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Donnerstag, 26. März 2009

Auch das ist Bayer 04 Leverkusen


Als ich neulich mit Christian und Pia in Düsseldorf am Rhein Richtung Stadion marschierte, erwischte mich Arndt am Handy. Guude Beve, könntest du mir einen Gefallen tun? Klar meinte ich, um was geht's? Die Sache war schnell erklärt; Arndt hatte Frank versprochen, aus Düsseldorf eine Eintrittskarte und ein Stadionprogramm für das Eintracht-Archiv mitzubringen, allein er musste am Samstag arbeiten und bat mich, so es möglich sei, beides zu organisieren.

Die Eintrittskarte war schnell beschafft, Pia erklärte sich spontan bereit, ihre eigene für Frank herzugeben. Die Suche nach dem Stadionmagazin allerdings verlief ergebnislos. Rund um die LTU-Arena fand sich auf dem Hinweg kein Verkäufer, auch vor dem Block war weit und breit nichts zu sehen. Da uns der Rückweg nach dem Spiel durch die Polizei etwas verkompliziert wurde, verließen wir Düsseldorf ohne Programm, was zwar ärgerlich - aber nicht zu ändern war.

Montags schickte ich Arndt eine Mail, dass ich mit halbleeren Händen zurückgekommen bin und eine andere Mail ging an die Pressestelle von Bayer 04 Leverkusen, mit der Bitte, mir ein Exemplar für das Archiv zuzuschicken. Zwar machte ich mir keine große Hoffnungen, wollte aber zumindest nichts unversucht lassen, das Heft zu besorgen.

Weder Dienstag noch Mittwoch erhielt ich eine digitale Rückantwort und dachte mir, dass wohl etliche Anfragen ähnlicher Art an die Geschäftsstelle gerichtet werden und die Beantwortung zuviel Mühe macht.

Als ich nach dem Mittwoch im Museum mal wieder nach Hause kam, öffnete ich meinen Briefkasten - und prompt fiel mir ein DIN-A4 Umschlag entgegen. Kommentarloser Inhalt: Das Programm zum Spiel Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt. Und das machte mich dann doch für einen kurzen Moment sprachlos. So etwas gibt es noch in den modernen Zeiten? Ich war begeistert und bin es noch - und bedanke mich hiermit ganz herzlich für die Unterstützung aus Leverkusen. Wer hätte dies gedacht?

Sonntag, 22. März 2009

Heimspiel in Düsseldorf feat. Dreck-weg-Tag


Die Wettervorhersage verhieß nichts Gutes, gefühlte 6 Grad im Rheinland für den 21. März 2009, den traditionellen Frühlingsanfang waren angesagt. Da sich aber im Laufe der Jahre die Zwiebeltaktik bezahlt gemacht hat, sollten Shirt, Hoodie und Jacke reichen, um sich adäquat gegen die drohende Kälte zu wappnen. Zum ersten Mal seit Jahren trug ich nichts von Eintracht Frankfurt, keinen Adler, keinen Button, keinen Schal - Nichts. Sieht man einmal von meinem Shirt Vereint in den Farben, getrennt in der Sache ab, aber das ist ja nicht wirklich Eintracht. Sondern Frankfurt. Pia erging es relativ ähnlich. Und so rollten wir im silbernen Golf Richtung Berger Straße, um Christian einzusammeln, der dort schon auf uns wartete. Mit Schal.

Samstag morgen, 9:45 in Deutschland; knappe 240 km liegen vor uns, die Eintracht spielt gegen Leverkusen und zwar in Düsseldorf; einer Stadt, die zwar eine bundesligataugliche Messehalle besitzt (LTU-Arena) aber keine Mannschaft in der ersten oder zweiten Liga. Da das Leverkusener Stadion derzeit vergrößert wird, spielt die Werkself zur Zeit in jener Messehalle und hatte sich bislang standhaft geweigert, ein Bundesligaspiel dort zu gewinnen. Ob dies auch heute so bleiben wird? Nun, wir werden sehen.

Über die Friedberger Landstraße und den Alleenring fuhren wir auf die A66 und betankten den Golf; Super 1.19´9. Schon seit Jahren frage ich mich, wie es zu dieser Stelle hinter dem Komma in Bezug auf Benzin-Preise gekommen ist und weshalb ich für alle Fälle 0,9 Cent in der Tasche haben sollte, aber ich frage mich im Laufe der Zeit vieles und erhalte nicht immer erhellende Antworten, dazu später mehr.

Wiesbadener Kreuz, A3, blauer Himmel. Der noch am frühen Morgen zusammengestellte Soundtrack rotierte in der Anlage, Thomas D. sang die folgenden Zeilen:

Alle Dinge haben Zeiten des Vorangehens und Zeiten des Folgens,
Zeiten des Flammens und Zeiten des Erkaltens,
Zeiten der Kraft und Zeiten der Schwäche,
Zeiten des Gewinnens und Zeiten des Verlierens

und ich wusste nicht so recht, welches die jetzigen Zeiten sind.

Thomas D. sang weiterhin: Die Wahrheit kommt mit wenigen Worten aus (Laotse) und ich denke, die Lüge auch. Dazu später mehr. Surfversionen von Clashsongs folgten (Death or Glory), The Exploited mit den Troops of tomorrow - ein schöner Tipp vom Ergänzungsspieler während der letzten Woche - oder die Toy Dolls, Ramones, Pogues, Stage Bottles bis hin zu Mano Negra - ein deutliches Zeichen, den Kampf anzunehmen.

entdeckt unter der Theodor Heuss Brücke in Düsseldorf

Ab und an sahen wir ein Auto mit Eintracht Aufkleber, wir überholten zwei Neunsitzer und schnurrten durch den Tag. Beat on the brat, Beat on the brat, Beat on the brat with a baseball bat- Oh yeah, oh yeah, uh-oh.

Idstein, Limburg, Montabaur, Parkplatz Epgert, Zeit für einen Zwischenstopp. Berlin 650 km. Der Bus der Binding Szene hatte sich den gleichen Halt ausgewählt, Dino kam auf einen Schwatz herüber, Musik wummerte aus den offenen Türen des Golfes und dennoch war die Stimmung keineswegs euphorisch; zuviel war passiert in den letzten Wochen, zu viele Worte mit zu wenigen Ergebnissen gewechselt, zuviel Seltsames spielt sich ab rund um den modernen Fußball, rund um die Eintracht. Christian telefonierte mit einem Kumpel, der kurzfristig doch noch nach Düsseldorf gefahren war und sich just im Moment des Telefonats nur wenige Meter vor dem Parkplatz befand und also die Chance nutzte, auf einen kurzen Abstecher vorbeizuschneien.

Ein kurzes Hallo im Frühlingsblau und schon ging's weiter, zurück auf die Straße. Fragt mich jemand, was mir lieber sei, das Fortfahren oder das Ankommen, würde ich immer sagen: Das Unterwegssein.

Auch Stefan, unser Freund vom Blog-G war gegen alle Erwartungen unterwegs; er telefonierte mit Pia und ließ ausrichten, dass alles gut werde; allein ich bin mir nicht sicher - doch tröstlich sind solche Worte allemal. Hier könnt ihr seine Erlebnisse des Tages nachlesen und tolle Fotos vom Spiel anschauen.

Industriedenkmal Grube Georg, dahinter irgendwo Reklametafeln auf einem Hügel, die größte davon bewarb ein Sonnenstudio, dazu Warnhinweise: Stau hinter Leverkusen, 6 km.

Ich bin Oldschool, ich besitze kein Navi, ich will auch keines; bislang kam ich noch überall an, in Deutschland, Spanien, Portugal in England, Frankreich, Indien; ob mit privatem PKW, ob mit dem Taxi; ich vertraue da ganz auf meine Fähigkeiten, auf mein Mundwerk und auf die guten alten Straßenkarten.

Köln, Leverkusen, allerorten freie Fahrt - jedoch verdichteten sich die Warnhinweise und alsbald zeigten die Bremslichter vor uns den angekündigten Stau, wenige Meter hinter der Ausfahrt 22 Richtung B8 - Richtung Düsseldorf.

Wir verließen die Autobahn bei der Abfahrt 22 noch bevor wir den Stau wirklich erreichten und rollten durch den deutschen Samstag-Mittag-Vorort-Verkehr; Ampeln, Einkaufsparadiese, Baumärkte - das Land rüstet sich für den bevorstehenden Frühling; Sonderangebote für Blumenerde, Rasenmäher und Terracotta-Fliesen; wer dafür kein Auge hat - oder kein Geld, der beginnt halt jetzt schon mit dem Trinken oder dem Verzweifeln; die Wirtschaftskrise trifft eh nur diejenigen, die sich davon kirre machen lassen; der Rest kauft ein, bis es soweit ist.

Langenfeld, Düsseldorf, Dreck-weg-Tag.

Wir konnten zunächst nichts mit den Massen anfangen, die an den Straßenrändern Müll aufklaubten, dachten an die üblichen Ein-Euro-Jobber, ohne die das Land zwar nicht leben könnte, die aber dennoch nicht von ihrem Lohn leben können, - bis wir durch Plakate eines Besseren belehrt wurden. Heute, bzw. gestern war in Düsseldorf Dreck-weg-Tag, ganze Heerscharen Gutmeinender zogen durch die Landeshauptstadt und sammelten ein, was sie in der restlichen Zeit auf die Straße werfen; wir hofften, unseren Beitrag in Bezug auf Leverkusen zu leisten und bestaunten aus dem Fenster Radfahrer in T-Shirts, welche die Wettervorhersage incl. gefühlten sechs Grad ignorierten. Bald durchquerten wir den Stadtteil Bilk, Jugendliche saßen in einem Fahrradanhänger und ließen sich gutgelaunt vom Radler ziehen, eine Angel in der Hand. Ein kleiner Stau in der Stadt zeigte sich generös und entließ uns ohne längere Wartezeiten, wir verknoteten uns kurz in Unterbilk vor der Rheinkniebrücke, über die wir kurz darauf den breit und träge dahin mäandernden Rhein überquerten.

Noch von früher wusste ich, dass auf der anderen Rheinseite im Stadtteil Oberkassel zum einen die Schönen und Reichen wohnen und wir zum anderen hier nur durch eine Brücke von der Altstadt entfernt dem Gewimmel und Gewusel aus dem Weg gehen konnten. Flugs parkten wir den Golf vor einer Reihe edler Altbauten, packten alles notwendige in die Hosensäckel und marschierten los. Ein blauer Himmel wachte über uns, die Sonne beschien die Rheinwiesen und die Düsseldorfer machten an ihrem Fluss das, was jeder in solchen Momenten machen würde: Kinder erlernten das Radfahren, Hunde kackten auf die Wiesen und Liebende schlenderten Hand in Hand am Wasser entlang.

Auf dem Rücksitz hatten wir noch eine Flasche Apfelwein entdeckt, die wir zur Feier des Tages kreisen ließen und so näherten wir uns Meter um Meter dem heutigen Ziel. Ein Grüppchen Fortuna-Fans hatte es sich im Gras gemütlich gemacht, Lastkähne und Ausflugsdampfer schipperten den Rhein entlang und in der Ferne würmelten Straßenbahnen über die Oberkasseler Brücke, die wir unterquerten bis wir nach weiteren zwei Kilometern erst die Theodor Heuss Brücke per pedes überquerten.

Wir marschierten am Yachthafen vorbei weiter am Rhein entlang, rechts neben uns die Hauptstraße, die Richtung Stadion führt und noch war weit und breit nichts von dem zu spüren, was gemeinhin einen Bundesliga-Samstagnachmittag in der Großstadt ausmacht, nämlich Fußballfans. Gott sei's gedankt auch wenig Polizei. Und irgendwie beschlich mich der Gedanke, dass es vielleicht gar nicht schlecht wäre, sich mit Transistorradio an den Rhein in die Sonne zu legen, Gott einen guten Mann sein zu lassen, ein paar Würstchen auf einen imaginären Grill zu schmeißen und ein paar Schöppchen in den kommenden Sonnenuntergang zu trinken.

Mal im Ernst, so ein bisschen bin ich den ganzen Zirkus rund um den Profifußball leid; fliegendes Glas, sinnlos brabbelnde Vollalkoholisierte, Stacheldraht und Zaunverhäue, martialische Polizei, schlecht recherchierende Journalisten, katastrophal organisierte An- und Abfahrtswege, Kontrollen, Fußballmafia DFB und stets die gleichen Spieler im Abstiegskampf, Jahr für Jahr in unterschiedlichen Mannschaften. In jedem Stadion die gleichen Gesänge, Ordner, Einlasskontrollen, Lieder, Reklametafeln, Deppenmaskottchen - erstickt jegliche Individualisierung, bekämpft jeglicher Versuch, der Zeit ein eigenes Gesicht zu geben.

Wir drehten eine Ehrenrunde durch einen Park, Blümchen sprossen aus der Frühlingserde, Krokusse und Osterglocken, und alsbald erreichten wir die Messe Düsseldorf. Aus den Messehallen strömten Heilpraktiker, welche der tatsächlich stattfindenden Messe entwichen und wir erkannten die ersten Parkplätze. Das Überqueren der Straße wurde durch ein wirres Zeug salbaderndes Ordnerlein erleichtert und so wuchs vor unseren Augen die Messehalle LTU-Arena in die Höhe. Es hätte auch ein Parkhaus sein können oder ein Einkaufszentrum. Auf die Idee, dass in dem Kasten Fußball gespielt wird, kommen nur Eingeweihte; wie anders doch früher, als in den Himmel ragende Flutlichtmasten auch dem Ortsfremden signalisierten: Obacht, hier gibt's Fußball. Einfach nur Fußball.

Leverkusener waren bislang noch immer Mangelware; erst am Messebahnof wurden wir jener Spezies gewahr, welche die Werkself für sich entdeckt hatten. Leverkusener rechts, Frankfurter geradeaus über den Platz tönte eine Lautsprecherstimme durch den Bahnhof, und da wir definitiv Frankfurter sind, schoben wir uns im Pulk mehr oder minder fröhlicher Hessen vorbei an einem komplett geschlossenem Eingang, vorbei an jenem Metallungetüm bis hin zum Eingang Nord-Ost.

Dort stauten sich erwartungsgemäß die Frankfurter, passierten zwei Kontrollen und eierten dann Stück für Stück in die ausgewiesenen Blöcke. Unterwegs trafen wir auf Gabi und Michael, die auch immer dabei sind, dort winkten wir Dani und Präsi und schon suchten wir im/n Stadion/Arena/Messehalle einen brauchbaren Platz. Ein kurzes Hallo an die Nieder Buben, die zum Teil auch Mädels waren und nach einigem Hin und Her standen wir irgendwo in diesem Sitzplatz-Areal inmitten Tausender knallbunter Sitze und ebenso vielen Eintracht Fans und harrten der Dinge, die nun kommen würden.

Zunächst erkannten wir Stefan, der uns im Pulk gleichfalls entdeckte, freundlich winkte und vom Spielfeldrand zielgenau ein Foto von uns schoss; wir erkannten ein genmanipuliertes Plüschtiermaskottchen, welches fatal an einen Fehlversuch der Firma Bayer erinnerte und wir erkannten, dass Sebastian Jung nicht im Kader war, Benjamin Köhler spielte linker Verteidiger und Petkovic saß auf der Bank. Korkmaz durfte von Beginn an ran, im Tor stand Markus Pröll; die Eintracht ganz in schwarz, Leverkusen in tablettenfarbenen gestreiften Trikots und los ging's. Naja, nicht ganz - der Stadionsprecher verkündete zuvor beim Verlesen der Ersatzspieler stolz: mit der Nummer Dreißig: Tschau.


Ihr wisst ja, wie er richtig heißt, ihr ruft's ja oft genug.

Die Mannschaften liefen zu Bitter Sweet Symphony von The Verve ein, einem tollen Song, der vor allem Pia am Herzen liegt, aber als Einlaufmusik ähnlich ungeeignet scheint wie Let it be von den Beatles, aber was soll's; besser diesen Song zu hören, als ein zweites Mal die Hymne von Leverkusen, die genausogut Laa la laaa la heißen könnte; zusammengeschustert von Zusammenschusterern, die mit der gleichen Leidenschaft auch einen Song über ein Mittel gegen Blasenschwäche konstruieren könnten. Laa la laaa la ; gotterbärmlich. Vom Plastikclub zur Werkself, das war kein leichter Weg. Das singen die, ehrlich ...

Vor uns hauten zwei Jungs auf die Trommel, Fahnen gab's hüben wie drüben keine, und ob es auf Leverkusener Seite wie bei uns ebenfalls ein Supportboykott gab, war mir nicht bekannt. Von der Nordkurve war nicht viel zu sehen oder gar zu hören, bei uns wurde die Eintracht angefeuert, mal ging es von jener Seite der Kurve los, mal von einer anderen. Die Ultras blieben weitestgehend bei ihrem Supportboykott, der sie wohl mehr selbst schmerzt als den Verein - zumindest solange die Eintracht nicht in Rückstand gerät. Ein Fehlpass von Fink wurde von meinem Hintermann mit den Worten Köhler du Arschloch abgearbeitet, das ist bei einem Rückstand noch ausbaufähig. Ein schöner Einsatz von Steinhöfer brachte ein feines Zuspiel auf Fenin, der nach vorne flitzte, während Alex Meier in der Mitte mitlief. Ich beobachtete ihn, sprach Meier, Meier, Meier, Meier, MEIER - und so ging die Eintracht mit 1:0 in Führung, als hätte ich es im Moment geahnt.

Sonst blieb ich weitestgehend still, sieht man einmal davon ab, dass ich beschwichtigend eingriff, als ein Supporter aus dem Odenwald einen Nichtsupporter auffordern wollte, es ihm gleich zu tun - worauf dieser dann leicht grantig wurde. Nun ja, nicht jeder wedelt gerne mit Schals an den Handgelenken in anderer Leute Gesicht herum; nicht jeder mag es, anderer Leute Schals alle naslang durchs Gesicht gestreift zu bekommen, was soll's.

Kurz vor der Halbzeit versenkte Kadlec im Anschluss an eine Ecke das Bällchen zum Ausgleich im Netz und hätte die Latte im Gegensatz zu Russ nicht aufgepasst, dann hätte es kurz darauf sogar 2:1 für die Werkself gehießen. So ging's mit dem 1:1 in die Halbzeit, die auch irgendwie rumging.

Später machten die Ultras kurz auf sich aufmerksam, während die Herren hinter mir ungefragt ihre Ansichten über die Herren Köhler und Meier sowie später Kweuke mitteilten.
Als Fenin, der sich kurz zuvor verletzte, gegen eben jenen Kweuke ausgewechselt wurde, blökte es uns von hinten in die Ohren: Wiesoholtenderdenjetztrunner? Der kurze Hinweis, dass Fenin verletzt sei, irritierte zwar, doch dann kam: Wiesobringtnderdenkweukeunkeinannernstürmer. Der wiederum kurze Hinweis, dass die Herren Amanatidis, Tsoumou und Liberopoulos verletzt seien und der Herr Heller derzeit für Duisburg spielt, sorgte nur erneut nur für schwache Irritation; es folgte ein egal, halt irgendwie anders.

Sorry Freunde, lieber zehn Bengalos, als solch einen Hirnriss - das meine ich ernst. Dafür wurde dann auch im Stadion Reklame gemacht. WeCo Feuerwerk lief die drehbare Werbebande rauf und runter, so ist's angesichts de momentanen Debatten ganz recht. Vornerum den Werksclub geben und hintenrum den Pyromanen raushängen lassen, sagenhaft.

Ab und an schwappte ein Eintracht, Eintracht durch die Messehalle, ab und an ein Caio, Caio, der dann auch tatsächlich für Korkmaz eingewechselt wurde (O-Ton Stadionsprecher: Mit der Nummer 30: Tschau) und ein paar gute Szenen hatte, hier einen Flankenwechsel und vor allem einen 40-Meter Freistoß, welchen Adler nur abklatschen konnte; auch das Nachsetzen von Bellaid konnte Adler abwehren, allerdings um den Preis einer Verletzung. Zuvor wurde nach zwei langen Jahren des Wartens und der Verletzung Zlatan Bajramovic für den umgeknickten Kweuke eingewechselt. Einige Umstehende freuten sich über die Höchststrafe für Kweuke (Ein- und Auswechslung), ignorierten dessen Verletzung (sein Spiel aber war tatsächlich grausam) und ignorierten auch Bajramovis Freudentag. Es folgten noch drei Ecken für die Eintracht, die folgenlos blieben, eine hysterische Aufforderung des Stadionsprechers an die Leverkusener, ihre Mannschaft zu unterstützen, die ebenso folgenlos blieb und so blieb es am Ende beim 1:1 unentschieden.

Leverkusen kann in Düsseldorf nicht gewinnen und die Eintracht nicht gegen Teams, die über ihr stehen - so will es der Brauch und irgendwie wohl auch unser Trainer, der vor dem Spiel sinngemäß sagte, wenn er das sagt, was er über Leverkusen denke, rede er die eigene Mannschaft schwach. Wohlgemerkt über jene Leverkusener, die in der Rückrundentabelle auch jetzt noch hinter der Eintracht stehen.

Nach dem Spiel verschenkte Fenin sein Trikot an ein Häuflein Fans mit tschechischer Fahne, die Mannschaft wurde gefeiert und alsbald blieben in der Messehalle über 50.000 bunte Sitzschalen zurück und die Gewissheit, dass diese Halle demnächst Esprit-Arena heißen wird; ob's nützt wissen die Geier. Ob die Straße, die derzeit LTU-Arena-Straße heißt, dann gleichfalls in Esprit-Arena-Straße umbenannt wird auch. Dabei gibt es so schöne Straßennamen.


Traditionell ließ uns die Polizei nicht in Richtung Auto laufen, traditionell eierten wir sinnfrei in die Umgegend, erkannten annähernd eine Million Menschen in der Nähe der Sonderzüge, kämpften uns irgendwie durch und wanderten am End doch wieder am Rhein entlang Richtung Altstadt. Zuvor umrundeten wir das Stadion einmal, entdeckten den Mannschaftsbus der Eintracht und konnten dank der tätigen Mithilfe des schwatzenden Ordners vom Nachmittag erneut sicher eine Kreuzung überqueren. In der wirklichen Welt trafen die Messebesucher auf Fußballfans; die einen trugen Tüten mit Messeerungenschaften in der Hand, die anderen trugen Pappbecher.

Es ist auf die Dauer wahrlich ermüdend, den Kampf um den geraden Weg aufzunehmen und doch wirst du Woche für Woche dazu genötigt. Und Woche für Woche kommst du auf kleinen Umwegen dorthin, wo du hin willst. Außer in Stuttgart, wo wir seinerzeit von den Freunden und Helfern zu Fuß auf einen Autobahnzubringer geschickt wurden.

Auf der anderen Rheinseite konnten wir einen mächtigen Sonnenuntergang bewundern; wir mengten uns unter die Abendflaneure und schlenderten in den untergehenden Tag. Vor den Toren der Altstadt grillten die Menschen Würstchen und Tomaten auf der Ufermauer, weiter unten parkten die Wohnmobile direkt am Wasser, der Tag 12 Euro; farbige Leuchtpunkte kletterten den Fernsehturm hinauf und jede Menge Punker trafen sich vor der Düsseldorfer Altstadt, dem rheinischen Ballermann.

Der Hunger trieb uns ins Gewimmel, Ausflügler, Punker und Fußballfans schoben sich die Gassen entlang, dazwischen ein Schlips und jede Menge Polizei, wir trafen auf Anno und Oli, auf Doreen und Andi und bestellten uns eine Pizza, maximal drei Beläge, 4 Euro, Knoblauch und Scharf umsonst. Da uns allgemein die Lust auf das nächtliche Massentreiben abgeht, zumal die Mischung aus stark alkoholisierten Fußballfans und nüchterner Massenpolizei nichts wirklich Gutes verheißt, verließen wir die längste Theke der Welt und wanderten über die Rheinkniebrücke zurück ins beschauliche Oberkassel.

Als wir uns dem Golf näherten, meinte Pia, dass doch die Lämpchen noch schwächelnd brennen würden, ich wiegelte zunächst ab, doch näheres Hinsehen brachte Gewissheit: Die Lampen glimmten noch; Pia steckte den Schlüssel ins Zündschloss und sofort tat sich: nichts.

Ich hatte, weshalb auch immer, das Licht am helllichten Tag brennen lassen und folgerichtig gab die Batterie keinen Mucks mehr von sich. Da wir uns aber zu helfen wissen, stoppten wir das nächste Fahrzeug; ein freundlicher Pole hielt an. Zunächst versagte mein Starthilfekabel den Dienst, da unser freundlicher Helfer jedoch selbst ein Kabel dabei hatte, packte er dies kurzerhand aus dem Kofferraum, schon blinkten die Warnlämpchen und ebenso schon lief der Motor unseres Golfs wieder rund. Der helfende Pole wollte nichts für seine Hilfe annehmen und so blieb uns nichts anderes übrig, als uns herzlich zu bedanken. Auch von hier aus noch einmal herzlichen Dank, ohne dich würden wir wohl jetzt noch in Düsseldorf-Oberkassel stehen; umsäumt von Bayer-Maskottchen Brian the Lion und Polizisten in tablettenfarbenen Uniformen sowie bunten Plastikstühlen, die uns im Reigen umtanzen und gemeinsam La laa laaa la singen. Jetzt bloß nicht abwürgen dachte ich - und soviel sei gesagt: unser Autochen tat uns den Gefallen. Bilk, Universität, Autobahn - Home, sweet home, wir kommen.

Dachten wir, denn zunächst kamen wir nach: Köln.

Irgendwie hatten wir die richtige Abfahrt verpasst, überquerten zum sechsten mal eine Rheinbrücke, schossen alsbald auf die A3 Richtung Frankfurt und sausten durch die Nacht. Aus den Lautsprecher erzählte uns Robert Johnson vom Sweet Home Chicago. Pia und Christian schlummerten nach gefühlten fünfzig Kilometern Fußmarsch den Schlaf der Gerechten, ich lenkte gedankenverloren den Wagen durch den Westerwald, vorbei an Montabaur, Limburg, Wiesbaden auf die Miquelallee - und so rollten wir gegen elf in Frankfurt ein. Wir verabschiedeten uns von Christian, der im siebten Auswärtsspiel den achten Punkt geholt hatte und hockten bald auf dem Sofa, passend zum aktuellen Sportstudio, dem wir dann noch die Erkenntnis verdankten, dass der kommende Torschützenkönig nicht wie jeder Kommentator behauptet Graffitsch ausgesprochen wird, sondern so, wie er sich schreibt Grafite.

Aber dies sei nur am Rande erwähnt.

Und denkt dran: Die Wahrheit kommt mit wenigen Worten aus. (Laotse)

Die Lüge auch. (Beve)


Nachtrag: Vergessen habe ich zum einen, dass wir in Düsseldorf an der Autobahn 59 vorbeigefahren sind (wann wurde die Eintracht Deutscher Meister) und vergessen habe ich auch, dass es in Düsseldorf eine Kreuzung Frankfurter Straße Ecke Rostocker Straße gibt. Wir haben es unfallfrei überstanden.


Die Fotos sind von Pia und mir. Dort wo wir alle drei zu sehen sind, erkannte uns Stefan Krieger.

Donnerstag, 19. März 2009

Sachen gibt's


Dass ich derzeit so ich an Eintracht Frankfurt denke eher missmutig werde, ist ein offenes Geheimnis. Die Fans sind zerstritten, die Mannschaft spielt oft erfolglos und lethargisch und so weiter und so fort.

Dennoch geschehen Dinge, die mich verwundert zurück lassen.

Vielleicht beginnt diese Geschichte am Abend des zwanzigjährigen Jubiläums des vorerst letzten Pokalsieges 1988. Im Museum der Eintracht stand eine Veranstaltung auf dem Programm, die ich moderieren sollte; eingeladen waren unter anderem Manni Binz; Libero der Siegermannschaft als auch Frank Demant, ehemaliger Taxifahrer, der seit einigen Jahren recht erfolgreich den Röschen-Verlag betreibt und zum damaligen Zeitpunkt fünf Frankfurt-Krimis veröffentlicht hatte. Der Grund seiner Anwesenheit war allerdings die Tatsache, dass er vor nunmehr einundzwanzig Jahren mit einem Fan-Bus nach Berlin gefahren war, um die Eintracht zu unterstützen; Frank ist nämlich nicht nur Schriftsteller, sondern auch Eintracht-Fan.

Da die Veranstaltung ausnahmsweise nicht sonderlich gut besucht war, hockten wir in kleinem Kreis beisammen und unterhielten uns über die damaligen Zeiten. Dies war höchst angenehm, da sich nicht nur Manni Binz locker und aufgeschlossen zeigte, sondern auch Frank sich als lustiger Zeitgenosse präsentierte; Gemeinsamkeiten waren nicht nur die Liebe zur Eintracht, sondern auch die Tatsache, dass sowohl Frank als auch ich etliche Jahre nachts Taxi in Frankfurt gefahren und beide auch als Schriftsteller tätig sind.

Und so kam es, dass ich Frank zu meiner neulichen Lesung im Museum eingeladen hatte, wobei er mangels Zeit leider absagen musste. Der Zufall wollte, dass er seinerseits gerade ein neues Buch veröffentlicht hatte, den sechsten Simon-Schweitzer-Krimi mit dem Titel Verschollen im Taunus - und er selbst für den 18.März sprich gestern eine Lesung in Fechenheim plante, zu der ich meinerseits beschloss, hinzugehen.

Derweil kam ich über das Forum der Eintracht mit Aigle Genevois ins Gespräch, der mich ebenfalls zu dieser Lesung eingeladen hatte - und mein eigenes Büchlein mit dem Titel Der Andermacher sogar in zwei Buchhandlungen in Frankfurt dem geneigten Leser zum Verkauf anbot. Ein weiterer Grund, die Lesung zu besuchen.

Am gestrigen Nachmittag schlenderte ich nachdenklich über die Berger Straße in Frankfurt, die anlässlich des sensationellen Spieles gegen Kaiserslautern anno 1999 in Erinnerung an den famosen Trainer kurzzeitig in Jörg Berger Straße umbenannt wurde und traf zufällig uff de Gass wie wir Frankfurter sagen auf Frank.

Wir unterhielten uns ein Weilchen über die Literatur und die Frankfurter Eintracht und verabschiedeten uns mit einem herzlichen Bis später.

Gegen halbacht schwang ich mich in den sattsam bekanten silbernen Golf, der uns auch am kommenden Samstag nach Düsseldorf bringen wird und rollte durch den Frankfurter Abend von Bornheim nach Fechenheim, was sich auf Frankfurterisch wie Fashionheim anhört.

Verbotenerweise parkte ich den Wagen in der kleinen Fußgängerzone direkt vor dem Kulturladen Ankergasse, dem gestrigen Veranstaltungsort. Brav bezahlte ich meinen Obulus und wurde sogleich von einem netten Mann angesprochen, der mich zuvor schon fotografiert hatte. Bist du der Beve? Jawoll, der bin ich und es stellte sich heraus, dass jener Fotograf Jason war, der sowohl in meinem Blog als auch bei Kid und vor allem bei Stefan im Blog-G aktiv - und wie wir alle großer Eintracht-Fan ist.

Alsbald begann die Lesung; Frank erzählte einige Anekdoten, sowohl aus älteren Werken als auch aus dem aktuellen Buch, welches neben Sachsenhäuser Lokalkolorit auch so einiges über die Frankfurter Eintracht beinhaltete. Wenn ihr also wissen wollt, wer Pierre Angler oder Herbert Buch ist, oder was ein Russischer Milliardär im Umfeld des Riederwaldes so treibt, dann werft mal einen Blick hinein.

Der Aigle Genevois betrieb während der Veranstaltung einen kleinen Büchertisch, Eintracht Schals und Fahnen hingen derweil an den Wänden und wir erlebten einen kurzweiligen Abend und erfuhren, was es mit der ünneren Ongelöchenheit dör BÄ Är Dää anoo 1988 so auf sich hatte und weshalb der Name des Röschen-Verlag ganz direkt mit einem Fußballverein in Sachsenhausen zu tun hat.

Frank schenkte mir zum Abschied sein Werk, Jason schoss noch ein Foto und ein wenig später nahm ich Frank mit nach Bornheim. Wir schwatzten über Oberst Schiel und auch über die Blogs, und ich wies ihn auf den Blog von Kid hin, den er bis dato nicht kannte. Abends hockte ich dann neben Pia auf dem Sofa und hatte meinen Abstecher nach Fashionheim ganz und gar nicht bereut.

Heute las ich in Franks Buch und warf wie jeden Tag einen Blick in Kids Blog - und musste schmunzeln. Völlig unabhängig von meinen Erlebnissen entdeckte ich den Eintrag: Die Welt ist ein Dorf - Ein Beitrag, der von einem anderen Frank handelt und von Frank Demant dazu - und wie es dazu kam, dass die Welt ein Dorf ist.

Aber das müsst ihr nun selbst nachlesen; ich finde es seltsam, wie so manche Dinge zusammenkommen, ohne dass irgendjemand dieses Zusammenkommen forciert hätte.

Sachen gibt's.


Beve - Frank Demant




Das Foto ist von Elmar Jason Lütge. Danke dafür.

Mittwoch, 18. März 2009

Montag, 16. März 2009

Was wäre wenn ...

Entdeckt im Museum der Frankfurter Eintracht

Sonntag, 15. März 2009

Frankfurt. Waldstadion. Kurz vor vier.


Ich bin raus.

Die TSG Hoffenheim, das Modell, führt gegen bewegungsarme Frankfurter mit 1:0. Die "Gästekurve" hüpft, johlt und aus unseren Reihen ertönt Funkel raus. Abgesang.

Ich bin gegangen. Das erste Mal seit wievielen Jahren habe ich ein Eintracht-Spiel nach 15 Minuten verlassen. Stand draußen und habe geheult.

Wir haben gestern gegen das Gegenteil dessen gespielt, was für mich Fußball bedeutet. Und haben uns auszählen lassen. Haben uns selbst ausgezählt. Haben versagt.

All das, wofür ich mir in den letzten Jahren den Mund fusslig gebabbelt und die Finger wund geschrieben habe, hat sich als hinfällig erwiesen. Im Gegenteil. Es ist nutzlos. Es ist Zeitverschwendung.

Ich habe gestern verloren. Alles.

Machts gut.


Freitag, 13. März 2009

Der Kopf stinkt vom Fisch her


Warum hab ich bloß den Bullen erschossen
er hat mir doch gar nichts getan
ich war weder stoned, noch war ich besoffen
das Grün brachte mich so in Wahn
...

... sang Marius Müller Westernhagen im Jahr 1982 im Song Ich hab keine Lust mehr im Regen zu steh'n; am 13. März 2009 tönten die Worte aus dem offenen Fenster des silbernen Golfs, der durch die ersten zaghaften Frühlingssonnenstrahlen durch Frankfurt tuckerte. Die Mädchen auf den Straßen trugen Sonnenbrillen und die ersten Krokusse schoben sich aus der Erde, als Pia und ich in Niederrad nahe unseres Lieblingsimbiss parkten. Die Besitzerin grüßte freundlich wie immer und wir orderten vier Burger inclusive Getränke und futterten bald zufrieden auf Bierbänken sitzend gut gelaunt unsere Frühlingsburger. Ein kleiner Lieferwagen bog um die Ecke und hupte kurz auf, wir erkannten am Steuer Tristan, im wahren Leben Eintrachtfan und - Schornsteinfeger, wir winkten zurück und freuten uns zum einen über die kleine Begegnung und zum anderen über das kleine Symbol des Glücks, welches uns der liebe Gott mirnichtsdirnichts vorbei geschickt hatte.

Pappsatt marschierten wir zum Golf und rollten durch Niederrad in Richtung Stadion, vorbei am Union-Sportplatz und schon fuhren wir durch Tor 3 und parkten vor dem Museum. Auf dem Trainingsplatz erkannten wir unseren Kapitän Ioannis Amanatidis, der zusammen mit Reha-Trainer Farbacher und vor allem mit einem Ball trainierte, vorbei die Zeit, als er mit Krücken an der Seite stand. Im Museum packte die Praktikantin Geburtstagspäckchen für anstehende Kindergeburtstage; wir sagten Hallo, tranken einen Kaffee, begrüßten Stefan, der mit seinem uralten Golf samt nagelneuer TÜV-Plakette und funktionierender Fahrertür angerollt kam und während Pia und Stefan bei einer Zigarette unserem Captain bei der Arbeit zusahen, fidelte ich kurzerhand Matze im Tischfußball mit 10:6 ab. All zu oft darf ich dies nicht machen, ich müsste mir sonst einen anderen Job suchen. Aber Matze nahm's sportlich.

Wir verließen vorerst das Museum, denn die Jungs unserer Eintracht trudelten peu a peu auf dem Trainingsplatz ein. Auch Peter war schon anwesend - und hatte vorgehört. Es scheint hoffnungslos, ein Teil der Kibitze war sich sicher, dass die Eintracht morgen mit 0:5 untergeht und überhaupt, der Fisch stinke vom Kopf her, spätestens zum Jahresende müssen alle weg und so weiter und so fort; manchmal stellt sich ja durchaus die Frage, wie es so mancher Zeitgenosse über die Runden schafft, so ohne einen Funken Selbstironie, ohne Spaß an der Sache; aber just diesen wollten wir uns nicht nehmen lassen. Auch wenn das Leben manchmal kompliziert ist, die deutsche Sprache ist es sowieso. Die Mehrzahl von Globus lautet bekanntlich Globen. Und die Mehrzahl von Krokus? Mitnichten Kroken, nein, es sind die Krokusse. Ähnlich wie bei Bus; auch dort heißt es nicht Ben sondern Busse. Oder aber Kuh - Kühe. Wer jetzt denkt die Mehrzahl von Schuh würde Schühe lauten ist ebenso schief gewickelt wie derjenige, der denkt Mühe wäre der Plural von Muh. Nunja, zurück zum Sport.

Während sich Pia ob der Waden von Kweuke gar nicht mehr einkriegen sollte, gesellten sich die beiden Ulis zu uns und gemeinsam stellten wir fest, was nur emsigen Trainingsbeobachtern auffällt. Pröll hatte sich die Haare gefärbt und Spycher neue Strähnchen, sah für Fußballer recht flott aus - ein wenig unpassend finden wir generell nur die Stutzen, durch welche die Waden leicht durchschimmern, das hat sowas von Nylonsocken für Männer - eher uncool.

Andi Menger wummste den Torhütern Pröll und Nikolov ein paar Bälle um die Ohren, dass man glauben konnte, unser Torwarttrainer sei der beste Standard-Schütze der Eintracht - vielleicht sollte er mal mit den Buben Ecken üben. Weiter hinten stand ein Mann mit verschränkten Armen und bewegte sich nicht; nein es war nicht Bellaid sondern unser erster Übungsleiter, der beiläufig den ganz in schwarz gekleideten jungen Männer beim Spiel zuschaute. Nein, nicht unseren Ultras, unserer ersten Mannschaft, die heute ohne Liberopoulos und Ochs trainierte. Auch die Herren Toski, Preuß und Vasoski fehlten schriftlich entschuldigt, während Krük und Zimmermann wohl bei der U23 weilten. Der Herr Caio trug Handschuhe bei frühlingsmilden Temperaturen und der Herr Kweuke ganz kurze Socken zu roten Kickschuhen. Ümit Korkmaz bevorzugte laubfroschgrünes Schuhwerk und Zlatan Bajramović eine schwarze Mütze. Überhaupt Bajramović , er lachte während des gesamten Trainings ein ums andere Mal, ob dies allerdings an den Handschuhen von Caio lag, ist nicht übermittelt.

Es folgte eine Trainingseinheit, die wir Spielzug nannten. Einzelheiten verrate ich hier nicht, nicht dass es morgen gegen 17:20 heißt, ich hätte unserem Gegner intimste Geheimnisse ausgeplaudert - und sei fortan Schuld für Geheimtraining ohne Zuschauer. Am Rand des Platzes standen einige Vertreter der schreibenden Zunft, die wir mit einem herzlichen deutsche Presse halt die Fresse begrüßten.

Nein, machten wir natürlich nicht, wir beobachteten eine wunderschöne Choreografie unserer Mannen, diesmal aus der Disziplin Synchrontorschleppen. Jeweils vier Spieler an einer Seite trugen im Gleichschritt ein Tor zu einer Linie, drehten sich formvollendet und setzten das Tor punktgenau auf die Linie, das macht uns so schnell keiner nach; die Bewegungen gingen derart geschmeidig ineinander über, da merkt man erst die Handschrift des langjährigen Trainers, der sich später tatsächlich bewegte.


Es folgte ein munteres Trainingsspielchen, wo zunächst ich selbst durch ein butterweiches Ballzurückspiel auffiel, nur wenig später schaffte Stefan ein gleiches noch eleganter, was ihm spontanen Szenenapplaus einbrachte, den er huldsam wie eine Königin entgegen nahm.

Fink schoss einen wunderbaren Treffer, der uns zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss, Kweuke guckte doof, wenn Pröll "Leo" rief und Sebastian Jung schleppte später die gelben Männchen übers Grün, während sich Chris einen Ball unter sein Leibchen steckte derweil er noch ein paar Flanken schlug; sage einer, die Buben hätten den Ernst der Lage nicht begriffen.

Unser Trainer hatte sich im Laufe des Tages nicht nur bewegt, nein: er hatte sogar gesprochen. Nah bei nah stand er mit Nikolov beisammen und plauderte mit ihm, wir können nur raten, was er gesagt hat, vielleicht sowas wie: Du glaubst doch wohl selbst nicht, dass du morgen spielst. Wenig später legte er jovial den Arm auf die Schulter unserer Nummer 11 und zeigte Menschlichkeit, wie sonst nur im Kölner Karneval. Was er zu Korkmaz sprach ist ebensowenig überliefert, wie die Worte zu Oka. Könnte es gewesen sein, dass er zu unserem Außenflitzer gesagt hat: Österreicher von Beginn an? Nicht solange ich Trainer bei Eintracht Frankfurt bin. Und könnte Ümit geantwortet haben: Naja, die zwei, drei Wochen kann ich es verschmerzen.

Nein, das ist bloß erfunden, lasst euch nicht veräppeln.

Später wollte der freundliche Zlatan Bajramović unbedingt noch ein Bild mit uns machen; selbst wenn wir geschlaucht vom Training sind, müde vom sich zum Abend neigenden Tag finden wir immer noch ein Minütchen, um auf die Wünsche der Spieler einzugehen; Pia knipste und ist also gedanklich dort zu finden, wo im Moment eure Augen sind.


Kurz danach kam sogar noch Kid vorbei, er hatte dem Museum einen kurzen Besuch abgestattet und wir unterhielten uns ein bisschen über die wenig erfreuliche Situation des Internetforums der Frankfurter Eintracht und über den Ausblick für das morgige Spiel. Sehr erbaulich war dabei die Information, dass Trainer Rangnick seinerzeit wegen der Trennung AG-e.V. nicht zur Eintracht wollte, da er keinerlei Verfügungsgewalt über den Nachwuchs haben sollte. Also, am Geld hat es damals nicht gelegen. Niemals.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.

Kid will morgen unbedingt gewinnen - und da ich der gleichen Ansicht bin, kann ja nun nichts mehr schief gehen. Während Uli telefonisch noch eine Karte erstehen konnte, machte sich der andere Uli vom Acker, auch Stefan verließ uns und so marschierten Pia, Kid und ich zurück ins Museum, wo Matze und Billy gerade dabei waren diverse Exponate an der Wand zu verdübeln, jener Matze der unlängst von Henni Nachtsheim zum Trainer der Eintracht geadelt wurde.

Matze legte eine DVD ein, welche Filmaufnahmen unserer Kurve während des Pokalendspiels in Berlin 2006 zeigte, jener Höhepunkt der letzten Jahre, der heute in dieser Art undenkbar ist; zuviel ist geschehen, zuviele tummeln sich im vierten Jahr der Erstklassigkeit der Eintracht im Umfeld, deren Ansprüche weit über das bestehende hinausgehen; der Zusammenhalt, der uns über Jahre hinweg mehr oder weniger auszeichnete, ist passé.

Für Kid hatten die Szenen natürlich eine besondere Bedeutung, sah er dieses Spiel doch mit seinem Neffen Marcus, der tragischerweise im letzten Jahr gestorben ist; ihm gingen die Bilder sichtlich nahe und er verabschiedete sich traurig von uns.

Als der Auftritt Tankards gezeigt wurde, durchliefen mich nicht nur Schauer der Erinnerung sondern mir flossen tatsächlich einige Tränen die Wangen hinab. Die Erinnerung an die Tage in Berlin, die Traurigkeit Kids und der erlebte Tag forderten ihren Tribut.

Nebenbei gewannen wir dann doch noch den DFB Pokal und verabschiedeten uns von Matze, der morgen wie wir alle im Stadion sein wird, wenn die Eintracht souverän und in dieser Höhe auch verdient die Emporkömmlinge der TSG Hoffenheim mit 4:1 nach Hause schickt.

Auf dem Rückweg konnten wir aus den Augenwinkeln den Mannschaftsbus der Mannschaft entdecken, die in meinen Augen sozusagen die Silikonbrüste des deutschen Fußballs sind.

Im CD-Player lief ein Lied des leider auch schon verstorbenen Georg Danzer mit dem Titel Weiße Pferde; es begleitet mich schon etliche Jahre und es ist ein wunderbarer Song, der mich immer wieder zu Tränen rührt. Irgendwie passte er zur Heimfahrt, Berufsverkehr auf der A3, Pendler, Handwerker, das wirkliche Leben. Kühl ist es geworden. Aber morgen scheint die Sonne, da bin ich sicher.


Dienstag, 10. März 2009

Wahnsinn, Frankfurts Trainer F.Unkel (55) nach dem Spiel gegen Hoffenheim, welches erst kommenden Samstag stattfindet, schon jetzt gesehen










Foto und Bearbeitung: Steffen Ewald

Nachbetrachtungen zur Lesung des "Andermachers" im Museum der Frankfurter Eintracht


Es war so gegen halbvier, ich rollte grade an meinem Lieblingsimbiss in Frankfurt vorbei, um mir noch zwei Burger zu gönnen, als mich Matze anrief: Beve, stell dir vor, draußen auf dem Trainingsplatz spielt die Eintracht gegen die Nationalmannschaft von Aserbaidschan.
Aserbaidschan? Mit Torwarttrainer Uli Stein?

Ich ließ Burger Burger sein und startete durch. Wie immer rollte ich durch Tor 3 in Richtung Stadion; selbst wenn du ohne Auto kommst, musst du durch dieses Tor, welches für den Ortsunkundigen nur schwer zu finden ist. Aus unerfindlichen Gründen bleibt der Haupteingang unweit der Straßenbahnendhaltestelle Stadion während der Woche geschlossen, so dass der Nutzer des RMV einen unwirtlichen Fußweg vor sich hat.

Gegenüber des Museums befinden sich die Trainingsplätze der Eintracht - und tatsächlich: auf dem hinteren spielten unsere Jungs gegen Aserbaidschan; eine Handvoll Zuschauer kibitzten, die meisten per Zufall, da sie etwas im Stadion zu tun hatten. Die Nieder Buben hatten dem Museum den Fußballschuh von Michael Fink überreicht, den dieser trug, als er in der Saisonvorbereitung gegen Paderborn zum Tor des Monats traf, GoodButcher hatte ebenso wie Doreen, die mit ihrem Kleinen anwesend war, etwas zu erledigen und so schaute ich ein bisschen zu und schwatzte mit den Menschen, die ich kenne.

Auf der andren Seite standen sowohl unsere drei Trainer Funkel, Reutershahn und Menger als auch Aserbaidschans Chefcoach Berti Vogts. Uli Stein plauderte mit Holz und ich nutzte die Gelegenheit, um Uli auf unser Museum hinzuweisen. Leider musste die Mannschaft direkt nach Spielende abfahren, da sie im Hotel und nicht im Stadion duschen sollten; aber ich bin mir sicher, dass wir Uli Stein in nicht allzuferner Zeit ins Museum locken können.

Die Eintracht-Kicker, welche nicht auf dem Feld standen, hockten mit schwarzen Kappen am Rande des Spielfeldes und beobachteten den 1:0 Sieg der Eintracht gegen die Mannen von Berti Vogts. Auf dem Rückweg wünschte ich dem Trainergespann viel Erfolg (vor allem für das anstehende Bielefeld-Spiel) und die Herren bedankten sich artig.

Alsbald begann ich mit Pia das Museum zu dekorieren; wir schnitten Farbfolien zurecht und schoben sie vor die Spots; legten rote samtimitatene Decken über die Tische und verteilten Kerzen. Nachdem Matze noch die Beleuchtung von den beiden Mannschaftsbildern im Vorraum abschaltete wirkte das Museum plötzlich ganz anders, als gewohnt. Aus dem klaren hellen Vorraum wurde mit kleinen Mitteln ein gemütliches Plätzlein und nachdem wir uns doch dazu entschieden hatten, eine Anlage inclusive Mikrofon aufzubauen harrten wird der Dinge die nun folgen würden und vor allem der Menschen, die sich aufraffen konnten, den weiten Weg ins Museum zwecks Lesung aus einem Buch, welches so gar nichts mit der Eintracht zu schaffen hat, anzutreten.

Zur Einstimmung lief auf dem Monitor eine DVD meiner Lieblingsband And also the trees, die zwar kaum jemand kennt, aber deren Musik hervorragend zur Stimmung des Buches und der Lesung passt.

Und peu a peu kamen dann tatsächlich die ersten Gäste, und als ich gegen viertel vor acht begann, hatten sich annähernd dreißig Menschen eingefunden; und das wegen eines Buches, das ich geschrieben hatte; wie gesagt: es ging ganz und gar nicht um die Eintracht. Um nicht einen einzigen zu vergessen, verzichte ich auf die Namensnennungen, sondern stelle fest, dass sowohl ganz alte Freunde dabei waren, die mit der Eintracht nur am Rande zu tun haben, Eintrachtfans die ich über das Forum kennen gelernt hatte, waren ebenso anwesend wie Leute aus dem Umfeld des Blog-G oder aus meinem Fanclub Schwarze Bembel, wie auch der ein oder andere aus dem großen Eintracht-Umfeld; ich freute mich über jede(n) einzelne(n), der/die gekommen war und wollte niemanden enttäuschen. Kid und Stefan hatten dankenswerterweise die Lesung in ihren Blogs beworben, in der Fan geht vor wie auch im Stadionmagazin wurde darauf aufmerksam gemacht und sogar auf dem Videowürfel wurde während der Partie gegen Schalke auf die Veranstaltung hingewiesen.

Matze sprach wie immer ein paar einleitende Worte und alsbald las ich aus meinem seltsamen Büchlein, vor mir auf dem Tisch brannte ein Kerzlein vor einem Spiegel und wir tauchten ein in die dunkelschöne Welt einer scheinbar lang vergessenen Zeit.

Das Buch trägt zwar den Titel Der Andermacher, eine handelnde Hauptfigur ist jedoch der Johannes Cüßnacht, der als Knabe als einziger einem Rattenfänger entkommt, der dem Mythos nach ein Dorf von einer Rattenplage befreit hatte aber nicht entlohnt wurde. Daraufhin kehrte er zurück und nahm die Kindlein des Dorfes mit sich, allein der Cüßnacht überlebte und verdüsterte vor der Zeit, ja er wuchs sogar keinen Zentimeter mehr seit jener Nacht. Einzig der Andermacher, ein etwa gleichaltriger Junge, der aus dem Nichts auftauchte und stets ein freundlicher, lebenslustiger Geselle blieb, begleitete ihn auf seiner Reise durch die Zeit.

Auf dem Monitor hinter mir präsentierten wir die Illustrationen von Kerstin Alexander, die auch im Buch zu finden sind und diese begleiteten uns auf dem Lebensweg des Johannes Cüßnacht, der mit einem Scharlatan, genannt der Silbermichel über das Dorf in die nahe gelegene Stadt führte und von dort auf die finstere Burg Rabenstein. Allerlei Gedanken und Erlebnisse formten den früh vergreisten bis hin zu einem Ende, welches hier nicht vorweggenommen werden soll, - stets war der Andermacher in dessen Nähe, obgleich dieser sich frohgemut durch die Weltgeschichte abenteuerte.

Auch wenn als Narren wir belächelt werden,
als Sommertraum, als Springinsfeld,
so spiegeln unsre Seelen nur
eure eigne Seelenwelt.
Drum handelt klug, benehmt euch weise
und öffnet eure Herzen vor der Zeit.
Allein Bestand in diesem Leben
hat nur der Traum und die Vergänglichkeit
doch bedenkt dabei,
der Traum vom Glück
ist nichts – als bloß ein Schelmenstück.

Mit diesen Worten endete die Lesung, die mit Pause knapp zwei Stunden dauerte und es war sehr ruhig im Museum der Eintracht, ich glaube - und dies zeigten mir auch die Reaktionen im Anschluss, dass es für alle Anwesenden ein Erlebnis war, ein runder Abend sozusagen und dass niemand sein Kommen bereut hatte. Ich selbst war völlig zufrieden, zum Einen ob der Atmosphäre und zum Anderen darüber, dass ich es abgesehen von ein paar Holperern geschafft hatte, mich über die Dauer zu konzentrieren.

Ich blies das Kerzlein aus, nahm den Beifall des Publikums ebenso dankbar entgegen wie eine Flasche Sekt von Matze, signierte etliche Bücher und so klang ein Abend bei vielen Gesprächen rund um die Lesung, die Eintracht und über das Leben aus.

Ich fand den Abend großartig und bedanke mich bei allen, die diesen Abend möglich gemacht haben, bei meinem Verlag, insbesondere bei Roman Pliske, der den Mut hatte und an mein Werk über die Jahre hinweg geglaubt hatte; bei Erdmute Hufenreuter, meiner Lektorin, ohne sie der Andermacher bei weitem nicht so gut geworden wäre, bei Kerstin Alexander, deren Illustrationen den Andermacher punktgenau getroffen haben, bei Matze, dass ich im Museum lesen durfte, bei Pia, die immer an mich geglaubt hat und bei denjenigen, welche die Veranstaltung so tatkräftig beworben haben. Und natürlich bei euch, die ihr anwesend wart und somit eine Lesung erst sinnig machtet.

Wer weiß, wo und wann wir uns wiedersehen. Bis dahin: Gute Reise.







Die Illustrationen sind von Kerstin Alexander, das Foto von Stefan Krieger. Danke.

Montag, 9. März 2009

Wort des Monats Februar 2009



So sieht das Endergebnis also im Februar aus. Patrick Ochs sagte in einem Interview mit der FR, dass die Eintracht ab nun die Schönspielerei vergessen könne. Dies sahen viele von euch ähnlich, die Schönspielerei belegte den letzten Platz mit lumpigen 3 Stimmen - eindeutig zu wenig.

Jeweils acht Stimmen entfielen auf die Optionen Wilhelm und Lieblingsschüler. Kid hat sich in einem Blogbeitrag ausführlich zum Thema Lieblingsschüler geäußert, auch die Anmerkung des Isaradlers ist durchaus erhellend; allein für den Platz an der Sonne hat es nicht gereicht; ebenso wenig für den Wilhelm.

Die Ursprungsgeschichte ist eine recht lustige, fügte doch ein unbekannter Scherzbold bei Wikipedia in die lange Liste der Vornamen des neuen Bundeswirtschaftsministers einfach ein Wilhelm hinzu, obgleich der neue Bundeswirtschaftsminister, dessen Nachnamen niemand mehr kennt, gar nicht so heisst. Er heisst zwar Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester und Karl-Theodor - aber Wilhelm definitiv nicht. Das ist Fakt. Dies hatten allerdings diverse Medien galant ignoriert. Im Blog-G mutierte die gern genutzte Floskel das ist Fakt recht bald zu das ist Wilhelm. So weit so schön.

Unangefochtener Spitzenreiter im Februar 2009 wurden wir. Die Problemfans. 1200 davon waren vor wenigen Wochen in Karlsruhe zu Gast, als Frankfurter sechs Leuchtraketen fackelten und dazu Rauch und Bengalos entzündeten. Um Missverständnissen vorzubeugen sei gesagt, dass es nicht 1200 Leuchtraketen waren - und dass es abgesehen vom Feuerwerk in und um Karlsruhe relativ ruhig zuging. Die hindert aber weder die FR noch die Pforzheimer Zeitung noch bspw. die Internetseite kA-news.de daran, unisono von 1200 Problemfans zu berichten. Es waren nicht 900, nicht 1100 und nicht 2.500. Gezählte 1200. Nämlich alldiejenigen, die mit den Zügen gefahren sind. Dabei gingen auf der Busfahrt zum Wildpark sensationelle zwei Scheiben kaputt und ein paar Kracher wurden geworfen. Also, nicht 1200 Scheiben und 1200 Bomben, um dies klar zu stellen. Aber jede(r), der dabei war, wurde kurzerhand in Problemfan umdefiniert; auch wenn einfach nur eine günstige Möglichkeit in Anspruch genommen wurde, von Frankfurt nach Karlsruhe zu kommen. Sicher ist es nicht schön, wenn etwas kaputt geht. Und Feuerwerkskörper in die Nähe von Menschen zu werfen geziemt sich auch nicht. Aber spricht jemand von Problemkarnevalisten angesichts dieser Statistik? Nein, wozu auch?

Was sind denn nun die Problemfans? Diejenigen, die nicht brav ihr Geld in die Fanshops tragen und jeden Scheiß mitmachen und akzeptieren, vom Plüschtiermaskottchen bis hin zu flackernden Werbebanden, welche während des Spieles vom eigentlichen Zweck der Zusammenkunft ablenken. Nämlich dem Spiel selbst.

Wenn das so ist, dann waren in Karlsruhe 1201 Problemfans unterwegs; ich wurde in der Auflistung schlicht unterschlagen.

Herzlichen Glückwunsch Problemfans zum Wort des Monats Februar 2009.



Willkommen zurück, Steffen


Eine voll besetzte Heimtribüne und null (0) Gästefans, wo hat es das schon einmal gegeben? Richtig, gestern, am Bornheimer Hang, als die U23 der Frankfurter Eintracht die zweite Mannschaft des SC Freiburg empfing. Am Tage des 110. Geburtstages unserer grauen Diva erlebten an die 700 Zuschauer, darunter Bernd Hölzenbein, Ronny Borchers, Alex Conrad und Petar Houbtchev eine 1:2 Heimniederlage des Tabellenführers der Regionalliga Süd gegen den Vorletzten aus dem Breisgau. Schon früh gingen die Freiburger durch eine Eigentor von Daniel Halke in Führung, erst ein Foulelfmeter, von Theuerkauf verwandelt, brachte noch vor der Halbzeit den Ausgleich. Ein erneuter Foulelfmeter brachte die Gäste in Führung, welche die Eintracht trotz größter Bemühungen vor allem in den letzten Minuten nicht mehr egalisieren konnte. Somit stand die erste Heimniederlage zu Buche.

Das Schönste an diesem Nachmittag war sicherlich die Anwesenheit von Steffen Ewald, der nach seinem schweren Verkehrsunfall im Oktober nach annähernd sechs Monaten endlich wieder ein Fußballspiel live sehen konnte; die Ultras würdigten die Rückkehr des Fotografen und Museumsmitarbeiters mit einem eigenen Spruchband. René hat jede Menge Bilder gemacht, auf sge4ever.de könnt ihr euch eins machen. Ein Bild vom Sonntagnachmittag am Bornheimer Hang.

Freitag, 6. März 2009

DFB 1899 Hoffenheim


Es ist immer sinnig, geschäftliche Verbindungen zu gegenseitigem Nutzen durch kleine Zuwendungen zu erneuern. So auch in diesem Falle, als zwei Spieler der TSG Hoffenheim, Ibertsberger und Janker nach dem Spiel in Gladbach zu spät zur Dopingkontrolle erschienen waren und sich dadurch einer Strafe von bis zu zwei Jahren ausgesetzt sahen.

Das Ergebnis der Untersuchungen des DFB hätte man sich denken können, hier ist es nach zu lesen. Denn wie sagte schon Wolfgang Niersbach, Generalsekretär des DFB über Hoffenheims Mäzen Hopp: Wir sollten froh sein, dass er sein Geld nicht in Museen und Kunsthallen steckt, sondern unter anderem in den Fußball

Und dieser Freude wird dann halt auch mal praktischen Ausdruck verliehen.

Andererseits hat man ja wichtiges zu tun. Dies ist hier nachzulesen.

Lasst, die ihr eingeht, alle Hoffnung fahren.


Der Adler, knapp eine Woche zierte er meinen Blog als oberster Wächter; als das Symbol, welches uns alle vereint. Er schaute auf uns von oben herab, still, majestätisch, erhaben.

Viel ist passiert in den letzten Tagen; die Vorkommnisse in Karlsruhe, die Stellungnahme der AG, welche für ebenso viel Wirbel sorgte, wie die Pyroeinlage; die Kurvendiskussion in den80ern im Museum, zu der ich in der nächsten Fan geht vor einen Bericht veröffentliche werde, (den ich zeitnah dann auch hier online stelle); das Heimspiel gegen Schalke, als ich mit einem Kanister Apfelwein bewaffnet am Container der Ultras meine Sicht der Dinge versuchte darzulegen; der Stammtisch der Fan- und Förderabteilung im Backstage, der sehr gut besucht war und lebhafte Diskussionen mit sich brachte und dazu meine Lesung im Museum, wo ich vor 30 Gästen in außergewöhnlich entspannter und düsterfreundlichen Atmosphäre aus meinem Buch der Andermacher vorgelesen habe.

Zuvor hatte ich das Vergnügen, einem Trainingsspiel der Eintracht gegen Aserbaidschan beizuwohnen; ich war nicht alleine, unter anderem kibitzten Steffen Menze, Ralf Weber und Thomas Sobotzik, während Uli Stein als Torwarttrainer der Aserbaidschaner sozusagen beruflich bedingt dabei war. Auch Bernd Hölzenbein war anwesend, eine illustre Ansammlung ehemaliger Eintracht Spieler, welche in dieser Zusammenstellung auch eher selten ist.

Die Erinnerungen an all die Erlebnisse verbinden sich zu einem Farbknäuel; viele unterschiedliche Themen bewegen uns und zu jedem gäbe es eine Menge zu sagen - ich weiß nicht so recht, wo ich beginnen soll, wo aufhören und wie weiter zu machen ist.

Vielleicht beginne ich mit einem Hinweis auf ein Heimspiel unserer U23 kommenden Sonntag am Bornheimer Hang gegen die zweite Mannschaft des SC Freiburg. Nachdem unsere Jungs letzte Woche bei Hessen Kassel durch ein 2:2 die Tabellenführung in der Regionalliga Süd verteidigen konnten steht nun die Begenung gegen den Tabellenvorletzten auf dem Spielplan, es wird das erste Heimspiel im Jahr 2009 werden und alles andere als ein Heimsieg wäre enttäuschend. Könnte man meinen. Doch die Breisgauer kämpfen um den Ligaverbleib und Eintracht Frankfurt ist immer noch Eintracht Frankfurt. Wer also Zeit und Lust hat und nicht in Bielefeld verweilen kann oder will, möge am 08.03.2009 unsere Jungs am Borneimer Hang unterstützen. Anpfiff ist um 14:00.

Um 17:00 ist Anpfiff in Bielefeld. Das ist gut, da ist nämlich nicht schon am Freitag das Wochenende versaut; große Hoffnungen mache ich mir derzeit keine. Amanatidis, Spycher, Bajramovic, Liberopoulos, Vasoski und Preuß sind verletzt bis angeschlagen, Fenin und Russ gesperrt - und die Fans, vor allem die Auswärtsfahrer sind immer noch verärgert über die Ankündigung der Eintracht Frankfurt Fußball AG, Eintrittskarten für Auswärtsspiele nur noch personalisiert auszugeben.

Aber schon über Dantes Hölle stehen die Worte: Lasst, die ihr eingeht, alle Hoffnung fahren. Oder anders formuliert: ich bin guter Dinge, ich erwarte nichts.


Vielleicht berappeln sich ja die Buben auf dem Platz und gehen allen Unkenrufen zum Trotz mit erhobenem Haupt vom Feld, vielleicht hat auch der ein oder andere Kids Beitrag No Class gelesen. Richtig ernst wird es erst am kommenden Samstag, 14.03.2009. Dann ist die TSG Hoffenheim zu Gast im Waldstadion. Dieses Konklumerat aus Beziehungsgeflecht und Geld, der Inbegriff dessen, was modernen Fußball ausmacht, dieses Modell.

Dann gilt es sowohl auf den Rängen als auch auf dem Platz zu zeigen, was wir unter einem Fußallspiel verstehen; die Kurve muss toben und die Eintracht Gras fressen. Bis dain haben wir noch eine Woche Zeit, uns zu besinnen. Nutzen wir diese Zeit.




Das Foto der Lesung ist von Stefan Krieger. Danke.

Montag, 2. März 2009

Adler


Attila




Das Foto von Attila stammt von Stefan Krieger während des Spiels Eintracht - Schalke. Danke