die Schulter, der extra für uns ein in Hessen wenig bekanntes Gericht performte: Scholle - Finkenwerder Art.

Man nehme eine Scholle, enthaupte sie und befreie diese von den Innereien. Eingerieben mit Zitronensaft, gewendet in Salz und Mehl, lege man sie zur Seite und brate Speckwürfel an. Die Scholle wird nun von beiden Seiten in reichlich schmurgelnder Butter ebenfalls angebraten und zusammen mit dem Speck und Kartoffelsalat serviert. Gerne kann man sie auch ein wenig mit Nordeseekrabben befüllen, aber nur wenn es die Kutter auf See gepackt hatten, was angesichts der hiesigen Wetterbedingungen nicht immer der Fall ist. Wenn nun die Scholle nach dem Braten noch ein wenig mit Zitronensaft beträufelt wird, sollte man die Tellerdeko mit Tomatenscheibe und Salatblatt nicht vergessen et voilá: Guten Appetit. Doch Obacht: Die Gräten.

Ganz interessant ist die Geschichte der Hamburger Begrüßung Hummel Hummel Mors Mors, die auf einen ehemaligen Wasserträger zurück zu führen ist. Die Kinder neckten ihn und riefen ihm zu: Hummel Hummel - und da dieser sich nicht mit Händen wehren konnte, antwortete er: Mors Mors, was verkürzt Klei mi an Mors also Leckt mich bedeutet. Traditionell wird dieser Gruß auch im Hamburger Stadion nach Toren des HSV gerufen - alleine, ich war überzeugt, davon, dass wir ihn heuer nicht hören würden. Ingo hatte mir noch ein Stadionheft für das morgige Spiel in die Hand gedrückt und ich rufe den Machern zu: Nein, Freunde, Frankfurt ist nicht die Landeshauptstadt Hessens - auch wenn es das Natürlichste der Welt wäre.

Nacht, traumlos der Schlaf, Er. Ho. Lung.

Morgen. Der Duft frischen Kaffees zog durch die Räume, sechs Schneemänner schauten uns beim Frühstück zu und so langsam kehrten meine Lebensgeister zurück. Dafür verließ mich ein lieb gewonnener Teil meines Backenzahnes. Machs gut, wir hatten eine schöne Zeit.

Pia hatte mittlerweile von Olli eine SMS bekommen, dass dieser Karten für uns organisiert hatte, das letzte Problem war gelöst und so marschierten wir gegen halbeins in Richtung S-Bahn. Ingo und Enno, deren Herz bekanntlich für den SV Finkenwerder Bremen schlägt, wollten später nachkommen. Unterwegs. Wieder Unterwegs.

Die S-Bahn-Station Hasloh sieht aus, wie eine Bahnstation in Deutschland idealerweise aussieht, mittig der Bahnsteig incl. Bahnhofsuhr links und rechts davon die Gleise, auf denen auch bald die Bahn nach Hamburg heran rollte. Bönnigstedt - Burgwedel - Schnelsen - Hörgensweg - Eidelstedt/Zentrum - Eidelstedt. Endstation. Wir hätten zwar noch in Richtung Stellingen umsteigen können, entschieden uns aber für einen kleinen Fußmarsch in Richtung Stadion. Die Wege waren vereist, alle naslang standen schon Menschen, die meisten HSV-Fans, an kleinen Buden, tranken Glühwein oder Astrabier, Bratwürste dampften auf den Grills, und Musik bollerte aus den Boxen: Lotusblume hab ich dich genannt sang jemand zum grausigen BummBatschSound; wir aber holten uns ebenfalls ein Astrabierchen und erreichten bald das Stadion, das wir umrundeten.

Den Museumsbesuch hatten wir für den kommenden Tag aufgehoben, und so schoben wir uns gegen den Strom ankommender Fans in Richtung Bahnhof Stellingen. Einkaufswagen, an Laternen angekettet, harrten der leeren Pfandflaschen derweil wir am Fantreff eine Wurst futterten und an der S-Bahnstation auf Olli und Verena trafen.

Frankfurter mengten sich mit Hamburgern, ein muntres Geschnacke hub an, Freundlichkeit allenthalben und hätte nicht ein Fußballspiel auf dem Plan gestanden, wir hätten den Nachmittag auch hier verbringen können. Die Zeit sauste ins Land, eigentlich wollten wir noch auf Christian und Uwe treffen, die jedoch schon im Stadion waren, als wir dort ankamen. Ben und ZoLo hielten warm eingepackt die Stellung; hier ein Hallo, dort ein Guude - auch Ingo und Enno waren nun eingetroffen und hatten noch Karten ergattern können. Ein Blick auf die Uhr zeigte 15:11. Stimmt, die Eintracht, da war doch was.

Der Einlass ging flott, und eh wir uns versahen trafen wir im Block 14A auf Christian und Uwe und auf ein paar Tausend andere Eintrachtler. Lotto King Karl sang in den letzten Zügen Hamburg meine Perle, ein schneller Blick aufs Spielfeld zeigte uns, dass Schwegler für Jung ins Team gerutscht war und schon ging's los. Die Eintrachtfahnen flatterten streng im Wind, der uns gehörig um die Nase pfiff, das Stadion schien ziemlich ausverkauft und die Hamburger Ultras standen nicht direkt hinter dem Tor wie sich vermuten ließ, sondern hatten sich auf die Sitzplätze aus unserer Sicht links daneben verzogen. Neu-Hamburger Ruud van Nistelrooy, der in Wahrheit Rutgerus Johannes Martinus van Nistelrooij heisst, stand nicht im Kader, angesichts der Massenhysterie um den Doppeltorschützen des vergangenen Wochenendes kein schlechtes Omen für die Eintracht. Sebastian Jung begann sich schon wenige Minuten nach Spielbeginn warm zu laufen.

Die Hamburger schienen noch etwas müde vom Europapokal, die Eintracht loderte nicht ganz so stark, wie noch in Dortmund und so stand es zur Halbzeit verdientermaßen 0:0. Der HSV, bei dem Zé Roberto nach langer Zeit wieder mit von der Partie war, hatte zwar die besseren Chancen doch auch Glück, dass ein Distanzschuss von Teber nur ganz knapp am Tor vorbei rauschte.

Die zweite Hälfte, in der sich Charly zu uns gesellte, zeigte eine kämpferische Eintracht, ohne die ganz großen Chancen. Der HSV enttäuschte, auch die hochgelobten Jansen, Trochowski oder Petric konnten nicht wirklich überzeugen und so lief alles auf ein torloses Unentschieden hinaus, woran auch Bundesliganeuling Schiedsrichter Markus Wingenbach seinen Anteil hatte, der nicht auf eine Schwalbe von Demel im Strafraum der Eintracht herein fiel - was mir aber erst später Andi am Telefon (Herzlichen Glückwunsch) und kurz darauf die Bilder der Sportschau bestätigten. Korkmaz war für Köhler gekommen, später noch Caio für Altintop; Eintracht, Eintracht hallten die Rufe durch die Arena und am End stand tatsächlich ein Punktgewinn im hohen Norden. Derweil hatten sich die Kölner gegen Stuttgart mit 1:5 das Fell über die Ohren ziehen lassen.

Die Bremer Ingo und Enno hatten ebenfalls ihren Spaß gehabt - sie wollten sogar noch die Frankfurter Mannschaft sehen, die sich aber leider nicht mehr blicken ließ.

Da Christian und Uwe vor dem Spiel noch ein Bierchen für uns gekauft, dies aber mangels Treffen nicht weiterreichen konnten und die Schoppen deshalb auf dem Friedhof vor dem Stadion gut gekühlt versteckt hatten, tranken wir auf den Punktgewinn einen guten Schluck, einige Hamburger gesellten sich zu uns, Foto hier, Foto da und ein Lachen im Gesicht. Später ließen wir uns von Uwe, der schon lange in Hamburg wohnt, zu einer Bushaltestelle führen, von wo aus wir gemeinsam zum Bahnhof in Altona fuhren. Von dort führte der Weg schnurstracks in eine Bar, welche nicht nur die Sportschau zeigte, sondern auch etliche Waschmaschinen beherbergte und als Waschsalon fungiert. Extra für uns wurde trotz beginnendem Barbeginn der Ton des Fernsehers angestellt und so konnten wir uns davon überzeugen, dass der Fall Demels im Strafraum tatsächlich eine Schwalbe war und wir guten Gewissens unseren Punkt feiern konnten. Die Bedienung war sehr freundlich, wir auch und so verabschiedeten wir uns schweren Herzens - zunächst auch von Christian und Uwe, um uns später im Jolly Roger wieder zu sehen.

Pia und ich nahmen die S-Bahn in Richtung Sternschanze, wo Ingo uns abholte, um zum gepflegten Teil des Abends über zu gehen. Ein reservierter Tisch beim Italiener, Silke und Ingo, Pia und Beve, schwarze Ravioli und Carbonara ohne Sahne und ein Spaziergang durch die Hamburg Nacht zur Bembelbar im Jolly Roger, der sich ein wenig zog - ihr wisst: Mädels und Schaufenster in der Großstadt.

Vor dem Jolly Roger harrten schon etliche Eintrachtfans, im Laden selbst herrschte eine übliche Enge; Christian und Uwe waren schon dort - und ich geb's zu: Mir war es einfach zu voll. Wir plauderten noch eine ganze Weile vor der Tür und machten uns alsbald auf den Weg zurück Richtung Bahnhof Sternschanze, wo wir uns herzlich von Christian und Uwe verabschiedeten. Ingos Volvo parkte nicht weit davon entfernt und bald cruisten wir durch die Hansestadt. Wir tuckerten über die Reeperbahn, vorbei an der Davidswache und an warm eingepackten jungen Damen in Moonboots und rollten zur Musik der Straßen von San Francisco und Miss Marple durch den Hamburger Hafen zur Elbe. Eisschollen trieben massenhaft im Fluss, wir ließen uns den Wind um die Nase wehen und dachten daran, wie es ist, wenn der Fischmarkt erst nach Handkäs stinkt.

Als wir das Hafengelände verlassen wollten, gerieten wir kurz in die Fänge der örtlichen Polizei. Schon zuvor war uns permanentes Blaulicht und die massive Präsenz rund um St. Pauli aufgefallen; nun aber wollten sich einige Frankfurter Busse auf den Heimweg machen und eine Polizistin beugte sich zu uns mit den Worten Wir wollten nur wissen, wer sie sind ins Auto. Eine gute Frage, auf die ich meist selbst keine Antwort habe. In diesem Falle reichte aber eine Eintracht-Mütze zum freien Geleit, die Polizei wollte eine Konfrontation der abreisenden Frankfurter mit abenteuerlustigen Hamburgern verhindern, was Ingo zu den Bemerkung veranlasste; das sei auch richtig so und das machen sie aber gut. Statt Ausweiskontrolle gab es freie Fahrt, vielen Dank.

Spät in der Nacht lagen wir nach einem finalen Malzbier im warmen Bettchen und schliefen den Schlaf der Gerechten.

Wir vertüddelten den Sonntag Morgen, frühstückten und quatschten wie es sich gehört. Später räumten wir den Weg zum Haus mit Axt und Spaten von Schnee und Eis, hörten Musik einer noch unbekannten Kapelle aus den Achtzigern mit dem Namen Changing Faces und verabschiedeten uns von unsren Gastgebern mit den besten Wünschen und auf Bald.

Der Golf schnurrte und wir gondelten nach Hamburg, um vor dem Stadion am Volkspark vor dem Museum und Uwe Seelers Fuß zu parken. Immerhin gibt es hier im Stadion ein Restaurant (die Raute) direkt neben dem Museum. Im TV schickte sich die Hertha an, in Freiburg zu gewinnen, wir aber lösten eine Eintrittskarte für das HSV-Museum und schlenderten durch die Geschichte des Bundesligagründungsmitglieds. Ein Gang führt dich zunächst zur Stadiongeschichte, Rothenbaum, Volksparkstadion, Arena. Ein nachgebautes Kassenhäuschen aus vergangenen Zeiten war ausgestellt, Kutten hingen in Vitrinen, Spinde ehemaliger Helden darunter von Uli Stein wurden präsentiert und über ein Kino, welches permanent die Kurzfassung der Historie des HSV zeigt, gelangten wir in die Schatzkammer, die in etlichen Vitrinen nicht nur die großen Pokale, sondern jede Menge Exponate der vergangenen Jahrzehnte zeigt. Trikots genau so wie Fußballschuhe, Spielplakate aber auch Erinnerungen an die dunklen Jahre von 1933 bis 1945. Bemerkenswert, dass eine ehemalige Legende der damaligen Zeit heute quasi geächtet wird; Tull Harder. Der zweimalige Deutsche Meister 1923 und 1928 trat 1932 in die NSDAP ein und avancierte während des Krieges zum Aufseher in mehreren KZs. Andere Vereinskameraden agierten auf der anderen Seite, so der Norweger Asbjørn Halvorsen, genannt Assi, der später im KZ Grini bei Oslo in Gefangenschaft saß und 1955 an den Spätfolgen verstarb. Ein aus dem KZ geschmuggeltes Kassiber ist im Museum zu sehen.

Der HSV, der ähnlich wie die Eintracht aus Fusionen mehrerer Vereine hervorging, ist wohl der einzige Verein, dessen Farben Blau, Weiß und Schwarz sind und der dennoch Rothosen genannt wird. Die Eintracht taucht mehrmals im Museum auf; ein Spielplakat des Pokalendspiels 1974 ist ebenso wie ein Wimpel anlässlich der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1961 zu sehen. 1976 wurde der HSV in Frankfurt Pokalsieger und natürlich gibt es auch etliche Spieler, welche beide Trikots trugen, allen voran Uli Stein, aber auch Jan Furtok, Heinz Gründel, Horst Heese, Mehdi Mahdavikia oder Alex Meier. Zwei Dinge aber hat der HSV der Eintracht voraus: 1977 gewannen sie den Europapokal der Pokalsieger und 1983 sogar den Europapokal der Landesmeister; entscheidender Akteur in beiden Spielen war ein auch in Frankfurt alter Bekannter: Felix Magath.

Nach einem kurzen Plausch mit der freundlichen Museumsmitarbeiterin verabschiedeten wir uns, warfen aus dem Restaurant einen Blick in das leere Stadion, während die Hertha in Freiburg inzwischen mit 3:0 führte. Ein letzter Gruß nach Hamburg und schon rollten wir auf die Autobahn. Elbtunnel, Kräne, Abschied.

Auf der langen Fahrt nach Hause unterlag Felix Magath mit Schalke 04 beim Vorjahresmeister Wolfsburg (Trainer damals: Felix Magath) während Bremen in letzter Sekunde gegen Leverkusen zur großen Freude von Ingo und Enno noch ein 2:2 erreichte. Wir aber erreichten Frankfurt wohlbehalten gegen 21:30, parkten den Golf, der uns wieder sicher durch die Republik gebracht hatte, irgendwo im Nordend und hatten nicht nur einen Punkt im Gepäck, sondern auch einen prall gefüllten Beutel voller Erlebnisse.

Hummel Hummel. Mors Mors.


Dienstag, 16. Februar 2010

Die Stars von Morgen im Museum

Mittwoch, 17. Februar: Alexander Schur präsentiert die „Stars von morgen“
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Als Spieler hat er sich nicht erst mit „seinem 6:3“ in den Herzen aller Eintracht-Fans unsterblich gemacht. Auch nach seiner aktiven Karriere blieb „Schui“ seiner Eintracht treu und trainiert inzwischen überaus erfolgreich den Eintracht-Nachwuchs. Am Mittwoch, den 17. Februar 2010 um 19:30 Uhr berichtet Alexander Schur im Eintracht Frankfurt Museum über die „Stars von morgen“ und seine Arbeit als U17-Trainer. An seiner Seite: Erik Wille und Julian Dudda. Die beiden U17-Spieler gelten als große Talente und wollen in die Fußstapfen ihres Trainers treten.

Alexander Schur kam 1995 zur Eintracht und bestritt für die Riederwälder 113 Bundes- und 124 Zweitligaspiele. Er stand in allen drei Aufstiegsmannschaften der Eintracht und machte sich durch sein legendäres Tor im Aufstiegskrimi 2003 gegen den SSV Reutlingen in der allerletzten Sekunde unsterblich. Von den Eintracht-Fans wurde er in „die Eintracht-Elf aller Zeiten“ gewählt. Nach seiner aktiven Karriere übernahm er im Leistungszentrum der Eintracht die Aufgabe als Nachwuchstrainer. Posten als Co-Trainer der U19 und U23 folgte sein erster Posten als hauptverantwortlicher Trainer bei der U17, mit der er in der Bundesliga Süd/Südwest mit gerade einmal zwei Gegentoren derzeit vor dem VfB Stuttgart und Bayern München unangefochtener Tabellenführer ist.

Großen Anteil an der Herbstmeisterschaft haben aber auch die beiden U17-Spieler Erik Wille und Julian Dudda. Sie werden von ihrem großen Ziel berichten, mit ihrer Mannschaft in die Endrunde um die Deutsche Fußballmeisterschaft einzuziehen und natürlich von ihrem großen Traum, später einmal Fußballprofi zu werden.

Wie er diesen Traum wahr werden ließ, wird neben „Schui“ auch Sebastian Jung verraten. Der Jugendnationalspieler kam mit acht Jahren zur Eintracht und durchlief sämtliche Jugendmannschaften. Jung gilt als großes Ausnahmetalent, dem von Fachleuten eine große Karriere prognostiziert wird. Bereits als U17-Spieler wurde er vom damaligen Trainer-Gespann Frank Leicht/Alexander Schur regelmäßig bei der U23 der Eintracht eingesetzt. Und als 18-Jähriger gab Jung im März 2009 sein Bundesligadebüt im Trikot der Eintracht. Zuletzt machte Jung von sich Reden, als er durch sein erstes Bundesligator maßgeblich zum ersten Bundesligasieg der Eintracht bei Borussia Dortmund seit 1991 beitrug.

Moderiert wird der Abend von Axel „Beverungen“ Hoffmann, der alle Gäste von seiner langjährigen Arbeit als Stadionsprecher am Riederwald kennt.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Start: 19:30 Uhr

Eintritt: 5,00 €, erm. 3,50 €


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U17 - Saison 2009/2010

Montag, 15. Februar 2010

Maskottchenwochen


Wolfsburg, Bremen, Köln und nun Freiburg - Das vierte Heimspiel in Folge bei eisiger Kälte, dazu der Narrenumzug in Frankfurt und schon schrumpft die Zahl der Zuschauer auf 34.900 - Saisonminusrekord. Da sag mal einer, die Anzahl der Zuschauer steht und fällt mit dem sportlichen Erfolg oder gar der attraktiven Spielweise. Würde es danach gehen, wäre die Hütte nach dem grandiosen Triumph in Dortmund gegen Freiburg ausverkauft gewesen, doch: Pustekuchen. Was auch immer das ist. Ein Pustekuchen.

Doch der Reihe nach. Gegen 16:30 stampften drei warmbejackte Wanderer durch den Winterwald und achteten streng auf die Schrittfolge, der Untergrund war vereist, der Weg holprig. Einem heißen Apfelwein beim Bratwurst-Walter folgte ein flotter Einlass, bei Niels der Erwerb zweier Fan geht vor und der Gang am seit Wochen eingeschneiten Trainingsplatz entlang bis sich unsere Wege kurz trennten. Während Daddy und ich noch im Museum vorbei schneiten, wo Billy außen tapfer die Stellung hielt und Devotionalien, vorwiegend Mützen verkaufte, marschierte Pia zu einem Treffpunkt vor Block 35. Bernd und Gisela achteten am Einlass des Museums darauf, dass alles seine Richtigkeit hat während Steffen wie immer am Tresen sich den Fragen der Gäste widmete. Apropos Museum: Noch am Samstag verbrachte ich höchstselbst den Tag dort und bekam hohen Besuch im Rahmen meiner Maskottchenwochen.
Hatte ich in Dortmund noch unfreiwillig die Bekanntschaft mit Emma geschlossen, so wackelte nun Paule zu mir herein. Paule ist das DFB-Maskottchen und war im Stadion mit einem Filmdreh beschäftigt. Auf meine Frage, weshalb sich der DFB denn einen Raben als Maskottchen hielt wenn doch ein Adler das Wappentier ist, antwortete Paule - oder vielmehr der freundliche junge Mann, der darunter steckte - dass Paule sehr wohl ein Adler sei, dies aber wahrlich nicht zu erkennen ist. Ich drückte Paule eine Apfelschorle in die Hand, half ihm, sich wieder in sein Kostüm zu wickeln und fragte mich, was denn kommende Woche in Hamburg auf mich wartet. Das war am Samstag.

Am Sonntag verließen wir das Museum nach unserer kurzen Runde und marschierten auf unsere Plätze. Schwegler war entgegen der Ankündigung nicht im Kader, die Eintracht begann mit der gleichen Elf wie in Dortmund; das heißt auch mit Sebastian Jung als rechter Verteidiger. Doch bevor es los ging, wurde Mehdi Mahdavikia verabschiedet, der ja in der Winterpause die Eintracht verlassen hatte und extra zum Abschied für dieses Spiel eingeflogen war.

Völlig in die Hose ging zu meinem Entsetzen im Herzen von Europa. Irgendein Held hatte sich das Mikro der Kurve geschnappt und sinnfrei vor sich hinein gebrabbelt, der Unterrang schwenkte zwar hübsch schwarze, rote und weiße Fähnchen schien aber gesanglich mit etwas anderem beschäftigt. Dazu passte es, dass die Aufstellungsverkündung alles andere als synchron mit den Bildern auf dem Videowürfel ablief. Gibt Schlimmeres, war aber nicht schön.

Nicht schön war auch die erste Hälfte, zerfahren das Spiel. Immerhin durften wir Du-Ri Cha auf Seiten der Freiburger begrüßen, der als Rechtsaußen auftrat und einige gute Szenen hatte. Einen Freistoß des SC konnte Nikolov noch aus dem Winkel fischen, ein Schlenzer von Köhler flog knapp über das Freiburger Tor und nur wenig später segelte eine Flanke von Cha zu Nikolov, einen Ball, den dieser souverän fallen ließ, auch im Nachfassen nicht erhaschen konnte und so lautete der Spielstand nach 25 Minuten 0:1; Cissé hatte eingeschoben. Schon zuvor hatte Ralf Fährmann begonnen, sich hinter dem Tor warm zu machen; Towarttrainer Andy Menger schob ihm die Bälle zu.

Auffällig bei der Eintracht war bislang vor allem Benny Köhler, der seine klasse Leistung in der 43. Minute mit einem tollen Freistoß krönte, der zum Ausgleich an Mauer und Torwart vorbei ins Netz segelte. Sekunden später erspähte Altintop einen Rückpassversuch und donnerte das Leder frei stehend an den Außenpfosten, das wäre es gewesen. Halbzeit: 1:1.

In der Pause sahen wir: Einen Hydranten, eine Biene Maya, ein Schwein, einen Seemann mit Papagei auf der Schulter: Helau.

Nach dem Wechsel wollte so recht auch kein erwärmendes Spiel aufkommen, Höhepunkte waren die Einwechslung von Caio, der Sekunden danach von einem Freiburger 20 Meter vor dem Tor den Ball bekam, nicht lange fackelte und Pouplin zu einer Glanztat zwang. Danach befreite sich Freiburg ein wenig, ohne nennenswerte Chancen heraus zu spielen. Korkmaz kam (mit Maske) für Köhler und Caio donnerte einen Ball mit Schmackes an den Pfosten; einen Ball, den ich schon weit im Toraus gesehen hatte und der sich dann doch noch senkte, so dass ich nach dem klatschende Geräusch mit offenem Mund da stand.

Der Freiburger Keeper ließ sich nun bei Abschlägen lange Zeit, ich wünschte ihm die Pest an den Hals und die Kugel ins Netz - doch es schien (wie so oft) vergeblich. Zwei Minuten wurden als offizielle Nachspielzeit angezeigt. Der Ball landete gefährlich nah am Frankfurter Tor; Chris trat darüber. Nicht über das Tor, über den Ball, doch Franz drosch die Kugel nach vorne. Meier verlängerte per Kopf zu Altintop, der auf Pouplin zu flitzte und das Bällchen clever über diesen ins Freiburger Tor lupfte. Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa. Da war er, der Siegtreffer. 2:1 in der Nachspielzeit. Sollte die Tage die Meldung durchsickern, dass der Freiburger Keeper die Pest am Hals haben sollte, weise ich jede Schuld von mir. Das klägliche Häuflein mitgereister Freiburger Fans sackte nun vollends in sich zusammen, die Frankfurter feierten und so endete ein eiskalter Spieltag mit einem versöhnlichem Ergebnis und einem tappsigen Heimweg durch den Frankfurter Stadtwald. Blöd nur, dass ich vor lauter Aufregung vergessen habe, den Endstand auf dem Videowürfel zu fotografieren.

Zwei Punkte steht die Eintracht nun hinter den Europapokalplätzen, wer hätte dies vor der Saison gedacht? Die nächsten Spiele in Hamburg, Stuttgart und gegen Schalke werden den Weg weisen. Holt die Eintracht nichts, wäre dies kein Beinbruch - in den vergangenen Jahren normal gewesen. Punkten die Adler aber, so kann alles möglich sein, warten wir's ab. Immerhin hat die Eintracht jetzt schon mehr Punkte erspielt, als in der vergangenen Saison nach 34 Spielen, das ist doch was.

Dienstag, 9. Februar 2010

Montag, 8. Februar 2010

Heimspiel in Dortmund


Vielleicht wurde der Grundstein für eine erfolgreiche Auswärtsfahrt schon in der Nacht zuvor gelegt, als Pia und ich mit der Straßenbahn vom Nordend nach Sachsenhausen ruckelten um im Fritsche dem Jugendtreff für Erwachsene beizuwohnen. DJ Ergänzungsspieler aka Murmeltier hatte gerufen und wir waren dem Ruf vertrauensvoll gefolgt: Punkrock, Ska, OI, Psychobilly, Rockabilly, Indipendent - so hieß es vielversprechend in der Vorankündigung und da zudem das Versprechen Klassenfahrt zum Titisee aufzulegen im Raume stand enterten wir erwartungsfroh die Spelunke - und wurden nicht enttäuscht. Im Raucherbereich drehte sich tapfer eine Discokugel an der Decke, während der Ergänzungsspieler sich nicht lumpen ließ und einen Kracher nach dem nächsten auflegte. Neeko wippte fröhlich mit, Charly schneite vorbei; später auch Christian und Tanja, direkt aus der Oper. Frank, ein alter Bekannter Pias, saß am Tresen und so goss sich eine lustige Runde ein paar Schöppchen hinter die Binde. Zwischen ZaZas Zauberstab, Clashs Guns of Brixton oder dem Coffinshakerschen Phantoms of the night sauste die Zeit dahin (Wir sind die Turnschuhgeneration) - und später als gedacht wir durch die Nacht. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal in Frankfurt mit dem Nachtbus gefahren bin; der Blick zu den anderen Fahrgästen hätte vermuten lassen, dass die Klassenfahrt zum Titisee unmittelbar bevor stand. Bis in die Puppen kramte ich dann in meiner Musiksammlung, um derart inspiriert den Soundtrack für die Fahrt ins Ruhrgebiet zusammen zu stellen.

Sekunden später wachte ich auf. Pia war schon draußen gewesen, während ich den finalen Akt der Musikproduktion vollzog und die gesammelten Files auf CD brannte. Dortmund, wir kommen.

Diesmal waren alle dabei; Golf (silber), Pia (Chucks), Beve (Adidas), Ente (schwarz), während auf der Rückbank unter anderem Sad lovers and giants, Rumble on the beach, The Krewmen, Los Carayos, Red Lorry yellow lorry, Editors, Nim Vind oder Mary goes round Platz nahmen.

Eine illustre Runde machte sich auf den Weg nach Dortmund, an einem grauen Sonntag gegen 10:30 Uhr. Der letzte Sieg beim BVB lag 19 Jahre zurück; es gab finstere 1:6 Klatschen, einen schubsenden Trainer oder dämliche Pokalniederlagen; gefühlter Höhepunkt der letzten Jahre war ein fulminanter Treffer Du-Ri Chas der zu einem Remis gereicht hatte - ansonsten hängende Köpfe. Sechs Siege seit 1963 - das war's.

Schwarz-weißer Schnee türmte sich am Rand der Autobahn, Schmelzwasser spritzte an die Scheibe und weite Teile des Landes lagen unter einer weißen Schneedecke, von Zeit zu Zeit sahen wir in der Ferne Wanderer auf den Feldern, erinnernd an Brueghels Jäger im Schnee.

Siegerland. Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Jahren hier auf dem Weg zum Fußball durchgefahren bin und mir wie ein Depp vorgekommen bin, weil die Eintracht vom Siegen so weit entfernt war, wie ich von gesunder Ernährung; Sauerland passte da schon eher.

Ein Auspuff lag am Straßenrand und erzählte schweigend eine Geschichte, schwarz-gelbe Windanzeiger schlafften an der Seite während wir stoisch Meile um Meile abspulten und frohgemut mit den Crackers um die Wette sangen: Mama, schick mir noch Taschengeld. Der Himmel riss auf, die Sonne brach durch und seit gefühlten Ewigkeiten glitt ein Hauch von Frühling durch die Zeit - bis es kurz vor Dortmund wieder grau wurde. Talk about the weather.



Dortmund. Wir gondelten die Ruhrallee hinab, hielten uns links und parkten in einem Wohngebiet nahe des Bahndamms. Da unsere liebgewonnene Kneipe Big Boss am Borsigplatz das Zeitliche gesegnet hatte, mussten wir uns einen neuen Unterschlupf suchen und so spazierten wir durch das Wohnviertel, ausweichend der Hundescheiße und trugen stolz unsere Eintrachtmützen auf dem Kopf; Pia weiß, ich schwarz: Hurra, hurra, die Frankfurter sind da.

Von einem Fenster hing eine BVB-Fahne nebst Schal herunter, in einem anderen jubelte ein schwarzgelber Gartenzwerg und ob der äußeren Ungemütlichkeit landeten wir innen; in den Wilhelm Busch Stuben Ecke Saarlandstraße/Chemnitzer. Eiche rustikal, passt.
Obgleich die Küche schon geschlossen hatte, gab es für uns die Speisekarte von der freundlichen Bedienung, während uns die übrigen Gäste - Männer, alleinstehend, traumlos - etwas irritiert anblickten, es wird wohl nicht oft vorkommen, dass Gästefans an einem Bundesligaspieltag hier einfallen; wir aber bestellten ein Pilsken und freuten uns, dass wir rauchen durften.

Wenig später kam unser Essen - und ich war begeistert: Futtern wie bei Muttern; Rouladen feat. Kartoffeln, Rotkohl und einer Soße wie es in Gottes großem Rezeptbuch steht. Glücklich schaufelte ich mein Glück in mich hinein und auch Pia war durchaus angetan vom Dortmunder Sonntagmittag in einem Wirtshaus der unprätentiösen Art. Heimlich zückte sie den Fotoapparat und hielt einige still lebenden Momente für die Ewigkeit fest, darunter einen aus einem Baumstamm geschnitzten Hasen.

Ein älter Dortmunder, im Munde glänzte ein einziger metallener Zahn, fragte uns, wann denn das Spiel begänne - früher sei er ja immer hin gegangen, die Zeiten seien aber vorbei meinte er und lachte, wünschte uns viel Glück und marschierte zu seinen Kumpels - irgendwo in Deutschland, Sonntagmittag, halb drei.

Wir zahlten, wurden mit viel Spaß im Stadion bewünscht und machten uns auf den Weg eben dort hin. Unterwegs sprach uns ein nächster älterer Herr an, was wir denn mit Altintop wollten, dieser sei ja wohl ein Altinflop und überhaupt, Funkel die Flöte, der reißt ja auch bei der Hertha nichts. Er selbst sei ja Bochumer, und erinnere sich noch gut an das letzte Spiel der Eintracht dort, als Pröll sich wütend das Trikot zerrissen hatte. Naja, Funkel war uns wurscht, Altintop bliebe abzuwarten. Immerhin wollte der Bochumer uns heute Abend die Daumen drücken, das war ja schon mal was.
Dortmunder waren gleichfalls unterwegs, viele davon besuchten auf dem Messegelände die Messe Jagd und Hund, eingepackt in ein wärmendes grünes Wams kamen uns jede Menge mit Tüten und Päckchen bepackt aus der Halle entgegen. Nebenan warteten die ersten auf den bevorstehenden Rammstein-Auftritt in der Westfalenhalle: wer am hiesigen Sonntag als Jäger auf Rammstein stand und zudem Stadiongänger ist, der hatte volles Programm.

Unser Weg führte uns schnurstracks ins Borusseum, dem Museum des BVB, der ja vor kurzem sein Hundertjähriges gefeiert hatte. Wie in Frankfurt liegt es im Stadion und sechs Euro später wanderten wir durch die Geschichte des Vereins, der in der Gaststätte Zum Wildschütz nahe des Borsigplatzes gegründet wurde. Dass der BVB zunächst in den Vereinsfarben Blau und Weiß spielte, hat einen ganz speziellen Charme.

Das Museum ist weiträumig und in einzelne offene Parzellen gegliedert. Die Ausstellung beginnt mit einem Nachbau der historischen Gründungs-Gaststätte und führt über die ersten Jahre hin zur Oberligageschichte. Über die Bundesligajahre, die Stadiongeschichte, der Europapokalwand, kamen wir zu einem Kino, bestückt mit Schalensitze des alten Stadions. Viele Monitore zeigen zudem Filmausschnitte historischer Spiele, der Europapokalsieg 1966 sicherlich als Höhepunkt der Vereinsgeschichte, deren Helden Siggi Held und Lothar "Emma" Emmerich eigene Vitrinen gewidmet wurden, Fanchoreographien werden in einem großen Fanbereich ebenso gezeigt wie ein Modell des alten Westfalenstadions; eine eigene Station ist der Derbygeschichte gewidmet und bei unserem ersten, notgedrungen oberflächlichen, Besuch fiel uns die Eintracht nur ein einziges Mal auf. Wir entdeckten den Adler in den Tabellen des 37. und 38 Spieltages der Saison 1991/1992. Bedankt.

Ein weiter Skandal schloss sich unmittelbar an. Gedankenverloren betrachtete ich eine Vitrine als ich einen Klapps auf dem Hintern verspürte. Als ich mich umdrehte erkannte ich wider Erwarten nicht Pia, sondern ... Emma.

Emma ist das Dortmunder Plüschmaskottchen, benannt nach Lothar Emmerich und stellt die Biene Maja da. Sieht kreuzdämlich aus und befand sich auf dem Weg zum Spiel. Und haute mir mirnichtsdirnichts auf den Hintern. Ich war zu verdattert, um zu reagieren und gab den Fall weiter an unsere Adler - mit der Bitte um Rache.

Die Schatzkammer mit Kopien der wichtigsten Pokale durfte nicht fehlen, überflüssig die Fan-Karaoke-Box, nett das Quiz: 6 von 10 Fragen richtig beantwortet - seit gestern bin ich offizieller Nachwuchs-Borusse.

Lasst mal stecken. Witzig waren die Kickertische; während so ziemlich jeder Kicker mit dem klassischen 2-5-3 agiert, konnte man hier auch mit einem 5-4-1 oder 4-4-2 spielen. Pfiffig.

Vielleicht schreibe ich die Tage noch mal einen ausführlichen Bericht über das Borusseum, in dem man sich schon die Zeit vor dem Spiel vertreiben kann; jetzt aber betrachteten wir aus einem Fenster den Einmarsch der Frankfurter Zugfahrer und verließen die Historie, um uns der Gegenwart zu widmen.

Vor unserem Eingang trafen wir auf Max und Dominik sowie einige andere Ultras und unterhielten uns über den letzten SAW, die Aktionen in Nürnberg: Gut: Mütze. Schlecht: Böller, während Kroni und Celi, Ben und ZoLo zu uns stießen. Ruckzuck näherte sich der Anpfiff und wir schoben uns durch die unspektakuläre Eingangskontrolle. Mit Entsetzen sahen wir, dass sich Menschentrauben um den Eingang 61 scharten; der Block schien voll. Wir quetschten uns dennoch hinein - wurden zunächst durch die Massen hin und her geschubst, trafen Daniel um uns dann nach links oben zu verkrümeln. Prompt trafen wir auf Suse und Mülli sowie propain, der den sonst mitreisenden Arne ersetzt hatte. Auch Donna hatte sich in die Ecke verzogen. Die Sicht war gut, die Hütte ziemlich voll und Emma wackelte über das Spielfeld, als wäre nichts geschehen. Auf dem Platz, der arg ramponiert aussah, schwenkten Hundertschaften Fahnen; aus den Boxen blubberte das unvermeidliche you'll never walk alone, die überschätzteste Kurve der Welt, die gelbe Wand, war auch da und dann ging's los: Die Eintracht ganz in Rot, wobei das Rot der Hosen nicht exakt zum Rot der Trikots passte. Dankenswerter Weise hatte Trainer Skibbe nicht an der Aufstellung des letzten Wochenendes festgehalten. Franz war nach Innen gerückt, Chris auf die Sechs, Jungs nach rechts hinten und Liberopoulos auf die Bank.

Bissig ging es zur Sache, nach acht Minuten schlug Nikolov einen langen Ball nach vorne, Meier verlängerte zu Altintop, dieser passte ihn zu Ochs und dessen gefühlvolle Flanke wuppte Benny Köhler, der sich clever in Stellung gebracht hatte, per Kopf zur Frankurter Führung ins Netz. Wir lagen uns unverhofft in den Armen. Jawoll. Es ging nun Schlag auf Schlag, Altintop hatte eine Chance, doch Ziegler holte ihm den Ball vom Fuß - in der 17. Minute dann der Ausgleich. Zidan hatte abgezogen, der Ball kam zum wenige Meter vor dem Tor völlig frei stehenden Hummels und dieser ließ Nikolov keine Chance.

Köhler hatte die erneute Eintrachtführung auf dem Fuß, Ziegler konnte noch so eben klären, doch nur Sekunden später lag der Ball eigentlich schon im Tor, Altintop hatte alles richtig gemacht, Ziegler war geschlagen und urpötzlich erstarb der Torschrei auf den Lippen; artistisch hatte Hummels einen Ball, der ins Tor gehen musste, noch auf der Line rutschend erwischt.

Kurz danach segelte Altintop durch die Luft, doch leider auch der Ball am Tor vorbei. Nikolov musste dann noch einmal gegen Barrios klären - und so ging es nach einem klasse Spiel mit dem 1:1 in die Pause. Höhepunkt des Dortmunder Support war ein Banner gegen Stadionverbote, ansonsten war die steile Südkurve wie immer schön anzusehen - aber leise.

In der zweiten Hälfte sorgte zunächst der zweite Dortmunder Treffer für Frust. Spycher konnte den Ball nicht gescheit klären, die folgende Flanke von Zidan wurde von Nikolov unterschätzt und im Rücken von Sebastian Jung konnte Barrios einhämmern. Doch wer gedacht hatte die Partie sei gelaufen, der wurde fortan von einer starken Eintracht eines Besseren belehrt. Ochs machte Dampf auf Rechts, Altintop wuselte in der Mitte und Franz trieb die Jungs an, Nikolov rettete gegen Valdez und Chris wurde von jenem Valdez dermaßen rüde gelegt, dass nach Schwegler (Nürnberg) und Korkmaz (Köln) der dritte verletzungsbedingte Ausfall nach einem üblen Foul zu befürchten war. Wieder erhielt der Übeltäter nur Gelb, Chris aber konnte Gott sei Dank weiter machen.

Nach einer Ecke wurde der Ball aus dem Dortmunder Strafraum geköpft - dort hatte Jung viel Platz und dessen strammer Schuss schlug - leicht abgefälscht - zum verdienten Ausgleich ins Netz. Der erste Treffer von Jung in der Bundesliga - wir konnten unser Glück kaum fassen. Doch damit nicht genug: Kurz danach setzte sich Altintop schön mit der Hacke durch, der Ball kam zu Teber, der sofort zu Meier passte. Owomoyela trat über den Ball und im Fallen gefühlvollte Alex Meier die Kugel zur erneuten Eintrachtführung ins Dortmunder Herz. Wahnsinn, wir drehten schier durch, von den Dortmundern war jetzt nichts mehr zu hören, umso mehr von uns. Wo ist denn die gelbe Wand donnerte es durchs Stadion und Eintracht, Eintracht. Und tatsächlich, es galt zwar noch ein paar bange Minuten zu überstehen, die Dortmunder verließen in Scharen das Stadion - aber dann war es vollbracht. Der erste Auswärtssieg beim BVB seit 19 Jahren war Wirklichkeit geworden - und zum ersten Mal musste ich meiner Dortmunder Freundin Susi nach einem Spiel hier nicht gratulieren.
Wie geil.
Franz hüpfte vor Freude wie Rumpelstilzchen auf dem Acker herum und wir skandierten Auswärtssieg - nicht als Wunsch, sondern als Gewissheit.
Wie geil.

Wir blieben noch eine ganze Weile im Stadion, genossen das seltene Gefühl des Triumphes und freuten uns über die Rache der Eintracht an Emma. Kein Maskottchen der Welt haut mir ungestraft auf den Hintern. Danke Eintracht.

Auf dem Rückweg warteten lange Schlangen auf den Einlass zu Rammstein, wir verschenkten ein paar Blättchen an ein paar Dortmunder denen zunächst gar nicht auffiel, dass wir Frankfurter sind und marschierten gut gelaunt Richtung Auto. An der U-Bahnstation enterten die Frankfurter den Eingang, ein paar Dortmunder pöbelten von Oben herunter und einer davon war gerade dabei seinen Schniedel auszupacken, als ihm Pia zurief: Lass mal stecken. Der Rudeboy gehorchte aufs Wort.

Kalt war's nur außen, innen wärmte das Glück über einen unerwarteten Auswärtssieg. Der Golf parkte noch brav dort, wo wir ihn verlassen hatten; wir warfen die Jacken auf den Rücksitz und starteten durch. Kurz vor der Autobahn staute sich der Verkehr, doch schon bald ging es zügig weiter. Dunkel die Nacht, die Lichter der Gemeinden neben der Autobahn funkelten wie Glückssterne in die Finsternis, während wir zufrieden als Sieger durchs Siegerland rauschten. Wir überholten hupend den Bus des EFC Stadtallendorf, drehten einem Dortmunder Fanbus eine lange Nase, überquerten die Grenze zu Hessen und sangen zur Musik von Cock Sparrer It's time to make your move.

Frankfurt hatte uns gegen Elf wieder. Zu allem Überschwang hatte ich im Tippspiel des Blog-G das erste Mal den Tagessieg errungen. Ein geiler Tag. Pia konnte sich gar nicht mehr einkriegen, im DSF lief die Zusammenfassung des Spiels und sie hüpfte durch die Wohnung: Wie geil.

Genau das war es.



Fotos: Pia und Beve

Mittwoch, 3. Februar 2010

Passt


Auf der Homepage der Eintracht werden stets aktuelle Termine bekannt gegeben; Trainingszeiten, Geburtstage, Museumsveranstaltungen. Heute hat der Bundestrainer seinen Ehrentag; er wird 50 Jahre alt. Nicht dass ich mit der Nationalmannschaft oder deren Trainer groß was am Hut hätte; klasse fand ich die sehr schlichte Ankündigung auf eintracht.de:

Passt.

Dienstag, 2. Februar 2010

Beve erklärt unaufgeregt die Eintracht


Wie schon vor einigen Wochen hatte ich das Vergnügen, live und in Farbe bei Radio 90elf über die aktuelle Situation bei der Eintracht zu berichten. Hier könnt ihr nun mein Telefon-Interview nachhören. Die komplette Sendung (unter anderem mit Jens von Catenaccio und Felix vom Hertha-Blog wird wohl demnächst auf der Seite von 90elf zu hören sein.

Viel Vergnügen