Sonntag, 31. Januar 2010

Sick of it all


Als nachts in eisiger Kälte die Seitenscheibe der Fahrerseite des silbernen Golfs mit einem knackenden Geräusch aus der Halterung sauste und in die Tür fiel; wir also bei offenem Fenster über das Glatteis schlingerten und ich wenige Minuten später hinter dem Haus das offene Fenster verklebte, da entfuhren mir zum gefühlt fünfzigsten Mal die Worte: Ach Scheiße.

Dabei fing alles eigentlich ganz gut an; schon gegen 13:00 parkten wir an der Louisa, wanderten durch den verschneiten Stadtwald, gegen 13:30 öffnete das Museum seine Pforten und wir hatten ein bisschen was zu tun. Der Weg durch den Winterwald bot poetische Bilder, prosaisch wurde es erst, als wir in die Zivilisation zurück kehrten und über kaum geräumte Wege parallel zur Straßenbahn zum Haupteingang marschierten. Einige Wenige standen schon beim Bratwurst-Walter, andere hielten Tickets zum Verkauf in die Höhe - der Einlass aber war kurz und schmerzlos.

Neulich hatte ich ja ein kleines Rätsel veröffentlicht; ihr solltet anhand gemalter Beine und Schuhe Eintracht-Spieler erraten. Im Verlauf des Postings wünschte sich Schnellinger die obere Hälfte des Bildes; dies hole ich hiermit nach, obgleich - um der Wahrheit die Hand zu reichen - es in Wirklichkeit zwei Bilder sind.

Who is who?

Zu schwer, ich weiß.

Ich nestelte mir noch ein Christoph-Preuß-Button an meine Winterjacke, als mich mein Vater im Museum abholte und wir in Richtung unserer Plätze dackelten. Wir wussten schon, dass unser Neuzugang Halil Altıntop von Beginn an spielte; was dies aber insgesamt zu bedeuten hatte, wurde uns erst im Verlauf der Partie klar. Kurz darauf kam auch Pia, die noch einige Museums-Flyer verteilt hatte. Laune: gut.

Mitgedacht hatte die Eintracht; Christoph Preuß, der unter der Woche seinen bewegenden Abschied vom Profi-Fußball verkündet hatte, bedankte sich unter prasselndem Applaus für all die Jahre und Unterstützung und verkündete die Manschaftsaufstellung per Mikrofon; Wir sind alle Frankfurter Jungs schallte es von den Rängen, die mit insgesamt 45.100 Zuschauer wiederum relativ schwach besetzt waren.

Los gings, die Eintracht gegen den 1.FC Köln, ein Klassiker mit unvorhersehbarem Ausgang. Nicht dabei waren verletzungsbedingt: Amanatidis, Bajramovic, Fenin, Schwegler, Vasoski und natürlich auch Preuß, während auf Kölner Seite Podolski fehlte. Vasoski gegen Podolski, das war ein Duell, erinnert ihr euch? Hier zum Beispiel oder auch hier. Sebastian Jung war wieder auf die Bank gerutscht; Franz nahm dessen Position in der rechten Verteidigung ein, Chris rückte nach Gelbsperre wieder nach innen und Teber versuchte sich auf Schweglers Position.

Von Zeit zu Zeit segelten sich lösende Schneeschichten vom Dach aufs Spielfeld; der Videowürfel verkündete ein Gladbacher Tor nach dem anderen gegen Bremen und urplötzlich zeigte die eingeblendete Tabelle eine Eintracht auf dem sechsten Platz. Europapokal hallte es kurz darauf durch Stadion; nicht sonderlich ernst gemeint; von uns - aber auch von den Akteuren, die nichts dafür taten, uns zu erwärmen. Eine Chance von Ochs, ein Kopfball von Russ - das war's in einer lahmen ersten Halbzeit. Meier, Liberopoulos und Altıntop teilten sich eine Position und wussten nicht so recht wohin mit sich und der Welt.

Halbzeit. Seitenwechsel.

Nikolov zeichnete sich während des gesamten Spiels durch mindestens drei beherzte Sprints außerhalb des Strafraumes aus - und klärte vor den heraneilenden Kölnern in ungewohnter Manier. Machtlos aber war er in der 59. Minute, als Maniche von Freis schön freigespielt die Kugel im Eintrachtherz versenkte. Skibbe reagierte, brachte Korkmaz für Köhler - und nur wenig später wälzte sich Korkmaz auf dem Boden; Neu-Kölner Tosic hatte ihm eine mitgegeben und es sah zunächst schwer danach aus, dass der Einsatz von Üüüüüüüümit nach wenigen Minuten schon wieder ein Ende gefunden hatte. Korkmaz aber biss sich durch. Das bittere Ende kam nach Abpfiff: Jochbeinbruch - eine erneute längere Pause wird folgen. Hatte schon letzte Woche der Nürnberger Andreas Wolf Pirmin Schwegler schwer verletzt, so war nun der nächste Ausfall zu beklagen. Sowohl Wolf als auch Tosic waren mit Gelb mehr als gut bedient.

Schwer flockte nun der Schnee durchs Flutlicht ins Stadion, endlich kam Farbe ins Spiel: Ein orangener Flutlichtball. Dann kam Caio für Liberopoulos und Bewegung in die Partie; die Eintracht erinnerte sich an Fußball, Meier und Teber scheiterten aus der Distanz an Mondragon, und holte sich dann doch den Ausgleich; im dritten Anlauf drosch Chris die Kugel resolut ins Netz, zuvor hatten Mondragon und ein Kölner noch die Versuche der Frankfurter abwehren können. Jawoll. Verdient. Endlich. High Five. Jawoll.

Altıntop hatte kurz darauf die Führung auf dem Schlappen, rutschte weg und sie war dahin; die Gelegenheit.

84. Spielminute; Stadiondurchsage. Zwei zu Eins für den 1. FC Köln durch ein Eigentor. Dass es Russ gewesen ist, zeigten uns erst die Bilder der Sportschau; dass es aber ein Treffer war, dem selbst einem Stürmer aus dieser Position aufs gegnerische Tor höchst selten gelingt, war schon im Stadion sichtbar. Flugkopfball, schräg, aus geschätzten zwölf Metern.

Scheißescheißescheißescheiße.

Die letzten Minuten, sie gingen sinnlos dahin, auch der erste Bundesligaeinsatz von Marcos Alvarez brachte nicht viel; Schlusspfiff; Abmarsch. Ausgerechnet gegen die Scheiß-Kölner murmelte ich vor mich hin; unterbrochen von einem seufzenden ach Scheiße.

Die Läuferin am Stadioneingang betrachtete leichtbekleidet und verschneit unseren Abgang, wir rutschten übers Eis durch den Wald zurück zu den Autos, die letzten Weihnachtsplätzchen wurden ausgetauscht; die Scheiben gekratzt und so schlingerte ein Golf Richtung Nordend und ein Mitsubishi nach Dietzenbach.

Nach einem Tee und der Sportschau ging's rüber nach Offenbach, die Dropkick Murphys gaben sich die Ehre, zuvor performten Sick of it all. Jede Menge Eintrachtler waren anwesend, ob sie die nachmittäglichen 90 Minuten vergessen konnten ist nur zum Teil überliefert; das Konzert jedoch war um Längen besser als der Kick.

Naja, dann sauste die Scheibe runter; das war's. Sick of it all.




Dank Stefan habe ich im Header einen neuen Adler. Legal. Danke.

Samstag, 30. Januar 2010

Freitag, 29. Januar 2010

Noch'n Rätsel



Ein nettes Bild, naive Malerei - und es hat auf den ersten Blick so gar nichts mit der Eintracht zu tun. Auf den zweiten Blick auch nicht. Hat es aber doch; entscheidend ist der Maler des Bildes. Ein wichtiger Mann in der Eintracht Historie. Wer war's?

Rätsel


Ihr wisst ja Bescheid, heute Abend eröffnet das Eintracht Frankfurt Museum seine Pforten für die Ausstellung Fußballkünstler; das wird toll, versprochen.

Los geht's um 19:30 unter folgender Adresse:

Eintracht Frankfurt Museum
Waldstadion
Mörfelder Landstr. 362
60528 Frankfurt am Main

Und damit euch nicht langweilig wird habe ich mal einen Ausriss eines Bildes von Rainer Kleemann genommen und frage euch:

Welche Spieler der Eintracht sehen wir hier?



Gute Frage gell?

Donnerstag, 28. Januar 2010

Halil Altıntop


*08.12.1982

Seit heute im Kader von Eintracht Frankfurt: Trikotnummer: 19

Halil Altıntop

Herzlich Willkommen.

Ein Traum ist aus...


... ein neuer muss geträumt werden. Christoph Preuß hat heute auf der Pressekonferenz der Eintracht wie befürchtet halbwegs gefasst seinen Abschied vom Profifußball verkündet. Ein Einriss im Meniskus des gerade halbwegs hergestellten Knies - so lautete am Dienstag die ernüchternde Diagnose der Ärzte. Nach der zum Teil übermenschlichen Belastung in den letzten zwei Jahren möchte es Christoph sich und seiner Familie eine erneute Operation nicht zumuten.

Eine traurige Meldung - wir werden sehen, ob und wie es für Christoph bei der Eintracht weiter geht. Wir aber haben ihn in den letzten Tagen und Wochen sehr schätzen gelernt und werden ihn nicht aus den Augen verlieren. Alles Gute und viel Glück wünsche ich dir - und Danke für Alles.



Nachtrag: Kid hat seine Worte gefunden: Der Kampf ums Glück

Zuschauerboom seit Drei. Zwei. Null.


Wahnsinn; Jan Christian Müller (FR) fördert im Gespräch mit Christian Seifert (DFL) nahezu Unglaubliches zu Tage:

Tradition verpflichtet.

Mittwoch, 27. Januar 2010

24 Stunden


Gestern war es, so gegen 16:00 Uhr. Warm eingepackt verließ ich mein Zuhause und ließ mich mit der Trambahn nach Sachsenhausen rumpeln, ein heißer Apfelwein und nettes Nachmittagsgeplauder wartete auf mich. Wir saßen und schwatzen über dies und jenes und über die Eintracht sowieso, großartig Neues kam nicht auf den Tisch, außer heiße Leberwurst und Sauerkraut. Der Abend brachte einen Film über den Serienmörder John Wayne Gacy sowie Inglorious Basterds mit einem groß aufspielendem Christoph Waltz; der Morgen danach Aufräum- und Sortierarbeiten; da ist es ganz praktisch, dass man derzeit keinen Internetanschluss besitzt und sich nicht groß irritieren lässt; was soll auch an einem eisigen Mittwoch schon groß passieren? Von Zeit zu Zeit liebe ich es ja, abgeschnitten von der Welt in meiner Hinterhauswohnung zu sitzen und mich um meinen Kram zu kümmern; manchmal fällt mir eine ewig ungehörte CD in die Finger, manchmal eine alte Eintrittskarte und die Gedanken lösen sich von der Wirklichkeit - oh heilige eigene kleine Welt.

In der Küche hing mein Handy am Ladegerät, während ich nebenan rumorte - eingehende SMS werden da gerne überhört; doch Pia ließ nicht locker - und rief an:

Altintop kommt.

Nikolov geht.

Preuß verletzt.

?

Einmal nur knapp 24 Stunden nicht online - und schon passiert's. Im Ernst, es passiert natürlich auch sonst jede Menge; alle naslang werden Kinder geboren, sterben Menschen, gehen Landstriche zu Grunde. Dies geschieht aber nur, wenn man davon in Kenntnis gesetzt wird und - ich gebe es zu: Ich will eigentlich gar nicht dauernd und ständig in Kenntnis gesetzt werden. Oder mich gar dazu äußern. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß sagt der Volksmund, der es ja wissen müsste und wer will schon permanent überhitzt durchs Dasein laufen.


Altintop kommt.

Nikolov geht.

Preuß verletzt.

?

Das sind natürlich drei Nachrichten von ungeheurer Qualität. Dass die Eintracht einen neuen Stürmer verpflichtet, ist wenig überraschend; schließlich läuft die Transferphase noch bis zum nächsten Montag - alle Beteiligten wissen ob der Verletztenmisere und kennen die finanziellen Verhältnisse, die es zwar nicht erlauben einen Herrn Kießling oder Gomez zu verpflichten aber durchaus einen unzufriedenen Bankdrücker eines anderen Bundesligisten. Dies dürfte zwar unsere Nachwüchslinge vom Schlage eines Marcos Alvarez nicht entzücken, aber dieser kam ja auch ohne Neuverpflichtung zu keiner einzige Bundesligaspielminute. Und das, obwohl der Trainer ja mit Jungen kann. Sagt er. Jetzt also Halil Altintop.

Dank meines türkischen Freundes Ergin bin ich auch sofort über die wesentlichen Dinge aufgeklärt worden.

Punkt 1: Altin heißt auf deutsch Gold und Top heißt Ball. Oder Kanone. Das muss doch Glück bringen. Halil Goldball. Bei gleicher Gelegenheit erfuhr ich übrigens, dass Korkmaz hat keine Angst bedeutet. Auf geht's ihr Buben.

Und so ganz nebenbei gibt es hier unentgeldliche Spachtipps von Ergin, der es ja wissen muss:

Altintop sprechen ALLE - ausnahmslos ALLE - Deutschen falsch aus. Richtig wird es ausgesprochen wie "Altentop", mit einem stimmlosen "e" wie in "Blume" zum Beispiel. Weil über dem i der Punkt fehlt -> "ı" -> Altıntop.

Jetzt wisst ihr's.

Auf geht's könnte es auch demnächst für Oka Nikolov heißen. Die New York Red Bulls locken ihn über den großen Teich - und wenn ich Oka wäre, ich würde den Abflug machen. Dies dachte sich Oka selbst auch und lehnte ein zweijähriges Angebot der Eintracht ab. Blöd nur, dass die Liga in den Vereinigten Staaten schon am 15. März beginnt, die Eintracht ihn aber bislang nicht ziehen lassen will - was ich auch gut verstehen kann.

Mensch, wenn Oka die Eintracht verlässt , das wär ein Ding. Aber mit 35 noch zwei, drei Jährchen in New York zu kicken und zu leben und dabei noch gutes Geld zu verdienen, nebenbei noch Englisch lernen - das sind doch unschätzbare Erfahrungen, um die - so sie denn eintreffen - ich ihn beneide. Und sollte es wirklich so kommen, dann tritt er bei der Eintracht mit einem Standing ab, das ihn für alle Zeit den ewigen Oka bleiben lässt. Besser, als vielleicht schon in der nächsten Saison nach einigen Patzern in Frankfurt auf der Tribüne zu hocken. Ein Tränchen dürfen wir aber schon verdrücken; vor allem die Jüngeren - viele von ihnen sollen ja tatsächlich glauben, Oka hätte schon bei Gründung der Victoria anno 1899 im Tor gestanden.

Christoph Preuß verletzt; das ist natürlich eine niederschmetternde Neuigkeit; Einriss im Meniskus des rechten Knies lautet eine mögliche Diagnose und wer die Vorgeschichte kennt (und welcher Eintrachtler kennt sie nicht) der ahnt, was es für Christoph bedeutet. Noch weigere ich mich schlimm zu denken und drücke die Daumen, dass alles halb so wild ist. Alles andere sehen wir wenn es an der Zeit ist. Gute Besserung wünsche ich von dieser Stelle von ganzem Herzen. Und grüße an dieser Stelle auch ganz herzlich meinen Freund Kid Klappergass, der keine Worte findet.



Die Zeichnung von Oka zeigt einen Ausriss aus einem Comic von Michael Apitz
Die Autogramkarte von Christoph stammt, wen wunderts, von Franks Archiv

Dienstag, 26. Januar 2010

In eigener Sache: Neugestaltung der Seite




So langsam dürfte die Baustelle Beves Welt geschlossen sein. Zum einen nervte das fehlende t in der Umfragenüberschrift gewaltig - aber sobald eine Stimme abgegeben ist, kann ich den Text nicht mehr ändern und zum anderen habt ihr ja die permanenten Änderungen mitbekommen, so dass die Umfrage nicht wirklich aussagekräftig ist. Aber euer Feedback zeigte, dass das alte, schwarze Layout optisch zwar schöner wirkte, die Lesbarkeit aber vor allem für schwächere Augen eingeschränkt war. Von daher denke ich wird die neue Optik dem Abhilfe schaffen - ohne den farblichen Eintracht-Bezug aus den Augen zu lassen. Mir gefällt es nach all den Versuchen ganz gut, es ist von Stefans und Kids Blog zu unterscheiden ohne zwanghaft sich über das Layout zu profilieren und scheint übersichtlich zu sein. Leider geben die Vorlagen von Blogger nicht allzuviel her, so dass natürliche Grenzen vorhanden sind. Von nun an werden wieder die Inhalte im Vordergrund stehen, falls euch bei euren Browser/Einstellungen noch etwas auffällt, sagt Bescheid.

So, wo waren wir stehen geblieben? Ahja, US Boy Ricardo Clark kam an (per. spek. tivisch), Mehdi wechselt nach Teheran (Danke für alles), Schwegler wurde von Wolf erheblich an den Bändern verletzt und fällt mindestens zwei Monate aus (gute Besserung) und Oka könnte in der nächsten Saison in den USA spielen (Schade für uns, toll für ihn). Einsätze von Alvarez gab's bislang nicht (leider), dafür aber demnächst Kunst im Museum. Am Samstag kickt die Eintracht gegen Köln und abends rocken die Dropkick Murphys in der Stadthalle nebenan. Wer keine Karte hat, geht in die Bembelbar, deren siebenjähriges Jubiläum im Dreikönigskeller gefeiert wird und singt dort schmutzige Lieder.

Hier. Regiert. Die SGE.


Fußballkünstler im Museum




Am Freitag, den 29. Januar wird im Eintracht Frankfurt Museum eine Ausstellung eröffnet, die sich mit Fußballkünstlern beschäftigt. Der Ansatz sind diesmal allerdings nicht in erster Linie die Ballvirtuosen Jürgen Grabowski, Alfred Pfaff oder Uwe Bein. Vielmehr haben wir im Museum die Werke verschiedener Künstler zusammengetragen, die sich mit Fußball und der Eintracht auseinandersetzen.

Zu den ausstellenden Künstlern gehören unter anderem Rainer Kleemann (Bild rechts), Michael „Hank“ Becker (Kassel), F.W. Bernstein (Berlin), Kai Staudacher (Frankfurt), Christiane Erdmann (Wiesbaden), Christine Moje und Hagen Bonifer (Mühlheim am Main).

Die Ausstellung wird am Freitag, den 29. Januar um 19.30 Uhr im Eintracht Frankfurt Museum eröffnet. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung erscheint ein 52-seitiger Begleitkatalog, der im Museum erhältlich ist.

siehe auch hier bei Kid und Stefan

Sonntag, 24. Januar 2010

Heimspiel in Nürnberg


Diszipliniert verschob die Abwehr und ließ trotz Unterzahl kaum Chancen zu und was aufs Tor kam hielt der überragende Torhüter; die Konter aber saßen wie Nadelstiche - am Ende stand ein klarer Sieg zu Buche und die Akteure schlichen müde aber glücklich vom Feld. Freitag Abend in einer Turnhalle im Westend.

Keine 12 Stunden später rang ich mit dem Muskelkater, der zwar schwächer als erwartet aber latent vorhanden, meine Bewegungen in Zeitlupe versetzte. Meine Nase schnupperte Kaffee; Pia war schon vor mir wach - und bereitete mich auf den Tag vor: Auswärtsspiel in Nürnberg - und um es gleich vorweg zu nehmen: sowohl Pia als auch der silberne Golf sollten heute im Lande bleiben und ich machte mich gegen halb zehn mutterseelenallein auf in die weite Welt. Müde schleppte ich mich zur Straßenbahn, die prompt angerumpelt kam und mich durch die Stadt zur Südseite des Bahnhofs brachte. Meine Handschuhe hatte ich trotz des dezenten Hinweises Pias zur kommenden Kälte zu Hause gelassen: Die verlier' ich eh nur.

Geiselgangster - immer eine gute Alternative, wenn der silberne Golf in Frankfurt bleibt. Wie immer lungerten schon jede Menge finsterer Frankfurter an der Südseite herum und warteten auf die Busse; Kippchen dampften; Junior Adler hockten brav in ihrem Bus und überall ein großes Hallo. Wenig später rollte auch unser Bus ein; der gleiche mit dem ich schon nach Gelsenkirchen und Leverkusen gefahren bin - astreiner Linienbus; keine Toilette, enge Sitze - aber die Lizenz zum Rauchen. Dafür noch mit Tapedeck: für die Jüngeren: das ist so etwas wie ein analoger mp3Player - irre Oldschool. Bloß läuft das Ding mit Tapes - und die hatte kein Mensch dabei - was nicht unbedingt was Schlechtes sein muss.

Gerre und Buffo waren wieder die Organisatoren, Gabi und Ina die Mütter der Kompanie und zwischendrin hockten wir, André und Sandy, Thor und Tom, Dani und Präsi und wie sie alle heißen. Die, die immer dabei sind; die, die zum ersten Mal dabei sind und die, die so wie ich manchmal dabei sind.

Wir rollten durchs graukalte Frankfurt auf die Autobahn auf die A3 und der erste Parkplatz war unser, wie gesagt: der Bus hatte keine Toilette.

Grauweiß rauschte der Süden Deutschlands an uns vorbei; Aschaffenburg, Würzburg, Frauenaurach: von Zeit zu Zeit machten wir ein Päuslein und ich hing mehr oder weniger groggy in meinem Sitz, löste die Rätsel der Rundschau und schaute aus dem Fenster. Die obligatorische Tombola brachte mir wie immer nichts ein - aber stolz trug ich mein schwarz-weiß gestreiftes Mützlein, wie wir alle schwarz-weiße Mützen trugen; die UF hatte stapelweise Mützen herbeigeschafft und verkauften diese zu einem Spottpreis, auf dass die Frankfurter allesamt ein gleiches Bild abgeben. Netter Nebeneffekt: Wenn du jetzt irgendwas anstellst und die Täterbeschreibung: trägt schwarz-weiße Mütze lautet - dann hast du gute Karten. Tausende sollten später die Kappen tragen.

Nürnberg-Messe, wir erreichten recht früh den Parkplatz am Messegelände und halbwegs warm eingepackt marschierte ich am Historical Cowboy and Indian Club vorbei Richtung Stadion, das wohl einen der grausamsten Namen der Liga trägt und von mir daher konsequent Frankenstadion genannt wird. Stelltafeln erzählen die Geschichte des Stadions, das alte Schwimmbad war um diese Jahreszeit geschlossen, die Stadionordnung gut sichtbar verschraubt. Um mir ein wenig die Zeit zu vetreiben, schlenderte ich am Gästeeingang vorbei und wollte das Umland anschauen, allein es scheiterte am mutigen Einsatz der Polizei: Tapfer stellte sich mir ein Stadtsoldat entgegen und verhinderte mein Eindringen in den menschlichen Bereich Nürnbergs. Obgleich jenseits der Sperre jede Menge Frankfurter unterwegs waren; nämlich alle, die von der anderen Seite angereist waren - für mich gab es kein Durchkommen. Ganze Arbeit der Kollegen in Grün.

Ich kaufte noch ein zweites Mützchen für Pia, schwatzte hier und dort und ließ mich dann am Eingang fröstelnd beim Marsch ins Stadion durchsuchen. Im Unterrang unter dem Überhang fand ich einen Platz, der mir gute Sicht versprach - und nette Gesellschaft dazu. Muelli, Suse und Arndt lehnten am Wellenbrecherchen; langsam füllte sich das WM-Stadion, dessen blaue Träger überhaupt nicht zum Rot des Inneren passen - und mir fiel auf, wie weit ein Tor doch vom Platz entfernt sein kann, wenn rund um das Spielfeld noch eine Aschenbahn verläuft. In der Nürnberg-Kurve wurden kräftig Fähnchen geschwenkt, später spazierten etliche Nürnberger mit riesigen Schwenkfahnen aufs Spielfeld und schwenkten diese im Takt des Vereinsliedes; dankenswerter Weise war die Anlage schön leise eingestellt.

Ein Blick auf die Ersatzspieler der Eintracht zeigte, dass Marcel Titsch-Rivero nicht im Aufgebot stand, dafür aber die Herren Preuß, Alvarez, Caio, Heller, Korkmaz, Tsoumou und Torhüter Fährmann. Recht offensiv für meinen Geschmack, eingedenk der Tatsache, dass Schwegler und Franz leicht angeschlagen ins Spiel gegangen sind. Nuja, der Trainer wird wissen, was er macht.

Aus der Nürnberger Kurve wurde uns nun eine kleine Choreo präsentiert, Ultras Nürnberg 1994 stand auf dem Banner, darunter wurden rote und schwarze Pappen hochgehalten und in der Mitte leuchtete ein Sonne. Begrenzt wurde das Banner auf der einen Seite durch das Adlerwappen Nürnbergs und auf der anderen Seite durch die Comicfigur Willi Wacker, der ein Glas Bier hält. Sah ordentlich aus. Sozusagen: Putzig.

Bei uns in der Kurve trugen jetzt wirklich fast alle die erwähnten Mützen, und noch bevor es losging begann der zweite Teil des inoffiziellen Schwanzvergleichs, Rauchwolken stiegen aus unserem Block in die Höhe, illuminiert von ein paar Bengalos - zwischendrin böllerten ein paar Kanonenschläge: Hurra, hurra, die Frankfurter sind da. Wenigstens flog keine Leuchtspur, aber selbst die Böller gehen mir auf den Senkel.

Kaum hatten sich die Rauchwolken verzogen, entdeckten wir eine Chance für die Eintracht, der Ball aber landete nicht im Tor - es muss wohl Ochs gewesen sein, der verzogen hatte. Kälte kroch in einen hinein, Handschuhe wären jetzt gut gewesen; aber wer Wolfsburg überlebt hat, der schafft auch Nürnberg. Als die Kurve hüpfte, schwankte der Oberrang bedrohlich - während Wolf unseren Schwegler umsenste und dafür gelb erhielt. Schwegler humpelte und wurde später nach der Pause gegen Christoph Preuß ausgetauscht. Da stand es schon 1:1. Die Nürnberger Führung aus der 27. Minute konnte Köhler in der 40. ausgleichen. Ochs hatte sich schön durchgesetzt und die anschließende Flanke Benni Köhler lässig eingenickt. Jedoch sickerte erst nach einigem Nachfragen der Torschütze durch; zunächst wurden Liberopoulos, Teber oder sogar Chris gehandelt, der aber ob der fünften gelben Karte gar nicht mitspielen durfte und ergo als Torschütze nicht in Frage kam.

In der zweiten Hälfte legten die Junior Adler im Block links neben uns einen mächtigen Support hin; lehnten an der Bande und wedelten mit ihren Junior Adler Fähnchen; es wird nicht mehr lange dauern, und die Kids werden selbst die ersten Rauchbomben zünden; statt Bierbecher werden dann Lutscher aufs Spielfeld geworfen; früh übt sich. Der Nachwuchs lebt.

Die zweite Hälfte brachte zudem ein paar klasse Aktionen von Nikolov, eine Megachance von Preuß und die Erkenntnis, dass ein flotter Spieler in des Sturmes Spitze beim Fußball ein Vorteil sein kann - wenn man ihn denn hat - oder bringt. Jung kann man immer bringen und Chris ist schon ein Mann, der dem Spiel der Eintracht zuträglich ist. Caio kam kurz vor Ende für Liberopoulos, sicher, der Mann ist jung. Dies ist aber auch Stürmer Alvarez, dessen ersten Ligaeinsatz ich gerne gesehen hätte. Unser Trainer kann ja mit Jungen und will gewinnen. Zumindest vor dem Spiel. Der Vorteil reiner Fußballstadien sprang ebenfalls deutlich ins Auge; bis ich gewusst habe, wer bei Nürnberg spielt, war das Spiel vorbei.

Im End wurstelte sich die Eintracht zu einem Punkt, der durchaus verdient war. Die Spieler kamen in die Kurve - und wurden prompt mit den lustigen Mützen versorgt. Preuß schnappte sich das Mikro, Humba für alle und allgemein überwog die Zufriedenheit mit dem Punkt, den die Eintracht ergattert hatte. Schon während des Spiels verkündete eine Stimme, wie der Rücktransport der Gästefans durch den Entlastungszug organisiert wird; nach der fünften Durchsage aber hätte man auf die Idee kommen können, dass es nun auch wirklich jeder begriffen hat.

Ich machte mich auf die Socken und wanderte zu einer Wurstbude fern des Massencaterings, hier ein Schwätzchen, dort ein Guude und auf halbem Weg zum Bus erfuhr ich noch, dass einige Nürnberger samt Frankfurter im Stadion Freispiel hatten, weil die Polizei ... ja was eigentlich ... machte.

Blaulicht der stehenden Einsatzwagen wies den Weg zum Bus, der am äußersten Winkel der Messe parkte. Ich freute mich ob der Wärme und es dauerte nicht lange, bis wir auf die A3 rollten. Ein kurzer Halt folgte bei einer bekannten Hamburger Braterei, später hallten hinter mir muntere Gesänge durch den Bus, während wir uns überlegten, ob es nicht vielleicht doch in Malawi den Stürmer gibt, der in der Rückrunde für 45 Tore gut ist.

Wir plauderten in die Nacht, das Radio dudelte leise vor sich hin; Würzburg, Aschaffenburg, Hessen, Stadion, Bahnhof; die Fahrt verlief problemlos. So verabschiedete ich mich, packte mein Bündel und marschierte in die Nacht; vorbei am Theaterplatz, vorbei am Eintracht-Shop und am Paulsplatz und ließ mich die letzten Meter von der Trambahn Linie 12 zur Rohrbachstraße fahren. Gegenüber im Feinstaub stieg noch eine Fete; ich berichtete Pia von der vergangenen Fahrt und wir hoben die Gläser bis spät in die Nacht. Dass ich jedoch meine Mütze noch heute nach dem Aufwachen getragen haben soll, ist offiziell noch nicht bestätigt.



Mehr zum Spiel: Hier beim Blog-G, dessen Stefan auch das Mützenspielerfoto gemacht hat.



Freitag, 22. Januar 2010

Worte des Monats Dezember 2009




Die Winterpause hatte heuer keine Bedeutung, vielleicht war sie zu kurz oder es lag an mangelndem Weihnachtsschnee, dass die Winterpause nur magere 10 % der Stimmen abstauben konnte - und dies bedeutet den letzten Platz im Dezember 2009, allerdings bekleidet vom Sprachkleid.

Vor allem Stefan vom Blog_G zitiert von Zeit zu Zeit das von Heribert Bruchhagen zuvor benutzte Wort, das ich so noch nie gehört habe. Es meint das wortreiche Umschreiben eines gleichen Sachverhaltes. Irgendwie hat er nicht ganz unrecht, der Vorstandvorsitzende Heribert Bruchhagen, wenn er davon spricht, nur “das Sprachkleid” habe sich geändert. Auf Dauer aber wird man mit verbalen Bekenntnissen nicht die Zähler einfahren, die man braucht, um das erklärte Saisonziel (Platz 9, 46 Punkte) zu erreichen. Richtig, Worte schießen keine Tore. Die Eintracht aber schon - und ist auf einem guten Weg. Sprachkleid hin oder her. Es wäre mein Favorit gewesen - und wird in meinen Wortschatz eingehen. Danke dafür.

Scheißkälte - wohl wahr, wer das Heimspiel gegen Wolfsburg im Stadion verfolgt hat, kann ein Lied davon singen. Über -10° ließen den Apfelwein im Becher gefrieren und auch in den folgenden Tagen zeigten sich die Härtesten der Harten mit langen Unterhosen. Scheißkälte. Wohl dem, der ein warmes Zuhause besitzt - oder der den Weg in die geheizte Stube mit Apfelweinausschank gefunden hat. Denkt aber daran, eure Handschuhe nicht zu vergessen. Scheißkälte. Silber im Monat Dezember, 36% von euch wollten es sogar ganz oben wissen.

Dort findet sich ein zusammengesetzter Begriff, der zwar die Debatten beflügelte - aber bislang keine Wirklichkeit wurde. Nach den langwierigen Verletzungen von Martin Fenin und Ioannis Amanatidis war nicht nur der Trainer davon überzeugt, dass die Eintracht einen neuen Stürmer brauche. Fahrlässig sei es, nur mit unserem Duo Meier und Liberopoulos in die Rückrunde zu gehen, hörte man an allen Ecken und Enden. Karlo Primorac, Rafik Djebbour, Mame Biram Diouf und zuvor Theofanis Gekas waren im Gespräch; einer davon konnte nicht überzeugen, der nächste wurde über Nacht teurer, der dritte von ManU nicht frei gegeben und der vierte von Hertha BSC besser bezahlt. Da es auf diesem Planeten nur diese vier gibt, ruhen nun die Hoffnungen auf unserem Nachwuchsmann Marcos Alvarez - wenn nicht bis zum 31.01, dem Ende der Transferperiode, noch etwas Entscheidendes geschieht - und ein neuer Stürmer kommt. Hier ist er schon, der neue Stürmer. Und zwar als Wort des Monats Dezember 2009. Gewählt mit 43% der abgegebenen Stimmen.

Herzlichen Glückwunsch - und danke fürs Mitmachen.

Dienstag, 19. Januar 2010

Neues Layout


Mal ein Eintrag in eigener Sache; ihr merkt ja gerade, dass ich mit bescheidenen Mitteln am Basteln bin, was das Layout des Blogs angeht; mich würden eure Gründe interessieren, weshalb euch das alte oder neue Layout besser gefällt, oder ob es gar ganz andere Ideen gibt; fehlt etwas, ist etwas völlig überflüssig oder stört sogar irgendwas?

Nur zu, bin für Anregungen dankbar.

ps

Hier findet ihr den atuellen Stand der Dinge

Klick

Sonntag, 17. Januar 2010

Gut so!


Spiele gegen Werder Bremen sind immer eine Art Wundertüte; man weiß nie, was dabei herauskommt. Schon in der ersten Bundesligasaison 1963/64 fing sich die Eintracht in Bremen ein 1:4, um im heimischen Waldstadion mit einem 7:0 zurück zu schlagen. 1976/77 erzielte die Eintracht erneut sieben Treffer, 7:1 lautete damals der Endstand. Noch torreicher ging es 1981 zu; mit 9:2 fegte die Eintracht Werder vom Platz - und dies, obgleich die Bremer mit 1:0 in Führung gingen. Otto Rehagel muss getobt haben.

Aber selbst in jüngerer Vergangenheit ging es hoch her; 2006/07 ging die Eintracht im Waldstadion mit 2:6 unter, um durch ein überraschendes 2:1 in Bremen sowohl den vorzeitigen Klassenerhalt zu sichern, als auch Bremen die Meisterschaft zu verderben. In der Saison danach lieferten sich Kyrgiakos und Diego ein heißes Duell. Stand up and fuck you. Diego sah rot, die Eintracht gewann 1:0.

Letzte Saison lief aus Frankfurter Sicht besonders bitter, gleich zwei Mal verlor die Eintracht mit 0:5. Dafür verdarben die Hessen den Saisonaufakt Bremens in diesem Jahr gründlich, gleich im ersten Saisonspiel besiegte die Eintracht den haushohen Favoriten im Weserstadion mit 3:2; für die Treffer sorgten Amanatidis und Fenin. Dies sollte bis zum 16. Spieltag Werders einzige Niederlage bleiben.

Und nun das: Zum ersten Mal seit der Saison 1989/90 besiegte die Eintracht Werder sowohl im Hin- als auch im Rückspiel. Ein Treffer von Marco Russ in der 57. Minute reichte aus, um die Eintracht als Sieger vom Platz gehen zu lassen. Ein bemerkenswerter Sieg. Nicht nur weil unsere Bremer Freunde Ingo und Enno zu Gast waren.

Zum einen war das Stadion bei Weitem nicht ausverkauft, 45.600 Zuschauer zum Rückrundenauftakt - das sind zwar eine Menge, dennoch blieben 5.000 Plätze unbesetzt. Zum anderen bot das Spiel zwar keine überragenden spielerischen Leistungen, die Eintracht aber kämpfte und ließ in der ersten Hälfte nur eine einzige nennenswerte Bremer Torgelegenheit zu, die Nikolov gegen Hunt glänzend vereitelte. Marin versuchte sich anschließend nach Franz' Grätsche im Strafraum im Einfädeln - und Schiri Weiner ließ weiter spielen. Recht so. Zuvor war Ochs nach feinem Zusammenspiel mit Köhler an Bremens Torhüter Wiese gescheitert.

Werder spielte druckvoller, stand näher am Mann, die Eintracht agierte im Rahmen ihrer Möglichkeiten und hatte das Glück des Tüchtigen. Kälte auf den Rängen, wenig Feuer im Spiel.

Die zweite Hälfte brachte Fußball, mehr und mehr rackerte und kombinierte sich die Eintracht ins Spiel und wurde in der 57. Minute belohnt. Ein Missverständnis in der Bremer Abwehr nutzte ein Frankfurter und sprintete dazwischen, der Ball kam über Ochs zu Schwegler, dessen Hereingabe verlängerte Chris zu Russ, der ala Meier aus kurzer Distanz einschob. Wir lagen uns in den Armen, während Werder-Trainer Schaaf nun alles auf die Offensive setzte, Pizarro und Almeida kamen ins Spiel - und Pizarro sorgte kurz nach seiner Einwechslung für eine Schrecksekunde. Chris hatte versucht, den Ball mit der Brust zu Nikolov zu schnippen, Pizarro ging dazwischen und traf Nikolov unglücklich am Knie. Nach kurzer Behandlung konnte dieser jedoch weiter spielen. Bremen drückte und die Eintracht lauerte auf Konter. Bemerkenswert eine Szene, als Meier über das halbe Feld in die gegenerische Hälfte sprintete und sich einen schon verloren geglaubten Ball eroberte; bemerkenswert ein Solo von Benny Köhler, der ebenfalls mit Ball über den halben Platz marschierte und ihn partout nicht hergeben wollte, zumindest solange nicht, bis er einen Freistoß und die Eintracht wertvolle Sekunden erhielt, bemerkenswert ein Schuss von Teber aus annähernd 30 Metern, der, abgefälscht, knapp über die Latte strich, und bemerkenswert das fahrlässige Vertändeln einiger guter Möglichkeiten auf Bremer Seite. Schon in der Nachspielzeit kam Caio für Köhler und in der letzten Minute Preuß für Liberopoulos; es war das erste Mal seit Oktober 2007, dass Christoph den heiligen Rasen des Waldstadions im Rahmen eines Bundesligaspiels betrat; die Kurve feierte ihn mit Sprechchören, das Spiel war aus. Sieg!

Es war aus drei Gründen ein eminent wichtiger Sieg. Punkt eins: Jeder Eintracht Sieg ist wichtig.

Punkt zwei: Der Möglichkeit eines drohenden Absturzes im Falle dreier Auftaktniederlagen wurde schon im ersten Spiel ein Riegel vorgeschoben; der Klassenerhalt ist zwar noch nicht sicher - aber die Eintracht wird stark genug sein, die dafür notwendigen Punkte zu holen. Alles Weitere wird sich zeigen.

Punkt drei: Der Sieg sorgt zunächst für Ruhe im Umfeld - und schützt vor allem Heribert Bruchhagen; bei einem Fehlstart in die Rückrunde hätte sich anhand der Vorzeichen aller Wahrscheinlichkeit nach der Unmut etlicher Fans auf ihn fokussiert. Erneut zeigten die Ultras ein Banner zugunsten des Trainers in die Höhe: Ultras pro Skibbe. Unverdächtig gesprochen ist ein Bekenntnis zum Trainer nicht verkehrt, alleine die Debatten der letzten Wochen zeigen, dass die gedachte Ergänzung: Contra Bruchhagen lautet; eine Haltung, mit der sie nicht alleine da stehen; schon nach den Rücktritts-Äußerungen Skibbes während des Trainingslagers in Belek offenbarten sich etliche Fans, die den Mann, der die Eintracht an führender Position in den letzten Jahren konsolidiert hat und der wie kein zweiter Vorstand der Liga sich gegen die Errungenschaften des modernen Fußballs stellt und auch vehement für die Beibehaltung der 50+1 Regel argumentiert, am liebsten in die Wüste gejagt hätten. Weil er vermeintlich die Eintracht zu Tode spart. Ungeachtet aller tatsächlichen Kritikpunkte an Bruchhagen wäre es töricht, auch nur im Ansatz ein Szenario zu zulassen, welches die Kurve während der letzten Halbserie zum Thema Funkel abgeliefert hat.

Und nun die Tabelle; genießt sie.




Foto der Kurve: Stefan Krieger

Ein Abend mit Christoph Preuß im Museum - Teil Zwei


Wurde Christoph Preuß in den ersten Partien der Saison 2006/07 jeweils eingewechselt, so setzten ihn schon im September 2007 Schmerzen im Knie außer Gefecht; der Meniskus wurde geglättet und während sich die Eintracht in den beiden Spielen gegen Brödby IF im Uefa-Cup durchsetzte, um in der Zwischenrunde gegen Newcastle, in Vigo, gegen Palermo und bei Fenerbahce Istanbul denkbar knapp auszuscheiden (sieben Minuten fehlten letztlich zum Weiterkommen) bereitete sich Preuß nach der Operation auf die Rückrunde vor.

Bereits am 19. Spieltag, am 30.01 2007 stand er wieder auf dem Platz, wenn auch nur für eine Minute; Trainer Friedhelm Funkel wechselte ihn in der 90. Minute für Takahara ein, kurz danach hatte sich die Eintracht den ersten Bundesligapunkt in Wolfsburg gesichert.

Den unvergessenen Höhepunkt des Jahres - und wohl eines der Highlights seiner Karriere - erlebten 51.500 Zuschauer am 17. März 2007 im ausverkauften Frankfurter Stadion eine Situation, die Rüdiger Schulz aka Kid Klappergass am Tag danach wie folgt beschreiben sollte: Zwei Frankfurter Buben und ein magischer Moment.

Bis zur 77. Minute hielt die Eintracht ein 0:0 gegen die Bayern als Patrick Ochs eine Flanke stramm in den Strafraum zog, wo Christoph Seit an Seit mit Lucio auf den Ball wartete. Wie aus dem Nichts sprang er aus dem Stand mit dem Rücken zum Tor dem Ball entgegen, und wuchtete ihn per Fallrückzieher unhaltbar für Oliver Kahn ins Netz; ein Treffer, der nicht nur den 1:0 Endstand bedeutete, sondern in der Sportschau zum auch Tor des Monats im März 2007 gewälht wurde - und zudem den zweiten Platz bei der Wahl zum Tor des Jahres 2007 belegte.

Noch am Morgen vor dem Spiel lagen Ochs und Preuß gemeinsam im Hotel auf dem Zimmer und sahen sich im TV die schönsten Tore Europas an. Wir waren beide der Meinung: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Ich hab's damals probiert - und es hat geklappt.

Schon beim 2:5 in München hatte Preuß per Seitfallzieher zum zwischenzeitlichen Ausgleich getroffen - und sogar neulich im Training, als wir zufällig kibitzten, gelang ihm erneut ein Treffer per Fallrückzieher.

Zwei Wochen nach dem Sieg gegen die Bayern stand Christoph erneut im Blickpunkt; diesmal jedoch unter äußerst schmerzhaften Bedingungen: Bei einem Zusammenprall mit Torhüter Oka Nikolov im Spiel gegen Cottbus blieb Preuß im eigenen Strafraum liegen; sein erster Gedanke: Pferdekuss wurde schnell durch die traurige Gewissheit ersetzt, dass der Stollen Okas den Oberschenkel von Christoph Preuß zentimetertief aufgeschlitzt hatte. Beim Entknäulen der beiden platzte noch die letzte Schicht vor dem Muskel und das Blut spritzte nur so heraus.

Man konnte die Stille im Museum förmlich hören, als Christoph von den nun folgenden Momenten erzählte. Empfand er zunächst keine Schmerzen, so wurde er nach ärztlichen Sofortmaßnahmen durch Dr. Seeger umgehend in die Unfallklinik nach Seckbach gefahren. Schon auf dem Weg dorthin wurden die Schmerzen im Oberschenkel unerträglich, auch der Rücken meldete sich wieder. Im Krankenhaus wurde zunächst sogar ein offener Bruch befürchtet, erst die Röntgenbilder zeigten, dass es sich nur um einen aufgerissenen Oberschenkel handelte, der mit 50 Stichen genäht wurde. Drei Tage später wurde Christoph aus dem Krankenhaus entlassen, einige Wochen später stand er wieder auf dem Platz; eingewechselt in der 75. Minute in Bremen, als die Eintracht durch einen unerwarteten Auswärtssieg vorzeitig den Klassenerhalt sichern konnte - und Werder den Meistertitel verdarb. Im Nachhinein sagt Christoph, dass er - nach allem was danach geschehen ist - lieber noch eine Narbe am anderen Oberschenkel hätte, als die Erinnerung an die nun folgenden Erlebnisse.

In der Saison 2007/08, am neunten Spieltag in der Partie gegen Leverkusen, erlitt Preuß bei einem Zweikampf mit Sergej Barbarez einen Nasenbeinbruch; Barbarez selbst forderte am nächsten Tag die Handynummer von Christoph ein und erkundigte sich nach dessen Wohlergehen; ein nicht selbstverständliches Vorgehen unter Profis.

Wenig später, die Nase war noch nicht ganz ausgeheilt, erhielt Preuß bei einem Trainingsspiel einen Tritt ans Knie, dessen Folge zunächst als Prellung vermutet wurde, die alsbald nachließ. Medizinische Bilder zeigten keine größere Schädigung im Knie.

Kurz danach, nach dem Spiel gegen Dortmund, zwickte zunächst die Wade und ein Muskelfaserriss wurde in Betracht gezogen. Wenige Tage später zog der Schmerz ins Knie und eine erneute Untersuchung brachte die traurige Diagnose: Knorpelschaden. Ob der Tritt im Freundschaftsspiel dafür ursächlich war, ist bis heute unklar.

Der Versuch, das Knie konventionell zu behandeln wurde nach kurzer Zeit abgebrochen; eine Operation war unumgänglich, zumal Dr. Bönisch in Augsburg die Diagnose bestätigte. Letztlich entschieden sich die Ärzte für die Mikrofakturierung, eine Methode, welche zuletzt bei Vasoski und Amanatidis angewandt wurde, welche ebenfalls mit Knorpelschäden zu kämpfen hatten und haben. Am 4. Dezember 2007 kam Christoph Preuß unters Messer; der Plan sah vor, dass er bei optimalem Heilungsverlauf Ende April, Anfang Mai 2008 wieder auf dem Platz stehen könne, allein - es kam alles ganz anders.

Obgleich die Reha zunächst nach Plan verlief, merkte Preuß, als er wieder mit leichtem Training begonnen hatte, dass etwas nicht stimmt. Obwohl sich der Knorpel auf Röntgenbilder in guter Verfassung gezeigt hatte, wurde dass Knie bei Belastung wieder dick. Zu diesem Zeitpunkt konnte sich Preuß im Alltag normal bewegen; den Anforderungen des Leistungssports aber war er zu diesem Zeitpunkt nicht gewachsen.

Die Schale, die den Knorpel umfasst, bekam so einen großen Druck, dass der neugebildete Knorpel diese Belastung nicht aushalten konnte.

Schon bei der ersten Diagnose im Winter war klar, dass es sich um eine schwerwiegende Verletzung handelte, der erneute Rückschlag aber verdunkelte Christophs Welt: Dann ist alles für mich zusammen gebrochen. Gedanken an ein Karriereende überwogen phasenweise.

Nach dem ersten Rückschlag setzte sich Christoph noch intensiver mit der Verletzung auseinander - und kam unter Anderem zu der Erkenntnis, dass er zu früh mit der Belastung angefangen hatte - obgleich dies nach dem Heilungsverlauf damals nicht abzusehen war.

Christoph fuhr zunächst in Urlaub, um die neue Situation zu verarbeiten und den Kopf klar zu bekommen. Die Bilder des geschädigten Knies aber wurden nach Amerika zu Dr. Steadman geschickt; eine Koryphäe auf dem Gebiet und auch dieser kam zu dem Entschluss, dass die deutschen Ärzte bislang eigentlich richtig ge- und behandelt hatten.

Zu diesem Zeitpunkt packte Christoph das eigene Schicksal am Schopf und entschied sich, nach Amerika zu reisen, um sich von Dr. Steadman behandeln zu lassen. Als Teil des Mannschaft fühlte er sich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich.

Relativ kurzentschlossen setzte Christoph, den Gedanken, alleine nach Amerika zu fliegen in die tat um; unsicher ob er überhaupt operiert werden würde, suchte er das Gespräch mit dem Arzt. Nachdem er einen Tag im Büro verbracht hatte, bekam er abends um halb sieben das ok; schon am nächsten Morgen erfolgte die Operation - eine zweimonatige Reha schloss sich an; eine Zeit, die Preuß ohne Familie und Bekannte durchstehen musste. Dienstags war das Gespräch, Mittwochs die Operation und Donnerstags begann die Reha. Auf Krücken bewegte er sich die folgenden Tage und Wochen und kam im Laufe der Zeit immer besser zu Recht, auch verbesserte sich sein Englisch Tag für Tag. Dies führte dazu, dass er bei Telefonaten teilweise nach deutschen Worten suchen musste. Auch setzte sich Christoph intensiver mit dem Internet auseinander; heute hat er seine eigene Homepage und nutzt Dienste wie Twitter oder Facebook ganz selbstverständlich.

Anfang Oktober 2008 kehrte Christoph Preuß nach Deutschland zurück.

Es ist, wie es ist - aus den Augen, aus dem Sinn - könnte man meinen. Obgleich Christoph Preuß bei vielen Eintrachtfans nicht vergessen war, so erinnerten uns die Blogeinträge von Kid Klappergass an die Leidensgeschichte von Christoph. Auch für Christoph selbst waren die Beiträge von Kid von außerordentlicher Bedeutung; die Hoffnung und das Erinnern daran, dass man den Glauben nie aufgeben solle, motivierten unsere jetzige Nummer 20 auch weiterhin alles für das Comeback zu geben. Christoph bedankte sich nicht nur im Internet, sondern auch im Museum unter prasselndem Applaus bei Kid, der eigentlich gar nicht so gerne im Focus steht - sich diesen Dank aber redlich verdient hat.

Christoph wusste, dass er mindestens ein Jahr Pause einkalkulieren musste - und er dennoch keine Garantien besitzt, jemals wieder Bundesligafußball zu spielen. Entsprechend weiträumig wurde der Zeitplan terminiert. Der wesentlich Unterschied im Umgang mit dem Heilungsprozess bestand darin, dass Christoph nun mit amerikanischer Gelassenheit an die Sache heran ging und sich selbst nicht unter Druck setzte. Wichtig war nicht, wann ich zurück komme, wichtig ist dass ich es überhaupt noch einmal packe. So schaute ich von Tag zu Tag - wie ich es auch heute noch mache.

Derweil wurde bei Ioannis Amanatidis ebenfalls ein Knorpelschaden diagnostiziert; auch Ama wandt sich nach Gesprächen mit Preuß an Dr. Bönisch.

Bislang kam es bei Christoph zu keinerlei Rückschläge, einzig die Anpassung der Einlagen gestaltete sich über ein paar Tage etwas schwierig. Schritt für Schritt entwickelte Christoph ein Trainings- und Rehaprogramm und schaute von Tag zu Tag, wie sich die Dinge entwickeln - und dokumentierte die Entwicklung auch auf seiner Homepage. Über die ersten Gehversuche, das leichte Jogging, die Vertragsverlängerung bis zum Jahr 2010, die Freude auf den ersten Laktattest, das erste (noch geschützte) Mannschaftstraining, der erste Einsatz in einem Freundschaftsspiel in Eschersheim, der erste Auftritt bei der U23 in Ulm, das erste Heimspiel für die U23 am Bornheimer Hang - bis hin zur Einwechslung in Hoffenheim unter großem Applaus der mitgereisten Eintrachtfans. Über zwei Jahre nach der ersten Verletzung und nach einer unvorstellbaren Leidenszeit stand Christoph Preuß wieder in einem Bundesligaspiel auf dem Platz; Als die Hölle zufror schrieb Kid anlässlich dieses Anlasses.

Im Winter 2010 nahm Christoph zum ersten Mal seit Sommer 2007 an einem Trainingslager der Eintracht teil, diesmal in Belek, Türkei - ein weiterer Meilenstein, da die Belastung im Trainingslager die intensivste für einen Fußballer ist - und auch dieser Belastung hielt das Knie stand. Wohlwissend, dass ihn auch fürderhin das Knie beschäftigen und er auch weiterhin sehr sorgsam für die Gesundheit arbeiten wird, und spezielle Übungen absolviert, steht in der Rückrunde ein Neuangriff auf dem Plan - und wir können uns auf einen Neuzugang freuen, der ein alter Bekannter ist: Christoph Preuß.

Christoph stellte sich noch den freundlichen Fragen aus dem Publikum - und blieb noch lange nach Ende der Veranstaltung im Museum, um im kleinen Kreise noch aus seiner bewegten Geschichte zu erzählen.

Großartig war es, vielen Dank dafür.




Fotos: Stefan Krieger


Foto Fußballschuh: Pia Geiger

Freitag, 15. Januar 2010

Ein Abend mit Christoph Preuß im Museum - Teil Eins



Zum ersten Mal in der über zweijährigen Geschichte des Museums war am 14. Januar ein aktiver Spieler bei einer Abendveranstaltung im Museum zu Gast, sieht man einmal von der langen Nacht der Museen ab, als ebenfalls Christoph Preuß uns besuchte.

Bislang standen Besuche Aktiver ausschließlich im Rahmen der Kinderpressekonferenzen an, die das Museum zu großer Freude des Nachwuchses vor allem in den Ferien anbietet. Den Beginn machte seinerzeit wiederum Christoph, gefolgt von Mehdi Mahdavikia, Markus Pröll, Oka Nikolov, Maik Franz und Alex Meier, die sich vom Nachwuchs löchern ließen.
Nun aber sollte Christoph Preuß vor Fans jeglichen Alters aus seiner Karriere, von Höhen und Tiefen erzählen und - soviel sei vorweg genommen - es folgte ein großartiger und stellenweise bewegender Abend.

Annähernd siebzig Zuhörer fanden sich bei nasskalter Witterung im Museum ein, darunter Kurt E. Schmidt, Sonny, Kid Klappergass oder Frank Gotta, aber auch Christophs ehemaliger Jugendtrainer Kurt Baumann. Stühle wurden heran geschleppt, während ich wieder einmal das Privileg hatte, Christoph durch den Abend zu begleiten. Während unserer Unterhaltung liefen auf dem Monitor Szenen seiner Karriere, die Frank Wagner dankenswerterweise für uns gesichtet und bearbeitet hatte.

Christoph begann seine Karriere in Großen-Linden, wo er in den letzten Jahren von Kurt Baumann trainiert wurde. Er spielte sich über die Kreis- und Bezirksauswahl auch in die Hessenauswahl; dort fiel er Holger Müller auf, der bis heute die Nachwuchsspieler für den Verein Eintracht Frankfurt sichtet und sollte zur Eintracht gelotst werden. Zunächst blieb Christoph noch eine Weile in Großen-Linden, zum einen wollte er einen Zehenbruch auskurieren und zum anderen seinen Heimatverein in die Landesliga schießen, zur U17 jedoch wechselte er an den Riederwald. Mitspieler bei der Eintracht waren Jermaine Jones, Giuseppe Gemiti, Mimoun Azaouagh oder Daniel Gunkel.

Sportlich eine Verbesserung, die Sportplätze jedoch waren in Großen-Linden um einiges gepflegter. Dennoch reifte Preuß zum Jugendnationalspieler im Trikot des DFB, Höhepunkt war sicherlich die Teilnahme an der U-20 Weltmeisterschaft in Argentinien im Jahr 2001, zusammen mit Gemiti und Jones aber auch mit Selim Teber. Das Trainerteam Stielike/Hrubesch hinterließ einen starken Eindruck, vor allem Stielikes takische Fähigkeiten prägten Preuß nachhaltig. Interessierter Nationaltrainer war seinerzeit Michael Skibbe; man kennt sich also schon länger.

Schon als Jugendlicher kam Preuß unter Trainer Bene Lippert zu seinen ersten Oberliga-Einsätzen, bevor ihn Felix Magath zu den Profis beorderte. 21 Spiele standen nach der ersten Bundesligasaison 2000/01 zu Buche und leider auch der zweite Abstieg der Eintracht. Magath, der nach einem 1:5 gegen den 1. FC Köln seinen Stuhl räumen musste, schickte die jungen Spieler nach Ende der Hinserie zunächst wieder in die zweite Mannschaft, dessen Nachfolger Rolf Dohmen besann sich jedoch eines Besseren - erlebte die Saison dennoch nicht bis zum Ende. Friedel Rausch hieß der dritte und letzte Trainer im ersten Profijahr.

Mit Martin Andermatt ging es in der Zweiten Liga zunächst um den direkten Wiederaufstieg, Christoph Preuß absolvierte dabei 30 Spiele und als das anvisierte Ziel in weite Ferne gerückt war, wurde Andermatt durch Armin Kraaz ersetzt; am Ende belegte die Eintracht einen enttäuschenden siebten Platz - und verlor Christoph, der nach Ende der Saison auf Grund leerer Kassen nach Leverkusen wechseln musste; ein Transfer, der der Eintracht das finanzielle Überleben im Profifußball sichern sollte.

Der Wechsel nach Leverkusen stand für Preuß unter keinem guten Stern; schon in der Vorbereitung musste er an beiden Knöcheln operiert werden - auch der Trainerwechsel von Toppmöller zu Augenthaler, der von dem jungen Spieler augenscheinlich nicht allzuviel hielt förderte seine Karriere nicht. Immerhin kam er in drei Championsleaguepartien zum Einsatz, spielte bei Manchester United in Old Trafford sowie in den beiden Partien gegen Newcastle United - wobei ihm der Support der Fans von Newcastle weit mehr imponierte als die hochgelobte Stimmung in Manchester. Das Besondere an den Championsleaguespielen war neben einer frühzeitigen Anreise und dem Training im Stadion sicherlich auch der komplett durchorganisierte und minutiös geplante Ablauf der Veranstaltung.

Vier Bundesligaspiele konnte Christoph für Leverkusen absolvieren, dazu kamen 14 Partien in der Regionalligamannschaft. Da Augenthaler auch für die kommende Saison nicht mit Christoph plante, wurde dieser ob des Bemühens von - man höre und staune - Peter Schuster zur Eintracht ausgeliehen, Ende August 2003 kehrte Preuß nach dem dritten Spieltag in den Kader der von Willi Reimann trainierten Eintracht zurück, nahezu zeitgleich wurde Chris verpflichtet und auch Andy Möller, der schon seine Karriere beendet hatte, sollte noch einmal das Trikot der Eintracht tragen. Der Vertrag jedoch wurde von Christoph Preuß in Höchst vor einem Hotel auf dem Autodach unterschrieben.

Andy Möller, der spätestens nach seinem Wechsel zu Juventus 1992 von den meisten Eintracht-Anhängern mindestens kritisch gesehen wurde - und der auch nach seinem überraschenden Angebot der Eintracht im Jahr 2003 zu helfen, keineswegs mit offenen Armen empfangen wurde, war der Zimmernachbar von Preuß, welcher wiederum gut mit ihm klar kam und durchaus gute Gespräche mit Möller hatte. Er hat versucht, eine Erfahrung weiter zu geben, leider hat dies nach Außen nicht so geklappt.

Die Eintracht bewahrte sich die Chance auf den Klassenerhalt bis zum letzten Spieltag und musste nach einem 1:2 in Hamburg zum bislang letzten Mal den Gang in Liga zwei antreten. Negativer Höhepunkt der Saison war der Schubser von Willi Reimann gegen den vierten Schiedsrichter, der dem Trainer ein Fünf-Spiele-Sperre einbrachte, die dieser nicht auf der Tribüne absaß, sondern in einem Container auf der Baustelle der Haupttribüne. Die folgenden vier Spiele verlor die Eintracht und auch ein zwischenzeitliches 3:0 gegen Freiburg sollte am End nichts nutzen. Preuß abslovierte 29 Spiele, das erste am vierten Spieltag gegen die Hertha - und erzielte drei Tore.

Da Preuß von Leverkusen nur geliehen war und bei Bayer noch zwei Jahre einen Vertrag hatte, musste er formal nach Leverkusen zurück und wurde von dort im Tausch gegen Paul Freier nach Bochum transferiert; immerhin ergab sich dadurch für Christoph die Möglichkeit, international zu spielen - der VfL hatte sich durch einen fünften Platz in der Liga tatsächlich für den Uefa-Cup qualifiziert.

Kam der VfL unter Coach Peter Neururer mit fünf ungeschlagenen Spielen in der Liga noch ganz ordentlich aus den Startlöchern, so folgten binnen weniger Tagen zwei Nackenschläge, von denen sich das Team während der gesamten Saison nicht erholen sollte. Kassierte Bochum beim Pokalspiel in Freiburg in letzter Sekunde den Ausgleich, um in der Verlängerung noch zu verlieren, so kam es neun Tage später im Rückspiel des Uefa-Cups gegen Lüttich noch härter. Es galt ein 0:0 zu verteidigen und der VfL führte lange Zeit sogar mit 1:0 - ein erneuter Gegentreffer in der Schlussminute ließ alle internationale Träume platzen - und am Ende stand für Christoph ein weiterer Abstieg fest, zumal den Neuzugängen relativ bald die Unterstützung des Publikums versagt blieb, sie gar ausgepfiffen wurden. 30 Spiele und zwei Treffer konnten nichts daran ändern.

Da sich Christoph in Bochum nur bedingt wohlgefühlt hat und er zudem schon seit geraumer Zeit mit Heribert Bruchhagen in Kontakt stand, war schon im Winter 2004/05 klar, dass ein erneuter Wechsel zur Eintracht nach Saisonende immer wahrscheinlicher wird - und letztlich auch Wirklichkeit wurde.

Christoph selbst war mit Saison 2005/06 nicht recht glücklich, schwankende Leistungen führten dazu, dass er in der Liga "nur" zu 23 Einsätzen kam und ein Bandscheibenvorfall gegen Ende der Saison verhinderte letztlich die Teilnahme am Pokalfinale gegen die Bayern in Berlin, obgleich die gesamte Mannschaft natürlich im Olympiastadion anwesend war. Glück im Unglück bedeutete für ihn der Umstand, dass er nicht operiert werden musste. Letztlich hielt die Eintracht die Klasse und startete auch in der Saison 2006/07 in der ersten Liga. Durch das Double der Bayern, die nach dem Pokalsieg auch Meister wurden, hatte sich die Eintracht trotz der Niederlage im Pokalfinale für die Teilnahme am Uefa-Cup qualifiziert.


Fotos: Stefan Krieger

Dienstag, 12. Januar 2010

Christoph Preuß im Eintracht Frankfurt Museum


Zwei lange Jahre kämpfte Christoph Preuß nach einer schweren Verletzung um sein Comeback und zahlreiche Fans haben unserer Nummer 20 während dieser Zeit kräftig die Daumen gedrückt. Ende Oktober 2009 kehrte er endlich in das Mannschaftstraining zurück und bereits wenige Wochen später erzielte er in seinem zweiten Einsatz bei der U23 sein erstes Pflichtspieltor nach der Verletzung. Am 16. Spieltag der Hinrunde war es dann soweit. Christoph Preuß kehrte als Einwechselspieler für wenige Sekunden in die Bundesliga zurück.

Über seine Leidenszeit, seine Erfahrungen, Rückschläge, Hoffnungen und großartige Momente seiner Karriere wie das "Tor des Monats" beim Spiel gegen die Bayern im März 2007 berichtet Christoph Preuß am 14. Januar um 19.30 Uhr im Eintracht Frankfurt Museum.

Donnerstag, 14. Januar
Start: 19.30 Uhr
Eintritt: 5,00 €, erm. 3,50 €

Sonntag, 10. Januar 2010

Rücktritt oder was?


Als die Eintracht am letzten Hinrundenspieltag der laufenden Saison bei Eiseskälte ein 2:2 gegen den VfL Wolfsburg erreicht hatte, stand die beste Platzierung seit 1993/94 nach 17 Spielen fest. 24 Punkte, 10. Platz - ein Ergebnis, mit dem man zwar nicht zwingend rechnen durfte - das aber gleichermaßen nicht als utopisch anzusehen war.

Es war kein leichter Weg dorthin; vor allem die Schlappen gegen den VfB Stuttgart, Leverkusen und München zeigten, dass die Eintracht wie in den Vorjahren immer wieder für desolate Leistungen gut ist; ein Zustand, den sie keineswegs exclusiv hat. Begonnen hat die Saison übrigens mit einem 1:2 gegen die Kellnerauswahl von Wattens.

Nun hat die Eintracht im Wintertrainingslager in Belek nach einem 5:1 gegen RW Oberhausen ein 0:3 gegen den KSC kassiert - nachdem schon die Auftritte in der Halle keineswegs überzeugend waren. Während jedoch unsere Nachbarn noch in Jahrzehnten von jenem 4:1 schwärmen werden, geht unsereiner achselzuckend zur Tagesordnung über. Bremen ist wichtig.

Könnte man meinen.

Wie schon nach dem geplatzten Lincoln-Transfer und dem Desaster in Leverkusen geht Trainer Skibbe nach der Pleite gegen den KSC an die Öffentlichkeit; die Vöglein zwitschern, dass er unverhohlen mit Rücktritt zum Saisonende gedroht hat - wenn sich die Perspektiven nicht bessern. Schon vor einigen Wochen musste Skibbe aufkeimende Rücktrittsgerüchte öffentlich dementieren.

Andererseits wollte er nach dem Sieg in Freiburg oben angreifen und gab den Spielern nach dem Punktgewinn in Hoffenheim und den damit verbundenen 23 Punkten einige Tage länger frei.

Man darf sich also weiterhin auf folgendes Szenario einstellen: Gewinnt die Eintracht, so ist alles in Butter, verliert sie jedoch über Gebühr, folgt eine öffentliche Auslassung des Trainers über mangelnde Perspektiven. Mit Wachrütteln oder Augen öffnen ist dies ob der Wiederholung nur bedingt zu erklären.

Derzeit fallen mit Amanatidis und Fenin zwei Stürmer verletzt aus, die gesund sicherlich zur Stammformation zählen dürften; Amanatidis stand in dieser Saison 561 Minuten auf dem Platz; Fenin gar nur 195 Minuten - dennoch hat die Eintracht den vor der Saison von Trainer und Vorstand erhofften Punkteschnitt geschafft. Meier und Liberopoulos standen in vorderster Front - ein Duo, dass zwar nicht als Traumsturm durchgeht - aber immerhin (noch) gesund ist. Nach überstandener Schweinegrippe und scheinbar hoffnungsvollen Leistungen im Trainingslager scharrt der junge Marcos Alvarez mit den Hufen. In einer Zeit in der die Eintracht aller Wahrscheinlichkeit weder gegen den Abstieg noch um internationale Plätze mitspielt also ideale Voraussetzungen, ihn in der Rückrunde zu Einsätzen kommen zu lassen.

Natürlich würde dem Verein ein Stürmer von Format weiter helfen, zumal die gesundheitlichen Perspektiven von Amanatidis und Fenin leider wenig vorhersehbar sind. Dies dürfte unbestritten sein. Die Frage - neben den entstehenden Kosten - ist natürlich wer dies sein soll und wann die Eintracht handelt.

Mittlerweile dürfte so ziemlich jeder mitbekommen haben, dass Eintracht Frankfurt tendenziell einen Stürmer sucht - eine ungünstige Situation mit Blick auf Ablöse und Gehalt; das Hickhack um den mittlerweile gescheiterten Transfer/Leihe von Rafik Djebbour spricht Bände - wobei sich die Frage stellt, weshalb um alles in der Welt ein Spieler verpflichtet werden sollte, der seit April 2009 nicht gespielt hat - und den niemand zuvor hat spielen sehen; vor allem, weil die Eintracht mit Kweuke und Petkovic schon im letzten Winter zwei Spieler geholt hatte, von denen heute niemand mehr weiß, weshalb diese.

Was bringt ein Notkauf für die laufende Saison? Selbst wenn die Rückrunde geringfügig besser als die Hinrunde verläuft, würden selbst unverbesserliche Optimisten nicht auf die Idee kommen, mit dem Einzug ins internationale Geschäft zu liebäugeln - die Hoffnung auf das Erreichen dieses wäre ein Grund, jetzt irgendwie zu handeln; mit Betonung auf irgendwie. Selbst die größten Pessimisten rechnen andererseits nicht mit einem Abstieg - dies wäre ein weiterer Grund, sofort zu handeln - Hertha macht es gerade vor; das Ergebnis bleibt abzuwarten.

Fakt ist, dass die Eintracht derzeit mit Mahdavikia und Toski zwei Spieler im Kader hat, die nur wenig Chancen auf einen Einsatz besitzen; zwei Spieler, deren Verträge ebenso wie die von Markus Pröll, Marcel Heller, Nikos Liberopoulos oder Jan Zimmermann auslaufen.

Aber nicht nur bei der Eintracht werden sich Spieler spätestens im Sommer 2010 neue Vereine suchen müssen, auch bei anderen Vereine werden Verträge auslaufen - und vertragslose Spieler werden dann weitaus weniger kosten als jetzt in der Winterpause; weshalb also nun Geld ausgeben, welches in der Rückrunde nicht eingespielt wird - um aber einen weiteren Spieler im jetzt schon "aufgeblähten" Kader durch zu schleppen; einen Spieler, von dem wir jetzt schon wissen, dass es definitiv kein Wunschspieler sein würde.

Also wird es Aufgabe des Trainers sein, der von sich behauptet, mit jungen Spielern zu können, einen Alvarez oder bei Gesundung Tosun an die Bundesliga heran zu führen - und die der Eintracht, im Sommer auf dem Markt zu zu schlagen. Wenn alles optimal läuft, wird dies vielleicht gar nicht nötig sein, vielleicht finden Amanatidis und Fenin zu alter Gesundheit zurück, wärend Alvarez und Tosun sich etablieren. Und falls nicht, dürfte mit dem Ende der auslaufenden Verträge mehr Geld zu Verfügung stehen, um sich gezielt zu verstärken. Wenn nicht bis zum 31. Januar Miroslav Klose auf die Idee kommt, schon immer für die Eintracht spielen zu wollen.

Bis dahin möge sich Herr Skibbe nach Enttäuschungen öffentlich zurückhalten; das wiederholte kokettieren mit einem Rücktritt ohne Konsequenzen nutzt sich schneller ab, als ihm lieb sein könnte - und stärkt nicht gerade das Teamgefüge. Andererseits wirken jedoch die Details um die Verpflichtung von Rafik Djebbour nicht wirklich Vertrauen erweckend - dass am End alle froh sind, dass der Transfer nicht geklappt hat, wirft die Frage auf, weshalb man sich um diesen Spieler bemüht hat.

Freitag, 8. Januar 2010

Golf. Silber. Winterpause.





















Foto: Pia G.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Sonny erklärt die Eintracht. Oder: Was nicht zu erklären ist.


Die Eintracht ist nicht zu erklären. Die Eintracht ist ne Diva. Und eine Diva ist eine Frau. Und erklär' mal als Mann eine Frau.

Mit diesen einleitenden Worten von Helmut Sonneberg, genannt Sonny, begann eine kunterbunte Zeitreise durch annähernd sechzig Jahre Eintracht-Geschichte, geschildert von einem Mann, der von sich selbst sagt, dass er kein Eintracht Anhänger ist und auch kein Fanatiker. Ich lebe Eintracht.

Damit ist viel gesagt - aber bei Weitem nicht alles. Über sechzig Zuhörer hatten sich am bitterkalten 6. Januar im Museum eingefunden, um den Erzählungen Sonnies zu lauschen.

Es begann direkt nach Ende des zweiten Weltkrieges, Frankfurt lag in Trümmern ebenso wie der alte Sportplatz am Riederwald. Das erste Fußballspiel sah Sonny an den Sandhöfer Wiesen, der Ort, an dem der 1. FC Nürnberg 1920 gegen Fürth Deutscher Meister wurde. 1945 spielte der FSV Frankfurt gegen Union Niederrad und der Bub war endgültig mit dem Fußballvirus infiziert. Kurz danach im Jahr 1946 meldete er sich bei der Eintracht an; die Geschäftsstelle befand sich in der Privat-Wohnung von Hans Moser-Göhring, der mit der Zigarre im Mund Eintrittskarten verkaufte und Mitglieder im Verein aufnahm. Der Mitgliedsbeitrag betrug eine Mark und beinhaltete freien Eintritt für die Spiele, ein Privileg, welches Sonny weidlich nutzte. Er stand stets mit seiner Gang im gleichen Eck zunächst am Rosegger, später im Stadion am Brentanobad und am Bornheimer Hang, dessen Sportplatz direkt nach Kriegsende im Mittelkreis einen Bombentrichter aufwies und vorerst nicht bespielbar war.

Fußballschuhe waren eine Rarität, Sonny hatte Glück. Karl Röll, ein ehemaliger Spieler der Eintracht schenkte dem Bubsche ein paar Schuhe, die zwar nicht hundertprozentig passten, aber fortan ihm alleine gehörten. Wesentliches Merkmal waren Stahlkappen in den Schuhen, die Bälle waren aus Leder und mit einem geschnürten Schnuddel versehen, sie wurden schwer wie Blei, wenn es regnete oder schneite. Überhaupt mussten Schuhe, Stutzen und Hosen von den Jugend-Spielern selbst organisiert werden. Gespielt wurde am Rosegger und es war ein großes Glück, wenn zuvor die Handball-Mädels spielten, die Jungs konnten sie anschließend durch die Astlöcher in den Kabinen beim Umziehen betrachten. Als immer mehr Jungs bei der Eintracht kicken wollten, fanden auch Spiele am Marbachweg statt; im Winter waren die Duschen eingefroren, dreckig und verfroren liefen sie nach Hause; sogar Fahrräder waren ein Privileg; nur wer aus besonderen Gründen eines brauchte, bekam einen Bezugsschein.

Auch Straßenbahnen fuhren nach Kriegsende Sonntags nicht, wenn die Buben Eintracht-Spiele besuchen wollten, mussten sie von Sachsenhausen zum Brentanobad laufen. Nach der Währungsreform 1948 wurde das Leben einfacher, nun fuhren sie mit dem Fahrrad - sogar zu Auswärtsspielen; nach Aschaffenburg, nach Mannheim.

Lebhaft schilderte Sonny seine Erlebnisse; so die Fahrt nach Mannheim über Zwingenberg - bis der erste Platten die Truppe in Verzug gebracht hatte; mit Ach und Krach schafften sie es pünktlich zum Anpfiff ins Stadion.














Endergebnisse der anderen Spiele wurden in den Stadien nicht übermittelt, es gab nur wenig Telefone, bei Heimspielen marschierten die Fans in die Sportzentrale, einer Kneipe Ecke Saalburgallee/Heidestraße, Massen warteten vor der Tür, während der Wirt bei den Zeitungen die Ergebnisse abtelefonierte und auf eine Schiefertafel notierte. Erst mit Kenntnis dessen zogen die Fans ab, marschierten zur Hauptwache, um einen Blick in die Nachtausgabe zu werfen, deren Schlagzeilen von Zeitungsverkäufern ausgerufen wurden. Jahre später kam es dabei zu einer hübschen Episode, als ein Eintrachtsieg, die Krankheit des Bundeskanzlers Adenauer und die russische Sputnik-Mission mit der Hündin Laika die Schlagzeilen beherrschten, die der Ausrufer wie folgt zusammen fasste:

Eintracht Sieg gegen Stuttgart. Adenauer schwer erkrankt. Der Hund lebt noch.

Zuvor traf Sonny Richard Kreß auf dem Weg zum Riederwald in der Straßenbahn, rannte mit Olympiamedaillengewinner Heinz Ulzheimer um die Wette und bekannte sich zu Maik Franz. Der is wie mir, wenn ahner was wollt, gab's uff die Knoche un es war Ruh.

Sonny erzählte von der psychologischen Kriegsführung, untergrub die Leistung seiner Gegenspielern mit gezielten Fragen: Bist du sischer, dass dei Frau treu ist? Er sprach von der Zeit, als Jugendtrainer noch entlassen wurden, als seine Mannschaft ein Spiel gegen die Kickers verloren hatte, als er im Fritschegässchen die Ergebnisse selbst an die Tafel schrieb - und dafür eine Frikadelle bekam und als er nach Gewinn der süddeutschen Meisterschaft den Eintracht-Kapitän Alfred Pfaff auf den Schultern trug.

Später wurde Sonny Besitzer eines schwarzen Käfers, der fortan durch den Süden der Repubklik die Gang zu den Auswärtsspielen der Eintracht fuhr. Auf dem Weg nach Stuttgart riss der Gaszug, der Wagen blieb liegen. Die vorbeikommende Polizei wollte den Käfer zunächst nicht abschleppen, bis der Polizist Sonnies Schwester bemerkte, die er für dessen Freundin hielt und meinte: Nun, wenn sie schwanger wäre, wäre dies etwas anderes. Sonnies Antwort:

Ei, die is doch schwanger.
Seit wann dann, Man sieht ja noch gar nichts.
Ei, heut awend fange mer an.

Der Wagen wurde abgeschleppt, die Reparatur kostete sieben Mark und die Gang konnte sich das Spiel ansehen.

Zum Endspiel 59 legte die Gang zusammen, fünf Mark Spritgeld für jeden - und die Reise nach Berlin begann - in selbstgenähten Fanklamotten. Pinkelpausen fanden unter Maschinengewehr Überwachung seitens der VoPo am Rande der Autobahn statt. In Berlin selbst ereilten Sonny fürchterliche Zahnschmerzen; 15 Mark kostete der Eingriff, er ließ sich den Zahn einfach ziehen und stand pünktlich zu Spielbeginn im Stadion - und erlebte so den großen Erfolg gegen die Kickers schmerzfrei.

Auch zum Halbfinale im Europapokal gegen Glasgow stahl sich Sonny aus dem Krankenhaus, eine Gallenblasenentzündung hatte ihn flach geleget - kein Grund, ein Spiel der Eintracht zu verpassen. Zum Rückspiel fuhr die Gang mit dem Zug - drei Tage dauerte die Reise nach Schottland, belohnt wurden sie durch weitere sechs Tore - und drei Tage Rückreise.

Der Nationalmannschaft kann Sonny nur wenig abgewinnen - umso mehr jedoch der heutigen Internet-Situation; noch im Alter von 74 Jahren lernte er den Umgang mit Computern und ist heute regelmäßig bei den Blogs oder dem Eintracht-Archiv zu Gast. Seine Haltung verdeutlicht eine Begegnung mit Bürgermeister Wallmann beim Pokalendspiel 1981. Dieser traf auf Sonny und sprach ihn jovial an: Heute sind wir alle Eintrachtler. Sonnies lapidare Antwort: Net nur heut.

Heute ist Sonny zwar von Zeit zu Zeit beim Training und gehört zu den Riederwaldrentnern, die sich regelmäßig treffen - im Stadion ist er nur noch selten, die Augen machen nicht mehr ganz mit. Dennoch hat er sich seine wache Art behalten, und begegnet den Dingen mit seinem eigenen Humor, der zwar nicht immer politisch korrekt aber stets liebenswert ist, auch die sogenannten fußballverstehenden Frauen können ihm nicht böse sein. Zumindest nicht lange.

Bis heute begleitet er die Eintracht kritisch und weiß, dass nicht nur Faton Toski seinen Pass am Airport vergessen hatte, sondern dies auch Scheppe Kraus vor fünfzig Jahren schon passiert ist. 105 Jahre will er alt werden, schließlich hat Sonny 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt - und nun möge diese eben solange für ihn bezahlen. Wer weiß, vielleicht sehen wir ihn ja in fünfundzwanzig Jahren erneut bei uns im Museum, wenn er mit Caio zusammen erzählt, wie Präsident Gramlich einst zwecks Eigenbedarf am Riederwald Hüblers Rasenmäher Benzin entnahm und Eventfußball im Jahr 2035 aussieht. Hoffentlich aber schon viel früher.

Am End bekam Sonny von Matze unter tosendem Applaus einen eigenen Autogrammkartensatz und schrieb und plauderte noch eine ganze Weile mit den Fans, die zum Teil seine Urenkel sein könnten und dennoch mit ihm auf einer Wellenlänge liegen. Großartig war es und Danke an alle Beteiligten.




Fotos: Anja Feix