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Samstag, 30. Mai 2009

Helden leben lange. Legenden sterben nie.

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Was für eine Saison 1998/1999. Nach dem umjubelten Aufstieg startete die Eintracht nach zweijähriger Abwesenheit in eine neue Bundesliga-Saison. Lange mussten die Anhänger auf den ersten Sieg warten, erst am 6.Spieltag konnte der 1.FC Nürnberg mit 3:2 niedergerungen werden. Trotz einem 1:0 gegen die Bayern und einem 1:0 in Hamburg musste Trainer Ehrmantraut nach einem 1:2 gegen Schalke seinen Platz räumen; der im Oktober verpflichtete Sportdirektor Gernot Rohr installierte mit Reinhold Fanz einen Coach, der zwar dem Anforderungsprofil (jung, dynamisch, Bundesligakenner) überhaupt nicht entsprach - dafür aber in der Zusammenarbeit keine Probleme machte. Rohr und Fanz kannten sich schon lange.

Das erste Ligaspiel unter Trainer Fanz ging mit 1:4 nach 0:4 Pausenrückstand bei 1860 völlig in die Hose, es folgten deprimierende Spiele gegen Gladbach (0:0), den VfB (1:2) oder Leverkusen (1:2). Gegen Leverkusen trat die Eintracht ohne Stürmer an. Am 27. Spieltag unterlag die Eintracht in München mit 1:3 und Präsident Rolf Heller zog die Reißleine. Reinhold Fanz wurde durch Jörg Berger ersetzt - und sollte das Wunder möglich machen: Den Klassenerhalt. Auch Gernot Rohr durfte seine Koffer packen. Viel zu spät wurde gemutmaßt.

Im ersten Spiel unter Berger schaffte die Eintracht in letzter Sekunde den Ausgleich gegen Rostock (2:2 durch Westerthaler) und im zweiten Spiel gab es ein 0:2 beim Mitkonkurrenten SC Freiburg. Als Hoogma ebenfalls in letzter Sekunde den Ausgleich für den HSV erzielte (die Eintracht hatte 2:0 geführt) schien das Unternehmen Klassenerhalt gescheitert: Bei vier noch ausstehenden Spielen betrug der Rückstand auf das rettende Ufer sechs Punkte.

Es folgte ein 2:1 Auswärtssieg beim ebenfalls gefährdeten SV Werder Bremen, das letzte Spiel von Trainer Magath in Bremen. Dessen Nachfolger wurde Thomas Schaaf.

Die Freude über den folgenden 2:0 Sieg gegen Dortmund währte nur kurz. Als die Ergebnisse der Mitkonkurrenten bekannt gegeben wurden, herrschte Entsetzen. So hatte der bereits feststehende Deutsche Meister Bayern München sang und klanglos gegen den Club mit 0:2 verloren; der Sieg gegen den BVB schien wertlos.

Im vorletzten Spiel auf Schalke lag die Eintracht mit 0:2 hinten - und konnte dennoch die Partie durch Treffer von Fjörtoft, Sobotzik und Janßen mit 3:2 gewinnen. Da die Konkurrenten diesmal für die Eintracht spielten, sollte es am letzten Spieltag der Saison zu einem Krimi kommen.

12. 1. FC Nürnberg - Torverhältnis -9 - Punkte 37
13. VfB Stuttgart - Torverhältnis -8 - Punkte 36
14. SC Freiburg - Torverhältnis -9 - Punkte 36
15. Hansa Rostock - Torverhältnis -10 - Punkte 35
16. Eintracht Frankfurt - Torverhältnis -14 - Punkte 34
17. VfL Bochum - Torverhältnis -24 - Punkte 29
18. Borussia M'gladbach - Torverhältnis -36 - Punkte 21


Bochum und Gladbach waren abgestiegen. Folgende Paarungen sollten also entscheidend werden:

VfB Stuttgart - Werder Bremen
1.FC Nürnberg - SC Freiburg
VfL Bochum - Hansa Rostock
Eintracht Frankfurt - 1.FC Kaiserslautern

In Bochum hieß der Trainer Klaus Toppmöller, ebenso wie Torhüter Ernst ein alter Bekannter in Frankfurt; in Nürnberg war sich Trainer Rausch sicher, dass nichts mehr passieren könne, eine große Feier war geplant, der Dauerkartenverkauf für eine weitere Bundesligasaison hatte begonnen.

Mein Kumpel Andi, mit dem ich (nicht nur) damals im Waldstadion war, hat einen wunderbaren Bericht über den legendären 29.Mai 1999 geschrieben - von daher spare ich mir eine Schilderung des Tages; nur soviel sei gesagt: der 1.FC Nürnberg musste umdisponieren, die Eintracht aber besiegte Kaiserslautern durch Treffer von Chen Yang, Thomas Sobotzik, Marco Gebhardt, Bernd Schneider und Jan Aage Fjörtoft bei einem Gegentor durch Michael Schjönberg mit 5:1 - und blieb der Liga erhalten.


Zehn Jahre nach dem sensationellen Klassenerhalt kam es im Stadion auf Einladung der Fan- und Förder-Abteilung und des Eintracht Frankfurt Museums zu einem Wiedersehen mit vielen Beteiligten von damals - Tradition zum Anfassen, so lautete das Motto schon vieler Veranstaltungen - und auch am 28-05-2009 wurde dieses Moto Wirklichkeit.

Knapp 700 Fans hatten die Gelegenheit genutzt und tummelten sich nun im Businessbereich des neuen Waldstadions. Die Firma Aramark bot dankenswerterweise Getränke und Würstchen zu fanfreundlichen Preisen an, eine kleine Musikanlage war aufgebaut, die Mikros getestet - und der Videowürfel ein wenig abgesenkt: Auf ihm nämlich sollte das Spiel in voller Länge übertragen werden. Frank Wagner hatte dazu den Radiokommentar der zweiten Halbzeit über das Spiel gelegt, so dass die Spannung durch die vielen Tore auf den anderen Plätzen noch einmal vermittelt werden konnte.

Ich selbst hatte die große Ehre, als Moderator durch den Abend zu führen - von daher bitte ich um Verständnis, dass ich nicht alle Details behalten konnte, zu groß war die Konzentration auf den Abend - und es ist in etwa so, wenn du selbst ein Fest feierst - Am Ende sind alle glücklich, du selbst aber weißt gar nicht so genau, was eigentlich geschehen ist, da du permanent beschäftigt bist.

Petra Bärmann und Matthias Thoma hatten wochenlang die Veranstaltung vorbereitet, es gab Treffen mit dem Stadionbetreiber, der Technik und vielen anderen, die uns insgesamt sehr bei der Arbeit unterstützt haben. Flyer mussten gedruckt werden, der Ablauf geplant und natürlich die Spieler und Verantwortlichen von damals eingeladen werden - und am Mittag des Veranstaltungstages blieb nur noch das Bangen, ob alles klappt.

Leider erreichte uns noch die Absage von Marco Gebhardt und auch Thomas Epp litt unter starken Zahnschmerzen und konnte nicht dabei sein. Aber um 18:00 hieß es dann: Wir öffnen. Und dann strömten die Fans (unter ihnen mein Daddy) in den Bereich, den die meisten nur vom sehen kennen - strömten auf die Terrasse und die schwarz-ledernen Business-Sitze. Merchandising-Stände waren aufgebaut, nagelneu im Sortiment waren T-Shirts mit der Aufschrift Ü|ber|stei|ger - 29-05-1999, und bald herrschte ein emsiger Trubel.

Die Museumsmitarbeiter Frauke, Pia, Billy und Steffen umsorgten unsere Gäste, viele Helfer der FuFA sorgten für einen reibungslosen Ablauf - und so marschierten die anwesenden Spieler und Verantwortlichen über einen geheimen Gang in die Mixed-Zone - sie wussten ja nicht, was sie erwartete. Ich stand bei ihnen und wartete auf meinen Einsatz.

Matze Thoma legte einen Ball auf den Anstoßpunkt und alsbald begrüßte er zusammen mit Abteilungsleiter Stefan Minden die Zuschauer, verwiesen auf das Tippspiel, und erinnerten an den 100. Geburtstag der Eintracht am 8.März 1999 - und als mein Name fiel, musste ich raus.

Da stand ich nun unten vor euch, das Mikro in der Hand und auf mich alleine gestellt. Ich erinnerte kurz an Einzelheiten des Jahres (Nummer 1 in den Charts, Lou Bega - Mambo #5, Vogel des Jahres: die Goldammer und warf einen Rückblick auf das Champions-League-Finale vor drei Tagen (26.05.1999), das Bayern München lange Zeit dominierte, Sekunden vor Schluss mit 1:0 führte, um dann doch noch gegen Manchester United mit 1:2 zu verlieren) ich verkündete die Lottozahlen des Abends vor zehn Jahren und zählte zunächst diejenigen auf, die heute Abend nicht dabei sein konnten: Oka Nikolov, Bernd Schneider, Olaf Janßen, Alexander Kutschera, Chen Yang, Trainer Berger, Co-Trainer Lippert sowie die bereits erwähnten Thomas Epp und Marco Gebhardt.

Und dann folgte unter frenetischem Beifall der Einmarsch der Helden von damals:

mit der Nummer sechs: Thomas Zampach
mit der Nummer acht, unser Kapitän: Ralf Weber
mit der Nummer neun: Jan Aage Fjörtoft
mit der Nummer zehn: Thomas Sobotzik
mit der Nummer zwanzig: Uwe "Zico" Bindewald
mit der Nummer vierundzwanzig: Alexander Schur
mit der Nummer dreißig: Christoph Westerthaler
mit der Nummer zweiunddreißig: Ansgar Brinkmann

unsere Physios: Gunther Ronconi und Lutz Meinl
unser Arzt: Dr. Günter Goll
unser Stadionsprecher: André Rothe
unser Leiter der Lizenzspielerabteilung: Rainer Falkenhain
unser Ehrenmitglied und die gute Seele: Kurt Schmidt
unser Präsident: Rolf Heller.


Nacheinander marschierten die Helden aus dem Tunnel vor die Tribüne und sie alle freuten sich, dass ihr so zahlreich erschienen ward. High Five, Arme hoch, Freude.
Wir wanderten auf unsere Plätze, Blitzlichtgewitter zeugte von großem Interesse - und schon startete auf dem Videowürfel die Partie.

Alex Schur drosch den Ball nach einer Minute weit über das Tor - und fortan nutzte ich die Gelegenheit und sprach mit den Jungs über die vergangene Zeit; über die Sperre von Ralf Weber, der nach dem Hinspiel in Lautern schimpfte, dass es typisch DFB, typisch Betzenberg sei, solch einen Blindfisch als Schiri zu schicken. (Die Eintracht hatte das Spiel in der Nachspielzeit mit 1:2 verloren) Ralf bekannte sich zu dem Spruch, obgleich er zunächst meinte, dass er es nicht gewesen sein könne; so etwas Harmloses sage er nicht. Auch Alexander Schur hatte seinen Auftritt: als die Bayern gegen Nürnberg unterlagen; alles Mafia schimpfte er damals - und möglicherweise hatte er recht. Thomas Sobotzik war der Mann für die entscheidenden Tore, das 1:0 gegen die Bayern und auch das 1:0 gegen den HSV hatte er seinerzeit erzielt, während Uwe Bindewald sich immer noch wundert, dass er sich so großer Beliebtheit erfreut: Bei seinem Auftritt schallten Uwe Bindewald-Sprechchöre durchs weite Rund. Uwe muss man immer ein bisschen nach vorne schieben - er selbst bleibt eigentlich lieber im Hintergrund - aber da musste er durch. André Rothe gab zu, dass es ihm noch zwei Tage nach dem Spiel speiübel gewesen sei - und er vor allem mit der finalen Durchsage damals gewartet hatte, bis der Videotext die definitiven Endergebnisse weiß einblendete - während Rolf Heller zugab, dass die Entlassung von Horst Ehrmantraut im Nachhinein ein Fehler gewesen sei.

Stefan Minden, heute Abteilungsleiter der damals noch nicht existenten FuFA, erzählte die Anekdote, dass die Rundschau seinerzeit geschrieben hatte, dass die Eintracht den Klassenerhalt nicht mehr aus eigener Kraft hätte schaffen können. Stefan wusste es besser: Bei einem 5:0 der Eintracht gegen den FCK wäre die Eintracht definitiv gerettet. Er schickte ein Fax an die Redaktion und verlangte eine Gegendarstellung: Man stelle sich vor, Fjörtoft trifft zum 3:0 und die Eintracht spielt auf Ergebnishalten - weil niemand ob des Sachverhaltes weiß. Die FR druckte die Gegendarstellung ab - aber wer glaubte schon daran, dass die Eintracht gegen den Championsleague-Aspiranten Lautern fünf Tore machen würde.

Roberto Cappelutti, der seinerzeit das Spiel in einer Kneipe verfolgt hatte, sollte in der kommenden Woche in seiner damals ganz frischen HR-Sendung Late-Lounge an jedem Tag die Bilder des Spiels zeigen - leichter fiel die Wahl der Themen für die Late-Lounge nie wieder. Und Kurt Schmidt erzählte, dass sich Lauterns Trainer Rehagel zunächst geweigert hatte, an der Pressekonferenz teilzunehmen. Kurti sprach mit Rehhagels Frau Beate - Sekunden später stapfte Rehhagel doch noch zu dem Pflichttermin. Noch vor Spielbeginn kochte Ansgar Brinkmann, der auf die Ersatzbank musste; für einen wie ihn sicherlich kein Vergnügen.

Ruckzuck ging die erste Halbzeit vorbei - und nun folgte ein Drama, wie es der Fußball nur selten zu bieten hat - und an dessen Ende die Eintracht das glückliche Ende für sich hatte. Der Hammer von Chen Yang, das unglückliche Handspiel von Alex Schur, welches den Elfmeter für den 1.FCK und den Ausgleich zur Folge hatte, der Kopfball von Thomas "Hrubesch" Sobotzik, der geniale Hackentrick von Marco Gebhardt, der kluge Treffer von Bernd Schneider und dann: unvergessen die Worte des Reporters Günther Koch: Hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund, während Dirk Schmitt, der damals nicht nur für den HR moderierte, sondern gleichfalls den Ex-Tainer der Eintracht, Reinhold Fanz rechtsanwaltlich beraten hatte, legendär wurde:

... Wo die Frankfurter Eintracht natürlich nach wie vor Druck macht, sie weiß, ein Tor könnte wieder den 1. FC Nürnberg in den Abgrund stoßen, überhaupt keine Frage. Und sie kommen jetzt wieder mit Christoph Westerthaler in der zentralen Position, nur Sforza hat er noch vor sich dann ist es Fjörtoft, der ist im Strafraum, und er trifft, Tooor, Tooooor für die Frankfurter Eintracht - fünfzueins - Herrje, welche Leistung ...

Großer Jubel brandete auf, selbst die Spieler von damals starrten gebannt auf den Videowürfel, viele von ihnen sahen die Szenen zum ersten Mal und sie waren hin und weg. Alsbald marschierten wir auf den Rasen, der Ball lag noch immer im Mittelkreis und Stefan Minden verlas eine Mail von Bernd Schneider, dass Fjörtoft bitteschön den Übersteiger nicht wiederholen möge, er könne sich nun dabei verletzen.

Zampach flitzte ins Tor und gab den Reinke, während Westerthaler mit dem Ball ein paar Schritte lief - und zu Fjörtoft passte, der erneut den Ball am herauslaufenden Zampach per Übersteiger im Netz unterbrachte - sensationell und große Freude auf den Rängen dazu. Jan Aage schnappte sich das Mikro, erinnerte an den Walzer, den mit der Oberbürgermeisterin Petra Roth auf der Tribüne hingelegt hatte und erinnerte ebenfalls daran, dass der Verein auch stets der Verein der Fans sei - eine Weisheit, die nicht immer zu allen durchdringt.

Nun wurden die Verlosung der Gewinne über die Bühne gebracht, eine Sonnenbrille in Erinnerung an Thomas Epp, der die seinige damals vor Erregung (die Eintracht brauchte noch einen Treffer) auf den Rasen pfefferte, ein Spielankündigungsplakat sowie der Ball, der vor wenigen Minuten erneut im Netz gezappelt hatte, wechselten die Besitzer. Ein Junge hatte den Ball gewonnen, den er aus der Hand von Fjörtoft entgegennahm - eine Kopfball-Stafette inclusive. Unter großem Jubel entledigte sich Fußballgott Zampach in Erinnerung an den Aufstieg im Jahr zuvor seiner Oberbekleidung, weiter wollte er nicht gehen - immerhin waren ja auch Kinder anwesend.


Weiter ging es auf der Terrasse auf einer kleinen Bühne, nacheinander bat ich Zweier- oder Dreiergruppen zu mir, wir unterhielten uns kurz über den Tag und die zurückliegenden Jahre, fröhlich und ausgelassen schnappten sich Alex Schur und Thomas Zampach das Mikro, zogen sich gegenseitig auf und foppten auch Westerthaler ob dessen österreichischen Dialektes, während Ansgar Brinkmann, nahezu staatsmännisch agierte; keinerlei Einzelheiten drangen aus seinem Munde über die Feierlichkeiten in der folgenden Woche in Ibiza, wohin das Team nach Saisonabschluss geflogen war: auch Ralf Weber gab sich bedeckt.

Fjörtoft erinnerte an ein Spiel unter Fanz, als die Eintracht gegen den VfL Bochum mit 1:0 den einzigen Sieg einfuhr. Als sich Chen Yang nach neun Minuten verletzte, bereitete sich Fjörtoft auf seine Einwechslung vor - Trainer Fanz guckte ganz erstaunt - und brachte den völlig überforderten Amateur Stefan Zinnow ins Spiel. Erst nach 58 Minuten wurde dieser erlöst - und Fjörtoft erzielte prompt den Siegtreffer. Die Taktik gegen Leverkusen zuvor bezeichnete er als: 4 - 6 - 0.
Auf Ehrmantrauts Frage, was für ein Stürmertyp Fjörtoft (der von Rohr verpflichtet wurde) sei antwortete dieser: Ein Weltklassestürmer.

In der Stunde des größten Erfolges werden die größten Fehler gemacht hatte Jörg Berger gesagt - ob er wohl meinte, dass das Team seinerzeit in Oxxenbach gefeiert hatte?

So endete der Abend mit der Jagd der Fans nach Autogrammen und Fotos und unsere Helden blieben noch eine ganze Weile, umringt von euch: denn immerhin war das Motto der Veranstaltung ja: Tradition zum Anfassen. Ich denke, dies ist uns gelungen.

Helden leben lange. Legenden sterben nie.



Tolle Fotos und Kommentare zum Abend könnt ihr hier nachsehen.

Ebenso hier.

Ich bedanke mich bei allen, die diesen Abend möglich gemacht haben und bei euch, die ihr anwesend gewesen seid und viele Informationen, Bilder und kleine Videos des Abends für die Nachwelt erhalten habt.


Das Foto der Jungs stammt von Stefan Krieger. Die anderen beiden incl. Maus von Pia. Danke.


Die Abschlusstabelle

1. (1.) FC Bayern München 34 24 6 4 76:28 +48 78
2. (2.) Bayer Leverkusen 34 17 12 5 61:30 +31 63
3. (3.) Hertha BSC Berlin 34 18 8 8 59:32 +27 62
4. (6.) Borussia Dortmund 34 16 9 9 48:34 +14 57
5. (4.) 1. FC K'lautern 34 17 6 11 51:47 +4 57
6. (5.) VfL Wolfsburg 34 15 10 9 54:49 +5 55
7. (7.) Hamburger SV 34 13 11 10 47:46 +1 50
8. (8.) MSV Duisburg 34 13 10 11 48:45 +3 49
9. (9.) TSV 1860 München 34 11 8 15 49:56 -7 41
10. (11.) FC Schalke 04 34 10 11 13 41:54 -13 41
11. (13.) VfB Stuttgart 34 9 12 13 41:48 -7 39
12. (14.) SC Freiburg 34 10 9 15 36:44 -8 39
13. (10.) SV Werder Bremen 34 10 8 16 41:47 -6 38
14. (15.) Hansa Rostock 34 9 11 14 49:58 -9 38
15. (16.) Eintracht Frankfurt 34 9 10 15 44:54 -10 37
16. (12.) 1. FC Nürnberg 34 7 16 11 40:50 -10 37
17. (17.) VfL Bochum 34 7 8 19 40:65 -25 29
18. (18.) Borussia M'gladbach 34 4 9 21 41:79 -38 21

Mittwoch, 27. Mai 2009

Sommerpause ist wichtig!

Von daher noch kurz ein paar Termine:


Heute Abend, 27.05.2009

17:00 Uhr - Bornheimer Hang - Regionalliga Süd


Eintracht Frankfurt (U23) - 1860 München (U23)


Endstand: 2:1 für die Eintracht.


28.05.2009

19:00 Uhr - Waldstadion

Tradition zum Anfassen: 10 Jahre Übersteiger - Das Spiel in voller Länge auf dem Videowürfel

feat. U. Bindewald, A. Brinkmann, T. Epp, J.A. Fjörtoft, M. Gebhardt und andere Beteiligte von damals.

Bilder vom Abend gibt es hier oder hier. Es war sensationell!

Vielen Dank!


03.06.2009

18:00 Uhr Riederwald - Junioren Bundesliga


Kampf um den Klassenerhalt


Eintracht Frankfurt (U19) - Bayern München (U19)



06.06.2009

14:00 Bornheimer Hang - Regionalliga Süd - Finale

Eintracht Frankfurt (U23) - SSV Ulm


14.06.2009

11:00 Uhr Riederwald - Junioren Bundesliga - Finale


Der Kampf geht weiter


Eintracht Frankfurt (U19) - Spvgg Unterhaching (U19)



Rugby-Herren im Aufstiegsturnier zur zweiten Bundesliga:

Der mögliche Aufstieg in die zweite Bundesliga Süd ist nun ein Stück näher gekommen, nachdem der Erste in der Regionalliga Hessen, RK Heusenstamm II auf seinen Platz im Aufstiegsturnier verzichtet hat.
So findet am Samstag, 4.7.09 ab 11:00 Uhr auf dem Platz der Philipp-Holzmann-Schule (Siolistraße/Miquelallee) das Aufstiegsturnier mit Beteiligung der Eintracht statt.


Der EFC Adlerhorst Waldhessen, möchten seinen Beitrag dazu leisten, um die Fanszene zu fördern, die Gemeinschaft zu stärken, Kontakte zu knüpfen, über unsere Eintracht zu philosophieren, um Spaß zu haben, und vor allem eine EINTRACHT zu bilden.

Daher laden wir alle EFC´s, UF97 sowie alle anderen Eintrachtfans zum 3. Waldhessischen EFC Turnier ein.

Veranstaltungstag: 18.07.2009 ab 12 Uhr
Veranstaltungsort: Bebra-Solz
Anmeldeschluss:06.06.09



Montag, 25. Mai 2009

5:1 - 29.05.1999 - Zehn Jahre danach


Am Vorabend des 10. Jahrestages des Spiels gegen Kaiserslautern präsentieren das Eintracht Frankfurt Museum, die Fan- und Förderabteilung und der Stadionbetreiber SFM das erste Historische Public-Viewing.
Ab 19 Uhr zeigen wir auf dem Videowürfel die Partie vom 29. Mai 1999 gegen Kaiserslautern live und in voller Länge aus dem Waldstadion. Alex Schur, Thomas Zampach, Ansgar Brinkmann und weitere Helden sitzen mit auf der Tribüne. Und auch Jan-Aage Fjörtoft wird an die Stätte seines legendären Übersteigers zurückkehren.
Die Fans können die Spieler von den Business Seats aus anfeuern und mitzittern. Rund ums Spiel gibt es Interviews mit Spielern, Fans und Funktionären. Natürlich gibt es auch ein Ergebnis-Tippspiel. Und damit alle über die aktuellen Spielstände in den anderen Stadien informiert sind, bitten wir an die Transistorradios zu denken. Wobei, Nürnberg ist eh schon gerettet...



28.05.2009

19:00 Uhr

Waldstadion Frankfurt/M

Samstag, 23. Mai 2009

Maus des Tages - 23.05.2009

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links: Maus - rechts: Oka Nikolov

Die Maus kommt rum: Vielen Dank Oka Nikolov, dass du den kleinen Spaß mitgemacht hast. Große Ehre für die Maus.

Freitag, 22. Mai 2009

Der Tag als der Regen kam

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Nachdem am Mittwoch-Abend die Rundschau den bevorstehenden Abschied von Friedhelm Funkel verkündet hatte, beseitigte die Pressekonferenz vom Donnerstag letzte Zweifel. Nach offizieller Aussage hatte Funkel selbst um die Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum 30.06.2009 gebeten. Es gibt Stimmen, die dem widersprechen, sei's drum. Am Samstag wird Friedhelm Funkel zum letzten Mal auf der Trainerbank der Eintracht sitzen - und es wird einen Nachfolger geben, soviel ist sicher. Sicher war auch, dass Eintracht Frankfurt auf der Startseite der Homepage statt Inhalten zur aktuellen Situation einen beachtlichen Aufmacher präsentierte:

und durch die hohen Zugriffszahlen mehr oder weniger in die Knie ging; nur spärlich tröpfelten die Informationen über den ebenfalls überlasteten Live-Ticker, bis es gegen 12:30 zur Gewissheit wurde: die Ära Funkel geht zu Ende.

Viele Namen werden gehandelt, traditionell diejenigen, deren Träger derzeit ohne Arbeitsverhältnis dastehen. Interessant dabei ist, dass der Hessische Rundfunk ohne Not den Namen Lothar Matthäus ins Spiel brachte. Der gleiche HR, der ohne Not dem ehemaligen Manager von Fortuna Düsseldorf, Thomas Berthold, in der Sendung Heimspiel Raum zur Selbstdarstellung bot. Berthold, sichtlich nicht in die Geschehnisse bei Eintracht Frankfurt involviert, nutzte zum wiederholten Male die Gelegenheit, sich ausführlich zur Eintracht zu äußern. Selbstverständlich habe er aber derzeit kein Interesse, für Eintracht Frankfurt zu arbeiten; zwei kommende Weltmeisterschaften werfen ihre Schatten voraus, er habe genug zu tun. Man möchte hinzufügen: Zum Beispiel den Namen des im Winter verpflichteten Spielers Nikola Petkovic zu lernen, wenn denn schon über ihn gesprochen wird. Oder sich über die Einsatzzeiten des Spielers Caio ins Bilde zu setzen, wenn schon schwadroniert wird, dass dieser nie von Beginn an gespielt habe. Dazu passt es ins Bild des HR, dass selbst von Andreas Möller eine Stellungnahme eingeholt wurde. Matthäus, Möller, Berthold - allesamt Spieler mit einer beachtlichen Karriere - die in Frankfurt (außer beim HR) dennoch kaum Kredit haben. Und das ist auch gut so.

So endete die Pressekonferenz im Stadion mit einem Banner am Treppenaufgang, was einen Fan bewog, sich die Frage zu stellen, was denn Größenwahn mit dem Wunsch nach Einsatz und ein paar Siegen mehr zu tun habe. Egal, die Ära Funkel neigt sich unwiderruflich nach fünf ereignisreichen Jahren dem Ende zu. Das Plakat wurde ein beliebtes Fotomotiv, etliche Pressevetreter verweilten noch eine ganze Weile am Gelände - doch nur die Wenigsten sollten bis zum Schluss ausharren.

Hunderte von Fans, vorwiegend Ultras, versammelten sich vor der Westkurve, um den Spielern freundlich mitzuteilen, dass nicht nur der Trainer sondern auch die Mannschaft in der Pflicht steht. Diese wiederum wurde zum Laufen in den Stadtwald geschickt, das für 14:00 Uhr angekündigte Training am Stadion fiel aus. Die Weicheier verpissen sich schimpfte jemand neben mir - und hatte damit nicht so ganz unrecht.

Für das Museum schlug die Gunst der Stunde, war es doch der einzige Ort im Stadion, wo es Getränke zu erwerben gab - vielleicht sollte solch ein Tag der offenen Tür des Öfteren abgehalten werden. Torhüter Nikolov begann mit Trainer Menger zu trainieren, Heribert Bruchhagen, der gemeinsam mit Friedhelm Funkel dessen Abgang doch noch stilvoll inszenierte, verließ das Stadion - nicht jedoch die Ultras, die sich auf die Suche nach den Spielern begaben. Einen jedoch verpassten sie, den jungen Juhvel Tsoumou, der die Treppen hinunter humpelte, das verletzte Bein durch eine Manschette stabilisiert- wann mit ihm wieder zu rechnen ist, steht in den Sternen.

Wir nutzten die Gelegenheit für einen Abstecher ins Museum und tranken mit Gerd ein Schöppchen. Glücklich war niemand, voller Zuversicht ebenfalls keiner - es war ein seltsamer Tag, der immerhin die Gewissheit mit sich brachte, dass die befürchteten Hässlichkeiten im Stadion beim letzten Spiel gegen den HSV durch den vorzeitigen Abgang des Trainers wohl nicht Wirklichkeit werden. Funkel wird die Eintracht auch im letzten Saisonspiel betreuen, am 30.06 ist dann endgültig Schluss. Möge ihm der Respekt entgegen gebracht werden, den er sich durch seine Arbeit und seinen Abgang verdient hat.

Auf dem Rückweg zum Auto fragten wir einen Fan nach dem aktuellen Stand der Dinge; der Kaptiän der Eintracht, Ioannis Amanatidis, hatte wohl nach der Laufeinheit einige Worte mit den Fans gewechselt, dies allerdings enttäuschte jenen Fan, denn ausgerechnet Amanatidis, der über ein halbes Jahr verletzt war, kann man schwerlich den Vorwurf des mangelnden Einsatzes machen. Andere Spieler waren nicht in Sicht, von daher hatte sich der Fan auf den Heimweg gemacht. Er sollte ein kleines Highlight verpassen.


Dunkle Wolken zogen auf, etwas braute sich zusammen - hätte man meinen können. In der Nähe der Geschäftsstelle hörten wir Applaus, wir wanderten zurück und erkannten die Spieler Fink, Korkmaz, Ochs und Steinhöfer, die sich dann doch noch den Fragen der Ultras und anderer Fans gestellt hatten.

Am Rande der Anhänger stand weitgehend unbeachtet Faton Toski, der sich das Treiben ansah. Faton hatte am Dienstag in Hoechst nach langer Verletzungspause sein erstes Spiel über 90 Minuten gemacht. Wenn alles gut geht, wird er in der kommenden Saison wieder angreifen - und wenn zu seiner überragenden Technik noch ein kyrgiakosischer Kampfgeist hinzukommt, wird die nächste Saison vielleicht der Durchbruch für Faton, der seit der F-Jugend bei Eintracht Frankfurt spielt.

Als die anderen Spieler im Gespräch dann versicherten, fürderhin alles für die Eintracht zu geben, brandete Beifall auf, Sprechchöre hallten durch den Tag, zunächst Eintracht, dann Ultras und inmitten des friedlichen Endes der Veranstaltung platzten die ersten Regentropfen, Hagelkörner fielen hinab und es schien, als hätte der Himmel mit seinen Tränen auf den passenden Moment gewartet. Vielleicht war es das symbolische reinigende Gewitter, was die Eintracht im passenden Moment ereilte. Wir aber werden die bewegten Tage zum Ende der Saison 2008/09 niemals vergessen; dennoch gilt auch hier: Lebbe geht weiter.



Foto 1: Beve
Foto 2: Pia
Foto 3: Pia
Foto 4: Stefan Krieger

Donnerstag, 21. Mai 2009

Der Abschied zeichnet sich ab

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Gestern Abend vermeldete die Frankfurter Rundschau die bevorstehende Trennung von Trainer Friedhelm Funkel, inklusive Kommentar. Der Blog_G verabschiedete den Trainer daraufhin würdevoll - interessant dabei ist, dass bislang noch keine offizielle Meldung seitens der Eintracht vorliegt. Dass Ingo Durstewitz von der FR nicht leichtfertig Spekulationen in die Welt setzt, scheint klar: Sollte sich diese Meldung als Ente erweisen, hätte er seinen Ruf verspielt.

Stellt sich die Frage, wer vor der offiziellen Pressekonferenz die Information über die bevorstehende Entlassung der FR zugespielt hat - und vor allem weshalb. Seriös ist die nicht; es untergräbt letzten Endes die Souveränität des Vorstandes, dessen ureigentliche Aufgabe, die Entscheidung und die Kommunkation zur Entlassung in den eigenen Händen zu halten, sichtbar entgleitet. Wir dürfen gespannt sein, wie sich Eintracht Frankfurt auf Führungsebene entwickelt.

Also nehmen wir an, dass Friedhelm Funkel bei Eintracht Frankfurt Geschichte ist, noch ehe die Saison beendet wurde. Die ist zwar einerseits traurig, Funkel hat viel für Eintracht Frankfurt geleistet, andererseits aber angesichts der relativ verheerenden Bilanz der letzten anderthalb Jahre nachvollziehbar. Zwar wird die Eintracht auch in dieser Saison die Klasse halten, vor allem aber das jüngste 0:2 in Bochum, als die Mannschaft viel zu wenig tat, um das vorherige 0:5 gegen Bremen vergessen zu lassen, zeigte, dass einiges im Argen liegt. Das Team tat nichts, um die Situation zu entschärfen, die in den letzten Wochen und Monaten phasenweise eskalierte. Hackerangiffe auf die offizielle Eintracht-Seite, Busblockädchen, Prügeleien der Fans untereinander, Beschimpfungen der übelsten Sorte; es schien als hätten etliche nur darauf gewartet, sich in der Ablehnung es Trainers, der Eintracht Frankfurt wieder in der Bundesliga zu etablieren vermochte, zu übertreffen. Vor diesem Hintergrund mutet es nahezu seltsam an, dass Funkel nach dem Bochum-Spiel davon sprach; es sei alles ok.

Als Nachfolger wird Michael Skibbe gehandelt, zumindest von der FAZ. Dies bemüßigt die Spezialisten unter den Fan's, weiterhin, die Messer zu wetzen: Die ersten Skibbe raus Rufe hallten durch das Internet - und sie werden bei Misserfolg auch durchs Stadion tönen, machen wir uns nichts vor. Der Souverän hebt oder senkt den Daumen und goutiert das entstehende Spektakel; die Konsequenzen müssen andere ertragen.

Erstaunlicherweise hat sich die Frankfurter Medienlandschaft nahezu geschlossen bis zum Spiel der Eintracht in Bochum zurückgehalten; Friedhelm Funkel ist nicht an der Medienwelt gescheitert - er ist am Unwillen der Fans gescheitert, an der miserablen Außendarstellung von Eintracht Frankfurt und an seinem Team, das den Schwanz einzog, als es darauf ankam, Flagge zu zeigen. Es ist nicht gelungen, die Notwendigkeit des Klassenerhaltes als Erfolg zu verkaufen. Die Spieler selbst suchten nicht die Kommunikation mit den Fans, keiner von ihnen fand den Mut, inhaltlich überzeugend mit denen zu kommunizieren, die Woche für Woche dem Team hinterher fahren und lange Jahre die Eintracht über die Gebühr unterstützten, wobei andere sagen würden: sich selbst unabhängig vom Spiel feierten. Kein Spieler redete Tacheles in der Öffentlichkeit, niemand wagte es, die Anfeindungen bspw. gegen Alex Meier oder Benny Köhler anzuklagen; das Treiben auf den Rängen hatte mit dem Treiben auf dem Platz nicht mehr viel gemein: Die da oben und die da unten - zwei verschiedene Kosmen.

Sämtliche Spieler die Eintracht Frankfurt abgeben wollte, haben bei anderen Vereinen bestätigt, dass es richtig war, sie abzugeben: Lenze, Husterer, Reinhard, Rehmer, Cimen, Weißenberger - um nur einige zu nennen - der Trainer scheint ein so falsches Auge nicht zu haben, was die Beurteilung der Qualität angeht. Die Abgänge, die sportlich schmerzten, gingen auf Initiative der Spieler zurück: Kyrgiakos, Jones, Streit - im End auch Takahara. Unstrittig dürfte in den meisten Fällen auch die Wahl der Spieler sein, die Friedhelm Funkel eingesetzt hat. Spychers Qualität fiel auf, als er verletzt war, Mehdi saß zurecht meist auf der Bank - bis Steinhöfer schwächelte. Ochs, Russ, Fenin, Fink, Chris, Liberopoulos waren mehr oder minder gesetzt - kaum jemand hätte dies anders gesehen. Pröll oder Nikolov - wer wollte einen Torhüter eindeuig präferieren, zumal auf Grund von Verletzungen sich die Frage meist nicht stellte, wer spielt. Amanatidis, Bajramovic, Preuß, Vasoski waren oder sind langzeitverletzt. Bellaid oder Inamoto spielten - oder sie spielten nicht- kaum jemand von uns hätte großartig anders gehandelt. Korkmaz und Meier haderten mit mehrfachen Verletzungen. Toski, ein begnadeter Techniker , bot im End zu wenig und wanderte auf die Bank. Köhler wurde als linker Verteidiger gestellt - dies war nicht überzeugend - aber aus der Not geboren. Einzig an der Personalie Caio entzündete sich der wohlwollend gesagt: Unmut. Dabei stellt sich die Frage, weshalb ein Trainer, der die richtigen Spieler abgegeben hat, und meist die richtigen Spieler eingesetzt hat, ausgerechnet bei einem Spieler so völlig konträr zur Meinung vieler steht - und dies zu den bekannten Szenarien führte. Die vielen, die ganz gerne übersehen, dass ein Spieler noch weit weniger Einsätze bekam als Caio und der seit etlichen Jahren bei Eintracht Frankfurt spielt; dazu noch im U21 Nationalteam seines Landes. Die Rede ist von Kreso Ljubicic, dessen Abgang klaglos hingenommen wurde. Wenn einer keine Chance bekam, dann ist es Kreso. Wenn einer nach Trainingsleistung und nicht nach dem Spiel bewertet wurde, dann ist es der junge Mann aus Maintal/Kroatien mit dem Adler im Herzen.

Danke Friedhelm Funkel. Danke dafür, dass wir auch in der kommenden Saison in der ersten Liga spielen werden; aller Voraussicht nach wieder gegen den Abstieg, was durchaus auch einen einstelligen Tabellenplatz beinhalten kann. Egal, wer die Eintracht trainiert. Die Fans aber haben in den letzten Wochen und Monaten ein Gesicht gezeigt, dass es mir fürderhin verbietet von Wir zu sprechen. Und das ist vielleicht der tragischste Verlust; der Zusammenhalt der Fanszene und der Glaube, dass es Gemeinsamkeiten geben könnte.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Heimspiel in Hoechst

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Draußen war's wärmer als drinnen - was lag also näher, als sich an einem Dienstagabend auf die kleine Reise nach Frankfurt-Hoechst zu begeben, um einem Freundschaftsspiel der Eintracht gegen die hiesige SG Hoechst beizuwohnen.

Die Farbwerke Hoechst, einst größter Arbeitgeber der Region und Garant für bescheidenen Wohlstand sowie geschlossener Fenster im Stadtteil sind lange aufgelöst, das Kennzeichen FH für Frankfurt Hoechst längst Geschichte und auch die Oberligazeiten der SG Hoechst sind lange vorbei. Möbel-City-Wesner, einst ein riesiges Möbelhaus, ist weggezogen; übrig blieben die leerstehenden Gebäude und die damit verbundene Tristesse und die Hoffnung auf bessere Zeiten.

Pia, die Maus und ich parkten den silbernen Golf nahe des ehemaligen Möbelhauses und wandelten durch den Hoechster Stadtpark. Kinder fuhren Fahrrad, Erwachsene saßen in Gruppen beieinander, ein Weiher glänzte in die Sonne und uns beschlich ein Hauch von Urlaubsfeeling. Dennoch sorgten wir uns, ob es heute Abend angesichts der derzeitigen Situation zu seltsamen Erscheinungen kommen würde, alles schien möglich, obgleich wir nur zu einem Freundschaftskick marschierten, der üblicherweise allen Beteiligten nur Spaß bringt.

Hinter dem Park liegt der Sportplatz der SG Hoechst, der Glanz vergangener Zeiten ist auch hier einem leisen Abgesang gewichen; alte Werbebanden deren Lack im Laufe der Jahre verwitterte umrunden den Hauptplatz, eine Anzeigetafel, gefertigt aus dem Stahl des Werbenden wartete auf Tore. Kinder und emsige Helfer wuselten umher, derweil ein DJ hinter dem Tor seine Anlage verkabelte. Wir zahlten moderate sechs Euro Eintritt, (ein Programm zum Spiel gab es leider nicht) und orderten einen Apfelwein, der viertel Liter zu 1,50 - bar bezahlt. Die Sonne beschien den Frühlingsabend, während wir um den Platz wanderten und uns in eine kleine blechernen Hütte auf eine Bierbank setzten und unseren Apfelwein tranken. Auf der Ersatzbank, es war nett, denn: noch nicht einmal Auswechselspieler waren wir.

Allmählich füllte sich der Sportplatz mit Zuschauern, vorwiegend Kids sausten über das Gelände, während der DJ seine Anlage mittlerweile in Schwung gebracht hatte. In brüllender Lautstärke schallten Stimmungs-Melodien über den Platz, dass sich selbst die Grashalme die Ohren zuhielten, auch sie wollten die Regenwürmer nicht husten hören. Ballermanninferno allez!

Stefan war mittlerweile gekommen und überbrachte die Nachricht, dass der Trainer der Eintracht erkrankt sei - in weiser Voraussicht wohl, die Trainerbank stand nicht weit entfernt von den Stehplätzen - und wer weiß auf welche Ideen der emtional bewegte Fan in diesen Tagen kommen könnte. Gecoacht wurde das Team dann von Armin Reutershahn und Andi Menger.

Auslöser für das Freundschaftsspiel in Hoechst war wohl ein medialer Aprilscherz des HR, welcher behauptet hatte, dass ein reicher Unternehmer die SG Hoechst im Stile des Projektes Hoffenheim übernehmen würde; so kam es auch, dass der Aufstellungsverkünder des Waldstadions auch in Hoechst mit Hilfe der Kinder sein Bestes gab. Bis auf die Nummer 3 Caio und Markus Russ klappte dies auch ganz ordentlich, wobei zur Ehrenrettung gesagt werden muss, dass Marcos Vorname falsch auf dem Spielberichtsbogen stand und Caios Null recht klein geschrieben war. Man kann ja nicht alles wissen ...


Kurz vor Spielbeginn verließen wir die Ersatzbank und wanderten um den Sportplatz, insgesamt werden wohl rund 1000 Zuschauer gekommen sein, darunter auch die Fanbeauftragten der Eintracht, Rudi und ZoLo sowie unser Lieblings-Pokalsiegertrainer Dietrich Weise. Beieinander standen auch die Herren Durstewitz, Palmert und Schmitt sowie Heribert Bruchhagen, der dabei Rede und Antwort stehen durfte - bis die Kids spitzkriegten, dass der Chef hier war und schon wurde er umringt und ließ sich brav fotografieren.

Kaum wurde die Partie angepfiffen, die Gastgeber in weiß, die Eintracht in rot-schwarz, tönte ein Grüppchen Wir ham die Schnauze voll und zack hatte ich ein Mikrofon vor der Nase. Der HR versuchte Stimmen einzufangen und erwartete eine Stellungnahme, die von mir auch recht knapp ausfiel: So schlecht sind die Hoechster doch gar nicht. Verständnislose Augen schauten mich an. Bei strahlendem Sonnenschein gaben die Hoechster dann ihr Bestes - dass die Eintracht, welche keineswegs mit einem Rumpfteam angetreten war, klar dominierte, verwunderte wenig und so stand am Ende ein 17:1 zu Buche - ich hätte es nicht gewusst, hätte uns der Schiri nicht das Ergebnis mitgeteilt. Oka und Frank Lehmann standen je eine Halbzeit im Tor, Caio spielte durch und großer Jubel brandete auf, als die Hoechster den Ehrentreffer erzielten. Beide Hoechster Torhüter hatten ihren großen Tag und verhinderten mit Glanzparaden Ärgeres.

Die meiste Zeit verbrachte wir mit gepflegten Unterhaltung; mit ZoLo quatsche ich immer gerne, desgleichen mit Eintracht-Veteran Roland Gerlach oder unserem Sossenheimer Freund, den ich vor Jahren in der Klapper kennen lernte. Seit er meinem Schoppen zu Boden warf, ich ihm nach kurzem Disput einen anderen übergekippt hatte und wir uns daraufhin die Hand gaben, treffen wir uns vorwiegend bei Auswärtsspielen und erinnern uns gerne an die Anfangstage zurück. Die Filzlaus hockte brav hinter dem Tor und insgesamt ging es relativ ruhig zu. Nach Spielende begann das große Flitzen; Kids stürmten auf die Spieler zwecks Autogrammen zu, die Spieler sausten in die Kabine, allen voran Korkmaz, Meier und Caio; während Fenin sein Trikot einem Rollstuhlfahrer in die Hände drückte. Krük und Petkovic und Sebastian Jung schrieben brav Autogramme, während der Eintrachtbus schon auf die frisch geduschten wartete.

Alex Meier scheint derzeit arg verunsichert, er kam als erster aus der Kabine und scheute sich sogar davor, den wartenden und drängelnden Kindern Autogramme zu geben - nicht schön, aber nach all den Attacken auf ihn verständlich. Zeugwart war interessanter Weise der Deutsche Meister Friedel Lutz, der weitgehend unbehelligt seine Arbeit verrichten konnte. Peu a peu schoben sich die Kicker in den Bus, und plötzlich tönte hinter uns ein lautes Funkel raus. Pia drehte sich erbost um und bat sichtlich erzürnt um Ruhe - das Grüppchen, welches sich um den Rufer scharte, blickte leicht irritiert aus der Wäsche - aber auch sie sahen dann ein, dass hier die SG Hoechst Gastgeber war und die Kids und deren Spaß eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten; die Kids, die solche Aktionen gar nicht verstehen können. Dies Argument zog, der Trupp trollte sich, ebenso wie der Bus, der bald darauf hupend das Gelände verlassen sollte. Pia, Stefan und ich trollten uns dann ebenfalls in Richtung Bierstand, die Wurst war ausverkauft, das Bier noch nicht - und nach einem Schöppchen verließen wir ebenfalls den Sportplatz und wanderten durch den Park und tröpfelnden Regen zurück zum Auto.

Dunkel wurde es allmählich, die Nacht legte sich über Frankfurt - Zeit für eine letzte Pizza und eine Erinnerung an den vergangenen Tag, der wohl freundlicher war, als es der letzte Spieltag gegen den HSV sein dürfte. Leider Gottes.

Dienstag, 19. Mai 2009

Saisonabsch(l)ussfeier

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Große Sause im Fanhaus Louisa am 23.05.2009

Vorgestellt werden der neue Sportdirektor Thomas Berthold (Caio hat noch nie von Anfang an gespielt) und der neue Trainer Lothar Matthäus (Daggdisch).

Maus des Tages

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Das Foto hat Stefan Krieger geschossen. Danke

Montag, 18. Mai 2009

Schämt euch!

Die BILD, sie greift die Stimmung auf und erklärt uns die Welt, recht solidarisch mit dem kleinen Mann und dessen Wut.

Patrick Ochs soll dies (mutlos) nach dem Spiel in Bochum sein, als die Eintracht ohne nennenswertes Dazutun den Klassenerhalt schaffte. Allerdings ohne Ochs. Der war nämlich gesperrt.

Bild dir deine Meinung.

[edit:] Dieser Fauxpas machte Karriere: Durch den Bildblog wurde er einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Dort ist auch nachzusehen, welches Foto stillschweigend als Ersatz diente.

Sonntag, 17. Mai 2009

Heimspiel in Bochum - 16.05.2009


Auf den Tag siebzehn Jahre nach dem deprimierensten Spiel der Vereinsgeschichte hatte die Eintracht in Bochum anzutreten, beide Teams konnten aus eigener Kraft den Klassenerhalt sichern - und die Eintracht hatte nach dem Desaster gegen Werder Bremen am Mittwoch zuvor noch etwas gut zu machen. Noch in der Woche zuvor konnten Pia und ich Sitzplatzkarten ergattern, was in Anbetracht von Pias Verletzung am Bein diesmal auch Sinn machte. Am End standen wir doch - aber dies ist eine andere Geschichte.

Traditionell machten wie uns relativ früh auf den Weg ins Revier, traditionell tuckerte der silberne Golf über die Friedberger Landstraße auf die A661 um am Bad Homburger Kreuz auf die A5 abzubiegen. Musikalisch hielten wir uns diesmal an Psychobilly (The Meteors), an Reggae (Hopetown Lewis) und an den gute alten Indiesound (von British Sea Power über Phillip Boa bis hin zu Cock Sparrer) - wenn schon die Auftritte der Eintracht nichts Gutes erwarten lassen, dann wenigstens die Musik, oder?



The Meteors - 3 against 1


Der Himmel wurde von Wolkenballen bedeckt, ab und an blinkte ein leuchtendes Blau in den Tag, Kilometer um Kilometer wurde abgespult, Manu Chao sang vom Regen im Paradies, was ein paar Kühe so gar nicht interessierte, sie lagen im Grün neben dem Highway - und schliefen. Da wir recht früh unterwegs waren, sahen wir nur wenige Busse oder flatternde Schals, Menschen fuhren in den Tag und wir nach Bochum: Gambacher Kreuz, A45, Gießen, Siegen und irgendwann ging es ab nach Iserlohn, eine graue Maus unter Deutschlands Städten, die vielleicht doch mal einen Besuch wert wäre, wer weiß.

Die Parkplätze hießen nun Flöz Mausegatt, die Orte Lüdenscheid und bei Dortmund West rollten wir auf die A40 welche wir in Bochum verließen um hinter dem Ruhrstadion direkt vor der Justizvollzugsanstalt zu parken.

Frisch war's - aber wir sind Härteres gewohnt - und so wanderten wir durch Grönemeyers Bochum, sahen die Schrebergärten, die unwirtliche Fußgängerzone und die im Ruhrgebiet üblichen ostzonalen Schaufensterauslagen. Wir machten eine Pause inmitten von Gänseblümchen, ab und an bewachte ein Polizeiwagen das Treiben, von irgendwo erklang: Hurra, hurra die Frankfurter sind da, ansonsten war Samstag-Nachmittag. Ein Fiege-Bier später hockten wir vor dem Planetarium auf einem grasgrünen Hügel und betrachteten das Treiben unten auf der Straße. Gegenüber war ein Kiosk, ab und an kam ein Grüppchen Eintrachtler vorbei, einige Bochumer zogen vorüber und es dauerte nicht lange, bis sich einige Frankfurter unterhalb von uns ebenfalls in Gras warfen. Sie lieferten sich mit den Jungs am Kiosk einen munteren Wechselgesang, wir lachten und rauchten und waren eigentlich ganz guter Dinge: hatte die Eintracht in dieser Saison zwar des Öfteren grandios versagt, so hatten sie sich noch immer daraufhin berappelt - zumal Teams wie Cottbus oder Bielefeld ihre Spiele gewinnen mussten, um unabhängig von unserer Partie überhaupt noch vom Klassenerhalt träumen zu dürfen.


Ein Polizeibus hatte sich mittlerweile an der Kreuzung positioniert, Polizisten rüsteten sich mit Kabelbinder und Helm aus und beobachteten nun die singenden Frankfurter. Nur wenig später marschierte ein sonderbarer Trupp an uns vorbei: Angeführt von einigen Polizeiautos mit Blaulicht aber ohne Sirene folgten die Bahnfahrer. Zunächst die Ultras, schweigend und schwarz, dahinter die Trikots, schweigend und rotschwarz und wiederum dahinter folgten annähernd zig Polizeibusse, ebenfalls eher leise. Man hätte meinen können, wir beobachteten einen Trauermarsch.

Langsam machten wir uns gleichfalls auf in Richtung Stadion an der Castroper Straße. Der ehemalige Bochumer und - ähem - Frankfurter Thorsten Legat wurde einst gefragt, wie er denn zum Bodybuilding gekommen sei. Die Antwort ist ebenso schlicht wie legendär: Immer Castroper Straße rauf. Wir taten es ihm gleich, bis wir die sich in den Himmel reckenden Flutlichtmasten erkannten; die Tribüne ragte wie ein nackter Betonhintern auf einem Donnerbalken auf die Straße und wir trafen auf den alten Haudegen Thommy vom EFC Bockenheim, während wir uns noch ein Hansapils gönnten. Von überall strömten die Frankfurter ins Stadion, viele Bochumer trugen gelbe Shirts mit der Aufschrift: Wir sind Opel; die Wirtschaftskrise trifft natürlich die Opelianer in der strukturschwachen Stadt Bochum immens, ohne Opel gehen hier die Lichter aus. Später saßen viele im Block beieinander; der Unbeleckte hätte auf Dortmunder getippt - die Blockfahne verriet aber spätestens jetzt: Opel.

Vor dem Stadion Gespräche: Holen wir einen Punkt? oder Wann geht der Trainer? Hier trafen wir auf Hans-Peter und Beate, dort standen die Ultras, hier das Pferd dort Donna und im Großen und Ganzen ließ sich der Tag doch recht entspannt an, zumal es nun deutlich wärmer wurde. Die Vogelscheuche sagte Hallo, der EFC Black & White war zum 30-jährigen Jubiläum in Sträflingskleidung erschienen, ein Polizist wechselte einem Fan Geld, auf dass sich dieser eine Karte kaufen konnte und wir erfuhren, dass Christian, der uns in dieser Saison schon des Öfteren begleitet hatte ebenfalls in Bochum war; seine Begleiter allerdings verweilten nun im örtlichen Krankenhaus - Ein Vollidiot Frankfurter Herkunft hatte direkt vor dem Stadion einen Asso-Böller inmitten einer Gruppe von Eintracht-Fans fallen lassen; in einer Gruppe, in der sich auch Gerd mit seinem Sohn aufhielt. Böller in einer Gruppe mit Kindern zu werfen - wie krank kann man sein?

Diese Nachricht betrübte unsere Laune, die sich erst wieder aufhellte, als wir Anno und Kroni trafen, mit denen wir auch ins Stadion marschierten, kurzes Abtasten, kurzes Begrüßen von ZoLo und Ben, unseren neuen Fanbetreuer - und schon ging es hinein: Block F - links. Ich verschwand im Klo und als ich wieder hinausging fragte ich den Mann, der hinter mir die Toilette verließ, ob er gerade die Hände gewaschen habe? Er guckte mich an und meinte: Ja, wieso? Ich antwortete zwinkernd: Gut. Sonst hätte ich nämlich Pisse an der Wade.

Pia und ich kämpften uns auf einen freien Platz und schnell war klar: An Sitzen war nicht zu denken, alles stand - normalerweise ist das auch gut so - nur in unserem Falle etwas doof, da Pia wegen des Beines nicht die ganze Zeit stehen wollte. Aber: Was soll man machen?

Das Bochumer Stadion kommt oldschool daher, inmitten der Stadt gelegen prangte am gegenüberliegenden Eingang noch immer der Name Ruhrstadion - obgleich es auch heute offiziell ganz anders heißt; die Tribünen sind noch Tribünen und das Flutlicht verdient diesen Namen. Gut, wenn dieses Team nicht absteigt und wir im kommenden Jahr wieder hierher kommen können. Dazu sollte auch die Eintracht drin bleiben, wobei ich mir diesbezüglich keine Sorgen machte. Etwas neben uns standen einige Geiselgangster, André hoffte auf Wiedergutmachung (er sollte arg enttäuscht werden) während Gerre seinen Geburtstag schon gefeiert hatte.

Anpfiff, die Eintracht begann forsch und mit Liberopoulos auf der Bank, an Stelle vom gesperrten Ochs beackerte Sebastian Jung die rechte Seite und Chris rückte für Bellaid in die Innenverteidigung. Steinhöfer begann auf links im Mittelfeld, Mahdavikia auf rechts.

Nach einer vergebenen Chance von Meier nach Vorarbeit von Mahdavikia erzielte der VfL nur wenig später das 1:0 und wer gedacht hätte, die Eintracht würde sich gegen die drohende Niederlage stemmen, der wurde enttäuscht. Der selbsternannte Führungsspieler Fink irrte sinnfrei umher, Steinhöfers Phlegma stand sinnbildlich für das gesamte Team alleine Markus Pröll zeigt sich präsent, während Jung von seinen Kameraden sträflich im Stich gelassen wurde.

War der Support bislang ganz anständig, verlor ich nun langsam den Glauben: An das Team und an die Kurve. Neben uns grölte ein junger Mann mit Pissflecken auf der Hose und Bierbauch über dem Gürtel: Funkel Raus, wurde von seinen nicht minder elganten Freunden gefeiert, ab und an kotzte er ein Caio in den Tag und wir ahnten, was noch kommen würde.

Machen wir es kurz, nach dem 2:0 brachen alle Dämme, Funkel raus tönte es durchs Stadion, Caio kam später tatsächlich (für den angeschlagenen Spycher), konnte das Spiel aber ebensowenig herumreißen wie Amanatidis, der nach siebenmonatiger Verletzungspause weitestgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit in der 79. Minute für Fenin eingewechselt wurde. Sicher, es gab vorher einige Amanatidis-Sprechchöre, aber der Unwille über den Trainer übertönte alles. Während die Bochumer Nie mehr Zweite Liga skandierten fielen unsere enthemmt ein: Nie mehr Friedhelm Funkel, nie mehr, nie mehr. Das war kein Galgenhumor, das war das Tönen von Geistern, deren Lust an der Demontage alles überstrahlte. Sicher, man kann seinem Unmut über die desaströse Leistung Luft machen, Verzweiflung in unflätige Worte verwandeln - allein ich hatte den Eindruck, dass von vielen [edit: einigen] die Lust an der Destruktion nicht einem Leidensdruck geschuldet wurde, sondern von einer blöden, glotzenden Massenhysterie herkam, die auch zehn nackte Frisösen gebiert. Mein Gott, was musste ich in Fressen gucken: Besoffenes unteres Mittelmaß mit Hang zur völligen Selbstaufgabe; Gestern Ballermann - heute Funkel raus. Eklig. Wenn einer von denen attraktiven Fußball fordern sollte, ginge das nur mit Fettabsaugen oder Hirnimplantation. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass es vor dem Spiel außerhalb des Stadions zu Sprechchören: Funkel du Zigeuner kam?

Ich weiß, ich tue einer ganzen Menge Menschen unrecht, die das Maß für voll halten, die völlig zu Recht ihrem Unmut Luft verschaffen - aber was da bei uns teilweise in der Kurve steht, das ist in seiner Gesamtheit unerträglich geworden; genauso unerträglich wie das Gekicke unten und eine Stellungnahme des Trainers, der noch nach dem Spiel von sich gab: Es sei alles okay.

Im End hatten beide Teams die Klasse gehalten, die Bochumer feierten und unsere Kurve forderte von den Spielern Komm, Komm und als sie kamen hagelte es Häme. Pröll zeriss sich vor Wut über den katastrophalen Auftritt seiner Kollegen sein Trikot - der Rest war Schweigen. Bis sich unser Kapitän gegenüber der Presse äußerte:

"Das ist alles zu wenig, alles zu schwach. Es ist völlig in Ordnung, dass die Fans sauer sind", sagte der Stürmer: "Ob wir Spieler oder das Trainerteam - jeder muss sich mal hinterfragen, wo er mit der Eintracht hin will." Der stolze Grieche betonte, er finde es "erbärmlich", dass 33 Punkte der Eintracht schon zum Klassenerhalt verhalfen.


Wir warteten vor dem Eingang noch auf Christian, der mit uns nach Hause fahren sollte, Pia war arg sauer ob des Erlebten und es dauerte ein Weilchen, bis sie wieder lächeln konnte. Noch bevor Christian vorbeikam schwatzten wir mit Regina und der Filzlaus, die sich dann auf ein Bänkchen in die Sonne hockten. An der Castroper Straße trafen wir auf unseren EFC Kumpel Johannes, der wohl vergeblich versuchte, in seiner Bochumer Stammkneipe seinen Frust zu ertränken und wir verkrümelten uns ein paar Meter dahinter ins Café Treibsand auf ein Chili con Carne. Draußen sauste Blaulicht die Straße hinunter, drinnen blubberte ein softer Techno-Sound und wir ärgerten uns über hirnlose Masse genau so wie über den Eintracht-Fußball und den Böller. Lust auf den Saisonabschluss? Ich werde da sein, aber Lust ist etwas anderes. Etwas ganz anderes.

Später marschierten wir zum Golf, linker Hand der Knast, rechter Hand der Papageienpark und so wir rollten am Starlight-Express vorbei auf den Ruhrschnellweg und die A45. Bei chilliger Musik überholten wir etliche Eintracht-Busse, freuten uns ob der relativen Stille und diskutierten den Tag und den kommenden Trainer. So recht wollte uns niemand einfallen - außer Jürgen Klopp. Aber der wird wohl eher Real Madrid trainieren, als sich vom derzeitigen Gebilde Eintracht Frankfurt verbrennen zu lassen.

SGE - wir sind da
Jedes Spiel - ist doch klar
Erste Liga - tut schon weh.
Scheißegal - Oh SGE.